Wie motiviere ich meine Kids?

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  • Hi Leute,


    ich hab folgendes Problem:

    Ich trainiere eine F-Jugend. Da in letzter Zeit das Wetter relativ schlecht ist und die Runde auch nicht wirklich läuft, danke Corona, sind meine Kids gerade oft sehr lustlos und ohne Elan fürs Training.

    Kennt ihr das Problem?

    Ich hab zwar ein paar Aktivierungsspielchen eingebracht, aber irgendwie fruchten diese nicht.


    Habt ihr Erfahrung mit dieser Problematik? Wie habt ihr das gelöst bekommen? Kennt ihr ein paar coole Motivationsspielchen die man zu Beginn des Trainings einbauen kann?


    Über ein paar Ideen wäre ich euch echt dankbar!:)

  • Mir würden da folgende Spielchen einfallen:

    - Tic Tac Toe als Teamwettbewerb

    - Schwänzchen fangen

    - 3 Teams/3 Felder -> die Bälle aus den gegnerischen Feldern klauen und zum eigenen bringen. Dabei wahlweise nur hüpfend, rückwärts oder im Krebsgang fortbewegen

  • Die meisten Kinder sind so lange motiviert, bis Trainer/Eltern/Erwachsene ihnen durch Ergebnisorientierung, Leistungsdruck und schlechtes Training den Spaß und damit die Motivation nehmen. Die meisten Kinder wollen nicht trainieren, sondern frei spielen.

  • Die meisten Kinder sind so lange motiviert, bis Trainer/Eltern/Erwachsene ihnen durch Ergebnisorientierung, Leistungsdruck und schlechtes Training den Spaß und damit die Motivation nehmen. Die meisten Kinder wollen nicht trainieren, sondern frei spielen.

    Was mir aktuell in der C-Jugend hilft ist, dass ich schon früh den Grundstein für alternative Bewertungen gelegt habe. Die Jungs wollen natürlich schon gewinnen, aber bewerten nicht einen Sieg als gut und eine Niederlage als schlecht. Stattdessen haben sie ein Gefühl dafür, ob sie gut/schlecht spielen oder dem Gegner über- oder unterlegen sind. Wenn man die letzten beiden Dinge mit in die Bewertung nimmt, kann man auch 0:3 verlieren und mit einem positiven Gefühl rausgehen. Das verhindert Kinder, die Samstag nachmittags unzufrieden über Spiele sind und über ein Karriereende nachdenken.

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

  • Mir würden da folgende Spielchen einfallen:

    - Tic Tac Toe als Teamwettbewerb

    - Schwänzchen fangen

    - 3 Teams/3 Felder -> die Bälle aus den gegnerischen Feldern klauen und zum eigenen bringen. Dabei wahlweise nur hüpfend, rückwärts oder im Krebsgang fortbewegen

    Ja das klassische Tic-Tac-Toe Spiel mit Reifen und Hemdchen kenne ich schon. Mit der Wiederholung wird aber dass auch bald uninteressant..

    Schwänzchen fangen ist mir zu altmodisch. Da ist keine methodische Reihe bzw. Steigerung der Aufgabe drin.

    Deinen dritten Vorschlag finde ich gut. Spielnahe Übungen die einen Wettkampfcharakter durch Zeitbegrenzungen aufweisen, sind bei meinen Kids immer sehr beliebt. Hier hat man wie du sagst auch sehr gute und einfache Variationsmöglichkeiten um die Aufgaben und die Schwierigkeiten zu variieren.


    Danke für deine Ideen.

  • Die meisten Kinder sind so lange motiviert, bis Trainer/Eltern/Erwachsene ihnen durch Ergebnisorientierung, Leistungsdruck und schlechtes Training den Spaß und damit die Motivation nehmen. Die meisten Kinder wollen nicht trainieren, sondern frei spielen.

    Klar! Ich bin auch ein Vertreter der Meinung, dass Leistung- und Ergebnisorientierung im Jugendbreitensport nichts verloren haben. Hier geht es um die Bewegungserfahrung, um den Spaß und um das Kollektivgefühl.

    Dennoch ist die bloße Aussage "Ich lasse meine Kids im Training frei spielen!" auch keine Lösung. Denn Training ist auch da, um den Kindern Werte, Regeln und Frusttoleranzen beizubringen und erste Erfahrungspunkte damit zu knüpfen.

    Ein angeleitetes Training, in dem die Kids Input und Ideen für die aktive Mitgestaltung geben können, sollte daher das Ziel eines Trainers sein, der seine Kids weiterentwickeln und Spaß, sowie den Teamgedanken vermitteln will.

  • Was mir aktuell in der C-Jugend hilft ist, dass ich schon früh den Grundstein für alternative Bewertungen gelegt habe. Die Jungs wollen natürlich schon gewinnen, aber bewerten nicht einen Sieg als gut und eine Niederlage als schlecht. Stattdessen haben sie ein Gefühl dafür, ob sie gut/schlecht spielen oder dem Gegner über- oder unterlegen sind. Wenn man die letzten beiden Dinge mit in die Bewertung nimmt, kann man auch 0:3 verlieren und mit einem positiven Gefühl rausgehen. Das verhindert Kinder, die Samstag nachmittags unzufrieden über Spiele sind und über ein Karriereende nachdenken.

    Das ist ein sehr guter Ansatz der die Selbstreflexion und das die Fähigkeit zum Leistungsfeedback nachhaltig fördert.

    Wie wird das von dir angeleitet? Oder bedarf es überhaupt einer Anleitung? Wie hast du den Gedankengang der alternativen Bewertung in deiner Gruppe eingeführt?


    Ich sehe eventuell die Gefahr, dass sich einzelne Kids überschätzen und die Schuld für eine schlechte Leistung bei Anderen suchen und auf diese schieben. Wie begegnest du solchen Fällen?

  • Wir haben das Problem, dass wir als 06er Jahrgang keinen 05er Jahrgang über uns haben. Dadurch haben wir jedes zweite Jahr immer das "Problem", gegen komplett ältere Teams zu spielen. Da wir körperlich nicht durchgängig dagegen halten können, haben wir uns gemeinsam darauf verständigt, dass man eben Spiele verlieren kann, wenn die Gegner z.B. einen Stürmer haben, der gegen uns 4 Tore schießt und wir 2:4 verlieren. Bei so einem körperlichen Nachteil muss man nunmal die Schuld nicht zwingend bei sich selbst suchen, sondern kann eher stolz sein, gegen Ältere 2 Tore geschossen zu haben. Aktuell haben wir halt den Vorteil gegen einige 07er Teams.


    Weitere wichtige Punkte sind, dass man die Eltern mit ins Boot holt und es denen auch so kommuniziert. Wenn die Jungs nach Hause kommen, wollen die Eltern nicht zuerst das Ergebnis wissen, sondern wie das Spiel war.

    Feedback beim nächsten Training ist auch wichtig: dann lieber nicht nur auf Gegentore, sondern auf spielerische Aspekte eingehen.


    Außerdem haben wir angefangen, beim Training nicht mehr die Tore zu zählen. Wer das unbedingt tun will, kann auf eigene Verantwortung machen, aber mich interessiert es nicht. Weiß doch eh in 2 Tagen keiner mehr, ob er heute beim Training verloren hat oder nicht. Und der Effekt ist eher besser, wenn man nicht die Köpfe hängen lässt oder mit einem 0:5 nach Hause kommt.

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

  • Ja dieses Problem mit den Jahrgänge kenne ich. Wir haben dieses Jahr ebenfalls einen sehr starken Jahrgang, wobei der jüngere Jahrgang sich noch relativ schwer tut. Ich schaue dann bewusst darauf, dass sich im Training keine zwei Lager bilden, sondern dass immer gemischte Gruppen und Teams gebildet werden. Dies hilft sowohl den Jüngeren, als auch den Älteren.

    Deine Idee der alternativen Erfolgsmessung gefällt mir sehr gut. Der Gedanke entspricht ja eigentlich vielen Rahmenkonzeptionen die in vielen Sportarten für das Jugendtraining ausgegeben werden.

    Das springende Punkt dabei ist eben meistens, dass nicht der Individualerfolg im Fokus steht, sondern die gemeinschaftliche Entwicklung und Ausfaltung eines jeden einzelnen Kindes. Unabhängig von dessen spielerischen Können oder dessen körperlichen Voraussetzungen.

    Wie du selbst sagst, ist es wichtig die Eltern und Fans von vornerein mit ins Boot zu nehmen. Denn es bringt nichts wenn ich als Trainer diese Werte vermittle. Die Eltern meinen Spieler zuhause aber auf den Erfolg und das Endergebnis trimmen.

    Eine offene, gemeinsame Kommunikation und Festlegung der Ziele und Werte ist hierbei demnach von zentraler Bedeutung.

  • Klar! Ich bin auch ein Vertreter der Meinung, dass Leistung- und Ergebnisorientierung im Jugendbreitensport nichts verloren haben. Hier geht es um die Bewegungserfahrung, um den Spaß und um das Kollektivgefühl.

    Dennoch ist die bloße Aussage "Ich lasse meine Kids im Training frei spielen!" auch keine Lösung. Denn Training ist auch da, um den Kindern Werte, Regeln und Frusttoleranzen beizubringen und erste Erfahrungspunkte damit zu knüpfen.

    Ein angeleitetes Training, in dem die Kids Input und Ideen für die aktive Mitgestaltung geben können, sollte daher das Ziel eines Trainers sein, der seine Kids weiterentwickeln und Spaß, sowie den Teamgedanken vermitteln will.

    Das widerspricht sich nicht: Begleitendes Coaching von freien Spielformen fernab von Ergebnis- und Leistungsdruck kann sich doch mit Werten, Regeln und Frustrationstoleranz beschäftigen. Demotivierend ist schlechtes Übungsformtraining mit vielen Vorgaben, langweiliges Einschleifen von spielfernen Techniken, abwechslungsloses Training... Aber vor allem extreme Fremdbestimmung der Kinder. Ich denke Fremdbestimmung ist die entscheidende und größte Quelle für Demotivierung! Das Problem besteht darin, dass die meisten Trainer vor allem genau deswegen (wegen der Fremdbestimmung) Trainer sind.

  • Das widerspricht sich nicht: Begleitendes Coaching von freien Spielformen fernab von Ergebnis- und Leistungsdruck kann sich doch mit Werten, Regeln und Frustrationstoleranz beschäftigen. Demotivierend ist schlechtes Übungsformtraining mit vielen Vorgaben, langweiliges Einschleifen von spielfernen Techniken, abwechslungsloses Training... Aber vor allem extreme Fremdbestimmung der Kinder. Ich denke Fremdbestimmung ist die entscheidende und größte Quelle für Demotivierung! Das Problem besteht darin, dass die meisten Trainer vor allem genau deswegen (wegen der Fremdbestimmung) Trainer sind.

    Da sprichst du einen wahren Punkt an.


    Ich habe schon zu oft erlebt, dass sich Trainer als Mittelpunkt des Geschehens aufspielen, obwohl es doch ganz klar um die Kids und ihren Spaß und das Erlebnis im Team und im Sport geht. Dabei sollte nie das Endergebnis oder der Trainer im Mittelpunkt stehen.


    Ich denke wir sind uns einig, dass es Regeln braucht, die auch zu befolgen sind. Das ist wichtig, dass das Kinder früh lernen, damit sie das später auch in andere Bereiche übertragen können. Klar, man muss die Regeln nicht immer zu 100% durchsetzen wollen, sondern kann auch mal ein Auge zu drücken. Denn am wichtigsten ist die eigene Erfahrung am Spiel und an der eigenen sportlichen und körperlichen Betätigung der Kids. Wenn das dann mal in einem scheinbar chaotischen umherspringen und spielen der Kids endet, dann ist das eben so. Und dann muss man sich als Trainer auch entscheidend zurücknehmen und sich hinterfragen, wofür man das ganze eigentlich macht.

    Nämlich für die Kids und ihren Spaß an der Bewegung!

  • Ich denke wir sind uns einig, dass es Regeln braucht, die auch zu befolgen sind. Das ist wichtig, dass das Kinder früh lernen, damit sie das später auch in andere Bereiche übertragen können. Klar, man muss die Regeln nicht immer zu 100% durchsetzen wollen, sondern kann auch mal ein Auge zu drücken.

    Nein, an der Stelle sind wir uns eher nicht einig.


    Von folgendem geht man bei der Kindererziehung aus: Es gibt Grenzen und Regeln.

    Grenzen sind fix: Rote Ampeln, du darfst niemanden hauen, du musst zu Schule aber auch unsere Gesetzgebung. Die Grenzen sind unverrückbar und müssen eingehalten werden.

    Regeln hingegen regeln das miteinander und unterliegen permanenten Veränderungen. Ein Kleinkind hab ich an der Straße an der Hand, einen 8 Jährigen nicht mehr. Und auch im Fußball verändern sich Regeln permanent. Ballgröße, Spieleranzahl, Abseits.


    Regeln folgend dem Entwicklungsstand der Kinder und da macht dieses "früh lernen" überhaupt keinen Sinn. Du musst also darauf achten, dass deine Regeln zur Entwicklungsstufe deiner Kinder passen.


    Ein Beispiel?

    Zwei Teams sollen sich zum Staffelspiel anstellen.
    Das ist bei Bambinis ein hoffnungsloses unterfangen. Wer sich daran versucht, wird graue Haare bekommen.

    In der F-Jugend sind die meisten in der ersten Klasse und bekommen das Anstehen hin. Aber: die Zeit bis man dran ist wird "sinnvoll" genutzt, sehr zum Verdruss der Trainer denn die wollen eine ruhige, konzentrierte Schlange. Die gibts in der D-Jugend dann irgendwann mal gratis dazu, wenn das was vorne passiert, ausreichend interessant ist.


    Fazit: Staffelspiele baut man nicht zwei mal auf (lange Schlange mit großem Chaospotential), sondern so, dass jedes Team max. vier, besser drei Kinder hat. Leibchen in 4-5 Farben können dir das Leben leichter machen.


    Und auch Rahmengeschichten sind noch nicht vom Tisch. Frag mal die Kinder nach einem Warmmachspiel. Sie werden dir zum Beispiel was von einer Chinesischen Mauer erzählen, wo die Eindringlinge versuchen, das Land zu erobern und die Wachen die Mauer beschützen. Rahmengeschichten werden in der gesamten Grundschulzeit noch verwendet. (in der ersten freilich mehr als in der vierten Klasse)
    Bei den Bambinis kannste jedes Spiel als Mondflug verkaufen. Das wird vielleicht irgendwann mal albern.

    Aber wenn du z.B. das Schwänzchenfangenl startest mit: die Schalker haben den Dortmundern die Fahnen geklaut. Zwei mutige Dortmunder fahren nach Gelsenkirchen und holen sie zurück... Warum nicht.

    Fangenspiele sind übrigens die Frühform von Fintieren. Körpertäuschungen, Raumorientierung und gehören ins F-Training.

  • Wettbewerbsspiele:


    Alles in Wettkampfform gestalten.


    1) Schlag den Raab:

    2 Teams und dann diverse Spiele gegeneinander. Das erste Spiel gibt einen Punkt, das zweite 2, etc.

    Dabei kannst du mit einem Fangspiel starten (zB Mannschaftsfangen, also Team 1 im Feld, Team 2 läuft nacheinander rein schlägt einen ab, der nächste Fänger kommt ins Feld. Welches Team ist schneller.) Das selbe mit Ball, bzw. die Fänger müssen nicht den Spieler abschlagen, sondern den Ball aus dem Feld spielen)

    Elfmeterschießen, Lattenschießen, Spielformen, etc.


    2) 1gg1 Duell

    Diverse Stationen aufbauen und Pärchen bilden, die sich duellieren. Aber, das ganze als Team, dh in jedem Duell ist einer Team 1, einer Team 2. Am Ende gewinnt ein Team, weil die Duelle in die Teamstatistik einfließen.

    Fussballtennis, Lattenschießen, Elfmeterschießen, Ecke eindrehen, Spielform (hier würde ich 2gg2 spielen, dh jedes Pärchen bleibt 2 Runden an der Station, Jonglieren in einem Viereck, wer schafft mehr, Zielpassen, etc.)


    3) Fussballbrennball


    4) Torschuß gg Torschuß oder Torschuß gegen Passspiel oder Dribbling

    Man darf so lange aufs Tor schießen (aus einen Dribbling, aus der Hand, Dropkick, etc.) wie die andere Mannschaft braucht, um den Dribbelparcour zu schaffen - Torschuß gg Dribbling.


    5) Spielform, bei der du 8 oder 10 Bälle auf Hütchen um das Spielfeld herum postierst.

    Geht der Spielball ins Aus, muss der Schütze ihn holen und darf erst wieder mitspielen, wenn er den Ball auf das freie Hütchen gelegt hat.

    Das andere Team darf mit einen anderen beliebigen Ball weiterspielen. Aber sie darf nur einen Ball ins Spiel bringen, sonst gibt es Elfmeter.

    Genauso gibt es Elfmeter, wenn jemand noch mit agiert, der eigentlich den Ball holen müsste.


    6) 1gg1 oder 2gg2 Championsleague



    Das fällt mir spontan ein.



    Edit:

    Das sind natürlich keine Aufwärmspielchen, da ist das meiste nahezu der komplette Trainingsinhalt.

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Was sind deine Erwartungen von den Spielern? Training sollte bei F-Jugend vor allem abwechslungsreich sein. Max. alle 20 Minuten eine neue Übung oder Spielform.

    Was sind deine Ziele als Trainer? Willst du Sie nur kicken lassen oder willst du Sie auch fördern und fordern mit deinen Übungen?

    Magst du uns kurz berichten über deine Trainingsgestaltung oder ein Mustertraining kurz schildern und worin du die Probleme siehst? Wieviele nehmen am Training teil?