Beiträge von Thomas0815-2

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    Ich habe einen Tipp für alle Trainer, denen die Arbeit mit den Kindern Spaß macht, die aber von den Eltern gefrustet sind:


    Kümmert euch nicht um die Eltern, nie, ignoriert sie!


    Ob das die richtige Strategie ist? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich damit seit fünf Jahren NIE ein Problem mit irgendwelchen Eltern hatte.


    Einzige Ausnahme: Ein Vater kam mal in der Halbzeit auf mich zu, weil ich vergessen hatte seinen Sohn einzuwechseln. So ne F Jugend Halbzeit ist halt auch schnell vorbei.

    Hätte er mich freundlich darauf hingewiesen, hätte ich mich entschuldigt. Sein Hinweis war aber eher unfreundlich. Daher habe ich ihm erklärt, wer im Fußball für die Ein-/Auswechselungen verantwortlich ist. Als er dann immer noch gemeckert hat, hab ich ihm gesagt wie unsere Trainingszeiten sind und ihm meinen Job angeboten, damit er in Zukunft die Einwechselungen vornehmen kann. Hab seit dem (ist vier Jahre her) nie mehr was von ihm gehört.

    Dirk Coerverfan und ruffy85 eure Trainigsformen würde ich sofort übernehmen. Wir haben lediglich "Straßenfußball" unterschiedliche definiert. Für mich war das lediglich ein "Hier habt ihr den Ball und los gehts" ohne Provokationsregeln, Überzahlspieler, Koordinationsübungen, Ballgefühlübungen... Das gehört aber wie in euren Beispielen auch bei mir zu einem guten Training dazu. Wir sind uns also vermutlich einige, haben nur unterschiedliche Begriffe genutzt.


    Zur Frage von @ruffy: Ich zeige dem Spieler Alternativen auf, auf die er in der Hektik des Spiels vielleicht nicht gekommen wäre. Entscheiden muss er immer noch selber. In der Praxis bedeutet das, dass ich nicht rufe "Spiel zu Justin" sondern "Justin ist dabei". Jetzt weiß er, dass er Dribbeln oder Passen kann, hat also wirklich eine Entscheidungsmöglichkeit. Ohne den Hinweis hätte der Spieler in der Drucksituation wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen, dass ein Mitspieler mitgelaufen ist. Bei "sei mutig" ist es zugegebenermaßen schon so, dass ich eine klare Empfehlung ausspreche, aber da ist der Gedanke ja auch eher zu motivieren.

    Sorry Leute, aber dieser Straßenfußballeraspekt widerspricht allen meinen praktischen Erfahrungen.


    1) Mein Sohn war im Dorfverein nur unter den besten drei. Jetzt kickt er seit 2 Jahren in einem Leistungsverein, bei dem in Training und Spiel etwas komplett anderes, als unkonventionierter Straßenfußball praktiziert wird. Klar, die haben viele Spielformen als Übung, aber eben auch mit vielen klaren Vorgaben (Konventionen) wie was zu machen ist. Da war das was wir im Dorfverein hatten viel näher an dem was ich unter Straßenfußball verstehe, so nach dem Motto "ich hatte keine Zeit/Lust eine Übung/Spielform vorzubereiten heute spielen wir nur". Also Straßenfußball pur. Die 2-3 Spieler, die damals genauso gut waren wie er sind heute Lichtjahre von ihm entfernt. Genauso geht es hochtalentierten "Straßenfußballern", die als Torschützenkönig der Kreisklasse in seinen Verein kommen. Die sehen da gegen die, die schon länger da sind in den ersten 6 Monaten komplett alt aus.


    2) Wenn ich mir die Videos der begnadetsten Straßenfußballer der 70er Jahre anschaue (Beckenbauer, Müller, Netzer, Breitner,...) kann ich mir nicht vorstellen, dass die mit ihrer Spielweise heute noch einen Profivertrag bekommen würden. Da spielen heute doch besser Ausgebildete Spieler schon in der 3. Liga.


    3) Und dann werfe ich noch einen Blick in unsere Nationalmannschaft. Wo sind denn da die Spieler, die erst mir 14 in ein NLZ/zu einem Leistungsverein gewechselt sind und vorher reine Straßenfußballer waren.


    Ganz klar Stundenlange Passübungen oder gar taktische Monologe haben im Kinder-/Jugendtraining nichts zu suchen. Aber einfach nur zwei Tore aufbauen, einen Ball in die Mitte werfen und dann zu sagen, so jetzt Spielt mal (=Straßenfußball) ist doch auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Sonst könnt ich mich ja morgen bei Bayern als Jugendtrainer bewerben, denn Tore aufbauen kann ich.

    LW7 puh also so ganz überzeugt mich dein Ansatz noch nicht. In letzter Konsequenz, wäre ein Trainer ja dann relativ überflüssig man bräuchte dann nur jemand, der sich um das organisatorische kümmert, so dass die Kinder kicken können und der Rest kommt dann von allein. Ich übertrag das mal auf die Schule oder das erlernen eines Instruments. Halte ich alles nicht für erfolgversprechend. Man muss ja auch erst Töne und Buchstaben lernen, bevor man Wörter, Tonleitern und dann Geschichten schreiben und Lieder spielen kann. Wieso sollte das beim Fußball genau andersrum sein. Natürlich kann man es nutzen, dass beim Fußball jeder Fünfjährige (wenn man es nicht so eng sieht) spielfähig ist, aber deshalb komplett auf jede inhaltsbezogene Anleitung zu verzichten, widerspräche den Lernansätzen in allen anderen Bereichen ja komplett und findet in der Praxis ja auch nicht statt.


    Weniger Anleitung und mehr Dribblings (s. oben bei Dirk Coerverfan: 50%) gehe ich ja mit, aber mir kommt es vor, als sprächen viele von gar keine Anleitung und nur noch Dribbling. Das halte ich für den falschen Weg.

    Atzeikke: okay, so war das bei mir nicht. Meine waren immer viel zu eigensinnig und ließen sich auch in einer 1 vs 4 Situation nicht dazu bewegen einen Mitspieler einzubinden. Situativ haben wir also vermutlich beide das richtige trainiert.


    Ich bin inzwischen dazu übergegangen in 1vs1 Situationen immer ein Dribbling zu fordern bzw. dazu zu motivieren ("den packst du", "sei mutig"). Manchmal auch bei 1 vs 2 Situationen, aber ab drei Gegenspieler versuche ich zu unterstützen, indem ich mögliche Anspielstationen nenne ("Noah ist dabei", "kannst zu Jakob", "Finn hilft dir"). Deshalb wäre es ja so wichtig, dass die Kids nicht nur Dribbeln, sondern eben auch mal den Ball abgeben (passen) können.

    @ruffy: Ich fürchte hier driften wir ab. Meine Fragestellung ist KEINE Kritik an kleinen Spielformen/modernen Trainingsmethoden. Das wie stelle ich hier gar nicht zur Debatte, es geht um das was. Und da habe ich die Wahrnehmung, dass ein einseitiger Fokus Richtung Dribbling erfolgt, den wenn ich Dirk Coerverfan richtig verstehe einige bis zu einem gewissen Alter ja auch für richtig halten. Darüber würde ich gerne diskutieren.

    Dirk Coerverfan: Danke, dass du in den neuen Thread gekommen bist, dann können wir hier deine sehr interessanten ansichten mit diskutieren :)


    zu deinen Punkten im einzelnen:

    1) Stimmt

    2) auch das stimmt, war eine nicht den Tatsachen entsprechende Übertreibung, um meinen Standpunkt zu veranschaulichen :)

    3) Denkst du, dass wenn ich mich bis zur E-Jugend nur aufs Dribbling konzentriere, dass ich dann auf ein hervorragender Zweikämpfer, Pass-/Flankengeber, Stratege,... werde wie die o.g. Herren. Ich glaube das ist genau mein Punkt: Wenn ich bis zur E-Jugend nur Dribbeln lerne und nicht Fußball, wird dann aus mir noch ein guter Fußballer bzw. bin ich dann überhaupt spielfähig oder ist das was ich mache eher American Football mit dem Fuß (Alles wieder extrem zugespitzt, aber ich denke, ihr wisst, was ich meine)

    4) auch da stimme ich zu

    5) Hab grad bei Kindern, die technisch schwach sind die Erfahrung gemacht, dass die da ihre Stärke haben und so zu guten Fußballern werden können, ohne technisch zu brillieren. Es ist ja auch nicht jeder Dorfkicker (Nationalspieler) so ein geiler Techniker (wie Musiala), Andere haben andere Stärken. Genügt es, wenn wir die erst ab der D-Jugend fördern?

    6) Da stimme ich dir auch zu. Fürchte aber, dass wir grad von einem Extrem ins andere gehen. Wenn ich sehe, dass ein Kind auf seiner Seite drei Gegenspieler hat und wir im Zentrum einen komplett freien "Mann" haben, dann ruf ich doch "leg quer" und nicht "sei mutig", nur weil die letzte Trainergeneration auch bei nur einem/gar keinem zu überwindenden Gegenspieler noch "leg quer" gerufen hätte.


    Atzeikke: Ich hab bisher nie die Erfahrung gemacht, dass sich Kinder freiwillig vom Ball trennen anstatt in ein 1vsX zu gehen. Gerade deshalb poche ich ja so darauf den Kids irgendwann beizubringen, dass es ein Mannschaftssport ist, bei dem pro Spiel mehrere hundert Pässe stattfinden, aber nicht mal halb so viele Dribblings. Ich hatte in der F auch meinen Dribbelkönig, der jedes 1vsX gewonnen hat. Wenn ich den seine Kreativität hätte ausleben lassen, hätten die anderen Spieler in einem Spiel nur eine sehr begrenzte fußballerische Weiterentwicklung genossen.

    Hallo, ich lese hier immer wieder, dass es das wichtigste überhaupt am Fußball ist, dass die Kinder lernen zu dribbeln. Oft mit dem Argument, wenn Musiala in der D Jugend immer den Querpass zum frei- bis allein vor dem Tor stehenden Mitspieler gespielt hätte, wäre er jetzt kein so guter Dribbler.


    Ja aber, ist das nicht eine sehr reduzierte Sichtweise bzw. ein leicht erkennbarer Hype. Aktuell ist der beste deutsche Fußballer ein Dribbler. Aber wenn wir lauter Musialas hätten und keine Kimmichs, Rüdigers, Tahs, Andrichs,... wäre unser Team dann besser?


    Für mich war es immer wichtig den Kids Fußball ganzheitlich beizubringen, da gehören Dribblings natürlich dazu, aber wenn ich mir anschaue, wieviele Dribblings und wieviele Pässe in einem hochklassigen Spiel vorkommen und das in Relation dazu setze, wie oft ich einen (guten) F-Jugendspieler dazu animieren muss einen Pass zu spielen (oder sich gar ohne Ball richtig zu bewegen) und wie oft dazu den Ball durch ein Dribbling am Fuß zu behalten, dann Frage ich mich schon, ob da aktuell nicht gerade eine sehr einseitige Fokussierung herrscht oder ob Fußball auch in 20 Jahren noch mehr braucht, als einen guten Dribbler im Team (den v.a. wir Deutschen ja nur alle 20 Jahre mal haben).

    Dirk Coerverfan: Deine Kritik lässt sich nicht ganz verneinen. Im Einzelnen:


    "Nimmst Du ihnen dadurch nicht die Möglichkeit schnell Tore zu erzielen und somit individuelle Erfolgserlebnisse zu schaffen?" ->Ja, ich muss sogar zugeben, dass ich in der F-Jugend dann manchmal die taktische Anweisung gegeben habe "schieß ein Tor". Das hat, wenn ich es zum richtigen Spieler gesagt habe (am liebsten so, dass es die anderen nicht mitkriegen), dann auch meistens gut funktioniert. Innerhalb des Teams wurde das dann als gemeinsames Tor gefeiert und alle waren glücklich. Ob das jetzt der richtige und immer anwendbare Weg ist, weiß ich nicht, aber motivationstechnisch hat es funktioniert. Um einen eventuellen Einwand vorwegzunehmen: Auch ohne taktische Vorgaben schießen immer dieselben die Tore, sogar noch deutlicher, als mit dem von mir gelebten Konzept, denn die Kinder können das Kurzpass und Dribbling, das sie beim Aufbau lernen ja auch im vorderen Drittel einsetzen.


    "Zählt ein Tor aus 20 Meter Entfernung weniger als ein Tor aus 5 Metern?" ->Ergebnistechnisch nicht. Wenn ich aber vergleiche, welche fußballerischen Fähigkeiten ein Kind/ein Team für beides beherrschen muss, denke ich, dass das beim Tor aus 5 Metern mehr sind. Da muss man aus meiner Sicht Prioritäten setzen: Tolle Ergebnisse vs Entwicklung der fußballerischen Fähigkeiten.


    Werden deine taktischen Beschränkungen in dieser Altersstufe (F- u. E-Jugend) von den Kindern verstanden? ->nein, sonst hätte ich es ja auch im Training üben können. Im Spiel haben sie dann (auf zugegeben sehr harte Art und weise) erfahren, was es heißt, wenn man keine präzisen Pässe spielt/abschaltet, wenn ein Mitspieler den Ball hat/sich nie traut ins Dribbling zu gehen.


    Sind Kinder in diesem Alter mit dem Kurzpassspiel als taktische Varianten nicht völlig überfordert? Können Kinder in diesem Alter schon so präzise Pässe über 5 bis 10 Meter immer und immer wieder spielen und das unter Wettkampfdruck? ->nein. Können tun die das nicht, aber ich habe noch keine effizientere Art gefunden, es ihnen beizubringen. Und die Gegner sind ja im selben Alter, die bauen noch nicht so großen Druck auf, dass jeder nicht wohltemperierten, genau in den Fuß gespielte Pass sofort zu einem Ballverlust führt. Im Ergebnis bin ich mit der Vorgehensweise immer im Tabellen Mittelfeld gelandet, genau da wo ich hin wollte.


    Wenn Du solche taktischen Vorgaben in diesen Altersstufen machst, können sich dann die Kinder kreative Lösungen einfallen lassen? ->in begrenztem Rahmen, also innerhalb der taktischen Vorgaben müssen sie das ja. Sonst gibt es relativ schnell ein Gegentor. Aus meiner Sicht, waren die Lösungen, die ich da gesehen habe wesentlich kreativer, als lange Bälle nach vorne (was ja letztlich auch eine taktische Vorgabe wäre).


    "Ich persönlich denke, dass die Kinder in der F-, E- und D-Jugend keine taktischen Beschränkungen auferlegt bekommen sollten.

    Frei nach dem Zitat von Konfuzius: Sage es mir und ich vergesse es. Zeige es mir und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich selbst erfinden und ich werde es beherrschen. Ich bin mir auch bewusst, dass ich mit meiner Meinung fast ganz alleine da stehe."

    ->mit geht es da eher um Strukturen, als um Vorgaben. Ich denke, dass Fußballtaktik eine derart komplexe Angelegenheit ist, dass die Kinder gewisse Vorgaben und Einschränkungen brauchen, weil sie sonst aufgrund der Vielzahl an taktischen Möglichkeiten gar keine Chance haben sich zu entscheiden und so sehr mit taktischen Entscheidungen konfrontiert sind, dass sie sich nicht mehr auf die Technik, die ja genauso komplex ist, konzentrieren können. Ich habe den Kids quasi möglichst viele taktische Entscheidungen abgenommen, in dem ich da klare Vorgaben/Strukturen geschaffen habe, so konnten sich die Kinder auf die Technik konzentrieren. Und natürlich hat das nicht immer geklappt und man kann Kindern die Kreativität, auch im taktischen Bereich, auch gar nicht nehmen. Aber das ein Kind mit/ohne Ball erst mal überlegen muss, wo es grad hinlaufen soll, bevor es sich auf die Technik (Dribbling/Annahme/ Mitnahme/Passspiel) konzentrieren kann, war bei mir glaub seltener der Fall, als bei Teams bei denen es keinen taktischen Strukturen gab.


    PS: hab jetzt doch bei den meisten deiner Punkten dagegen gehalten. Nicht weil ich denke, dass das der einzig richtige Weg ist, sondern weil ich deinen Argumenten durchaus etwas abgewinnen kann und den Austausch dadurch vertiefen möchte :-).

    Dirk Coerverfan: Um deine Frage zu beantworten. Im Training haben wir das mit der Spieleröffnung nicht so oft geübt. Da standen andere Dinge im Vordergrund. Es war eher ein Vehicle, wie ich aus einem Spiel auch ein Training machen konnte. Und dazu scheinen mir kurze Spieleröffnungen hervorragend geeignet. Alle Spieler sind gefordert, die Aktionen finden unter Druck statt, Auflösen der Aktion ist nur durch Dribblings oder Kurzpassspiel möglich. Genau das was ich den Kindern beibringen will. Dazu hab ich unsere Spiele (und auch das Aufwärmprogramm vor dem Spiel) bis zu E-Jugend genutzt. Sag das aber bitte nicht meinen Spieler*innen. Die glaube heute noch es ging ums Gewinnen.


    Ist jetzt etwas überspitzt, aber das was und ist der Grundgedanke.


    Dass ich mit langen Bällen auf meinen Topspieler erfolgreicher bin, weiß ich auch. Aber dann lernt der Torwart lange Bälle und der beste Spieler schnell zu rennen. Das ist aus meiner Sicht deutlich weniger, als oben beschrieben.

    Danke für die zahlreichen Beiträge, dass war sehr interessant. Ehrlich gesagt, ging es mir gar nicht um die Festivals, ich hab die selber noch gar nicht erlebt. Bin aber nach euren Berichten sehr gespannt.


    Ich trainiere seit diesem Jahr Bambini und da ist sportlich gesehen natürlich alles toll was die machen und bei den Spielen gibt es nur Gewinner. Die sind auch tatsächlich zum Teil noch so klein, dass sie gar nicht kapieren, wer jetzt mehr Tore geschossen hat (und zu welchem Team sie überhaupt gehören und ob es das richtige Tor war :-)). Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem sie es dann checken werden. Aus den bisherigen Antworten lese ich ab, dass die da irgendwann ganz von alleine drauf kommen und ich gar nichts tun muss. Ich würde dann nur auf ein realistisches Bild achten und nicht, so wie es nach dem letzten Turnier war, in dem wir jedes Spiel verloren haben (wir waren auch die Kleinsten) und manche Eltern ihren Kindern danach erklärt haben, "du hast doch einen Pokal bekommen, also bist du Turniersieger" so lange die Kinder das ohne weiteres glauben oder es ihnen egal ist, halte ich das für okay. Was ich eher ungünstig finde sind die "Papas" die auch noch ihren 12 Jährigen zum Men of the Metch erklären, obwohl er das absolut nicht war. Mal sehen, wann der richtige Zeitpunkt ist, da einzugreifen und ob es den gibt.


    Was ich zu dem Thema auch noch beitragen wollte sind meine Erfahrungen aus der E-Jugend. Da wussten die Kids natürlich, wann wir verloren hatten (und Men of the Match Papas hatten wir zum Glück keine). Da fand ich als Trainer Niederlagen eigentlich immer ganz gut, zumindest waren die Trainings nach Niederlagen immer besser, als wenn wir hoch gewonnen hatten. Und ich hatte auch immer das Gefühl, dass die Kids bei Niederlagen mehr gelernt haben, als bei gewonnenen Spielen. Die Siege brauchte ich als Trainer eigentlich nur, damit die Kids auch Spaß und Motivation haben.


    Vorsicht, es folgt eine Anekdote:

    Ich bin leidenschaftlicher Verfechter eines gepflegten Aufbauspiels, will heißen, bis zur D1-Jugend sind lange Bälle vom TW konsequent verboten. Finde das die Kinder, wenn sie im hinteren Drittel in Ballbesitz unter Druck geraten einfach brutal viel lernen. Außerdem brauch ich zum Aufbauspiel alle Spieler/innen und nicht nur einen TW, der nen langen Ball schlagen kann und einen schnellen und ballsicheren Stürmer. Es lernen also alle was.

    Die höchst Niederlage meiner Trainerkarriere habe ich gegen eine Top Mannschaft eingefahren, die uns eh zweistellig auseinander genommen hätte, die waren einfach besser als der Rest der Liga. Da hat das "Hintenrausspielen" natürlich zu vielen Gegentoren geführt. Ich hab den TW aber trotzdem nur "kurz" auf die Abwehrspieler eröffnen lassen. Weil ich der Meinung war, ob wir jetzt 15 oder 25 zu 0 verlieren ist auch egal. Und siehe da, nach dem 5ten Gegentor, nach Ballverlust im Aufbau, war eine Entwicklung zu erkennen. Die Kids haben alles beherzigt, was sie über das Aufbauspiel wussten und sich voll ins Zeug gelegt. Weil sie wussten, dass der Gegner jeden Fehler knallhart bestraft. So viel wie an diesem Nachmittag haben wir davor in 5 Trainings nicht gelernt. Da habe ich als Trainer den Wert einer Niederlage/eines Gegentors noch mehr zu schätzen gelernt. Das nächste Spiel haben wir dann glaub wieder gewonnen :)

    Verlieren gehört ja bekanntlich zum Fußball genauso wie das Gewinnen. Und viele Vereine werben damit, dass die Kinder durch den Sport den Umgang mit Sieg und Niederlage lernen.


    Trotzdem ließt man immer wieder Sätze wie „da gewinnen alle“, „es gibt keinen Verlierer“ und nach Turnieren ist es mittlerweile üblich, dass jedes Kind einen kleinen Pokal bekommt.


    Mich treibt die Frage um, ab wann es denn Sinn macht, den Kindern klar zu sagen: Heute haben wir verloren, weil der Gegner besser war als wir.


    Ich halte das für eine extrem wichtige Lektion fürs Leben, dass man nicht immer nur gesagt bekommt, dass man der beste ist und eigentlich ja gewonnen hat.


    Ist der Fußball heute noch dazu in der Lage diese Erfahrung zu vermitteln und ab welchem Alter kann man es den Kindern zumuten, eine Niederlage auch ganz klar als solche zu betiteln?

    Chantale danke für die Info.

    Das würde ja dann heißen, dass aus die Profivereine aus ihren NLZs nur jedes zweite Jahr einen Profi generieren (Kadergröße von 25 angenommen). Lohnt sich da dann der ganze Aufwand? Und ist das realistisch, wenn ich mir die Profikader so anschaue, habe ich schon das Gefühl, dass da jedes Jahr 1-2 Spieler aus dem Nachwuchs dazu kommen?


    Oder hab ich da was falsch verstanden?

    Latinl kannst du sagen, was bin sportlichen Test dran kam?


    Hab leider nie im Herrenbereich gekickt und bin auch relativ talentfrei was die Technik angeht, dafür taktisch und didaktisch kurz vor Guardiola/Klopp ;-).


    Bisher hat es nur bis zur E Jugend (würde mir aber auch ältere zurtrauen) und zur C Lizenz gereicht.


    Macht es da Sinn über die B Lizenz nachzudenken oder sollte man froh sein, mit dem was man hat :)

    Finde interessant was Nermel schreibt (sorry bin zu blöd zum zitieren 😀).


    Wahrscheinlich ist jedes Kind anders und der Königsweg wäre es, den Kindern beizubringen, selbst gut auf ihren Körper hören zu können. Weil ja auch bei ein und dem selben Kind nicht jeder Tag gleich ist (Bsp: Wachstumsphasen, andere Belastungen, sich anbahnende Krankheit). Wenn die Kids selber wüssten, was an einem bestimmten Tag gut für sie ist und was zu viel ist, wäre das optimal.


    Genauso individuell würden das im Idealfall die Trainer einschätzen können. „Ich kann nicht mehr“ heißt ja bei einem Kind, dass es grad anfängt zu schwitzen, bei einem anderen, dass es beim nächsten Sprint stirbt.


    Wenn dann bei kleineren (bis zur E/D Jugend) auch noch die Eltern richtig einschätzen könnten, wann es notwendig ist mal ein Training ausfallen zu lassen, wäre der Optimalzustand erreicht.


    Dazu finde ich den Hinweis von Nermel, auch mal über die Grenze zu gehen, um diese kennenzulernen interessant.


    Außerdem habe ich von einem Verein gehört, der in der D Jugend einen Kochkurs zum Thema gesunde Ernährung abgehalten hat.


    Unsere Herren hatten mal ein Training mit einer Aerobic Trainerin und mal mit einem professionellen Physio


    Habt ihr weitere Ideen/Erfahrungen, wie man Kindern, sich selber, die Eltern dabei unterstützen kann, den eigenen Körper (bzw. den des Kindes) besser kennenzulernen?