Beiträge von Follkao

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    Ich bringe mal einen Blickwinkel von einer anderen Seite:

    Zehn Jahre sind eine lange Zeit

    Verstehe ich das richtig, dass diese Jungs durch 5 Altersstufen (also 10 Jahre) mit ein und demselben Trainer gegangen sind? Also z.B. F-Jugend bis B-jugend?

    Auch wenn Du Dich fachlich sicherlich immer der jeweiligen Altersstufe angepasst hast, wollen die irgendwann auch mal 'ne andere Nase sehen.


    Zumal der Jugendleiter Anfang des Jahres bei allen vorstellig geworden ist und darum gebeten hat, dass Probleme, Wechselwünsche oder Tendenzen unverzüglich mit ihm besprochen werden, damit er im Bilde ist.

    Da hat Euer Jugendleiter die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen in 2023 aber komplett falsch eingeschätzt. Kaum ein 17-Jähriger plant 1/2 Jahr im voraus. Soweit denken die gar nicht. Im Winter war das Saisonende für die noch unendlich weit weg.

    Doofenheinz

    Vor einigen Jahren hatte ich einen Spieler in der E-Jugend, der recht talentiert war. Dieser Spieler sah sich als Offensivspieler. Und sein familiäres Umfeld (mit Vereinsikonen gepflastert) sah ihn da ebenso. Mein Grundsatz in all den Jahren, in denen ich E-Jugend trainierte, war, dass ALLE offensiv UND defensiv spielen. Über diesen Grundsatz habe ich auch nie diskutiert. Der war ebenso gesetzt, wie der Grundsatz, dass alle zu gleichen Teilen Spielzeiten bekommen. Unabhängig davon, auf welcher Position ich später im 11er Fußball einmal lande, brauche ich offensive und defensive Fähigkeiten. Und da die 6 Feldspielerpositionen auf dem Kleinfeld wenig mit den 10 Feldspielerpositionen auf dem Großfeld gemeinsam haben, macht es einfach keinen Sinn.
    So hat dieser Junge recht bald defensive Spielzeit bekommen und durch sein Zweikampfverhalten zu ein paar Gegentreffern beigetragen. Das Spiel haben wir verloren. Wie mir später berichtet wurde, rumorte es auf der Tribüne, weil ich das Spiel vercoacht hatte :D.

    Natürlich sprach mich niemand an. Hätte auch nichts gebracht. Denn das Ergebnis des Spiels war mir vollkommen egal. Der Junge hat in diesem Spiel aber unglaublich viel gelernt und sich später defensiv stark entwickelt. Hätte er aus diesem Spiel irgendetwas gelernt, wenn ich ihn offensiv eingesetzt hätte und wir das Spiel 3:0 gewonnen hätten?

    Er ist jetzt seit einigen Jahren Innenverteidiger im NLZ, ist Verbandsauswahlspieler und wechselt jetzt in eins der deutschen Top-NLZ.
    Nein, ich schreibe mir diese Entwicklung nicht auf meine Fahne. Ich habe lediglich einen kleinen Teil zu seiner Ausbildung beigetragen. Und auch dieses Spiel war ein Teil seiner Ausbildung. Die meisten Leute werden sich an dieses Spiel nicht mehr erinnern - ich tue es aber und sehe mich darin bestärkt, mit der Positionsrotation richtig gelegen zu haben.
    Vielleicht denkst Du vor diesem Hintergrund mal darüber nach, Deine E-Jugendspieler flexibel einzusetzen.

    Im Breitensport hat man idR nicht den Luxus das starke Spieler Schlange stehen um dem Verein beizutreten. Zumindest ist das meine Erfahrung

    ...und deswegen kann man über das Mischen der Jahrgänge dafür sorgen, dass alle auf einem für sie passenden Niveau trainieren und spielen können.

    In diesem thread sehen wir ein Beispiel dafür, wie man 1/3 der Mannschaft fördert und 2/3 überfordert.
    Ziel der Jahrgangsmischung ist es, für alle das passende Niveau anzubieten.

    Wenn man es richtig macht, wird man alle Kinder der Jahrgänge 2011 und 2012 in einen Topf werfen und daraus die D-Jugenden bilden.
    In der D1 ist dann vielleicht viel Alt- und etwas Jungjahrgang. In der D2 könnte es umgekehrt sein. Es spielt also keine Rolle, wieviele Kinder z.Zt. in Eurer Mannschaft sind. Man muss alle D-Jugend-Kinder als Ganzes betrachten.

    Wir sehen hier, in welche Richtung es sich entwickeln kann, wenn man Mannschaften in selber Konstellation zusammenlässt.
    In der E-Jugend im 7er Fußball schießt Du mit 4/5 starken Spielern alles in Grund und Boden.
    So gesehen war das der richtige Schritt - er war es aber nur für wenige. Wenn ich das richtig verstehe, wäre mindestens 2/3 der Mannschaft in der E-Jugend besser aufgehoben.


    Ab welchem Alter stellt dieser Verein die Mannschaften mit dem Ziel der Leistungshomogenität neu zusammen?

    PapaGKratos

    Das meine ich damit, dass sich jeder seine eigene Definition bastelt.
    Erst ab der C-Jugend gibt es einen Punktspielbetrieb auf einem Top-Level. Ausnahme ist evtl der NRW-Nachwuchscup - aber das ist eine regionale Lösung.
    Erst ab der U15 gibt es mit der Nationalmannschaft eine Förderung auf Top-Level.
    Erst ab der C-Jugend holen die NLZ überregionale Spieler (ich weiß - es gibt Ausnahmen).

    Ich habe mit Breitensport D-Jugenden (gemischt aus U12 und U13) in der Vergangenheit schon NLZ U12 ärgern können. Und das sowohl über kurze Turnierspiele als auch über 60-Minuten-Spiele.

    Wenn mindestens 3x die Woche trainiert wird und wettkampforientiert gedacht und gehandelt wird (Trainer und Spieler).

    Wird in einer NLZ-U12 seitens der Trainer wettkampforientiert gedacht und gehandelt? in den mir bekannten NLZ wird in diesem Alter ausbildungsorientiert gedacht und gehandelt.


    DFL -Bedingungen für NLZ


    Die DFL spricht übrigens erst ab der U16 vom Leistungsbereich...

    Stellst Du 10 Leuten die Frage, wo Leistungssport im Jugendfußball anfängt, bekommt Du 11 verschiedene Antworten. Es konstruiert sich einfach jeder seine eigene Definition und rechtfertigt damit alles.
    Für mich kann Leistungssport erst ab der U15-Regionalliga im NLZ stattfinden. In aller Regel hast Du nur dort die für (Jugend-)Leistungssport erforderlichen Rahmenbedingungen (Wettkampflevel, medizinische/psychologische Betreuung, Trainingsintensität, überregionale Förderung usw.).

    Aber manch einer nennt evtl auch die zusammengecastete U9 in einem ambitionierten Amateurverein Leistungssport...

    Das ist schon ein Wahnsinn, wozu es eigentlich keines weiteren Kommentars braucht. Aber sicher werde ich nicht alle überzeugen können?

    Das hat mit überzeugen nichts zu tun.


    Ich finde es unfair, Frauen- und Männerfußball sportlich zu vergleichen. Genauso unfair ist es allerdings, Frauen- und Männerfußball finanziell zu vergleichen.


    Ich gönne jeder einzelnen Bundesligaspielerin von ganzem Herzen ein hohes Einkommen. Aber wo soll das Geld herkommen? Wenn eines der Top-3-Teams dabei ist, mögen >2.000 Zuschauer kommen. Ansonsten werden oft <1.000 Zuschauer kommen. Aber selbst diese Einnahmen hast Du nur bei 11 Heimspielen, da die Liga nur 12 Plätze hat.

    Fernseheinnahmen sind im Vergleich sehr überschaubar.


    Machen wir uns nichts vor:
    8 der 12 Frauenbundesligisten sind auch bei den Männern Erstligisten. 6 von denen haben sogar ihre 2. Mannschaft in der 2. Bundesliga. Es spricht in meinen Augen viel dafür, dass hier in irgendeiner Art und Weise eine Querfinanzierung stattfindet. Die gemeinsame Nutzung der Infrastruktur kann nicht alleine der Grund für diese Zweiklassengesellschaft sein.

    Oder anders ausgedrückt: Mit jedem Tor, das Thomas Müller schießt, sichert er auch das Einkommen von Lea Schüller.
    Schon in seiner jetzigen Form ist der professionelle Frauenfußball offensichtlich nur durch Subventionen aus dem Männerfußball möglich. Das Ziel muss aber doch sein, dass sich professoinelle Strukturen von innen finanzieren.
    In Deutschland kann ich mir das bislang noch nicht vorstellen.


    So lange sich für Frauenfußball nicht mehr Leute interessieren, wird dort auch nicht besser verdient. So lange die Leistungsdichte in der Spitze nicht breiter wird, werden sich nicht mehr Leute dafür interessieren. Wenn ich in Diskussionen höre, im Frauenfußball müsse besser verdient werden, bitte ich meinen Diskussionspartner immer, mir 5 aktuelle deutsche Nationalspielerinnen zu nennen. Meistens ist nach Alex Popp dann Schluss. Das ist ungefähr so, wie mit den Sportarten, von denen man während Olympia die Top-Leute kennt - in den anderen 3 Saisons hat man aber keine Ahnung davon.


    Da hier mehrfach der SV Meppen als Beispiel herangezogen wurde:
    Zuschauerschnitt der Frauen im Abstiegskampf der 1. Bundesliga - 1.283

    Zuschauerschnitt der Männer im Abstiegskampf der 3. Liga - 7.427

    Ich kann mir schwer vorstellen, dass es auf dem Leistungsniveau einer C-Jugend-Kreisliga möglich ist, zwischen verschiedenen Defensivtaktiken hin- und her zu switchen.
    Es handelt sich dabei um die ersten beiden Jahre im 11er Fußball.


    Abgesehen davon: Der Unterschied zwischen "0:0 bei eigenen Vorteilen" und "zweistellig verlieren" kann gerade in dieser Altersklasse kaum ausschließlich in der Taktik liegen. Es sei denn, die "neue" Taktik wurde nicht einmal ansatzweise verstanden.

    Indiz dafür ist:

    Ich hatte daher meine Jungs eher offensiv aufgestellt mit einer Dreier-Kette hinten.

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was an einer Dreier-Kette offensiver sein soll. Gegen den Ball bringt man dabei ja nicht weniger Leute hinter den Ball als bei einer Vierer-Kette und man verteidigt ja auch nicht mit weniger Leuten.
    Wieviel Trainingszeit habt Ihr vorher in die Dreier-Kette investiert?
    Was waren die Vorgaben für die Außenspieler mit Ball und gegen den Ball auf der ballfernen und ballnahen Seite? Was waren die Vorgaben für's Zentrum mit Ball und gegen den Ball?


    Wäre es möglich, dass Deine Mannschaft die Dreier-Kette so interpretiert hat, dass sie einfach einen Spieler weniger in der letzten Reihe hatte? Das wäre natürlich kompletter Blödsinn, würde aber dafür sprechen, dass man eine C-Jugend mit solchen taktischen Umstellungen auch überfordern kann.

    Der gleiche Trainer schickt nun übrigens seinen Sohn zum Stützpunkt wodurch er das Montags Training in seinem Heimatverein verpasst.

    Der Fehler ist eher, das Heimattraining für die stützpunktrelevanten Altersgruppen (D+C) auf einem Montag anzusetzen.


    Mach das was gut für deinen Sohn ist bzw was er sich wünscht.

    Das klingt zunächst gut. Ist aber inzwischen genau die Einstellung, die mir den Spaß am Kinderfußball nimmt. Letzten Endes heißt das nämlich, "scheiß auf Deine Mannschaft, scheiß auf Deinen Verein - nur Du zählst"
    Ich komm' mit dieser Denke nicht klar, muss aber akzeptieren, dass die Eltern ihren Kindern genau das vermehrt vermitteln. Deswegen ist für mich nach dieser Saison Schluss.

    Das kann man weder belegen noch widerlegen!

    Na ja... Ich vermute, dass die Scouting Abteilungen der größeren NLZ die Top 30(50?) eines jeden Jahrgangs durchaus permanent auf dem Schirm haben - auch wenn sie selbst vielleicht nur 2-3 von ihnen im Verein haben. Mag sein, dass die Einschätzungen, wer dazu gehört, nicht immer gleich sind - aber da wird's reichlich Überschneidungen geben. Insofern ist solch ein Datenmaterial sicherlich vorhanden - aber sie rücken es nicht raus ;)

    Dass aber, von den ganzen N11-Spielern quasi alle schon mit 7-11 Jahren zu den besten Spielern des Jahrgangs gehörten und in NLZs oder ambitionierten, selektierten Amateurteams spielten, das ist nunmal Fakt. Das kann man belegen.

    An dieser Aussage habe ich absolut keine Zweifel.
    Mich würde allerdings eher interessieren, wie viele von denen, die man mit 7-11 jahren zu den besten Spielern des Jahrgangs zählte, später nicht Profi geworden sind. Dass spätere Top-Spieler auch schon früh zu den Top-Talenten gehören, ist für mich nachvollziehbar. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein frühes Top-Talent ein späterer Top-Spieler wird, konnte mir bislang allerdings niemand sagen.


    Ich habe hier aus der Region das Beispiel eines Jungen vor Augen, der bis 13/14 Jahren bei allen großen NLZ und auch bei intenationalen Topclubs auf dem Zettel stand. Er gehörte also auf jeden Fall zu den Top-Talenten seines Jahrgangs. Heute spielt er in der Oberliga. Wenn Du mit Anfang zwanzig in der OL bist, heißt das jetzt nicht unbedingt, dass Dein Profitraum ausgeträumt ist - er wird aber Jahr für Jahr unwahrscheinlicher.


    Ich bin mir sicher, dass die NLZ oder/und der DFB solche Zahlen intern erheben. Z.B.: In welchen Ligen spielen die Top-30-Spieler in der U11 mit 23 Jahren?


    Die meisten von uns kennen vermutlich nur einzelne dieser Spieler und haben deswegen nicht den Überblick.

    1x habe ich eine Mannschaft über 4 Jahre trainiert.


    1x habe ich einzelne Spieler eines Jahrgangs über 4 Jahre trainiert. Da ich die Altersgruppe wechselte, trainierte ich die Spieler, die jeweils schon als jüngerer JG in der ersten Mannschaft spielten, so über 4 Jahre.

    Im ersten Fall war es im Nachhinein betrachtet zu lange. Es fiel mir dann nämlich schwer, mich zu trennen.

    Im zweiten Fall waren es nur einzelne Spieler. Das war nicht so gravierend.

    Die spannendsten Trainerjahre waren für mich die, wenn ich Jahr für Jahr neue Spieler übernahm und nur einzelne Jungjahrgänge über 2 Jahre trainierte.