Aufweichen von Grundprinzipien des Kinderfußballs ab der C-Jugend?

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  • Hallo Günter,

    Hallo Apu


    deutlicher kann man es nicht darstellen. das ist in meinen Augen erlebte Praxis, oder lieg ich verkehrt?

    das ist in der Tat wöchentlich erlebte Praxis.


    Grundsätzlich kann man es sowieso nicht jedem recht machen. Gerade was das Aufstellen der Mannschaft und das Auswechseln betrifft: Da wird es immer knifflige Entscheidungen geben und auch hin und wieder mal Unzufriedenheit.


    Wichtig ist für mich Ehrlichkeit: Wenn man einem Spieler verspricht, dass er spielt, dann sollte man das auch halten. Wenn man vorhat einen Spieler im Spiel nicht zu bringen, dann sollte man diesem das vorher auch mitteilen und vernünftig begründen usw.


    Ich finde es aus Spielersicht ziemlich frustrierend 70, 80, 90 Minuten auf der Bank zu sitzen und mir Hoffnungen auf einen Einsatz zu machen und dann nicht eingewechselt zu werden...

  • Ich finde es aus Spielersicht ziemlich frustrierend 70, 80, 90 Minuten auf der Bank zu sitzen und mir Hoffnungen auf einen Einsatz


    der Trainer, der das als Spieler selbst erlebt hat (wie ich) wird immer entsprechend damit umgehen.


    das meine ich auch, wenn ich sage, dass ein Trainer, der selbst jahrelang aktiv war, Vorteile hat (keine Aussage jetzt ob er der bessere Trainer ist)
    er weiss wie sich ein Spieler in bestimmten Situationen fühlt, kann sich in den reindenken und kann viel besser darauf eingehen, er hat das ja alles meist
    selbst am eigenen Leib erfahren.


    eine Devise hab ich in 40 Jahren nie geändert: ich muss dem Spieler meine Entscheidung für ihn nachvollziehbar begründen. egal ob F-Jugend oder Aktiv.
    dass diese Begründung nicht immer meiner tatsächlichen Überlegung entsprach, sei dahingestellt.


    ich bin damit verdammt gut gefahren.


    Günter


  • Vom Prinzip her mache ich das ja so...in etwas anderer Form: Ich habe bislang immer zugesehen, einen Mix aus Leistungsträgern und Schwächeren in jedem Spiel hinzubekommen. Aber mit der Variante könnte ich leben, vielleicht orientiere ich mich daran. Allerdings müssen dann die Leistungsträger gegen schwächere Gegner auch auf Spielzeit verzichten...hin wie her, die müssen für die Schwächeren "bluten". Aber vom Grundsatz her ist der Ansatz der Gegnerstärke so okay in einer C.



    Bis zur E gehe ich mit dieser Auflistung mit, weil es da oft Kinder gibt, die von Eltern zum Fußball getrieben werden bzw. die einfach nur mit dem besten Kumpel mitgehen. Ab einer D, spätestens in der C - von der die Eingangsfrage ausgeht - gibt es wohl keinen mehr, der nicht will - zumindest ist mir noch keiner untergekommen! Wer als 12-, 13-, 14-Jähriger keinen Bock hat, bleibt weg bzw. meldet sich ab. Insofern fallen die Punkte 2) und 4) durchs Raster, wobei es in der Natur des Menschen liegt, MAL nicht zu wollen...


    in der F-jugend meldete ein Vater seinen Jungen an (die Mannschaft war schon seit dem 4. Lebensjahr zusammen)
    vergess nie seine Worte: Darf mein Junge bei euch mitmachen, er will unbedingt, erkann zwar absolut keinen fussball spielen, aber der Arzt hat ihm unbedingt
    Süprt empfohlen, ausserdem ist er etwas Aussenseiter in der Klasse, vielleicht kriegt er so etwas Kontakt.


    so war es, direkt gemerkt, er ist etwas Ausserseiter obwohl selbst ständig auf Kontaktsuche, Sportlich eine Null, da extreme Koordinationsprobleme.


    er war aber in jedem Training, absolut zuverlässig. nach einiger Zeit 1. Spiel. ne halbe Katastrophe.
    ich hab sofort erkannt, ich muss ihn schützen, sonst geht sein ganzes Selbstvertrauen flöten (Reaktionen der gegnerischen Mannschaft)


    Ich hatte in meinem letzten Beitrag von "einem Talentlosen" gesprochen...dem "Einzelgänger". Was soll ich sagen: In der damaligen E kam er mit seinem Opa zu mir, der ihn mit ähnlicher Wortwahl anmeldete, Motto: "Naja, spielen kann er nicht, aber er soll sich etwas bewegen...er soll mal unter Leute kommen. Aber mit dem Fußball wird das bestimmt nichts. Vielleicht kann er ja ab und zu ein paar mal mitspielen." So ungefähr, aber im Sinn genau, wie bei dir!


    Schöne Geschichte, Günter, auch wenn der Junge freiwillig das Handtuch warf. Aber genau DAS ist es doch, weshalb ich auch auf diese "Null" nicht verzichten möchte...weil es eben auch ein Erfolg ist, solche Jungs bei der Stange zu halten...zu intergrieren...denen etwas mit auf den Lebensweg gegeben zu haben und seien es "nur" ein paar Jahre unter Ihresgleichen. Ich wäre da genau so stolz, wie du - eigentlich bin ich das jetzt schon, denn ich "schleife" diesen Jungen nun schon seit 3-4 Jahren mit durch und er ist immer noch dabei.


    Ein abruptes Ende fand das Ganze, als auch der Versuch mit ihm als Torhüter scheiterte. Von der Torlinie aus hört er nicht auf, seine Mutter am Seitenrand als "Du Hure, du Schlampe!" zu beschimpfen.


    Schließlich ging die Mutter zu ihm auf dem Platz. Schallerte ihm eine während des Punktspiels und zerrte ihn nach Hause.


    Krasses Beispiel, da hatte ihr die Lacher wohl auf eurer Seite! ;) Peinlich nicht nur für euch, sondern vor allem für die Mutter...letztlich erntet man aber wohl meist das, was man säät.


    Ich finde es aus Spielersicht ziemlich frustrierend 70, 80, 90 Minuten auf der Bank zu sitzen und mir Hoffnungen auf einen Einsatz zu machen und dann nicht eingewechselt zu werden...


    So sieht das aus! Und genaus deshalb gibt's sowas nicht bei mir! Mindestens 20 Minuten, besser 1 Halbzeit - unabhängig vom Spielstand! Mein Wechselkontingent schöpfe ich immer aus, d.h. wer zu den 15 Nominierten gehört, spielt auch.

  • Bis zur E gehe ich mit dieser Auflistung mit, weil es da oft Kinder gibt, die von Eltern zum Fußball getrieben werden bzw. die einfach nur mit dem besten Kumpel mitgehen. Ab einer D, spätestens in der C - von der die Eingangsfrage ausgeht - gibt es wohl keinen mehr, der nicht will - zumindest ist mir noch keiner untergekommen! Wer als 12-, 13-, 14-Jähriger keinen Bock hat, bleibt weg bzw. meldet sich ab. Insofern fallen die Punkte 2) und 4) durchs Raster, wobei es in der Natur des Menschen liegt, MAL nicht zu wollen...

    unter denen, die nicht wollen verstehe ich in etwa folgende Spieler: Spieler, die zum Training kommen, wenn sie dazu Lust haben. Ist das Wetter zu kalt, zu nass, zu warm, kommt es regelmäßig vor, dass diese Spieler nicht kommen. Manche kommen nur um sich beim Training mit Freunden zu treffen. Manche stören Übungen oder führen sie nur halbherzig durch. Da werden dann Pässe unkonzentriert gespielt, da wird im Training nicht mehr als nötig gemacht. Bei manchen hat man das Gefühl, dass man sie darum bitten muss, zu kommen. Da kommt es dann auch schon mal vor, dass die trotz Ankündigung gar nicht wissen, dass am Wochenende ein Spiel ansteht geschweige denn wie der Gegner heißt.


    Diese Art von Spielern meine ich. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Spieler, die mal mit 11,12 mit vollem Einsatz dabei waren, dann auf einmal mit 13,14 (vorübergehend) eine solche Einstellung bekommen. Andere haben diese Einstellung von Anfang an. Kommen diese Spieler zum Spiel, erwarten sie dann aber zum Teil trotzdem reichlich Einsatzzeit.


    Wenn du diese Sorte von Spielern nicht bei dir in der Mannschaft hast, dann "Glückwunsch". Kann mir aber vorstellen, dass einige Trainer, gerade in den unteren Ligen und bei kleinen Dorfvereinen, wissen, wovon ich spreche.

  • Apu,


    aber was ist denn dann dein Rezept?


    Es kann doch wohl nur bedeuten, die Jungs sowohl Menschlich, als auch fußballerisch Anzusprechen, damit sie ihren "Bock" entwickeln, gerade im Dorfverein kommt es doch auf jeden Spieler an.


    Auch hier mein HInweis auf die Ausbildung. Ausbildung und nicht Ergebnisdenken des Trainers. Wer das Ergebnisdenken runterschraubt, der hat doch mit diesen "Problemen" eigentlich kein Problem. Der bildet einen Kern, seinen wichtigen Kern der Mannschaft super aus und die anderen, bedient er mit Ausbildung wie sie kommen. Ende.


    Der Breitensportverein mit mehreren Mannschaften ...den würde ich mit mehr als der üblichen Zahl an Spielern bestücken...was weiss ich ...+ 2 z.B....um das aussitzen zu können, wenn sie nicht kommen und auch, um die Sanktion des Bankdrückens aufrecht erhalten zu können.


    In den ersten Mannschaften größerer Verein oder Leistungsteams...gibt es das Problem eher nicht oder es ist nicht nennenswert.

  • Hallo Andre,

    aber was ist denn dann dein Rezept?

    es gilt die richtige Mischung zu finden. Jeder soll seine Einsatzzeiten bekommen. In der C müssen die meiner Meinung nach aber nicht mehr bei jedem gleich sein. Da sollte die Leistung auch mit rein spielen. Je nach Gegner besetze ich die Mannschaft. Gegen stärkere Gegner schon in besserer Besetzung, gegen schwächere Gegner bekommen dann auch vermehrt Spieler eine Chance, die leistungsmäßig hinten anstehen, sich aber reinhängen und zuverlässig sind.


    Ich muss es nicht jedem Spieler recht machen. Wer spielen möchte, der muss sich auch anbieten. Heißt: Trainingsbeteiligung, Einsatz und Zuverlässigkeit setz ich da schon voraus. Wer diese Kriterien nicht erfüllt, auf den nehm ich, da bin ich ehrlich, weniger Rücksicht. Aber das tun diese Spieler ja auch nicht.



    Ausbildung und nicht Ergebnisdenken des Trainers.

    Die Ausbildung sollte nach wie vor auch in der C einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Als kleinerer Verein mit wenigen Mannschaften musst du aber auch folgendes Abwegen:


    Dauerhafte Erfolglosigkeit kann dir die Mannschaft zerstören, weil Spieler den Verein wechseln oder ganz aufhören.


    Spielen immer nur die Gleichen, hören einige Spieler, die kaum spielen, auf.


    Ich bevorzuge den Mittelweg: Team gegen stärkere Gegner stärker besetzen und gegen schwächere Gegner auch den Spielern aus der sogenannten "2.Reihe" regelmäßig Chancen geben (wofür dann auch schon mal der ein oder andere Leistungsträger auf Spielzeit verzichtet).


    Die Realität wird in den folgenden Jahren meiner Einschätzung nach so aussehen, dass einige Vereine (was die Jugendabteilungen betrifft) gerade in den ländlichen Regionen verschwinden werden. Das ist sicher ein anderes Thema. Trotzdem steht es irgendwo auch in Zusammenhang mit Leistung. Nicht nur: Wo wird gut ausgebildet, sondern auch: Wo ist noch ein wenig Erfolg!


    Gefällt mir zwar auch nicht, muss ich aber trotzdem in meine Überlegungen hinsichtlich meiner Vorgehensweise berücksichtigen.

  • "Dauerhafte Erfolglosigkeit....usw."


    wird oft verwendet.


    Der Trainer der im besten Fall -und da darf ich mich vermutlich nicht einreihen... man höre und staune- nicht ein bischen Erfolgsdenkend ist,


    ....der sollte mittelfristig mit kurzfristig dort spielen, wo er mit seiner Truppe hingehört, ....damit es keine dauerhafte Erfolgslosigkeit gibt! (Staffeln usw.).


    Ferner....wer gutes Training anbietet und als Trainer was drauf hat.....der kann mir nicht erzählen, dauerhaft was auf die Schwarte zu bekommen.


    Entweder stimmt da was beim Training nicht, oder die Truppe ist in der besagten falschen Liga und manchmal ist es halt die Erwartungshaltung die zu hohen Druck aufbaut und dann hat man möglicherweise das Problem mit der STÄNDIGEN Erfolgslosikeit.


    Ich würde da einfach mal zu mehr Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten anregen wollen. Dauerhaft endet auch irgendwann. Im übrigen bin ich der festen Auffassung, dass gerade in ländlichen Bereichen wo du eine Mannschaft der jeweiligen Jugend hast, ein Spiel in Staffeln von Vorteil wäre, ...um das Wort -dauerhaft- streichen zu können. Das sollten nicht die Kinder durch Weggehen, Frust, Auszeiten, Reservebank und kaum oder weniger Spielen ausbaden, sondern das System sollte diese Dinge regeln....

  • unter denen, die nicht wollen verstehe ich in etwa folgende Spieler: Spieler, die zum Training kommen, wenn sie dazu Lust haben. Ist das Wetter zu kalt, zu nass, zu warm, kommt es regelmäßig vor, dass diese Spieler nicht kommen. Manche kommen nur um sich beim Training mit Freunden zu treffen. Manche stören Übungen oder führen sie nur halbherzig durch. Da werden dann Pässe unkonzentriert gespielt, da wird im Training nicht mehr als nötig gemacht. Bei manchen hat man das Gefühl, dass man sie darum bitten muss, zu kommen. Da kommt es dann auch schon mal vor, dass die trotz Ankündigung gar nicht wissen, dass am Wochenende ein Spiel ansteht geschweige denn wie der Gegner heißt.


    Diese Art von Spielern meine ich. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Spieler, die mal mit 11,12 mit vollem Einsatz dabei waren, dann auf einmal mit 13,14 (vorübergehend) eine solche Einstellung bekommen. Andere haben diese Einstellung von Anfang an. Kommen diese Spieler zum Spiel, erwarten sie dann aber zum Teil trotzdem reichlich Einsatzzeit.


    Wenn du diese Sorte von Spielern nicht bei dir in der Mannschaft hast, dann "Glückwunsch". Kann mir aber vorstellen, dass einige Trainer, gerade in den unteren Ligen und bei kleinen Dorfvereinen, wissen, wovon ich spreche.


    Ich kenne derartige Spieler, das schrieb ich ja bereits - aber halt nur bis zur E, teils D! Die sind aber mittlerweile nicht mehr da und haben sich dem Fußball abgewendet. Deine Glückwünsche nehme ich gern an, danke! ;) ...denn ich habe keinen derartig gepolten Spieler in meinem Team, aber gelegentliche Ausnahmen bestätigen die Regel. Im Übrigen spielen wir unterste (Kreis)Liga.



    Volle Zustimmung meinerseits!

  • .der sollte mittelfristig mit kurzfristig dort spielen, wo er mit seiner Truppe hingehört, ....damit es keine dauerhafte Erfolgslosigkeit gibt! (Staffeln usw.).

    Wir spielen dort, wo wir hingehören. In jeder Liga gibt es nun mal Teams, die oben mitspielen und welche, die unten mitspielen. Überall wo es Platzierungen gibt, werden diese auch belegt, heißt es wird immer nen Tabellenersten und auch immer nen Tabellenletzten geben. Tiefer als Kreisliga C (oder D) geht es nicht. Und auch da gibt es Teams, die wöchentlich die Hucke voll bekommen. Da muss man sich nur mal die diversesten Tabellen durchschauen. Da regelst du auch nichts mit neuen Staffeleinteilungen.



    Ferner....wer gutes Training anbietet und als Trainer was drauf hat.....der kann mir nicht erzählen, dauerhaft was auf die Schwarte zu bekommen.

    Wenn du überwiegend die Spieler berücksichtigst, die dein gutes Training dann auch annehmen, geb ich dir Recht. Wer eine Trainingsbeteiligung von ca 30-40% aufweist, der hat auch vom besten Training wenig und wird sich langsamer weiterentwickeln.


    Ich finde deinen Ansatz ja gut, keine Frage. Was mich interessieren würde. Hast du diesen Ansatz auch in der Praxis erprobt? Mit welchen Jugenden? Wie waren die Reaktionen? Alle Spieler in der C-Jugend zu gleichen Teilen spielen lassen und das dann auch kein bißchen leistungsorientiert klingt ein wenig nach "Walldorfschulen"-Prinzip.


    Ich denke, wir haben grundsätzlich andere Voraussetzungen. Ich trainiere eine C-Jugend in einer ländlichen Region. Ich lege Wert auf die Weiterentwicklung der Spieler und plane mein Training recht genau. Wir spielen mit Viererkette und ballorientiertem Spiel. Technische und taktische Inhalte sind mir schon wichtig.


    Ich habe einen Kader von 20 Spielern. Pro Spiel dürfen 15 spielen (11 + 4). Hab ich am Wochenende mehr als 15 Spieler, dann muss ich entscheiden, wen ich draußen lasse. Und das mache ich nach den Kriterien, die ich bereits in einem der vorherigen Postings genannt habe.


    Für mich besteht ein Unterschied zwischen Hobbyfussball und Vereinsfussball. Im Vereinsfussball brauche ich nunmal wöchentlich mindestens 11 Spieler für eine C-Jugendmannschaft. Also muss ich sehen, dass ich alle Spieler bei Laune halte. Manche sind erfolgsorientierter und möchten gerne Spiele gewinnen, anderen ist das relativ egal.


    Ich muss mir dennoch überlegen, auf wen ich bauen kann und auf wen nicht. Ich bin der Überzeugung, dass viele Jugendgruppen (nicht nur im Fussball) kaputt gehen, weil es zu viele Spieler mit der Einstellung gibt: "Heute habe ich mal Lust, und heute habe ich mal keine!" Warum soll ich auf diese Spieler viel Rücksicht nehmen? Irgendwo möchte ich doch einem Jugendlichen auch ein paar Werte und Prinzipien mitgeben: Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit werden im Arbeitsleben auch vorausgesetzt. Teamsport lebt davon, dass jeder sich an gewisse Regeln hält und seine Mannschaft nicht regelmäßig im Stich lässt.


    Baue ich auf die "falschen" Spieler, dann bekomme ich unter Umständen irgendwann die Quittung und habe nicht mehr genügend Spieler für eine Jugend. Jugendliche vergleichen gerne und entwickeln einen Gerechtigkeitssinn, fühlen sich zum Teil ungerecht behandelt und mißverstanden.


    Wie argumentierst du einem Spieler, der immer zum Training kommt und seine Leistungen regelmäßig bringt, dass er in einem Spiel gegen einen stärkeren Gegner die gleiche Spielzeit bekommt, wie ein Spieler, der sich von 10 Mal vllt nur 3 Mal hat beim Training blicken lassen und dann auch nur das Nötigste gemacht hat?


    Um es zum Abschluss zu bringen: Bei mir hat über eine ganze Saison hinweg immer jeder seine Einsatzzeit bekommen. Wer mehr investiert hat, hatte am Ende meistens mehr Spielzeit als jemand, der entsprechend weniger dafür investiert hat. Unabhängig von der Leistung das Ganze. Damit bin ich bisher immer gut gefahren, pro Jahr durchschnittlich, wenn es hoch kommt, einen Abgang. Und ganz wichtig: Der Spaß ist auch nicht zu kurz gekommen!

  • Wir spielen dort, wo wir hingehören. In jeder Liga gibt es nun mal Teams, die oben mitspielen und welche, die unten mitspielen. Überall wo es Platzierungen gibt, werden diese auch belegt, heißt es wird immer nen Tabellenersten und auch immer nen Tabellenletzten geben. Tiefer als Kreisliga C (oder D) geht es nicht. Und auch da gibt es Teams, die wöchentlich die Hucke voll bekommen. Da muss man sich nur mal die diversesten Tabellen durchschauen. Da regelst du auch nichts mit neuen Staffeleinteilungen.


    Hier könnte man für diese Fälle eine "Out of Order" Gruppe installieren, wo man in einer Art -Freundschaftsspielerunde- ohne Tabelle spielt. Ich habe übrigens gerade mal nachgeschaut, ...mir ist bekannt, dass es solche Beispiele gibt....in diesem Jahr scheint das hier aber zu passen...entsprechend ist ein solches Team in der Kreisliga C, vermutlich Dorfverein und nur eine Mannschaft in der Altersgruppe...doch nicht das Tagesproblem....aber es wird sie geben, da hast du bestimmt recht.



    Ich finde deinen Ansatz ja gut, keine Frage. Was mich interessieren würde. Hast du diesen Ansatz auch in der Praxis erprobt? Mit welchen Jugenden? Wie waren die Reaktionen? Alle Spieler in der C-Jugend zu gleichen Teilen spielen lassen und das dann auch kein bißchen leistungsorientiert klingt ein wenig nach "Walldorfschulen"-Prinzip.


    Ich habe das -auch damals als ich noch gewinndenkend war- annähernd so praktiziert. Es gab bei mir nie einen Spieler, der mehrfach einfach nur so nicht zum Training kam, entweder entschuldigt gefehlt oder wegen Krankheit, Konfi, Schule, Urlaub gefehlt. Ich hatte überhaupt keinen Grund, jemanden nicht oder weniger spielen zu lassen, weil es gab eine Leistungseinteilung und es spielten zwei Jahrgänge zusammen, ....wir trennten sie nicht nach Jahrgängen. Damals habe ich darüber aber nicht nachgedacht, ...erst hier im Forum entstand das durch die Diskussion. Dann habe ich das bei der Mannschaft meines mittleren Sohnes festgestellt und in Kombinaton aus allem, entstand meine Meinung dazu.


    Für mich besteht ein Unterschied zwischen Hobbyfussball und Vereinsfussball.


    Dieser Satz ist eigentlich sehr interessant. Er ist es, weil ich bis vor kurzem hier ein glattes JA gesetzt hätte, ..Ja ich sehe das auch so. Nun sehe ich es aber anders. Ich finde der Vereinsfußball im Jugendbereich unterscheidet sich...ja....sollte es aber nur....was die Organisation angeht. Zu diesem Satz komme ich aus der Meinung....dass es besser wäre, die Kinder einfach spielen zu lassen, um sie in ihrer Entwicklung nicht zu hemmen. Also altersgerechtes Training....und dann frei spielen lassen ohne Beinflussung....was ja beim Hobbyfußball eher der Fall ist....


    Ich muss mir dennoch überlegen, auf wen ich bauen kann und auf wen nicht.


    Hier würde ich Unterscheiden, Breitensport oder Leistungssport.


    Ich baue auf jeden....nein besser noch....ich würde überhaupt nicht bauen. Ich würde hier nur "bauen" was das eigentliche zum Training/Spiel kommen angeht.
    Heute baut man auf den Spieler XY ....der in zwei Jahren eine Flinse ist und der, von dem man jetzt meint, das man besser nicht auf ihn baut, ...ist in der C der Crak, ...was aber nicht passiert, wenn du nicht auf alle -in dem Sinne- "baust". In der A könnte der Satz ja schon eher zutreffen, aber weiter unten eher nicht. Desto weiter unten....desto weniger...nach meiner Meinung.


    Baue ich auf die "falschen" Spieler, dann bekomme ich unter Umständen irgendwann die Quittung und habe nicht mehr genügend Spieler für eine Jugend.


    Hier verweise ich auf das vorherige Statement. Du hast das Wort - falschen - ja in Anführungsstriche gesetzt. Für mich gibt es das Wort in diesem Sinne im Jugendfußball nicht. Ich verstehe was du sagen willst, aber gem. meiner Auffassung darf es das Wort nicht geben.


    Wie argumentierst du einem Spieler, der immer zum Training kommt und seine Leistungen regelmäßig bringt, dass er in einem Spiel gegen einen stärkeren Gegner die gleiche Spielzeit bekommt, wie ein Spieler, der sich von 10 Mal vllt nur 3 Mal hat beim Training blicken lassen und dann auch nur das Nötigste gemacht hat?


    Wäre das nicht egal, wenn man den Ergebnisdruck nach hinten schiebt oder weglässt?
    Wird dieser Spieler auf der Bank besser oder schlechter?


    Ich sehe das so, ...mit einer Ausnahme, ....ein Spieler der mehrfach, also wiederkehrend ohne zwingenden Grund nicht zum Training kommt, der spielt nicht, wenn er nicht da war oder weniger, wenn er nur sporadisch kommt. So gesehen sind wir hier einer Meinung.


    Es gibt aber Trainer, die hier eine genaue Auflistung machen. Da wäre ich halt extrem lockerer drauf...im Breitensport.....dann fehlt der Junge halt mal wegen Schule, Konfi, Geburtstag....wenn es eine Ausnahme ist und er sich kurz abmeldet, ...wäre es mir egal....so egal, dass er die gleiche Spielzeit wie jeder andere bekäme, obwohl er ja faktisch weniger trainiert hat.


    Das stünde aber auch jedem anderen Spieler so zu. Würde es mich ärgern, würde ich bei meiner Einstellung am Training arbeiten, damit es so gut wird, dass Fußball noch wichtiger und erstrebenswert ist, als es der Termin für den er das Training ausfallen lassen würde war. ;)


    Abschließend möchte ich auch hier sagen, dass das halt meine Philsophie wäre, ...das ist nicht das Nonplusultra, das muß jeder selber wissen...wie er es macht. ;):rolleyes:

  • Wäre das nicht egal, wenn man den Ergebnisdruck nach hinten schiebt oder weglässt?
    Wird dieser Spieler auf der Bank besser oder schlechter?



    Andre, das hat doch nichts mit Ergebnisdruck zu tun, auch nicht ob er auf der Bank besser oder schlechter wird.


    das hat ganz einfach was mit Einstellung des Spielers zu tun.


    die richtige Einstellung zum Mannschaftssport zu entwickeln, ist Aufgabe eines Jugendtrainers.


    Und die wird nicht dadurch erreicht, dass wenn er bedeutend weniger tut (hat jetzt nichts mit Können zu tun) trotzdem die gleichen Rechte hat, wie der,
    der diese einstellung mitbringt.


    der, der die richtige Einstellung mitbringt hat ganz einfach das Recht längere Spielzeit zu haben, als der andere.


    sonst ist das ungerecht. Und kinder und Jugendliche sind sehr empfindlich, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen.


    Jeder Spieler entscheidet mit seiner Einstellung letztendlich selbtst, wie hoch seine Spielzeit ist.


    Günter

  • Das sehe ich halt anders -für den Breitensport-.


    Ein Kind das mal entschuldigt fehlt
    mit echtem Grund
    und
    ein Kind was im Training nicht richtig mitmacht,


    das spielt zu gleichen Teilen wie andere auch...jedenfalls annähernd (ohne auf die Uhr zu schauen)


    Das gilt bei mir auch für den, der derzeit super gut mitzieht und das Training einfach super super mega stark mitmacht.....wenn er ein Jahr später die gleiche Phase hat.


    Das weiss dieser Spieler...der jetzt super super Gute und der sich etwas hängen läßt auch....ich will und bin dann der Auffangpool. Das käme mir nicht vor wie du es machen würdest....das ist mir mit zuviel Leistungsdruck und Leistungsdenken behaftet und kenne ich aus der ersten Mannschaft. Ich spreche hier von einer F, E usw.. und von kleinen Kindern.


    Es könnte sein, dass du recht hast...es könnte dir aber auch passieren, dass du unrecht hast, ...genauso wie es mir passieren könnte. Es könnte sein, dass deine Spieler die Megamannschaftsspieler werden, es könnte aber auch bei mir so sein.


    Das würde bei mir auch immer mal wieder ein Gespräch geben oder einen sarkastischen Spruch ala Ondre, ...ganz bestimmt sogar und das mit einem breiten Grinsen, aber spielen würden sie.


    Ein Kind, dass unzuverlässig ist und mehrfach unentschuldigt nicht zum Training kommt und dann zum Spiel erscheint, ....spielt nicht, das habe ich ja zuvor auch schon geschrieben.


    Wir haben uns hierzu auch schon in einem anderen Thema ausgetauscht. Auch hier der Hinweis....ich will dich nicht umstimmen, ich würde es jedenfalls so machen und ich habe es immer so gemacht. Übrigens hat von meinen Spielern der F noch keiner aufgehört und die sind heute in der C und B 1, das ist auch eine Messlatte.

  • Ein Kind, dass unzuverlässig ist und mehrfach unentschuldigt nicht zum Training kommt und dann zum Spiel erscheint, ....spielt nicht, das habe ich ja zuvor auch schon geschrieben


    tut mir leid, diesen Satz hab ich auch jetzt im nachlesen nicht gefunden.


    das ist nämlich das was ich meine, nicht den der mal gefehlt hat.


    wenn ich von Einstellung rede, dann meine ich die längerfristige Grundhaltung des Spielers und nicht wenn er mal jurzfristig neben der Kapp läuft, was wohl jeder mal macht.


    ich glaub wir sind doch nicht so weit auseinander


    Günter

  • Übrigens hat von meinen Spielern der F noch keiner aufgehört und die sind heute in der C und B 1, das ist auch eine Messlatte.


    Andre, da liegen ja wohl um die 6 Jahre dazwischen.
    War das nicht die Zeit, wo du noch lt. eigener Aussage auf der anderen Trainerseite gestanden hast, gewinndenkend, brüllend usw. (deine Worte) ?


    wenn dem so wäre, müsste man ketzerisch fragen, wieso spielen dann trotzdem noch alle? gibt es nicht doch andere bedeutendere Gründe, warum
    Jungs aufhören.


    Günter

  • @Alle


    hab gestern eine Spruch von Nietzche gelesen, der mir nicht aus dem Kopf geht.


    Bewegst du dich auf einer Ebene, so steige nicht auf den höchsten Gipfel, sondern verweile auf halber Höhe, dort ist es am schönsten.


    dazu passt der landläufige Spruch vom goldenen Mittelweg


    vielleicht sollte man das mal überlegen, wenn es um das Anspruchdenken von uns Trainern an uns selbst und an andere geht.


    Günter

  • Andre, da liegen ja wohl um die 6 Jahre dazwischen.
    War das nicht die Zeit, wo du noch lt. eigener Aussage auf der anderen Trainerseite gestanden hast, gewinndenkend, brüllend usw. (deine Worte) ?


    wenn dem so wäre, müsste man ketzerisch fragen, wieso spielen dann trotzdem noch alle? gibt es nicht doch andere bedeutendere Gründe, warum
    Jungs aufhören.


    Günter, diese Frage ist absolut legitim.


    1. Habe ich gewisse andere Dinge/Merkmale unbewußt und ohne Wissen richtiger gemacht, z.B. spielten bei mir immer alle zu fast gleichen Zeiten und ich hielt mich an die
    Altersziele


    2. War ich in der Lage, ihre Sprache zu sprechen und zu verstehen und so brachte ich sie dazu, dennoch viel mit mir oder ich mit ihnen zu lachen und zu albern.


    Erst gestern war ich mit meinem Kleinsten im Hallenbad. Dort traf ich eine Trainerin mit ihrem Sohn. In Begleitung war ein kleines Mädchen, das nie spricht und keinen
    Kontakt mit Menschen aufnimmt. Ich wußte das zunächst nicht und nach drei Sätzen lachte die Kleine und fragte mich was. Als sie weg war, sagte mir die Trainerkollegin,
    dass ich mir was einbilden dürfte, dass hätte sie noch nie gemacht und erzählte mir dann was los war. Also irgendwo dürfte ich einen Draht zu Kindern haben, denke ich.

    Dennoch gehe ich fest davon aus, dass die Jungs beim Spiel....wo ich den Joystick auspackte, noch mehr Spass gehabt hätten und mehr gelernt hätten, wie ich


    3. Kamen nach mir Trainer, die wesentlich ruhiger am Spielfeldrand waren.
    meine dummen überflüssigen bremsenden Kommentare unterlassen hätte.

  • War ich in der Lage, ihre Sprache zu sprechen und zu verstehen und so brachte ich sie dazu, dennoch viel mit mir oder ich mit ihnen zu lachen und zu albern.


    Und darauf kommt es im Kinderfussball an, hier haben natürlich Vatertrainer und Trainer deren Kinder diese Alterstufen schon durchlaufen haben
    enorme Vorteile.


    in meinen Augen wichtiger als Trainerscheine und DFB-Richtlinien.


    natürlich ist es der Idealfall, wenn alles zusammen zutrifft, aber wo ist das schon.


    spätestens ab C-Jugend sieht das natürlich anders aus.


    Günter

  • Günter, deine praxisnahen Beiträge gefallen mir immer wieder hervorragend. Da sieht man, über welchen erlebten Erfahrungsschatz du verfügst. Das mal am Rande.


    Bin grad auf einen wie ich finde feinen Bericht im Netz gestoßen, hab jetzt aucf die Schnelle keinen passenden Thread gefunden. So ganz daneben ist er hier denke ich nicht.
    Sehr lesenswert, besonders der Auftakt mit dem Gerhard Polt Zitat :) . Schönes Fußballwochenende schon mal.


    Die Sehnsucht nach Ruhm!
    Die Sehnsucht der Eltern nach Ruhm.


    http://www.spox.com/myspox/blo…cht-nach-Ruhm-,89861.html

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    „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“
    Karl Lagerfeld

  • Toller Text! Ich kenne soetwas sogar mit der Steigerung, dass beide Eltern Trainingsanzüge tragen Mit "Leons Mama" bzw. "Leons Papa". Kein Witz!

    [b][color=#990000]"Absolvent der SOCCERDRILLS-ONLINE Kurse BASIS, Ki-Fu und JUGEND-FU."

  • Bin grad auf einen wie ich finde feinen Bericht im Netz gestoßen, hab jetzt aucf die Schnelle keinen passenden Thread gefunden.


    Da fallen mir gefühlte 100 Threads ein, wo dieser Bericht passen würde. Einfach genial :thumbup:


    Und wenn man sich die Kommentare ( die ich genauso klasse finde ) dazu durchliest, fallen mir dazu zwei Dinge ein bzw. auf:


    1. Offensichtlich der ganz "normale" Wahnsinn auf Deutschlands Fußballplätzen


    2. Da beschmeissen wir uns hier im Forum im Vergleich mit Wattebäuschen :whistling: