So erstmal zu dem Zeitungsartikel:
Nach einem halben Jahr !!! dafür zu sorgen (hier müssen Kontakte bestehen), dass so ein Artikel in die Zeitung kommt, da muss ein Vater (ja ich meine den Vater) wohl sehr gefrustet, über das Ende des Traumes sein, den eigentlich sein Sohn leben/träumen sollte.
Zum Thema "Wechsel zu einem Bundesligisten" ist mir die Diskussion hier zu einseitig. Ich finde einige Widers, aber die Vorteile, die durch so einen Wechsel entstehen (können), werden hier nicht genannt oder erkannt.
Bevor ich mich hier auf die andere Seite der Argumentation begebe, will ich auch meine Meinung kundtun. Ich denke man muss in dieser Frage den EInzelfall betrachten. Pauschal sagen, wann der richtige Zeitpunkt für so einen Wechsel ist, kann man in meinen Augen nicht.
Fussball im NLZ/Bundesligisten heißt Eliteförderung. Und diese beinhaltet Elektion/Auslese. Das ist auch außerhalb des Fussballs überall so.Fragen und Diskussion zum Thema Moral erübriegen sich.
Wie sieht es denn bei den so genannten mittelmäßigen Vereinen aus? Findet hier nicht (mindestens) eine genauso große Auslese statt. Fallen nicht bei solchen Vereinen (RW Essen, TeBe, SSV ULM, Waldhof Mannheim, VFB Lübeck, etc. um mal einige eher prominente Beispiele zu nennen) auch regelmäßig Spieler durchs Raster und müssen, dann in die E3 oder D4?
Oder die Stützpunktspieler, werden nicht auch hier immer wieder Kinder aus dem Förderprogramm genommen, um die Plätze anderweitig zu vergeben.
Ist man nach dem ersten Auswahlspiel (Kreis oder Fussballverband) auf ewig in ihr gesetzt?
Ein Kind hat bei einem Bundesligisten, die Möglichkeit Erfahrungen zu sammel, die ihnen keiner nehmen kann, und die sie ihren Enkel erzählen können.
So hörte es sich, zumindest in diesem Thread ( U12: Polnische Zuschauer sind anders )an, an der die Jungs vom HSV, Hertha und Gladbach teilhaben konnten.
Turniere, wie der U11 Eurocup http://www.u11-eurocup.de, oder das U13 Knabenturnier http://www.nordkurier.de/knabenturnier/infos/index0.php, sind unvergessliche Erlebnisse. Vor mehreren Tausend in einer ausverkauften, tobenden Halle, gegen Bayern München u.ä. zu spielen. Welcher Sportler würde das nicht gerne, und wenn es nur in der E-Jugend oder D-Jugend war.
Der Vater im Artikel beschreibt selbst, das sein Kind sich im persönlichen Bereich besser entwickelt hat, als seine anderen Kinder. Ich kenne auch Fälle, wo sich die Kompetenzen, wie Verantwortungsbewusstsein, Eigeninitative, Selbständigkeit, Sorgfalt, Verlässlichkeit, etc, auch in den "sozialen Zeugnisse" der Schule deutlich verbessert haben. Also eine positive Veränderung, die in einer anderen (neutalen)Instanz bewertet wurde.
Höchstwahrscheinlich wird es auch wieder Quereinsteiger ala KLase geben, aber man sollte auch folgene Fakten nicht außer Acht lassen.
- Die Bundesligisten betreiben seit höchstens 10 Jahren diese qualitative Jugendarbeit. Das bedeutet, dass Spieler, die von der U9, U8 oder gar U7 an, diese Förderprogramm eines Bundesligisten erfahren eigentlich noch gar nicht existieren, zumindest sind sie dann aktuell immernoch für die A.Jugend spielberechtigt.
Fakt ist nämlich, dass die Zeit, die aktuelle U-Nationalspieler schon in ihrem NLZ spielen immer länger wird. Zahlreiche aktuelle U15 Natinalspieler spielen schon seit mindestens der E-Jugend bei ihren Vereinen, Tendenz steigend. (Ob das nun die bessere Sichtung oder die bessere Ausbildung ist oder eventuell beides sei mal dahingestellt)
Auch die Vereinshistorie von Bundesligaprofis ala Götze, Khedira etc. weisen immer längere Verweildauern in den Jugendteams der Bundesligisten auf. Welche zu finden, die erst in der A- oder B-Jugend diesen Sprung gewagt haben, und jetzt Bundesliga spielen, sind deutlich schwerer und begrenzter finden.
- Selbst wenn der "kleine" Verein qulitativ gleichwertige Trainer und Trainingsbedingungen bieten kann, so kann er das regelmäßige Messen in Training und Wettkampf nicht auf diesem Niveau bieten, da die Gegenspieler nicht gut genug sind. Dies gilt für jeden Zweikampf in jedem Training.
- In anderen Sportarten ist der Einstieg in den Leistungssport viel eher erforderlich, wenn man Chancen haben will. Im Turnen z.B. ist man als 8jähriger zu spät dran.
- Klar schaffen es die wenigsten in die Bundesliga. Aber kann man sich nicht trotz des Wechsels zu einem Bundesligisten nicht auch ein bischen weniger als Ziel ausgeben. Regionalliga, Oberliga oder Verbandliga bieten auch gute Möglichkeiten für Zusatzgelder oder die Finanzierung des Studiums. Und die Quote dafür ist doch ordentlich.
- Ein Beispiel will ich noch schildern:
Ein Spieler, wirklich talentiert hat jahrelang, so ab U12 jährlich vom lokalen Bundesligisten umworben, hat immer wieder abgelehnt. Leider hat er (getrieben von seinem Trainer) dies auf eine Weise gemacht, dass er den Bundesligisten stark verärgerte. Es ging nicht um die Absage, der Klub hat schon andere Spieler im 2. oder 3. Anlauf geholt. Der Spieler wechselte aber trotzdem (mit seinem Trainer) ein paar mal den Verein. Da man die Art und Weise dem "Trainer" zuschrieb und den jungen dafür nicht betrafen wollte, hat man trotzdem mehrer Versuche unternommen. Irgendwann in der U15 oder U16, immernoch von Talent des Spielers überzeugt, hat man die Tür dann aber verschlossen. Als der Spieler nun doch den Schritt zum Bundesligisten machen wollte, konnte er diese Option nur bei einem andere Verein (andere Bundesligisten wollte ihn mittlerweile auch, Talent war ja unbestritten) und der Konsequenz Internat wahrnehmen. Leider kam er mit dieser Lebenssituation Internat, fern von Eltern und kompletten Umfeld nicht klar und ging dem Fussball ganz verloren. (Eventuell kickt er wieder auf niedrigem Niveau, ich weiß es nicht)
Natürlich kann man nie sagen, was wäre wenn. Aber man kommt ins Zweifeln, ob er (der Trainer) da wirklich zum Wohle des Jungen agiert hat.
Einen Satz will ich noch zum Thema Druck sagen.
Meist ist der Druck, den der Bundesligist oder dessen Trainer auf die Kinder ausübt, eher geringer als in anderen Vereinen. (Gewinndenkende Trainer sind ja hier im Forum nun wahrlich kein unbekanntes). Der Druck, den die Eltern auf ihre Kinder ausüben ist i.d. Regel das Problem. Aber das Phänomen hat man auf allen Niveauebenen, sogar in der F6 von FC Schießmichtot. (Man muss ja nur mal solch ein Turnier in Mitten der Eltern "genießen". Sobald die Mannschaft spielt, weiß man in welchem "Fanblock" man sitzt, auch das Zuordnen der Eltern zu den Kindern ist häufig leicht möglich).
Ich würde meinen Jungen wahrscheinlich nicht vor U10 zu einem Bundesligisten schicken. Das hat erstmal den primären Grund, dass man in meinen Augen erst ab diesem Alter ordentliche Talentprognosen stellen kann. Oder anders, vorher geht es nicht. Dabei geht es mir nicht um das Ziel Bundesliga, aber ein schnelles Aussortieren wird unwahrscheinlicher, und man ein paar Jahre "genießen".
Von U7 oder U8 Spielern bei Bundesligisten spielen schon der U11höchstens noch 2 Spieler eine tragende Rolle. In so jungen Jahren kann man i.d.R. keine seriosen Talentprognosen machen. Das ist wie im Trüben Wasser fischen, ein Treffer, aber auch viel Mist.
Außerdem muss man den Einzelfall betrachten, nicht jedes Kind ist gleich, die Fahrtwege sind unterschiedlich, etc.
Aber das Argument "Schule leidet" oder keine "Freizeit" ist in meinen Augen meist unzutreffend.
Auch ein Bundesligist hat "nur" dreimal in der Woche Training. Ab U13 oder U14 erhöht sich das.Das gibt es auch bei anderen Vereinen, die in die "sanfte Förderung" fallen der Fall. Der Fahrtweg sollte nicht zu hoch sein, aber die sanfte Förderung beansprucht ja auch ein bischen mehr Zeit, als der Heimatverein. Aber 30 min im Berufsverkehr zum Bundesligisten finde ich vertretbar. Der Zeitverlust zum mittelmäßigen Verein ist dann nicht allzu hoch.
Was eine Mehrbelastung darstellt, ist, dass man bei den Bundesligisten hier und da mal am Wochenende verreist ist.
Aber mal ehrlich, welcher Schüler, verbringt mehrere Stunden am Tag mit Lernen/arbeiten für die Schule. (Sollte dies so sein, ist das Kind eh nicht auf der richtigen Schule, Sport hin oder her). Ich habe die Erfahrung gemacht (und das sagt ja auch der Vater im Artikel), dass diese Spieler viel organisierter, strukturierter sind, und sich somit ihre Zeit besser einteilen. Sie können so Fussball und Schule und zusätzlich auch Freizeit, also Freunde oder Computer, o.ä. vereinbaren.
Nun es ist spät, ich habe viel geschrieben, und muss morgen früh in der Halle sein.
