Was dabei rauskommen kann, wenn man sich nicht an die Regeln hält

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  • Ich komm jetzt wahrscheinlich komplett vom Thema ab,aber das was du hier schreibst ,ist eine sehr interessante Sache. Es ist ja immoment ,wenn man von der Deutschen Nationmalmannschaft spricht, die Rede von einer gewissen "flachen Hierachie". Heißt also,wir haben keinen richtigen "Leader" mehr auf dem Platz, der auch mal die Fresse aufmacht,wenn man gegen Schweden das 4:2 oder 4:3 bekommt. Deshalb meine Frage: Wollen wir vieleicht nicht auch mal Spieler haben ,die die "Fresse" aufmachen ,anstatt die ganze Zeit die "Fresse" zu halten ? Sind wir Trainer nicht dafür verantwortlich,dass es keine richtigen Leader mehr gibt,indem man von Anfang an sagt,dass Ruhe auf dem Platz ist? Oder anders,wer ist denn der Meinung,dass ein Philipp Lahm vor 10 Jahren auch Kapitän gewesen wäre? Sorry,dass ich jetzt gerade komplett am Thema vorbei bin,aber ich finde das wirklich sehr interessant,da ich jetzt am Wochenende eine sehr lange und intensive Diskussion über dieses Thema hatte und das hier gerade so gut passt.


    Obwohl es sich nach dem ersten Blick gleich aussieht, sind es für mich zwei grundverschiedene Themen:


    1. Das was ich beschrieb ist ein äusserst respektloser Umgang mit viel Aggressivität in der Stimme, Mimik und Gestik. Dabei war die Message an den Schiri, die Gegenspieler und Mitspieler....nichts positives.


    2. Das was du -so denke ich- ansprichst ist jemand der gem. dem Videoclip Seite 2 positiv laut ist. Er ist Vorbild, weil er schnell zum ballführenden Gegner sprintet nach Ballverlust, ...der sich nicht hängen läßt nach einem Gegentor, der niemanden herunter macht, der andere die einen schwachen Tag haben in Tat und Wort positiv beeinflußt und freundschaftlich begleitet, der das was scheisse läuft sachlich beim Namen nennt, der Sprachrohr und vermittler zum Trainer ist.....für mich der perfekte Kapitän...und ja....den brauchen wir.


    Genau das sagt der Typ ja im Video....diesen geforderten Spielertypen muß man aber auch ein Stück weit erziehen...ab der G gehts damit los. Er muß Teamplayer sein, er muß vom naturell her einer sein, der naturgemäß den Mund aufmacht, ...ein Anführer ist...ein Kapitän -aber zeitgleich- muß er Teamplayer mit den Attributen wie unter 2 beschrieben verstehen und mit leben füllen können. Genau hier scheitert es. Die meisten sogenannten Kapitäne sind überfordert, erfüllen diese Punkte nur teilweise oder überhaupt nicht, weil sie rumschreien, nichts konkretes einbringen, sondern mal händeklatschend laut grölen "kommt jetzt...." (wohin?) oder was weiss ich. So ein Spielertyp würde seine motzenden Mitspieler ansprechen und das unterbinden und er würde auch dem Trainer, so er sich daneben benimmt ansprechen und auch die eigenen Zuschauer! Ich kenne so einen Spieler nicht....


    Für mich ein Grund mehr da ganz unten die Spielintelligenz zu fördern. Zu fördern dadurch, dass man den Spielern nicht ständig durch Vorgaben diese Intelligenz verhindern. Verhindern durch feste Positionen statt Rotation, verhindern durch eine Ausbildungszwangsjacke. Fordern durch stimulieren statt instruieren, weniger ist mehr. Weniger Instruktionen vom Rand zum Vorteil eigener Kreativität. So -meine ich jedenfalls- entstehen selbstbewußte an ihrem naturell angeglichene Spieler, die keine fremdgesteuerten Roboter sind. Hierbei mache auch ich Fehler, aber ich arbeite dran. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. ;)

  • @ChrisHRO: Ich denke auch, dass der deutschen Natio (und ggf. auch Bayern) Führungsspieler in den entscheidenen Momenten vielleicht gefehlt haben, aber wir haben in Deutschlande in den letzten 10 Jahren eine überragende Entwicklung genommen.
    Und diese Entwicklung gab es nicht trotz sondern wegen der flachen Hierachien. Ich denke es ist oberflächig und naiv zu glauben, wir hätten diese Entwicklung auch genommen wenn wir weiter auf Effenbergs und Baslers gesetzt hätten.
    Viele positive Aspekte unserer Entwicklung sind erst durch den Verzicht auf Drecksäcke und die Werteverschiebung in unserer Ausbildung erreicht haben.
    Spanien, Dortmund und Barca haben mit flachen Hierachien (bei der EM fehlte z.B. Puyol) auch viele Titel geholt. Ich denke im Jugendfussball ist es noch mehr als im Profifussball wichtig, auf solche Werte zu setzen.


    Ansonsten möchte ich mich Andrè anschließen ;)


    Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

  • Und noch ein Wort zur Rotation


    Ich zwinge keinen Spieler, aber zwischen den 6èrn und Sturm und Abwehr und 6 lasse ich im Spiel meist in den letzten 15 Minuten rotieren. Das kennen sie und ich erkenne da keinen Unterschied bei der Spielstärke. Ich kann dazu nur animieren das zu probieren und zwar so früh wie möglich. Gr.

  • Andre


    Da habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich meinte in dem von Dir zitierten Absatz die Rotation. Beim Thema Einsatzzeiten liegen wir absolut auf der gleichen Welle.


    @ChrisHRO


    Es ist auch mein Eindruck: In den entscheidenden Situation der vergangenen Welt- und Europameisterschaften hat mir ein Spieler gefehlt, der ein Zeichen auch für andere setzt. Da kommen mir unsere Spieler oft zu brav und angepasst vor. Das Spiel gegen Schweden war ein sehr gutes Beispiel dafür. In den ersten 60 Minuten ein wirklich überragendes und überzeugendes Spiel. Der Fokus liegt sehr auf Ballbesitz und Passspiel. Es gibt aber Situationen im Spiel, da muss einer das Kämpferherz raus holen. Hört sich jetzt nach Floskel an, aber u.a. in diesem Spiel hat ein solches Zeichen gefehlt.

  • Ich mache es außerdem so, dass ich vor dem Trainingsaufbau und vor dem Training nochmal bewusst durchatme. Nach einem Tag im Büro und einer halbstündigen, leicht gehetzten Fahrt durch den Berufsverkehr muss man komplett runter kommen, um möglichen Stress nicht mit auf den Platz zu nehmen. Sonst wird das Training nämlich gruselig.

    Wenn ich beruflich mal einen richtig stressigen Tag habe und bei mir feststelle, dass ich mies drauf bin, schmeiße ich meine Trainingsplanung schon mal über den Haufen. Dann mache ich einen kurzen Warmmachteil und lasse sie danach im Turniermodus kicken. Ich erkläre ihnen auch vorher warum. Sie sollen ruhig wissen, dass auch ein Trainer mal einen schlechten Tag haben kann.


    Ich hole mir dann ein Pott Kaffee und schaue einfach nur zu. So entgehe ich der Gefahr, jemandem ungerecht zu werden oder schlechtes Training anzubieten.

  • Wenn ich beruflich mal einen richtig stressigen Tag habe und bei mir feststelle, dass ich mies drauf bin, schmeiße ich meine Trainingsplanung schon mal über den Haufen. Dann mache ich einen kurzen Warmmachteil und lasse sie danach im Turniermodus kicken. Ich erkläre ihnen auch vorher warum. Sie sollen ruhig wissen, dass auch ein Trainer mal einen schlechten Tag haben kann.


    und ich hab dann die Erfahrung gemacht, dass sie sich dann besonders anstrengten und intensiv trainierten.


    gg

  • Mir hat gestern ein Kollege erzählt, dass beim Basketball jeder der Auswechselspieler mindestens 10 Minuten auf dem Platz mitgespielt haben muß, damit das Spiel im Jugendbereich überhaupt legal und ergebnistechnisch anerkannt wird.


    Ist das so?


    Wenn das so ist, denke ich, dass die uns um einiges Voraus sind. Das wäre eine Regel, die man im Prinzherrlich KInder.-und Ausbildungsfußball auch festschreiben sollte. Ich denke ich kopiere das hier und schicke es mal dem Staffelleiter und den anderen Herren;-)).


    Eine schöne Regel den Betonköpfen unter uns den Stinkefinger zeigen zu können. ;) ...lach mich schlapp!


  • Eine schöne Regel den Betonköpfen unter uns den Stinkefinger zeigen zu können. ;) ...lach mich schlapp!


    PHP


    Nicht zu früh lachen. Wäre ne Regel, die von Betonköpfen leicht umgangen werden kann. "Jeder Auswechselspieler muss mindestens so uns so lange spielen? Ha, dann lass ich den kleinen dicken Paule mal lieber zu Hause!"
    Regeln kann man erlassen, dazu braucht es aber immer Überzeugungsarbeit.

    "Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind."
    Terry Pratchett

  • Aus gegebenen Anlass mal ein kurzes Update. Wollte ich auch mal denjenigen mitgeben, die vielleicht zur Zeit in ähnlich verzwickter Lage stecken und kein Land mehr sehen.


    Durch Neuzugänge haben wir jetzt 21 Spieler ( zwei absolute Neueinsteiger ). In der Hallenrunde jetzt drei Mannschaften gemeldet, sodass alle zu ihrem Recht kommen werden. Die Wochenenden sind gerettet :rolleyes: Das Training in der Halle mache ich alleine, da mein Co zur vergebenen Hallenzeit beruflich nicht kann. Die Trainingsbeteiligung ist hoch. Es sind immer mind. 16 Spieler beim Training.


    Die Leistungsspanne ist nach wie vor sehr hoch. Ich habe vom Stützpunktspieler bis zum "dicken Paul" alles dabei. Im Training muss ich dadurch weiterhin zwei Trainingsgruppen nach Spielstärke einteilen. Die gesetzten Schwerpunkte während der gesamten Hallenzeit ( Ballannahme und -mitnahme und Passen ) sind die selben. Bei Gruppe 1 sind die Übungen komplexer und auf Dynamik (= hoher Gegnerdruck ) ausgelegt. Zudem sind gruppentaktische Elemente integriert, um auch das Passspiel zu verbessern. Gruppe 2 wird methodisch viel in der Übungsform trainiert. Diese Gruppe trainiert auch ausschließlich mit dem Futsal, während ich bei Gruppe 1 auch gerne mal ein Gymnastikball ins Feld schmeisse. Springt wirklich fies das Ding, aber dadurch bekomme ich die Jungs schnell auf den Boden der Tatsachen, bevor sie überhaupt abheben :] Gruppe 2 macht wirklich gute Fortschritte, aber vom Entwicklungsstand ist es eher E-Jugend jüngerer Jahrgang.


    Die Gesamtdisziplin in der Truppe hat sich wesentlich verbessert. Bei meinen alten Spielern war es eh kein Problem und die 2000er wissen jetzt auch, wie weit sie gehen dürfen. Ich kann nur jedem raten frühzeit den Rahmen, in dem sich die Kinder bewegen dürfen, abzustecken.


    Eines war in dieser Zeit sehr auffällig. Die Unzuverlässigkeit einiger Eltern. Das kannte ich so von meiner alten Truppe nicht. Offensichtlich ist auch in diesem Bereich einiges vernachlässigt worden. Deswegen habe ich in einem anderen Thread vom sensiblen Gebilde gesprochen. Trainer, Spieler und Eltern müssen gerade in den unteren Altersklassen an einem Strang ziehen, sonst potenzieren sich später die Probleme. Kinder kommen unabgemeldet nicht zum Training. Du machst Dir Sorgen und rufst die Eltern an. "Ach so. Der kommt heut nicht." Mal mit, mal ohne Begründung. Oder Eltern sind zum Fahren eingeteilt und kommen nicht. In einem Fall waren dort aber die Trikots. Ließe sich endlos weiter führen. Wie gesagt, kenne ich von meiner alten Truppe nicht. Da waren die Eltern von Anfang an fester Bestandteil der Mannschaft und über alles informiert. Gestern habe ich alle Elternteile, die es betrifft, zum Training gebeten. Die Einladung war eindeutig und es sind alle erschienen. Tja, es war 'ne Wutrede. Ich habe richtig Dampf abgelassen. Betretenes Schweigen danach. Kaum zuhause ging das Telefon. Eine Mutter hat sich entschuldigt. Sie hat mir aber auch erzählt, dass in der Vergangenheit die Kommunikation gleich Null war und man es im Laufe der Zeit hat Schleifen lassen. Okay, erklärt es aber entschuldigt nicht alles. Ich hatte ihnen auch deutlich gesagt, dass es ihre Söhne und deren Hobby ist. Sie haben dafür zu sorgen, dass sie es auch ausüben können. Mal sehen ob es gewirkt hat.
    Was ich damit sagen will: Die Eltern sind ein wesentlicher Bestandteil der Mannschaft. Ab C schwächt sich dies ab. Ansonsten sei allen Neueinsteigern dringend empfohlen, sie von Beginn an mit ins Boot zu holen. Ganz wichtig !
    Für nächstes Jahr habe ich einen sehr guten Nachfolger gefunden. Bis dahin versuche ich, ihm ein gutes Fundament zu bauen.
    Wünsche entspanntes und erfolgreiches Wochenende.

  • Vor kurzem gab es hier im Forum die Aussage (sinngemäß) "bis zur E trainierst Du die Spieler, ab D die Mannschaft". Das gefiel mir sehr gut, bezog sich aber meiner Erinnerung nach nur auf das Fußballerische. Insofern hast Du Recht, wenn Dein Hauptaugenmerk fußballerisch auf dem individuellen Spieler lag. Nur wenn Du in der F und der E das Thema Teamgeist vor lauter "Individual-Technikausbildung" gar nicht beachtest, dann hast Du eine Zeitbombe.


    Ja das war von mir (siehe weiter vorne in den Kommentaren):
    Natürlich ist Teamgeist wichtig, es war wirklich das fussballerische gemeint (dribbeln, statt Passkombiantionen mit one Touch von hinten nach vorne trainieren z.B:)


    Und wie dein Post jetzt zeigt, packst du es auch richtig an !!


    ich kenne auch Trainer die über derartige Umstände meckern, aber nie mit den Eltern darüber reden;
    oder bei Disziplinlosigkeit einzelner Spieler auch nie ein Einzelgespräch führen, sondern
    nur allgemein in die Runde was sagen.

  • @ Guenther


    Du meinst das aber jetzt nicht bezogen darauf, dass man dem Kind nichts sagen sol wenn es sich nicht benimmt ?


    So zuverlässigkeits-Sachen sollten über die Eltern gehen; aber direktes "schlechtes" Verhalten usw. sollte über das Kind gehen.
    Nur wenn es nicht fruchtet Eltern mit einschalten.

  • Natürlich meine ich das nicht.


    aber ohne Eltern läuft im Kinderfussball nichts.


    Und gerade das was Steini angesprochen hat, Pünktlichkeit, Abmelden, Fahrdienst und ähnliches liegt nicht in der Verantwortung der Kinder, sondern
    zu Beginn eindeutig bei den Eltern. je jünger umso stärker.


    hierauf bezog sich mein Anspruch auf Information und Forderung.


    für entsprechendes Verhalten im Training ist selbstverständlich der Trainer verantwortlich. wer das nach einigen Monaten nicht im Griff hat, ist fehl am Platze.


    gg

  • wer das nach einigen Monaten nicht im Griff hat, ist fehl am Platze.

    Bei mir sind es jetzt fast 15 Monate, bin ich fehl am Platz? Welche Rolle spielt die Ausgangssituation (Stichwort: jede Situation ist anders - Dein Credo)?


    Damit wir uns nicht falsch verstehen - ich habe da manchmal auch so meine Bedenken.


    Es ist immer noch so viel Sprengkraft drin - und völlig konträr: im Staffelspiel vergangenes Wochenende eine geschlossene Mannschaftsleistung aller zum Niederknieen - (einschließlich wild vom Seitenrand anfeuernder "Diven", wenn sie nicht auf dem Platz waren, wir hatten alle 11 Spieler fast gleichmäßig im Einsatz - auch die beiden Fußballanfänger), toller Sieg über eine Mannschaft über uns in der Tabelle (nur zur Illustration - ich schiele da nicht ständig drauf) , mit allein 4:0 Toren in der zweiten Halbzeit.


    Diese Woche wieder eines der beiden Trainings zum Davonlaufen. Nicht nur Übermut - richtig mit Hänseln, Streiten, Schmollen und allem Mist.

  • Nicht nur Übermut - richtig mit Hänseln, Streiten, Schmollen und allem Mist.



    für mich gehört, das doch gerade im D-Jugendalter immer mal dazu.
    kommt natürlich auch auf das Anspruchsdenken des Trainers an.
    immer nur brave Jungs ist doch langweilig


    Entscheidend ist doch, wenn diese Grenze für den Trainer überschritten ist, er einen Schlusspunkt setzten kann, dem dann Folge geleistet wird.


    Ich bin überzeugt, dass dir das nach 15 Monaten auch gelingt. (Lassen wir den Tag, wo eh alles quer ist, mal aussen vor)


    und ich steh dazu. der Trainer gibt die Richtung an, nicht die Spieler, sonst ist er für mich wirklich fehl am Platz.


    gg