Hallo,
ich hatte an anderer Stelle schon mal geschrieben, dass meine kleine Tochter (5 Jahre) im Training alles weghaut, aber im Spiel total verkrampft.
Der Trainer weiß, dass sie es kann und fordert sie im Spiel immer wieder auf, nach vorne zu gehen, sich den Ball zu holen und zu schießen. Ab und zu macht sie es und wenn sie es tut, werden durchaus gefährliche Aktionen daraus (leider bislang noch ohne Tor, aber irgendwann klappt es). Meistens aber zieht sie zurück, traut sich nicht. Auf Rückfrage sagte sie zu meinem Mann, dass ihr zu viele Leute darum herumstehen.
Beim Sportfest vor kurzem haben sie ein Spiel Mädchen gegen Jungen gespielt, die Mädchen haben 4:0 gewonnen, sie hat alle Tore geschossen, war völlig locker - da standen auch 300 Leute und haben zugeschaut.
Ich denke, dass sie ein Kopfproblem hat, weiß aber nicht wirklich, was ich machen soll. Papa meint, sie wird von allen überholt, hätte sich seit dem letzten Jahr nicht weiterentwickelt und sollte es besser lassen - es bringe eh nichts.
Es gibt noch zwei Jungs, die laut dem Trainer "richtig gut" sind, aber die waren die letzten beiden Spiele nicht dabei. Wenn die erst mal mitspielen... Seit gestern habe ich das Gefühl, dass es der Trainer ähnlich sieht, er will es ihr nur nicht offen sagen. er meinte gestern, das sei Sache von uns - von wegen Kritik an ihr.
Gestern nach dem Spiel, das verloren ging, aber besser war als das letzte, sagte Papa nur: "alle haben was gemacht, nur sie hat wieder nur rumgestanden..."
Der wird dabei richtig sauer ! Und ich auch, weil ich das Gefühl habe, dass sie das eher noch mehr verunsichert und sie noch mehr verkrampft. Ich weiß, wie gerne sie Fußball spielt.
Hat jemand eine Idee oder Erfahrung mit diesem Problem und einen Tipp wie ich damit am besten umgehe. Ich möchte ihr so gerne helfen !
Wie löse ich die Blokade im Kopf?
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Ganz spontan:
Erst musst Du das Problem mit Deinem Mann lösen: solange Ihr Euch uneins seid (und das Kind es merkt, wovon ich ausgehe) könnt Ihr dem Kind gar nicht helfen.
Bring Deinen Mann dazu, sich hier mal reinzulesen. Oder aus anderen Gründen Geduld zu haben: Kinder entwickeln sich in Schüben: mal tut sich monatelang gar nichts und mal erkennen neutrale Beobachter ein Kind nach einem halben Jahr nicht wieder.
Keine Ahnung, welch großartige fußballerische Laufbahn Dein Mann bisher gehabt hat, welche Erfolge er gefeiert oder nie gefeiert hat: Er darf weder seine verpasste Karriere mit dem Kind nachholen wollen, noch eine mögliche Superkarriere mit dem Kind wiederholen.
Das schreibe ich als jemand, der mal ähnlich wie Dein Mann getickt hat.
War Dein Mann bei dem besagten Sportfest eigentlich nicht dabei? Oder hat er gerade am Bierstand die Bundesliga-Spieltagsanalyse durchgeführt, als Deine Tochter spielte?
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also, ebenfalls als Mutter , wuerde ich als erstes Mal Deinen Mann zu Training und Spielen zu Hause lassen.Auf eine fuenf-jaehrige so einen Druck auszuueben oder Urteile zu faellen, find ich unmoeglich. Sie zeigt doch, dass sie das kann, gebt ihr doch was Zeit. Aber ohne Witz, lass Deinen Mann mal zu Hause, vielleicht entspannt sich die Lage dann...
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Könnte es sein, dass in Eurer Familie Fußball generell etwas zu wichtig ist...?
Wird viel über Fußball geredet? Vorher? Nachher? -
Wichtig ist Fußball bei uns nicht. Wir sind Fans, schauen Fußball und beide Mädels spielen. Ich weiß nicht, mein Mann will immer dass alles perfekt ist. Das ist in allen Bereichen so. Er ist eigentlich nie zufrieden, leider...
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O.k., ich stelle die Frage anders: Was hat Dein Mann denn zu dem Auftritt Deiner Tochter auf dem Sportfest gesagt?
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unser Nachbar (er ist F-Jugend- und Stützpunkttrainer) stand neben ihm und sagte nur"und da wollte sie jemand abmelden, oder ?"
Er hatte keinen Grund zum Meckern. Gelobt hat er sie. Hat ja auch toll gespielt. Sie war stolz ohne Ende -
Ich gebe meinen Vorredenrn recht. Vielleicht ist dein Mann auch zum gewissen Teil das Problem. Red ihn mal darauf an, dass du das Gefühl hast, dass die Kleine etwas blokiert im Spiel. Und frag ihn mal, ob ihr nicht den Deal schließen könnt, dass er mal zwei Spiele nicht zuschaut und du mal zwei Spiele nicht zuschaust. Wenn sie dann bei den Spielen ohnen deinen Mann entspannter ist, dann ist die Lösung recht klar. Aber vielleicht ist auch der Trainer im Spiel das Problem. Ich gehe davon aus, dass dieser beim Sportfest vielleicht auch nicht als Trainer aktiv war. Vielleicht verkrampft dein Mädel auch, weil alle im Spiel von ihr das erwarten, was sie im Training offensichtlich zeigt undn für die Kleine aber das Spiel noch ein zu großes Event ist. Trikot anziehen, andere Atmosphäre, gewisser Erwartungsdruck. Vielleicht kommt sie da einfach nicht klar und weiss selber, dass sie mehr könnte, verkrampft aber, weil auch jeder mehr erwartet. Und eventuell machen es dann die gut gemeinten Zurufe nur schlimmer. Auch Ermutigung kann ja in gewisser Weise Kritik sein, mit "Komm, nimm deinen Gegner mal den Ball ab" oder "Trau dich auf's Tor zu schießen", sagt man ja auch gleichzeitig, dass man das bisher noch nicht gemacht hat. Eventuell sollte man auch versuchen einfach mal zwei Spiele nicht zu kommentieren und danach nur die Frage zu stellen, ob ihr das Spiel heute Spaßngemacht hat. Ohne, dass man auf gelungene Aktionen oder mißlungene eingeht. Vielleicht braucht sie nur das Gefühl, dass egal was sie macht es okay ist.
Und die Aussage, dass sie stehen bleibt und deshalb mit dem Fußball aufhören sollte (von deinem Mann), finde ich ja absolu daneben. Sie spielgelt auch echt die Stellung der heutigen Gesellschaft wieder. Da wird Fünfjährigen Kindern schon ein Druck gemacht, wie einem Erwachsenen. Kaum sieht man nicht irgendeinen Fortschritt ist man schon schlecht. Einfach Kind sein, wird total hinten angestellt. Musst deinen Mann mal fragen, ob er eigentlich in seinem Beruf auch wöchentlich Fortschritte macht und sich verbessert oder, ob er auch stehen geblieben ist. Dann sollte er nähmlich kündigen, weil ja dann der Job nichts mehr für ihn ist. Wenn die Kinder mal 12 sind, kann man langsam eine Tendenz erkennen, ob sie gute oder eher schlechte Fußballer werden. Aber es gibt einfach Frühzünder und Spätstarter. Des geht im Krabbel- und Laufalter schon los und bis ins höhere Alter. Mein Junge hat das laufen auch später gelernt, deshalb läuft er jetzt genauso gut wie jedes andere Kind. Er ist aber tendenziell vom Charakter eher der vorsichtige Typ, also bevor er ständig auf die Schnauze fällt, wartet er halt bis er sich sicher ist und startet dann durch. Und so hat auch jedes Kind seinen eigenen Charakter. Und vielleicht ist dein Mädel auch eher der schüchteren Typ und wenn sie die Leute nicht kennt (=Gegner) dann hat sie vielleicht auch Respekt mit ihnen in nen Zweikampf zu gehen. Und im Training, wo sie ihre Trainingspartner kennt, ist das kein Problem.
Also es kann da sehr viele Gründe geben. Ich würde einfach entspannen, dabei bleiben und dann wird man in den nächsten Jahren sehen, wo der Weg hingeht. -
sollte es eigentlich so sein, dass sich der Trainer in der Altersklasse wirklich Gedanken um seine Schützlinge machen sollte ? Manchmal frage ich mich nämlich, ob ihn die Kleinen überhaupt interessieren.
Einerseits sagt er den Kindern, dass das Ergebnis egal ist, andererseits habe ich das Gefühl, wie es dem Einzelnen geht, ist wurscht, wenn ein anderer besser ist, bleibt der andere auf der Strecke. Zur Großen hat er, nach einem schlechten Training, wo bei ihr so gar nichts lief, gesagt, er hätte bei den ganzen Kindern keine Zeit, sich mit ihr zu beschäftigen -
Wir haben einen Vater der seinen Sohn bei jedem unsauberen Pass immer lautstark kritisiert hat ( den Namen des Kindes gaaanz langgezogen und genervt rufen ). Der Junge war völlig verunsichert. Ihm wurde der Eindruck vermittelt, dass er nichts kann und das er die Erwartungen des Vaters erfüllen müsse.
Der Junge ist körperlich "unterlegen". Er ist dünn, hat wenig Muskeln, ist aber unglaublich stark und kämpft auf dem Platz selbst gegen 3 Jahre ältere um den Ball.
Ich als Trainer habe den Jungen immer wieder rausgenommen und habe mit ihm Einzeltraining gemacht. Doppelpässe, ständig ermuntert und ermutigt. Und siehe da: die Pässe waren sauber, er hatte Spaß und hat sich gefreut wenn wir Einzeltraining machen. Später im Training mit den anderen und im Spiel ist er mit viel mehr Selbstbewusstsein gestartet. Das hat der Vater natürlich gesehen und hat ihn ebenfalls unterstützt.Mache Deinem Mann eine klare Ansage. Er steht im Weg. Hört sich nicht nett und nach Harmonie an, aber es ist so. Wir Erwachsenen können mit Kritik umgehen und wissen es einzuschätzen wenn jemand immer und überall etwas zu meckern hat. Der Sohn oder die Tochter nicht. Die buhlen täglich um Anerkennung und Lob, besonders von den Eltern. Die ständige Kritik wird ihr sehr wehr tun und steht ihr im weg.
Dein Mann sollte dem Training und den Spielen besser fernbleiben. ( sowas regt mich sehr auf ).Was das verkrampfen im Spiel angeht beobachte ich das oft in der Altersklasse. Ein Spiel ist was großes, das ist was anderes als das normale Training. Hier geht es um Sieg oder Niederlage. Bei einem Sieg jubelt der Trainer, die Eltern. Bei einer Niederlage sehen die Gesichter eher verknautscht aus, teilweise verärgert, teils enttäuscht. Kinder lesen Gesichtsausdrücke erheblich besser als Erwachsene und haben feine Antennen was das angeht.
Also zusammengefasst: Dein Mann sollte zuhause bleiben und sich mit dem Thema "wie unterstütze ich mein Kind" befassen. Momentan macht er in Sachen Fußball genau das Gegenteil.
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sollte es eigentlich so sein, dass sich der Trainer in der Altersklasse wirklich Gedanken um seine Schützlinge machen sollte ? Manchmal frage ich mich nämlich, ob ihn die Kleinen überhaupt interessieren.
Einerseits sagt er den Kindern, dass das Ergebnis egal ist, andererseits habe ich das Gefühl, wie es dem Einzelnen geht, ist wurscht, wenn ein anderer besser ist, bleibt der andere auf der Strecke. Zur Großen hat er, nach einem schlechten Training, wo bei ihr so gar nichts lief, gesagt, er hätte bei den ganzen Kindern keine Zeit, sich mit ihr zu beschäftigenJa, wir als Trainer müssen die einzelnen Kinder im Auge haben, Stärken fördern und an Schwächen arbeiten.
Wenn er so viele Kinder auf dem Platz hat und kein weiterer Trainer zugegen ist kann er nicht ausreichend auf einzelne Kinder eingehen. Was hältst Du davon ihn zu unterstützen.
Er könnte vorher die Übungen vorbereiten und Dir kurz erklären was zu machen ist bei der jeweiligen Übung. Dafür muss man kein Fußballfachmann sein.
Dadurch gibt es 2 Trainingsgruppen mit jeweils weniger Kindern. So hat der Trainer mehr Ruhe und Zeit die Kinder zu beobachten und Stärken und Schwächen zu notieren. -
Ihr müsst ganz schnell den Druck rausnehmen. Das Mädel ist noch viel zu klein um damit umgehen zu können.
Bringt sie zum Training und zu den Spielen, kickt zu Hause ab und zu mit ihr und redet ansonsten nicht mehr viel über ihr Fußballspiel.
Ihr dürft euch auch keine Gedanken um die Entwicklung machen, denn diese ist nicht linear, sondern erfolgt in Schüben. Ganz besonders in diesem Alter. Lasst sie einfach Fussball spielen und sagt ihr, das sie einfach Spaß haben soll.Macht euch auch selbst keinen Druck: wenn sie den Spaß nicht verliert, wird mit Sicherheit mal eine gute Fußballerin aus ihr!
