Wettkampfstrukturreform im Kinder- und Jugendfußball

  • Vielen Dank für diese Fragen


    zu 6: Was genau meinen Sie mit goldene Ananas genau?


    zu 7: Ich habe sehr viel erlebt, da ich seit 35 Jahren als Trainer arbeite, überwiegend sogar an der Basis. Dazu zählt auch, dass ich erlebt habe, wie sich Spieler gefreut haben, die nicht gespielt haben oder kaum einen Beitrag zum Ergebnis geliefert haben. Dies ist auch in den Wettbewerben, die in den Pilotligen laufen genauso. Unterdurchschnittliche Einsatzzeiten sind jedoch ein wesentlicher Treiber für Drop Out mangelnde Weiterentwicklung, Relative Age Effect und sehr viele Konflikte zwischen Trainern und Eltern im Kinderfußball.


    zu 8: Diese Frage stellt sich meiner Auffassung nach nur, wenn die Anzahl der zu vergebenden Plätze geringer ist, als die Anzahl der Kinder im Kader. Genau dies ist im aktuellen Modus des Spielbetriebes des Kinderfußballs strukturell angelegt. Unser Ziel war es dies aufzubrechen und allen Kindern, die ins Training kommen die gleichen Einsatzzeiten zu ermöglichen. Das Modell der Pilotligen leistet genau dies, ohne, dass denjenigen, die schon lange dabei sind oder den Höchstleistern etwas weggenommen wird.

  • Ich finde es wirklich amüsant. Wenn man sich gegenüber Funino konstruktiv kritisch oder auch einfach kritisch zeigt, und zwar als einzige Form des Wettbewerbs, dann wird man von den "Funino-Jüngern" massiv angegangen.


    Auch wenn man sagt, dass das alles ganz nett ist, aber nix bringt, wenn nämlich die Trainer in den NLZs bzw. im Leistungsbereich keinen Wert auf eine gute Technik bzw auf kleine, flinke Spieler legen, sondern andere Parameter wichtiger sind... Wenn man das sagt, wird man hier auch schon fast für weltfremd gehalten, weil man die ganzen Vorteile für die Kinder nicht sieht.


    MightyReds fordert sogar, dass Funino vom Verband vorgegeben wird und so gemacht werden muss!? Hallo? Mit welcher Berechtigung?


    Das Projekt steckt in den Kinderschuhen. Deshalb... Wer in einer Funino-Liga spielen will, der soll optional sich für eine melden können, neben dem normalen Wettbewerb. Das ist ein guter Kompromiss.


    Ach, und

    3 gegen 3, 4 gegen 4 oder 5 gegen 5 auf vier Tore habe sogar ich schon gespielt. Im Training, vor 30 Jahren, und mache das immer noch regelmäßig im Training.


    Aber wenn ich das zu oft mache, kommen die Spieler schon und fragen, wann sie endlich auf die Tore ballern können.

    Das ist es nämlich worum es im Fußball wirklich geht... Das Runde soll ins Eckige.

    Dieses Grundprinzip hat der ein oder andere wohl vergessen, wenn er den Vereinen Funino aufzwingen will.


    Ach, und ob es wirklich daran liegt, dass ein Kind in der F-Jugend weniger gespielt hat und deshalb mit 15 oder 16 mit dem Fußball aufhört? Das ist nicht bewiesen. Es kommen die Mädels, Party, Ausbildung usw. Die sind wohl eher dafür verantwortlich, wenn Jugendliche in dem Alter aufhören.


    Was auch interessant ist... Ich kenne so viele Trainer, die nicht in die Halle mit ihren Kids wollen, weil das "kein richtiger Fußball wäre" oder die "Verletzungsgefahr zu groß wäre".

    In der Halle geht es ja auch eher um Technik.


    Wie ist das bei den Funino-Jüngern:-)? Halle Nein? Funino Ja? Das ist eine ernstgemeinte Frage.

  • MightyReds fordert sogar, dass Funino vom Verband vorgegeben wird und so gemacht werden muss!? Hallo? Mit welcher Berechtigung?

    Die Verbände scheinen da schon auf einen guten Weg zu sein. Behutsam als Alternative anbieten und der nächste logische Schritt wäre es, die Spielformen in den verschiedenen Altersklassen (2er/3er Fußball Bambinis (wie beim ÖFB), Funino in der F und 5er Fußball in der E) fest vorzugeben.


    Das Runde soll ins Eckige.

    Dieses Grundprinzip hat der ein oder andere wohl vergessen, wenn er den Vereinen Funino aufzwingen will.

    Beim Funino lautet der Spruch: "Das Runde muss in eines der beiden Eckigen". Wir hatten letztens unser erstes Funinoturnier ausgerichtet, es fielen in 38 Spielen 325 Tore. Bekomme da keinen Zusammenhang, wieso Funino dem widerspreche.


    Wie ist das bei den Funino-Jüngern:-)? Halle Nein? Funino Ja? Das ist eine ernstgemeinte Frage.

    In der Halle kann auch Funino gespielt werden ;) Ansonsten sehe ich keinen Zusammenhang zwischen Funino und Halle.


    Ich finde es wirklich amüsant. Wenn man sich gegenüber Funino konstruktiv kritisch oder auch einfach kritisch zeigt, und zwar als einzige Form des Wettbewerbs, dann wird man von den "Funino-Jüngern" massiv angegangen.

    Was sind denn "Funino-Jünger"? Es ist das eine, sich kritisch zu äußern und das andere, abstruse Behauptungen aufzustellen und diese als Fakt darzulegen.

    Das ist nicht bewiesen. Es kommen die Mädels, Party, Ausbildung usw. Die sind wohl eher dafür verantwortlich, wenn Jugendliche in dem Alter aufhören.

    Immer wieder amüsant. Alle Aussagen sind unbewiesen und am Ende werden selbst Thesen aufgestellt, die noch weniger bewiesen sind.


    In dem Thema werde ich mich außer bei Fragen an Matthias Lochmann nicht mehr beteiligen. Du darfst mich gern in einen anderen Thread verlinken, der Thread ist mir für solche Geschichten zu Schade.

  • Genau... Kaum hat jemand eine andere Meinung, schon will man nicht mehr diskutieren. Amüsant.


    Nee, Funino wird garantiert nicht verpflichtend werden. Du wünschst dir das vielleicht und das kannst du beim nächsten Weihnachtsfest auch gerne weiter machen, aber dennoch werden wir nicht erleben, wie das 3 gegen 3, ohne Torhüter, das 7 gegen 7 ersetzt.


    Aber da du Dinge gern aus dem Kontext reißt. Ich habe nix!!!! Gegen Funino!!!! Hoffe es geht jetzt auch in deinen Kopf:-).

    Es soll eine Option sein, für die Leute, die es wollen. Und wenn es sooooo toll ist, dann werden die Kinder und Trainer nur so zum Funino konvertieren:-).


    Aber wie gesagt, 3 gegen 3 oder 4 gegen 4 sind keine Neuheiten. Wurde vor 30 Jahren schon im Training gemacht.


    Keine Ahnung, was mein Vorredner, der diesen Begriff ( Funino - Jünger) gewählt hat, genau damit gemeint hat, aber für mich sind das "Trainer" wie du, die ihren Kopf durchsetzen wollen und keine andere Meinung zulassen. Für dich ist Funino das A und O und du willst, dass es verpflichtend ist... Sorry, das ist ziemlich engstirnig, vor allem dann, wenn man keine andere Meinung akzeptiert.


    Und wieder werden Aussagen aus dem Kontext gerissen, wenn du meine Aussage, dass Jungs mit 14,15,16,17 mit dem Fußball im Verein aufhören, weil Mädels, Parties oder der Beruf wichtiger für sie ist... Wenn du diese Aussage als unbelegte "These" bezeichnest.


    Ich habe mehrfach, vor 15 Jahren schon und vor einem Jahr noch, Spieler in dieser Altergruppe trainiert... Ich habe zig Spieler kennengelernt und getroffen, die genau meine "Thesen" als Grund dafür genannt haben, dass sie mit Fußball aufgehört haben.


    Kein einziger hat gesagt: Ich höre mit 17 mit Fußball auf, weil ich in der F-Jugend keine Spielzeit bekommen habe.


    Ich könnte dir theoretisch zig Spieler, zeigen, mittlerweile sind viele der Jungs Erwachsen, Väter und/oder selbst Trainer, aber wie viele Spieler kannst du aufbieten, die deine "These" belegen?


    Naja, Funino wird allerdings nicht eingeführt, weil mehr Kinder am Ball bleiben sollen, sondern weil sich Deutschland bzw. der DFB nach einem Robben, Ribery, Coman, Rebic sehnt... Und man meint was machen zu müssen... Immerhin ist die Nationalmannschaft historisch gescheitert.


    Wobei das nicht an fehlenden, dribbelstarken Flügelspielern lag... Sane hat man nicht mitgenommen, genauso wenig wie einen Volland, der das auch spielen kann, Bellarabi, Gnabry... Nee... Özil musste spielen, Khedira, Hummels und Boateng... Müller auf Außen ist genauso Käse, wie ein Kroos auf der 6.

    Ein Brandt hat auch nur Gnadenminuten bekommen...


    Fragt sich nur, wann Deutschland bei den ganzen vorherigen Erfolgen, für seine Technik und dribbelstarken Flügelspieler bekannt war?


    Holland und Spanien, Jugoslawien, Portugal galten immer als spiekstark, technisch versiert. Anstelle von Jugoslawien ist da jetzt Kroatien.

    Deutschland? Da ging es um andere Tugenden.


    Und nochmal : Ich habe nix gegen Funino! Jeder, der es machen will, soll es machen. Optional, nicht verpflichtend!!!

  • Vielleicht machen wir einen Diskussionsthread um diesen Beitrag auf. Ich finde den Input aus erster Hand klasse (wann hat man schon mal Gelegenheit, mit solchen Menschen direkt in Kontakt zu treten?) und fände es schade, wenn man hier diese Infos aus erster Hand zwischen 784 allgemeinen Beiträgen suchen müsste.

  • Matthias Lochmann


    Wie stehen die NLZs zu Ihren Vorschlägen aus ihrer Tabelle 1 vom Samstag? Grundsätzlich ist eine solche vertikale Periodisierung ja zu begrüßen, aber sie schlagen ja dort in der U13 noch ein 7v7 vor, in der U14 noch ein 9v9. Hier würde ich eher zu 9v9 und 11v11 tendieren, aber das möchte ich an dieser Stelle gar nicht diskutieren, es geht mir mehr um folgendes:


    Die NLZs bewegen sich genau in die entgegengesetzte Richtung: Seit Jahren werden dort die U13-Teams auf das 11er-Feld geschickt, mittlerweile ist es so, dass diese in der Region hier sogar oft als C-Jugend-Teams in den Spielbetrieb gemeldet werden. Um mit den NLZs mithalten zu können, folgen nun sogar erste Nicht-NLZ-Teams diesem Beispiel.


    Konkret also:

    Wie stehen die NLZs ihrem Wissensstand nach zu den Vorschlägen insbesondere im Bereich U13 und U14?

    Oder kann man das so verstehen, dass diese Tabelle für 90 (95?) Prozent aller Teams zutrifft, die talentiertesten 5-10 Prozent in der Altersstufe aber durchaus 9er (U13) und 11er (U14) Feld spielen könnten/sollten?

  • Hallo Herr Lochmann. Ich hätte eine Frage zu diesem Thema in wie weit ist die Idee des Funinios in die Trainerausbildung integriert? Gibt es da schon Pläne seitens des BFV?

    Vielen Dank für diese Frage!


    Auch die Trainerausbildung befindet sich im Umbruch. Insbesondere im Kinder- und Jugendfußball werden "Talententwickler" benötigt und weniger "Spielegwinner". Aktuell arbeite ich 12 Module aus, die genau dies leisten werden. Auch hierzu habe ich auf dem Internationalen Trainerkongress in Dresden Vorschläge unterbreitet. Aktuell arbeite ich auf diesem Sektor mit den Nationalverbänden folgender Länder zusammen: Österreich, Schweiz, Kolumbien. Darüberhinaus mit privaten Investoren aus China und USA. Die Pläne des BFV müssen Sie dort erfragen.


    FUNino spielt hierbei allerdings nicht die Hauptrolle. Der Kern der von uns konzipierten Lehrgänge rückt die Themen Wahrnehmen, Verstehen, Entscheiden, Ausführen, Raumkontrolle, Ballkontrolle und Zeitkontrolle ins Zentrum der Ausbildung. Weiterhin geht es um Trainerkompetenzen, die dazu führen, dass Spieler genau diese Dinge im Rahmen ihrer Talententwicklung erlernen.

  • Vielen Dank für diese Fragen!


    zu A: Ja es gibt Konzepte wie eine Differenzierung des Spielbetriebes an Hand des Entwicklungsstandes gelingen kann. Wir arbeiten an Publikationen dazu, denen ich hier nicht vorgreifen möchte. Moderne Technologie und Bewertungssystematiken, aber auch trainingspraktische Maßnahmen spielen dabei eine zentrale Rolle.


    zu B: Leistungssport und Breitensport besitzen einen kontinuierlichen Übergang. Die Kriterien sind einerseits die Freiheitsgrade des Spiels 11 gegen 11. Mit jedem Spieler mehr nehmen die Freiheitsgrade zu, das kann man berechnen. Dies geht jedoch hier weit über den Zweck des Themas, das ich angelegt habe hinaus. Weiterhin gibt die Entwicklungspsychologie Anhaltspunkt,e die sich auf den pyscho-/physischen Entwicklungsstand beziehen. Weiterhin gibt es Tanner-Stadien, nach denen die biologische Entwicklung beurteilt werden kann. Hier ein paar Literaturanstöße:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Tanner-Stadien

    https://arbeitsblaetter.stangl…t/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/

    https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget


    Grundsätzlich sind NLZ Selektionsmaschinen, die Kinder und Jugendliche mit höherem Entwicklungsstand bevorzugen. Daher ist es logisch, dass dort wo ggf. 9 gegen 9 außerhalb des NLZ gespielt wird, 11 gegen 11 von den NLZ Spielern einigermaßen bewältigt wird. Allerdings heißt dies nicht, dass dies optimal ist, nur weil es die NLZ machen.

  • Hallo Herr Lochmann,


    vielen Dank für Ihre ausführlichen Antworten, die ich sehr zu schätzen weiß, obwohl ich letztendlich eine andere Philosophie vom KIFU habe.


    Ich erlaube mir dennoch eine weitere ausführliche Frage, die mich wirklich umtreibt und die m.E eine fundamentale Bedeutung hat:


    In Tabelle 1 ihrer Publikation wird die vertikale Periodisierung dargestellt, das Prinzip habe ich verstanden. Meine Frage ist aber: Was sind die Grundlagen für die vorgenommene Skalierung der Zuordnung bestimmter Wettbewerbsformen zum jeweiligen Alter. Sie sprechen in ihrem Paper von dem psycho-physischen Entwicklungsgang des Menschen. Das ist qualitativ nachvollziehbar, aber wie kommt es zu den tatsächlichen Vorschlägen? Warum sind 5 Spieler pro Team die richtige Anzahl für eine U10/U11, aber nicht auch noch für eine U13? Oder warum nicht schon für eine U8/U9? Individuelle Entwicklungsunterschiede können wir bei der Betrachtung mal Außen vor lassen.


    Gibt zur Altersabhängigkeit der psycho-physischen Grundlagen im Bezug auf Teamgrößen etc wissenschaftliche Untersuchungen?


    Wenn ja, würden mich entsprechende Publikationen sehr interessieren. Natürlich kann ich dsbzgl keine wissenschaftlichen Untersuchungen beisteuern, aber meine persönliche Beobachtung/Meinung ist Folgende:


    - Bambini haben keine hinreichenden Voraussetzungen jenseits eines 3:3

    - F-Jugend Kinder haben mE hinreichende Voraussetzungen für ein 4+1 : 4+1

    - E-Jugend Kinder haben hinreichende Voraussetzungen für ein klassisches 7:7


    Gibt es Daten, die diesem Eindruck widersprechen?


    Vielen Dank vorab für Ihre Antwort

  • Vielen Dank für diese Frage!


    Die NLZ bewegen sich nicht notwendigerweise in die optimale Richtung. Ich habe alle NLZ in der Zertifizierung und Deutschland im Detail analysiert und 9 mal unterschiedliche NLZ seitens der Universität in der Restrukturierung über Jahre begleitet. Die Qualität der Arbeit in den NLZ hat sich in den letzten Jahren zwar deutlich verbessert, aber den Trend dort, den Sie richtig beschrieben haben, halte ich für falsch. An dieser Stelle ist jedoch die FIFA gefordert, die durch weltweite Vorgaben diesen Trend stoppen sollte. Denn viele betreiben das 11:11, weil sie bei internationalen Turnieren in diesem Format antreten und erfolgreich im Sinne des Mannschaftsergebnis sein wollen. Dies wiederum steht in der Ausbildung zahlreichen Entwicklungszielen entgegen.


    Ein NLZ hat etwa 10 Teams a 20 Spieler im Spielbetrieb = 200 Spieler pro NLZ. Wenn man von ca. 40 NLZ ausgeht, sind dies 8000 Spieler insgesamt in Deutschland. Im Spielbetrieb des DFB befinden sich ca. 2 Millionen aktive Spieler im gleichen Altersbereich. Damit ergibt sich eine Quote von 0,4% NLZ Spieler und 99,6% Kinder und Jugendliche außerhalb der NLZ!


  • Ich finde es äußerst begrüßenswert, dass Sie hier Rede und Antwort stehen und finde Ihre Arbeit - ohne schmeicheln zu wollen - sehr gut.


    Ich bin schon lange davon weg (eigentlich war ich noch nie an diesem Punkt), zu denken, dass etwas richtig ist, weil es die NLZs machen. Mein Frage geht mehr in die Richtung: Wie wird eine solche Änderung bei den NLZs gesehen?


    Es gibt da ja bei dem einen oder anderen NLZ momentan ein bisschen ein Umdenken, insbesondere auf welche Art von Spielertypen man setzt/in der Vergangenheit gesetzt hat. Stößt das auch fruchtbaren Boden? Ich fürchte eher nicht.


    Edit: Was ich eben besorgniserregend finde ist die Tatsache, dass nun schon langsam erste Nicht-NLZ-Vereine wieder zum 11:11 in der D-Jugend übergehen. Es wäre wünschenswert, das zu verhindern, ist aber argumentativ bei Eltern usw. sehr schwierig, denn DIE halten die NLZs und das was sie tun, oft für der Weisheit letzter Schluss.

  • Vielen Dank für Ihre Fragen!


    Für alle motorischen Lernprozesse gilt, dass hochfrequente Wiederholung über den gesamten Entwicklungsgang notwendig ist, um Techniken unter Druckbedingungen stabil ausführen zu können. Dies gilt für Geige Spielen ebenso wie für Gesang, Turnen und natürlich auch Fußballtechniken. "Niemand wird ein guter Pianist, wenn er ein Klavier anschaut oder drumherum läuft" (José Mourinho). Da dies so ist, schließt sich sofort die Frage an, was verhindert, dass möglichst viele Kinder und Jugendliche möglichst viele spielnahe Ballaktionen erleben. Die Antwort ist simpel: Das aktuelle vorherrschende Modell der Organisation des Spielbetriebes in Deutschland, da die Anzahl der Spieler zu hoch ist, denn mit jedem Spieler mehr in der Mannschaft reduziert sich die Anzahl der Ballkontakte pro Spieler. Dies ist gut untersucht, aber jedem Sportfachmann auch ohne wissenschaftlich gestützte Befunde unmittelbar einsichtig, da logisch evident. Wenn man also die Ballaktionen möglichst lange für möglichst viele Spieler halten möchte, muss man die Teamgrößen über viele Jahre möglichst klein halten. Dies muss jedoch mit dem Angebot mehrerer Spielfelder gekoppelt werden um keine Ausschlusseffekte zu erzeugen. Soweit die Logik ohne jede Begründung auf der Basis von Entwicklungsmerkmalen.


    Das Thema Entwicklungsmermale ist sehr komplex, ich habe dazu bereits einige Ausführungen weiter oben gemacht. Aktuell arbeiten wir an Publikationen, die speziell dieses Thema aufgreifen.


    G-Jugend umfasst zwei Jahrgänge, F-Jugend umfasst zwei Jahrgänge, E-Jugend umfasst zwei Jahrgänge. In diesem Alter sind zwei Jahre Unterschied Welten. Daher kann es sein, dass ein, dass ein Junges F-Jugend Kind keine hinreichenden Voraussetzungen besitzt um 4+1 gut bewältigen zu können, ein älteres F-Jugend Kind jedoch schon. Ähnlich stellt es sich bei G- und E-Jugend dar. Selbst wenn ein Teil der Kinder hinreichende Voraussetzungen besitzt erzeugt man durch die Erhöhung der Spielerzahl weniger Ballkontakte und inhomogene Teams mit sogenannten "Ballstaubsaugern".

  • Hallo Herr Lochmann,


    dass es individuell große Unterschiede im Entwicklungsstand gibt ist ja unbestritten.


    Gestatten Sie mir aber bitte eine Nachfrage:


    Die von Ihnen vorgeschlagene vertikale Periodisierung beruht dann also im Wesentlichen auf der Zielsetzung, möglichst lange möglichst kleine Teams zu bilden, um möglichst viel Ballkontakte zu sichern.

    Es gibt aber (noch?) keine systematische Korrelation der altersgemäßen psycho-physischen Paramter mit den vorgeschlagen Parametern wie Teamgröße, Mannschaftsgröße, etc?


    Wäre das nicht eine wichtige wissenschaftliche Fragestellung?

  • Vielen Dank für Ihre Fragen!


    Wie in meinem ITK Beitrag geschrieben, ist es notwendig eine Strukturreform auf der Basis von logischer und empirischer Evidenz in Gang zu setzen. Unser Systemansatz besitzt beides, allerdings nicht für alle Aspekte in der kompletten Tiefe einer Medikamentenstudie die doppelt blind, randomisiert placebokontrolliert durchgeführt wird.


    Die Pilotligen haben uns bereits sehr geholfen logische Evidenz durch empirische Evidenz zu ersetzen. Aber dies ist ein Prozess, der sich noch über Jahre erstrecken wird. Daher muss das System auch von zeit zu zeit angepasst werden. Ein Strukturinnovation erwächst aus einer Prozessinnovation.


    Und ja, es ist eine wissenschaftliche Fragestellung, der wir vertieft nachgehen :-)

  • Ok,

    übersetzt heißt das für mich als einfach denkender Mensch:


    - es gibt keine wissenschaftlichen Grundlagen, die eine Korrelation der alterspezifischen psycho-physischen Fähigkeiten mit den Parametern Teamgröße, Spielfeldgröße, Spielfeldgröße etc herstellen.


    - ein 7:7 für die F-Jugend ist deshalb genau so willkürlich ausgewählt wie ein 5:5 oder ein 9:9.


    - Die von Ihnen vorgeschlagenen tiefgreifenden Änderungen kommen daher meiner persönlichen Meinung nach eindeutig zu früh!

  • Matthias Lochmann

    Vielen Dank das sie an dieser Stelle rede und Antwort stehen.


    Ich habe eine Frage bzw. eher eine Anmerkung.

    In Ihrer Tabelle zur vertikalen Periodisierung haben Sie für die U12/U13 eine Torgröße von 6 x 2 gewählt.

    Ist dies eine bewusste Entscheidung?

    Ich frage deshalb, da mir in unseren Kreis kein Verein bekannt ist der diese Torgröße vorhält.

  • - es gibt keine wissenschaftlichen Grundlagen, die eine Korrelation der alterspezifischen psycho-physischen Fähigkeiten mit den Parametern Teamgröße, Spielfeldgröße, Spielfeldgröße etc herstellen.


    - ein 7:7 für die F-Jugend ist deshalb genau so willkürlich ausgewählt wie ein 5:5 oder ein 9:9.

    Es gibt sehr wohl wissenschafliche Grundlagen, die einen Bezug zwischen dem Entwicklungsstand eines Kindes und den Parametern Torgröße, Ballgröße, Spielfeldgröße, Teamgröße, etc. herstellen.


    Hierzu ist es wichtig zunächst das Konzept von Kontrollbedingungen und Druckbedingungen zu verstehen unter denen Handlungen im Sport realisiert werden.


    Kontrollbedingungen

    • Raum, Zeit, Gegenstand (im Fußball der Ball)

    Druckbedingungen

    • Präzision, Zeit, Komplexität, Situation, Belastung

    Die Beherrschung des Balles steht in enger Wechselwirkung zur Raum- und Zeitkontrolle. Je weiter entwickelt ein Spieler ist, desto besser beherrscht es den Ball und desto weniger Raum und Zeit benötigt er, um Techniken (Ballannahme, Ballmitnahme, Schusstechniken etc.) auf qualitativ hohem Niveau reproduzieren zu können. In der Entwicklungspsychologie gibt es große Wissensbestände darüber unter welchen Bedingungen Kinder in unterschiedlichen Entwicklungsständen welche Leistungen erbringen können. Hieraus lässt sich dann auch sehr stichhaltig eine Argumentationslinie aufbauen, die darlegt, dass das aktuelle Wettkampfsystem in Deutschland nicht entwicklungsgemäß ausgestaltet ist.


    Sehr harte Fakten liegen hinsichtlich der Torgröße, der Ballgröße und der Spieldauer vor. Hier reichen sogar einfache Berechnungen aus um zu zeigen, dass die Regularien des Wettkampfsystems in Deutschland nicht entwicklungsgemäß sind. Sehr gut ist dies an der Torgröße darstellbar. Das Kleinfeldtor ist 5m breit und 2m hoch. Das Erwachsenentor ist 2,44m hoch und 7,32m breit. Manuel Neuer ist 193 cm groß. Setzt man dies nun in Bezug zur medizinischen Wachstumskurve von Kindern, ergibt sich folgendes Bild:


    Alter 5, Größe im Durchschnitt 112 cm, Torgöße für Manuel Neuer müsste sein: 3,45m hoch und 8,62m breit

    Alter 6, Größe im Durchschnitt 118 cm, Torgöße für Manuel Neuer müsste sein: 3,27m hoch und 8,18m breit

    Alter 7, Größe im Durchschnitt 124 cm, Torgöße für Manuel Neuer müsste sein: 3,11m hoch und 7,78m breit

    Alter 8, Größe im Durchschnitt 130 cm, Torgöße für Manuel Neuer müsste sein: 2,97m hoch und 7,42m breit


    An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Regularien der Spielordnung für das Merkmal "Torgröße" in deutlichem Widerspruch zum physischen Entwicklungsmerkmal "Körpergröße" stehen. Für alle alle anderen Aspekte der Wettkampfstruktur lassen sich auch wissenschaftlich fundierte Begründungen finden, die ebenso eindeutig belegen, dass das aktuelle System nicht entwicklungsgemäß ist. Dies werden wir zeitnah in erscheinenden Publikationen auch stringend und im Detail darlegen.

  • Vielen Dank für diese Frage!


    Ich habe gerade ansatzweise die Torgrößenthematik erläutert. Wir sehen, dass das deutsche Kleinfeldtor für G, F, und in Bezug auf die Torhöhe E-Jugend (1. Jahrgang) deutlich zu groß ist. Im 2 Jahrgang der E-Jugend und der D-Jugend kommt es dann zu einer Umkehrung der Verhältnisse und das Kleinfeldtor wird, gemessen an der Relation Körpergröße zu Torgröße bei den Erwachsenen deutlich zu klein. Dies hat zur Folge, dass Mauertaktiken sehr erfolgreich sein können.


    Aus diesem Grund ist das Kleinfeldtor in Spanien 6x2m groß. Die Absicht des Papers mit der Tabelle war und ist ein best Practice Modell vorzulegen, dass sich über den deutschen Ansatz hinaus erstreckt. Das Paper wird daher in Kürze auch in englisch und spanisch erscheinen wird. Es leistet einen Beitrag zur Reformation der Wettbewerbsorganisation von Sportspielen auf internationaler Ebene. Welche Anteile davon einzelne Nationalverbände übernehmen wird die weitere Entwicklung zeigen.