Trainer als Altersklassenspezialist

  • Hallo zusammen.

    Habe in letzter Zeit immer wieder davon gehört, dass im NLZ Bereich oft gefordert wird, dass Trainer zu Alterklassenspezialisten werden (z.b. U15). Die Trainer bleiben also dauerhaft bei einer Altersklasse anstatt bei einem Jahrgang und gehen folglich nicht mit Ihren Spielern mit hoch.

    Finde den Ansatz eigentlich ziemlich interessant und überlege ob ich mich nicht auch auf ein bestimmte Altersklasse festlegen sollte, um diese Kinder dann eben besonders gut fördern zu können.

    Was haltet ihr von dem Ansatz bezogen auf den Amateurbereich? :)

  • Für die Spieler recht gut, da sie insgesamt mehr verschiedene Reize erhalten. Sie durchlaufen mehr Trainer (hoffentlich alle gut) und lernen so mehr Persönlichkeiten und Trainingsansätze kennen. Es besteht weniger Gefahr, das sich das Training abnutzt und durch ein einheitliches Konzept kann trotzdem ein (jahrelang ) aufeinander aufbauendes Training gewährleistet werden. Außerdem sieht jeder Trainer jeden Spieler anders und jeder Trainer hat seine Lieblingsspieler. Vielleicht kann durch den öfteren Trainerwechsel ja immer mal wer anders Lieblingsspieler sein und neue Stärken erkannt, bzw. andere Schwächen aufgedeckt werden.

    Andererseits könnte es für den ein oder anderen Jugendtrainer, der zum 5ten mal in Folge den D-Jugendlichen die Individualtaktik im 1 gegen 1 "einhämmert" schon zur Abnutzung kommen. Das muss jeder Trainer dann halt für sich entscheiden.


    Selbst wenn es kein einheitliches Konzept gibt, halte ich einen Trainerwechsel nach spätestens 2 Jahren, aus den oben genannten Gründen für sinnvoll.

  • Der große Vorteil des Alterklassenspezialisten ist, dass er die Vergleiche zu anderen Jahrgängen hat.

    Ich sehe den "Wunderspieler" in einem schwachen Jahrgang ganz anders, als jemand, der nur diesen einen Jahrgang kennt. Aufgrund der Erfahrung in einer Altersklasse sehe ich auch tatsächliche außergewöhnliche Fähigkeiten in einem andern Kontext.

    Auch wenn man, über Jahre in derselben Altersklasse arbeitet, entwickelt man sich weiter. Man verändert mehr und mehr lediglich Details, die aber oft den Unterschied machen.

  • @Skriwer     

    @Follkao     

    Finde eure Argumente schlüssig und sehe bisher auch eigentlich nur Vorteile darin, fest bei einer Altersklasse zu bleiben. Ich denke wenn ein Verein so etwas ganzheitlich durchsetzen würde, würde die Qualität der Ausbildung deutlich angehoben werden können.


    Gibt es dazu auch andere Meinungen oder bereits jemanden der das umsetzt oder bei dem es im Verein umgesetzt wird?

    Fände noch mehr Input spannend :)

  • Ich finde, es kann unter Umständen auch Sinn machen, "seine" Jungs in den nächsthöheren Jahrgang zu begleiten. Wenn es menschlich beidseitig sehr gut passt, warum dann was ändern, nur um etwas zu ändern? Vor allem auf Kreisniveau. Die menschliche Komponente ist diesbzgl. natürlich unwichtiger, je höherklassig du arbeitest - völlig klar.


    Darüber hinaus: Wenn du deine Jungs zwei Jahre bestmöglich ausgebildet hast und dann siehst, dass die anderen Trainer im Verein schlichtweg weniger Fachkompetenz als du haben (weil Vatertrainer, die vor 'nem Jahr nicht schnell genug abgelehnt haben) - dann würde ich auch gerne mit meinen Spielern mitgehen. Aber auch diese Qualitätsschwankungen auf den Trainerpositionen wirst du in erster Linie in den Kreisliga-Vereinen und weniger darüber haben.


    Ich selbst rechne auch fest damit, meine aktuelle B-Jugend in der Saison 2020/2021 in der A-Jugend zu coachen. Wobei mir da entgegen kommt, dass der bisherige A-Jugendtrainer eigentlich diese Saison schon aufhören wollte.


    Dass die Ausbildungsqualität im Gesamten höher wäre, wenn ich in der B-Jugend bleibe, statt in die A-Jugend mitzugehen, kann ich jetzt so nicht nachvollziehen. Dafür sind die Inhalte in den beiden Altersklassen zu ähnlich, als dass sich meine Trainerarbeit durch irgendeine Umstellung verschlechtern würde. Zumal ich auch schon in der A-Jugend gearbeitet habe.

  • Klingt für mich sehr schlüssig. Im Grunde ist dies doch im Profibereich auch so. Der U21-Trainer trainiert ja auch nicht die Profis ;) Unterschiedliche Befindlichkeiten.

    Ein Trainer, der gut mit jüngeren arbeitet, muss dies nicht mit U15 Schülern machen.


    Zudem stellt sich mir die Frage, wie groß muss der Altersunterschied sein, damit die Kids einen mit Respekt begegnen?

  • Zudem stellt sich mir die Frage, wie groß muss der Altersunterschied sein, damit die Kids einen mit Respekt begegnen?

    Das hat in meinen Augen nicht viel mit dem Altersunterschied zu tun sondern mit dem Standing.

    Egal welche Altersklasse man trainieren möchte, man sollte sich immer fragen was einen qualifiziert.

    Welche Altersklasse haste denn ins Auge gefasst?


    Ich kenne einige sehr junge Trainer. Da sind tolle Jungs dabei, die schon sehr früh ein Team sehr erfolgreich geleitet haben. Also erfolgreich in dem Sinne, dass es für alle Beteiligten entspannt ist.

    Andere junge Trainerkollegen spielen sich auf wie nix gutes und wollen Eltern erklären, wie die Spieler zu ernähren sind. Das wird in dieser Form sicher nicht lange gut gehen.

  • Grundsätzlich muss man diese Thematik eigentlich aus 3 unterschiedlichen Perspektiven sehen:


    1. Vereinssicht

    2. Trainersicht

    3. Spielersicht


    1. Vereinssicht:


    Der Verein wird nach Möglichkeit versuchen sich in der Breite gut aufzustellen. Wenn es dem Verein gelingt für die D-,C-,B- und A-Jugend jeweils einen guten Trainer zu finden, dann wäre es meiner Meinung nach aus Sicht des Vereins ideal, wenn alle 4 Trainer ihre Position langfristig behalten würden. Die Vorteile wurden bereits aufgezählt:

    • Detailkenntnisse über Altersklassenziele und vor allem das "WIE trainieren" müssen nicht angeeignet werden - Fortbildung ist immer wichtig, aber ich denke, ihr wisst was ich meine
    • Jahrgangsvergleiche - wie gut ist "die Granate" wirklich oder auch das Gegenteil: Wie schwach ist "der Max" wirklich, ist die Mannschaft vielleicht auch einfach nur insgesamt überdurschnittlich gut und er durchschnitt statt schwach?
    • Feste Jahrgangstrainer bedeutet, dass die Jungs von der D-Jugend bis A-Jugend 4 mindestens vier unterschiedliche Trainer hatte. Wenn es hier ein Vereinskonzept für die Ausbildung gibt, ist das mit Sicherheit deutlich besser, wenn die Jungs andere Methoden, Ansprachen etc. kennengelernt haben und sind meiner Meinung nach besser auf den Seniorenfußball vorbereitet, als wenn sie immer mit Trainer X hoch gegangen sind

    Ein Nachteil ist meiner Meinung nach, was macht man mit dem Super-Trainer, wenn man sonst nur Trainer hat, die es machen, damit es halt irgendjemand macht? Hier ist es vermutlich so, dass man sich seinem Wunsch anschließt, um ihn überhaupt zu halten. Letztlich ist dieses Beispiel vielleicht etwas übertrieben, aber am Ende ist es doch so, dass man nicht in jedem Verein eine solche Anzahl an guten Trainern hat.

    • Möglich wäre, ihn in der wichtigsten Altersklasse zu lassen - was aber ist die wichtigste Altersklasse?
      • A-Jugend, da kurz vor Senioren? D-Jugend - goldenes Lernalter?
    • Ihm die "Beste" Mannschaft geben, um die Besten bestmöglich zu fördern
    • Ihm die "schlechteste" Mannschaft zu geben, um den JG nach vorne zu bringen

    2. Trainersicht:


    Es stellt sich immer die Frage, was möchte der Trainer. In welchem Entwicklungsstadium ist er? Ist er 18 Jahre alt, hat die C-Lizenz und trainiert bereits im zweiten Jahr die D-Jugend? Ist er 45, hat die B-Lizenz und bereits mehrere Altersklassen inkl. Senioren trainiert?


    Ich denke wir sind uns alle einig, dass diese beiden Trainertypen vermutlich andere Ziele haben. Der junge Bursche möchte sich gerne "hoch" arbeiten, weiterqualifizieren und die neu gelernten Inhalte auch auf dem Großfeld umsetzen.

    Der ältere Trainer hat vielleicht "alles gesehen" und kann sich gut vorstellen die nächsten Jahre die A-Jugend zu trainieren, um den Jungs den "Feinschliff" vor dem Sprung in den Seniorenbereich zu verpassen.


    Letztlich sind es meist die Trainer, die über kurz oder lang nicht bereit sind ein Altersklassenspezialist zu sein. Meist haben Trainer folgende Interessen:

    • Sohn trainieren - also alle 2 Jahre eine Jugend hoch

    • ehrgeizig, so schnell es geht hoch kommen

    • egal, ich hab Spaß am Trainer da sein, die Rahmenbedingungen müssen passen

    Oft sind Trainer durch eine 3 oder 4 Jährige Tätigkeit im D-/C-Jugendbereich grad zum Altersklassenspezialisten geworden, da wollen sie dann aber hoch in die C-/B-Jugend, um näher dran am vermeintlich "richtigen" Fußball zu sein.


    Ich denke, nur ein hochklassiger Verein bietet für die meisten Trainer die gute Perspektive als Altersklassenspezialisten. Bei den meisten Dorfvereinen wird der Trainer meist wenig Lust verspüren, wenn er den "Goldenen Jahrgang" trainiert hat und im Anschluss die Mannschaft um den "dicken Max", den "faulen Paul" und den "unzuverlässigen Tim" sowie "krumfuß Tobias" zu bekommen, wenn es sich bei dieser Aufzählung um die Leistungsträger handelt :S


    3. Spielersicht:


    Auch hier ist meiner Meinung nach ein differenzierter Einblick nötig. Kommt der Trainer fachlich kompetent rüber (nicht ob er es wirklich ist!!!), die Ergebnisse passen (meist bedingt die vorher genannte Wahrnehmung dies) und ist menschlich in Ordnung, dann werden die meisten Spieler den Trainer halten wollen.

    Es kommt einfach ganz drauf an, wie ist der Verein aufgestellt. Ist es klar geregelt, dass es "Altersklassenspezialisten" gibt und es ist klar, dass diese auch alle einen guten Job machen, dann wird jeder froh darüber sein. Genauso wird sich nie einer über den Trainer beschweren oder einen anderen fordern, wenn er in einem NLZ oder hochklassigen Amateurverein spielt/spielen darf.

    Bin ich aber im normalen Durchschnittsverein, dann habe ich vielleicht genau diesen einen super guten Trainer und der Rest hat doch den Ruf der alten Schule zu folgen. Dann möchte ich nach 2 tollen Jahren in der B-Jugend doch meinen Trainer mit in die A-Jugend nehmen und nicht und der Schleifer dort trainieren. Ist doch logisch.

    Ich denke aus Spielersicht ist es so, dass - wenn die Weitsicht überhaupt vorhanden ist / man kann Spielersicht auch mit Elternsicht gleichsetzen oder sogar dadurch ersetzen :S) man klar egoistisch handelt und den besten Trainer für sich selber haben will. Was interessiert mich als A-Jugendlichen, ob unsere D-Jugend einen guten Trainer hat?




    Meine Sicht der Dinge:
    Als Trainer sollte man immer ehrlich zu sich selber sein. Klar macht es meist am meisten Spaß mit seiner Mannschaft mitzugehen, wenn diese erfolgreich Fußball spielen kann. Krass ausgedrückt: Aber man sollte als Trainer ein Dienstleister der Jungs sein.

    D.h. man sollte den Jungs fair gegenüber sein und ihnen ermöglichen auch andere Trainer/Methoden/Ansprachen etc. kennen zu lernen. Ich finde, man versucht sich das immer schön zu reden, dass man dazu ja grundsätzlich bereit wäre, aber wenn ich meine Jungs in die nächste Jungend gebe, dann bekommen sie zwar einen neuen Trainer, aber der ist doch viel viel schlechter als ich toller Hecht. Wenn ich nochmal drüber nachdenke, dann finde ich auch wirklich, dass ich der fachlich deutlich bessere Coach bin. Damit meine ich, dass ich auf dem Trainingsplatz inhaltlich besseres Training mache, während eines Spiels inhaltlich besser coache.

    Aber was ist mit folgenden Punkten:

    • Ansprache (immer gleich?)
    • Trainingsgestaltung (zwar von den Übungen her abwechslungsreich, Struktur und Schwerpunkte aber abwechslungsreich?)
    • Vorurteilsfreie Spielerbeurteilung oder ist der mein 10er noch Stammspieler, weil er vor 2 Jahren der beste war?
    • Zwischenmenschlicher Umgang/Führungsverhalten: Egal wie gut oder schlecht ich hier bin, wichtig für Jungs ist hier meiner Meinung nach, dass sie verschiedene Umgänge kennenlernen.

    Die Frage ist jetzt, was ist wichtiger, das fachliche s.o. oder die darunter genannten Punkte? Und geht es nur darum die Jungs als Fußballer taktisch, technisch und körperlich weiterzubringen oder auch den Menschen bzw. die Persönlichkeit zu entwickeln?


    Ich glaube, viele Trainer betrügen sich selber und bleiben "zum Wohle der Jungs" bei der Mannschaft. Die Wahrheit ist aber, dass man selber eine Komfortzone nicht verlassen möchte. Am Ende des Tages ist es für die Jungs wichtig durch verschiedene Trainer mehrere Facetten zu sehen. Genauso profitiert aber auch der Trainer davon, wenn er andere Spieler trainiert.



    Altersunterschied:

    Hier sehe ich kein Problem. Es gibt für mich keine alten und keine jungen Spieler (im Seniorenbereich; im Jugendbereich gibt es die ja quasi - ich weiß relative-age-effect, aber klammern wir mal aus - keine alten und jungen Spieler) und demnach konsequenterweise auch keine jungen oder alten Trainer. Es gibt gute und weniger gute Spieler und es gibt gute und weniger gute Trainer. Natürlich sehe ich bei jüngeren eher die Möglichkeit, dass es noch eine Entwicklung gibt, aber auch hier haben - eher im Trainerbereich, aber tlw. auch Spieler - noch genügend Entwicklungspotenzial.

    Aber ich habe schon 22 Jährige A-Jugendtrainer gesehen, die den Laden super im Griff hatten und ich habe auch schon 50 Jährige D-Jugendtrainer gesehen, denen die Spieler auf der Nase rumgetanzt sind.