Dann will ich mich mal versuchen.
Thema besonders "schwere Fälle" von disziplinlosen Spielern:
1) Da ich mein EInsatzgebiet in meinen 10-12 Trainerjahren eigentlich ausschlißlich bis zur älteren D-Jugend (eventuell in Ferienschulen mit jüngerer C-Jugend) war, kann ich nicht wirklich mit großen eigenen Erfahrungen aufwarten.
Grundsätzlich glaube ich, dass es in der C-Jugend deutlich schwerer ist, an der Disziplin und dem Verhalten von Spielern zu arbeiten. Deshalb ärgere ich mich auch grundsätzlich über G-, f- oder E-Jugendtrainer, die ihren "Superstars" alles durchgehen lassen. Die dürfen im Spiel nachtreten, den Schieri anmeckern etc. und bleiben trotzdem auf dem Feld. Leidtragender ist hierbei das Kind, denn wie erwähnt je höher das Alter desto schwerer sind solche DInge zu erlernen. (Ich hbe mal gelesen/gelernt, die wissenschaftliche Quelle kann ich nicht mehr nennen das sich die Grundformen eines Charakters bis zum 9 oder 10 Lebensjahr heranbilden) Deshalb ist es zwingend notwendig, dass man die Trainer in diesen Jahrgängen sensibilisiert. Zum Wohle des Kindes.
Mittlerweile spielen von mir trainierte Kinder in den Männern. Außerdem kenne ich einen ordentlichen Teil talentierter junger Männerspieler diverser Vereine der Region schon seit E-, D- und C-Jugendalter (aufgrund meiner Trainertätigkeit kenne ich stets nahezu alle talentierten D-Jugendspieler unserers Großraumes). Spieler die heute durch Undiszipliniertheitenauffallen, taten dies auch als 11jährige. Spieler die Trainer hatten, die es ihnen "austrainierten" haben diese zweifelhafte Gabe meist komplett abgelegt, und Spieler, die eh nie dazu neigten tun dies weiterhin nicht.
So nun zur genauen Fragestellung:
Ich denke, dem Großteil der Problemspieler kann man durch konsequentes Handeln in ein funktionierenden "Spieler" wandeln. D.h. nicht, dass sie nicht hin wieder über die Stränge schlagen und ihre Grenzen ausloten, aber das sehe ich nicht als Problem, dass gehört zu lebhaften Jungen halt auch dazu.
Was macht man nun mit einem "Problemspieler", der nicht in erträgliche halbwegs funktionierende Bahnen zu bringen ist?
Ich denke soclh "harte Fälle" sind die Ausnahme, zwei oder gar mehrere davon in einer Mannschaft halte ich für extrem unwahrscheinlich. Vielmehr sind einige "Mitläufer" an der Seite eines extremen Problemkindes schwer/nicht zu händeln, aber ohne den "Hauptprotagonisten" händelbar. So zumindest meine Erfahrung.
Und genau deshalb auch meine, wahrscheinlich hart klingende Meinung, wenn man einen solchen "Chaoten" hat, bei dem auch gutes Zureden, persönliche Gespäche, disziplinarische Maßnahmen, etc. nicht wirken:
Dieser Spieler muss zum Wohle aller anderen aus der Gruppe entfernt werden. (Wie gesagt nicht leichtfertig, sondern nachdem andere Maßnahmen nicht wirken). Ich habe das Wohl (Spaß und sportliche Entwicklung) ALLER Kinder zu beachten.
Irgendwann sind sonst die funktionierenden Kinder demotiviert und hören auf/wechseln.
Die "halben" Problemkinder kann ich nur händeln, wenn dieser eine nicht dabei ist, also ist auch zu derem Wohle.
Ich stehe also vor der Wahl: das Wohl von ca 10 gegen das Wohl von einem.
Wir hatten in vielen Jahren der Fussballfeienschulen einmal einen Fall, wo wir den Eltern mitteilen mussten, dass er sein Geld anteilmäßig zurückbekommt, aber für uns nicht mehr tragbar ist. Dies erfolgte aber erst, nachdem wir am Tag zuvor schon ein Gespräch mit der Mutter hatten. Sicherlich ist es eine harte Enscheidung, und sicherlich fällt sie auch schwer, aber es gibt extreme Situationen, in denen man zwischen Einzelfall und dem Wohle aller abwägen und harte Enscheidungen treffen muss. Um das nochmal zu betonen, ist dies aber keine schnelle, überhastete Entscheidung, sondern es laufen verschiedene Vorstufen, wie EInzelgespräche, Disziplinmaßnahmen, etc. vorran.
Und bezogen auf einen kleinen Verein, der nur kleine Kader hat, kann in meinen Augen die Konseuenz nur die gleiche sein.
Ich würde in Vorstufen ihn auch dann vom Wettkampf suspensieren (sofern sein Verhalten diese Konsequenz nötig werden läßt), wenn ich dann mal ein Spiel/Turnier mal ohne Wechselspieler oder in Unterzahl absolvieren muss(eventuell kann man sich einen deutlich jüngeren Spieler ja mal ausleihen).
Wenn der junge merkt und weiß, dass man ihn eh braucht, weil man sonst zuwenig hat, wird man ihn eh nicht "erziehen" können. Gerade das konsequente Handeln bei besonders "wertvollen" Spielern oder in besonders schwierigen Momenten (Spielermangel) bietet die größtmögliche Chance und Effizienz der Maßnahme.
Gerade in älteren Jahrgängen (D-Jugend, C-Jugend) erreicht man vielleicht auch gerade durch eine solche Maßnahme, dass die Mitspieler "helfen" diesen Spieler zu erziehen, da er mit seinem Verhalten die ganze Mannschaft schwächt bzw. gefährdet. Hierbei können Führungsspieler bzw. seine Freunde auch eine Chance sein, da er auf deren Worte/Verhalten anders reagiert.
Sollte selbst das nicht helfen, dann muss man sich von dem Spieler trennen, sonst steht man eh recht bald vor dem Problem, dass andere Spieler die Lust verlieren.
Das ist meine momentane Sicht der Dinge, gestützt auf eigenen Erfahrungen und den Erfahrungen von Trainerkollegen.
Fussball ist ein Teamsport, hierbei sollte das Team und jedes einzelne Teammitglied im Vordergrund stehen. Wenn aber ein einzelner stetig und ohne Besserung das ganze Team sabotiert, so muss zum Wohle aller anderen entscheiden.
Wenn Trainer allerdings frühzeitig (in jungen Jahren) und konsequent gegen solches Verhalten steuern, bin ich der festen Überzeugung, dass solche Fälle die absolute Ausnahme bedeuten.