Fehlende Erfolgserlebnisse & Umgang mit sehr schwachem Team

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  • Hallo zusammen,

    ich bin seit 1,5 Jahren Trainer im Kinderbereich und trainiere unsere E4, also die schwächeren 2016er. Ich habe 5-6 Anfänger und ebensoviele schwache Kinder, die schon länger dabei sind und 4-5 "Ausreißer" nach oben. Die Anfänger machen sich schon ganz gut, sind fast alle schon stärker als die schwache Gruppe, die schon länger dabei ist.


    Auch wenn ich versuche drüber zu stehen, bin ich mittlerweile ganz schön frustriert, dass wir beim Spielbetrieb kaum Erfolgserlebnisse haben. Und ich meine nicht, dass wir wenig gewinnen, sondern regelmäßig ohne eigenen Torerfolg von Spielen und Turnieren kommen. Das 0:0 beim heutigen Hallenturnier werte ich da schon als Erfolg, wobei fast alle anderen Spiele hoch zu null gegen uns ausgingen. Ich weiß, dass es beim Kinderfußball nicht um den kurzfristigen Erfolg geht, aber aktuell frage ich mich schon, was ich als Trainer falsch mache.


    Ich versuche, den Kindern möglichst viele Spielmöglichkeiten zu ermöglichen, wobei es sehr schwer ist, Turniere auf unserem Niveau zu finden. Wenn überhaupt ein Niveau ausgeschrieben ist, findet sich meist nur schwach bis mittel - da kommen mir dann fast alle Teams mindestens mittel-stark vor. Also finden wir uns häufig auf Turnieren wie heute, wo die Erfolgserlebnisse fast komplett ausbleiben.


    Ein Problem ist, dass wir im Vergleich zu anderen Teams keine Struktur im Spiel haben: Die Spielertraube z.B. haben wir noch lange nicht überwunden. Mit dem Ball rennen wir allein in die Gegner oder schlagen den Ball sinnlos nach vorne. Ich habe Anfangs versucht während Spielen wenig zu coachen, damit die Kinder aus den eigenen Erfahrungen lernen. Dann eher zwischen den Spielen besprechen, was gut war und was wir besser machen können. Aber viel Fortschritt habe ich dadurch nicht gesehen und deshalb und wegen Druck von Außen (z.B. andere Coaches) bin ich dann mit der Zeit immer aktiver geworden und erwische mich auch mittlerweile häufig dabei, wie ich einem Jungen während dem Spiel sage, wo er zu stehen hat, wem er passen soll usw.


    Im Training lasse ich viel in kleinen Spielformen spielen (1v1 bis 4v4, bzw. Überzahlspiele) und Übungsformen, vor allem zum Passspiel. Aber es ist oft sehr chaotisch, richtiges Üben geht nur in kurzen Sequenzen. Beim Spiel in Kleingruppen lernen die Kinder das zusammenspielen nicht, weil zu viele schwache Kinder dabei sind. Abspielen heißt hier fast immer: Ballverlust. Mit dem Kopf durch die Wand ist da meist die bessere Methode. Vielleicht könnte hier helfen, häufiger nochmal nach Niveau zu trennen.


    Geht es manchen von euch ähnlich? Habt ihr Tipps, wie ich mit dieser Situation besser umgehen kann?

    Ich freue mich über jeden Ratschlag.

  • Bennzke

    herzlich Willkommen im Forum.

    Das was Du beschreibst hat bestimmt schon jeder von uns erlebt, als er zum ersten Mal im Kinderfußball als Trainer tätig wurde.

    Den allerersten Tipp, den du hier aus dem Forum bekommst, ist fast immer bleibe ruhig und entspannt.

    Jetzt mein Tipp:

    Wenn Du nach einem Ausbildungsplan arbeitest, wirst Du mit Deiner E-Jugend spätestens in 1,5 Jahren im fortgeschrittenen Bereich für Aufsehen sorgen.

    1. Kinderfußball ist keine Erwachsenen Fußball. Hier zählen keine Ergebnisse sondern die individuelle Ausbildung.

    2. Die Kinder kommen zu dir um Spaß am Fußball zu haben. Dein Job ist es ihnen so viel Freude am Fußball zu vermitteln, so dass sie lebenslang Spaß an dem schönsten Spiel der Welt haben.

    3. Du solltest als relativ neuer und somit unerfahreren Trainer nur einen Ausbildungsschwerpunkt im Training haben.

    Diesen Schwerpunkt musst Du so lange trainieren, bis alle Kinder in deiner Alterstufe diesen Schwerpunkt in der Grobform am Spieltag anwenden könnten, wenn sie genügend Selbstbewusstsein haben.

    4. In der E-Jugend sind es meiner Erfahrung nach 4 bis 6 Trainingseinheiten, bis Du ein Ziel erreicht hast.

    Weiche NIEMALS von deinem Ausbildungsziel ab. Wenn Du am Spieltag Schwächen in anderen Bereichen erkennst ist es egal für die Ausbildung. Verfolge Dein Ausbildungsschwerpunkt.

    5. Gebe den Kindern in dieser Altersstufen niemals Anweisungen im Spiel. Es sind keine Schachfiguren. Kinder benötigen viele Freiheiten um aus Fehlern zu lernen. Erst wenn sie selbst Lösungen finden, entfalten sie Kreativität.

    6. Fange mit deiner Ausbildung noch einmal von vorne an.

    a. die Grundlage des Fußballs ist das 1 gegen 1. Dort wird in deiner Alterstufe alles geschult was die Kinder brauchen.

    b. biete ihnen in einem Abschnitt des Trainings immer wieder Fang und Tickerspiele mit hoher Intensität und kleinen Spielfeldern an.

    c. Fußballspielen lernt man durch Fußballspielen. 1 gegen 1 bis max 2 gegen 2 auf kleinen Spielfeldern in Turnier oder Championsleaque Formen sind die Erfolgsgaranten um bei den Jungs großen Spaß zu erzeugen.

    d. Mache Dir unbedingt einen Plan mit Lernzielen.

    d1. In dieser Alterstufe ist die Taktikschulung völlig überflüssig. Hier heißt es "Das Spiel ist der beste Lehrer"

    d2. das Selbe gilt für alle Arten der Ausdauer, Kraft, und Schnelligkeit.

    d3. Technikschulung ist das A und O der individuellen Fußballerschulung.

    Der DFB unterscheidet diese 5 Techniken. (Passen, Torschuss, Dribbling, Ballan- u. -mitnahme, Kopfball)

    Aus diesen Zielen kannst du Unterziele für deine Spieler definieren, z.B.

    Ballan- u. -mitnahme

    1. Innenspann Annahme im Stand von vorne

    2. Innenspann Annahme von vorne in der Vorwärtsbewegung

    3. Innenspann Annahme von der Seite im Stand

    4. usw, usw.


    Das war nur ein Beispiel. Jetzt musst Du dafür nur noch die richtigen methodischen Reihen für Dich und deine Kinder finden.

    Noch ein Tipp, wenn Du unbedingt Übungen machen möchtest, dann nicht länger als 10 Minuten. Anschließen sofortige Verfestigung der erlernten Technik, durch Wettkämpfe und anschließenden freien Spiel.


    Es ist ein beschwerlicher aber extrem erfolgreicher Weg.

    In der F-Jugend sind wir anfänglich ein paar mal 2 stellig abgeschossen worden.

    In der E-Jugend waren fast alle meiner Kinder in der Kreisauswahl.

    Ein Kind trainieren heißt nicht, eine Vase zu füllen, das heißt, ein Feuer anzuzünden

  • Herzlich Willkommen im Forum Bennzke


    Wie schon hier im ersten Post beschrieben erlebst du das, wass alle auf kurz oder lang im Nachwuchsfussball erleben.

    Ich kann die aus eigener Erfahrung sagen, gerade im Bereich der G bis junger Jahrgang D-Junioren wirst du mit Leistungsschwankungen in den einzelnen Spielen und Turnieren leben müssen. Es wird dich begleiten und ist eine völlig normale Erscheinung.


    Als Aussenstehender und nur bezogen auf deinen Text mal ein paar kleine Anregungen zum Reflektieren:


    1. Zusammensetzung der Mannschaft

    Laut deinem Post hast du ca. 15 Kinder im Kader. Anfänger, Schwächere und solid Spieler. Das heißt es handelt sich nicht um einen Mannschaft die seit der G-Jugend in Teilen zusammen spielt und sich gemeinsam entwickelt hat. In wie weit da eine Fluktuation herrscht oder sich die Mannschaft in den Jahren davor zusammengestellt hat, hast du nicht erwähnt (auch vollkommen egal).

    Es wird Zeit brauchen bis sich das Team zusammen finden wird. Und diese Zeit gebe dir und dem Team. Wie schon über meinem Post geschrieben, wirst du wohl in absehbarer Zeit (ca 1 Jahr) die Früchte deiner Arbeit ernten. Wenn das Niveau eben so unterschiedlich ist, können viele Sachen nicht sofort klappen.


    2. Positives Bestärken

    Du schreibst selbst, die Anfänger machen sich ganz gut. Wobei? Nutze genaus dieses Momentum und trainiere mit ihnen die Dinge, die sie stabil oder gut können. Mach dann in kleinen Schritten neue Bereiche auf und führe sie ran.


    3. Entwicklung oder Erfolg?

    Willst du den schnelle Erfolg durch "lange Bälle in die Spitze" oder langfristig solide Fussballer ausbilden? Das mach dir selbst klar.

    Entwicklung braucht Zeit und auf lange Sicht kommt der Erfolg.


    Tipps aus meiner Erfahrung und meinen Fortbildungen die ich besucht habe:


    Du machst vieles schon richtig. Spiel- und Übungsformen sind der richtige Weg und werden euch auf Dauer vorwärts bringen.

    Bezogen auf die Spielformen mal meine Anregung. Teile entweder die "guten" in zwei Teams und lass sie gegeneinander spielen und die "schlechteren" in zwei Team und lass sie gegeneinander spielen. Damit umgehst du das die guten Spieler es auf eigene Faust probieren. Zumindest haben hier alle mehr Spielanteile. Willst du weiterhin die Teams mischen, dann stelle die Aufgabe "Gewonnen hat das Team, bei dem alle Spieler ein Tor erzielt haben". Somit müssen sie zwangsläufig zusammen spielen, egal welches Niveau / Können.

    Kleiner Spoiler aus Erfahrung, der stärkste Spieler schießt oft das erste Tor und verteidigt dann nur noch, damit schnellstmöglich die anderen ein Tor erzielen.

    Nutze deine Übungsformen für technische Sachen. Ballannahme, -mitnahme, Passspiel...setze dir Monats oder Wochenweise (evtl. 14 tägige) Schwerpunkte. Z.B. Ballannahme und variere die Übungen dazu. Hier nimm dir Zeit den Spielern Hilfestellungen zu geben.

    Baue deine Schwerpunkt in die Spielformen ein...z.B. Tore zählen nur nach Doppelpass..


    Sofern du einen zweiten Trainer hast teilt euch auf. Einer macht Spielform, der andere parallel Übungsformen. Da könnt ihr das Traininge effektiver nutzen. Hast du keinen zweiten (möchtest aber jemanden) sprech einfach mal einen Vater oder eine Mutter an. Evtl bekommst du da Unterstützung.


    Wichtig ist, und da hab ich lange gebraucht, willst du entwickeln muss dir die Tabelle egal sein. Ich bin mittlerweile in der B-Jugend angekommen. Durch Fluktuation sind noch 7 Spieler aus der C-Jugend dabei, 3 Spieler aus meiner damaligen E-Jugend und jetzt eben 11 Spieler neu aus anderen Vereinen dazugekommen. Auch ich fange wieder "von vorne" an.

    In den sechs Monaten haben sich alle gut entwickelt und einen Schritt nach vorn gemacht. Am meisten imponiert mir, wie sie sich selbst reflektieren können mittlerweile in der Halbzeit und nach dem Spiel.


    Also nimm es nicht so verbissen und hab Spaß an der Entwicklung deiner Truppe. :)

  • Hi.


    Ich begleite auch die zweite Hälfte aka B Mannschaft des 2016er Jahrgangs im Verein seit Mitte U7 als engagierter Papa-Trainer und hab da auch einiges erfahren und lernen dürfen.


    Vom sportlichen Aspekt her braucht es Geduld und Durchhaltevermögen, um die Grundlagen Schießen, 1:1, Dribbeln, Passtechnik und Handlungsschnelligkeit nahezubringen. Ich handle diese Themen nur wochenweise als Schwerpunkt ab, weil die Kids Abwechslung und Spaß haben wollen.

    Dazu verwende ich Spielformen und Übungsformen (60 Minuten) mit Provikationsregeln und immer ein Abschlussspiel (30 Minuten). Abschlussspiel mit Stopp und Coaching wenn ganz grobe Patzer gemacht werden, aber zu 95 % beobachten und zuschauen.


    Wichtig ist, dass Eltern mitkriegen, dass Ergebnisse geringe Bedeutung haben und dies einerseits kommuniziert wird und vor allem sichtbar praktiziert wird durch gleiche Spielzeit für alle Kinder, sofern das Wollen/Bemühen bei den Kindern erkennbar ist die Disziplin von Kindern passt und auch die Eltern dich nicht als Bespaßungsonkel ihres Kindes sehen.


    Ich z.B. habe in der U8 bei Funinoturnieren im Championsleaguemodus fast nur mit 2 Teams die hinteren Plätze abgegrast, hab ab der U9 im 4+1 permanent Positionen rotiert und kriege auch jetzt noch in der U10 2:16, 0:12 Niederlagen in der Meisterschaft.

    ABER: die Kinder steigern sich spürbar Monat für Monat und belohnen sich auch automatisch imner öfter ergebnismäßig.


    Was auch hilft sind Freundschaftsspiele mit ähnlichen Mannschaften oder dem Jahrgang darunter. Da sollte sich Torerfolg einstellen und damit auch Motivation.


    Hinsichtlich Disziplin: zu den Kindern bin ich der väterliche Typ. Ruhig, aber mit klaren Ansagen und Konsequenzen bei Fehlverhalten oder wenn der Kopf nicht beim Training oder Spiel ist (einmal ermahnen, zweites Mal Sonderübung oder 5 Minuten Nachdenkpause).


    Strenger bin ich mit Eltern, die das Kind im wesentlichen nur bei mir parken, damit das Kind paar schöne Stunden unter Freunden verbringen kann oder am Wochenende oft etwas anderes vorhaben. Da gibt es 1-2 Gespräche und bei unverändertem Verhalten dann sichtbare Zeichen wie Spielzeitreduktion oder Nichtnominierung. Ich hab von U7 bis jetzt netto dadurch Kinder verloren, hab aber dadurch 8 von 9 Kindern, die von sich aus kicken wollen und Spaß haben und durch diese Kombi aus Wollen und Spaß sich motiviert weiterentwickeln.

    Einen schwierigen Fall in Form eines psychisch kranken Scheidungskindes habe ich noch, aber sonst habe ich aktuell eine kleine aber feine Truppe an Kindern mit 80% und mehr Beteiligung bei Training und Spiel...was mich für eine zweite Mannschaft mehr als freut.

    Einmal editiert, zuletzt von Oesi81 ()

  • Hallo zusammen,

    danke für die netten Willkommensgrüße. Dass ich nicht der einzige mit diesen Erfahrungen bin, beruhigt mich schonmal.


    Dirk Coerverfan : Dass ich von einem Ausbildungsplan profitieren würde, leuchtet mir ein. Bisher springe ich sehr viel zwischen Inhalten, auch während eines Trainings. Da lernen die Kinder wahrscheinlich vieles "so halb" und nichts richtig. Das 1gegen1 und Dribbling ist bei meinen Jungs schon ganz gut, da das ein regelmäßiger Trainingsinhalt ist. Wo wir uns schwertun ist das Passspiel und die Ballan- und Mitnahme. Dementsprechend würde ich da jetzt ansetzen und erste Trainingsziele formulieren, an denen ich dann über mehrere Trainingseinheiten dran bleibe. Die von dir formulierten Unterziele passen da schon ganz gut. Danke auch für die Hinweise zum Coaching.


    Alex82 : Ja, die Gruppe ist sehr heterogen, die Anfänger schließen aber schnell zu den anderen auf oder überholen diese, auch weil sie häufig schlicht sportlicher veranlagt sind als einige, die schon länger dabei sind. Aber alles in allem hat man in bei den Ligaspielen schon Fortschritte gesehen - ich denke ich bin vor allem frustriert von Hallenturnieren, wo das Niveau eben manchmal so gar nicht passt. Für die nächste Zeit habe ich hoffentlich ein paar Turniere gefunden, wo die Kinder zu ihren Erfolgserlebnissen kommen. Ich bin wirklich keiner, der auf Teufel komm raus den kurzfristigen Erfolg erzwingt. Ich lasse die Kinder nicht nur langen Bälle schlagen und gebe auch keine Anweisungen wie "spielt den Ball zu X, der macht dann das Tor", was ich bei anderen Mannschaften auch schon gesehen habe. Aber Erfolgserlebnisse sind ja trotzdem wichtig, auch für die Kinder, weshalb ich ein wenig damit hadere, dass diese so rar gesäht sind bisher. Aber ich versuche, geduldig zu bleiben und einfach gutes Training und Spielmöglichkeiten auf Augenhöhe anzubieten.


    Oesi81 Das Thema Eltern ist bei uns sehr entspannt. Die Eltern sind wenig fußballbegeistert, was seine Vor- und Nachteile hat. Aber die Kinder kommen regelmäßig ins Training und mittlerweile ist auch die Beteiligung am Wochenende deutlich besser geworden. Das Thema Disziplin beschäftigt mich auch - ich bin auch eher der ruhige Typ und es fällt mir eher schwer, auch mal konsequent durchzugreifen. Aber ich merke auch, dass es das manchmal braucht, z.B. wenn Einzelne die ganze Gruppe beim Training stören. Ist auf jeden Fall ein Lernprozess. ;)