Eigensinn oder ist Fußball kein Mannschaftsport ?

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  • Warum habe ich nur das Gefühl, dass mittlerweile der Großteil so geil auf das Passen ist ? Dribbeln = Eigensinn. Bei Bambini - D ! Nicht falsch verstehen. Ist gar nicht so sehr auf diesen Thread bezogen. Scheint aber allgemein ein Trend zu sein.


    Wir hatten in den letzten Monaten so oft dieses Thema. Leider habe ich den Eindruck, dass ich auch in der "realen" Welt mittlerweile zur Minderheit gehöre. Gestern abend musste ich mir wieder anhören, dass ich "die Zeichen der Zeit" verschlafen würde. Wäre ja schön und gut wie "meine" Jungs mit dem Ball umgehen könnten. Im Spiel würde das aber nichts bringen.


    Mag tatsächlich so sein. Weckt mich bitte, wenn der Tiki-Taka ( oder wie das heißt ) Wahn vorbei ist. Die Zeit von Spielern wie Häßler, Littbarski und Scholl wird irgendwann wieder kommen. Wer sie nicht kennt, schaue unter D wie Dinosaurier nach ;(

  • Kurzpassspiel ist auch keine vorrübergehende Modeerscheinung.


    Wenn ich mir den (wahrscheinlichen ) zukünftigen Weltfußballer Franck Ribery anschaue, kann ich mir nicht vorstellen, daß dribbeln out ist.
    Ich glaube, daß das Wort Dribbeln/Dribbler in Gesprächen nur zu klischeehaft verwendet wird, bezeichnet es doch unterschwellig den eher ballverliebten Spielertypus der dem Passspiel nicht viel abgewinnen kann und daher das 3/4 Spielfeld alleine überwindet.
    Die Realität aber sieht doch so aus, daß eine gute Ballbehandlung und Dribbelfähigkeit die Passmöglichkeiten erhöht.
    Ribery ist für seinen Gegenspieler eben unberechenbar, er könnte aus einer Aktion heraus verschiedene Dinge tun, passen oder selber gehen oder weite Flanken schlagen. Folge daraus ist ein deffensiverses Abwehrverhalten daß auch Raum für die hippen Kurzpässe schafft.
    Der Top-Fußballspieler der Zukunft ist kein reiner Passer oder Drippler. Er kann alles möglichst gleich gut. Er bestitzt auch die "Fähigkeiten der Vergangenheit" wie Kondition und Taktisches Verständnis in hohem Maße.
    Er ist ein Hybrid.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

    2 Mal editiert, zuletzt von open-minded ()

  • open-minded
    so ist es.
    Fußball ist nicht nur Dribbel oder nur Passen oder nur Ballan- und mitnahme oder nur Torschuss oder den Ball abschirmen oder nur Kopfball. Fußball ist viel, viel komplexer.
    Wenn es uns nicht gelingt, dass die Spieler nach 12 jähriger Ausbildung durch uns Kindertrainer, den Blick vom Ball lösen können, dann werden sie niemals in der Lage sein unsere taktischen Vorgaben als Erwachsenenspieler sauber umzusetzen. Nur wer den Ball riechen, schmecken, und fühlen kann ist als Erwachsener in der Lage, den Blick während des Dribblings über das Spielfeld wandern zu lassen.


    Zum Tikitaka.
    Das Tikitaka kann nur funktionieren, weil die Spieler offensiv so stark im 1 gegen 1 sind.
    Wären sie es nicht, wäre es ein leichtes sie entweder im 1 gegen 1 zu stellen oder die Passwege zu zustellen. Da beides zur gleichen Zeit für die Verteidiger nicht möglich ist, kann das Tikitaka erst funktionieren.


    Würden die Spieler nur dribbeln können, dann kann ich sie durch einfaches doppeln stoppen.
    Wären es nur ausgebildetet Passer, wäres es ein Leichtes die Passwege zu zustellen.


    Wir müssen als Kinder u. Jugendtrainer lernen, dass wir die altersentsprechenden bzw. entwicklungsbedingten sogenannten "sensiblen Phasen des Lernes" ausnutzen.

    Ein Kind trainieren heißt nicht, eine Vase zu füllen, das heißt, ein Feuer anzuzünden

  • Letztens hat ein Kind von uns bei einer befreundeten Mannschaft mittrainiert. Im Abschlußspiel gab es von den anderen Eltern ein paar blöde Sprüche, weil er angeblich nicht abspielt. Dabei hat er die Dribblings in diesem Moment nur gewählt, weil ihm ein Pass nicht zielführend erschien. Er hat den Pass dann nach dem Dribbling gesetzt und damit mehrfach Riesenräume aufgerissen. Aber das haben selbst die Erwachsenen nicht verstanden. Wie sollen das deren Kinder dann lernen

    l


    Genau das ist der Punkt. Habe ich einen Spieler in der Mannschaft,der sich ins Offensivdribbling traut und damit Erfolg hat, hat die Mannschaft eine tolle Waffe. Der Spieler muss dann 'nur' noch lernen, zwischen den Dribblings den Kopf hochzunehmen und zu erkennen, ob als nächstes nicht doch ein Pass die richtige Wahl ist da nach ein, zwei Dribblings eine tolle Überzahlsituation entstanden ist. Das wird aber leider oft nicht wahrgenommen vom ballführenden Spieler, das kommt nicht von alleine, das braucht seine Zeit. Wir haben jetzt in der Hinrunde das nach meiner Meinung stärkste Mädchen in der ganzen Klasse im Mittelfeld. Startet viele Dribblings, schießt viele Tore, bleibt aber auch sehr oft hängen da sie das Dribbling derzeit fast immer wählt und nur selten das Abspiel (2. Jahr D-Jugend).


    Wir werden nach den Spielen oft angesprochen auf das Mädchen (wenn ihr die nicht hättet dann......da müsst ihr aufpassen....). Alles richtig, aber das Mädchen soll dribbeln und soll nach und nach erkennen, wann sie den Ball wieder abspielen sollte. Mitunter sieht vom Rand auch alles locker und leicht aus und auf dem Platz ganz anders, als Zuschauer habe ich keinen Gegnerdruck, da sehe ich natürlich die freien Räume mit der Kaffeetasse in der Hand.....im Training machen wir viele Kleinfeldspiele, da wird für Abspiele ausdrücklich gelobt. Aber auch die anderen spielen im Training viel ruhiger und besonnener als im Spiel, da läuft der Ball viel besser. Im echten Wettkampf kommt das hoffentlich schon noch....

  • Wenn es uns nicht gelingt, dass die Spieler nach 12 jähriger Ausbildung durch uns Kindertrainer, den Blick vom Ball lösen können, dann werden sie niemals in der Lage sein unsere taktischen Vorgaben als Erwachsenenspieler sauber umzusetzen.


    Ich denke genau das ist hier der Punkt! Der Spieler soll nach 12-JÄHRIGER AUSBILDUNG die genannten Dinge umsetzen können. Ein G-Jugendlicher befindet sich im ersten- vielleicht zweiten Ausbildungsjahr!!!
    Wie oft trifft ein Herrenspieler in verschiedenen Spielsutationen die falsche Entscheidung bei der Wahl zwischen Dribbling und Passspiel? Und warum sollte jetzt eine G-Jugendspielerin in den Anfängen ihrer fußballerischen Karriere dies können!?

  • Alles richtig, ich finde jedoch das der Punkt der entwicklungsmäßigen Machbarkeit für Kinder (Tunnelblick...eingeschränkte Fähigkeit im Raum zu sehen....Geschwindigkeiten nicht oder nicht richtig einschätzen können usw.) hier alles erklärend ist...er ist sogar eigentlich abschießend...geht aber immer wieder unter...so auch oft hier. Das (also die nicht vorhandene Fähigkeit der Kinder im Gewissen Alter mit Geschwindigkeiten umzugehen) ist wissenschaftlich belegt und ihr könnt es in verschiedenen Verkehrsstudien an vielen Stellen im Internet nachlesen. DAS müßte die Grundlage des Denkens/des Mitdenkers sein. Im Prinzip erübrigt sich doch jede weitere Diskussion bzw. ...sollte DAS die Basis jeglicher weiterer Diskussion sein. Ich finde der einzige der das als Basis seines Denkens und Tuns beherzigt ist Dirk C.. Viele andere lassen erkennen, dass man das so zur Kenntnis nimmt...dann wird abgewunken. Ich finde das jeder der das beherzigt und damit umzugehen weiss hier genau über diese fundierte Tatsache jedem Ignoranten den dicken Stinkefinger wegen der Dämlichkeit und Prinzherrlichkeit des Gegenüber zeigen sollen dürfte! Es ist von diesen Personen einfach lächerlich und armselig und sowas von Stumpf, dass ich mich im Grabe umdrehen könnte, so ich schon tod wäre...ich wüßte nur noch nicht, ob ich es vor Lachen oder aus Bedauerung oder Ärger tun würde :D;);)

  • ...Die richtige Wahl zwischen Dribbling und Passspiel treffen...Die Frage war aber eigentlich rhetorischer Art. Ich glaube nicht dass das eine G-Jugendspielerin schon kann und stimme demzufolge mit deinem Posting überein.


  • Zum Tikitaka.
    Das Tikitaka kann nur funktionieren, weil die Spieler offensiv so stark im 1 gegen 1 sind.
    Wären sie es nicht, wäre es ein leichtes sie entweder im 1 gegen 1 zu stellen oder die Passwege zu zustellen. Da beides zur gleichen Zeit für die Verteidiger nicht möglich ist, kann das Tikitaka erst funktionieren.

    Grundlage von Tikitaka sind Ballkontrolle und Ballbeherrschung unter Gegnerdruck. Die Antwort auf die Frage Tikitaka oder Dribbling :?: heißt also Tikitaka durch Dribbling :!: .

  • Hallo,
    vielen Dank für die vielen Antworten und Hinweise von Eurer Seite.
    Von mir kam die Begrifflichkeit des "Egoismus" was das Mädchen betrifft, nicht. Ich mag sie ganz gern. Mich hat nur interessiert, was man in dieser Altersklasse in solchen Fällen unternimmt und ich habe auch schon von einem Trainer in meinem Umfeld ähnliches gehört wie hier von Euch. Dass man es eben nicht verändern sollte, wie sie spielt.
    Interessant fand ich halt nur, dass unserer Trainer von meiner Tochter (5 Jahre) eben dieses Abspielen einfordert, wenn sie sieht, dass jemand besser steht... Wie passt das jetzt zusammen ?
    Wenn sie sich traut, setzt sie sich auch durch, rein körperlich ist sie dem anderen Mädchen überlegen, dieselbe Körpergröße, robuster und mit einem guten Schuss.

  • Ist es die Tochter vom Trainer?

    nein


    Sehr wohl können Kinder, auch wenn sie erst 7 Jahre sind, abspielen und den besser postierten Mitspieler sehen.
    Wenn sie nicht abspielt und deine Tochter das sehr wohl macht, weil ein anderer Spieler besser steht, dann frage ich mich, wer besser Fussball spielt (Spielintelligenz).
    Und dann noch diese Starallüren: ich bin Kapitän, ich darf das. Die Binde hätte sie die längste Zeit gehabt! Bin auch für das Wechseln der Kapitänsbinde in dem Alter.
    Die Kleine scheint wenig lernfähig zu sein. Aber wenn der Trainer das unterstützt...
    Habe schon selbst soviele Kinder erlebt, die mit 6-8 Jahren alles in Grund und Boden dribbeln, aber dann mit ihrem Latein am Ende sind, weil sie einfach nicht Fussball spielen können, bzw. nicht lernfähig sind!

    ich denke, sie kann schon spielen