Hingeschmissen, nach Ärger mit dem Jugendleiter

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  • So, das sind mal ein paar Ideen. Nicht Phantasie. Alles life !
    Fragt wenn ihr dazu Fragen habt. Zudem gibt es auch noch andere Ansätze. Vielleicht interessiert das ja sogar wen.

    Wow, ja, das interessiert mich. Wie lange hat es gedauert, diese Projekte anzuschieben? Es klingt so als hättest Du das mehrfach gemacht oder zumindest in mehreren Dörfern probiert - ist das korrekt? Falls ja, in wievielen Fällen hat das geklappt und in wievielen bist Du ins Leere gelaufen? Was genau ist eigentlich Deine Rolle dabei?


    Grüße
    Oliver

  • Fussballbaron,


    wer wind säht, wird (kann) Sturm ernten...mußte raus lernen oder es so riskieren/hinnehmen/mit leben. :)


    Zum Thema....ich habe es schon oft geschrieben.....mutige Lösung wäre:


    -Mitglieder/Eltern informieren, das Probleme/welche Probleme/Trainermangel herrscht
    -Erklären was ein Trainer im Monat kosten darf
    -Dass man bezahlte Trainer an einen Kodex/Philosophie -ähnlich einem Arbeitsvertrag- binden kann
    -Das Ehrenamt mehr wert ist, als ein feuchter Händedruck
    -Kurz erklären, was eine Sportstunde Fußbal heute kostet und was es kostet, zur Musikschule, Tennisstunde usw. zu gehen


    um


    dann die Mitgliedsbeiträge von 4, 7 oder 9 Euro auf 14, 15 oder 18,50 Euro pro Kind (z.B. drittes Kind frei) anzuheben.


    Der qualifizierte Trainer unterliegt dem vom Verein gewünschten und erklärt sich, daran nachweislich zu halten. Dafür erhält er monatlich eine Kostenpauschale von 50, 100 oder 150 Euro.


    Das hebt das Niveau und sorgt meiner Einschätzung nach, garantiert dafür, den einen oder anderen -vielleicht sogar B Jugendlichen....das zu machen...also ein Traineramt zu übernehmen. MEINE Lösung.

  • Wie lange solche Projekte dauern kann man so einfach nicht sagen. Es kommt immer drauf an ob du auf Leute triffst die wirklich was verändern oder nur eine ruhige Kugel schieben wollen. Am Besten läuft es immer dort wo man bei Null anfangen kann, resp. dort wo sich mindestens die Mitglieder der alten Denke verabschiedet haben.



    Am schnellsten gehen die privaten SoccerUnis weil du da nicht lange fackeln musst. Sobald du die (Hallen-)Plätze hast ging das in meinem Fall 3 Monate bis die ersten kostenlosen Schnupper-Training liefen. Als wir nach weiteren 2 Monaten 16 Kids hatten gingen auch die Semestergebühren raus. Die wurden von ALLEN Eltern bezahlt. Nun, nach 18 Monaten haben wir total 37 Kids in 3 Alterskategorien, 3 topmotivierte, bezahlte Trainer und 2 Co-Trainer, einen bezahlten "Betriebsleiter" und 2 ehrenamtliche Elternvertreter, einen Tenusponsor und 2 Gönner. Die Halle und Rasen kriegen wir von der Gemeinde gestellt.
    Bei der zweiten legen wir nach den Sommerferien los. Wir haben so viele Anmeldungen dass wir, mangels Platz und qualifizierter Trainer bereits Absagen erteilen mussten.


    Die polisportive Zusammenlegung ging auch RuckZuck. Das einzige Problem waren eigentlich nur die ehemaligen Trainer der Rumpfvereine die sich nicht damit nicht abfinden konnten und Platz für jüngere, und moderner ausgebildete Leiter machen mussten die - im Gegensatz zu ihnen - erst noch bezahlt wurden. Diese Ex-Trainer machten in der Presse und bei den Eltern am meisten Stunk. Ich musst sogar einen Karnevallswagen über mich ergehen lassen. So wurde auch der Gemeinderat wieder wankelmütig bis ich sie vor die Wahl gesetzt habe. Take it or leave it. Das wirkt zwar auf dieser Ebene asozial, aber wenn du da zuviel Diskussion aufkommen lässt verliest du soviel Energie und Zeit, dass es dir dann nicht mehr reicht den Beweis zu erbringen dass es funktionieren kann.



    Mit den Partnervereinen der Spitzenclubs habe ich selber nichts zu tun. Kenne aber Verantwortliche auf beiden Seiten. Auch hier ist das Hauptproblem der Generationenwechsel in der Vereinsführung und das mangelnde Vertrauen gegenüber dem Grossverein. Daran muss auch heute noch gearbeitet werden. Es ist noch lange nicht alles perfekt, aber auf gutem Weg.



    Das mit den Schule kommt bei uns vor allem deshalb weil Stadt, Kanton und Bund, Grosskonzerne und Stiftungen immer mehr Wettbewerbe ausschreiben an denen Schulklassen gegeneinander spielen. Das schafft - nicht nur im Fussball - einen ungeahnten Anreiz für alle Beteiligten. Ich helfe auf Gemeindeebene nach, damit die Schulen diese Möglichkeiten auch mitbekommen und Informationen, die sonst bei den Lehrern in den Müll gelangen auch wirklich an Kinder und Eltern weitergegeben werden.


    Und dann sind wir bei den Medien. Ich selber bin und war in der Schweiz ehrenamtlich für verschiedene Stiftungen und Organisationen tätig welche das Wohl der Kinder zum Ziel haben: Laureus, SUVA, J&S, Pro Juventute und verschieden andere Private. Im Rahmen dieser Stiftungen ist auch die Medienpräsenz immer sehr hoch (und damit auch die Verantwortung keinen Scheiss zu machen ;-). Diese Medienpräsenz hilft nicht immer wieder von vorne beginnen zu müssen sondern Gemeinden, Schulen und Vereine mit konkreten Beispielen und Zahlen überzeugen zu können.

  • @Fussballbaron


    du hast Vorraussetzungen, die viele von uns gar nicht kennen, ich zumindest.


    meine Frage wäre, wie hast du angefangen, wie war dein dein Weg bis dahin, wie lange hat es gedauert, bis zu deiner heutigen Einstellung und deinen heutigen Möglichkeiten.


    gg

  • -Mitglieder/Eltern informieren, das Probleme/welche Probleme/Trainermangel herrscht
    -Erklären was ein Trainer im Monat kosten darf


    vollkommen deiner Meinung


    Dass man bezahlte Trainer an einen Kodex/Philosophie -ähnlich einem Arbeitsvertrag- binden kann


    da fangen die Probleme an, Wunschdenken, aber zur Zeit nicht durchsetzbar, wo fängt eigendlich der bezahlte Trainer an? wer soll das bezahlen?


    Das Ehrenamt mehr wert ist, als ein feuchter Händedruck


    das, glaube ich zumindest, haben in der heutigen Zeit inzwischen viele erkannt. Hoffe ich zumindest



    -Kurz erklären, was eine Sportstunde Fußbal heute kostet und was es kostet, zur Musikschule, Tennisstunde usw. zu gehen


    dann die Mitgliedsbeiträge von 4, 7 oder 9 Euro auf 14, 15 oder 18,50 Euro pro Kind (z.B. drittes Kind frei) anzuheben.


    bin ich absolut deiner Richtung. schon seit über 30 Jahren hab ich da was vesucht, bin total abegschmettert worden. ich habs aufgegeben.


    für mich überraschende Aussage meiner Frau von vorgestern: ich wär bereit für den Trainer (den jetztigen unseres Sohnes) extra zu bezahlen, der macht gute Arbeit und ich hoffe dass der bleibt. und das von einer Frau, deren Mann 15 Jahre ohne jeden Euro tätig war.
    Vorraussetzung: dieser fliesst direkt in die betreffende Mannschaft. bzw. Trainer
    wenn was verkrustet ist und schwierig aufzubrechen, dann sind es die Mitgliedsbeitgräge für Kinder. Ich krieg hier immer die soziale Verantwortung der Vereine als Antwort.




    Der qualifizierte Trainer unterliegt dem vom Verein gewünschten und erklärt sich, daran nachweislich zu halten. Dafür erhält er monatlich eine Kostenpauschale von 50, 100 oder 150 Euro.


    damit erhälts du garantiert keine qualifizitere Trainer. diejenigen, die es wegen dieser Entschädigung machen, kannst du eh verbrennen.
    trotudem bin ich für eine Aufwandsentschädigung für die Kosten, die einem Trainer entstehen. allein wegen der Estamierung.



    gg

  • Welche Qualifizierung haben die qualifizierten Trainer? Worin besteht diese im Detail? Wodurch wurde diese erreicht? Welchen zwei Wege der Qualifizierung sind aus deiner Erfahrung am effektivsten - auch wenn man nicht gerade einen persönlichen Couch zur Hand hat -. Links zum nachschlagen/informieren... auch gerne gesehen.


    Was kannst du im Bezug auf richtige variantenreiche Technik/en im Fußball empfehlen (Ball stoppen, Schusstechnik...). Auch hier durch was genau kann ich es lernen (und lernen zu lehren - ohne persönlichen Couch -)?


    Vielleicht gibt es so etwas wie eine Ausbildungslehrplan (als groben roten Faden - wie Ziele...-). Ich meine die großen Vereine Trainieren ja nicht nach Lust und Laune bzw. ihr doch auch nicht, oder? Worauf wird in welchem Alter Wert gelegt - am besten mit Begründung -?


    Was hältst du davon?
    http://coerver-coaching.de/241/Termine_&_Angebote.html
    http://www.playgreatsoccer.com/landing1.html

  • guenter:
    Wie ich angefangen habe ? Nicht mit Fussball :)
    Ich war viele Jahre international mit grossen komplexen Projekten unterwegs, war oft auf mich allein gestellt und musste viel Lehrgeld bezahlen, um zu lernen, dass wenn du was erreichen willst, du immer auf der höchstmöglichen Ebene beginnen, betrachten, planen und dann umsetzen musst. Von unten her bist du zwar immer gleich aktiv und es gibt dir das Gefühl echt was zur Problemlösung beitragen zu können, aber eben, als kleine Maus gehst du dann halt doch meistens mit dem Schiff unter.
    Wenn Du Klippen umschiffen willst, dann musst du nicht ans Paddel, sondern zuerst ins Kartenhaus und dann ans Steuer. Paddeln kannst du immer noch, wenn die Richtung stimmt.
    Ich habe auch gelernt dass du mit einer Vision und Message angstfrei und hemmungslos Termine bei praktisch allen Behörden, Sponsoren, Topspielern, Toptrainern etc. bekommst. Du brauchst keine Anst zu haben abgewimmelt zu werden. Im Gegenteil, die sind froh mal was Neues zu hören, kein Gejammere sondern Vorschläge für Pilotprojekte.
    Je höher du reingehst umso höher ist das Interesse der "Amtsinhaber" irgendwo eine eigene Duftmarke hinterlassen zu können, ein Projekt mit ihrem Namen zu starten etc. Sponsoren und Stiftungen funktionieren genauso. Es gibt eigentlich viel Geld an der Seitenlinie das darauf wartet SINNVOLL eingesetzt zu werden.
    Man braucht nur eine klare Vision, Mut und eine gewisse Arroganz und Hartnäckigkeit um an die Topshots zu gelangen. Wenn du mal oben bist geht es ganz easy. Nur auf dem Weg nach oben brauchst du Ellbogen um gegen zementiertes Unverständnis, Neid und Bürokratismus anzukämpfen. Viele lassen sich durch diesen Weg nach oben entmutigen oder haben nicht den Mut auch mal ein, zwei Stufen zu überspringen.
    Sobald du aber mal ein paar Top-Referenzen hast, wird alles viel leichter. Klar kannst du dir auch dann keinen Scheiss erlauben, aber du kannst dich auf dem Grat des kalkulierbaren, unternehmerischen Risikos bewegen statt immer nur auf politisch soziale Fettnäpfchen achten zu müssen.
    Ok, das tönt jetzt etwas abstrakt.
    Praktisch würde ich folgendes raten: Um das Trainerproblem zu lösen würde ich mich mal thematisch vom Fussball verabschieden und mich mal ganz generell mit dem Thema Gemeinde, Behörde, Eltern, Kinder auseinandersetzen und untersuchen wie das Thema Vereine, und damit auch Sport ganz generell bei euch auf Gemeindeebene behandelt wird. Du musst heruausfinden, wer die Sportförderung verantwortet und dann mit Vertreter der Schule und der Vollmacht deines Vereins den Dialog suchen, um zu schauen wo ihr steht, wer wie worüber denkt und was überhaupt denkbar wäre. Das ist ein erster, meines erachtens absolut notwendiger Schritt, den man nicht auslassen kannst.
    Wenn es euch gelingt hier eine guten Dialog zu entwickeln und der Wunsch und Wille da ist, das Vereinsleben in der Gemeinde weiter zu erhalten werden sich Möglichkeiten ergeben.
    Wie man dann weitergeht muss man von Fall zu Fall entscheiden.

  • Aber ich warne euch: Wenn jetzt wieder jemand kommt wegen von hohem Ross, geht bei UNS nicht, zu abstrakt und wirklichkeitsfremd - dann könnt ihr mich mal ;)


    Das kam von mir und bleibt auch dabei.


    Es ging nämlich nicht um die Sache sondern um die Art und Weise der Ansprache.Also nix mit "abstrakt und wirklichkeitsfremd". Und da geht es auch nicht um persönliche Befindlichkeiten, wie von dir wieder so bewertet. Mein Start hier im Forum war damals auch holprig. Shit happens. Jedoch sollte man Selbstreflektion betreiben, sonst ändert sich nichts.


    Jetzt wird es langsam eine Diskussion, die dem einen oder anderen vielleicht weiter hilft. Geht doch. Darum geht es in diesem Forum. Bleib bei diesem Stil und gehe immer davon aus, das du dich hier mit Gleichgesinnten auf Augenhöhe unterhälst.

  • Das klingt wirklich nach Traum, aber es ist eben in der Schweiz. Ich habe über Jahre versucht, so etwas in Deutschland - Vorbild USA - aufzuziehen, Mitstreiter zu suchen, vergebens. Die alten Kräfte haben in geschlossenen Reihen für max. Demoralisierung gesorgt, auch ein professioneller Hallenvermieter (aber den altertümlichen Kreisen entstammend) ist für innovative Pilotprojekte nicht zu haben, die Gemeinde stellt Platz nur Vereinen zur Verfügung, die also neu zu gründen wären (in D - für mich als kleinen Familienvater - zu viele Hürden dabei!) etc. Also vom hohen Ross komme ich sicher nicht, aber hierzulande bräuchte man enorm viel Energie, Zeit, Glaube, auch Geld, und alles nur für ein wenig besseren KiFu, meine Kraft reichte da nicht. Wie Andre schreibt: man muss sich im Verein immer erstmal auf Augenhöhe mit den anderen begeben, dann in deren Strom mitschwimmen, sich klein machen vor ihrem Neid und - schups - bevor man irgendwas vom Neuen, Besseren, Höhertrebigen verwirklicht hat, ist man schon einer von ihnen, genauso selbstzufrieden satt, träge: das die Gefahr im Hochdienen!


    Der frühe Vogel fängt den Wurm? Nein, es ist, als solle er zuerst wie alle unter und durch die Erde kriechen statt frei umherzufliegen, alles aus der Vogelperspektive zu sehen, bis all die Erde seine Flügel verklebt hat, dann darf er im Verein mitreden und Höheres erstreben, da er es dann nicht mehr besser als die anderen vermag ;) Dass es bei mehr Weltoffenheit und Experimentierfreude nicht bei Träumen bleiben müsste, man mit ihnen im Kopf kein bloßer Idiot ist, zeigt sich in anderen, eher kleineren Ländern, wo Verkrustungen scheinbar leichter aufbrechen: vielen Dank für deine Schilderung!!!

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Also ich denke jetzt nicht dass das nur in der Schweiz möglich ist. Wenn wir im Süddeutschen an Turniere gehen erzählen mir dort Trainer und Funktionäre auch sehr viel Positives.
    Vielleicht habe ich eine selektive Wahrnehmung oder treffe mich meistens mit Leuten die wie ich was bewegen möchten, aber ich habe jetzt ganz und gar nicht das Gefühl dass in Deutschland "verkrusteter" wäre als die Schweiz.
    Ich sehe höchstens Unterschiede darin, dass hier in der Schweiz die Hierarchien flacher sind und jeder mit jedem spricht und sich damit schneller und spontaner Netzwerke bilden, die dann nicht nur quatschen und Schuldige suchen, sondern auch schnell mal was zur Verbesserung der Situation TUN, ohne dass man gleich Ansprüche an Perfektion stellt.
    Klar - es ist hier auch etwas mehr Geld vorhanden - das hilft einerseits - aber dafür haben wir hier auch eine stärkere Abwanderung in Rand- und Trendsportarten als vielleicht in Deutschland und Oesterreich.
    Auf jeden Fall - das kannst du mir glauben - mit Geld allein geht gar nichts !
    Es braucht vielmehr Visionen, Organisatoren, Kommunikatoren und vor allem fähige Projektleiter mit Ausdauer und dem Glauben dass es DOCH geht. Dafür braucht es keinen Doktortitel sondern Leute die aus dem eigenen Schatten treten, ihre Komfortzone und angeborenen Verantwortungsbereich verlassen und ihren Kopf und Ruf riskieren um gegen die Widerstände der Mehrheit das zu tun was schon längst hätte getan werden müssen.


    Praktisches Beispiel:
    Ich hatte vor 3 Jahren praktisch identische Texte und Vorschläge gepostet wie hier. In der Schweiz bekam ich viele Anfragen und Einladungen, sehr viel Konstruktives und Freiwillige aus allen Winkeln der Schweiz, die nur darauf gewartet haben, was zusammen zu machen. HIER - auf diesem - so denke ich wenigstens - mehrheitlich "deutschen" Forum werde ich abgewatscht, missverstanden und aufs hohe Ross gesetzt.
    Keine Ahnung ob das jetzt repräsentativ ist. Aber da gibt es mindestens in meiner Wahrnehmung schon ein Unterschied.
    Ich wenigstens hätte mich bei uns nicht so ins Zeug gelegt wenn ich dasselbe Feedback wie hier erhalten hätte.

  • @Fussballbaron


    Da du nun schon zum zweiten Mal das "hohe Ross" ansprichst, meinst du wohl mich. Hättest mich auch ruhig direkt ansprechen können. Ich habe die Art und Weise deiner Ansprache kritisiert und fand dies wenig zielführend. Zwischen den Zeilen konnte man in deinen ersten Postings lesen, dass es dir ( auch ) um Qualitätssteigerung in den Vereinen geht. Leider aber nur zwischen den Zeilen. Der Hinweis, dass ich dir in der Sache recht gebe, sollte dazu dienen über die Sache an sich zu diskutieren. Ist wohl nicht so angekommen. Solltest du dich persönlich angegriffen fühlen, tut es mir leid und ich entschuldige mich dafür. War zu keiner Zeit meine Absicht.


    In der Sache an sich bewegen wir uns auf dem gleichen Feld und ich denke, viele andere User in diesem Forum auch. Jeder versucht in seinem Rahmen Verbesserungen zu erreichen.


    Für den KiFu in unserer Region versuche ich z.Zt. etwas zu hinterlassen. Dazu möchte ich aber nicht mehr sagen. Geschieht auch auf verschiedenen Ebenen.


    In meinem Heimatverein möchte ich einigen Herrschaften demonstrieren, dass es sich "lohnt" in den Jugendfußball zu investieren, man dafür aber auch etwas tun muss. Dazu habe ich dieses Jahr ein Fußballcamp organisiert für Kinder in dieser Region. Völlig egal ob aus unserem Verein oder in gar keinem Verein. Die Gemeinde wird dies pro teilnehmendes Kind finanziell unterstützen. Ebenso war die Resonanz zum Sponsoring durch die örtliche Wirtschaft ( und die ist hier nicht so groß ) einfach überwältigend. Motto: Für die Jugend immer ! Und hinsichtlich der Teilnahme mussten wir dies schon stoppen, da die Kinder vernünftig betreut und trainiert werden sollen und wir dazu nicht genügend Trainer sind, um noch mehr aufnehmen zu können. Übrigens werden wir durch A-Jugendliche unterstützt, die uns über die Schulter schauen. Das entspricht ja deinem Ansatz, im Trainerbereich rechtzeitig Nachwuchs zu rekrutieren. Vielleicht kommt der ein oder andere im Verein jetzt ins Grübeln. Dann hätte ich mein Ziel erreicht.


    Desweiteren bin ich in einem zweiten Verein tätig, der den von dir beschriebenen Weg der Investition in die Trainerqualifizierung geht. Die Aufnahmezahlen in diesem Verein sprechen Bände. Auch da gebe ich dir recht: Dies wird die Zukunft sein. Eltern sind durchaus bereit mehr zu bezahlen. Dieser Verein ist so klug dies 1:1 wieder in den Jugendbereich zu investieren. Soviel soll aber dazu reichen.


    Diese Erfahrungen möchte ich "auf leisen Sohlen" auch für meinen Heimatverein nutzen. Mir bedeutet eben Vereinstreue noch etwas, auch wenn man mir dies in der Vergangenheit sehr erschwert hat. Du sprichst von einer gewissen Arroganz, die man zur Durchsetzung der Ziele auch benötigt. Das hier ist ein Dorf. Da man sieht man sich beim Bäcker, auf der Kegelbahn, auf dem Schützenplatz.... Kommst du da mit Arroganz, trinkst du bald am Tresen alleine dein Bier und das macht auf Dauer auch keinen Spaß :D


    Also: Finde deine Ansätze ebenfalls sehr interessant, sind so aber nach den hier vorherrschenden Verhältnissen nur bedingt umsetzbar. Bedenke also, dass sich hier noch mehr Gleichgesinnte bewegen. Auf Augenhöhe, aber eben mit unterschiedlichen Ansätzen.

  • Genau das meinte ich. Wer einen trägen Zug in Rollen bringen, was bewegen will, kann nicht noch gegen Dutzende Bremser arbeiten, die zudem um zu kommen schon vorm 1. informellen Treffen geklärt wissen wollen, wer welchen Posten bekomme: "ich" natürlich einen besseren wie mein Nachbar... Natürlich mag man es nicht so gern lesen, wie einfach es vorgeblich andernorts sei, daher schob ich es auf die zudem reiche Schweiz: we are second, we try harder? Ich habe bei uns jedenfalls reigniert, kann es kaum nachvollziehen, dass es bei dir so easy ist, ziehe daraus aber nur den Schluss, dass am hiesigen System einiges faul ist, was aber viele gegen von unten kommende Schlauberger (wie mich, mein ich jetzt, nicht dich) vehement verteidigen. Tja, und wo der Marsch durch die Institutionen endet, haben Fischer & Co hierzulande auch bewiesen, also bleibt nur: Aufgabe, abwarten, beobachten, ob die Zeit irgendwann reif wird für neues Denken. Ich denke, das "System" wird immer schwerer an der Gewalt zu schlucken haben, die es letztlich mit produziert. Irgendwann wird man auch im hintersten Winkel drauf kommen, was man damit zu tun hat, dass Kosmetik schöner Reden doch kein probates Gegenmittel ist.... Im Moment fehlt es nicht nur an Bereitschaft, sondern an Bewusstsein fürs Problem, dass alles auf Sieg/Triumph gesetzt werden muss, dies vieles im Blick verengt...

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Also Kicker, Veränderung ist NIE easy ! und Veränderung schwimmt IMMER gegen den Strom. Ohne Konflikte geht es nicht. Ist wie im Fussball. Ohne "Gegner" wäre es langweilig und keine Herausforderung ;)
    Auch denke ich dass Veränderung schon noch im Dorf geschehen muss, respektive Dort wo man sich noch selber Einfluss und Gewicht verschaffen kann.
    Auf NATIONALE Veränderung würde ich jetzt nicht wetten. Im Gegenteil. Das Barometer zeigt eher auf "schlimmer". Machen können wir kleinen Würste da gar nichts ;)

  • Wenn man sich meine Weltverbesserungsvorschläge aus den vergangenen Jahren anschaut so sage ich heute, dass ich es aufgegeben habe, die Fußballwelt verbessern zu wollen.


    Ich kehre vor meiner Tür und damit -so glaube ich- mache ich schon (bei allen Fehlern die ich sonst so mache) eine Menge richtig.


    Diejenigen die die Fußballwelt verbessern wollen, gehen dem Fußball meist verloren und sitzen später möglicherweise beim Phsychiater. Die Wand der Narzissten ist groß, besonders beim Fußball...also die Wand vor die man rennt.


    Ganz wenigen von uns obliegt von ihrer Art (Diplomatie usw.) und aus ihrer Position (JL o.ä.) die Möglichkeit, etwas im größeren Rahmen als vor der eigenen Tür zu verändern.


    Ich bin dankbar, dass wichtige gute Leute der BASIS -mit diesen Eigenschaften-....etwas von unten nach oben geschaffen haben....die FPL (Fair-Play-LIga)!!!!!!!!!!! Die maschiert! Dort sind viele Gedanken -auch versteckt- integriert und verarbeitet.

  • Schon richtig, Veränderung kommt letztlich immer von unten, oben greift man ihre Tendenz nur dann auf, wenn sie schon in Gang ist, Erfolg verspricht. Hingeschmisen - ich verstehe das, ist doch die blockierende, lernresistente Enge mitunter kaum zu glauben....

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Steini,
    Habe die Reset-Taste gedrückt. Nicht nur wegen dir, sondern auch für ein paar andere welche ich wohl mit meiner direkten Art überfahren habe.


    Ja, das mit den Fussballcamps ist auch eine gute Sache. Auch bei uns spriessen diese wie Pilze aus dem Boden. Einige sind super und andere sind einfach noch mit auf den lukrativen Zug aufgesprungen, so dass wohl in diesem umkämpften Markt eine gewisse Konsolidierung statt finden wird und damit bald schon wieder diejenigen, die nur Camp heissen und nicht Camp sind, über die Klinge werden springen müssen. Damit ist es wohl hier in der Schweiz für ein "Dorf" äusserst schwierig geworden, jetzt noch, ein eigenes, finanziell erfolgreiches Camp gegen die Marktleader hochzuziehen.
    Unbestritten zeigen aber genau diese Camps (und die kosten zwischen 200 bis 300 Euro die Woche!) den Bedarf und die Nachfrage nach professionell geführten Fussballausbildungsstätten auf. Und es ist Fakt, dass die das Camp organisierenden oder sponsorenden Vereine aus den Camps heraus eine immense Nachfrage generieren den sie gar nicht abdecken können. (Viele namhafte Vereine in der Schweiz hat in der F-Jugend lange Wartelisten !). Andererseits suggerieren diese Camps auch einen Qualitäts- und Erlebnisstandard den die meisten Vereine dann gar nicht bieten können, so dass es deswegen auch zu höheren Ansprüchen der Eltern und einigen diesbezüglichen Austritten gekommen ist.


    Das Schlagwort hier, egal ob Camps, Private Fussballschulen, von der Gemeinde finanzierte Sportstunden, etc. - heisst wohl professionell!
    Moderne Eltern kennen das alte Vereinsleben nicht mehr. Sie wollen sich auch selber nicht mehr engagieren aber ihrem Nachwuchs eine gute Ausbildung ermöglichen die sie, ganz selbstverständlich als bezahlte "Dienstleistung" beziehen, egal ob Musik, Nachhilfe, oder eben Sport.
    Hier muss es einfach mal Klick machen.
    Heutige Eltern können und wollen sich nicht mehr in Vereinen engagieren, und gratis schon gar nicht. Und wenn, dann nur in beratender Funktion als Elternrat etc.
    Die Zeiten haben sich geändert und man kann das Rad nicht mehr zurückdrehen.
    Es ist auch nicht nur eine Einstellungssache, sonder einfach mit der Tatsache verbunden dass beide Elternteile berufstätig sind und viel mehr Zeit fürs Pendeln, Weiterbildung und eigene Well-/Fitness benötigt wird. Da ist einfach viel weniger Zeit da. Dafür aber mehr Geld.
    Dem muss man Rechnung tragen und Angebote so neu definieren dass sie auf die neuen Bedürfnisse passen.
    Eltern WOLLEN bezahlen wenn sie dafür Qualität kriegen ! Und ich denke das ist mittlerweile auch in Deutschland so. Vielleicht noch nicht im entlegensten Bergtal, aber das lassen wir jetzt mal weg.
    Wenn bezahlt wird, schafft das Anreize. Nicht nur wegen dem Geld, sondern weil Jungtrainer wirklich ein Gefühl der Anerkennung und für Verantwortung dafür auch hervorragende Qualität liefern zu müssen, vermittelt werden kann. Geld ist Perspektive ! Und es funktioniert weil die ganze Nation mittlerweile SOO funktioniert. Das ist nicht nur schlecht, sondern einfach anderst als früher.
    Früher hat man mit eigenem Engagement bezahlt, heute mit Geld. Früher war es ein Tauschgeschäft. Jetzt halt normales Business.
    Darum denke ich halt schon, dass das Problem des Trainermangels nicht ein Problem der Trainer ist, sondern primär ein Problem der Vereinsleitung welche sich zuallerst einmal um das Geschäftsmodell "Fussballverein" kümmern müssten, statt nur die Sympthome zu bekämpfen, oder - sie gehen unter ! Und das ist nicht nur schlecht !!


    Es läuft oft besser wenn man die alten Vereine "einstampft" und die Gemeinde die Sportinfrastruktur privaten Fussballunternehmern überlässt, die damit ganz neu anfangen. Mit einer Marktanalyse, einem Businessplan, Kapital, bezahlten Trainern und professionellem, dafür headcountmässig schlanker Administration. Klar gibt es da für "Dörfler" keine Pöstchen mehr. Nichts mehr wo man an Theke und Bäckerei angeben kann, ausser, man bringt wirklich Leistung und vermag sich seinen Posten in der neuen professionellen Struktur zu ergattern. Dann wird er aber auch arbeiten müssen. Nur einen Posten zu HABEN reicht dann nicht, und das ist gut so.


    In bezahlten Strukturen werden Trainer auch weitergebildet werden oder sich selber weiterbilden weil es - monetär - echt was bringen wird. Diese Weiterbildung wird die Gesamtqualität verbessern und damit auch den Kunden (Eltern) den Nutzen und Vorteil dieser Trainingsmöglichkeiten aufzeigen.


    Klar hat dieses System auch Nachteile:


    1. Eltern müssen es sich leisten können
    Wenn ich aber sehe, für was diejenigen bei denen man Geld am wenigsten vermutet, sonst noch alles Geld haben sehe ich da kein Problem).


    2. die Auswahlkriterien sind weniger streng
    Wenn jedes Kind Geld bringt schickt man es natürlich nicht nach Hause. Das hat Vorteile für schwächere Kinder (gut) und solche die man mangels Sozialkompetenzen schon längst hätte rausschschmeissen müssen (schlecht).


    3. Private können sich nicht im Regionalfussball etablieren
    Zur Zeit ist es äusserst schwierig als Privater Club am offiziellen Spielbetrieb teilzunehmen. Da sind wir auch in der Schweiz auf Stufe des Regionalfussballs noch gar nicht weit. Momentan hat sich damit die Situation auf den Stand eingependelt dass Private sich auf den Bereich G, F und E Junior beschränken und die Spieler dann wieder an die Vereine ohne Ausbildungsentschädigung "zurückgeben". Der gravierende Nachteil hier ist dass den "Privaten", obwohl sie technisch sehr gut ausgebildet sind, dann oft die Spielpraxis fehlt.


    4. Anspruchshaltung der Eltern
    Dort wo bezahlt wird, wachsen natürlich auch die Ansprüche. Da geht der Standardspruch "Wenn es ihnen nicht passt gehen sie woanders hin" aber gar nicht mehr !
    Mit entspechend erfahrenen Seniortrainern ist das kein Problem. Aber eben - wer hat denn nur alles so Zen-Typen in seiner Schule ;-). Hier muss einfach sehr viel im Vorfeld getan werden. Infoabende, Verhaltenscodex, etablierte Elternräte, etc. - dann hat man das im Griff. Im Gegenteil: Das Potential der Eltern MUSS man unbedingt nutzen.


    So, schon wieder viel geschrieben. Die Zeit vergeht.
    Mit ist es ein Anliegen, zu zeigen dass es geht. Nicht so und auf der selben Ebene wie die meisten denken, aber es geht !!
    Ich nenne das Fussball 2.0
    Freue mich über Feedback !







    3.

  • Der Bessere gilt den vielen eingebildet Guten als Feind, das ist für mich das Urproblem für jeden Fortschritt, der - außer im Elfenbeinturm einer reinen Wissenschaft, die es so nicht mal an Unis gibt - auf ganz leisen Sohlen daher kommen muss: was die meisten Menschen aber aus Ungeduld und eigenem Ehrgefühl nicht schaffen (mich eingeschlossen). Leute müssen deine Idee für die ihre halten, um sie voll zu akzeptieren, sonst wird reflexhaft erstmal gemäkelt, um die eigene Selbstachtung (dann lieber die des hernach oft beleidigten, dann "leer" ausgehenden Ideengebers) nicht zu verletzen: schließlich will jeder glauben, dass er der Beste sei ;)

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Noch ein Faktor: Bei uns haben Gemeinden begriffen, dass gute Infrastruktur (Schule, etc.) und Freizeitangebot auch "gute" Steuerzahler anlockt.
    Zudem haben sie und Versicherungsgesllschaften gecheckt, dass Sport billiger kommt als anonyme Jugendzentren.
    Beides führt mindestens bei uns dazu, dass die Türen für Vereine genauso wie für private Investoren für finanzielle Zuschüsse immer noch offen stehen - Professionalität vorausgesetzt ! ¨
    Und ja - ich spreche von NEUEN Konzepten mit Leuten die bewiesen haben dass sie auch umsetzen können.
    Ueberbrückungskredite für veraltete Strukturen gibt es natürlich keine !

  • Genau das zeigt das Problem in D etc.: Vereine werden aus Steuermitteln massiv "gesponsert", ohne dass ihre "Professionalität", ihr reeller Nutzwert oder ihr Wachstum bzw. ihr Schrumpfen (in zufriedenen Mitgliedern als Nutznießern) irgendwie geprüft o. im Erfolg :) langfristige Persönlichkeitsentwicklung aller Kinder statt kurzfristig Siege für Vereine u. Trainer!) nachzuweisen wäre. Mitunter entsteht so eine gigantische Ressourcenverschwendung zulasten öffentlicher Hauhalte: statt gesunde, sportliche und im weiteren Leben fitte, leistungsmotivierte Kinder kommen vielerorts frustrierte Kinder heraus, die vom (Vereins-)Sport die Schnauze voll haben, später zwar dem Fußball weiter als Fans auf den Leim gehen, aber zum Randalieren inkl. Vandalismus, Alkohol und Randale als "Ersatz-Aktivität" neigen - volkswirtschaftlich ein gigantischer, gar nicht hoch genug zu bemessender Schaden und Skandal, der politisch niemand zu kümmern scheint.... Grund: unsere (dank schnellem, privatem Profit/Zu-Gewinn als Fixierung) systemische Gleichgültigkeit gegenüber dem Nachwuchs, seinem reellen Wohl! Leben auf Kredit als Prinzip, zulasten ausgenutzter künftiger Generationen - diese politische Begriffsstutzigkeit im Wertgefühl bricht unserer Gesellschaft letztlich das Genick, auch wenn es bis zum Exitus noch einige Zeit dauern wird...

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....