Beiträge von Brechstange

Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!

    Ich finde alle Fragen und die Perspektive super. Hier einfach mal meine Antworten dazu.


    zu 1: Das ist die Logik eines Dienstleisters. In dem Fall müsste das Training aber im Monatsabo für 2 Einheiten/Woche à 1.5 Stunden mind. 50 Euro kosten. Die Logik eines Vereins ist, dass alle beitragen - auch durch regelmässige und freiwillige Anwesenheit im Training. Der Dienstleister hingegen hat von sich aus dafür zu sorgen, dass genügend Kinder im Training sind.

    zu 2: Das ist die Logik der Freizeit in einer egozentrischen Gesellschaft. ICH bin da und will JETZT Fussball spielen. Vergleichen und im nächsten Schritt Selektieren (Punkt 4, hoffentlich nicht bei Bambini bis E-Jugend) sind Merkmale des organisierten Sports - so ist der auf der Erde. Der Grundgedanke des Sports ist der Leistungsvergleich. Ansonsten braucht es überhaupt keine Spiele am Wochenende - dann einfach nicht für den Spielbetrieb melden. Wenn ich aber am organisierten Sport teilnehme, akzeptiere ich damit sein Regelwerk (und kann versuchen, pragmatische Lösungen zu finden oder das System von unten zu verändern -> Funino, FPL).

    zu 3. Das frage ich mich auch immer, aber immerhin sorgt es für mehr Einsatzmöglichkeiten.

    zu 5 und 6: Weil die Kinder sich nicht auf dem Bolzplatz treffen, sondern einem Verein beigetreten sind. Weiteres Merkmal des organisierten Sports: standardisiertes Regelwerk. Aber natürlich sollte man das in unteren Alterklassen flexibel und pragmatisch handhaben, es gibt ja viele gute Beispiele im Forum, wo davon berichtet wird. Ich bin aber davon überzeugt, dass gerade die kindgerechte Gestaltung Aufgabe der Erwachsenen ist - sonst eben Bolzplatz und kein organisierter Spielbetrieb.

    Das mag ja bei manchen so sein, wie oben beschrieben. Es gibt aber auch NLZ von Vereinen die -nur- 2 Liga spielen, aber in den Jugenden Topnachwuchsarbeit leisten, da ist das Gegenteil der Fall. ..


    Mit Pauschalkritik sollte man deswegen vorsichtig sein.

    Das -Star- gehabe fällt mir persönlich eher bei den DFB Stützpunktauswahlspielern auf, die im Grunde noch nichts erreicht haben und viele durch eben diese Einstellung auch nichts erreichen werden.

    Sorry, hast völlig recht. Ich wollte es nicht so darstellen, dass es überall so ist, und sicher wird vielerorts gute Arbeit geleistet. Da ist bei mir durchgegangen, was ich in den letzten Wochen teilweise gesehen habe. Ich wollte hier auch nicht auf die Spieler eindreschen, sondern eher hinterfragen, ob sich diese Investitionen dann wirklich auszahlen; oder ob vielleicht, so wie ich Skriwer verstanden habe, dadurch eher der Blick für das Wesentliche verlorengeht.

    Don Quijote

    Ich vermute hinter den "minimalen Mitteln" die "enorme Erfolge" feiern das Personal. Wenn du einfach sehr gute Trainer hast, die dein (gutes) Konzept mit Leben füllen, brauchst du nicht viel mehr. Ein Platz, ein paar Bälle und Hütchen reichen, um mit talentierten Kindern und Jugendlichen enorme Fortschritte zu erzielen. All jenes, was einem ein Leistungszentrum bietet: Krafträume mit Athletiktrainern, Psychologen, Leistungsdiagnostik durch modernste Mittel wie Videoanalyse, Trackingdaten, medizinische Tests etc.. ist mit enormen Kosten verbunden für vergleichsweise wenig Return. Diese Dinge sind auch eher bei schon ausgewachsenen Spielern, die sich gerade am Übergang zum Profitum befinden relevant und nicht für einen talentierten U15 Jungen. Des Weiteren tritt wohl hier auch das gute alte Paretoprinzip ein: 80% der Ergebnisse können mit 20% des Gesamtaufwandes erzielt werden. Die restlichen 20% brauchen jedoch 80%des Aufwands.

    Für die Topklubs scheint es jedoch eine Prestigefrage zu sein, die modernsten Anlagen und tollsten Internate mit Sterneköchen zu haben und deshalb wird der Preis für Jugendarbeit künstlich auf gebläht.

    Super Beitrag. Wahrscheinlich erreicht man eben genau das Gegenteil. 15-jährige fühlen sich als Stars, denen der rote Teppich ausgerollt und alles abgenommen wird. Verwandten wird stolz das "eigene Zuhause" präsentiert. Man führt umfangreiche Messungen und Videoanalysen durch, wo Fehlerbilder und Defizite eigentlich mit blossem Auge für jeden halbwegs erfahrenen Trainer ersichtlich sind. Wömöglich wird dann noch bei einer Niederlage das "Umfeld" verantwortlich gemacht und der Psychologe hinzugezogen. Wenn dann die böse Realität kommt - harter Wettbewerb, sich im nächsthöheren Jahrgang durchzusetzen - müssen sie es aber eben alleine schaffen. Dann sind halt die in der besseren Position, die nicht so gepampert wurden und auch schon mal alleine eine schwierige Situation bewältigt haben.


    Mir gefällt der Satz von Skriwer besonders gut: "Ein Platz, ein paar Bälle und Hütchen reichen, um mit talentierten Kindern und Jugendlichen enorme Fortschritte zu erzielen." Da ich aktuell viel mit Auswahlspielern (U13-U17) zu tun habe, stelle ich fest, dass da die Neigung, einfach mal Bolzen zu gehen, in dem Alter - nicht nur zeitbedingt - extrem nachlässt. Es braucht schon (wieder übertrieben) den überregionalen Auswahltrainer, der einen motiviert, sich zu bewegen.

    Ja, das würde ich definitiv anders sehen. Fußball ist Fußball und verbindet kulturübergreifend. Wenn unser Sohn auf seiner alten Schule auf den Schulhof kam, hatte er immer in nullkommanix die ganzen Flüchtlingskinder um sich herum, weil die nämlich alle Fußball spielen konnten (und wollten). Sprachlich unterhalten ging da nur mäßig, hat aber keine Rolle gespielt, weil die Kids sich kickend perfekt verstanden haben.


    In meinen Augen ist die Vorstellung, dass die Art Fußball zu spielen irgendwie kulturell geprägt wäre oder auch etwa von den "deutschen Tugenden", nicht mehr als ein Mythos. Fußball ist Fußball, überall auf der Welt. Deswegen kann auch eine deutsche Nationalmannschaft durchaus in der Vorrunde ausscheiden. Ist halt zufällig in den letzten Jahrzehnten noch nie vorgekommen. Aber es geht :-)

    Also, ich habe jetzt nicht von kids auf dem Schulhof geschrieben und auch nicht von "Deutschland scheidet nie aus". Wenn aus jedem Land 22 Spieler (Menschen) plus Umfeld, für einige Wochen zusammen sind, wenn alle Medien in diesem Land über das Ereignis berichten - Du sagst, da spielt die Kultur dieser Menschen, wie sie aufgewachsen sind, wie sie in und ausserhalb des Sports sozialisiert sind, keine Rolle dafür, wie sie sich als Gruppe zusammenfinden, welche und wie starke Hierachien sich bilden und wie man miteinander umgeht, und was der Einzelne sich herausnehmen kann? Das ist in etwa so, wie wenn Du sagst, ist doch egal, ob Du in einem amerikanischen, koreanischen, japanischen, französischen oder deutschen Unternehmen arbeitest, ist ja überall das Gleiche, business ist business.



    Miro Klose hat das gerade erst vor der WM in einem Interview offenherzig erzählt, dass es einer der Vorteile des Campo Bahia war, dass man sich dort wunderbar aus dem Weg gehen konnte. Ist das der "Teamgeist", den du meinst? Merkwürdiger "Teamgeist".

    Ist für Dich dann nur Teamgeist, wenn alle die gleichen Hobbies haben und immer alles gemeinsam machen? Wenn alle miteinander befreundet sind, ist Teamgeist ja kein grosses Kunststück. In so einer grossen Gruppe dürfte klar sein, dass nicht immer jeder mit jedem gut auskommt. Ist halt wie Grossfamilie - toll, alle zusammenzuhaben, toll, wenn alle wieder weg sind. Trotzdem ist man halt im Idealfall füreinander da, wenn es darauf ankommt.

    Brechstange : ich glaube nicht, dass Suarez und Cavani bei Uruguay genauso behandelt werden, wie die anderen. Die werden auch ihre Privilegien haben - und trotzdem steht da eine Mannschaft auf dem Feld => ist zumindest mein Eindruck von außen (oder Modric bei Kroatien)

    Ja - wo habe ich etwas anderes geschrieben? Der Unterschied ist doch nur, dass Suarez und Cavani auch ihre Leistung für das Team bringnen, während die Weltmeister sich halt als Weltmeister gefühlt und Privilegien eingefordert haben, ohne eine weltmeisterliche Leistung zu bringen. Das Mexiko-Spiel war doch voll von Situationen, in denen man das sehen konnte.

    Sorry, aber das hat doch mit "deutscher DNA" nichts zu tun. Fußball ist ein Mannschaftssport, klar. Aber zugleich lebt er vor den Einzelkönnern, das ist doch banal.


    Miro Klose hat das gerade erst vor der WM in einem Interview offenherzig erzählt, dass es einer der Vorteile des Campo Bahia war, dass man sich dort wunderbar aus dem Weg gehen konnte. Ist das der "Teamgeist", den du meinst? Merkwürdiger "Teamgeist".

    Also, dass über ca. 40-50 Jahre betrachtet Deutschland eine andere Art zu spielen entwickelt hat als z.B. Argentinien oder Brasilien, dass es ein anderes Verständnis davon gibt, wer ein "Star" ist und welche Privilegien so jemand hat, welche Bedeutung das Kolelktiv hat ... dem würdest Du widersprechen? Spielen aus Deiner Sicht alle Nationen gleich Fussball? Haben Kulturunterschiede keinen Einfluss darauf, wie Mannschaften in Teamsportarten geführt werden?

    z.B. "Die Mannschaft": eine Gruppe in der alle gleich sind oder gemacht werden, wird keine Höchstleistungen erzielen. Das haben wir in Deutschland nicht nur im Fußball, sondern auch in der Bildung. Wir brauchen Unterschiede und Reibung in einer Gruppe bzw. Gesellschaft.

    WIe schnell doch alles geht ... 2014 wurde Deutschland Weltmeister, angeblich, weil “Brazil has Neymar, Argentina has Messi, Portugal has Ronaldo, Germany has a team." Für mich war genau das der Unterschied zwischen 2014 und 2018, was ja nach dem Mexiko-Spiel auch breit diskutiert wurde, wo niemand bereit war, den Fehler des Anderen auszubügeln.


    Hinzu kommt aus meiner Sicht noch, dass überraschend viele Spieler einfach deutlich unter ihrem Niveau geblieben sind:. Für mich war da neben Khedira, Draxler und Müller vor allem Kimmich ein (negativer) Faktor, weil seit Lahms Wechsel auf die rechte Seite von dort einfach immer Druck kam.


    Also 1. wenig Teamgeist, 2. Spieler ausser Form, 3. schlechte Chancenauswertung.


    Mit Erdogate oder dem Fehlen von Sané kann ich irgendwie wenig Zusammenhang erkennen. Für das 1 gegen 1 waren doch 2018 mit Draxler, Brandt und Reus mehr Spieler im Team bzw. mit Einsatzzeit als 2014. Komischerweise konnte man da noch Weltmeister werden ohne einen solchen Spieler.

    Wie oft höre ich im Jugend- und Kinderbereich das Wort abspielen? -> Sorry, da kommt nie ein Ronaldo, Messi, Suarez oder wie sie alle heißen dabei raus

    Naja. Ronaldo, Messi und Lewandowski sind auch schon zuhause ... Es gibt einfach schlicht nicht so viele Spieler auf diesem Niveau, weltweit. Und ich finde es gar nicht schlecht, dass es eine Art "deutsche DNA" im Fussballspiel gibt,die eben die Mannschaft nach vorne stellt. Andernorts ist die DNA eben mehr auf Einzelpersonen zugeschnitten, vielleicht passt das eben auch jeweils mehr zur Mentalität im Land?

    Wobei ich auch beobachte, dass im Sommer mehr ins Tor wollen als im Winter

    ... was ja die Frage nahelegt, warum ein Spieler ins Tor möchte. Immer legitim ist: ich möchte ausprobieren (auch zum 13. Mal).


    Es gibt aber auch ...

    - dann muss ich nicht so viel rennen

    - dann ist insgesamt nicht so viel los und ich kann mehr in die Luft gucken

    - dann kann ich mich auf dem Boden wälzen

    - die gepolsterten Klamotten und Handschuhe sind cool

    - ich mag die Zweikämpfe im Feld nicht ( das sind dann die Spieler, die unbedingt ins Tor wollten, sich bei festeren Schüssen aber schnell wegdrehen)

    - ...


    Ich finde, von diesen Motiven kann man dann gegen Mitte/Ende F auch wegkommen. Wenn dann immer noch sechs übrig bleiben, die es alle wollen und dann rotieren, ist es doch super.

    Don Quijote : Für mich widersprechen sich die beiden Aussagen etwas, oder meinst Du damit, dass Ende C noch einmal viel Wechsel stattfindet, dann aber auch Schluss ist?

    Ab Ende C ist dann aber ziemlich die Tür zu, d.h. es ist selten, dass ein Spieler dann noch vom kleinen Verein zum NLZ dazu stößt und dort eine tragende Rolle übernimmt. Es finden aber weiter viele Wechsel zwischen den NLZs statt.

    Die Spieler, die aktuell in der U15 spielen sind im Laufe der jahre dazu gestoßen, wobei gerade letzte Saison von U14 auf U15 viele Neue kamen, auch von kleinen Vereinen (in denen die Jungs dann aber oft im älteren Jahrgang gespielt haben).

    Interessant finde ich noch die Frage (wenn Du Dir da bei deinem Sohn eine halbwegs objektive Meinung zutraust): Wäre diese Entwicklung das gewesen, was schon ein wenig absehbar war? War Dein Sohn für Dich immer und ständig über alle Zweifel erhaben, während andere gekämpft haben?


    Bei meinem Mittleren (der sich mit 9 für einen andere Sportart entschieden, hat die er parallel ausgeübt hat, wir reden also nicht von Fussball) war es so, dass er mit 12 in ein "Leistungsteam" kam; mittlerweile ist er noch einer von Dreien aus der ursprünglichen Gruppe (von 22). Aus den verschiedensten Gründen nicht mehr dabei sind viele Jungs, die ihm damals und auch noch längere Zeit deutlich überlegen waren. Gleichzeitig sind einige dazu gekommen, denen man vor drei Jahren noch deutlich weniger Perspektive zugesprochen hat.

    Jetzt mach mir doch mein schönes Erlebnis am Wochenende nicht kaputt


    Hast vermutlich recht, genau diese Dinge sind mir bei meiner "Analyse" später auch durch den Kopf gegangen.
    Trotzdem haben die stark gekämpft, und wenn ich es in einfacher Laufleistung ausdrücke dann sehe ich ja auch wie viel bestimmte spieler mehr gelaufen sind.


    :S Sorry, war nicht beabsichtigt .... aber sieh es mal so: die Bereitschaft, sich reinzuhängen, ist an anderen Tagen gleich gross; die kids wissen nur manchmal nicht, wie sie das machen sollen. Wenn sich das Geschehen in der eigenen Hälfte abspielt und ich einen Ball abfange geht es einfach mit maximaler Geschwindigkeit nach vorne. Das verstehen sehr viele schon in der F. Aber wenn sich in der Mitte alles ballt, der Gegner aber womöglich nicht direkt angreift?... Wo soll ich dann bloss hin mit mir und dem Ball? Also erst mal stehenbleiben ... Die Mitspieler ohne Ball machen es genauso, weil sie auch nicht wissen, wo sie sich jetzt freilaufen sollen. Und der Trainer ruft "Bewegung"!?


    Aber wahrscheinlich hast Du schon recht, dass die kids mehr rennen wenn Du vor dem Turrnier sagst (oder sie es wissen), dass es heute nur gegen starke oder ältere Gegner geht.

    Die Frage ist ja, wie bekommt man das in den Griff, sodass sie immer alles geben. Egal gegen wen sie spielen? Und vor allem wie bekommt man das hin ohne Druck o.ä.

    Wenn der Gegner überlegen ist, aber nicht um Welten, ist es immer einfacher, gut auszusehen; allgemein weniger Ballbesitz, Team steht automatisch tiefer, Raum für Konter wenn der Gegner einen Fehler macht; ich denke, über 90% der Trainer würden sagen, dass ihre Teams gegen stärlere Mannschaften besser aussehen. Für den Trainer selbst sieht es dann oft so aus, als zeigten die Spieler in diesen Spielen mehr Einsatz; umgekehrt würdest Du vom Gegner der stärkeren Mannschaft oft hören, sie hätten gegen Euch nicht ihr bestes Spiel gemacht, sich zu wenig bewegt, keine Räume gefunden etc.


    Zusätzlich zu den Problemen, die vermeintlich überlegene Teams auch im Erwachsenenbereich haben kommt noch hinzu, dass Kinder viel weniger Erfahrung darin haben, eine (körperliche oder spielerische) Überlegenheit auszuspielen. Dann sieht es in der Tat oft so aus, als sei das Spiel statisch, keiner hat Ideen und keiner bewegt sich. Von aussen kommen dann oft die überaus hilfreichen Anweisungen "Mehr bewegen" oder "schneller spielen".

    Auswahltrainer werden selten nach ihren Fähigkeiten bestimmt, mit Kindern der betreffenden Altersgruppe schwierige Gespräche zu führen. Man kann das beklagen, aber man wird sich damit abfinden müssen. Seit ich eine U14 trainiere (und selbst Kinder zwischen 9 und 15 habe) muss ich auch sagen, ich finde es schwierig, alle diese kids zu erreichen; dafür sind sie gerade in der Altersstufe zu unterschiedlich, manche lassen praktisch niemanden an sich heran.


    Man kann sich daher wünschen, dass solche Gespräche vernünftig geführt werden, aber man kann es leider nicht erwarten; noch wichtiger: selbst wenn sie noch so gut geführt werden, wird man als Eltern gefragt sein; darüber sollte man sich bewusst sein, wenn das eigene Kind beginnt, sich mit solchen Auswahlen zu befassen. Von daher, @betreuer72, bist Du nicht gefragt, Deiner Tochter zu erklären, dass sie ein schlechtes Zweikampfverhalten hat; aber, dass solche Entscheidungen Momentaufnahmen sind, dass sie subjektiv sind, und schlussendlich, dass es im Leben andere Dinge gibt; in dem Fall behaupte ich, dass ein Kind, welches von zu hause her gefestigt ist und Zuspruch bekommt, vielleicht einige Wochen kämpft, aber dann mit der Situation klar kommen und nach vorne schauen wird. Vielleicht kommen wir Eltern manchmal sogar weniger gut mit diesen Entscheiden klar als die Kinder?

    @Goncare: ein Problem in vielen Vereinen und Teams: wenn es jemanden wie Dich gibt, der sich offenbar wirklich um alles selbst kümmert .... macht sonst keiner mehr was. Erstens, wie hier schon geschrieben wurde, weil das nach kurzer Zeit "eingepreist" ist. Du machst es halt einfach, muss ja sonst keiner was machen.


    Zweitens, und da musst Du Dich vielleicht hinterfragen - besteht dann schnell die Wahrnehmung, dass Dir eh nicht zu helfen ist. Wenn Du Dich ja eh immer um Alles kümmerst und dann ist es auch noch so perfekt, dann verlieren die (wenigen) engagierten Leute auch schnell den drive. Einfache Ausreden sind dann "der lässt eh keinen was machen", "will die Fäden nicht aus der Hand geben" usw. Ob das jetzt auf Dich zutrifft weiss ich natürlich nicht, aber ich kenne z.B. einen Fall, in dem eine Einzelperson einen kompletten Verein (von 2 auf 120 Mitglieder) quasi im Alleingang aufgebaut hat. Die Umwelt war am Anfang voller Bewunderung und es gab durchaus Leute, die auch unterstützen wollten, aber nach kurzer Zeit gab es die Wahrnehmung, dem könne man nicht helfen, will ja eh alles selbst machen.


    Vorschlag: Für die neue Saison machst Du eine Auflistung der Dinge, die Du als deine Aufgabe ansiehst und in die Hand nimmst. Du hast weitere Dinge auf der Liste, von denen Du sagst, dass sie nur stattfinden, wenn es jemanden gibt, der diese Dinge FEDERFÜHREND übernimmt, Du hälst Dich am besten ganz raus oder unterstützt maximal.


    Für Deine Motivation (mindestens ist das bei mir so) ist es super, wenn Du mal zu einem event Deines Teams kommst, dass Du einfach nur geniessen kannst, ohne dass Du in irgendwelche Organisation involviert bist.

    Ich glaube dem Jungen selber ist das fast egal.

    Für mich ist das der entscheidende Satz. "Fast egal" heisst doch, dass der Junge nicht ausdrücklich wechseln möchte, oder? In den Fall sollte er in "seinem" Team bleiben. Meine Erfahrung ist, dass es selten gut ausgeht, wenn der Wechsel z.B. von den Eltern oder wie hier, vom Trainer der nächsthöheren Mannschaft, aber nicht vom Spieler selbst, ausgeht.


    Gerne z.B. als "Förderkader"-Spieler einmal pro Woche bei den Älteren mittrainieren.

    Wie die Meinungen hier auseinander gehen :D
    Ich finde es absolut lächerlich so ein Tor wie Libra es erzählt hat geben zu wollen! Wir reden von einer U7 Mannschaft!


    Und nicht freuen dürfen? Die Kinder dürfen jubeln wie sie wollen, solange sie nicht das 15:0 erzielen...

    Die Meinungen gehen auseinander, weil jeder ein anderes Bild im Kopf hat. Und zugegebenermassen - das habe ich auch in meinem ersten Kommentar geschrieben - hat der Bericht von @Libra an keiner Stelle vermuten lassen, dass es hier zu übertriebenen Jubelarien kam.


    In erster Linie habe ich auf den Kommentar von @Goodie reagiert, in dem empfohlen wird, dass die Mannschaft, die das Tor erzielt, den Ball aus dem Netz holt und behält, bis sie wieder einsatzbereit ist. Aus meiner Sicht geht eben das gar nicht. Beim Spielen mit Schiedsrichter gibt es in dem Fall die gelbe Karte wegen Spielverzögerung - unsportlich eben.


    Und, @Goodie @Mike82, ich habe nirgendwo geschrieben, man dürfe sich nicht freuen. Hier ist aber die Rede von 4 gg. 4 Fussball in der Turnierform, die Spiele sind kurz und die Teams klein. Aus der Erinnerung würde ich sogar sagen, dass ich mal ein solches Turnier gesehen habe, das gar nicht mit Anstoss, sondern mit Torabstoss weiterging, was ich eigentlich eine gute Regelung fand.



    Und die Sache wieder mal auf den fehlenden Schiri abzuwälzen deute ich langsam echt als Inkompetenz. Also ich habe kein Problem damit, zu den Kindern der anstoßenden Mannschaft zu sagen, dass sie doch bitte mal kurz warten können, bis der Gegner wieder da ist.
    Ich persönlich finde es ziemlich unehrenhaft, solche Schwächen auszunutzen, würde aber nie dem Gegner einen Vorwurf machen wenn er es tut. ich würde mich am eigenen Schopf packen und unter "gepennt" abhaken.

    Zum ersten Teil: Ja, Du gehst zu den Kindern und erklärst ihnen das, jetzt regeln es dann wieder die Erwachsenen, das war genau die Idee der FPL, oder ... ? Mir geht es in meinem Hinweis aber weniger um den fehlenden Schiri als um die Bolzplatzromantik. Wenn, dann richtig. Diese Arten von Schlitzohrigkeit waren doch die Essenz des Bolzplatzes (und eher die harmlosere Art). Aber auch da haben wir möglicherweise sehr unterschiedliche Erinnerungen und Bilder im Kopf....


    Zum zweiten Teil: eigentlich ist der Fall im Fussball ja nicht vorgesehen, weil das eben beim Spielen mit Schiedsrichter nicht vorkommen kann. Daher ist diese Situation auch nicht geregelt. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass das egozentrische Weltbild ("wir haben ein Tor geschossen und dürfen ja wohl gefälligst jubeln") eben auch ein Spiegelbild bei dem Team hat, dass gerade ein Tor kassiert hat. Und hier finde ich es als Trainer besser, wenn die kids gleich darauf heiss sind, zum Gegenangriff zu starten, als wenn sie wie die Ölgötzen da stehen, weil sie ein Tor kassiert haben. Im Zweifel bekommen es U7 Kinder nicht einmal mit, ob und mit wie vielen Spielern der Gegner schon wieder auf dem Platz steht. Wenn, wie von @Libra geschildert, der gegnerische Traier die kids zu diesem Verhalten antreibt - über den Fall müssen wir ohnehin nicht disktuieren.

    Nur wenn der Zeitnehmer, Spielleiter oder wie auch immer ihr ihn bei euch nennt, in vorherigen Spielen sogar schon anmahnt, dass man auf eine Spielunterbrechung warten soll und nicht fliegend wechseln soll, dann ist das in dem Fall wohl erstmal so hinzunehmen.

    Um das auch noch einmal klarzustellen: Wenn es eine solche Ansage gibt, ist der Fall klar - unsportlich. Auf den Kontext kommt es an.


    Ich habe es in letzter Zeit öfter mal erlebt, dass in diesen Turnieren angemahnt wurde, nach Toren etc. zügig weiterzuspielen. Wird das durch langen Jubel oder gar "Ballklau" unterbunden, finde ich es legitim, auch mal loszulegen, während der Gegner sich noch sortiert. Jedenfalls kann ich Trainer verstehen, die das besser finden, als wenn die eigenen Spieler dem Gegner beim Jubeln zuschauen.

    Normalerweise geht es erst weiter wenn alle wieder so weit sind. DAS ist Fairness. Wenn das ein Gegner nicht bedient, dann bitte schön! Meins ist das nicht. Und ja, ab und an gibts was zu bejubeln. Da hat vielleicht der dicke Paul sein erstes Tor überhaupt gemacht. Oder der Sechsjährige zum ersten mal mit eins mit links...


    Aber da du das ja gutheißt und die dieses Verhalten noch als "schnell umschalten" lobst: hier ist deine Ananas...

    Oh je, warum muss man da so dünnhäutig reagieren? Ich war nicht dabei und kann die konkrete Situation nicht beurteilen. Ich habe versucht, eine mögliche andere Perspektive aufzuzeigen.


    Aber noch einmal ganz deutlich: Den Ball festhalten, um ausschweifend feiern zu können, ist respektlos und unsportlich. Auch wenn Paule sein erstes Tor schiesst. Der ist nämlich nicht allein auf dem Platz.

    Zwei Dinge fallen mir da ein.




    1. "Sich jubelnd in den Armen liegen" ... das ist aus meiner Sicht eine Unsitte. Man darf sich durchaus freuen und dann zügig zurück in die eigene Hälfte gehen. Den Ball festhalten, um dann eine Show abzuziehen, während die Spielzeit runterläuft ... OK, das hat @Goodie nicht geschrieben. Aber in einem Juniorenspiel fallen hoffentlich viele Tore. Es soll zügig weitergespielt werden. Wenn das eine Team nun sogar extra en Ball festhält, um länger feiern zu können, empfinde ich das schon als latent unsportlich.


    2. Wenn die Kinder in der Geschichte von @Libra aus eigenem Antrieb heraus handeln, würde ich sie vielleicht auch loben - Stichwort - schnell umschalten. Bei Ecke, Einwurf oder Freistoss warten wir schliesslich auch nicht, bis sich der Gegner formiert hat (leider tun es die meisten Spieler bei uns doch...). Mir wäre es deutlich lieber, mein Team holt den Ball aus dem eigenen Tor und versucht gleich zu antworten, als dass alle mit hängenden Köpfen dem Gegner bei seiner neuesten Choreo zuschaut.


    Ok, weder @Libra noch @Goodie haben die Situationen so geschildert. Aber - der gegnerische Trainer hat sein Team gesehen, welches so gehandelt hat, wie er sich das wünscht; ihr seht das aus Eurer Perspektive und ärgert Euch. Übrigens: Die Situation kommt nur beim Spielen ohne Schiedsrichter vor und ist sehr Bolzplatz- typisch ... also genau was die FPL will....

    Ähnliche Erfahrungen wie hier schon beschreiben - Kinder verstehen das schnell, gewöhnen sich auch schnell daran.


    Es gibt ja eine Reihe von Sportarten, in denen ohnehin in Blöcken gespielt wird (Eishockey, Floorball...). In Abweichung zum Kommentar von @Skriwer habe ich da gelernt: für die Entwicklung der Spieler ist es am besten, wenn die Stärksten (und dann logischerweise auch die Schwächsten) zusammenspielen, gerade unter Wettkampfbedingungen. Es gibt dann auch weniger Unmut (der "Star" spielt nicht ab, weil der Ball seiner Meinung nach eh verloren geht), und oft ist man gerade von seinen "Schwächeren" überrascht, wie sie sich dann ins Zeug legen (und sich nicht auf den "Star" des Blocks verlassen). Natürlich gilt das nicht sklavisch, manche Spieler spielen trotz homogenem Leistungsniveau einfach nicht gut zusammen.

    In der Schweiz gibt es ein neues Konstrukt: den 1418coach


    http://www.sport.zh.ch/interne…e/Projekte/1418coach.html


    Die Idee ist, dass 14-18 jährige eine zweitägige Ausbildung machen, um im Anschluss erfahrene Leiter als Co-Trainer unterstützen zu können. Wer die Ausbildung absolviert hat und Coach wird, bekommt Fördergelder. Spätestens mit 18 muss man dann die "klassische" Leiterausbildung absolvieren.


    Ich halte das für eine super Idee, auch wenn der zugrunde liegende Anlass, dass es immer schwieriger wird, ehrenamtliche Kräfte zu finden, traurig ist. Von daher ist es mir ein Rätsel, warum man meint, eine engagierte 13 jährige hier erst mal in die Schranken weisen zu müssen.