Wiederheranführung an Zweikämpfe

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    Vielleicht erstmal die Bewegungsabläufe gegen Hütchen/Stangen/Figuren durchführen. Dann langsam Übungen zum Körpereinsatz einstreuen (Körper an Körper gegeneinander springen, gegenseitig wegdrücken). Beides, um wieder Vertrauen ins Knie und die Stabilität zu bekommen.


    Danach dann isolierte Zweikämpfe (sowohl frontal, als auch parallel) gegen Spieler, die körperlich unterlegen sind, damit nicht zu große Kräfte wirken (müssen).


    Wenn der Kopf wieder mitspielt und das Vertrauen da ist, dann wird der Spieler bestimmt schnell Fortschritte machen!


    Ich würde den Spieler allerdings, wenn es dann um isolierte Zweikämpfe oder um spezielle Übungen geht, erstmal den Part ohne Ball übernehmen lassen. Dann hat er bei der ganzen Geschichte eine Aufgabe weniger - muss nämlich nicht den Ball anschirmen.


    Es eignen sich wahrscheinlich auch Übungen wie "Bälle wegschießen" (Alle Spieler in einem Feld mit Ball, einer versucht die Bälle wegzuschießen) oder "1 gegen 1 bei Kontakt" (Zwei Spieler stehen sich gegenüber, Ball dazwischen, Körpertäuschungen erlaubt. Sobald der Ballführende den Ball berührt hat, gibt es ein frontales 1 gegen 1).


    Zwar ist das Alter auch entscheidend, aber ich gehe mal davon aus, dass es sich um D- bis B-Jugend handelt. Ist das richtig? Knieverletztung und Heranführen an Zweikämpfe klingt nach Pubertät.

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

  • Vielen Dank, das war schon sehr hilfreich. Gibt es vielleicht noch mehr Ideen? Frohe Ostern!

  • Kann der Spieler denn schon wieder völlig schmerzfrei und sicher sämtliche anderen Bewegungen und Techniken (Passen, Schiessen, Sprinten etc.) ausführen?

    Erstmal sollte alles andere wieder klappen bevor man in die Zweikämpfe reingeht.


    Wenn sämtliche Belastungen problemlos möglich sind, kann man ihn eigentlich wieder ganz normal innerhalb von 1vs1 Übungen in die Zweikämpfe schicken. Nach ein paar Durchgängen ihn mal fragen ob er noch was spürt oder sich unsicher ist und gegebenenfalls nicht die Übung bis zum Ende mitmachen lassen, sondern vorzeitig rausnehmen.

  • Ich habe ihn schon mehrfach 1 vs 1 mit Blocken / Passivem Verteidigen spielen lassen. Die Bewegungen sind flüssig, angstfrei und sehen eigentlich wie früher aus. Hier geht es darum, das Knie nach einem halben Jahr Pause wieder an fußballspezifische Bewegungen zu gewöhnen. Zweikämpfe wären dann nach 6 bis 8 Wochen der nächste Schritt. Schmerzen hatte er zum Glück nur am Tag der Verletzung.

  • Ich weiß ja nicht, inwieweit der Spieler schon zu Hause Vorarbeit leistet, aber für den Kopf ist es sicher auch hilfreich, wenn er (oder die ganze Mannschaft) nach dem Aufwärmen ein paar Übungen zur Kräftigung der Beine macht. Muss ja nicht speziell für ihn sein, aber im Nebensatz erwähnen, dass besonders ihm das hilft, schadet nicht.


    Jeder, der mal nach einer Verletzung zurückgekommen ist weiß, dass man sich nicht in den schmerzhaften Bereich traut. Mache ich bewusst Übungen in genau dem Bereich, fühle ich mich viel sicherer.

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  • Wenn jetzt jemand schreibt, er solle "nur zu 50% in den Zweikampf" gehen, dann melde ich mich ab.

    ganz so verkehrt ist die Aussage ja gar nicht.
    Es ist nur so, dass nicht der Spieler mit "nur 50%" in den Zweikampf gehen soll, sondern dass er nur 50%-ige oder besser noch geringere Zweikämpfe ausführen soll. Das geht natürlich nicht in echten Spielsituationen, sondern nach einem von Charles De Goal oben sehr schön beschriebenen Stufenplan zur Heranführung und irgendwann in ausgesuchten Situationen mit Teilaktivem Gegner...

  • Hi, ich persönlich würde empfehlen ihn mit kleineren/jüngeren Kindern mittrainieren zu lassen.


    Mit zb E-Jugend-Spielern kann er sich dann über Spielformen langsam auch an den Körperkontakt reintasten und die ersten lockeren Zweikämpfe führen, falls man diese zu Beginn überhaupt Zweikämpfe nennen kann.


    Da er eh erstmal zurückhaltend sein wird und seinen körperlichen Vorteil nicht ausnutzen wird/kann, und die jüngeren ihm körperlich weniger antun können, wäre das für ihn ideal.


    Natürlich sollten es schon Jungs sein, die auch etwas kicken können und es sollte eine Mannschaft sein die nicht gerade das Grätschen als Hauptmittel nutzt.


    In der eigenen Mannschaft werden die Kinder es nicht schaffen nur halbaktiv/mit 50% in die Zweikämpfe zu gehen und auch von der Körpergröße und -masse sind die eigenen Mitspieler halt doch größer. Da sie kräftiger, wuchtiger als zb eine E-Jugend sind.


    Spieltempo, Körpereinsatz, Intensität ist in der E-Jugend geringer und er kann sich langsam seine Selbstsicherheit in den Bewegungen und auch sein Selbstvertrauen wiederholen, da er dort eher Erfolgserlebnisse haben kann.


    Nach einer Verletzung ist meistens der Kopf das Problem und Ursache für eine erneute Verletzung.


    Wenn er in einer Spielform von einem 12/13-jährigen Spieler aus der Mannschaft angegriffen wird, ist es für ihn zu Beginn mit mehr Angst verbunden, als wenn ihn ein 10/11-jähriger anläuft.

    "Kinder die nichts dürfen, werden Spieler die nichts können!"


    "Die erste Frage, die ich mir stelle ist, kann der Spieler dribbeln?

    Ich möchte nur Spieler die diese Fähigkeit haben, also suche ich immer danach.

    Ich möchte Innenverteidiger, Außenverteidiger, Mittelfeldspieler, Flügelspieler

    und Stürmer, die dribbeln können."

    - Pep Guardiola -

  • Wenn jetzt jemand schreibt, er solle "nur zu 50% in den Zweikampf" gehen, dann melde ich mich ab.

    ganz so verkehrt ist die Aussage ja gar nicht.
    Es ist nur so, dass nicht der Spieler mit "nur 50%" in den Zweikampf gehen soll, sondern dass er nur 50%-ige oder besser noch geringere Zweikämpfe ausführen soll. Das geht natürlich nicht in echten Spielsituationen, sondern nach einem von Charles De Goal oben sehr schön beschriebenen Stufenplan zur Heranführung und irgendwann in ausgesuchten Situationen mit Teilaktivem Gegner...

    Klar. Du weißt ja, was ich meine.

  • Von der Lösung halte ich ehrlich gesagt wenig bis gar nichts.

    Die Jungs in der E-Jugend sind sicher weniger koordiniert und kontrolliert in der Art und Weise wie sie in Zweikämpfe gehen als gleichaltrige. Entscheidend für die funktionierende Integration ist, dass ein gezieltes stufenweises aufbauen der kompletten Leistungsfähigkeit, Stabilität und dadurch die Wiederherstellung der Spielfähigkeit erfolgt.
    Zu dem was Charles De Goal weiter oben vorschlägt ist eigentlich gar nicht viel hinzuzufügen.

    Wichtig: in Spielsituationen geht es erst, wenn alle anderen Bewegungsabläufe mit und ohne Ball mit passivem und teilaktivem Gegner stabil und Schmerzfrei laufen. Gerade nach einer Knieverletzung ist ja der Zweikampf an sich gar nicht der Große Risikofaktor, sondern die permanenten Richtungs-, Tempo-, und Belastungswechsel, die für Fußballer charakteristisch sind.

    Im Zweikampf an sich geht selten ein Knie kaputt, es sei den als Folge der verlorenen Kontrolle über den eigenen Körper im Rahmen des Zweikampfes.

    Statt mit Jüngeren die Zweikämpfe zu üben, würde ich da sogar eher einen Erwachsenen vorschlagen, der bewusst darauf achtet, dass die Intensität zur aktuellen Leistungsfähigkeit des Kindes passt und gezielt reagieren kann. Bei jüngeren Kindern gewinnt der Spieltrieb schnell die Oberhand gegenüber der Zurückhaltung.
    Ratsam ist wie immer die richtige Dosis des Trainings. Nur weil der erste Zweikampf gut ging sollten nicht gleich 90 Minuten Vollgastraining folgen. Ich bin bei eigenen Verletzungen immer gut damit gefahren 5-15 Minuten (je nach Schwierigkeit und Intensität) eine bestimmte Belastungsform zu trainieren, dann während der Regeneration darauf zu achten wie der verletzte Körperteil (und der Rest) darauf reagiert und dann das Ganze noch 2-3 mal zu Wiederholen. Zu früh zu viel führt in der Regel zu Rückschlägen, oder Verletzungen an anderer Stelle. Bei mir kamen abgesehen von Prellungen die ersten Verletzungen (Muskeln, Gelenke) allerdings auch erst Ende C- bzw. Anfang B-Jugend. Ob sich der Körper eines 11-13-jährigen hier anders verhält und ggf. früher wieder Vollgas geben kann weiß ich auch nicht.

  • Ob du davon etwas hälst oder nicht, ist natürlich deine Entscheidung und steht dir natürlich auch frei.


    Den Ausführungen von Charles De Goal stimme ich natürlich auch zu. Mein Tipp war lediglich ergänzend dazu um den Jungen ganz langsam heranzuführen.


    Wir handhaben das desöfteren so und sind damit bisher sehr gut gefahren. Dass es bei vielen jüngeren Kindern wild aussieht, ja, aber alle E-Jugendlichen in den gleichen Topf zu werfen und als weniger koordiniert und kontrolliert zu bezeichnen ist leider zu pauschal ausgedrückt.


    Aber wie gesagt, ich möchte niemanden überreden und ist ja auch nur ein Vorschlag gewesen.


    Weiterhin alles Gute dem kleinen und hoffe, dass er bald wieder fit ist und befreit auf dem Platz stehen kann :):thumbup:

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    "Die erste Frage, die ich mir stelle ist, kann der Spieler dribbeln?

    Ich möchte nur Spieler die diese Fähigkeit haben, also suche ich immer danach.

    Ich möchte Innenverteidiger, Außenverteidiger, Mittelfeldspieler, Flügelspieler

    und Stürmer, die dribbeln können."

    - Pep Guardiola -

  • Wir handhaben das desöfteren so und sind damit bisher sehr gut gefahren. Dass es bei vielen jüngeren Kindern wild aussieht, ja, aber alle E-Jugendlichen in den gleichen Topf zu werfen und als weniger koordiniert und kontrolliert zu bezeichnen ist leider zu pauschal ausgedrückt.

    Die Idee ist grundsätzlich nicht schlecht und es liegt ja auch immer noch die Bewertung des Trainers dazwischen, welche E-Jugendlichen (Kriterien Leistung und Größe) dafür gemacht sind und welche nicht.


    Allerdings kann durch Größen- und Leistungsunterschiede schon extrem viel davon abhängen, wen der Trainer aus der E-Jugend auswählt. Kräfte wirken an ganz anderen Stellen und es liegt altersbedingt meist eine andere Zweikampfführung vor, wenn man gegen gleich große oder eben gegen kleinere in den Zweikampf geht. Deshalb hatte ich es als "Spieler, die körperlich unterlegen sind", formuliert. Ich hätte zusätzlich noch schreiben sollen, dass diese möglichst die gleiche Größe haben sollen, aber eben aus Leistungsgründen etwas zurückhaltender, vorsichtiger oder ängstlicher in den Zweikampf gehen.

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

  • Das sollte auch kein persönlicher Angriff gegen den Vorschlag sein nur meine Meinung dazu.
    Und ich finde es einfach riskant einen Spieler, der aus einer anscheinend schweren Verletzung kommt gegen jüngere, dann vermutlich noch besonders motivierte Kids spielen zu lassen.
    Wenn Ihr damit gut fahrt... OK.

    Ich würde trotzdem eher 1 zu 1 Training mit einem älteren Jugendlichen oder Erwachsenen versuchen, der sich seiner Rolle dabei natürlich voll bewusst ist und dementsprechend Einsatz und Intensität an die Situation anpassen kann und auch während der Übung durch entsprechendes Coaching sich auf den verletzten Spieler einstellt.

    Vermutlich ist aber so ein individueller bei den meisten Vereinen und Trainern gar nicht möglich...

  • Charles De Goal : Ja, genau. Es sollten ausgewählte Kinder sein, bei denen das Kind dann mitmacht. Als Trainer muss man das aber auch gut abwägen und einschätzen können, welche Kinder man auch mit und gegen ihn spielen lässt. Mit der Zeit kennt man ja seine Kinder und kann das ja auch etwas steuern.


    Und wie du schon richtig sagst, sie sind zurückhaltender und vorsichtiger, aber es sind halt Jungs die auch spielerisch mitspielen können. Der Junge der aus der Verletzung kommt, wird hier ja auch nicht seine 100% abrufen und ganz behutsam mitspielen. So kann er hier langsam ins Spiel finden und mit leichtem Gegnerdruck und Körperkontakt ohne große Angst vor Verletzungen.


    Ganz zu Beginn, darf dieser Spieler zb auch nicht angegriffen werden, und da achten wir auch als Trainer drauf und steuern das.


    Hauptsächlich ist für uns aber wichtig, dass sich das Kind langsam vom Einzeltraining in das Gruppentraining/-spiel einführt. Denn wie ihr oben schon erwähnt habt, ist es ja nicht nur der Zweikampf an sich, sondern auch die vielen sonstigen Bewegungen im Fussball die ebenfalls ein Risiko mit sich bringen.


    Durch dass Spielen mit den jüngeren bieten wir ihm eine Situation wo er Pässe erstmal nur von den jüngeren Spielern verarbeiten muss die nicht mit so viel Druck gespielt werden, und der Spieler selber behutsam Pässe aus dem Lauf oder Bewegung spielen kann, er leichter an Gegner vorbeidribbeln kann, er einfacher Bälle ablaufen und erobern kann ohne groß in den Zweikampf gehen zu müssen.


    Wir erleichtern ihm all diese Faktoren um es ihm zu Beginn so leicht wie möglich zu machen, er aber dennoch Fussball spielt.


    Aber wie gesagt, dass geht auch nur bei Spielern die auch nicht übermotiviert sondern eher zurückhaltender sind und auch nur mit Kindern die die Grundlagen und auch das Spielverständnis schon besitzen und Fussball spielen.


    Coach1976: Ist schon ok, nur den ersten Satz fand ich nicht so nett und hatte mich da über den Ton etwas gewundert, aber alles ok.


    Natürlich kannst du selbstverständlich auch einen älteren Jugendlichen/Erwachsenen als Partner auswählen. In beiden Fällen /jüngere oder ältere Partner) werden wir Pro und Contras finden und ich wollte wie gesagt lediglich eine weitere Option reinbringen.



    Und ich finde es einfach riskant einen Spieler, der aus einer anscheinend schweren Verletzung kommt gegen jüngere, dann vermutlich noch besonders motivierte Kids spielen zu lassen.

    Du gehst leider immer davon aus, dass die jüngeren übermotiviert sind, was sie aber nicht immer sind. Es gibt viele Kinder die in ihrem Kopf und ihrem Verhalten weiter/reifer sind.


    Man kann dies auch nicht analog anwenden und sagen, dass wenn jetzt als Beispiel ein E-Jugend-Kind eine schwere Verletzung hat, es bei der F-Jugend mittrainieren soll. Nein, dort auf keinen Fall. Bei einem D-Jugenspieler ihn bei einer guten E-Jugend mittrainieren zu lassen, finde ich persönlich vertretbar.


    Ich stimme dir aber natürlich zu, dass bei übermotivierten jüngeren Kindern die Gefahr einer Verletzung sehr groß ist. Aber eine Gefahr kann genauso auch von einem älteren Kind/Erwachsenen ausgehen allein von der Geschwindigkeit, Masse und der Kraft die es besitzt, ausgehen.


    Ein Risiko gibt es auf beiden Seiten.


    Und unsere Vorgehensweise ist ja auch nur ein Teil aus dem ganzen Prozess. Man fängt ja erstmal mit ganz anderen Dingen an und steigert es dann über das Einzeltraining bis man zu den Zweikämpfen und dem Spiel kommt.


    Das Training, den Zweikampf mit gleichaltrigen oder älteren würden wir als folgenden Schritt umsetzen.


    Aber wie gesagt, dass ist nur ein Vorschlag und basiert auch nur auf meine Erfahrungen. Das wichtigste ist aber, dass der Junge wieder zu alter Stärke findet und verletzungsfrei bleibt und da drücke ich deinem kleinen Großen fest die Daumen und dass es die letzte große Verletzung ist :thumbup:

    "Kinder die nichts dürfen, werden Spieler die nichts können!"


    "Die erste Frage, die ich mir stelle ist, kann der Spieler dribbeln?

    Ich möchte nur Spieler die diese Fähigkeit haben, also suche ich immer danach.

    Ich möchte Innenverteidiger, Außenverteidiger, Mittelfeldspieler, Flügelspieler

    und Stürmer, die dribbeln können."

    - Pep Guardiola -