D-Jugend Verteidigung trainieren

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  • Hallo,

    Ich wollte mal fragen, wie ihr die Deffensive in der D Jugend (8+1) so trainiert? Gerade auch in einer 3er Kette wie ich es gerne spiele.


    Bei uns haben wir jetzt die Situation, dass im Spiel Zweikämpfe gemieden werden, Gegner komplett freistehen und die Offensiven unsere Verteidigung sowieso im Stich lassen, weswegen wir in 3 Spielen nun 29 Gegentore haben.


    Daher meine Frage: Was gebt ihr der Mannschaft mit? Welche Trainingsformen helfen zur Lösung des Problems?


    Hatte selber in den letzten Wochen schon den Fokus darauf gelegt, aber bisher ohne Ertrag. Generell liegt bei uns in der Mannschaft die Stärke eher in der Offensive.


    Ich freue mich auf eure Anregungen.

    Einmal editiert, zuletzt von Moritz33 ()

  • Hallo Moritz33

    ich persönlich habe in der D-Jugend nur 4 Trainingseinheiten die Devensivarbeit trainiert. Mir ist dabei aufgefallen, dass mein Offensivtraining dadurch nicht mehr so gut funktionierte. Das Offensivtraining hat den Spielern nicht mehr die Erfolgserlebnisse gebracht, da ihre Gegenspieler im Training besser wurden. Meine Idee vom Kinder- u. Jugendfußball ist zu 100%, die Offensivfähigkeiten der Spieler zu stärken. Da die D-Jugend, das sogenannte "goldene Lehrnalter" für Techniktraining ist, habe ich das Defenivtraining komplett aus obigen Grund eingestellt.


    "Die Kette ist immer so gut wie ihr schwächstes Glied"

    Du solltest dir die indiviuellen Qualitäten deiner Spieler ansehen.

    Können sie schon den starken Fuß zustellen und den Gegenspieler dadurch lenken?

    Können sie schon die Außenlinie als Freund nutzen und dem Gegenspieler dort hin lenken?

    Können sie schon schräg anlaufen, dann das Tempo des Gegenspielers zum richtigen Zeitpunkt, mit dem richtigen Abstand aufnehmen?

    Können sie sich schon zwischen den Gegenspieler und dem Ball schieben und dabei den Körper robust aber fair einsetzen?

    Können sie schon ihren eigenen Gegnerschatten vergrößern?

    Können sie schon als Verteidiger eine 1 gegen 2 Überzahl des Gegners verzögern, bis Hilfe kommt?


    Das sind 6 individualtaktische Fähigkeiten, die Du ihnen beibringen kannst.

    Für jede Fähigkeit benötigst Du ca. 2 bis 4 Trainingseinheiten damit sie dies Fähigkeiten in der Feinform können. Einige Fähigkeiten kannst du gegebenenfalls in eine TE zusammenlegen.


    Wenn das alles bei deine Spieler sitzt, kannst Du auch die 3er Kette sehr erfolgreich ab der C-Jugend trainieren.

    Vernachlässige niemals die individuelle Defensivschulung aller Spieler.


    Zwei kluge Fragen und 2 passende "Klugscheißersprüche" als Antwort.

    Wann ist man Verteidiger?

    Man ist Verteidiger wenn die andere Mannschaft im Ballbesitz ist.


    Wer ist der erste Verteidiger?

    Der Stürmer oder der Spieler, der dem Ball am nächsten ist.

    Ein Kind trainieren heißt nicht, eine Vase zu füllen, das heißt, ein Feuer anzuzünden

  • Thomas0815-2

    Den folgenden Link stelle ich nur unter Protest hier rein.

    Es folgt eine rethorische Frage und eine Antwort.


    Warum unter Protest?

    Wie ihr sehen könnt, handelt es sich bei den Spielern um C- und/oder. B-Jugendliche.

    Bitte greift jetzt nicht mit euren Ausbildungszielen vor und trainiert es noch nicht in der D-Jugend oder jünger.


    Ihr nehmt sonst euren jüngeren Kindern den Spaß am Techniktraining. Ihr erinnert euch..?

    Wann seid ihr Angreifer? Wenn ihr den Ball habt!

    Was ist die Schlussfolgerung beim Techniktraining? Techniktraining ist immer Training für den Angreifer.

    Wenn ihr eure D-Jugend jetzt taktisch im defensiven Bereich ausbildet, nehmt ihr ihnen viele Erfolgserlebnisse beim Techniktraining.


    Der Link ist schon 10 Jahre alt und das dazugehörige Buch des DFB und die DVD Reihe ist noch älter. Eventuel könnt ihr es hier im Shop noch käuflich erwerben.

    Es ist von der methodischen Aufbereitung eines der besten Lehrbücher, die ich jemals gelesen haben (sehr viele Detailstipps) und die Videos sind eine unglaublich gute Unterstützung.

    Viel Spaß bei diesem kurzen Video:


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    Ein Kind trainieren heißt nicht, eine Vase zu füllen, das heißt, ein Feuer anzuzünden

  • Wenn ihr eure D-Jugend jetzt taktisch im defensiven Bereich ausbildet, nehmt ihr ihnen viele Erfolgserlebnisse beim Techniktraining.

    Also Deine Argumentation ist quasi, dass man dem Verteidiger lieber keine Strategien bei bringt besser zu verteidigen, weil es sonst für den Angreifer zu schwer ist?

    Eigentlich brauche ich doch einen guten Verteidiger, damit ich als Angriefer lerne, welche Techniken erfolgsversprechend sind und welche nicht? Oder ob ich die Finte schon sauber ausführe oder ob ich einfach vorbeikomme, weil der Gegner das defensive 1 gg 1 nicht beherrscht?


    Ich übe ja mit einem 5.Klässler nicht ausschließlich Plus-Rechnung, damit er ausreichend erfolgserlebnisse hat (die Bruchrechnung würde ihn nur freustrieren)...

  • Es geht darum, dass in dem Altersbereich eine solide Basis an den Grundtechniken gelegt werden soll. Darauf aufbauend kannst Du dann mit Individualtaktik weiter machen.

    Wenn die Grundtechnik nicht da ist, kannst Du später nicht darauf aufbauen und viele taktische Elemente sind dann nicht möglich

  • Constantin

    Ja, genau so ist es. Ich bringe den Kindern, bzw. Jugendlichen erst ab der C-Jugend die individualtaktischen Fertigkeiten bei.


    Ich gehe davon aus, sobald ich meinen F-, E-, und D-Jugendlichen methodisch die Techniken beibringe, werden sie automatisch auch in dem Verteidigerverhalten mitgeschult. Allerdings bringen, sie es sich dabei selbst durch "Versuch und Irtum" bei (natürlich noch nicht perfekt).



    Den Vergleich mit dem 5.Klässler verstehe ich nicht ganz.

    Ich denke, wenn ich die Plus-Rechnung nicht kann, brauche ich doch auch nicht mit der Bruchrechnung beginnen....oder? Hier bin ich jetzt mal wieder überfordert.

    Außerdem habe ich doch keinen Gegenspieler in der Schule, der mir die Zahlen klauen will.

    Ein Kind trainieren heißt nicht, eine Vase zu füllen, das heißt, ein Feuer anzuzünden

    Einmal editiert, zuletzt von Dirk Coerverfan ()

  • Außerdem habe ich doch keinen Gegenspieler in der Schule, der mir die Zahlen klauen will.

    Doch, den Lehrer, der sie durch Buchstaben wie x und y ersetzt um nur die Spitze des Eisbergs zu nennen.


    Konkret: Ich will damit ausdrücken, dass mMn für das Erlernen von Offensivfähigkeiten (wie dem Einsatz von Finten), ein Verteidiger dabei sein muss, der auch (entsprechend gut) verteidigen kann. Sonst kann der Spieler ja gar nicht lernen, was gut funktioniert und was eigentlich nicht.


    Es geht darum, dass in dem Altersbereich eine solide Basis an den Grundtechniken gelegt werden soll. Darauf aufbauend kannst Du dann mit Individualtaktik weiter machen.

    Wenn die Grundtechnik nicht da ist, kannst Du später nicht darauf aufbauen und viele taktische Elemente sind dann nicht möglich

    Logischerweise sind wir uns einig, dass bestimmte Dinge inhaltlich vor Anderen vermittelt werden müssen. Aber mMn ist die Individualtaktik (welche untrennbar mit der Technik verknüpft ist), die absolute Basis beim Fußball. Ein Spieler der ein 2 vs 1 oder 1 vs 1 nicht zuverlässig erkennt und ausspielen kann, der wird nie auf einem höheren Niveau Fußball spielen können.

  • ...


    Bei uns haben wir jetzt die Situation, dass im Spiel Zweikämpfe gemieden werden, Gegner komplett freistehen und die Offensiven unsere Verteidigung sowieso im Stich lassen, weswegen wir in 3 Spielen nun 29 Gegentore haben.


    Daher meine Frage: Was gebt ihr der Mannschaft mit? Welche Trainingsformen helfen zur Lösung des Problems?

    Aus der Ferne liest sich das so, dass da 8 lauffaule Spieler auf dem Feld stehen und vor lauter Angst den Zweikampf (und Ball) zuverlieren das Risiko nicht mehr eingehen.


    Ich vermute mal, dass es auch gerne mal Schuldzuweisungen in der Mannschaften geben wird oder ?


    Falls das so sein sollte, sollte man zunächst am "wir Gefühl" arbeiten.


    1. Wenn man noch genug Luft zum Diskutieren hat, hat man sich nicht stark genug dafür eingesetzt den Fehler des Mannschaftskameraden mit auszubügeln.


    2. Wer vorne nicht in der Lage ist genug Tore zuschießt, muss halt hinten mit aushelfen

    (=elitäres Denken der Stürmer etwas abschwächen).


    3. Wenn der Angriff vorne nicht genug Tore schießt, muss die Abwehr halt besonders gut (elitär) sein

    => Selbstbewusstsein der Abwehrspieler stärken.


    Achtung, dabei nicht übertreiben, es soll ja eine Mannschaft werden und nicht zwei.


    Dann würde ich an der Kondition arbeiten, für gute Technik, Konzentration und Laufbereitschaft ist halt auch ein Mindestmaß an Konditionen erforderlich.

    => Unterzahlspiel, gem. Vorbereitung auf ein Laufevent, Fahrtspiele, Shuttle-Run-Test => interner Mannschaftswettbewerb, wer hat die beste individuelle Leistungssteigerung etc.



    Zum Thema Abwehrtaktik:

    Es muss halt unterschieden werden zwischen individuellen Fähigkeiten und dem Zusammenspiel.

    Ich sehe es so, dass in jungen Jahren der Fokus auf die 1:1, 1:2 Fähigkeiten gelegt werden sollten.

    1. Erlernt man das später deutlich schwerer/schlechter, sind aber ja Voraussetzungen für das Spiel mit/ohne Ball.

    Was nützt es mir, wenn ich das taktisch Verhalten anwenden kann, aber mir dann die technischen Fähigkeiten fehlen.

    Ich also zu rechten Zeit am richtigen Ort bin, dann aber für den Gegnern nur ein bessers "Hütchen" darstelle.


    2. Sind taktisch Verhalten für Kinder schwerer zu erlernen, als wir Erwachsenen das gerne wahrhaben wollen.


    Im Floorball wechselt man i.d.R. erst mit U15 aufs "Großfeld" = 5 Feldspieler (vorher 3), weil es taktisch halt doch komplexer ist...

    Ok, die Laufwege sind auf dem GF auch länger, daher bedarf es da auch längere Beine ;)

  • Doch, den Lehrer, der sie durch Buchstaben wie x und y ersetzt um nur die Spitze des Eisbergs zu nennen.

    Stimmt und dann muss der Schüler individultaktisch die Zahlen verteidigen, die der Lehrer ihm klauen will. :D




    Konkret: Ich will damit ausdrücken, dass mMn für das Erlernen von Offensivfähigkeiten (wie dem Einsatz von Finten), ein Verteidiger dabei sein muss, der auch (entsprechend gut) verteidigen kann. Sonst kann der Spieler ja gar nicht lernen, was gut funktioniert und was eigentlich nicht.

    Und genau, dass war ja früher(heute auch noch) einer meiner vielen methodischen Tricks, um den Spielern so viele Erfolgserlebnisse beim offensiven 1 gegen 1 zu ermöglichen, dass sie voller Selbstvertrauen in diese Zweikämpfe gegangen sind.


    Jeder der ausbildet hat seine Methodik, ich habe die ausgesucht, die am besten zu mir passt. Und glaube mir ich kenne sehr viele und beherrsche auch mindestens noch eine weitere.


    Warum ich mich mich mehr um den offensiven Teil der Ausbildung bemühe, liegt an folgenden Spruch siehe auch oben.

    "Wer den Ball hat, ist Stürmer." Daraus schließe ich: Die Spieler müssen in der Technik geschult werden. Technik laut DFB. Passen, Torschuss, Ballan- und Mitnahme, Dribbling und Kopfball.


    Noch ein Grund: Anfang der 2000er Jahre war ich auf einer Verantaltung des BDFL beim HSV. Dort war Ralf Peter, der auch das Buch "Modernes Verteidigen" (siehe Video-Link oben) mit geschrieben hat. als Referent. Er sagte fasst wörtlich. Um einen kreativen Stürmer auszubilden benötigen wir 12 bis 15 Jahre. Um aus einen kreativen Stürmer einen Verteidiger zu schulen, brauchen wir im Seniorenbereich maximal 3 Monate. Als Beispiel brachte er damals Marcell Jansen der in der Jugend ein exzellenter Stürmer war und später zum erfolgreichen Linksverteidiger umgeschult wurde.

    Ein Kind trainieren heißt nicht, eine Vase zu füllen, das heißt, ein Feuer anzuzünden

    Einmal editiert, zuletzt von Dirk Coerverfan ()