Missbrauch von Jugendfördervereinen (JFVs)

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  • Hallo,


    ich wollte mal eure Meinung zu dem oben genannten Thema hören.


    Ich meine, beobachten zu können, dass sich nach Jugendspielgemeinschaften nun immer mehr Jugendfördervereine - im Sinne von Jugendfußballvereinen - bilden.
    Ein Vorteil von Jugendfördervereinen (JFVs) ist sicherlich, dass mehr als vier Vereine darin enthalten sein können, während sich bei JSGs maximal vier Vereine zusammenschließen können.


    „Der Zweck des Vereins besteht darin, für die Jugendlichen der angeschlossenen Vereine einen leistungsbezogenen Spielbetrieb zu ermöglichen, der anderweitig so nicht erreichbar wäre.“ (Auszug aus der DFB-Jugendordnung)


    Der eigentliche Zweck von JFV wird meiner Meinung nach nicht selten missbraucht. Leider glaube ich, dass sich mehr und mehr Vereine das Leben dadurch zu einfach machen, indem sie sich einem JFV anschließen und somit meist keine eigene „JugendArbeit“ mehr haben.
    Auf der anderen Seite gründen meist größere Vereine einen JFV, da sie glauben, dass sie damit leistungsstärker werden und sie sich dadurch profilieren wollen.


    Ich bin der Meinung, dass häufig kleine Vereine, die nur durch eine breite Masse an Kindern überleben können, hieran endgültig kaputt gehen werden. Wird der Leistungsgedanke unsinnigerweise in den Mittelpunkt gestellt,werden auch hier mit der Zeit immer weniger Kinder in einen Fußballverein eintreten bzw. langfristig bleiben.
    Vor allem, wenn der Leistungsgedanke eben noch mehr dadurch gefördert wird, dass man „Erfolg haben muss“, geht dies auf Kosten der kindgerechten Förderung.


    Wie seht ihr das? Wie könnte man dem entgegenwirken?

    "Fussball ist kein Menschenrecht, aber ein Grundnahrungsmittel." Marcel Reif

  • Hi, ich begrüße JFV im Prinzip als Schritt zu mehr Professionalisierung für die, die mehr lernen u. leisten wollen, deren Förderung im kleinen Rahmen aber mangels Mitteln, Kompetenz, Wollen nicht machbar ist. Zudem sind kleinere Vereinsobere so gezwungen, sich wechselseitig im Tun o. Lassen qualitativ zu kontrollieren, stehen internalisiert in Konkurrenz, statt sich gegenseitig mutmaßlich Beste auf Teufel komm raus abwerben zu wollen. Der von dir vorgebrachte Aspekt ist aber nicht zu missachten, sondern latente Gefahr: Missbrauch von Gutgemeintem o. sogar Gutgedachtem ist stets möglich, faktisch auch meist hier u. dort real! Profilneurosen sind normal, wo Menschen auf ein abstraktes Ego hin systemisch vereinzelt u. von ihnen nicht als Irrwege erkannt werden. Die Frage ist da, ob die Sache so konstruiert ist, dass er sich selbst mittel- u. langfristig rächt u. straft - oder am Ende leider lohnt. Das wäre dann wie der "Realsozialismus" ne Fehlkonstruktion: kann ich nicht abschätzen.
    Wie will man im DFB also das Gute sicherstellen? Im demografischen Ruin unseres Landes schrumpft die Jugend nunmal dramatisch zs., kleine Vereine können sich z.T. anstrengen, wie sie wollen, stellen mit dem Schritt zum 9er bzw. 11er Team für sich allein keines mehr auf die Beine. Das Problem sehe ich darin, dass man nur auf Erfolg geeicht die schwächeren Kids ganz durch den Rost fallen lässt, nur als "Unterbau" interessante "Talente" in neuen JFV-Teams zusammenführt, also den breitensportlichen Jugendbestand im Ehr-Geiz weiter reduziert. So geschieht es bei uns im rein elitär konstruierten, die Besten von kleinen Vereinen (zT deren Todesstoß!) abwerbenden JFV - solch Fälle meinst du sicher. Parallel profilieren sich die Sponsoren noch als sozial engagierte Unterstützer des Jugendfußballs - mal wieder absurdes KiFu-Theater pur, indem Erwachseneninteressen aller Beteiligten (ihn ins Leben rufende Sponsoren u. Vereinsvorstände, Trainer, Eltern) obenan stehen! Da fragt sich nun: vom systemisch federführenden DFB vllt genauso gewollt: machen wir die für unsere Pläne uninteressanten, nur sozial Geld kostenden Schwachen so indirekt zu passiven Fans, d.h. Konsumenten unseres dann Warenkorbs von vermehrt gesuchten Eintrittskarten, Fanartikeln, TV-Sendungen etc., denn rendite- o. erfolgsträchtig sind ja nur die Besten....? Gehen dabei dann mittlere Potentiale verloren, ist dies u.U. einzukalkulieren.


    Einzige Abwehrstrategie für Kleine: selbst pro-aktiv werden, sich zusammenfinden, eigene, für alle, die Reste offene JFV begründen. Dazu aber müsste man sich im Geiste "vereinen". Das wollen die meisten absolut nicht*, zu gern ist man traditional aufgeheizt in Derby-, Grabenkampfstimmung, als dass man selbstlos ans Kindeswohl denken wollte... :(


    *Ich versuchte schon vor 6 Jahren bei uns aufm Land nen JFV zu initiieren, da alle kleinen Vereinsoberen ja jammerten, dass der große Stadtverein ständig ihre besten Talente schon mit 8 o. 9 Jahren abgreife, abwerbe, aber: schon vorm 1. privaten Treffen zerstritt man sich bzgl. der zu verteilenden Posten, unterstellte mir auch Profilierungssucht, da natürlich ich dort der Leiter werden wolle (entgegen allem, was ich intendierte, nämlich nur das Initiieren - wo man so verdorben denkt, da kann man wohl nichts Gemeinsames ins Leben rufen...)

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • [...] Das Problem sehe ich darin, dass man nur auf Erfolg geeicht die schwächeren Kids ganz durch den Rost fallen lässt, nur als "Unterbau" interessante "Talente" in neuen JFV-Teams zusammenführt, also den breitensportlichen Jugendbestand im Ehr-Geiz weiter reduziert. So geschieht es bei uns im rein elitär konstruierten, die Besten von kleinen Vereinen (zT deren Todesstoß!) abwerbenden JFV - solch Fälle meinst du sicher. [...}

    Danke für die Meinung. Die kleineren Vereine haben meist doch keine andere Wahl als sich ebenfalls einem JFV anzuschließen, damit die Kinder spielen können. Nur durch einen JFV wird doch vermutlich - weil die gleichen "Experten" verantwortlich sind - noch stärker gesiebt. Dadurch geht die breite Masse an Kindern weiter verloren, die die kleinen Vereine später am Leben halten, sei es als Spieler in der Kreisliga, als Platzwart oder Schiedsrichter...


    Bin auf weitere Meinungen gespannt.

    "Fussball ist kein Menschenrecht, aber ein Grundnahrungsmittel." Marcel Reif

    Einmal editiert, zuletzt von Thomekz ()

  • Ich persönlich glaube, dass es ohne diese Zusammenschlüsse, besonders auf Kreisebene, nicht mehr gehen wird. Die grundsätzlichen Gedanken der JSG, JFV, usw sind gut. Oft ist es aber so, dass die engagierten Menschen aus den Stammvereinen sich in den neuen "Konstrukten" nicht zurechtfinden und den Weg nicht mitgehen, oder schlimmer noch, ihn sogar blockieren. So wird sich für "alle Kinder" keine gesunde Basis schaffen lassen. Da die Welt aber immer komplizierter wird, und der Fußball vom Ehrenamt lebt, werden die qualifizierten (engagierten) Kräfte, für die Basisarbeit mit den schwächeren Kinder, immer weniger werden. Der Leistungsfußball wird sich in unserem System hingegen immer durchsetzen. Ich denke, dass hier dringend fundierte Aufklärung betrieben werden muss.

    Wie wir mit den Kindern von heute umgehen, das wird die Welt von morgen prägen (Hans Jonas 1903-1993)

    Einmal editiert, zuletzt von Ralf K. ()

  • [...] Ich denke, dass hier dringend fundierte Aufklärung betrieben werden muss.

    Wie sollte diese Aufklärung aussehen?



    Ich denke, dass ein starker Leistungssport nur auf einer breiten Masse des Breitensports entwickelt werden kann. Aber die derzeitige Entwicklung zerstört den Breitensport immer mehr. Kaum ein Kind wird in einen Fußballverein eintreten, der 10 oder mehr Kilometer entfernt ist. Stattdessen steigt vermutlich der Medienkonsum, anstatt mit seinen Freunden am Dorfsportplatz zu kicken.
    Zum anderen leisten die Vereine, auch die kleineren, einen wichtigen Beistrag zur Erziehung. Das alles würde wegfallen...Schade irgendwie ;(



    Kurze Frage noch: Gibt es beim DFB oder bei den Landesverbänden Zuständige für dieses Problem, mit denen man eventuell in Kontakt treten könnte?

    "Fussball ist kein Menschenrecht, aber ein Grundnahrungsmittel." Marcel Reif

    Einmal editiert, zuletzt von Thomekz ()

  • Auch in kleineren Vereinen hab ich oft erleben müssen, wie sog. nicht qualifizierte, in Teamgeist vorausdenkende Trainer schwächere Kids z.T. schon mit 6, 7 Jahren brutal aus deren Sport vertrieben (so zB ein Professorensohn, dessen Mutter meinen Sohn als Privatlehrer engagierte, damit jener weiter heranwachsen, es irgendwann schaffen könne, mitspielen zu dürfen). Begründung etwa gern: bei 15 ist Schluss, mehr können wir zu zweit nicht betreuen; denn in früher Jugend tummeln sich echt durchaus noch Mengen auf den Plätzen. Dahinter steckte der Ehrgeiz, Spiele mit den 7 stärksten als Instrument in der 5. KK-Staffel zu gewinnen, noch 5, 6 als Ersatz vorzuhalten, vllt den Sohn des Kumpels mit ertragend, die für eigene Ziele unnützen u. ihre oft wg. mangelnder Spielzeit jammernden Eltern aber loszuwerden! Es gelang stets, denn welches im Kopf gesunde Kind hält's schon aus, ständig gefragt zu werden, was es hier wolle, wo es doch gar nicht Fußball spielen könne, krumme Füße habe etc.? Der Witz war z.T., dass diese 'Trainer' selbst gar nicht Fußball spielen konnten. Später, als auf 9er o. gar 11er aufzustocken war, jammerten ein u. dieselben Personen über die selbst erschaffene Situation, dass sie mit 12, 13 Kids zu wenig Spieler hätten.
    Sind wir Menschen nicht genauso, wird deshalb nicht so gern in Firmen, Staaten etc. von oben genau kontrolliert, was Einzelne auf Gedeih u. Verderb des Ganzen hin real tun? Man trennt so die Spreu vom Weizen, da eben NOT-wendig: nicht unter kleinen noch Heranwachsenden, wohl aber unter ihren in der Sache z.T. untreuen Betreuern! Würde man nun aber alle Kinder als Coach (Kutscher, der alle Reisenden gleicherweise zum Ziel zu bringen hat) versus sog. Trainer vom Fußball als Team-Sport um der Sache selbst willen begeistern, alle betreuen wollen, das Spielermangel-Problem wäre weniger gravierend. Doch müssten alle "Verantwortlichen" dies erstmal wollen :(


    Der ambitionierte Nachbarverein wollte sich für höherklassigen Spielbetrieb o. zusätzliches Fördertraining (contra jenen elitären JFV der 'Leistungsvereine') mit unserem u. einem weiteren zusammentun, so attraktiver werden - offen für alle intrinsisch Eigenmotivierten o. für von Trainern nach 'sichtbarer' Leistung/Nutzwert Ausgesiebte blieb unklar. Aber: alle wären Mitglied im Verein vor Ort geblieben, hätten auch mit schwächeren Freunden zusammen, wohnungsnah trainieren können etc. Klar wollten die echten Fußballer-Trainer dort - mit B- u. C-Lizenz- im Jahrgang die leistungsbereiten Talente fördern, nicht die bloße Freizeitkicker: Sie wollten also ihre Bolzkings abgeben, damit alle meldefähige Teams haben, dafür sog. Talente (wie meinen Sohn) bei sich integrieren, aber alles unter gemeinsamen Dach. Eigentlich doch super: jedes Kind hätte das Seine bekommen! Aber natürlich scheiterte es: Denn obwohl bei uns ein Nichtfußballer Obertrainer ist, angeblich primär auf Spaß u. Soziales abzielt, wollte man "die Besten" natürlich nicht hergeben, die vielmehr selbst für sich haben, obwohl man ihnen gar nicht viel beibringen kann, die Spieler bereits mehr Fußball können als jener Trainer, also von ihm nichts bzw. nur Falsches erlernen, ausgebremst u. abgeblockt werden könnten. Fakt: auch da, wo man sich mangels Kompetenz stolz offiziell Freizeit- u. Breitensport, Spaß für alle auf die Stirn schreibt, will man am Ende nur die Besten, nicht Schwächere! Das zeigt, worum es landauf wie -ab jenseits wohlfeiler Lippenbekenntnisse am meisten geht: Siege, nicht Kinder, Trainer*-Ich/Dickkopf, nicht Kinder-Team/Geist, oder?


    *Wobei ich stets betone: Fußball-Trainer, die kein Fußball spielen können, auch nie Übungen beim DFB o. soccerdrills studieren, nur Bolzen u. Spielen kennen u. von Amtsposten wegen wer sein wollen, sind ebensowenig real Trainer, wie x-beliebige Heimvereins-Eltern in G bis D reell unparteiische Schiris. Das ist alles nur Fake, aber leider eins, das im Fingieren von Pseudo-Kompetenz per TR-Abzeichen auf der Hose System hat. Jeder kann sich Trainer, Berater o. Coach nennen - ein beruflich völlig ungeschützter Jobtitel, der dringend Aufsicht bräuchte, wo Kinder betroffen sind. Ich bin nicht gegen Ehrgeiz: selbstbezogen eigenaktiv per Leistung ausgelebten! Ich bin nicht gegen Erfolg, reell erzielten! Ich bin nicht gegen Talentförderung: Talente aller als Potentiale statt Leistungs-Ist, per intrinsischer Motivation statt Außensichter selektierend! Ich bin nicht gegen forciertes Lernen u. Leisten, auch in JFV: wenn dies reell vom Kind selbst auf seine Förderung statt Erwachseneninteressen in sog. 'Masterminds' ausgeht! Usw. Denn: Es sind JUGEND-FÖRDER-Vereine! Was man aber zumeist dort gefördert sieht, zielt weniger auf die Jugend, als auf ganz andere Ziele! Wie so oft: nicht die Sache ist so schlecht, aber ihr Missbrauch! Den müsste man verhindern, schon bei jenen 6-, 7-jährigen: falls man will! WER aber will es, außer kurzzeitig einzeln betroffenen Eltern vllt? Auch o.g. vor Ort renommierter Professor konnte im Verein nichts für den Sohn erreichen, muss privat Abhilfe suchen, kann's sich zum Glück fürs Kind leisten... ;)

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Wie sollte diese Aufklärung aussehen?

    Grundsätzlich gilt, dass "Zusammenschlüsse von Vereinen" einen positiven Effekt für die Jugend haben sollen/müssen. Grundsätzlich gilt auch, dass die Zusammenschlüsse an der Basis eine Stärkung für die Basis sein sollen. Im Vorfeld eines Zusammenschlusses müssen die Vereinsmitglieder mit ins Boot geholt und umfassend über Sinn und Zweck der Zusammenarbeit informiert werden. Hier ist der Moment,bei dem die entscheidende Frage gestellt werden muss. Mache ich den Zusammenschluss weil ich die Jugendarbeit stärken möchte, oder mache ich den Zusammenschluss, weil ich die besten Fußballer aus der Umgebung bei "mir" haben möchte. Wenn man den zweiten Gedanken hegt, dann sollte man die Finger davon lassen!!!


    Wer kann helfen? Unser Fußball ist föderal organisiert. Das bedeutet, dass zunächst der Fußballkreis der erste Ansprechpartner ist. Dort kennt man zumindest den richtigen Ansprechpartner beim übergeordneten Landesverband. Ich selbst habe die Ausbildung zum Vereinsmanager gemacht. Diese Ausbildung kann ich jedem, der sich mit Vereinsstrukturen beschäftigt, dringend empfehlen.


    Hier ein Artikel zum Thema: Wenn die Fusion ein ......... .

    Wie wir mit den Kindern von heute umgehen, das wird die Welt von morgen prägen (Hans Jonas 1903-1993)

  • Anzufügen: Oder bzw. inwiefern mache ich die J-Arbeit für Ehrgeiz (in mir, dem System, anderen)...? Typisches mögliches Beispiel zur Be/Auswertung: JFV Nordwest, vom Geld der Hauptsponsoren geboren, auf verschlungendsten Wegen nur für die Besten der Besten offen - sehr "gemeinnützig" also, dies Baby für dolle Männerfantasien! Wegweisendes Zitat im Link: über den eigenen Schatten springen - that's it! Nur erscheint der mitunter eben äußerst groß, wo man oben so nah an der Sonne (sich oft dafür haltend) sitzt. Nur pure eigene Not macht da zu Wandel bereit, Einsicht in allg. Kindeswohl, Kids als Maß, Wert, 1.Glück aber wäre netter! ;)


    PS: Warum berichtet der DFB eigentlich stets nur über Positivbeispiele u. unterschlägt alles, wo es zuungunsten von Kindern sichtbar bergab geht, obwohl man ihm genau dies zusendet, darum bittend? Ich kann denen ja nur gratulieren, aber: was haben wir hier davon? Nichts! Und wenn man alles nur als unbequeme Wahrheit hinter der Fassade unterschlägt, wird's auch noch lang bei nichts bleiben: bis die oben selbst in Not geraten, alles längst fast kaputt ist... Unzählige Kinder haben da als Opfer der Verhältnisse jedoch längst mit ihrem Fußball aufgehört, leider! Wo ist das Auge des DFB für die heute?! Schreibt er sie nicht so grad wie Ausschuss ab? Also: Falls doch Interesse an diesen Kids, bitte mal per PM melden, da gäb's viel zu berichten, aber leider wenig zu bejubeln!!!

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

    7 Mal editiert, zuletzt von Keller-Kicker ()

  • Thomekz


    Ich denke, der demografische Wandel gibt gerade den kleineren Vereinen keine andere Möglichkeit, in irgendeiner Weise (Gastspielrecht, JSG, JVF) eine Kooperation mit anderen Vereinen einzugehen. Diese Zusammenarbeit gibt ihnen die Möglichkeit, für die Erwartungen aller Spieler (Breiten-, Leistungssport) ein Angebot zu schaffen. Nimmt man einmal eventuell größere Entfernungen zum Training und den Spielen heraus, so sollten Sie für die Vereine und ihre Spieler deutlich bessere Rahmenbedingungen ergeben. Ferner ist damit zu rechnen, dass Jugendliche im unteren und mitleren Leistungsfussball und auch dort tätige Trainer wieder zurückkehren und zusätzliches Know-How in die JSG oder JVF mitbringen.


    Jedoch sind es gerade die Vertreter der etwas größeren Vereine und auch der Sponsoren, die weiterhin auf eine rein vereinsintere Jugendausbildung bestehen. Aus diesen Kreisen hört man Argumente, wie: wir fördern doch keine Spieler, die nach der Jugend in Konkurrenz-Vereine wechseln!
    Schwierigkeiten gibt es ebenso im Übergangsbereich von der Jugend in die Senioren. So kann es vorkommen, das einer der angeschlossenen Vereine zur Verstärkung seines Seniorenteams A-Jugendliche vorzeitig in seine 1. Mannschaft holt.


    In jedem Fall sollten die Verantwortlichen von Kooperationen vorher beraten lassen und ihre Willensübereinstimmungen auch für die Nachfolger in schriftliche Vereinbarungen gießen! Sonst könnte es Mißverständnisse geben, deren Ursachen meist aus den Momentaufnahmen der angeschlossenen Vereine zu finden sind.


    Wie für die Jugend-Spieler sollte es auch für die Vereine, die sich anderen Formen der Förderung widmen möchten, eine neutrale Beratungsstelle geben. Denn erst, wenn die inneren Konfliktpotenziale belastbar geregelt sind, kann man sich mit den äußeren Forderungen auseinander setzen.

  • Ich denke, der demografische Wandel gibt gerade den kleineren Vereinen keine andere Möglichkeit, in irgendeiner Weise (Gastspielrecht, JSG, JVF) eine Kooperation mit anderen Vereinen einzugehen. Diese Zusammenarbeit gibt ihnen die Möglichkeit, für die Erwartungen aller Spieler (Breiten-, Leistungssport) ein Angebot zu schaffen. Nimmt man einmal eventuell größere Entfernungen zum Training und den Spielen heraus, so sollten Sie für die Vereine und ihre Spieler deutlich bessere Rahmenbedingungen ergeben. [...]

    Natürlich spielt der demografische Wandel eine Rolle, aber er darf meiner Meinung nach nicht für alles als Entschuldigung dienen.


    Vor einiger Zeit, ich würde so auf 10-12 Jahre tippen, hatte fast jeder Dorfverein bei uns eine eigene Mannschaft, zumindest im Kleinfeldfußball. Zuerst haben sich 2 Vereine, dann 3 und mittlerweile 4 oder mehr Vereine zusammengeschlossen. Gleiches gilt für Nachbarvereine und andere Vereine im Kreis.
    Gibt es wirklich so wenige Kinder? Ich glaube nicht... ?(
    Entschuldigt seien alle Vereine, die wirklich zu wenige Kinder haben, aber ich kenne auch Beispiele, die von ihrer Einwohnerzahl her, locker eigenständig bleiben müssten, hier wird die Verantwortung abgeschoben. "Wir haben halt nicht genug Kinder" müsste oft heißen "Wir haben eben zu viele Kinder vergrault". Aber was will man den Verantwortlichen vorwerfen, die machen das eben auch nur ehrenamtlich und verfügen womöglich nicht über den nötigen Sachverstand, dieser Entwicklung entgegenzusetzen.


    Ein JFV wäre doch die letzte Maßnahme, die überhaupt ermöglicht, Mannschaften zu stellen. Verbockt man das, indem man die Breite vernachlässigt, wird auch ein JFV früher oder später nicht mehr reichen!


    Es bleibt irgendwie nur zu hoffen, dass diejenigen, die einen JFV gründen, dies nicht aus Profilneurose für ihren Vereins tun, sondern dafür, dass ein Spielbetrieb aufrecht gehalten werden kann. Womöglich gelingt es sogar nicht nur leistungsorientiert zu handeln und somit wieder eine breitere Grundlage an fußballbegeisterten Kindern zu fördern, wenn man diesen JFV wirklich als "eigenständigen" für die Jugend ausgerichteten Verein aufzieht.
    Ich glaube da irgendwie nicht dran, weil wahrscheinlich genau die gleichen "Experten", die jetzt schon - lieb formuliert - Fehler machen, diesen Verein führen werden ;(

    "Fussball ist kein Menschenrecht, aber ein Grundnahrungsmittel." Marcel Reif

  • Vor einiger Zeit, ich würde so auf 10-12 Jahre tippen, hatte fast jeder Dorfverein bei uns eine eigene Mannschaft, zumindest im Kleinfeldfußball. Zuerst haben sich 2 Vereine, dann 3 und mittlerweile 4 oder mehr Vereine zusammengeschlossen. Gleiches gilt für Nachbarvereine und andere Vereine im Kreis.
    Gibt es wirklich so wenige Kinder? Ich glaube nicht... ?(
    Entschuldigt seien alle Vereine, die wirklich zu wenige Kinder haben, aber ich kenne auch Beispiele, die von ihrer Einwohnerzahl her, locker eigenständig bleiben müssten, hier wird die Verantwortung abgeschoben. "Wir haben halt nicht genug Kinder" müsste oft heißen "Wir haben eben zu viele Kinder vergrault". Aber was will man den Verantwortlichen vorwerfen, die machen das eben auch nur ehrenamtlich und verfügen womöglich nicht über den nötigen Sachverstand, dieser Entwicklung entgegenzusetzen.


    moin


    doch, es ist wirklich so.............jedenfalls im ländlichen raum. wir haben das ja hier auch schon in einigen themen kontrovers besprochen. es ist eine abwärtsspirale bei den vereinsorganisierten kindern festzustellen, was nun aber nicht auf die "brülltrainer" (auch wenn es einige hier ganz gut finden würden ;) ) zurückzuführen ist, sondern auch sehr stark in den sich änderenden gesellschaftlichen strukturen und vor allen in bildungsstrukturen begründet liegt.


    die vereine hängen einfach einige jahre den bildungspolitischen veränderungen hinterher. es ist zu beobachten, das erst die oberschulen (mal zusammengefasst alles was nach den grundschulen kommt---ist ja auch überall anders) zusammengelegt wurden, dann kamen die grundschulen an die reihe, die zunehmend geschlossen und zentralisiert werden.
    in orten wo keine schule mehr ist, stirbt auch die nachwuchsarbeit in den vereinen mit etwas verspätung aus. ohne nachwuchsarbeit ist meist als nächstes die zweite männermannschaft dran und oftmals bleibt mit 10jahren verzögerung der ganze verein auf der strecke.............


    je ländlicher und weitläufiger die gegend, um so schwieriger ist es natürlich auch mehr als zwei vereine dazu zu bewegen sich überhaupt zusammenzuschliessen, da ja auch der trainingsbetrieb abgesichert werden muss. 10 bis 20km, oder sogar noch weiter zum training zu fahren ist auf dauer nicht nur sehr hinderlich, sondern geht auch ins geld.


    wenn ich mir die nachwuchsligen in vielen regionen so anschaue, ist denke ich die spitze des nachwuchsmannschaftssterbens noch nicht erreicht. ein blick auf die tabellen des nachwuchses in MV sagt doch irgendwie alles...................



    gruss

  • Bei uns ist der Trend mit JFV'en eher rückläufig bzw. stagniert. Als dies ins Leben gerufen wurde, haben sich einige Vereine unter dieser Bezeichnung zusammen geschlossen. Das waren aber oft nur zwei Vereine als Zusammenschluss. Aus der Entfernung heraus würde ich behaupten, dass man in dem einen oder anderen Fall nach außen signalisieren wollte "Wir fördern. Da wird was geleistet." Und in einem Fall einer JFV weiß ich, dass man sich mittlerweile seitens des einen Vereins ausgenutzt fühlt, weil Spieler ab B in den anderen Verein gewechselt sind.


    Ich kann DSV für unsere Region hier nur zustimmen. Man sieht es schon am Grundschulsterben. Auch viele Realschulen haben schon die Tore geschlossen, da die Klassenstärken einfach nicht zu halten waren. Und im Fußball sieht man immer mehr Spielgemeinschaften. Kaum ein Verein schafft es noch aus eigener Kraft.

  • bei uns gibt es 2 Richtungen:


    Jugendspielgemeinschaften, ohne die es keinen Spielbetrieb mehr geben würde, oft 3,4 und mehr kleinere Dorfvereine.


    Spielgemeinschaften, bei denen klar der Leistungsförderungsgedanke im Vordergrund steht. etwa grössere Dörfer und etwas
    grössere Vereine.


    ein starker Hintergrund ist hier die Verhinderung des Weggangs der Talente, die ansonsten oft zu den grösseren Vereinen hier
    Wechseln würden. Die mir hier bekannten haben auch meist ausgebildete Trainer und genügend finanzielle Mittel.


    Zur Zeit ist aus meine Sicht eine erfreuliche Tendenz feststellbar.


    Die Jugendspielgemeinschaften auf beiden Ebenen werden zunehmend selbständig geführt.


    d.h. eigener Vorstand, eigene Kasse. jedoch unterschiedliche Vorgehensweisen.


    - jeder beteiligte Verein zahlt vor Saisonbeginn eine feste Summe X in die Jugendkasse, die dann dort selbst verwaltet wird und
    alle Kosten zu bestreiten sind.


    - die Beiträge der Jugendlichen fliessen in die Jugendkasse. da dies ja bei weiten nicht ausreicht, wird er von den Vereinen
    noch aufgestockt.


    - Vereine übernehmen alle laufenden Kosten. zusätzlich aquiriertes Geld (Sponsoren, Sportfeste oder sonstirgendwie)
    steht der Jugendabteilung frei zu eigenen Verfügung.


    gebundene Sponsorengelder verbleiben immer in der Jugendabteilung.


    gg