Saison-Vorbereitung B-Jugend ; Trainerneuling

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  • "Ihr dürft euch die Übungsform nun so vorstellen, dass ihr gerade von der gegnerischen Mannschaft ausgekontert werdet. Die zwei Abwehrspieler haben im 2gegen2 nun die Aufgabe den gegnerischen Angriff zu verlangsamen in dem sie das Zentrum dicht machen und so den nacheilenden Verteidigern (die 6er von der Mittelfeldlinie) die nötige Zeit geben um euch zu unterstützen. Geht ihr direkt auf Balleroberung und verliert den Zweikampf, müsst ihr hinterherlaufen und die zwei 6er haben gar keine Möglichkeit mehr euch zu helfen da sie einen noch längeren Laufweg haben. Provoziert Querpässe, stellt dass Zentrum zu und zwingt sie über Außen zu attackieren, so ist die Chance auf einen Torerfolg geringer (da spitzer winkel) und ihr gewinnt Zeit für die Nachrückenden 6er."


    Mein Tipp:


    Ohne jetzt genau klären zu wollen, ob es die richtige Erklärung des taktischen Problems ist, finde ich deine Übungsvorstellung zu lang. Ich würde den Übungsaufbau/-ablauf sehr kurz erklären und die Spieler spielen lassen. Nach kurzer Zeit kannst Du die Übung stoppen und nach dem taktischen/technischen Hintergrund der Übung fragen und durch gezielte Fragestellungen Lösungen erarbeiten ("Wann kann diese Situation im Spiel vorkommen?", "Ergibt es mehr Sinn, den Mittelkorridor oder die Außenkorridore zu decken?" -> innere Linie zum Tor, "Welches Ziel haben die zwei Verteidiger?" -> Überzahl herstellen).


    Durch Variationen kannst Du nun auch gezielt Lösungen durchspielen lassen.


    Viel Erfolg weiterhin mit deinem Team!

    "Don't forget to love your haters. They keep you motivated."

  • Das ist ein sehr guter Hinweis!


    Aus Angst, irgendetwas wichtiges zu vergessen, wird meist viel zu viel erzählt!


    Einfache, klare Formulierungen helfen beim Informationstransport. Um Mißverständnisse zu vermeiden, bitte ausschließlich die Begriffe zu verwenden, die die Trainingsgruppe bereits vermittelt wurden. Kommen neue Elemente mit neuen Fachbegriffen hinzu, sollte der jeweilige Fachbegriffs kurz erklärt werden.


    Hier stolpere ich über einen Begriff: Was meinst du "von außen attackieren"? (Früher wurde unter attackieren auch der Angriff verstanden! Heute wird attackierten mit einem bestimmten Defensivverhalten in Verbindung gebracht!)


    Vor einigen Jahren wurde in der Trainerausbildung erklärt, dass alles "Falsche" sofort zu korrigieren sei. Heute ist man zur Einsicht der spielerischen Vermittlung gelangt. Spielen heißt in diesem Zusammenhang zunächst einmal Fehler zu machen und daraus selbst zu lernen. Der Trainer unterbricht erst dann, wenn er erkennt, dass ein Spieler oder eine Gruppe ohne seine Hilfe nicht weiterkommt. Durch diese Methode gelingt es leichter, zufällige richtige oder falsche Aktionen von Generellen zu unterscheiden.


    Ein Übungsleiter ist kein Spieltunterbrecher, sondern ein Spielbegleiter!

  • personalityX & TW-Trainer:


    Danke fürs Feedback, werde dass versuchen beim nächsten mal im Hinterkopf zu behalten. Ich dachte mir halt lieber bisschen mehr erzählen als zu wenig, weil ich die Mannschaft ja noch gar nicht kenne und überhaupt nicht wusste was die wissen / können und was nicht. Sich die Lösungen gemeinsam zu erarbeiten finde ich im nachhinein auch viel besser, hat nen höheren Lerneffekt und man regt die Gemüter zum Denken an ;)

  • Marco


    ich finde es wichtig darauf hinzuweisen unbedingt Geuld zu haben, nicht zuviel zu schnell erreichen wollen.


    Zwar lange her, aber ich kann mich noch gut an meine Anfangszeit erinnern, da wollte ich auch alles, was mir aufgefallen
    ist sofort verbessern. Geh Schritt für Schritt vorwärts, dann erreichst du letzendlich sicherer ein Ziel.

  • personalityX & TW-Trainer:


    Danke fürs Feedback, werde dass versuchen beim nächsten mal im Hinterkopf zu behalten. Ich dachte mir halt lieber bisschen mehr erzählen als zu wenig, weil ich die Mannschaft ja noch gar nicht kenne und überhaupt nicht wusste was die wissen / können und was nicht. Sich die Lösungen gemeinsam zu erarbeiten finde ich im nachhinein auch viel besser, hat nen höheren Lerneffekt und man regt die Gemüter zum Denken an ;)


    "Fußball beginnt im Kopf und endet am Fuß" ;)

    "Don't forget to love your haters. They keep you motivated."

  • So, nach guten zwei Wochen melde ich mich mal kurz zurück um hoffentlich Feedback eurerseits erhalten zu können.


    Ich habe ja vor kurzem geschrieben, dass es mir häufiger aufgefallen ist dass "meine" Spieler etwas an Lustlosigkeit leiden. Ich konnte nun beobachten das dies sich wie ein roter Faden durch das Training durchzieht,
    da kann ich 100 mal darauf hinweisen das sie sich bewegen sollen bzw. zum Ball gehen sollen. Stattdessen wird hier eher Standfußball solange gespielt, bis wir zum Schluss ein Abschlussspiel machen. Da fangen die
    Jungs dann an richtig zu spielen und sind von 0 auf 100 binnen 3 Sekunden.


    Schuld an der Situation gebe ich nicht unbedingt den Spielern, sondern eher mir. Ich habe es etwas versäumt durchzugreifen und mir vielleicht etwas auf der Nase herumtanzen zu lassen, doch dass will ich nun ändern.
    Nun stellt sich mir die Frage wie ich das am sinnvollsten angehen kann. Abschlussspiele abschaffen wäre sicherlich eine Methode, aber ob die von Erfolg gekrönt ist wage ich zu bezweifeln. Strafmaßnahmen kommen mir
    da eventuell eher in den Sinn, denn es ist ja nicht so dass sie die Übungen nicht könnten, viel eher herrscht null Konzentration und Einsatzbereitschaft. Folglich habe ich mir überlegt, diejenigen Spieler die sich nicht reinhängen
    und sich "verweigern", einfach ein paar extra Ründchen laufen zu lassen. Wird hier wahrscheinlich auf wenig Gegenliebe stoßen, aber irgendwie muss ich da mal klare Linien und Struktur reinbringen.


    Es ist im übrigen auch nicht so das ich nicht akzeptiert oder gemocht werde, eher im Gegenteil. Ich glaube die Jungs haben eher den Gedanken "Solange ich nicht muss, wieso sollte ich. Er sagt ja eh nichts." Das möchte und
    muss ich ändern, mir stellt sich halt nur die Frage wie.


    Für Hilfe wäre ich echt dankbar und ich würde mal behaupten das dies wohl ein ganz klarer Anfängerfehler ist.. ;)

  • @Mairco84


    Es läßt sich aus der Ferne schwer sagen, woran es hauptsächlich liegt, dass deine Jungs nicht deinen Erwartungen entsprechen. Die Bandbreite der Ursachen kann von zu leichten oder zu schweren Übungen bis zu falschen Leistungserwartungen des Trainers gehen! Meistens hat`s sogar mehrere Ursachen.


    Damit du rasch ein Feedback bekommst, würde ich ganz einfach einen erfahrenen Trainerkollegen oder euren Jugendleiter bitten, dir beim Training über die Schultern zu schauen und so deine Fragen direkt vor Ort zu klären.

  • Wenn Spieler an "Lustlosigkeit" leiden, kann es (auch) an folgenden Dingen liegen:


    Spieler sind mit den Übungen unterfordert
    Spieler sind mit den Übungen überfordert
    Spieler verstehen die Übung nicht ganz (ggf. falscher Erklärungsansatz)
    Spieler finden die Übung stumpfsinnig - entweder weil sie es ist oder weil sie den größeren Sinn dahinter (noch) nicht verstehen.


    Du schreibst selber: "Die Jungs sind richtig gut" und dass sie im "Wettkampfmodus" Engagement zeigen.


    Viele Tipps sind im Laufe des Thread schon gegeben worden. Ich habe Vermutungen in bestimmte Richtungen. Bevor ich aber Tipps in die falsche Richtung gebe, habe ich noch Fragen: Beschreibe uns doch einmal

    • Wie Du bei der Übung aus Deinem Post 17 den Wettbewerbsmodus eingeschaltet hast. So etwa wie Du es in Post 13 beschrieben hast?
    • ein paar sonstige Trainingsübungen sowie Deinen Wettbewerbsmodus.
    • Habe ich jetzt in den Posts nicht mehr herausgesucht: welchen Trainingsschwerpunkt hast Du gerade? Oder stellst Du das bei allen Trainingsthemen fest (falls Ihr schon mehrere Schwerpunkte hattet?

    Gruß, Micha

  • TW-Trainer:


    Zu schwere Aufgaben sind das definitiv nicht. Ich glaube auch nicht das ich die Jungs falsch einschätze, obwohl ich NEU im Trainergeschäft bin. Ich kann das Verhalten oft schon an der Körpersprache der Jungs ausmachen. Oft wird geredet, zu herzlos agiert und generell eher alles lasch ausgeführt. Im Abschlussspiel ändert sich dann auf einmal alles schlagartig. Es liegt, denke ich, eher an meinem Coaching(-verhalten). Aber selbst wenn ich ständig motiviere und an den Ehrgeiz appeliere werde ich oft nicht wirklich wahr oder ernst genommen.


    Als Beispiel hatte ich neulich ganz normales frontales 1 gegen 1 mit Abschluss trainiert. Das sollten die Spieler eigentlich mehr oder minder alle können in einer B-Jugend. Zumindest sollten sie das ernsthaft versuchen, dass kann ich ja wohl erwarten. Wird es aber nicht wirklich, es wird nicht richtig gelaufen, nicht richtig gedribbelt und auch nicht richtig im Zweikampf gearbeitet. Wie gesagt: Im Spiel können sie's! Hier geht's eindeutig um ne Frage des Willens, nicht des Könnens. Bei hoch komplexen Übungsformen könnte ich das verstehen und müsste auch mehr drauf eingehen und immer und immer wieder drauf einreden um das ganze in die richtigen Bahnen zu lenken, aber selbst bei einfachen Dingen... kein Wille, kein Ehrgeiz nichts.


    Und ich betone nochmal: Zum Teil echt richtig gute Spieler, saubere Bewegungen, Spielintelligenz und alles vorhanden. Eher herrscht die Einstellung: Spiel -> Anstrengen, Training: rumalbern.

  • Vielleicht versuchst Du, Deine Übungen als Wettkampf zu organisieren. Verlierer(team) muss ein paar Liegestütz machen oder so. Habe zwar mit B keine Erfahrung, aber bei den Kleineren klappt es eigentlich immer sehr gut, sobald Wettkämpfe anstehen. Und das kann man fast in alle Übungen einbauen (z.B. 2 Gruppen parallel einteilen und dann als Aufgabe: Welche Gruppe schafft als erste, die Passübung über 20 Stationen fehlerfrei zustande zu bringen?).


    Grüße
    Oliver

  • Micha:


    Also, Schwerpunkt liegt bei uns zur Zeit im Aufbau und Passspiel - da ich, als ich die Mannschaft noch nicht kannte mir erstmal dachte: "Ok, Abwehrarbeit scheint immer sinnvoll, wieso nicht damit anfangen?" - schnell festgestellt das sie defensiv echt gut aufgestellt sind und auch richtig schön agieren. Im Freundschaftsspiel dann festgestellt das es oft am Aufbauspiel und der Passqualität sowie das "Freilauf- / Anbietverhalten" mangelt. Also Schwerpunkt verlagert.


    Eingeschaltet hab ich den "Wettbewerbsmodus" nur einmal. Wenn wir uns warmlaufen oder generell bei allen anderen Übungen ists auch nicht so das die Mannschaft sich verweigert dran teil zu nehmen, aber auch bei Sachen wie der "Reißverschluss" beim Aufwärmen wird oft nicht richtig mitgemacht. Geblödelt, gelacht und nachher hab ich eine große Schlange statt zwei kleine. Dabei weiß ich vom vorherigen Trainer das die dass können.


    Den Wettbewerbsmodus habe ich in etwa so eingeläutet (nach circa 8 Durchgängen):


    "Okay Jungs. Schießt das angreifende Team das Tor, müssen die Verteidiger inkl. TW 15 Liegestütz machen. Gelingt es denn Verteidigern erfolgreich zu verteidigen bzw. den Ball sicher zu erobern, dürfen die Angreifer 15 Liegestütz machen." Mit etwas kräftiger Stimme.


    Sonstige Übungen sind in letzer Zeit folgende:


    In den letzten 2 Wochen: (Nach dem Freundschaftsspiel)


    - 20er Gitter
    - 5er Gitter (in den einfachsten Formen - Spiel über den dritten)
    - Doppelpässe bzw Flugbälle


    Vor dem Freundschaftsspiel: (Alles mit Torabschluss)
    - 3 gegen 2 + 2 (Siehe Post 13 - Wettbewerbsmodus)
    - 1 gegen 1 Frontal am Flügel
    - 1 gegen 1 mit Verteidiger im Rücken (Zentrum)
    - 2 gegen 2 im Zentrum



    So in etwa. Aufwärmübungen und Abschlussspiel habe ich jetzt mal nicht erwähnt.


    Grüße,
    Marco

  • Hallo Marco84,


    ich würde keinesfalls das Abschlusspiel streichen oder Strafrunden laufen lassen, wenn Übungen nicht gut klappen. Das isolierte Übungen schlechter als Spielformen ankommen, liegt in der Natur der Sache. Immer 100 % Eifer und Begeisterung bei Übungen zu sehen kann man nicht erwarten, zumindest nicht bei der normalen Dorfmannschaft. Ich hatte diese Woche die ersten beiden Einheiten, Montag war sehr gut und Mittwoch so lala. Habe dann extra das Abschlusspiel vorgezogen und die Mädchen ne ganze halbe Stunde pölen lassen. Wie Du schon beschrieben hast stieg gleich die Einsatzbereitschaft und die Freude gleich enorm. Kann ich nichts falsches dran sehen. Was hätte ich erreicht, wenn ich statt dessen bestraft hätte ? gar nix ! Meiner Überzeugung nach ist es ein Hobby, das freiwillig ausgeübt wird und es liegt an mir, einen Ablauf hinzukriegen, der die Mädchen dazu bewegt immer wieder zu kommen. Die Verzeiflung, wenn ein vorbereitetes Programm nicht gut angenommen wird, kenne ich auch, aber versuche gelassen zu bleiben.

  • Es läßt sich aus der Ferne schwer sagen, woran es hauptsächlich liegt, dass deine Jungs nicht deinen Erwartungen entsprechen. Die Bandbreite der Ursachen kann von zu leichten oder zu schweren Übungen bis zu falschen Leistungserwartungen des Trainers gehen! Meistens hat`s sogar mehrere Ursachen.


    Damit du rasch ein Feedback bekommst, würde ich ganz einfach einen erfahrenen Trainerkollegen oder euren Jugendleiter bitten, dir beim Training über die Schultern zu schauen und so deine Fragen direkt vor Ort zu klären.


    schliesse mich dem an, denn da lässt sich von Aussen viel über Ursachen spekulieren. So wie du es beschreibst ist es nicht der Normalfall in einer B-Jugend.
    frag mal einen Aussenstehenden, der dein Training beobachtet. Muss gar nicht unbedingt, wenn auch besser, ein Trainer sein.


    eine Frage: wie lange hatte die Mannschaft eigendlich Pause, also traingsfreie Zeit?

  • Hallo Marco,


    danke, das hilft weiter. Meine Rückmeldungen sind natürlich etwas punktuell und vielleicht geben sie nicht genau den Zusammenhang wieder, in dem alles stattfindet, aber mir sind folgende Dinge aufgefallen, warum die Motivation der Jungs hier und da etwas leiden könnte:

    - 20er Gitter
    - 5er Gitter (in den einfachsten Formen - Spiel über den dritten)
    - Doppelpässe bzw Flugbälle

    Ehrlich gesagt kannte ich 20er und 5er Gitter gar nicht, habe mich aber mal kundig gemacht: Immerhin ist 20er Gitter eine Übung, die es in sich hat: Sieht teilweise langweilig aus, dient einem höheren Zweck und muss sukzessive aufgebaut werden. Wenn ich die fünf Videos zum 20er Gitter auf YouTube sehe, kommt erst ab dem 4. Video tatsächlich Bewegung rein. Die Aufgabe ist für einen unerfahrenen Trainer und eine reine Breitensporttruppe nicht ganz einfach zu handhaben, weil sie
    1. (wie gesagt) zuerst ziemlich langweilig aussieht. Dann ist die Übung schon etwas verbrannt, bevor wirklich durch den weiteren Ausbau "Zug" reinkommt. Sie wird dann aber sehr anspruchsvoll und man sieht auf den Videos auch wie viele Bälle da verspringen.


    2. Und selbst wenn dann richtig Bewegung drin ist, erschließt sich dem Laien noch nicht so konkret, was das für das Thema "Spielaufbau" nutzt. Klar "Schrägpässe" werden eingefordert. Der Transfer zum Schwerpunktthema erscheint mir hier für die Jungs und einen unerfahrenen Trainer aber trotzdem schwierig nachvollziehbar. Ich würde die Übung nicht machen - obwohl wir gerade einen ähnlichen Schwerpunkt in der gleichen Altersstufe haben (allerdings Mädchen). Es ist doch eine ziemlich technische Übung.

    Vielleicht ist das bei Deinen anderen Übungen (5er Gitter) und Doppelpässe bzw. Flugbälle ähnlich?


    - 3 gegen 2 + 2 (Siehe Post 13 - Wettbewerbsmodus)
    - 1 gegen 1 Frontal am Flügel
    - 1 gegen 1 mit Verteidiger im Rücken (Zentrum)
    - 2 gegen 2 im Zentrum

    Hier sehe ich folgendes Problem: Wenn das Thema "Spielaufbau" ist und Deine Jungs defensiv so gut sind, führt die Konstellation bei den Angreifern schnell zu Ernüchterung, weil sie zu wenig Erfolgserlebnisse haben. Ich würde vermutlich bei Spielaufbau-Übungen (nach Deiner Mannschaftsbeschreibung) anfangs für deutliche Überzahl bei den Angreifern (ruhig auch mal 6:2 oder 8:4) sorgen und die Überzahl dann sukzessive abbauen. Bei den 1:1 Übungen sehe ich auch wenig Zusammenhang zum Schwerpunkt, es sei denn Du willst bzw. musst wirklich individual-taktische Grundlagen schulen.


    Meine Anregungen sind jetzt sehr konkret auf einzelne Übungen bezogen und eher rückwärtsbetrachtete "Ursachenanalyse". Sie sind deshalb auf die weitere Trainingsgestaltung vielleicht schwer zu übertragen, so dass @TW-Trainers Tipp, Rückmeldungen von einem Beobachter einzuholen, Dir hier weiterhelfen kann.

  • Ich denke, Du müsstest selbst für Dich den IST-Zustand analysieren:


    1. Beweggründe deiner Spieler: Vor dem Hintergrund der Spielklasse kann es doch einfach sein, dass deine Spieler nur zusammen mit ihren Freunden nach der Schule "Straßenfußball im geregelten Rahmen" praktizieren möchten oder deine Spieler wirken motiviert, sich leistungsorientiert im Fußball zu verbessern?


    2. Übungs-/Schwerpunkteauswahl: Deine Übungs- und Spielformen sind nicht altersgerecht, bzw. überfordern oder unterfordern deine Spieler? Deine Spieler lassen sich nicht für deine Übungsformen begeistern (siehe Beweggründe; einige werden sicherlich anmerken, dass es am Trainer liegt, wenn Übungen nicht klappen. Ich kann nach einem Jahr Schul-AGs an Grund- sowie weiterführenden Schulen mit großer Überzeugung kund geben, dass einige Kinder aufgrund ihrer Erziehung [...] keine Einstellung zum Sport haben. Es bringt nichts, wenn man 4 verschiedene Farben, Kästen, Stangen, Tennisbälle [...] benutzt und die tollsten Geschichten erzählt - nicht alle Kinder kann man für eine bestimmte Sportart begeistern.


    Kleiner Tipp: Nicht zu häufig Schwerpunkte wechseln (einen Schwerpunkt über Wochen behandeln, auch wenn der Wettbewerb andere Eindrücke vermittelt).


    3. Das Coaching: In der B-Jugend zu viel Kumpeltyp?


    Wenn Du für Dich die Fragen beantwortet hast, kannst Du zwei Wege einschlagen:


    I. Mit Einschränkungen der eigenen Ambitionen deinen Spielern viele Spielformen (Übungsformen fallen vorerst weg) anbieten. Fußball-Tennis [...] veranstalten, um vor allem den Spaßfaktor zu erhöhen. Fußballerische Inhalte werden nur noch durch das freie Spiel gelehrt. Du kannst der Kumpeltyp bleiben und vorerst nur beobachten, wie das Training klappt, ob eventuell Spieler eigene Wünsche formulieren, mehr Wissen zu sammeln.


    II. Deinen Fokus zunächst völlig auf Disziplin legen: Dein Training weiterhin nach deinen Vorstellungen veranstalten. Jeweils immer zwei Gruppen aufteilen: Verlierer der jeweiligen Spiel- oder Übungsform absolviert Liegestütze - auch nach dem Abschlussspiel. Wer quatscht, geht runter; wer Pässe mit Hacke spielt, geht runter; wer sich weigert, Liegestütze zu machen, verlässt das Training (eventuell die Mannschaft). ABER meiner Meinung nach vor dem Hintergrund der Spielklasse zu realitätsfern.


    Deine Spielern werden auch merken, dass du dich verstellst. Dadurch wirst du unglaubwürdig.


    Ich denke, Du solltest Dich mit deiner Mannschaft nach dem Motto "Ich musste in letzter Zeit schlechte Trainingsleistungen feststellen" zusammensetzen und erörtern, wie es weitergehen sollte: Ob deine Spieler bloß "kicken" oder intensiv trainieren wollen. Du verlierst dadurch keinen Zacken deiner Kröne und deine Spieler sind im guten Alter, dir auch zu helfen, ohne die eigene Autorität zu verlieren.

    Edit: Zu den Gittern-Formen: kennst du die Coachingpunkte der Gitter-Formen? Bei den Gitter-Formen geht es um individualtaktische Schwerpunkte (nicht zwingend gruppentaktisch: Doppelpass/Spiel über Dritten). In der Übungsform wird offene Stellung, Winkelpässe statt Querpässe, Vororientierung im Raum, Kommunikation primär gecoacht. Für Deine Jungs sicherlich zu langweilig und schwer umsetzbar.

    "Don't forget to love your haters. They keep you motivated."

    Einmal editiert, zuletzt von personalityX ()

  • Danke erstmal für das zahlreiche und vorallem ausführliche Feedback.


    Zu sehr Kumpeltyp trifft es ziemlich gut denke ich. Die Mannschaft hat die Rückrunde ohne Wertung gespielt, gelegentlich Freundschaftsspiele und mehr nicht. Lag nicht an den Spielern selber sondern daran das sich kein Trainer gefunden hatte der ständig Zeit hatte. Lustigerweise hat sich nun im Laufe des Tages in unserer Whatsappgruppe eine Diskussion in Gange gesetzt. Die "besseren" Spieler beschweren sich nun darüber, dass der Rest der Mannschaft so Lustlos beim Training agiert und das OHNE das ich was gesagt hatte. Ich habe mir das Gespräch zu nächst nur angeguckt und mitverfolgt, wollte sie dass erstmal untereinander regeln lassen. Im Anschluß habe ich dann angeboten das wir diese "Situation" vor dem nächsten Meisterschaftsspiel gemeinsam besprechen werden um nach einer Lösung zu finden (Wir haben leider kein Training mehr vorm nächsten Spiel). Beim Gespräch werde ich mich dann genaustens erkundigen wie die wahren Ambitionen der Mannschaft sind und in welchem "Umfang" sie trainieren möchten. Dabei werde ich ausdrücklich betonen das die Jungs ohne Scheu sagen sollen was sie denken, ob Ihnen mein Training wirklich zu langweilig/schwer/sinnlos oder sonstiges ist ohne Angst vor Konsequenzen haben zu müssen. Ich denke das es wichtig ist die Mannschaft mit einzubeziehen.



    Ich glaube die Trainingsformen müssen nur richtig verkauft werden damit sie erfolg haben. Vielleicht näher erklären was damit genau bezweckt wird, welche Muskelgruppen beansprucht werden (haben einige Fitnessfreaks im Team ;-)) und wo der ganze Sinn dahinter steckt. Vielleicht ist das 5er oder 20er Gitter echt zu schwer oder nicht altersgerecht, aber ich möchte einfach das es ernsthaft versucht wird - danach kann man ja immer noch sehen. Mir gehts nur darum das ganze richtig zu versuchen. Ich bin echt davon überzeugt das dass fruchten könnte, natürlich alles step by step über die ganze Saison hin - was jetzt nicht heißen soll das ich nix anderes mehr trainieren werde :-))


    Danke noch mal für das Feedback, bin halt noch unerfahren dafür aber total motiviert! Soll nicht heißen das ich jetzt hartes Training und Erfolg über alles abverlange...


    Grüße,
    Marco

  • Die "besseren" Spieler beschweren sich nun darüber, dass der Rest der Mannschaft so Lustlos beim Training agiert und das OHNE das ich was gesagt hatte.

    Marco, unterschiedliche Einstellungen von Spielern (wobei das nicht immer mit "besseren" zu tun hat) ist in unterklassigen Mannschaften recht häufig anzutreffen, ist also keine Besonderheit bei dir.


    Find es gut, dass du dich in die Diskussion nicht eingeschaltet hast, sondern dies im Training Aug in Aug ansprechen willst.



    Dabei werde ich ausdrücklich betonen das die Jungs ohne Scheu sagen sollen was sie denken, ob Ihnen mein Training wirklich zu langweilig/schwer/sinnlos oder sonstiges ist

    Dem würde ich aber unbedingt eins vorschieben, da ich mir nicht sicher bin, ob dein Problem vorrangig am Training liegt.


    eine Diskussion über die unterschiedliche Einstellungen, wie diese Unterschiede angepasst werden können, wie diese unterschiedlichen Vorstellungen sinnvoll für die Mannschaft und somit auch fürs Training zusammengeführt werden können.


    da sind auch Kompromisse erforderlich von allen 3 beteiligten Gruppen, den mehr Wollenden, den weniger Wollenden
    und auch dem Trainer.


    Findest du hier eine Lösung, wird auch dein Training anders aussehen.

  • dass "meine" Spieler etwas an Lustlosigkeit leiden.

    Die "besseren" Spieler beschweren sich nun darüber, dass der Rest der Mannschaft so Lustlos beim Training agiert und das OHNE das ich was gesagt hatte.

    Marco, unterschiedliche Einstellungen von Spielern (wobei das nicht immer mit "besseren" zu tun hat) ist in unterklassigen Mannschaften recht häufig anzutreffen, ist also keine Besonderheit bei dir.

    Marco
    ich bin mir jetzt nicht mehr ganz sicher, ob
    1. "alle" Spieler lustlos trainieren
    2. nur ein Teil der Spieler lustlos trainiert
    3. alle lustlos trainieren, der eine Teil aber dem anderen das vorwirft.


    Bisher klang es so (und darauf bezogen sich meine Posts), dass Du eher allgemeine Lustlosigkeit bei den Übungen feststellst.


    Es ist klar: wenn die Hälfte der Spieler motiviert zum Training kommt, wird sie schnell von der lustlosen Hälfte demotiviert. Dann sind dann irgendwann alle lustlos.
    Deshalb ist ein Gespräch vielleicht ganz gut, um das mal zu klären.


    wie Günter sagt: Das Motivations- und Leistungsgefälle ist im Breitensport immer vorhanden und stellt große Ansprüche an den Trainer. Das sind dann aber nicht nur Fragen nach der Auswahl bestimmter Übungen, sondern auch der Vorbereitung und Durchführung im Hinblick auf verschiedene Leistungsniveaus. Ein Beispiel: ich habe oben vorgeschlagen, Offensivaktionen z.B. anfangs im 6:2 zu üben. Da sind dann verschiedene Einteilungen möglich. Nimmst Du 6 starke Angreifer und 2 schwache Verteidiger, werden sich die 6 schnell langweilen und die 2 sind frustriert. Nimmst du aber 2 starke Verteidiger und 6 mäßige Angreifer, kann das genau die richtige Kombination sein für ausreichend Erfolgserlebnisse und Lerneffekte für beide Seiten.

  • Marco84


    Ein erfahrener Trainer mag vielleicht rasch erkennen, wo der seine neue Mannschaft "abholen" muß, aber für dich macht es durchaus Sinn, neben deinen Beobachtungen (aus denen du aber nicht ganz schlau wirst) die Jungs zu befragen, um einen Mittelwert zu finden, was die Meisten im Team für interessant halten.


    Zwar hast du uns noch nicht verraten, in welcher Liga deine B-Junioren spielen, wenn das Team jedoch in der vergangenen Rückrunde wegen Trainermangel nur Freundschaftspiele absolviert hat, gehe ich mal von unterem Breitensportbereich aus. Diese Jungs dann mit Gruppen- und Mannschaftstaktik zu vergewaltigen, anstatt sich zunächst einmal wieder Spaß am Fussball gewinnen zu lassen, das kann ich mir durchaus als eines der Ergebnisse deiner Gesprächsrunde vorstellen.
    Das ballorieniterte Verschieben hat dann noch bis zur Rückrunde zeit.


    Wie du selbst schon gemerkt hast, wollen sich die Jungs gerne im Wettkampf messen, wenn denn der Trainer dabei sicherstellt, dass durch in etwa gleichstarke Teams jederzeit Chancengleichheit herrscht. Zu glauben, dass es den Jungs vielleicht mehr Spaß macht, wenn du ihnen erzählst, welche Muskelpartien dabei bewegt werden, würde ich vorsichtig gesagt, eher nicht glauben. Das würde vermutlich nicht mal "Polsdi" interessieren und der spielt beim Jorgi in der Nationalmannschaft.


    Ich finde es aber toll, wie du dich engagierst und dir dein Wissen durch Tipps erweiterst. Ich bin mir sicher, dass du schnell einen guten Weg zu deiner Mannschaft finden wirst. Aber ein bißchen Geduld mußt du schon noch mitbringen!