C-Jugend: Sprinttraining

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  • Hallo zusammen,


    heute das erste Spiel in der Rückrunde gehabt und leider verloren. Das schlimmste ist, dass wir gerade in den Laufduellen - auch körperlich - immer unterlegen sind. Typischer Angriff des Gegners: Stürmer flach oder hoch schicken und schon rennt unsere Abwehr nur hinterher, auch sonst verlieren wir viele Laufduelle. Weder steht unser TW nicht hoch, noch möchte ich mit Libero spielen, daher möchte ich gerade an der Schnelligkeit meiner Spieler arbeiten. Ich weiß, dass das ein langer Prozess ist und man solle alle Übungen mit einem Ball bei kurzen Intervallen in jedem Training absolvieren. Allerdings möchte ich effizient an der Schnelligkeit unserer Spieler arbeiten, d.h. ich lehne nicht "langweiliges" Sprinttraining ab - also auch ohne Ball. Bisher habe ich wenig an der Schnelligkeit meiner Spieler gearbeitet. Laufschule über Minihürden (Koordination) sowie 1 vs 1 veranstalte ich in jedem Training. Ferner möchte ich mich 20 Minuten nur dem Schnelligkeitstraining (keine Handlungsschnelligkeit etc.) widmen.


    Schickt mir Übungen sowie Tipps, Konzepte, die in kurzer Zeit die Schnelligkeit meiner Spieler enorm verbessern!


    7Heby

    "Don't forget to love your haters. They keep you motivated."

  • Hallo Heby!


    Sind denn deine Spieler genauso alt wie die Gegner? Wir haben das gleiche "Problem", allerdings weil wir mit jahrgangsjüngeren Spielern spielen und daher entsprechende altersbedingte Nachteile haben. Wir haben das bei uns jetzt kompensiert, indem wir generell tiefer verteidigen, d.h. das wir meistens erst ab ca. der Mittellinie mit den Stürmern angreifen und den Gegner kommen lassen. Als wir zu Saisonbeginn versuchten, höher zu verteidigen ging das genau mit den von dir geschilderten Situationen in die Hose...


    Generell ist ja die Schnelligkeit im Vergleich zu anderen konditionellen Fähigkeiten wie Ausdauer und Kraft nur sehr bedingt trainierbar! Insofern weiß ich nicht, ob es so viel bringen wird, dass die vorhandenen Schnelligkeitsdefizite ausgeglichen werden können. Unter Umständen macht es also mehr Sinn auf die taktischen Komponenten wie Stellungsspiel (z.B. Fallen lassen der 4er Kette bei einem sich andeutenden langen Ball des Gegners) einzugehen um das Problem in den Griff zu bekommen...


    Grüße


    José

  • José-Mourinho


    Ja, wir haben teilweise auch altersbedingte Nachteile. Meistens spielen wir mit 5 aus dem jüngeren Jahrgang (6 aus dem älteren Jahrgang). Der jüngere Jahrgang ist körperlich klar benachteiligt. Die Spieler aus dem älteren Jahrgang sind teilweise auch nicht körperlich gebaut wie die gegnerischen Spieler, jedoch würde Krafttraining kaum etwas bringen (allein abhängig von der Größe).


    Wir spielen Mittelfeldpressing im 4-2-3-1, d.h. unser Stürmer läuft erst ab dem ersten Mittelfeldkreis in der gegnerischen Hälfte an. Über Außen werden wir kaum geschlagen, dort stimmt die Zuordnung und das Pressing. Leider lassen wir im Zentrum zu viel Platz zu, wenngleich wir mit 2 6ern und einem 10er spielen. Ich glaube, die 6er und der 10er wissen noch nicht ganz, wie sie sich verhalten sollen - evtl. weiß ich es auch nicht richtig!? Lange Bälle vom Gegner fangen wir auch gut ab (Fallen lassen, Absichern). Unser Problem ist, dass der Gegner zu viel Platz im Zentrum hat, sprich der 10er hat die Zeit die Lücke in der 4er-Kett zu suchen und der Stürmer startet perfekt und steht folglich alleine vor unserem Tor. Öfters starten unsere IV zeitgleich, verlieren aber das Laufduell. Daher möchte ich an der Schnelligkeit arbeiten, oder sollte ich lieber taktisch bessern zu stellen? Wie? 6er eine Manndeckung vorschreiben?


    Freue mich auf Tipps - gerne zur Taktik beim gegnerischen Ballbesitz im Zentrum, oder weiterhin zum Sprinttraining!


    7Heby

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  • Meine beiden Söhne gingen mal für 3 Monate ins Leichtathletiktraining wo so einen hervorragenden Coach hatten der ihnen ganz viel über Haltung, Fussstellung, Ablauf der Bewegung, etc. gezeigt hat. Sie sind nicht sehr viel gelaufen, aber haben die selben Startbewegungen und die ersten paar Meter immer wieder gemacht, mit Kollegen beobachten und beurteilen und sogar einmal mit Video.
    Nach diesen 3 Monaten ware beide um eine Klasse schneller, sowohl auf den ersten paar Metern wie auch bei 20-30 Sprints mit und ohne Ball.
    Ich denke auch in der "C" bringt richtige Koordination und Haltung viel mehr als 1000 Sprints mit der falschen Technik.

  • Generell ist ja die Schnelligkeit im Vergleich zu anderen konditionellen Fähigkeiten wie Ausdauer und Kraft nur sehr bedingt trainierbar!


    der ihnen ganz viel über Haltung, Fussstellung, Ablauf der Bewegung, etc. gezeigt hat.


    dies muss man schon differenzierter betrachten.


    die anatomisch vorgegebene Grundschnelligkeit eines jeden, ist nur in geringem Masse zu verbessern. diesbezüglich stimme ich Mourinho
    zu.


    FB weist aber auf einen für mich sehr bedeutenden Punkt hin. die Technik des Laufens. hier gibt es einen erheblichen
    Verbesserungsbedarf und auch wesentliche Verbesserungsmöglichkeiten, ähnlich der Technik der Ballbehandlung.


    Für mich wird das gerade im Kinderfussball stark vernachlässigt, bedingt auch deshalb, weil hier die entsprechende Ausbildung fehlt.
    (geschieht dazu eigendlich was in der Trainerausbildung?)


    Laufen ist halt out. dabei kann man hier enorm viel erreichen, schon in relativ kurzer Zeit. durchaus auch unter Einbeziehung des Balles. FB hats beschrieben.


    Habs schon mal geschrieben, dass ich einen Leichtahtletiktrainer zum Training hinzugezogen hatte.
    Kann ich jedem nur bestens empfehlen. Da lernt man selbst noch einiges dazu, das man später im Training einbauen kann.


    gg

  • Nun, es gibt ja hier zwei Aspekte, einerseits den taktischen, andererseits den physischen. Du wirst beide unabhängig voneinander behandeln müssen. Was die Sprintfähigkeit anbelangt, so gibt es sicherlich gewisse erbliche Faktoren, dein Ziel muss es aber dennoch sein, aus jedem deiner Spieler heraus zu kitzeln, wozu er in der Lage ist. Wichtig dabei sind Reaktionsvermögen und Explosivität. Für die Explosivität sollten praktisch alle Formen des Hüpfens gut sein. Dazu ist noch die richtige Körperhaltung wichtig, d.h. eine mit tiefem Schwerpunkt, den man erreicht, indem man die Beine leicht anwinkelt und den Oberkörper leicht nach vorne beugt. Die Hände kommen zur Verringerung des Hebelarms auf Bauchhöhe, zur Verbesserung der Stabilität werden die Arme leicht angehoben. Das Gewicht befindet sich auf den Fußballen, nicht auf den Fersen. Der ganze Körper steht unter mittlerer Spannung.


    Beim explosiven Start sollten unbedingt zunächst möglichst kleine Schritte gemacht werden. Da man in Laufduellen mit ballführenden Gegnern abrupt abstoppen oder rasch die Richtung wechseln können muss, sollte man ohnehin versuchen, mit einer möglichst hohen Schrittfrequenz laufen zu können. Beim Laufen sollte der Oberkörper leicht nach vorne gebeugt oder aufrecht sein, jedoch nicht nach hinten gebeugt, da letztere Haltung Richtungswechsel erschwert.


    Kommen wir zum Taktischen. Du schreibst, dass Ihr trotz 4:2:3:1 durch das Zentrum verwundbar seid. Das sollte eigentlich nicht passieren, da Ihr dort ja vier Spieler habt: beide Sechser und die Innenverteidiger. Den Zehner lasse ich mal außen vor, seine Aufgabe besteht ja, wenn er überspielt ist, hauptsächlich darin, nach hinten zu doppeln, was aber nur geht, wenn die Sechser den Angriff erfolgreich bremsen können. Darum geht es also, dass deine Sechser den gegnerischen Angriff bremsen, es klingt nämlich so, als schnitten die Gegner durch Euer defensives Mittelfeld wie das sprichwörtliche heiße Messer durch die Butter.


    Wie agieren deine Sechser? Grundsätzlich müssen sie ja gemeinsam, d.h. als Pärchen verteidigen: der Secher, über dessen Seite der Angriff kommt, stellt den ballführenden Gegner und lenkt ihn entweder nach außen, wo MA oder AV doppeln können, oder zum zweiten Sechser. Der zweite Sechser sichert schräg hinter dem attackierenden Sechser ab. Die Viererkette verringert die Abstände und verdichtet das Zentrum. Wichtig dabei ist, dass der Abstand zwischen der Abwehrkette und der Doppelsechs nicht zu groß ist. Hier dürfen gegnerische Spieler nicht die Möglichkeit haben, sich mit dem Ball aufzudrehen. Die Innenverteidiger bleiben im Zentrum, dabei achtet der weiter vom Ball entfernte IV auf den gegnerischen Stürmer, wenn er sich zwischen den IV befindet -- da der andere IV ihn im Rücken hat, kann er das auch nicht. Der vordere IV tritt lenkend auf, der hintere muss darauf achten, den Abstand zu seinem Partner nicht zu gering werden zu lassen, ggf. das Abseits nicht aufzuheben, dazu muss er wissen, wo sich der gegnerische Stürmer befindet, solange sich dieser zwischen ihm und dem anderen IV befindet. Bewegt sich der Stürmer in den Rücken des ballfernen IV, so muss der AV 'übernehmen' -- er nimmt ihn nicht in Manndeckung, reduziert den Abstand aber so weit, dass er ihn hoffentlich bereits bei der Ballannahme effektiv stören kann.


    Du schreibst, Euer Problem sei, dass der Gegner zu viel Platz im Zentrum hat. Woran liegt das? Wie agieren deine Sechser? Sie müssen sich als Duo begreifen, von denen immer einer drauf geht, während der andere sich passend platziert und anschließend, wenn der Gegner nach innen gelenkt wird, doppelt. Die IV müssen das als Signal verstehen, etwas aufzurücken und die Mitte zu verdichten, während die AV schnell außen zurück sprinten, um ihre Positionen in der Kette einzunehmen und die Passwege nach Halbaußen zu verhindern.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Vielen Dank für Eure Antworten!


    tobn, danke für deine Zusammenfassung zum Taktischen. Ich sehe das genauso, dass wir gerade im 4-2-3-1 eine Überzahl im Zentrum haben und möchte, dass meine Spieler die Dominanz im Zentrum im Spiel auch umsetzen. Vermutlich habe ich zu wenig zum Zentrum zu meinen Spielern gesagt bzw. Übungen zu diesem Punkt veranstaltet. Kennt Ihr Übungen, die diesen Ablauf (6er attackieren, IV schieben zusammen) simulieren?


    Oft haben die Gegner Platz in Zentrum, da unsere 6er den Ball zu leichtfertig in der eigenen Hälfte verlieren. Ich hoffe es insofern abgestellt zu haben, indem ich vorschreibe, nur 1 vs 1 suchen, wenn ein 6er vom anderen abgesichert wird, sprich bei Ballverlust sofortiges Gegenpressing.

    "Don't forget to love your haters. They keep you motivated."

  • Wesentlich für eure Probleme ist wohl die Tatsache der Ballverluste beim Spielaufbau.
    Dafür gibt es verschiedene Lösungen, mit denen man reagieren kann:


    1) Ich versuche, den möglichst ungefährlichen Balltransport in das letzte Spielfelddrittel mit einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu erklären. Je weiter hinten du in ein 1v1 gehst, um so schlechter die Bilanz... Du kannst hinten mit einem gewonnenen Offensivzweikampf wenig gewinnen (fast die komplette gegnerische Mannschaft ist noch hinter dem Ball) und viel verlieren (bei Ballverlust marschiert der Stürmer allein durch). Vorne ist das umgekehrt.


    2) Ich trainiere speziell für die Zentralspieler das Dribbling auf "Ball halten", das aus verschiedenen Elementen besteht:
    a) Ballannahme GEGEN die Laufrichtung des attackierenden Gegenspielers (lässt sich Trainieren im Überzahlspiel mit >= 3 Pflichtballkontakten)
    b) Ballführen mit dem gegnerfernen Fuß (Trainingsform: Ball rausschießen im Hütchenquadrat, variante: Ball des anderen mit dem eigenen Ball rausschießen (Billard). Auch gut: 2er Pärchen postieren sich hintereinander (wie ein Tunnel oder Spießrutenlaufen -> ::::::::::::::: ) einander gegenüber, ein Spieler dribbelt durch und versucht, den Bällen auszuweichen, indem er den Ball sicher führt und das Tempo variiert)
    c) Richtungsänderungen mit dem gegnerfernen Fuß (Innenseite, Außenseite, Sohle, hinter Standbein) (Trainingsform: 5-6 Spieler mit Ball, 3-4 ohne Ball, wer nach 2 Min ohne Ball dasteht verliert die Runde. Oder: Hütchentore kreuz und quer im Raum verteilen, 2 Spieler machen Koordinationsübungen mit Ball, auf Startsignal gewinnt der Spieler, der zuerst durch 4 Tore (hintereinander oder insgesamt) dribbelt, der Gegenspieler probiert, ihm den Ball abzunehmen und selbst durch 4 Tore zu dribbeln, die Vielzahl der Tore garantiert viele Möglichkeiten und Richtungen, durch die man entwischt)


    Dadurch lernen auch die kleineren, aber technisch versierten Spieler, dass sie im zentralen Spielfeld auch für körperlich überlegene und schnellere Gegenspieler nie zu fassen sind, wenn sie gegen seine Laufrichtung mit dem gegnerfernen Fuß und vielen Richtungsänderungen arbeiten. Das führt dann auch zu mehr Selbstbewusstsein und weniger gegnerischen Kontersituationen, in denen der Gegner seine Schnelligkeit ausspielen kann.


    Hoffe, das hilft ein bisschen :)

  • Ist es nicht so, dass nach vorn die flüssige Bewegung inkl. Tempovarianz den Ausschlag gibt, defensiv es aber oft am Vermögen zu fklüssigen Richtungswechseln und Haken bzw. deren Antizipation beim Gegner (mündend im angepassten Stellungsspiel) hapert? "Schnell" liegt dann der Abwehrspieler ein, zwei Meter hinten, was er bei geschicktem Kreuzen seines Laufweges gegen den Stürmer nicht mehr kompensieren kann, obwohl dieser eben den Ball führen muss. Natürlich ist die reine Antritts- o. Laufschnelligkeit nie von Nachteil, doch ab nem gewissen Punkt (der Körperkoordination wie des Muskelaufbaus: in 3 Monaten LA-Training sicher ganz gut optimierbar) nur marginal verbesserbar. Da ich dies nicht systematisch beobachtet habe, wäre es interessant zu erfahren, wie dies angesichts des allg. "Tempokultes" bei den Profis real aussieht: Was macht Tempo in Antritt, Lauf und Handlung letztlich aus? Gibt es studierbare langsame (Abwehr-)Spieler als Vorbilder, die sich schnellerer Offensivspieler gut zu erwehren wissen? Wie wäre zB Badstuber zu beurteilen, der ja m.W. nicht unbedingt der schnellste war? Spielt mentale Präsenz oder der Wille auf dem Platz da auch eine größere Rolle, indem der Wimperschlag Lässigkeit, Zögern, Aufblicken des Offensivspielers konsequent genutzt wird? Aufgrund welcher Praxis also kann man Tempodefizite kompensieren, ist dieser Ansatz nicht zielführender, als die letzten Hundertstel Milisekunden zu optimieren?

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • schaut ihr eigendlich nicht mal über den Tellerrand?


    gerade wenn es um Themen des Laufens geht, hat man im Leichtathletikverband sicherlich in der Ausbildung spezifizierters Wissen.


    Dort mal nachzulesen erweitert nicht nur den eigenen Horizont, es lässt sich auch das ein und andere sehr wohl gewinnbringend
    für den Fussball nutzen.


    Lege ich das Schnelligkeitstraining hier jetzt so aus, dass es um die reine schnellere Laufverbesserung eines Spielers geht, und
    nicht um Spielschnelligkeit (das sind 2 grundverschiedene Dinge) gibt es dort Informationen, die man selbst in diesem Forum nicht bekommt.


    ich kann jedem nur empfehlen, sich mal die Zeit zu nehmen und im Internet dementsprechend rumzustöbern.


    Bringt mindestens genausoviel wie das 5. Buch über Taktik sich zu Gemüte führen.


    verfolge derzeit die Entwcklung eines durchschnittlichen Fussballers von D bis jetzt B, der zusätzlich zum Fussballtraining
    1mal die Woche ins Leichtahtletiktraining geht. Laufverhalten, Bewegungsabläufe, Koordination haben sich sichtbar besser entwickelt, als das seiner Mannschaftskameraden.
    gg

  • @7Heby
    In deinem Profil weist du dich als C-Jugendtrainer aus.


    Hier eine nicht vollständige Aufzählung einiger körperliche Merkmale von männlichen C-Jugend Spielern:
    1. viele Spieler haben noch einen Kinderkörper
    2. starkes Längenwachstum zuerst der Extremitäten (Hände, Arme, Füsse usw.)
    3. extrem schlanke und noch nicht dem schnellen Wachstum des Skelettes angepasste Muskulatur


    Wenn ich nur diese 3 Punkte betrachte dann kann ich mein Training danach ausrichten. Achtung, es gibt in dieser Alterstufe aber auch schon körperlich sehr weit entwickelte Kinder. Das sind dann meist nur 2 oder 3 Spieler. Diese Spieler betrachte ich jetzt nicht, bin mir aber bewusst, dass ich diese Spieler schon etwas anders trainieren kann.


    Zu Punkt 1. Kinderkörper reagieren auf isoliertes Schnelligkeitstraining nur bedingt. Die Sportmedizin geht davon aus, das man Kinder durch gezieltes Sprinttraining nur um bis zu 1 bis 3 % schneller auf gerade Sprintstrecken bekommt. Allerdings finden hierzu gerade umfangreiche medizinische Untersuchungen statt. Vielleicht wir hier demnächst die laufende Schulmeinung gekippt.


    Ich gehe von der jetzigen Lehrmeinung aus. Wenn ich Kinder in dieser Alterstufe nur um 1 bis 3% körperlich schneller auf Sprintstrecken (symetrische Geschwindigkeit) bekomme, lohnt sich ein isoliertes symetrisches Sprinttraining überhaupt?
    Für mich ein ganz klares NEIN, da Fußballer keine symetrischen sondern asymetrischen Sprinter (ständige Richtungs-, Rhytmus-, Gleichgewichts-, und Geschwindigkeitsänderungen) sind. Wir sind halt keine gerade aus Läufer.


    Zu Punkt 2. Durch das extreme Längenwachstum ist es den Kindern/Jugendlichen nicht möglich rhytmische Bewegungen, die unerlässlich für das Sprinten sind, auszuführen.
    Deshalb hier für mich auch ein klares "Nein" für isoliertes Sprinttraining. Hier müssen wir als Trainer, wie du es richtig beschrieben hast, ganz viel Koordinationsttraining anbieten, damit die Jungs ihre koordinativen Fähigkeiten wieder erlangen und verfestigen.


    Zu Punkt 3. Die schlanke Muskulatur ist immer ein Zeichen, das noch kein starkes Muskelwachstum bei den Spielern eingesetzt hat. Das Muskelwachstum beginnt erst mit dem Testosteron-Einschuss.
    Diesen kann man gut an den breiten Schultern und den wachsenden Oberschenkeln erkennen. Schnelligkeitstraining ist auch immer abhängig vom Muskeltraining. Wenn ich aber keine Muskeln trainieren kann, weil noch kein Testosteron-Einschuss erfolgt ist-- warum sollte ich dann isoliertes Sprinttraining durchführen? Auch hier bist du mit deiner Laufschule absolut richtig. Google nach dem Lauf-ABC und du findest viele Übungen, die du mit deine pubertierenden Kinder durchführen kannst.


    Aus diesen 3 Gründen ziehe ich es vor, gezieltes Sprinttraining erst ab der B-Jugend zu trainieren. Mir wäre die Zeit einfach zu kostbar, als das ich auch nur eine Minute für isoliertes symetrischen Sprinttraining in der C-Jugend verschwende. Für mich gehört das Training aller Kopfgeschwindigkeiten unabdingbar in das C-Jugendtraining.


    guenter


    Vor 30 bis 40 Jahren haben viele Profitrainer über den Tellerrand geschaut und sich Sprinttrainer aus der Leichtatletik geholt. Damals waren die Fuballtrainer wirklich betriebsblind. Die Profis wurden tatsächlich viel schneller im symetrischen Sprint allerdings verstolperten sie jetzt viel mehr Bälle (Peter Briegel-Effekt). Bis auf viele theoretische Abhandlungen ist von den reinen Sprintrainern nicht viel rüber gekommen.
    In der heutigen Zeit haben die Koordinationsttrainer den Leichtathletik-Sprinttrainer verdrängt, bzw, ersetzt. Verheijen und Verstappen sei Dank.
    Natürlich ist es immer noch besser eine Spezialisten zu holen, sofern er denn greifbar ist, als völlig auf Spezialtraining zu verzichten, weil man selbst nicht in der Lage ist es zu schulen.

    Ein Kind trainieren heißt nicht, eine Vase zu füllen, das heißt, ein Feuer anzuzünden

    Einmal editiert, zuletzt von Dirk Coerverfan ()

  • Hatte leider in den letzten Wochen einige Baustellen zu beseitigen, daher wieder Zeit, mich meinen Themen zu widmen. Ich bedanke mich bei den ausführlichen Antworten!


    Kurz gefasst: Ich habe weiterhin Koordination, Reaktionsschnelligkeit, Handlungsschnelligkeit und Sprints nur mit Ball trainiert. In einigen Spielen musste ich schon feststellen, dass einige Spieler aus meinem Team langsamer waren, jedoch fiel der Großteil der Tore, da das Stellungsspiel schlecht war (taktischer Inhalt). Daher bin ich noch mal auf das Fallen etc. der 4er-kette eingegangen, damit die Stürmer nicht mehr hinter unsere Abwehr alleine vor´s Tor kommen. Zweitens habe ich einen sicheren Balltransport nahegelegt.


    7Heby

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