Andree, jetzt lass mal die Kirche im Dorf.
1.) Weil er verschieben in der E- oder D-Jugend (du machst hierbei unterschiedliche Angaben) trainiert, hört keiner auf mit dem Fussball.
Streitbar ist, ob man die Phase der Ausbildung nicht für andere Inhalte nutzen sollte, damit die Spieler sich optimal entwickeln. Maximal schuldig macht sich der Trainer in meinen Augen, bei der Frage der optimalen sportlichen AUsbildung.
2.) In Italien z.B., wird bereits in der F-Jugend Mannschaftstaktik trainiert, das seit Jahrzehnten, und Italien hat es zum Weltmeister 2006 gebracht. Auch in anderen Ländern oder Sportarten (z.B. Eishockey oder Basketball und das in Deutschland) ist die Mannschaftstaktik bereits in frühesten Jahren Trainingsinhalt.
In Deutschland im Fussball ist Taktik verschriehen, in meinen Augen, weil den meisten die Kompetenz fehlt. Aber bis vor ein paar Jahren wurde gemeckert, dass der deutsche Fussball taktische Defizite zu anderen Ländern hatte bzw. hat (gegenüber dem italienischen Fussball gilt das wohl immernoch).
3.) Ich z.B. trainiere eine sehr talentierte 99iger Mannschaft und ja, ich fordere dasVerschieben auch bei mir seit mindestens 6 Monate ein.
Und ich behaupte mal ganz arrogant, dass meine Spieler nahezu komplett unglaublichen Spaß im Training und Wettkampf haben. Einige saugen diese taktischen DInge geradezu auf, und wollen das lernen. Die Begeiterung war riesig, als wir mal ein 11g11 Spiel veranstalteten, und ich in ein paar Sätzen, die wichtigsten Basics der Viererkette kurz erklärte. (Einige hätten das gerne ausführlich bekommen, aber das ist auch in meinen Augen momentan noch vergebene Zeit).
Natürlich tun sich andere schwerer mit taktischen Dingen. Aber ist es dann nicht gerade erforderlich solche Spieler frühzeitig und langsam mit Taktik vertraut zu machen? (die Frage wurde mir gestellt und habe noch keine abschließende Meinung)
Verschieben z.B. zu verstehen und zu erlernen ist doch wesentlich leichter bei 6 SPielern auf dem Feld, als bei 10?
4.) Permanente Schreihälse, oder Trainer bei denen Lob und Tadel in einem Mißverhältnis stehen, die vertreiben Spieler vom Fussball, das glaube auch ich.
P.S.:
Du wolltest Fehler in meiner Arbeit wissen, die ich auch bei mir einräume. Fehler erkenne ich meist erst in der Nachbetrachtung, sonst würde ich das so nicht machen. Ich mache meine Arbeit als Trainer überlegt und nicht aus dem Bauch heraus, so dass ich dann vom Handeln und den Inhalten auch überzeigt bin.
Wenn ich aber betrachte, wie mein Handeln vor 5-6 Jahren aussah, so muss ich sagen, dass ich vieles heute anders mache. Und ganz sicher mache ich in weiteren 5 Jahren wieder einiges anders. ICh könnte Unmengen an Beispielen geben.
Aber einen Fehler mache ich nicht. Ich nehme kein Konzept etc. unrefektiert, als absolut und komplett richtig wahr. Ich mache mir stets meine Gedanken und versuche das in meinen Augen gute und richtige rauszuziehen.
Im DFB-Konzept z.B. ist vieles auch in meinen AUgen gut und schlüssig, aber eben längst nicht alles. Du scheinst dies aber komplett als Fussballbibel zu verstehen. Dabei wird sich auch dieses Konzept verändern etc., weil die Zeit und die Erfahrung neue Erkentnisse bringe.
Wie wurde vor ca 10 Jahren das Coerverkonzept gehypt, gute Jugentrainer mussten sich danach richten, ging mir genauso. Heute finde ich das maximal durchschnittlich.Coerver selbst hat es ja nun grundlegend überarbeitet (er hat anscheinend auch gravierende Mängel erkannt) und selbst dies neue Version finde ich nun kaum nutzbar. Ich habe mittlerweile (momentan) die Auffassung Techniken möglichst praxis- und spielnah zu trainieren und mache irgendwelche Pass- oder Dribbelparcoure nur in sehr begrenztem Maße und meist aus anderen Motiven als Coerver.
