Praxis von Mental-Training: Fälle, Fragen, Probleme, ditt un datt...

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  • Ich hätte da auch mal eine Frage an die Mentalexperten. ;)


    Wir (U13) hatten am Wochenende Hallenturnier, zehn Mannschaften, wir als vierte Mannschaft des Ausrichters. Wir verloren knapp und eigentlich unverdient gegen unsere eigene D1, nach dem Spiel Lob und Aufmunterung. Dann gewannen wir knapp aber verdient gegen die zweite Mannschaft der örtlichen Konkurrenz, in der Folge Lob.


    Anschließend verloren wir verdient mit 1:2 gegen eine deutlich schwächere Mannschaft (den späteren Letzten), danach deutliche Kritik wegen hochnäsigen Larifarispiels.


    Das letzte Spiel gewannen wir mit einer bravourösen Leistung 2:1 gegen eine klassenhöhere Mannschaft, euphorischer Jubel und selbstverständlich verdientes Lob für die Mannschaft.
    Wir standen nun im Halbfinale gegen den späteren Turniersieger, verloren chancenlos, haben uns aber tapfer gewehrt. Nach dem Spiel also Aufmunterung und Lob fürs Spiel.
    im Spiel um Platz drei verloren wir knapp und unglücklich durch ein Tor kurz vor Schluss. Die Leistung war absolut in Ordnung, ein wenig glück hätte uns ins Siebenmeterschießen gebracht. Also nach dem Spiel Aufmunterung und Lob für die Spielweise und ein insgesamt großartiges Turnier.


    Die Reaktionen waren allesamt ehrlich von uns Trainern und angemessen der Spielweise der Mannschaft. Nun beklagten sich aber drei Spieler, weil "wenn wir gut gespielt hätten, dann hätten wir gewonnen". Wir haben nur kurz darüber diskutiert, habe den Spielern gesagt, dass wir es so gesehen hätten und wir unsere spieler nicht anlügen wollen.


    So, danke fürs Lesen, jetzt kommen die Frage. Wäre es sinnvoll, das Ganze beim nächsten Training nochmal anzusprechen.? Oder besser auf sich beruhen lassen, Enttäuschung nach einem so verlorenen Spiel ist ja eigentlich auch in Ordnung.
    Hätten wir nach dem letzten Spiel eher kritisieren sollen oder vielleicht auch mal gar nichts sagen?


    Danke für Eure Antworten.

    "Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind."
    Terry Pratchett

  • die antwort nicht vom mentalexperten, sondern nur vom trainer aus der praxis ;)



    meiner erfahrung nach können sich die jungs in dem alter schon ganz gut selber einschätzen und haben auch spaß am gewinnen, was die enttäuschung dementsprechen halt auch mitsich bringt, wenns knapp nicht geklappt hat. alles nur immer zu loben (auch wenns mode zu sein scheint) bringt die jungs auch nicht weiter, weil es nicht mit ihren empfindungen zusammen passt.


    ich würde es beim nächsten training auf jeden fall nocheinmal ansprechen, und auch begründen, warum ihr sie 'nur' gelobt habt, ihnen quasi eure prioritäten für das turnier klar machen, vielleicht können die jungs das dann auch besser einordnen.
    wenn du den jungs nach so einem spiel/turnier eine nicht all zu überzogene kritische 'selbsteinschätzung' abringen kannst, kannst du dich auch getrost aufs loben beschränken und es haben alle was davon ;)
    mir hat mal ein neu zu uns gekommener c-junior in ähnlicher situation gesagt "mein vorheriger trainer hat uns nach solchen spielen echt zusammengefaltet, aber das hat meist gewirkt"..............

  • DSV


    Danke für Deine Antwort,


    wir haben aber nicht nur gelobt, sondern auch kritisiert, wo es angebracht war. Hast Du vielleicht überlesen?
    Während der Hinrunde gab es Lob für gutes Spiel bei Niederlagen, die zwei größten "Zusammenfaltungen" :D aber nach Siegen.


    Ich bin auch der Meinung, dass man nur loben sollte, wo es angebracht ist.


    Du lässt Deine Spieler also erstmal selber reden? Wäre mal einen Versuch wert.

    "Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind."
    Terry Pratchett

  • dann hatte ich das mit der kritik wohl überlesen - sorry-


    schien den jungs aber wohl nicht stark genug gewesen zu sein ;)


    ja, ich lasse die jungs oft erst einmal selber was sagen (mache ich seit der d jugend so), besonders wenn ich merke, das es spannungen im spiel gibt und vor allem der zusammenhalt nicht recht passt. dabei ist der capitän, oder einer der führungsspieler meist mein erster ansprechpartner und ich fordere sie auf sich zu äussern.
    ich mache das auch, weil die jungs oftmal eine völlig andere sichtweise haben als ich. und ich auch wissen will, wo ich sie 'abholen' muß um ihnen wieder die richtige richtung vorzugeben (oder sie machen das sogar alleine).


    gruß

  • "Experte" will ich nicht sein, aber informationsinteressiert. Echtheit (Ehrlichkeit/Authentik/Leidenschaft/Präsenz) der Trainer spüren Spieler, ist am wichtigsten, um etwas zu bewirken: der Ruhige schweigt o. nickt nur, der Redselige erzählt halt schon mal Geschichten. Zuviel "Fremdkommentieren" sehe ich kritisch. Kleine, konkrete Tipps werden aber meist direkt aufgenommen. Doch schon kleine Korrekturen an Spielweise und im Kopf bewirken oft in der Spitze der komplexen Spielleistung hohe Defizite (nach Ferrauti), daher besser fragen und reden lassen (baut auch nicht erfolgreich abgebaute, aufgestaute Energien der Spieler ab, sofern im Teamgeist: nicht negativ gegen andere gerichtet - so wird die Energie positiv umgewandelt). Wer viel sich interaktiv äußern = agieren darf, erkennt eher sich selbst als der, der zuhören = re-agieren soll/muss. Pro-aktives Fragen kann dann in die nötige Richtung führen, zwanglos. Spielpausen dienen vor allem der Sammlung, sie benötigt erstmal Ruhe zur Selbst-Verarbeitung (Freiheit dazu) statt Impulse von außen (gab's genug im Spiel). Auf-Muntern ist weder Lob noch Tadel oder Kritik, fordert keine Verarbeitungsenergie, weckt nur, ist daher am positivsten kurz vorm Start (daher die "Kreisbildung" zum Schlachtruf, der aber nicht nur ein "Rausschreien" vondanach eher erschöpfter Energie sein darf, sondern ein Sich-Hineinschreien in die Interaktivität als erste Teamaktion mit Power). Also in Pausen alles vermeiden, was übers nötige Ruhen-in-sich in Passivität versetzt (Lob wie Tadel), ein "kollektiv einträchtiges Mist"-Brüllen ist zwar wenig konstruktiv, aber rein emotional, kann so eher Kraft in Gang setzen als "Inhalt".


    Bedeutungsschwangere Inhalte gehören im Training beigebracht, können in Spielphasen nur per Signal abgerufen werden: wo dies nicht klappt, ist im Training nachzubessern, da es noch nicht automatisierend fruchtete. Im Spiel belastet extrinsich motiviertes Verstehen, kann man also wenig tun (HZ-Ansprachen dienen mehr dem Energiestau-Abbau u. Hilfe-Fantasien von Trainern als Spielern, wurde erwiesen: ohne HZ-Ansprache spielen Teams besser, sammeln u. organisieren sich selbst präsenter!). Wo das Abrufen nicht klappt, vielleicht noch mal kurz erinnern, aber meist ist dies zwecklos, da Spieler zu involviert und aufgeregt sind. Was nicht von selbst kommt, würde im bewusst angestrengten Vollziehen andere Defizite nach sich ziehen, zB wenn ein Team auf Aufforderung leidenschaftlich kämpft o. die Taktik offensiv umstellt, dann aber die Präzision o. Ordnung nach hinten fehlt und der Gegner im entscheidenden Konter eiskalt zuschlägt, den Sack zu macht. Wichtig nur: wenn es einmal läuft, unbedingt laufen lassen, nicht auf "Vorsprunghalten" umschalten, wie es ja noch ständig in der Bundesliga praktiziert wird. Da verliert man den Faden, kommt aus seinem Flow raus, macht den Gegner stark: ihm und dem Spiel ist dies zu gönnen zwecks Spannung, aber nicht unser Wollen (vgl. auch FIFA-Kodex mit entsprechender Passage). Relativer Erfolg wie in deinem Fall gibt mittelfristig immer Recht, du dürftest es also besser wie viele Kollegen machen, aber Luft nach oben gibt's bekanntlich immer. Vllt ist eine Anregung für dich dabei... :]

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Es ist oft das Bild, das sich jemand von einem anderen macht. Wenn die Mannschaft der Meinung ist, dass sie das locker hinbekommt, kann es schon mal zu Ausfällen kommen, weil die gegnerische Mannschaft sich natürlich besonders anstrengt. Deswegen ist es ja so wichtig, immer die Konzentration hin zum Spiel aufrecht zu erhalten. Auch durchaus den Gegner mal beschreiben, worauf der sich jetzt vorbereiten könnte, wie der dortige Trainer jetzt mit der Mannschaft arbeiten könnte, wo er die Schwachpunkte Eures Spiels oder eines Spielers sehen könne.
    Es ist doch sicherlich auch bei Euch üblich, dass man die Spielweise des Gegners kennt und die eigene Mannschaft darauf vorbereitet.
    Ich sehe das so: Ein Spiel wird "abgehakt" und sich auf das neue vorbereitet. Vieles von sicherlich berechtigter Kritik könnte auch eine gegenteilige Wirkung haben: Die Erlebnisse könnten sich als Stein auf einem Weg herausstellen, der nicht so einfach wegzukicken ist. Die Jungs erinnern sich und könnten Angst haben, den gleichen Fehler noch einmal zu machen (dabei machen sie dann neue Fehler). Unsicherheiten treten auf. Manchmal erinnern sie sich auch nicht mehr so deutlich an die Situation, die Du kritisch beschreibst.
    Du solltest Dich entscheiden: Entweder sagst Du gleich, was Dir auf dem Herzen liegt oder Du verschiebst die gesamte Manöverkritik auf das nächste Training.

  • @Kicker,


    an der Spielweise wird im Training gearbeitet, da bin ich mit Dir ganz einig. Mein Kollege und ich sind auch eher die ruhigeren, schreien selten rein. Wir kommentieren ganz gerne gelungene Spielzüge mit Beifall. Ein Spieler hat auch schon zweimal verlangt, wir müssten doch reinrufen beim Spiel, wie es z. B. Trainer XY von der anderen Mannschaft tut. Wir haben ihm gesagt, dass wir im Training üben, und wir sie für fähig halten, selbst zu entscheiden, wo sie hinspielen sollen, ob sie schießen oder passen sollen oder den freien Gegenspieler sehen. Auch unsere Eltern sind da vorbildlich.


    In der Halbzeitpause (bei dem Turnier gabs sowas natürlich nicht) lassen wir die Spieler zur Ruhe kommen, sagen ein paar Worte und der Rest ist Schweigen.
    Sehe ich auch so, dass man die Spieler nicht totreden sollte.


    zum "leidenschaftlich kämpfen" müssen meine Jungs nicht aufgefordert werden, und wenn es knapp gegen uns steht, werden sie offensiver. Das ist in Ordnung, machen wir den ausgleich, umso schöner, fangen wir den Konter, dann haben wir es wenigstens versucht. Die Kinder sind elf, zwölf Jahre alt, die pressen wir in kein taktisches Konzept, die sollen Fußball spielen.


    Die Anregung, erstmal die jungs sprechen zu lassen, die ja auch schon von DSV kam, werde ich auf jeden Fall mal aufnehmen.

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    Terry Pratchett

  • Mentala


    Dass sich grad bei Mannschaften, wo die eine der Favorit ist, wahnsinnig viel im Kopf passiert, ist mir klar. Vor dem Spiel gegen unsere D1 habe ich den Jungs (die alle sehr nervös waren) auch gesagt, wir sind der Außenseiter, wir haben nichts zu verlieren, wenn wir verlieren ist es normal, wenn nicht, sind wir die Helden. Selbst, wenn wir gut spielen und knapp verlieren sind wir die Helden. Sie haben losgelegt wie die Feuerwehr und ein großes Spiel geliefert.


    Allerdings ist es bei uns zumindest in der Hinrunde und bei Turnieren selten so, dass man die Gegner kennt. Die Mannschaften wechseln von Jahr zu Jahr, Trainer wechseln, man spielt vielleicht noch in einer neuen Gruppe. Die Gegner sieht man meistens erst, wenn sie auf dem Platz stehen. Der einzige Anhaltspunkt den man hat, sind oft Tabellenstand oder Ergebnisse. Deshalb richte ich auch nie die Taktik auf die Gegner aus, sondern lasse so spielen, wie die Mannschaft es kann. Wir spielen unser Spiel, manchmal stellt man dann in der Halbzeit ein wenig um.
    Kritik nach Spielen oder auch in der Pause richtet sich hauptsächlich auf arrogantes Spiel oder Herumstehen. Fehler oder schwächen versuchen wir im Training abzustellen oder zu verbessern. Es herrscht auch das Prinzip, dass jeder Fehler machen darf, wir Trainer machen Fehler, die Spieler machen Fehler. Und wir und sie dürfen das auch. es gibt keine vernichtende Kritik, schon gar nicht am einzelnen.


    Die Manöverkritik, die ich meinte, bezieht sich auf, "wir haben verloren, aber ihr habt ein tolles Spiel gemacht..." Kurz und knapp. Nach besonders guten Spielen klatsche ich auch manchmal nur Beifall.


    Auf eben dieses Lob haben drei Spieler negativ reagiert, eine meiner Fragen war, ob ich darüber nochmal mit ihnen reden sollte.
    Das Turnier ist vorbei, jetzt schauen wir nach vorn. :)

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    Terry Pratchett

  • @paulwurf


    für mich wäre das kein Thema im nächsten Training, erst recht nicht vorm nächsten Turnier


    die 3 Jungs haben ja aus ihrer Sichtweise recht. warum darauf eingehen?


    was direkt nach einem Spiel gesagt wird, zählt für mich als nicht gesagt. da spielen noch zuviel Emotionen mit eine Rolle. Ausnahme es wird jemand direkt
    angegriffen, da muss man natürlich einschreiten.


    für mich als Trainer auch ein Grund, warum ich nach einem Spiel nur ganz kurz in der Kabine war, wenn überhaupt.
    in meiner Zeit als aktiver Spieler hat der Trainer nach dem Spiel in der Kabine auch nur genervt.
    der Emotionen wegen fallen da schon Sachen, die nach dem Duschen vergessen sind.


    auch bin ich der Meinung, dass man als Trainer nicht auf alles reagieren muss, man kann durchaus auch mal was stehen lassen.


    was willst du eigendlich da gross zum Thema machen? Unterschiedliche Ansichten über ein Spiel? die betroffenen Jungs interessiert doch ihre Aussage nach dem Spiel im nächsten Training nicht mehr.


    ich würde beim nächsten Training kurz erwähnen, dass du als Trainer insgesamt mit dem Turnier zufrieden warst. mehr nicht.
    dann zum Normalen( z.B.evtl. Verbesserungsmöglichkeiten ansprechen) übergehen.


    du bist in erster Linie Trainer, der zwar auch etwas psychologisch vorgehen muss, aber kein Psychologe, der nebenbei auch Trainer ist.



    Anders sieht es aus, wenn der Vorgang sich wiederholt. dann musst du ein Gespräch mit den Dreien und mit der Mannschaft darüber führen,
    was deine und deren Vorstellungen über eine gute Leistungen sind.


    gg

  • guenter


    Danke.
    Mir ist schon klar, dass ich kein Psychologe bin, deshalb frage ich ja. ;)


    Dann mache ich mal das, was ich sonst immer gemacht habe, nämlich das, was Du beschreibst. Mit der Ausnahme, dass ich demnächst den Jungs mal den Vortritt überlasse.Die machen sich gegenseitig auch heißer, als wir das tun. ;)

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    Terry Pratchett

  • dass ich demnächst den Jungs mal den Vortritt überlasse.Die machen sich gegenseitig auch heißer,


    Probiere das auch mal ein paar Spiele aufm Platz, sage mal nichts. Bald fangen die ersten untereinander zu reden an, sofern alles im Team passt. Die peer group wird wichtiger als jeder Trainer genommen. Es sollte natürlich bei bloßen "Signalen" bleiben, aber so dynamisiert sich der teamgeistige Prozess dann interaktiv. Nur wo, bei wem er hakt, muss man als Trainer "eingreifen": moderierend, als Mediator zwischen Interessen(-gruppen) o.ä. Man kennt Beckenbauer's angebliche, oft zitierte Ansprache "Geht's raus und spielt Fußball!" B. hatte ja damals auch keinen Trainerschein ;) Aber daran lag's wohl weniger, Subtext war eher: Ich pumpe nicht eure Köpfe mit Anweisungen voll, denn sie sollen frei für spontane Impulse, das Spielerische eben, bleiben. Heute wird natürlich bei den Vorbildern in den Bundes- und Champions-Ligen viel mehr auf Taktik gespielt, aber die mentale Spritzigkeit, die Iniative, die kreative Eingebung braucht da meist schon einen Messi... Übrigens, grad dann, wenn wir die Kids nicht für "fähig" halten, sollten wir sie entscheiden, dies selbst erlernen o. ausprobieren lassen, nie zuviel vorgeben, außer sie haben drei Spiele hintereinander kläglich verloren, dann benötigen sie wohl ein Signal, wir unterstützen euch, schenken euch alle Aufmerksamkeit, lassen niemand fallen. Natürlich habe ich auch schon mal was "souffliert" in einen Kinderkopf hinein: wenn zB einer den Ball verdribbelte und dann nicht zum 1.Mal irgendwie träge, frustriert, faul stehen blieb, aber nicht als Forderung, gar im Befehlston, sondern nur "aufmunternd" ("Peter, den Ball holst du dir doch zurück!?" - also halb auffordernd, halb nachfragend...).


    Man muss als Trainer da eben den Ton wie latente Gedanken im Kinderkopf situativ treffen: Hat das Kind schon selbst im Kopf, dass es eigentlich nicht stehenbleiben sollte, funktioniert's. Sonst wäre der innere Weg zu weit, es folgt keine spontane Aktion. Dann lauter zu schreien, kann das Kind zwar in erzwungener Reaktion zum Losrennen bewegen, aber es tut dies aus Angst und äußerem Druck statt eigenem, freien Willen - und daher fruchtet es nicht "nachhaltig", erzeugt Unlust, Trotz, Geistesabwesenheit aus innerem Widerstand o. verkrampften Aktionismus, um was zu beweisen. Es kämpft zwar, aber wenig gelingt. Das nur ein Beispiel von vielen, denn jedes reagiert individuell: wer da immer nur pauschal von sich, seinem Rezept für alle aus "instruieren" will, erreicht das Team letztlich kaum, nach meiner Selbstbeobachtung. Findet man aber einen "Führungsspieler", der erkennt, dass Trainerideen was bringen, und sie weiterträgt ins Team, dann dürften wieder mehr ihnen folgen, was irgendwann Pull- bzw. Sogeffekte bringt. Pushen muss man dann von außen praktisch nie mehr, die Spieler motivieren sich im Team selbst... ;)

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Pauli, nur dann, wenn sie es wollen. Ich kann mir vorstellen, dass sie dann noch einmal auf ihren Ausspruch zurückkommen, dass, wenn alle besser gespielt hätten, das Spiel auch gewonnen werden hätte können. Du kannst sie in dieser Situation sowieso nur damit beschwichtigen, dass Du und auch sie nicht in den Köpfen der anderen vorhanden sind. Jeder spielt so, wie er sich persönlich fühlt und nimmt dabei keine Rücksicht auf die Gefühle der anderen. Wenn die anderen Spieler, außer den dreien, nicht so ehrgeizig sind, ist das nicht zu ändern. Sie werden dann nicht ähnliche Ziele gehabt haben (oder etwas anderes im Kopf, mit dem sie sich beschäftigen). Also kann es nur darum gehen, Ziele so zu formulieren, dass sie von ALLEN mit ihren Talenten und mit ihrem Engagement erreicht werden wollen. Dabei geht es nicht nur um "Das Spiel werden wir gewinnen...". Ich habe an anderer Stelle schon mal auf die Formulierung und die Zielerreichung hingewiesen, die unglaublich wichtig ist für den Erfolg.

  • @paulwurf


    Du hast die o.g. Aussage deiner 3 Jungs bereits einleuchtend als Blödsinn identiviziert, weil:
    - weil es hin und wieder passiert, das auch der Gegner besonders gut spielt
    - das Leistungsspektrum deiner Mannschaft (D2 = vermutlich viele im jüngeren Jahrgang) mit denen der Altersklasse zu vergleichen ist


    Den o.g. Kommentar hören die Jungs ja jedes Wochenende und sowieso nach verlorenen Länderspielen. Am Ohrläppchen oder an der Nasespitze zupfend darf sich der Zuschauer auf den Standardsatz: "Ich denke, wir haben das und das nicht gut gemacht ..." freuen. Ja toll, zu dieser Erkenntnis ist man doch nicht erst nach Spielschluß gekommen. Da hätte man das Fehlerverhalten doch schon vorher auf dem Platz korrigieren können!


    Da kann ich schon viel mehr mit der Aussage anfangen, das jeder so gut spielt, wie er sich gerade fühlt. Darin eingeschlossen ist die momentane physische und psychische Verfassung, aus der jeder Einzelne sein Bestes gibt. Oder habt ihr schon mal gehört, wie einer zu euch gesagt hat: "Trainer, heute spiele ich aber mal extra schlecht?"


    Wenn es also zur etwas zur nicht erfolgreichen Spielweise zu besprechen gibt, dann nicht nach dem Spiel, sondern beim nächsten Training. Das hat dann auch den Vorteil, das man es gleich üben kann, was noch nicht so gut funktioniert hat! Davon haben die Kinder mehr und davon habt ihr mehr!


    Ich weiß, dazu gehört ein wenig Disziplin, weil man in der emotionsgeladenen Stimmung sich vielleicht den Frust von der Seele sprechen möchte. Das ging diesen 3 Jungs vermutlich ähnlich. Aber es geht im Jugendfussball nicht um die Verteidigung einer Niederlage, sondern um eine systematische und perspektive Ausbildung der euch anvertrauten Kinder. Daraus ergibt sich, das es besser ist, an das Ziel zu Erfolgsprognosen bedurfen ein Konzept, aus denen Ableitungen zu Teilzielen gegeben werden können.


    Das hört sich vielleicht schwer an, ist es aber gar nicht! Wichtig ist zunächst, sich besonnen in solchen Momenten zu verhalten. Denn Hinweise sollten immer zur richtigen Lernphase passen. Ihr habt es mit Kindern zu tun und nicht mit kleinen Erwachsenen!

  • @paulwurf


    Du hast die o.g. Aussage deiner 3 Jungs bereits einleuchtend als Blödsinn identiviziert, weil:
    - weil es hin und wieder passiert, das auch der Gegner besonders gut spielt
    - das Leistungsspektrum deiner Mannschaft (D2 = vermutlich viele im jüngeren Jahrgang) mit denen der Altersklasse zu vergleichen ist


    Den o.g. Kommentar hören die Jungs ja jedes Wochenende und sowieso nach verlorenen Länderspielen. Am Ohrläppchen oder an der Nasespitze zupfend darf sich der Zuschauer auf den Standardsatz: "Ich denke, wir haben das und das nicht gut gemacht ..." freuen. Ja toll, zu dieser Erkenntnis ist man doch nicht erst nach Spielschluß gekommen. Da hätte man das Fehlerverhalten doch schon vorher auf dem Platz korrigieren können!


    Da kann ich schon viel mehr mit der Aussage anfangen, das jeder so gut spielt, wie er sich gerade fühlt. Darin eingeschlossen ist die momentane physische und psychische Verfassung, aus der jeder Einzelne sein Bestes gibt. Oder habt ihr schon mal gehört, wie einer zu euch gesagt hat: "Trainer, heute spiele ich aber mal extra schlecht?"


    Wenn es also zur etwas zur nicht erfolgreichen Spielweise zu besprechen gibt, dann nicht nach dem Spiel, sondern beim nächsten Training. Das hat dann auch den Vorteil, das man es gleich üben kann, was noch nicht so gut funktioniert hat! Davon haben die Kinder mehr und davon habt ihr mehr!


    Ich weiß, dazu gehört ein wenig Disziplin, weil man in der emotionsgeladenen Stimmung sich vielleicht den Frust von der Seele sprechen möchte. Das ging diesen 3 Jungs vermutlich ähnlich. Aber es geht im Jugendfussball nicht um die Verteidigung einer Niederlage, sondern um eine systematische und perspektive Ausbildung der euch anvertrauten Kinder. Daraus ergibt sich, das es besser ist, an das Ziel zu Erfolgsprognosen bedurfen ein Konzept, aus denen Ableitungen zu Teilzielen gegeben werden können.


    Das hört sich vielleicht schwer an, ist es aber gar nicht! Wichtig ist zunächst, sich besonnen in solchen Momenten zu verhalten. Denn Hinweise sollten immer zur richtigen Lernphase passen. Ihr habt es mit Kindern zu tun und nicht mit kleinen Erwachsenen!

  • Wenige verstehen, dass Fußball auch "Glücksspiel" ist. Folgerichtig wird die BVB-Aktie in dieser Branche eingeordnet. Das muss jeder akzeptieren lernen, falls es ihn mal negativ betrifft. Nicht immer gewinnt der, der besser spielt und Glück kann man sich nie "zwingend" erarbeiten, ihm nur versuchen, per Training auf die Sprünge zu helfen. Dass auch mal der unterlegen Glücklichere gewinnt, macht gerade Spannung und Reiz aus...

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  • Ich wundere mich, dass keiner mehr konkrete Fragen zum Mentalen hat, - obwohl zT die Diskussionspunkte daraufhin zielen. Präsenz des Individuums (im Körperlichen wie eben Team-Geistigen), Selbstvertrauen o. Selbstbewusstsein auf dem Platz zB sind doch eine mentale Frage und oft spiel- bzw. situationsentscheidender als bloße Technik, Artistik o. Schnelligkeit. Wann und wie bringe ich zB den eigenen Körper zwischen Gegner und Ball, wie trainiere ich dies? Da Gehirnwissenschaft nachgewiesen hat, dass soziale Stimulation vs Vernachlässigung sogar direkt das Gehirn in seiner Aktivität wachsen bzw. schrumpfen lässt: muss dies nicht auch etwas für die Eigendynamik des Teamplays bedeuten? Ist das Thema hier nur ne Mode gewesen o. noch Interesse da? Oder waren schlicht die Antworten auf Fragen zu unbefriedigend? Da ich weiter versuche, Vereinsführungen für Mentales Teamcoaching zu interessieren, muss ich mich zunächst selbst dafür interessieren, wieso das Interesse am Thema entweder nur kurzatmig bleibt oder fehlt, Skepsis zur Reaktanz führt, die Benefits zu diffus o. unverständlich, die Probleme zu komplex bleiben etc. Danke also für etwas Aufklärung, wieso das einst rege Interesse hier eingeschlafen ist!

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • meine Antwort:


    die Nachfrage nach einem Produkt richtet sich immer am Bedarf aus, und den Vorteil den man in einem Produkt für sich sieht.


    schöne und ausführliche Diskussionsthemen sind nicht immer ein Beweis für eine effektive Nachfragegrösse und tatsächlichem Bedarf vor Ort.


    gg


    gg

  • Guenter, dazu zitiere ich noch mal aus Kapitel zu Jens Lehmann im Buch "Psychologie im Leistungssport der Reihe "Sport und gesellschaftliche Perspektiven" vom in Fachkreisen renommierten Prof. Schweer:
    "entscheidend für die Entwicklung mentaler Fitness sind die Sozialisationserfahrungen... Das hier entstehende Ur-Vertrauen oder U-Misstrauen (und damit zusammenhängende sichere bzw. unsichere Bindungserfahrungen) sind für den förderlichen resp. hemmenden Umgang mit Stress- und Belastungssituationen von hoher Bedeutung. Allerdings können unzureichende positive Erfahrungen im Elternhaus sehr wohl durch relevante andere Bezugspersonen außerhalb der Familie kompensiert werden und insofern signifikant den Aufbau mentaler Fitness fördern. Speziell in der Jugendphase hält Jens Lehmann den Aspekt einer fundierten sportpsychologischen Betreuung für wichtig..., bezeichnet aus seiner eigenen Erfahrung einige Trainer als gute Psychologen, andere wiederum haben aus seiner Sicht nur sehr geringe o. gar keine diesbezüglichen Kompetenzen. Da nun aber der Trainer (vor allem für jüngere Spieler) eine ganz wichtige Vertrauensperson (Anm: als sportspezifisch potentiell lebenslangen Vertrauensanker!) darstellt, hält er eine grundsätzliche sportpsychologische Schulung von Trainern für wichtig. Zur Förderung einer positiven Vertrauensbeziehung sollte der Trainer mit Blick auf sein (Anm: vorbildhaft prägendes) Entscheidungsverhalten 'Transparenz' und 'Konsequenz über die Zeit' (Anm: charakterliche wie fachliche Konsistenz) zeigen. Unklare zT widersprüchliche Aussagen o. Verhaltensweisen sind hingegen für die Spieler kaum zielführend" (S. 131f.)
    Dabei ist zu beachten, dass JL bereits früh in hochklassigen Vereinen eine hervorragende Leistungsförderung mit hohen Ansprüchen erhielt, von der viele andere Kinder in unterklassigen Vereinen naturgemäß oft nur träumen können, - und dennoch vermisste der die Praxis seines KiFu reflektiert erinnerende JL z.T. jegliche sportpsychol. bzw. mentale "Kompetenzen"...


    Grad für unzureichend sozialisierte, ängstlich-gehemmte, destruktiv-aggressive oder Aufmerksamkeit suchend viel störende Kinder (ohne viel familiär positiven Rückhalt) wäre also als Kompensat ein mental versiert unterstützender Trainer als echte Lernperspektive, dh Ausgleichs-Chance für gelingende Lebensführung. Oft aber werden sie mangels Ausbildung oder Fußball-, dh Teamplayherz von Trainern o. Lehrern nur als Belastung gesehen, erneut vernachlässigt, abgeurteilt und fürs Individuum fatal ausgegrenzt. Falls sie aber erfahren, dass irgendwo ihre reell in fairem und freiem Wettbewerb erbrachte Leistung bzw. deren Verbesserung und das Bemühen darum, dh ihre eigene Person, zählen - und nicht Willkürmacht, Bewertung nach bloßem Leistungs-Ist o. gar Vitamin B (elterlicher Beziehungsstatus wie oft beim Trainerkind o. Bekanntschaften), dann kann dies einen neuen mentalen Fokus initiieren. Er weist, leitet in eine Richtung nach vorn, weg von vergangenen wie aktuellen Missständen in die Zukunft als Chance leitet, was so exponentiell voranbringen kann. Sie begreifen dann anhand des Trainers als lebensechten Vorbildes, dass es durchaus an ihnen selbst liegt, was aus ihnen noch werden kann, dass sie an sich arbeiten und so selbstgesetzte Ziele erreichen können, dann auch sozial integriert oder beliebter werden. Besonders für Torleute ist mentales Coaching dabei unabdingbar, inwiefern das Kind zu erlernen hat, Fehler Krisen, Probleme, Misserfolge besonders allein mit sich ausmachen zu können...

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Zitat @kicker:

    Zitat

    Grad für unzureichend sozialisierte, ängstlich-gehemmte, destruktiv-aggressive oder Aufmerksamkeit suchend viel störende Kinder (ohne viel familiär positiven Rückhalt) wäre also als Kompensat ein mental versiert unterstützender Trainer als echte Lernperspektive, dh Ausgleichs-Chance für gelingende Lebensführung.

    Das sind Dinge, die der normale ehrenamtlich tätige "Dorftrainer" nicht erbringen kann und die man von ihm entsprechend auch nicht fordern kann. Für Erziehung sogenannter "Problemkinder" bleiben in erster Linie die Eltern zuständig und bei uns der Staat.
    .

  • nicht alles möglich machbare ist auch machbar.


    Mir genügt es vollkommen, dass der Trainer meines Sohnes über die entsprechende fussballerische und soziale Kompetenz
    verfügt. Das ist für mich vollkommen ausreichend und mehr als vielerorts vorzufinden.


    gg