Wechsel ins NLZ-Internat

  • Ich würde sagen die Idee ist gut, die Umsetzung mehr als schlecht.

    Eine Handvoll der Vereine sind es zurecht (Aschaffenburg, Schweinfurt etc.), die meisten anderen haben dagegen zum Teil schlechtere Bedingungen als mancher Dorfverein.

  • Ich gebe zu bedenken:

    - Bayern ist ein Flächenland (z.B. habe ich in Stuttgart und Augsburg Bezirksliga gespielt - in Stuttgart musste man höchstens 30 min. zum Auswärtsspiel fahren (vieles hätte man mit der Straßenbahn erreicht), während in Augsburg auch 1:30-2 h drin waren)

    - in der Bayernliga / Landesliga spielen auch "Dorfvereine"

    - das heißt NLZ - Nachwuchsleistungszentrum und nicht NAZ (Nachwuchsausbildungszentrum) oder Fußballschule - da geht es um Leistung und wird die nicht gebracht, ist man weg (und da gibt es mehrere Beispiele dafür, dass dies nicht immer richtig ist (bekanntestes und aktuellstes ist wahrscheinlich Marco Reus))

  • Ok, also kann das evtl. so sein, dass, wenn wir unseren Jungen in ein Bundesliga-NLZ abgeben (Anfragen sind da), dass wir als Eltern eigentlich keine Kosten haben. Sprich: Der Verein übernimmt die Unterbringung, Verpflegung und Betreuung. Kosten, die für die Mannschaft entstehen (Trikots, einheitliche Bekleidung, Fahrten zu Auswärtsspielen, Schiedsrichter,....) übernimmt der Bundesligaverein und wird nicht auf die Eltern des Spielers umgelegt.

    Einzig und allein ist dann natürlich für uns zu entscheiden, ob wir unserem Jungen zu den Spielen nachfahren. Dass diese Kosten Eigenkosten sind, ist klar.


    Es geht mir nur darum in etwa einzuordnen, was finanziell auf uns zukommen könnte. Denn über das Geld reden wir eigentlich erst am Schluss, da uns die sportliche und soziale Entwicklung unseres Jungen im Vordergrund steht - und wir nicht mit ihm Geld verdienen wollen. Und sollten Ausgaben sein, dann muss man das als Familie im Vorfeld besprechen. Nicht dass wir ganz unvorbereitet zum Buli-NLZ fahren zwecks Wechsel.

  • Meistens ist es so, dass die Eltern keine Kosten haben. Kenne es nur von einem Bundesliga-NLZ aus der 1. Bundesliga und da wurde den Jungs von Unterbringung bis Zugtickets in die Heimat alles gezahlt. Für Internatsspieler aus dem Ausland wurde sogar immer wieder mal ein ICE-Ticket für einen Heimatbesuch gezahlt. Manche der Internatsspieler gehen sogar mit einem kleinen Plus raus.

    Hab allerdings gehört, dass Vereine in Geldnot da auch gerne mal an den Zugtickets und Fahrtkosten sparen^^

    Geht es bei eurem Jungen um einen Wechsel ins Internat des Vereins?

  • In den jungen Jahrgängen fällt der Vereinsbeitrag an. Das ist bei uns sehr günstig ( günstiger als in einem normalen Verein).


    Dazu kommt ein Beitrag für die Mannschaftskasse - wie in jedem Verein. Die Eltern beteiligen sich an den Kosten für die Verpflegung der Mannschaft bei größeren Veranstaltungen und machen dafür auch Besorgungen.


    Für die Ausrüstung fallen keine Kosten an. Das muss bei uns aber auch alles wieder abgegeben und darf nicht behalten werden. Zur Ausrüstung gehören auch Trainingskleidung für jedes Wetter und es wird erwartet, dass die Spieler diese tragen, aber keine Schuhe. Ich finde angesichts der hohen Intensität die Ausrüstung sehr knapp bemessen. Es wird nur das Nötigste gestellt. Dazu gehören bei uns weder Trainingsanzug noch Tasche.


    Für die Fahrten zu Spielen oder Turnieren fallen keine Kosten an.


    Die Fahrten zum Training müssen die Eltern normalerweise selber leisten. Allerdings gibt es auch in jungen Jahrgängen manchmal schon einen Fahrdienst. Das ist aber eher die Ausnahme.

  • Trainer91, ja, es geht um einen Wechsel zur U15.

    Aktuell spielt er als 2006er bereits im alten C-Jahrgang.

    Die letzten beiden Jahre haben wir bereits Anfragen von Buli-NLZ abgelehnt, jedoch wird der Weg ab Winter bzw. nächste Saison in ein Buli-NLZ gehen. Vorausgesetzt natürlich dass er verletzungsfrei bleibt und weiterhin diese Leistung wie in den letzten drei Jahren bringt.

    Mit den bisher anfragenden Buli-Vereinen haben wir noch nichts ausgehandelt, weil uns wie gesagt die Entwicklung in sportlicher und sozialer Hinsicht am wichtigsten ist.


    Vorredner schrieben, dass ab der C-Jugend Verträge abgeschlossen werden.

    Sind diese dazu da, um Abwerbungen anderer Buli-Vereinen entgegenzuwirken? Es handelt sich auch bei dann 14jährigen ja immer noch um Kinder. Oder dienen die Verträge dazu, den Spieler mit Geld- oder Sachleistungen längerfristig zu halten?


    Hmm, klingt von meiner Seite her wahrscheinlich naiv, aber wir haben mit dieser Materie echt wenig Ahnung.

    Hab mal gehört, dass Buli-Vereine bei Abwerbungen von mindestens C-Jugend Spielern mindestens 10TEUR Ablöse zahlen müssten. Weiss darüber jemand Bescheid?

  • Ich kann nicht sagen, ob und in welchem Maße mit diesen Verträgen Geldzahlungen verbunden sind. Ich vermute aber, dass das der Fall ist. Ich weiß es aber nicht.


    Auf jeden Fall geht es um vertragliche Verpflichtungen für den Spieler. Das heißt, der Spieler verpflichtet sich, an den Spielen teilzunehmen, am Training etc. Es ist dann halt wirklich Leistungs- bzw. Hochleistungssport. Schön, wenn der Spieler immer noch Spaß an der Sache hat. So soll es sein und nur so geht es! Aber es ist halt definitiv keine Freizeitangelegenheit mehr, sondern der Spieler muss seine Vertragspflichten erfüllen.

  • Ein wirksamer Vertrag zwischen Verein und Spieler darf laut DFB erst ab dem 15. Geburtstag abgeschlossen werden, das ist also typisch erst am Ende oder sogar nach der U15. Vereinbarungen kann man natürlich vorher treffen, aber juristisch sind die nicht wirksam. Das Muster hatte ich hier schon mal verlinkt, Mindestvergütung sind 250 € pro Monat.


    In den U15-Regionalligen spielen ja noch sehr viele "normale" Vereine, also nicht nur die Profi-NLZ. Daher muss man sich einen Wechsel in die U15 gut überlegen. Wird dein Sohn im Profi-NLZ Stammspieler werden? Oder wollen die Profi-NLZ ihn schnell noch holen, bevor es am Ende der U15 für den Verein teurer wird (wegen des Fördervertrages, siehe oben)? Überlegt Euch das gut.


    Grüße

    Oliver

  • sorry, habe mich falsch ausgedrückt. Er spielt noch nicht im Profi-NLZ, sondern in einem BFV-NLZ.

    Angemacht ist, nach der Saison, also 2020, zum Profi-NLZ zu wechseln, sofern er natürlich weiterhin seine Leistung bringt und er verletzungsfrei bleibt.


    Fussball ist seine Freizeit. Er will das unbedingt - das mit dem Leistungsfussball. Im Heimatverein hat er nicht mehr so viele Freunde (Neid regiert die Welt). Seine Freunde sind mittlerweile die Mitspieler. Da wird viel ausgemacht, Übernacht geblieben ect.

    Aber jetzt mal ehrlich: Jetzt ist er fast 14, aber mit fast 15 braucht er doch noch keinen Berater oder so ähnlich? Oder sind die in den Profi-NLZ so knallhart.? Denn das mit den Ablösesummen für Jugendspieler hat mich schon ein wenig geschockt.

  • Aber jetzt mal ehrlich: Jetzt ist er fast 14, aber mit fast 15 braucht er doch noch keinen Berater oder so ähnlich? Oder sind die in den Profi-NLZ so knallhart.? Denn das mit den Ablösesummen für Jugendspieler hat mich schon ein wenig geschockt.

    Die wichtigsten Ratgeber des Spielers sind sicher die Eltern. Dennoch muss ich hier auch mal eine Lanze für die "bösen" Berater brechen. Was uns in der Phase beim Wechsel ins NLZ-Internat komplett gefehlt hat, war ein unabhängiger Experte. Die Vereine verfolgen eigene Interessen, das muss man sich klar machen. Als Laie hat man keinen Einblick in die rechtlichen Rahmenbedingungen (Wechselbedingungen, Fördervertrag, Ablösen...). Und man weiß auch nicht, wie so ein Wechsel üblicherweise läuft und wie nicht. Unsere Familie hat sich in der Situation entschlossen, einen Berater hinzu zu ziehen. Das hat uns schon alleine geholfen, die Anfragen von Vereinen zu kanalisieren. Mit ein oder zwei Vereinen kann man sich als Familie auseinander setzen, aber wenn es mehr Anfragen gibt, muss man das vorfiltern. Oder man ist jedes Wochenende woanders in der Republik.

    Wir haben uns dann einen Berater gesucht, bei dem wir das Gefühl haben, dass er wirklich die langfristige Perspektive im Blick hat. Bisher klappt das gut. Für Berater sind Jugendspieler ohnehin immer nur eine Investition in die Zukunft, die bekommen erst Geld beim ersten Profi-Vertrag. Wenn man sich umhört, gibt es aber eine wirklich breite Palette von Beratern. Es lohnt sich daher, bei der Auswahl des Beraters umsichtig zu sein.


    Grüße

    Oliver

  • Und man weiß auch nicht, wie so ein Wechsel üblicherweise läuft und wie nicht. Unsere Familie hat sich in der Situation entschlossen, einen Berater hinzu zu ziehen.

    Vollkommen nachvollziehbar. Unerfahren, wie man in dieser Situation sicherlich meistens ist, vermute ich, dass es schwierig ist, die Seriösen und die Unseriösen zu unterscheiden.

    Wäre das nicht auch ein Betätigungsfeld für die VDV?

  • Vollkommen nachvollziehbar. Unerfahren, wie man in dieser Situation sicherlich meistens ist, vermute ich, dass es schwierig ist, die Seriösen und die Unseriösen zu unterscheiden.

    Wäre das nicht auch ein Betätigungsfeld für die VDV?

    ich musste erst suchen, wofür VDV steht, Ich vermute, du meinst die Spielergewerkschaft https://www.spielergewerkschaft.de/de/VDV/Aufgaben.htm und nicht den Verband der Vermessungsingenieure =)


    Ja, das wäre eine gute Hilfe. Bei uns lief es über persönliche Kontakte, d.h. wir kennen Spieler/Familien, die bereits vom gleichen Team beraten werden und damit gute Erfahrungen gemacht haben und immer noch machen. Die Berater haben natürlich auch eigene Interessen, die aber hoffentlich oft deckungsgleich mit denen der Spieler sind. Entscheiden muss man immer noch selbst, aber die zusätzliche Meinung bzw. die Infos, die der Berater uns geben konnte, haben uns bei der Entscheidung geholfen.


    Jetzt nach dem Wechsel ist der Berater für unseren Sohn eine zusätzliche Anlaufstelle, gerade für sportliche Fragen/Probleme. Bisher läuft das gut. Wir haben übrigens mit dem Berater keinen formalen Vertrag, sondern uns lediglich mündlich vereinbart. Wir können die Zusammenarbeit jederzeit beenden, wenn uns etwas quer kommt. Für die Berater ist die Arbeit für die Jugendlichen quasi eine Geschäftsanbahnung in der Hoffnung, dass einer dabei ist, der auch mal einen Profi-Vertrag bekommt.


    Grüße

    Oliver

  • Das klingt doch sehr professionell und gut bei euch. Ich glaube wenn es so läuft wie bei euch, also die Eltern suchen nach Hilfe/Unterstützung, und nicht umgekehrt, hat niemand was gegen Berater.

    Erst wenn bei U12 Spielen irgendwelche Leute die Eltern ansprechen und Irgendwas versprechen, klingeln bei mir die Alarmglocken.

    Was du Geschäftsanbahnung nennst, ist aber natürlich kalkuliert. Kinder in dem Alter sind sehr formbar. Wenn nun schon in jungen Jahren ein gutes Vertrauensverhältnis aufgebaut wird, steigt die Wahrscheinlichkeit enorm, das ein Vertrag auch später unterschrieben wird. Das ist ja erstmal nicht schlimm, man sollte sich halt dessen bloß bewusst sein. Aber das seid ihr ja.