Klar ist natürlich auch, dass besonders durch abwechslungsreiches Training in Spielformen und einem Training in entspannter Atmosphäre meistens beide Ziele (Spaß, Ausbildung) gleichermaßen erfüllt. Aber wie beschrieben...nicht ohne Ausnahmen.
Grundsätzlich hast Du damit das Wesentliche schon gesagt. Spaß und Ausbildung schließen sich nicht aus.
Ich stelle sogar eine Gegenthese auf: Fußball macht am meisten Spaß, wenn man's kann.
Aber auch Deinen Ausnahmen kann ich nicht uneingeschränkt folgen.
In der E-Jugend sollte man den Kindern nicht das Dribbeln und die Lust auf 1gg1 Duelle abgewöhnen. Passspiel ist eine Option, aber kein Muss. Natürlich alles situationsabhängig. Nun ist es aber so, dass zu viele Alleingänge durch die stärkeren Spieler oft zu Unmut bei denjenigen führt, die zwar frei stehen, aber den Ball nicht bekommen. Hier mahne ich dann doch öfter dazu, nicht unbedingt jedes 1gg1 mitzunehmen, das sich anbietet. Nicht unbedingt, weil das erfolgsversprechender wäre, sondern einfach, damit alle mehr Spaß am Spiel haben. Auch wenn ich damit dem Dribbler ein wenig seine Entwicklung einbremse.
Ich stimme zu, das 1:1 zu fördern. Es ist aber auch sinnvoll, Optionen anzubieten. Ziel ist es, das sinnvolle 1:1 vom sinnlosen 1:1 irgendwann unterscheiden zu lernen. Das kann in der E durchaus schon Thema sein. Es kann sogar Thema sein, dass der mitlaufende Mitspieler bei den Gegnern Reaktionen hervorruft, die erst ein sinnvolles 1:1 schaffen.
Ein "Spiel den Ball", wenn der Spieler vor einem sinnvollen 1:1 steht, nur damit der Mitspieler sich freut, macht für mich keinen Sinn.
Am liebsten möchten die Kinder zum Ende des Trainings ein klassisches Abschlussspiel machen. Ich werde öfter danach gefragt. Am liebsten 7gg7. Da haben die einfach Bock drauf. Zugunsten der besseren Ausbildung gebe ich dem Wunsch aber nur in Ausnahmefällen nach. Kompromisse sind dann 3gg3 oder 4gg4 auf zwei Feldern. Am liebsten wären ihnen vermutlich, wenn ich sie statt Training einfach nur anderthalb Stunden frei spielen lassen würde.
Das Wichtige an deinem Training ist nicht das Abschlussspiel, sondern das, was Du vorher machst. Ein 7:7 als Abschlussspiel über 15 Minuten ist kein Problem.
Fair verteilte Spielzeit VS Spiele gewinnen: Der Ausgang der Spiele ist zweitrangig, wichtiger ist dass die Spielzeit der Spieler fair verteilt wird. Es sei denn, man fragt die Kinder. Zu meiner Überraschung habe ich schon öfter erlebt, dass manche lieber mehr auf die Bank wollen, um dafür vermeintlich bessere Spieler einzuwechseln und das Spiel eher zu gewinnen. Das hat sicher auch mit gefühltem Druck zu tun, wobei ich mir immer Mühe gebe, den Kindern keinem Erfolgsdruck auszusetzen und ihnen klar zu machen, dass wir das alles nur für die Freude am Spiel machen. Auch die Eltern scheinen die gleiche Philisophie zu vertreten. Aber es ist nun mal wie es ist...nach Siegen ist der Jubel groß und nach Niederlagen sind viele niedergeschlagen. Niederlagen zu verarbeiten gehört natürlich zum Reifeprozess dazu und wenn wir verlieren, dann gewinnt wenigstens die andere Mannschaft. Die Anzahl der Kinder, die sich über das Ergebnis freuen (Teamübergreifend) bleibt also in beiden Fällen gleich.
Ja, solche Situationen habe ich auch schon erlebt. Ich frage mich dann immer, welchen Druck die Kinder untereinander aufbauen. Was in der Schule oder in der Kabine besprochen wird, wirst Du im Zweifel nicht erfahren.
Manchmal gelingt es, diese Kinder starkzureden - aber nicht immer.
Gleiches gilt für unbeliebte Positionen. Ich setze Kinder oft auf verschiedenen Positionen ein. Unter anderem auch mal auf deren schwächsten Positionen. Und das führt nicht immer zu Begeisterung. Kennt ihr sicher alle auch. Für die Ausbildung ist das in der E-Jugend wohl sinnvoll. Für den Spaß am Spiel nicht immer (gibt natürlich auch Kinder, denen die Position ziemlich egal ist). Annekdote: Wir spielen ein 2-3-1 und am unbeliebtesten ist erstaunlicherweise die Stürmerposition.
Spiel doch einfach 3:3. Dann gibt's diese unbeliebte Position nicht mehr.
Grundsätzlich: Positionsrotation muss nicht heißen, dass jeder jede Position spielt. Wenn jeder unterschiedliche defensive und offensive Positionen spielt, bist Du schon richtig gut unterwegs.
Warum soll man den kleinen, koordinativ schwachen Linksfuß als RV quälen? Da lernt er nix.
