Entscheidungstraining

  • Moin,


    hat einer Übungen um das Entscheidungstraining "Dribbling" oder "Abspielen" zu trainieren?

    Meine Offensivspieler zeigten sich zu Beginn der Saison zu eigensinnig. Mittlerweile tritt der Fall auf, dass sie den Ball abspielen oder alleine gehen, aber meist genau das falsche wählen. Zum Verzweifeln....Ich lasse viel in Überzahl angreifen im Training 2 vs. 1 bis 5 vs. 4, aber immer wieder...zack falsche Entscheidung, Chance weg, Stop, Einfrieren, Erklären, neu, besser und 5 Minuten....gleiche Fehler...es geht darum unter Druck die richtige Entscheidung zu treffen, da verschenken die Jungs extrem viel. Das ist nicht die schlechte Pass- oder Dribbletechnik, es ist einfach die falsche Entscheidung den Pass zu spielen oder in das Dribbling zu gehen..

  • Moin,

    Das Problem kenne ich auch. Ich habe es -getrennt- trainiert um die Kids nicht zu überfordern.

    1. Raum und Zeitpunkt zum Dribbeln erkennen

    Kleine Spielform 3 gg. 3. Funinofeld oder auch mit Jugendtoren, Dribbeltoren.

    Nur Prov. Regel: Pässe nur nach hinten erlaubt. D.h. die Kids werden gezwungen den Raum zum Dribbeln zu erkennen oder eben abzubrechen

    2. Raum und Zeitpunkt(und Anspielwinkel) zum Abspiel erkennen - Passspiel

    Einzige Prov.Regel: Pässe nur nach vorne erlaubt. Aufbauend auf 1 und das Dribbling und PAssspiel wird offensiv forciert.

    Bei meinen Jungs war der Lerneffekt da. Das Coaching an sich fällt leichter weil man schwerpunktmäßig Dribbeln oder eben passen coacht. Kopfmäßig ist grad Übung 1 sehr schwer für die Kids.


    Danach freies Spiel in kleinen Gruppen.

    Beide Übungen sind mehr oder weniger als Funino Übungen bekannt, ab D kann man das m.e. so zusammenführen und coachen. Um den Schwerpunkt passen und dribbeln zu forcieren kann man als aufwärmen ein Rondo 4+1 gegen 3 spielen, wobei bei Ballgewinn in der Mitte ein 3gg1 auf Ballhalten gespielt wird. Da hat man das Passen und Freilaufen dann schonmal mit drin.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

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  • Meist ist ja mehr die Wahrnehmung und Informationsverarbeitung zu langsam/schwach und dann ist der Moment des Abspiels vorbei.



    Ich empfehle auch Funino-Varianten und noch ein paar andere Spiele.



    4 gegen 2 im Wettkampf:

    Zwei 6er-Teams machen und durchnummerieren. In zwei Feldern dribbeln die Teams mit verschiedenen Aufgaben, jeder Spieler hat einen Ball. Auf das Signal (z.B. "6, 1 !") durch den Trainer sprinten die beiden genannten Spieler ins gegnerische Feld und versuchen alle Bälle weg zuspielen (oder schwierigere Aufgaben wie aus dem Feld dribbeln). Das Team was länger mindestens einen Ball im Spiel hat bekommt einen Punkt und es startet eine neue Runde.

    Die Spieler die keinen Ball mehr haben sollen sich immer zur Hilfe anbieten.


    4 gegen 3 + 1 (oder 4 gegen 4) im Dribbelfeld.

    Ein Feld mit Hütchen- oder Stangentoren aufbauen z.B. so:



    In dem Feld wird wie oben genannt gespielt (mit Joker wird das Passen mehr forciert)

    Erst als Dribbeltore, dann als Passtore und schließlich gelten für die verschiedenen Farben verschiedene Aufgaben.

    Als weitere Steigerung ändere ich die Aufgaben während des Spiels mit der Anweisung vorher: "Die Farbe die ich rufe wird immer zum Dribbeltor, alle anderen sind Passtore".

    Sind die Spieler sehr stark, kann man das mit 2 Bällen spielen und in Extremfall noch zusätzlich für unterschiedliche Bälle unterschiedliche Aufgaben geben und diese ändern.


    Als Drittes möchte ich auf einen Post von mir, von vor einiger Zeit, verweisen:

  • Das sind die wichtigen und richtigen Fragen!

    Das ganze ist natürlich komplex und daher nicht so einfach zu erklären und (unter zeitlichen Gesichtspunkten) schriftlich festzuhalten:

    - ist ein Spieler anspielbar? Passweg offen, Raum etc.

    - wie verhält sich der Gegner? Spekuliert er schon auf den Pass oder spekuliert er auf das Dribbling - Beobachtung der Situation, Kopf oben halten

    - gibt es Raum zu dribbeln oder stehen einem Gegner gegenüber, während ein Mitspieler anspielbar ist?


    Die Punkte sind es - oberflächlich gesagt. Wie gesagt, in meinen Augen ist das ganze ein ganz komplexer Vorgang, auf viele Details kommt es an.
    Wir machen das wie gesagt viel in Überzahlsituationen, sodass der Gegner zum "spekulieren" gezwungen wird. Hebt mein Spieler den Kopf und sieht die Situation ist es meist relativ klar, welche Option "angeboten" wird. Haben da letzte Woche intensiv gearbeitet und ich muss sagen, dass ich überrascht gewesen bin, wie gut das klappte.

  • Die Fragen haben sich mir gestellt als ich "Mit einfachen Regeln schnell richtig entscheiden" gelesen habe. Und "einfache Regeln" haben ja auch ihren Charme ;)

    - so fordere ich zum Beispiel im Zweikampf "stehen bleiben"

    - oder beim zentralen Abschluss im 16er die Innenseite zu benutzen

    - den Ball von der Grundlinie nach hinten zu legen

    - wenn du nicht angegriffen wirst, dann treibe den Ball

    - wenn dich als Ballführender zwei Gegenspieler angreifen, muss ein Mitspieler freistehen (anspielbar sein) - geht in die Richtung "wenn, dann" aus dem Podcast

    - traue dich und ziehe deine erste Entscheidung durch (Take-the-first-Heuristik)


    Im Podcast werden die 10.000h zum Experten-Status (Erfahrung sammeln) angesprochen. Das ist aus meiner Sicht ein Punkt warum es nach weiteren Übungen besser wird.


    Ich friere manchmal zwar auch Spielsituationen ein oder frage meine Kinder nach der Spielsituation oder welche andere Option es gegeben hätte bzw. ob sie XY gesehen haben, habe das aber stark zurück gefahren und bestärke sie in ihrer Entscheidung evtl. mit Verbesserungsoption (z.B. höheres Tempo, stärkerer Richtungswechsel usw.).


    Den meisten Spaß bei Spielen habe ich, wenn ich die Kinder in ihrer Entscheidung bestärken kann, wenn sie gegensätzlich zu ihren Eltern entschieden haben ;)

  • Wir machen das wie gesagt viel in Überzahlsituationen, sodass der Gegner zum "spekulieren" gezwungen wird. Hebt mein Spieler den Kopf und sieht die Situation ist es meist relativ klar, welche Option "angeboten" wird. Haben da letzte Woche intensiv gearbeitet und ich muss sagen, dass ich überrascht gewesen bin, wie gut das klappte

    wobei ich damals bei meinem 2008er Jahrgang feststellen durfte das es kein Kopfheben benötigt um zu wissen wer frei steht.

    Ich habe ab der U7 bis zur U9 immer den Spieler egal ob erfolgreich oder nicht der den Abschluss gesucht hat zu mir geholt um ihm etwas zu fragen.

    Als erstes mal ein High Five für die Kiste und dann die fragen welcher Optionen er noch hatte.

    Antwort abspielen --> Floskel ja der nein?

    Frage wohin oder zu wem?

    Antwort (fiktive Namen) prallen lassen zu Sebastian, prallen lassen zu Marco, Aufspielen zu Dejan

    Danke weiterlaufen...


    In der U9 kam als Antwort noch ergänzend hinzu. Marco hatte aber einen Gegenspieler im Rücken und Dejan hätte ich nur am falschen Fuß anspielen können.


    Solche Antworten sind dann mein persönlicher Sieg und zeigt mir das ich beim Training vieles richtig mache!

  • In der U9 kam als Antwort noch ergänzend hinzu. Marco hatte aber einen Gegenspieler im Rücken und Dejan hätte ich nur am falschen Fuß anspielen können.

    Ich bin ja weiter weg von der F-Jugend und dachte immer, dass ich gute Jungs in der C-Jugend habe:


    Aber dann durftest du scheinbar ja mit wirklich talentierten Jungs arbeiten, wenn die in der F-Jugend den "falschen Fuß" kennen! :thumbup:

  • Aber dann durftest du scheinbar ja mit wirklich talentierten Jungs arbeiten, wenn die in der F-Jugend den "falschen Fuß" kennen!

    Ich tu mir immer etwas schwer mit den F, C und A Benennungen, deswegen habe ich den Jahrgang dazugeschrieben. Wir trennen jeden Jahrgang in Österreich in eine U ein. Das war mein letztes Jahr mit den Kids, hatte sie da mittlerweile das dritte Jahr. Als U6/7 übernommen.


    Die Jungs waren/sind wirklich sehr talentiert gewesen. Du hast eigentlich nur am aussehen gemerkt das sie die Positionen tauschen. Vom Spiel her war es fast nicht möglich weil jeder überall funktioniert hat. Sicher mit stärken und schwächen aber die Basics hat jeder gleich drauf gehabt. Das war auch immer mein Ziel alle gleich weit zu entwickeln. Wenn Ausreißer nach oben dabei waren habe ich einen Cut gemacht und zuerst mit dem Spieler und dann mit den Eltern über den nächsten Schritt gesprochen. Sprich eine Altersklasse höher. Ist ja bei euch in DE nicht wirklich möglich weil ja immer 2 Jahrgänge gemischt sind (finde ich persönlich etwas Sinnbefreit) und ihr somit 2-3 Jahre überspringen müsst :cursing:.


    Ob die Jungs /Mädels so talentiert waren kann ich gar nicht sagen. Für mich führt der Schlüssel im Sport immer über die eigene Körper-Wahrnehmung und Beherrschung. Erst dann kann ich Techniken erlenen, vorher ist das nur Frust schieben. Ballschule ja aber Ballführen beidbeinig usw kann ich erst wenn beide Seiten vom Hirn als vollwertiges "Mitglied"akzeptiert werden. Zumindest ist das meine Meinung und damit bin ich 8 Jahre ganz gut gefahren wenn ich mir die letzten U Jahrgänge so anschaue.


    In jedem Training oder Spielchen hatte ich immer Hand-Fuß-Auge Koordination eingebunden. Die Kinder lernten es spielerisch ohne das ich viel erklären musste. Saß oft ganze Übungen nur daneben und beobachte was abgeht um draus im nächsten Training wieder einen neuen Schwerpunkt zu setzten.