Schlechte Qualität des Trainings Ursache für Vereinsaustritte von Jugendlichen?

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  • Liebe Trainerkollegen,


    ich weiß nicht, ob es eher zufällig ist oder ob ihr ebenfalls ähnliche Beobachtungen gemacht habt? Denn ich stelle vermehrt fest, dass im mittleren und oberen Jugendbereich Trainer tätig sind, die diesen Namen eigentlich nicht verdienen. Vielmehr reduziert sich ihre Arbeit darauf, den Ball zum Trainingsbeginn auf die Platzmitte zu werfen und zum Trainingsende wieder einzusammeln.


    Mag noch das "Bespaßen" von Bambinies eine übergeordnete Funktion beim Start in den Vereinsfussball sein, so stelle ich fest, dass bei solchen Trainern die Jugendlichen vermehrt schon nach wenigen Trainingseinheiten (wenn man hiervon überhaupt sprechen kann) nicht mehr erscheinen und sich ein anderes Hobby suchen.

    Sorgen die "Brüllaffen-Trainer" während der Punktspiele für Verärgerung bei den Jugendlichen, so führt die "Scheißegal-Stimmung" dieses Trainertyps ohne Interesse am Fussball zur Abstimmung "mit den Füßen" bzw. zu Vereinsaustritten der Jugendlichen.


    Weil aber die "Senioren-Dorfbundesliga" die volle Konzentration aller im Verein wichtigen Personen bindet, fällt es nicht weiter auf, dass immer weniger aktive Spieler die Seniorenmannschaften erreichen und in diesen Senioren-Kreisklassen vermehrt Söldner kicken.


    Zwar kann ich es nicht mit Zahlen belegen, jedoch meine ich, dass noch vor Jahren mehr Jugendliche in den Seniorenbereich gewechselt sind. Vielleicht gibt es ja sogar Zahlen darüber?
    Habt auch ihr solche Trainer schon beobachtet oder handelt es sich wirklich nur um Zufälligkeiten?

  • Naja heute die Schüler gehen ja oft nicht nur einer Sportart nach. Ich trainiere eine U15 und habe doch einige in der Mannschaft die spielen neben Fußball noch Tennis, Hockey spielen dann noch irgendwelche Musikinstrumente und haben meistens noch den ganzen Tag Schule. Nicht zu vergessen kommt dann mit der Pubertät noch der Alkohol und die Frauen/Jungs ins Spiel.


    edit: Wobei die Pubertät auch schon damals existierte, ich bin ja auch nicht der älteste mit meinen 23 Jahren und kann schlecht wissen wie es vor 10 bzw 15 Jahren war. Aber durch die ganzen Ganztagsschulen und "konkurrierenden" Hobbys haben wir echt Probleme Spieler zu überzeugen auch weil viele "Trainer" es einfach nicht gebacken bekommen ordentlich zu arbeiten und lassen F-Jugendliche Runden drehen und arbeiten so das viele den Spaß am Fußball verlieren... Da schäme ich mich richtig das man diese Gestalten Trainer nennt und damit den selben Titel tragen wie wirklich viele engagierten Trainer.


    Irgendwann kommt der Tag X wo die Kinder und Jugendlichen sagen das es zu viel ist und dann anfangen zu selektieren welche Hobbys machen mehr und welche weniger Spaß wo da natürlich auch die Trainer einen großen Einfluss drauf haben. Wenn das Training keinen Spaß macht brechen dem Fußball eben wichtige Spieler mit und da müssen sich alle "Trainer" mal überlegen was wir falsch machen.

    Einmal editiert, zuletzt von Rene1105 ()

  • Hallo,


    was soll denn den Dropout im Sport gerade ab der Pubertät deiner Meinung nach sonst erklären? Je reifer die Kinder, desto mehr Verständnis für grundlegende trainingswissenschaftliche Inhalte und für die Möglichkeiten im Training. Stagniert nun das Training immmer noch auf U11 Niveau ist das natürlich für diese Kinder ermüdend. Die wollen und können mehr leisten. Fehlt dann noch die sportliche Perspektive (mit so einem Training ist das eigentlich garantiert) und fallen erste soziale Eckpunkte im Vereinsleben weg (Freund tritt aus weil Training eben zu öde), ist der nächste schritt eigentlich klar.


    In diesem Alter ist die Hemmschwelle den Sport zugunsten anderer Interessen aufzugeben umso niedriger je älter die Kinder werden. Hier müssen Qualität, fordernde Aufgaben und Spaß dafür sorgen, dass der Sport an oberster Stelle bleibt.


    Das "früher" mehr Jugendspieler in den Seniorenbereich gekommen sind, liegt sicherlich daran, dass heute für die Jugendlichen viel mehr Alternativen zur Verfügung stehen (im sportlichen und nicht sportlichen Bereich).

  • Schlechtes Training ist aus meiner Sicht weniger der Hauptgrund, dafür aber der absolute Katalisator wenns um die Weichenstellung Fussball versus Rest vom Leben geht.
    Pupertät, Berufswahl, erste Freundin, lange Parties treffen in diesem Alter oft auf die Erkenntnis, dass man es eventuell dann doch nicht zum Profi schafft. Wenn dann auch noch der Trainer und das Training Scheisse sind, brauchts nicht viel, um den ganzen Bettel hinzuwerfen, um entweder tiefer hängende Trauben zu pflücken, oder einfach die Erwartungen der Erwachsenen zu erfüllen.
    Andererseits trennen sich hier Spreu und Weizen. Wer diese Phase übersteht wird dem Fussball oft ein Leben lang treu bleiben - auch wenn es dann oft nur für den Wurschtstand reicht ;)

  • TW-Trainer, @all...


    Ich nehme mal nur meine drei Söhne als Beispiel und die Worte einiger meiner alten Spieler und lege noch einige Beobachtungen meinerseits auf die Waage.


    Mein jüngster Sohn hatte einen Trainer der schrie bestialisch herum...."Papa...ich will nicht mehr zum Training". Hinzu kam, das er bis heute Angst vor Kopfbällen hat, die hat er nämlich schon in der F mit einem schweren Ball geübt.


    Mein mittlerer Sohn spielte bis zur D bei mir. Danach spielte er noch ein Jahr bei einem modernen Trainer, der sie auf das moderne Verteidigen hinwies und es spielen ließ. Danach folgte dann ein Trainer der wieder laut brüllte....und zudem nuschelte.....und mein Sohn sagte mir: "Du Vatter, kann das sein das der keine Ahnung hat. Gibt sich ja mühe, aber keiner versteht was er konkret von uns will. Ich spiele schon -wie auch die anderen- seit Monaten das was ich will. Er merkts nichtmal und lobt mich noch dafür. Zudem sind die Trainings überhaupt nicht anstrengend. Die anderen schwitzen immer wie sau...ich nie."


    Mein ältester Sohn trainiert seit 2 Monaten überhaupt nicht mehr. Er warf -wie ich es damals hier in einem Thread beschrieb- seinem Schreihalstrainer, welcher vereinsschädigendes Verhalten pro Spiel an den Tag legte, sein Trikot mit den Worten vor die Füße "Du bist ein Arschloch...das wars" und ging im blanken Oberkörper in die Kabine und kehrte nicht wieder zurück.


    Schade auch....er spielte zwei bis drei Ligen unter dem was er in der Lage war zu spielen.


    In zwei Wochen will er wieder hingehen, da ein neuer und ein alter Trainer der ok ist nun die A (letztes Jahr) bedienen. Der Haupttrainer hat einen A Schein und bedient die Kreisliga. Der fordert 3 Trainings die Woche. Mein Sohn wird ihm direkt stecken, dass das neben dem Abiturjahr, Arbeiten im Getränkemarkt für 5 Euro die Stunde und Freundin so nicht klappen wird. Mal schauen wie der reagiert. Ferner sagt mein Sohn, dass das für ihn das letzte Jahr sei, in die Erste will er danach nicht mehr gehen. Zuviel Anspruchsdenken anderer...so er. Darauf hat er keinen Bock mehr, ständig schräg angeschaut zu werden, wenn man sich abmeldet. Weil das so ist, kamen auch Lügen vor beim Abmelden....da hatte nicht nur die Oma Geburtstag, sondern war gleich verstorben.


    Andere Spieler äusserten im Laufe der vergangenen 6 bis 7 Jahre mehrfach den Wunsch, ob ich nicht mal wieder sie trainieren wolle.


    Ich fragte geschmeichelt und interessiert, was meine Person denn ausgemacht hätte, man meinte sinngemäß:


    1. Ich war streng aber herzlich
    2. Ich hatte immer/überwiegend interessante Trainings
    3. Ich forderte Leistung ein die man zu bringen in der Lage war
    4. Es wirkte auf sie, als sei ich kompetent....Ansprachen....Erörterungen....Digagnosen (auch wenn ich wußte, das ich nicht so kompetent war, wie sie es von mir meinten)
    5. Gab konkrete Tipps, statt allgemeines Geschwafel um nichts
    6. Ich erhielt die Ordnung im Team und es war eine Mannschaft...ich betone...eine Mannschaft...so das jeder einzelne das offensichtlich fühlte. Dabei ..und das sage ich....habe ich nur wenige Events neben dem Fußball abgehalten...keine Mannschaftsfahrten...nur mal auf das Sandfeld im Freibad o.ä..


    ...und dennoch machte ich aus meiner Sicht Fehler!


    Mein Fazit: Es ist das gesamte Paket, bestehend aus dem Können zwischen Ton und Ton angemessen mit den Kindern/jungen Erwachsenen umgehen zu können. Es ist das Vorbild was man abgibt. Und es ist auch die Kunst, zwischen nicht zu hartem und nicht zu schwachem Training und dessen Inhalten das richtige für sein Team auszusuchen....um angemessen zu fordern, statt unter.-oder überzufordern.


    Dazu gehört aber auch der Konsenz mit den Eltern ein Team zu bilden. Dieses Team ...also das Trainer und Elternteam muß dazugehören. Ich stelle fest, dass dort, wo dieses Team dazugehört....auch wenn 16jährige murren (was ganz normal ist)....ein Teil ist....auch die Stimmung im Team die bessere ist. Jüngst erlebt bei meinem landeligaspielenden Sohn, wo die Elternschaft eine prima Truppe war und auch erlebt im letzten Jahr im alten Verein, wo die Truppe mit der B den Meister in der Kreisliga geschafft hatte und am Aufstieg dennoch vorbeischrabbte. Jüngst auch erlebt im eigenen D-Team....Eltern die prima miteinander trotz unterschiedlichster Herkunft und unterschiedlichstem Berufsstand einfach nur ein Team waren...wie das Fußballteam selbst.


    Das alles zusammen bildet einen Cocktail. Wer den hinbekommt, hat weniger Probleme.


    Es gibt aber auch Probleme, wo der Verein, der Trainer nur gegenschaufeln kann. Die heutigen Berufsanforderung an eine auszubildene Putzfrau ist schon beschreibend. Diese müssen heute mit einem Abitur vorsprechen und möglichst mit einem Durchschnitt nicht schlechter als 1,8 antanzen und bitte bitte machen.....um dann noch zum Auswahltest vorzufahren, schließlich werden nur die Allerbesten genommen. Das spiegelt den Druck da, den viele da draussen haben. Ich bekomme es gerade life hier zu Hause mit. Nicht jedem fliegt Schule zu....und zur Freundin sagen viele nicht nein. Und ein bestimmtes Alter läßt auch mal -trotz der Möglichkeit auf mehr- ...einiges Schludern. Dann gibts Quittungen und dann den Stress und schups ist Fußball an Platz 3, 5 oder 10. Und dann kommt der schreiende Trainer, der Leistung abverlangt und 100 Prozent Trainingsbeteiligung und und und. Und sein Training macht nicht immer Spass und so erklärt sich manches und der Kreis schließt sich...für mich jedenfalls.


    Deswegen schrieb ich woanders....manchmal ist weniger mehr und hier nun noch....und zu wenig nicht genug ;) Gruß Andre 8)

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Danke schon mal für eure Beiträge!


    Es deutlich wurde beschrieben, dass beim Austritt eines Jugendlichen nicht nur die Situation im Verein, sondern der gesamten Umgebung des Spielers eine Rolle spielt. Denn nicht selten finden während der Jahre Wechsel von Schule und Freunden statt. Die Situation im Verein (es macht keinen Spaß) kommt dann hinzu!


    Besonders berührt haben mich Andre Worte über das Erfinden von Ausreden fürs Abmelden beim Training. Darin allein spiegelt sich schon ein falsches Verständnis von Menschenführung wider. Denn hier wird der Fussball als Mannschaftssport lediglich als vorgeschobenes Argument eingesetzt. Wer eine geringe Trainingsbeteiligung hat, der sollte sich auch einmal die Frage stellen, ob es eventuell auch an den angebotenen Trainingsinhalten und der Kommunikation mit den Spielern liegt? Oder geht es diesem Trainertyp in Wahrheit um seinen persönlichen sportlichen Erfolg? Dafür sollen gefälligst immer alle Spieler da sein und es werden auch keine Ausfüchte akzeptiert.


    Die Steigerung übersteigerten Ehrgeizes ist allerdings m.E. die "Scheißegal-Stimmung" von Trainern. "Hier habt ihr einen Ball. Macht damit was ihr wollt! Ich hole ihn nach dem Training wieder ab!"
    Dort werden die Erwartungen der Jugendlichen nach dem Erwerb neuer Fähigkeit sowie deren Verbesserung nicht erfüllt und sie reagieren mit dem Austritt aus dem Verein.


    Nach dem Selbstverständnis der Jugendlichen soll ihr Hobby, der Fussball nur Spaß machen! Unter Traineranleitung kann dies jedoch nur gelingen, wenn es keine Zwänge für die Jugendlichen gibt, ein abwechselungsreiches und den Leistungen entsprechendes Training stattfindet und der Trainer weniger Lehrer und mehr der Partner der Jugendlichen ist. Ich stelle jedem Spieler frei, ob er zum Training oder dem Spiel kommt. Auch kann er selbst entscheiden, ob er mir die Gründe dafür sagen möchte. Weil die Trainingsbeteilidung stets sehr hoch ist, überdurchschnittlich viele Spieler persönlichen, sportlichen Ehrgeiz entwickeln, möchte ich es auch gar nicht ändern. Ich möchte die Jugendlichen erst gar nicht in Versuchung bringen. Denn eine Lüge ist stets auch der Mißbrauch von geschenktem Vertrauen. Trainern, denen der Fussball egal ist, denen sind auch die Jugendlichen, die ihr Hobby ausüben möchten, egal!

  • TW-Trainer


    Völlig-egal-Trainer kenne ich eigentlich keine, dafür gibt es immer wieder mal welche, die von Fußball überhaupt keine Ahnung haben, dies aber nicht wissen, oder aber Überehrgeizige. Was ich aber mitbekomme, sind "schlechte" Trainer eher ein Fall für Vereinswechsel als für Aufhören. Wichtig ist auch, dass Trainer ehrlich und konsequent sind.


    Meine Spieler müssen sich keine Ausreden ausdenken. Ich habe ihnen vor der Saison gesagt, dass sie möglichst alle Trainings besuchen sollen, wenn sie aber mal absolut keine Lust haben, sollen sie eben fernbleiben. Begründung interessiert mich nicht, ich will nur die rechtzeitige Abmeldung. Trainingsbeteiligung war bei 90 %, und da spielten auch noch Verletzungen, Krankheiten und schulische Termine mit.


    petr


    Für Dropout gibt es so viele Gründe, da finde ich die Frage, "woran soll es denn sonst liegen?", schon etwas seltsam. Freundin/Freund, andere Hobbys, Schule, später dann Beruf, oft auch Überforderung sind mögliche Gründe. Wegen zu laschem Training hören m. E. die wenigsten auf. Eher im Gegenteil.

    "Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind."
    Terry Pratchett

  • Sicherlich ist neben den anderen aufgeführten Gründen auch das Trainerverhalten verantwortlich fürs Aufhören.


    meine Beobachtung:


    die wirklich Fussballinteressierten hören aber ab der B nicht auf, sondern wechslen den Verein.


    entscheidend sind C und B-Jahre. in dieser Altersgruppe stellt der Trainer mit seinen Vorgaben die Weichen.


    Mannschaften, deren Trainer die Richtung, wie von Andre sehr deutlich beschrieben, vorgaben, haben eine deutlich geringere
    Fluktuation in der A und beim Wechsel in den aktiven Bereich.


    wobei die eigendliche Trainingsqualität (hochklassiges muss nicht sein) nicht das entscheidende war.
    kein Larifari, sondern klare Richtung, klare Vorgaben, klares Vorleben des Trainers sind da entscheidender.


    meine Beobachtungen betreffen jedoch nur den unteren Jugendbereich (Staffel, Kreis- und Bezirksliga)


  • petr


    Für Dropout gibt es so viele Gründe, da finde ich die Frage, "woran soll es denn sonst liegen?", schon etwas seltsam. Freundin/Freund, andere Hobbys, Schule, später dann Beruf, oft auch Überforderung sind mögliche Gründe. Wegen zu laschem Training hören m. E. die wenigsten auf. Eher im Gegenteil.


    Das alles rückt aber nur dann gefährlich für den Sport in den Vordergrund, wenn sportliche Perspektive, Spaß und Ansporn infolge qualitativ schlechten Trainings kontinuierlich abnehmen. Und Jugendliche in einem gewissen Alter sind dann auch nicht mehr so bereit sich mit viel Aufwand in neue Gruppen (Vereine) zu integrieren, diese verbingen die Zeit dann lieber mit etwas Anderem und ihren gewohnten Freunden. Dann ist der Schritt zum Austritt näher als der zum anderen Verein.


    Der Kerngrund für Dropout ist mMn schon in der Qualität des Trainings/Trainers begründet (inkl. Atmosphäre, sportl. Ziele, soziale Strukturen innerhalb der Gruppe, ...). Ich habe noch keinen Sportler verloren, der freudenstrahlend jeden Tag zum Training kam und dann plötzlich gesagt hat: "Übrigens ich habe jetzt eine Freundin, ich kann nicht mehr." Dass der Trainingsbetrieb aufgrund dieser anderen Interessen evt. etwas geringer ausfällt ist sicherlich etwas anderes.


    Ich persönlich bin der Überzeugung, dass ich als Trainer durch mein Verhalten/Umgang und meine Trainingskonzeption immer zu einem großen Teil am Dropout einzelner Sportler beteiligt bin. Wenn ich zurückblickend auf alle Sportler schaue die ich "verloren" habe, konnte ich es immer nachvollziehen und mir definitiv eine entscheidende Mitschuld einräumen. Dabei habe ich natürlich auch Fehler gemacht. Damit muss und kann ich leben so hart das auch klingen mag.


    Ich mache Training für eine große Gruppe, die unterschiedliche Ansprüche an mich und ihre Freizeitgestaltung haben. Mein Ziel ist es natürlich trotzdem jedem in gewissen Maße gerecht zu werden. Das ist nicht jedoch immer möglich.

  • petr


    Ich komme ja zu einem ähnlichen Ergebnis wie du. Jedoch vermute ich, dass einige Forumteilnehmer den Begriff der Qualität des Trainers/Trainings anders interpretieren. Das kann beim Trainer in der unteresten Liga jemand sein, der zum Beginn des Trainings seiner Trainingsgruppe einen Ball zuwirft und den Rest der Zeit mit zufällig Anwesende verplaudert. In der gehobenen Liga kann dies ein Trainer sein, der seine Gruppe zum Runden laufen schickt, während er mit seinen Kumpels ein paar Zigaretten raucht und einige Bierchen trinkt. Und das kann in der noch höheren Liga ein Trainer sein, der statt des erwarteten Coaching wieder Befehl und Gehorsam einführt.


    Für mich handelt es sich um einen nicht geeigneten Trainer, wenn dieser die Erwartungen seiner Trainingsgruppe in großen Teilen nicht erfüllen kann. Die wahrscheinliche Folge daraus ist ein Drop-Out der Jugendlichen, die vom Verein diesem Trainer anvertraut wurde, ohne dessen Eignung zu prüfen.


    Sonst würde sich auch nicht erklären lassen, warum die Menge der Jugendlichen, die mit dem Fussball aufhören gar nicht so sehr von der Liga abhängig sind. Zwar mag durch etwas höhere Eigenmotivation die Toleranz ein wenig höher sein. Hier kommt jedoch hinzu, dass bei einer höheren Ligazugehörigkeit auch die Alternativen in der Umgebung deutlich schwinden und die Aufgabe des Hobbies häufig die logische Folge.

  • ....der DFB hat 2006 fogendes in seinem DFB-Fußballentwicklungsplan geschrieben...

    Zitat


    „Unsere Vereine kommen um die Korrektur traditioneller Strukturen, Konzepte
    und Programme nicht umhin. Diese zukunftssichernden Vereinsreformen gelingen
    nur mit qualifizierten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern!“

    ...scheinbar dauert es noch bis unmotivierte Trainer der Vergangenheit angehören.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • @ TW-Trainer: Stimme dir voll zu. Fehlende "Qualität" kann sich vielseitig äußern (Unter/Überforderung, nicht altersgemäßes Trainerverhalten, zu autoritär, zu sehr laissez-faire, etc.). Das ist natürlich immer Altersklassen- und Perspektivabhängig.

  • ..das sagt uns, daß mit 11 Jahren warscheinlich nicht die Freundin schuld war gell,
    sondern....?


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • Leider gibt die komprimierte Fasssung der Forschungsergebnisse keinen umfassenden Überblick. So wäre es schon wichtig zu wissen, wie die Verteilung der Befragten in den jeweiligen Altersgruppen ausgesehen hat. Denn wie bereits angemerkt ist für einen D-Jugendlichen die neue Freudin wahrscheinlich sehr selten ein Grund mit dem Fussballspielen aufzuhören. Auch hätte ich gerne gewußt, ob es zu unterschiedlichen Ergebnissen bei den befragten Mädchen und Jungen gekommen ist. Ob die Anzahl der Befragten (176) ausreicht, um daraus allgemeingültige Aussagen zu bilden, kann ebenfalls bezweifelt werden?


    Wenn jedoch der Trainer (mit großem Abstand) als Hauptgrund für den Vereinsgrund angegeben wird, dann bestätigt es meine Vermutung, dass in weitaus bedeutsamerem Maße der jeweilige Trainer über die weitere Entwicklung jedes einzelnen Spielers Einfluß ausübt.


    Leider gibt die Anlayse recht oberflächlich Ursachen hierfür (langweiliges, immer gleiches Training, läßt immer nur die Gleichen spielen, es geht nur noch ums Gewinnen) Aufschluß, denn es wäre auch wichtig zu wissen, wie (schnell, langsam) sich diese unterschiedlichen Erwartungen entwickeln und in welchem Zusammenhang hierbei die Qualität der Trainer zu sehen ist. Dabei sollte m.E. zwischen fachlicher Kometenz (z.B. Trainerausbildung) und sozialer Kompetenz (z.B. Interaktions- und Kommunikationsfähigkeit, Charaktereigenschaften) unterschieden werden. Kann man alles lernen oder sollten Menschen mit bestimmten Charaktereigenschaften besser die Finger davon lassen, weil nicht nur Gutes, sondern auch Nachhaltig schlechte Erinnerungen bei den Kindern wirken können?


    Es gilt die Frage zu klären, was ein Trainer günstigerweise mitbringen sollte und wie seine Ausbildung aussehen sollte, damit sich Kinder im Verein wohlfühlen? Denn die Quote von 51 % trainerbedingten Vereinsaustritten ist schockierend und zeigt, dass hier nach wie vor ein großer Verbesserungsbedarf vorhanden ist. Einige Antworten in den Erwartungen der Kinder wurden bereits gegeben, doch wer kontrolliert im Verein, ob diese Erwartungen erfüllt werden. Scheinbar kaum jemand, sonst müßte sie eigentlich sehr viel kleiner sein!


    Nun gibt es seit einigen Jahren die DFB-Ausbildung zum Vereinsmanager. Sollte es nicht auch eine Ausbildung zum Jugend-Obmann geben, damit dieser ggf. die Rolle zur Kontrolle der Trainer wahrnehmen kann? Oder wer sonst im Verein sollte rechtzeitig einschreiten, bevor Kinder frustriert austreten. Es steht zu vermuten, dass ein vom Grunde her enttäuschtes Kind auch später kaum Interesse zeigt, zum Vereinsfussball zurück zu kehren.


    Sollte man nicht auch aufgrund des demografischen Wandels mehr Wert auf den Nachwuchsbereich legen, denn nur sie können die Zukunft der Vereine sichern?!?

  • Habe die Zusammenfassung der http://www.dfb.de/uploads/media/Dropout-im-Sport.pdf Studien gelesen.
    Ich finde man sollte daraus keine voreiligen Schlüsse ziehen.
    Die Anzahl der befragen Personen ist viel zu klein als das sie statistisch relevant sein könnte.
    Weiter dürften die Ergebnisse je nach Land, Landesteil, Stadt versus Dorf, Leistungsverein versus Spassmannschaft, Soziales Umfeld der Eltern, Schulerfolg etc. sehr unterschiedlich ausfallen.
    Natürlich ist der Trainer ausschlaggebend. Die Frage ist hier aber nicht geklärt, ob es wirklich die Persönlichkeit des Trainers ist, oder doch eher die Rahmenbedingungen (Ausbildung, Infrastruktur, Ambition, Kulturelle Durchmischung etc. des VEREINS) in denen der Trainer sich zu bewegen hat.


    Meine intuitive Beobachtung ist die, dass hervorragend geführte und finanziell gesunde Vereine zwar nicht über mehr "Human Potential" verfügt, aber bedeutend mehr daraus macht, und damit nicht nur viel weniger Abgänge hat, sondern im Gegenteil auch bei den 11-14 Jährigen noch Wartelisten für die Aufnahme haben (meist von Jugendlichen aus schlecht geführten Vereinen welche, wenn sie nicht in "gute" Clubs aufgenommen werden, in andere Sportarten abwandern) !
    Ich stelle auch regelmässig fest, dass ausgebildete Trainer in "guten" Clubs bedeutend mehr Erfolg (im Sinne dass sie von Spielern, Eltern und Kollegen positiv bewertet werden) verbuchen können, als wenn sie in maroden und rückständigen Vereinen arbeiten müssen.


    Aus Sicht der Spieler ist natürlich immer der Trainer schuld wenn's nicht läuft. Das Problem hier ist aber oft nicht (nur) der Trainer, sondern der Verein dahinter, von dem die Spieler aber selten was mitkriegen und dies deshalb auch nich beurteilen könenn.

  • @FB


    Eigentlich ist es doch typisch Deutsch, aufgrund einer schlechten Beurteilung erst einmal alles von sich zu weisen und den Anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben!


    Bei einer empirischen, wissenschaftlichen Ausarbeitung muß davon ausgegangen werden, dass der zu beurteilende Professor nur dann Analyseergebnisse zuläßt, wenn alle Voraussetzungen für die Stichprobenanalyse vorliegen! D.h., die von dir angeführten Punkte müssen auszuklammeren sein, weil dies sonst die Ergebnisse verfälschen würde.


    Dass die von dir beobachteten Punkte über die Rahmenbedingungen im Verein Einfluß auf Trainer und Kinder haben, bleibt trotz der Aussagen ja unbestritten.


    Hingegen müssen wir Trainer uns mit der fatalen Aussage, wonach wir in der Hauptsache für den vorzeitigen Austritt von Kindern ursächlich verantwortlich sind, auseinander setzen. Denn auf die Idee, die Kinder, die Eltern und Vereine dafür verantwortlich zu machen, sind sicherlich schon Andere vor uns gekommen!


    Wenn ich allein schon darüber nachdenke, was ich in meinen Anfängen als Trainer für einen Mist gemacht habe und sicherlich auch Kinder deshalb aufgehört haben! Jeder sollte sich auch mal an seine Nase fassen, statt die Schuld immer nur bei den Anderen zu suchen! Aber gerade die erfahrenen Trainer sollten gemeinsam mit den Jugendobleuten mehr darauf achten, das unerfahrene Trainer sorgfältig und behutsam auf ihre Aufgaben vorbereitet werden.


    Für mich steht fest, dass sich da etwas ändern muß! Denn auch wir Trainer tragen eine Schuld daran, dass der KIFU zwecks Verhinderung weiterer Gewaltexkalation eingeführt werden muß!


    Die von dir beschriebenen, nahezu idealen Vereinsrahmenbedingungen treffen m.E. für 2 - 3 % der deutschen Vereine zu und können deshalb weder eine Basis noch ein kurzfristig erreichbares Ziel bilden. Es muß jeder engagierte Trainer im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür etwas tun, dass es im Nachwuchsbereich besser läuft. Wenn denn ein junger Trainerkollege fortlaufend Bockmist macht, dann darf man nicht einfach wegschauen und sich sagen, damit habe ich nichts zu tun. Denn auch durch das Wegschauen macht er sich mitverantwortlich für den Dropout des Nachwuchses in seiner Umgebung!

  • TW-Trainer:


    In der Umfrage ist der Trainer zu 22 % schuld, oder nimmst Du hier die "Mannschaft" noch mit dazu, weil der Trainer hierfür verantwortlich ist?


    Aber Du hast natürlich Recht, jeder muss sich hinterfragen, ob er alles richtig macht. Selbstverständlich sollte man auch nicht wegschauen, wenn andere Fehler machen, egal ob erfahrener Kollege oder Jungspund ohne Erfahrung.


    Edit: Das kommt davon, wenn man lesefaul zuerst auf die Bilder guckt. Steht ja alles in der Studie. Ziehe meine Frage also zurück.

    "Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind."
    Terry Pratchett

  • Hab gerade mal bei anderen Sportarten spioniert.
    Die Dropout-Quote im Jugendbereich ist auch für das Groß der anderen Sportarten ein wichtiges Thema (Tennis, Leichtathletik u.v.m.)
    Teils mit sehr ähnlichen Erkenntnissen wie im Fußball.
    Da tut sich bei mir die Frage auf, was macht ein Dropoutler der sagen wir mal vom Tennis weg wollte und nun mit 12 Jahren Fußball beginnen möchte.
    Was können Vereine für diesen Typus tun?


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.