Schwere Verletzungen im Amateurbereich - Zunahme? Trainerverantwortung?

  • Hallo zusammen,


    da hier in der Regionalen Presse gerade vermehrt die Saisonabschlüsse der Verein ein Thema sind fällt mir folgendes auf. Gerade in den mittleren Amateurklassen gibt es hier kaum noch Vereine welche ohne Kreuzbandrisse und ähnlichem durch ein Jahr kommen.


    Es kann mich auch täuschen, aber zu meiner Zeit als Spieler waren in jedem Verein 1-3 Spieler welche "schon mal einen Kreuzbandriss" hatten. Das kann natürlich auch damit zusammenhängen das dies damals oft dem Kariere Ende gleich kam. Aber dennoch denke ich das diese Häufigkeit damals nicht vorhanden war.


    Was mich aber zur Verantwortung und dem Können der Trainer führt. Natürlich kann man diese Verletzungen mit den Veränderungen des Fußballs an sich erklären. Auch auf Top-Niveau werden diese Verletzungen immer häufiger. Gleichzeitig stellt sich aber die Frage ob es nicht auch die Verantwortung der Trainer ist, in einem Bereich in dem Arbeitsleben und anderen wichtiger sind als im Profisport die Spieler besser auf die Anforderungen vorzubereiten oder eben eine Systemumstellung zu erwägen. Unabhängig von der Tabelle?


    Natürlich spielt hier Konjunktiv mit. Aber ich finde ein Positives Fazit des Vereins "trotz vier Kreuzbandrissen und gebrochener Knochen haben wir nichts mit dem Abstieg zu tun" eher makaber als positiv!


    Oder ist das hier nur Regional so? Wie ist denn die Verletzungssituation in euren Regionen unterhalb der Seim-Professionellen Ligen (4.-5.Liga)?


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

  • Ich frage mich da auch immer, ob es nur am Training liegt oder evtl. auch am Material (z.B. Schuhe).


    Weiterhin ist die Frage, inwieweit ich als Trainer einer Herrenmannschaft die Fehler im Kinder- und Jugendbereich noch ausbügeln kann (Koordination, Beweglichkeit usw.) - darauf keine Rücksicht zu nehmen ist allerdings auch fahrlässig.

  • Ich bin ganz bei dir Material, Jugendausbildung und auch die Veranlagung spielen sicherlich eine Rolle. Aber all das gab es auch früher schon. Weshalb ich mich eher frage ob es nicht so ist das wir einem im Profifußball entwickeltem Ideal nachlaufen welches für die Spieler und deren Umfeld im "Breitensport" schlicht nicht passt. Da es aber Erfolgreich ist werden Trainer gehuldigt ohne den "Materialverschleiß" einzubeziehen. Oder diesen Verschleiß einfach als "überdurchschnittliches Pech" abzutun.


    Mir schwebt hier ein Satz des NE-Quaterbacks im Kopf der mit (glaub ich) fast 40 Jahren immer noch ohne größere Verletzungen Spielt. Sinngemäß: Eine Verletzung entsteht wenn der Körper die einwirkenden Kräfte nicht verarbeiten kann!

    Klingt simpel, bietet mir aber zwei Ansätze.

    Bringen wir die Spieler in Situationen welche für Sie nicht zu verarbeiten sind?

    Oder, bereiten wir unsere Spieler zu wenig auf diese Situationen vor?


    Zweites würde ich ehrlich gesagt als fahrlässig vom Trainer und dem Verein empfinden. Obwohl natürlich auch der Spieler selbst eine Verantwortung trägt. Ich sehe das Wissen und die Pflicht dazu aber eher bei den Trainern. Denn nur dann können auch die Spieler entsprechend mit Wissen versorgt werden.


    Oder setze ich die Verantwortung der Trainer hier zu weitreichend an?


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

  • Zwei spannende Links zum Thema Verletzungen im Profifussball

    http://www.sueddeutsche.de/spo…rheizt-verloren-1.3624579

    http://fussballverletzungen.com/


    Erstaunlich sind die erheblichen Unterschiede zwischen den Mannschaften und auch die zeitlichen Verläufe. Das wird immer auch von einzelnen Ereignissen/Spielern überlagert (Sven Bender und Marco Reus sollte man im Sinne der Verletzungsstatistik nicht im Kader haben), aber das sieht oft nicht wie Zufall aus. Das Training und/oder die Spielweise (und damit der Trainer) scheinen hier gehörigen EInfluss zu haben.


    totog

    ich stimme zu, dass die Trainer da Verantwortung haben. Wobei diese im Jugend/Breitensport geringer ist als im Profifussball, wo die Trainer viel detailliertere Vorgaben machen können.


    Grüße

    Oliver

  • Äh. Moment. Das muss doch anders herum sein!! Ich bin dafür verantwortlich, meine Spieler so auszubilden, das die andere nicht verletzen!! Nicht anders herum!! Ich bin der Meinung, dass aufgrund des von Torsten erwähnten Ideals und den Hoffnungen viel zu rücksichtslos ausgebildet wird! Welcher Trainer pfeift denn seine Spieler zurück und ermahnt sie, auf die Gesundheit der anderen zu achten? das dieses Defizit und nun negativ auffällt ist normal. aber die Ursache des verkrampften Verhaltens ist mMn doch nicht bei den Opfern zu suchen.

  • Na ja, es gibt beide Seiten:


    Als Trainer kann man seine Spieler so trainieren, dass sie weniger verletzungsanfällig sind. Als Laie würden mir da folgende Punkte einfallen:

    - (Rumpf-)Kräftigung

    - Auf ausreichende Erholungszeiten achten, bei Ermüdung auswechseln

    - Spielsystem anpassen (weniger Zweikämpfe?)

    - ...

    Das gilt umso mehr, als viele Verletzungen ja gar nicht durch gegnerische Fouls zustande kommen.


    Aber natürlich sollte jeder Trainer auch darauf achten, dass seine Spieler nicht mutwillig Verletzungen beim Gegner verursachen.


    Grüße

    Oliver

  • Gerade im höheren Breitensport habe ich das Gefühl das mehr als die Hälfte der Berichte von unscheinbaren Zweikämpfen oder ohne Gegnereinwirkung erzählen.


    Gerade bei dieser Anhäufung sehe ich Dinge wie Regeneration, ausreichend Grundlagentraining und Kräftigung als eine der Grundursachen. Der Verzicht darauf deutet für mich eben auf eine falsche Priorität zwischen Taktik und "Ausbildung bzw. Voraussetzungen schaffen".


    Natürlich kann ein Trainer in diesem Bereich nicht das selbe Leisten und Einfordern wie ein Trainer im Profi Bereich. Aber dann dürfte man in meinen Augen auch den Spielsystemen nicht blöd hinterher laufen.


    Punkte wie Koordination der Spieler, Schiedsrichter usw. Müssen natürlich auch berücksichtigt werden. "Mutwillige" Spieler setze ich aber mal außen vor. Ich denke das ist sicher nicht die Regel.

    Schiedsrichter sind in diesen Spielkarten auch nicht die schlechtesten. Allerdings werden die Duelle eben auch schneller und anders geführt als in der Kreislauferkrankungen. Das könnte daher auch ein Punkt sein.


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

  • Die Trainer müssen Verantwortung tragen, auch wenn man dadurch nicht an erster Stelle in der Tabelle steht.

    Ich habe am eigenen Leib erfahren den Fußball als Spielerin aufgeben zu müssen, da mein Trainer trotz eines kreuzbandrisses und mehreren meniskusrissen nicht auf mich verzichten wollte. Vor allem Jugendliche muss man zwingen auf der Bank zu sitzen, da sie meist nicht die Härte einer Verletzung verstehen. Es geht eben nicht nur ums Fußball, sondern auch um die Zukunft. Und das vergessen viele Trainer. Klar habe ich in meiner Mannschaft auch einen Spieler mit kreuzbandriss, jedoch drängen wir ihn zu nichts. Er muss entscheiden wann er für was bereit ist. Wenn wir einen besonders aggressiven Gegner haben, dann kann es auch sein, dass er trotz einer sehr guten Leistung auf der Bank sitzt , da wir ihn schützen wollen. Generell hat ein Trainer die Verantwortung für seine Spieler und muss auch mal über das Ergebnis hinaus schauen und die Gesundheit der Jungs betrachten.