Follkao und golfstrom:
Ich stimme euch vollkommen zu, dass Technik im Kinder/frühen Jugendbereich klare Prio 1 hat.
Meine taktischen Vorgaben (und ich bezeichne hier mal alles als taktisch, was nicht technisch ist) sollen lediglich dazu dienen, dass ein Spiel ermöglicht wird. Quasi wie die Seitenlinie, die den einzelnen Spieler zwar in seiner Kreativität einschränkt, aber dennoch sinnvoll ist, damit für alle ein sinnvolles Spiel entsteht. Diese regeltechnischen Vorgaben habe ich durch taktische Vorgaben ergänzt, damit sich alle aktiv und jederzeit am Spiel beteiligen können.
Dass vieles davon in der D Jugend schon keine Rolle mehr spielt und die Kinder später einmal nicht direkt davon profitieren ist mit klar. Wichtig ist, das der berühmte dicke Otto während eines Spiels 5x und nicht nur 1x angespielt wird und dass er sich während des gesamten Spiels 2 anstatt nur 1 km bewegt. Von den Ballkontakten und der Bewegung profitiert er später in jedem Fall (physisch) und von der gesteigerten Beteiligung am Spiel auch (mental).
Zum Thema kreative, eigenständige Entscheidungen würde mich mal interessieren, wie man das fördert? Ich bin da immer noch bei meinem Beatles Beispiel von oben. Ohne viele einstudierte Varianten (Tonleitern in allen möglichen Tonarten) werden nur sehr wenige Naturtalente eigene Variationen entwickeln können.
Hier steckt zu viel Diskussionsstoff drin, um es unkommentiert zu lassen.
Meine taktischen Vorgaben (und ich bezeichne hier mal alles als taktisch, was nicht technisch ist) sollen lediglich dazu dienen, dass ein Spiel ermöglicht wird.
Deine Definition ist problematisch.
Ich stimme euch vollkommen zu, dass Technik im Kinder/frühen Jugendbereich klare Prio 1 hat.
Wenn wir von Taktik sprechen, unterscheiden wir zwischen Individual-, Gruppen- und Mannschaftstaktik. Eine Technik ohne Individualtaktik zu vermitteln, ist sinnlos.
Nehmen wir mal beispielhaft die Ballmitnahme. Wenn ich den Ball mitnehme, muss ich gleichzeitig entscheiden, in welche Richtung ich ihn mitnehme. Davon wiederum ist abhängig, mit welchem Fuß ich ihn mitnehme bzw. ob ich ihn mit der Innen- oder Außenseite mitnehme. Davon wiederum ist abhängig, wie ich mich anspielbar mache: z.B. Ballerwartungshaltung, offene Spielstellung, evtl. Auftaktbewegung, Starten in einen Raum usw. Die reine Ballbehandlung ist somit abhängig von meiner individualtaktischen Entscheidung. Das eine geht nicht ohne das andere.
Eine technisch perfekte Ballmitnahme in 3 Gegner hinein ist vielleicht schön anzusehen aber trotzdem erfolglos.
Dass vieles davon in der D Jugend schon keine Rolle mehr spielt und die Kinder später einmal nicht direkt davon profitieren ist mit klar.
Du bildest bewusst etwas aus, was sie nicht brauchen? Kann man die Trainingszeit nicht sinnvoller nutzen?
Meines Erachtens hat Deine Vorgabe von Laufwegen je Position ohnehin nichts mit Taktik zu tun.
Wichtig ist, das der berühmte dicke Otto während eines Spiels 5x und nicht nur 1x angespielt wird und dass er sich während des gesamten Spiels 2 anstatt nur 1 km bewegt.
Du legst alle an die Leine damit sich einer bewegt? Schule doch besser den einen, die freien Räume zu suchen.
Zum Thema kreative, eigenständige Entscheidungen würde mich mal interessieren, wie man das fördert? Ich bin da immer noch bei meinem Beatles Beispiel von oben. Ohne viele einstudierte Varianten (Tonleitern in allen möglichen Tonarten) werden nur sehr wenige Naturtalente eigene Variationen entwickeln können.
Hier kommen wir zur zentralen Frage.
Eins vorweg: Fußball ist tatsächlich keine Musik. Nicht nur, dass wir es mit einem Ball spielen anstatt mit einem Klavier - jedes Spiel ist auch unterschiedlich, nicht wiederholbar und es gibt generell nur den "first take".
Wir fördert man nun Kreativität? Technik mit dazugehöriger Individualtaktik schulen, in Spielformen (1:1 bis 4:4, auch Überzahlvarianten) anwenden, Wiederholungsrate durch Provokationsregeln erhöhen. Kinder nicht auf Positionen festnageln.
Prinzip: "Wir besetzen alle Positionen" anstatt "Jeder hält seine Position."
Provokationsregeln, die gewünsche Spielsituationen begünstigen, nutzen.
Ein Beispiel:
Wer Funinho so coacht, dass die Intensität hoch ist und evtl. ein paar Provokationsregeln reinbringt, wird irgendwann den ersten Gassenpass sehen, ohne den Begriff jemals benutzt zu haben.
Anderes Beispiel:
Fußballtraining - Zweikampf mit der Tschechenrolle für Angreifer und Verteidiger | Soccerdrills.de
Spieler, die es nicht gewohnt sind, ihre Position halten zu müssen, werden bei dieser Übung irgendwann hinterlaufen oder kreuzen. An der Stelle setzt Dein Coaching neu ein: Benennen, was das war und besprechen, was das bewirkt. Z.B. den Abwehrspieler fragen, warum es für ihn an der Stelle schwierig wurde. Du lässt sie also künftige Lösungen selbst erarbeiten und sich gegenseitig erklären. Durch deine Fragestellung sorgst Du dafür, dass sie die Erklärungen selbst bringen. Du fragst also und erklärst nicht selbst. Am Ende kannst Du es nochmals zusammenfassen.
Ausbildung von Technik/Individualtaktik und Einsatz in gezielten Spielformen sorgt dafür, dass sie viele gruppentaktische Lösungen selbst finden.
Das Beispiel von ruffy85 passt da hervorragend.
Deine definierten Laufwege werden Dir oft Lob von außen einbringen: "Jeder kennt seine Aufgabe." usw. Die Lösungen, die für Positionstäusche sorgen, schließt Du damit aber nahezu aus.
let1612 Funfact: Das Ziel, dass die Spieler besser/genauso gut werden wie ich erreiche ich in der Regel ab der D Jugend. Drei Spieler aus dem Jahrgang von dem ich euch berichtet haben spielen seit der D Jugend in einem NLZ/Top-Leistungsverein bzw. schon einen Jahrgang höher. Im Jahrgang davor/danach hat das nur ein einziger Spieler geschafft und da weiß man noch nicht wie lange er im NLZ bleibt.
Ob das jetzt an Talent/Glück liegt oder daran, dass ich meinen Spielern von Anfang an ermöglicht habe das Spiel als Ganzes zu lernen und nicht nur als "offensives 1vs1" überlasse ich deiner Interpretation...
Aber für einen Trainer, der selber nicht mal in der Nähe der Bezirksliga gespielt hat, ist das gar nicht so verkehrt.
Dein Ernst? Deine Statistik leitest Du aus dem Vergleich zweier Jahrgänge ab? Ich kann so aus dem Stehgreif gar nicht sagen, wie viele spätere NLZ-Spieler ich im Laufe der Jahre begleitet habe. Auf die Idee, einen Zusammenhang zwischen meinem Training und ihrer NLZ-Karriere herzustellen, wäre ich allerdings nie gekommen.
Die wahren Talente begleiten wir als Trainer im Breitensport meines Erachtens nur. Wenn aber welche dabei sind, denen wir einen Baustein mitgegeben haben, anstatt Kreisliga später Bezirksliga zu spielen, dann ist das schon cool. Leider oder zum Glück werden wir aber auch das nie mit Sicherheit sagen können.