Hi Oesi81,
ich würde nicht aktiv auf ihn zugehen. Wenn sein Kind am Ball bleibt und er es dabei begleitet, lernt er ja mit der Zeit, wie Fußball funktioniert. Oder es ist ihm doch nicht so wichtig und er lässt dich einfach machen.
Hilfe im Training würde ich grundsätzlich von jedem annehmen, „der nicht bei drei auf den Bäumen ist“.
VG
Thomas
Falls dich meine Erfahrungen zum Thema Kommunikation mit den Eltern interessieren, kannst du hier weiterlesen.
Ich hab mich, seit ich vor 5 Jahren als Trainer gestartet bin (F/E Jugend und Bambini im Dorfverein) nie groß um die Eltern gekümmert. Das war anfangs Typsache und auch dem damit verbundenen zus. Aufwand geschuldet.
Zu Beginn habe ich das als persönliches Manko wahrgenommen, an dem ich noch arbeiten muss. Inzwischen nehme ich es aber als eines meiner größten Talente war, das so hin zu bekommen.
Wenn ich von anderen Trainern höre, wieviel Zeit und Nerven die für die Eltern aufwenden, frage ich mich manchmal, ob die noch Kindertrainer sind oder schon eher Elterntherapeut. Mir ist dieses „meinen Kids Fußballzeit wegzunehmen, um sich schlimmstenfalls um die geplatzten Träume eines Fußballpapas zu kümmern/einem Erwachsenen zu erklären was Fußball ist“ so zu wider, dass es mir die Eltern vermutlich schon an der Körpersprache ansehen, dass ich unbedingt auf den Platz zu den Kids möchte anstatt Seelenklemptner/ Familientherapeut auf der Tartanbahn zu spielen.
Und glaub mir, ich bin selber überrascht, wie gut es funktioniert! Ich habe (bis auf eine Ausnahme, die sich nach 2 Minuten erledigt hatte und auch das ist schon 4 Jahre her) nie, Probleme/Diskussionen mit den Eltern. Es kommt auch so gut wie nie vor, dass mich jemand „nur ne Minute braucht“, bevor ich mit dem Training beginnen kann. Wenn dann nur bei neuen Eltern, die mich und die Abläufe noch nicht kennen. Private Anrufe von Eltern: 0 Stück in 5 Jahren. WhatsApp Nachrichten, in denen nicht nach organisatorischen Dingen gefragt wurde: 0 Stück in 5 Jahren.
Zu 90% kommuniziere ich mit den Eltern über die WhatsApp Gruppe. Elternabende hab ich noch nie gemacht. Vor/Nach dem ersten Training im Jahr kann es mal sein, dass ich die Eltern dazu hole, um über Abläufe zu informieren.
Im Winter gabs mal ein Training, zu dem 3 Kinder zu spät kamen. Da hab ich nach dem Training die Eltern als Zugörer (!) dazu gebeten. Botschaft an die Kids: Wer zu spät kommt muss eine Strafrunde laufen, wenn eure Eltern schuld sind, können die die Strafrunde für euch laufen, das müsst ihr dann untereinander klären. Aufwand 1 Minute. Seit dem funktioniert es mit der Pünktlichkeit.
2. Beispiel: Am Anfang der E Jugend haben bei mir alle Kinder innerhalb von 5 Minuten gelernt, wie man Fußballschuhe richtig bindet. Ich hab den Eltern einfach Kabinenverbot erteilt. Plötzlich konnten es die Kinder (Der Hinweis, dass Ronaldo seine Schuhe IMMER selber bindet und dass man es nur mit gebundenen Schuhen in die Startaufstellung schafft war ggf. auch ganz hilfreich).
Fazit: Ich bin Kindertrainer, ich bringe ihnen das Fußballspielen bei. Wenn ein Kind ein Problem hat, bin ich IMMER für ihn/sie da. Ich halte diese Aufgabe für extrem wichtig. Um Probleme der Eltern kümmere ich mich nicht!
Toller Nebeneffekt 1: Sobald die Eltern kapiert haben, dass mir die Kids wichtiger sind, als ihre Pseudo-/Helikopter Probleme, haben auch die Kids keine Probleme mehr und konzentrieren sich auf Fußball.
Nebeneffekt 2: ich kann, wenn ICH möchte, jederzeit aktiv auf jedes beliebige Elternteil zugehen und mir ein Feedback einholen. Das nutze ich sowohl für den sportl. als auch für den pädagogischen Bereich relativ häufig. Und lerne dadurch extrem viel (mehr, als wenn mir irgendein „Dahergelaufener“, der früher selber mal gekickt/mit seinem eigenen Kind total überfordert ist erklärt, was ich alles falsch mache).