Von den Bambini in die E-Jugend?

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  • Ist es eigentlich zulässig einen F-Jugendspieler des jüngeren Jahrgangs in der E-Jugend spielen zu lassen? Ich habe hier irgendwo gelesen, dass nur der ältere Jahrgang vorzeitig aufsteigen darf. Ist das so und wenn ja, gibt es dazu eine offizielle Quelle? Ich konnte beim FVN (Niederrhein) zu dem Thema nichts finden.


    Wir haben da nämlich einen sehr talentierten Spieler des Jahrgangs 2002 der unbedingt in der kommenden Saison mit seinem 2 Jahre älteren Kumpel in die E-Jugend möchte. Ich halte das nicht für sinnvoll, auch wenn er körperlich und fußballerisch dem 2000er Jahrgang (zumindest im Moment) in nichts nachsteht. Bevor wir aber in die leidige Sinndiskussion mit dem Spieler und den Eltern einsteigen, wäre es einfacher, wenn wir uns auf eine offizielle Regelung berufen könnten.

  • du wirst in den statuten nichts finden, weil nichts dagegen spricht (vom regelwerk).
    wir (ebenfalls fvn) haben auch einen 99er, der nächstes jahr d-jgd spielt. andersrum geht's natürlich nicht.
    aber es gibt durchaus gründe, es nicht zu tun.
    aber darüber wolltest du ja nicht sprechen, richtig?

    Das einzige, was wirklich gerecht verteilt ist, ist die Intelligenz.
    Ich habe noch nie jemanden sagen hören, er hätte zu wenig davon.

  • Es gibt immer die Möglichkeit, innerhalb eines Vereins einen besonders leistungstarken Spieler zu fördern, indem man in eine Altersklasse höher spielen oder einfach nur trainieren lässt. Da gibt es theoretisch auch keine Begrenzung, dies über zwei Jahrgänge zu machen. Damit kann man zum Beispiel umgehen, dass dieses Talent vorzeitig den Verein verlässt. In Eurem Fall geht es aber ja darum, dass der Spieler unbedingt in einer anderen Klasse spielen möchte, und man daraufhin beurteilt, dass er es "schaffen kann", der Ansatz geht also vom Spieler aus. Die Gefahr, die davon ausgeht, was macht Ihr, wenn der nächste Spieler kommt und gerne in einer anderen Mannschaft innerhalb des Vereins spielen möchte, weil "da sein Kumpel spielt"? Du wirst Dich immer rechtfertigen müssen, warum es bei dem einen geht und bei dem anderen nicht, und da können Dir Eltern so richtig Feuer machen, wenn sie ihr Kind lieber im anderen Team sehen möchten und es ja schon einmal ging, Du schaffst einen Präsedenzfall, der Dir laaange hinterher hängen kann.


    Anders herum, wenn die Mannschaften intakt sind, gut funktionieren und kein böses Blut mit so etwas geschaffen wird, dann kann man schon mal darüber nachdenken, um einen Jungen glücklich zu machen, dass müsst Ihr beurteilen, das ist von außen nicht möglich. Dann bleibt nur zu überlegen, ob man dem Jungen damit wirklich einen Gefallen tut, weil es ist halt nicht das soziale Gefüge, in das er gehört. Sportlich wird es dann in den kommenden Spielzeiten auch immer schwieriger, so dass man vielleicht irgendwann das ganze wieder rückgängig machen müsste. Dafür fehlt dann aber meist die Akzeptanz, wieder "zu den kleinen zurückzugehen", die Gefahr, dass der Spieler dann den Verein zu einer vermeintlich stärkeren Mannschaft wechselt, ist auch wieder groß.


    Alles in Allem also würde ich eher abraten, vor allem bei einem zwei-Jahrgangs-Sprung. Wichtig ist nur, dass Ihr Euch als Verein klar dazu äußert und eine bestimmte Richtung vorgebt, wie auch in Zukunft dann mit solchen Fällen umgegangen werden soll.

    "Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen."
    Lao-Tse (chinesischer Philosoph)

  • Von der Bambini in die E-Jugend? Das ist aber ein ziemlich krasser Sprung! Ich finde es schon ziemlich verwunderlich, wenn ein F1 Spieler überhaupt mit einem Bambini Spieler befreundet ist, immerhin liegen 2 Jahre zwischen den Kindern.
    In meinen Augen ist der Sprung zu groß, körperlich, fußballerisch und auch geistig! Der eine Junge ist in der zweiten Klasse, seine Mitspieler in der vierten! Bei uns im Verein würde es so etwas nicht geben! Wir haben 2 Jungs die nicht in der richtigen Altersklasse spielen, sie wurden hochgezogen, aufgrund sehr starker Leistungen... Aber die spielen nur ein Jahr und nicht 2 Jahre höher!

    »Fußball ist grundsätzlich einfach, aber das Schwierigste was es gibt ist, einfachen Fußball zu spielen.«

    (Johan Cruyff)

  • also bei meiner letzjährigen a-jugend hatt das funktionier.
    die a-jugend war normalerweise Jahrgang 89/90
    und wir hatten 2 spieler aus den jahrgang 92 dabei
    und die waren beide stammspieler
    einer dafon sogar ein wichtiger leistungsträger
    die manschaft ist seit der e-jugend immer zusammen geblieben
    lg
    hans

  • Bei unserer D1 hat in dieser Saison auch häufiger ein Spieler aus dem jüngerem E-Jugend Jahrgang mitgespielt bzw ausgeholfen und war dort oft einer der besten. Mag daran liegen das der Junge verdammt viel Talent hat und auch schon erfolgreich vom 2. Ligisten Rot Weiß Ahlen gesichtet wurde und spielt ab der nächsten Saison dort. Hat aber ohne Probleme geklappt!

  • Die Kinder vom Jahrgang 2002 sind doch noch richtige Kleinkinder im Vergleich zu den Kids des Jahrgangs 2000. Zwei Jahre sind doch bei solchen Zwergen Welten! Wenn man acht Jahre alt sind, dann sind zwei Jahre immerhin ein viertel des Lebensalters! Schaut euch doch mal die Bambinis und die F-Jugend Spieler an, alleine an den Gesichtern erkennt man riesen Unterschiede! Der eine lernt gerade lesen und der andere wird gerade in die
    Multiplikation und Division eingeführt... Vielleicht erkennt ihr daran
    die Welten zwischen den Kindern...
    Ich finde, ohne den Jungen zu kennen, den Unterschied zu groß!


    Es geht doch nicht nur um das spielerische, sondern um die Kinder, um ihre Lebenssituation und ihre geistige Entwicklung und ein achtjähriger ist nun einfach jünger als ein zehnjähriger. Das ist biologisch so festgelegt :D

    »Fußball ist grundsätzlich einfach, aber das Schwierigste was es gibt ist, einfachen Fußball zu spielen.«

    (Johan Cruyff)

  • da hat bondscoach auch recht
    der unterschied zwischen einen 8 und 10 Jährigen ist viel größer als zwischen einen 10 und 12 Jährigen oder einen 16 und 18 Jährigen
    lg
    hans

  • Man könnte die Frage auch mal anders in den Raum stellen, nämlich:


    Kennt jemand ein Beispiel, wo ein Spieler nicht nur einen höher gesetzt wurde, sondern ganz übersprungen hat und wenn ja, welche Erfahrungen/Ergebnisse wurden erzielt?


    Ansonsten möchte ich sagen, dass mir dieses Wegholen von ach so talentierten Spielern die gerade ihre Windel verlassen haben richtig auf den Leim geht. Wieso lassen größere Vereine nicht solche Spieler einfach in ihrem gewohnten Wasser. Können die nicht soetwas wie Partnerschaften einführen um dem Trainer im Heimatverein zur Seite zu stehen?


  • Man könnte die Frage auch mal anders in den Raum stellen, nämlich:


    Kennt jemand ein Beispiel, wo ein Spieler nicht nur einen höher gesetzt wurde, sondern ganz übersprungen hat und wenn ja, welche Erfahrungen/Ergebnisse wurden erzielt?


    Mir ist ein Beispiel sehr gut bekannt, da derjeniege 4Jahre lang A-Jugend gespielt hat.
    Er konnte auch als jüngerer Spieler sehr gut mithalten und es hat sich im Nachhinein betrachtet auf jeden Fall gelohnt.
    Ob das so auch in jüngeren Altersklassen möglich wäre...? Ich weiß es nicht.

  • also bei uns auf den land kommt das sehr oft vor
    da hat ein verein keine B-jugend dann gehen alle von der c in die a
    oder wenn keine c da ist dann von der d in die b
    also mir sind da sehr viele fälle bekannt aber die meisten sind davon nicht in die höhere manschaft gegangen weil sie supertalente waren sonder weil es nicht anders ging
    lg
    hans

  • Das ist aber ein Unterschied, ob eine ganze Gruppe eine Stufe überspringt oder ob es eben ein Einzelner ist.


    Mir ist so ein Beispiel noch nicht bekannt geworden, jedenfalls nicht beim Fußball, ...in der Schule schon. Da haben besonders gute Kinder eine Klasse übersprungen und waren hinterher hinteres Mittelfeld. Hat ja dann super geklappt, tolle Schulzeit. Die die übersprungen haben und super vorne mitmischten, kenne ich nur aus dem TV. Ganz besondere Schwierigkeiten gab es hinsichtlich ihrer sozialen Kompetenz, mit anderen Worten ....


    -sie waren noch nicht soweit wie die anderen
    -durften nicht das gleiche wie die anderen
    -werden von den anderen "der Gruppe" nicht akzeptiert (alle sind im Stimmenbruch, nur unser Kleiner nicht usw.)
    -hatten noch nicht die gleichen Interessen (Fernsehen, PC, Mädchen, Spiele allgemein)


    Ich sehe da schon arge Probleme oder besser ausgedrückt, arge Gefahren. Da sollte die strenge objektive Prüfung der Verhältnismäßigkeit vorgenommen werden.

  • Also,


    in der Truppe von meinem Großen spielt ein 99er, der wirklich alles mitbringt: Schnelligkeit, Schußtechnik und Dribblings.
    In seiner Mannschaft (E:98/99) ist er im Prinzip der Toremacher, hat aber auch ein gutes Auge. Er ist aber zB im Gegensatz zu meinem Sohnemann (der im übrigen der Team-Opi ist) nicht kleiner/schwächer!
    Nun kam der Tag, das der D seines Bruders(96er) Spieler fehlten. Na gut, sein Papa sagte mit etwas Unbehagen zu. Später erzählten sie mir, dass er eine sensationelle Leistung geboten hat. (War aber eben in der Folge eine einmalige Aktion!!!)
    Er mußte natürlich den Paß vorweisen, aber es gab keine Sperre für ihn oä. (ist in der letzten Saison gewesen - er war im Prinzip noch F-Jugend-"tauglich")


    Okay, ich bewerte das jetzt nicht - hängt ja auch immer vom Gegner ab. Und in der D gibt es da halt noch extreme Leistungsunterschiede. Aber vom Tempo/Spielverständnis/Kombinationsspiel konnte er locker mithalten....


    Aber: Der Bursche ist auch echt ein Überflieger... ;)

  • Naja, gute Spieler gibt es überall, d.h. aber nicht, dass man jeden, der ein wenig heraus sticht sofort und notwendigerweise in eine höhere Mannschaft stecken muss, erst recht nicht, wenn wir über die unteren Jahrgänge sprechen. Insbesondere dann nicht, wenn dieser Wunsch nur vom Spieler (oder den Eltern) kommt. Hier noch mal ein Beispiel aus meinem Team:


    Ich habe in meiner Mannschaft (F2) einen weiteren Jungen (Jg. 2001), der noch deutlich stärker ist als der 2002er, von dem ich oben sprach (ersten Beitrag in diesem thread). Wenn der in der F1 aushilft, gehört er dort zu den 3 besten Spielern, vom Spielverständnis ist er sogar weiter als alle anderen (beim letzten F1 Turnier hat er als Mittelfeldspieler von 8 Toren 2 geschossen und 5 vorbereitet). Trotzdem bleibt der Junge in der F-Jugend, weil er sich dort sehr wohl fühlt, er sich dort sehr gut entwickelt und er auch die Entwicklung der anderen Spieler unterstützt. Ein Spieler, der über dem Niveau, der anderen spielt, tut den meisten Mannschaften gut, sofern er sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Meine anderen Jungs profitieren sehr von diesem Spieler, da er kein Einzelspieler ist, sondern sehr mannschaftsdienlich spielt. Er hilft hinten aus, holt sich die Bälle, schleppt sie nach vorne, spielt die anderen frei, bereitet die Tore vor und ist damit maßgeblich am Erfolg der Mannschaft und auch an den persönlichen Erfolgserlebnissen der schwächeren Mitspieler beteiligt. Die anderen wiederum können sich sehr viel von so einem Spieler abschauen und im Training ist jeder besonders motiviert im 1:1 gegen ihn anzutreten.


    Es hat sich auch ganz von selbst um den Jungen herum eine Art natürliche Hirarchie in der Mannschaft gebildet, die wir als Trainer weder gefördert noch behindert haben. Der Junge führt die Mannschaft im positiven Sinne an, ohne das für sich selbst auszunutzen. Es gibt so gut wie nie Streit, alles ist sehr harmonisch. Der Junge ist ein Glücksfall für die anderen, ihn aus der Mannschaft heraus zu nehmen, würde alle anderen zurück werfen. Warum sollte man das tun, zumal man nicht weiß, ob er sich in der E-Jugend wirklich besser entwickelt als in der F?


    Soweit aus der Sicht des Trainers und der Mannschaft. Auch für den Jungen ist es die bessere Lösung in der F zu bleiben. Er lernt dort, dass er Teil einer Mannschaft ist und die Mannschaft nur als Ganzes funktioniert. Er lernt, dass er anderen helfen muss und es nicht darauf an kommt, immer nur selbst den Erfolg zu suchen. Die Kinder, die immer so hoch gelobt werden und denen ständig erzählt wird, wie toll sie sind und dass sie viel besser sind als ihre Kollegen und eigentlich in einer höheren Mannschaft spielen müssten, drehen oft genug am Rad und entwickeln sich nicht selten zu (brotlosen) Künstlern und Einzelkämpfern, die nur sich selbst im Kopf haben und ständig über andere meckern. Das muss natürlich nicht so sein, aber ich kenne viele solche Beispiele. Daher denke ich, dass es nicht nur eine Frage des fußballerischen Könnens ist, sondern auch eine Frage des Charakters eines Spielers, ob man sich entscheidet einen guten Spieler hoch zu nehmen oder dort zu lassen, wo er altersmäßig hingehört. Dem einen kann dies, dem anderen das andere gut tun.


    Noch ein Beispiel: wir haben in unserer F3 ein Gemisch aus 2001er und 2002er. Die stärkeren reißen da gerne mal die Klappe auf und meckern über die schwächeren. Ich nehme die Meckerer dann gerne mal für ein Training mit in meine Mannschaft, wo sie kein Bein auf die Erde kriegen. Dann ist erstmal wieder Ruhe! :D


    Letztlich bin ich fest davon überzeugt, dass die Charakterschulung in dem Alter viel viel wichtiger ist, als die Fokussierung auf die fußballerische Entwicklung. Letztere kommt bei den guten Spielern meistens sowieso, egal ob man sie nun eine Klasse höher oder niedriger spielen lässt. Die charakterliche Entwicklung ist aber viel weniger ein Automatismus und dazu gehört auch zu lernen, dass man sich Mannschaft und Mitspieler nicht aussuchen kann, nur weil man ein wenig besser kicken kann also die anderen...

  • Noch ein kurzer Nachtrag. Viele Eltern, vor allem von jüngeren Spielern, scheinen zu glauben, wenn ihr Kinder halbwegs den Ball geradeaus treten können, wäre sie Super-Talente und bedürfen einer Sonderbehandlung. In der Regel ist das mit dem Talent aber relativ schnell gegessen, wenn man sich mal ein wenig umschaut. Vergleicht man die besten Spieler im eigenen Verein mit den besten anderer Mannschaften im Kreis, fallen schon einige durch. Bewegt man sich weiter nach außen, bleibt oft sehr schnell keiner mehr über, der mit anderen wirklichen Talenten mithalten kann. Den Eltern fehlt aber oft dieser Vergleich. Sie sehen nur die Spieler der Mannschaft ihrer Sprösslinge und ab und an mal die Spieler der gegnerischen Mannschaften und kommen zu dem Schluss, dass sie einen kommenden Nationalspieler in die Welt gesetzt haben. Wer sich mit solchen Eltern rumschlagen muss, dem kann ich nur empfehlen, denen den folgenden Link zuzusenden (die meisten von Euch werden es sicher kennen):
    http://www.youtube.com/watch?v=jl_SYtWJyoQ


    Wer danach keine Demut zeigt, dem ist nicht zu helfen! :D