Ich bin auch ein strenger Trainer (zumindest behaupten das zahlreiche Außenstehende). Aber ein Kind wegen
- mangelnder Leistung,
- im Nachhinein zu Schimpfen und das auch noch in
- aggressivem/lauten Ton
geht gar nicht.
Mangelnde Leistung ist ja kein Grund zu schimpfen. Kann ja niemand was für sein vorhandenes/nicht vorhandenes Talent. Wenn er schimpfen will, dann weil die Kinder Quatsch machen/nicht das machen, was er vorgibt (mit zurücklaufen oder seine Position halten kann man ja auch ohne Talent).
Außerdem müsste er ja als guter Trainer Situationen erkennen, bevor etwas passiert. Wenn er das kann, kann er die Kinder vorher coachen, anstatt nachher zu schimpfen. Ich selber schau zum Beispiel selten auf den Ball. Das Kind, das am Ball ist, ist eh grad mit was anderem beschäftigt, als damit mir zuzuhören. Wenn er coachen will, dann doch bitte die Kinder, die grad nicht am Ball sind und nicht wissen, was sie tun sollen. Dazu müsste der Trainer das Spiel aber so gut lesen, dass er weiß, was als nächstes passiert. Wenn er das täte, hätte er nur wenig Zeit zu schimpfen. Oft müsste er sich, dann auch selber schimpfen, weil er eine Situation nicht richtig vorhergesehen hat (zumindest bei mir kommt das immer wieder mal vor :-))
Und wenn dann mal was schief geht (Gegentor/Vergebene Chance/Niederlage). Hilft schimpfen auch nix mehr. Außer es gäbe eine neue Regel, die besagt, dass Gegentore, nach denen der Trainer ordentlich schimpft wieder aberkannt werden. Kinder denen sowas passiert braucht kein Mensch mehr schimpfen, die sind doch gestraft genug und vergießen oft schon ohne dass man sie schimpft Tränen über ein Gegentor/eine Niederlage. Da ist dann eher Trost und Zuspruch angesagt. (Out of Context: Wobei ich das "hör jetzt auf zu heulen, das ist doch nicht schlimm" auch nicht mag. Wegen was soll man denn sonst heulen, wenn nicht wegen Fußball und natürlich ist das schlimm!)
Letzter Punkt: Aggressiv und laut bringt nichts. Wenn ich ein guter Trainer bin, hab ich meine Emotionen im Griff und beeinflusse damit das Spiel positiv (also gerne emotional, aber so dass es meiner Mannschaft hilft). Natürlich ist ein Fehler, grad wenn er zu einem Gegentor führt oder dadurch eine Chance vergeben wird eine optimale Gelegenheit, um daraus zu lernen. Und wenn alle Zuschauer und Mitspieler dem Kind gesagt haben, dass er den doch machen/decken hätte müssen, dann nutze ich die nächste Spielunterbrechung, um ganz ruhig Tipps zu geben (aber so, dass es nur ich und der Unglücksrabe mitkriegen). Auch dazu müsste der Trainer etwas von dem Sport verstehen. Dass die Chance hätte reingehen müssen oder das Gegentor nie hätte fallen dürfen, weiß jeder Depp, aber wenn man jetzt auch noch weiß wie sich der Spieler richtig verhalten hätte und es schafft das seinem Spieler zu so zu vermitteln, dass er/sie es beim nächsten mal besser macht, dann ist man ein Trainer.
Ich hab das jetzt mal so ausführlich geschrieben, weil ich glaube, dass der Trainer, von dem wir sprechen ein guter Trainer sein will und sehr ehrgeizig ist. Wenn es gelänge ihm die obigen Punkte nach und nach so zu vermitteln, dass er erkennt, dass er sein Ziel, ein guter Trainer zu sein, dadurch erreicht, könnte man vielleicht etwas bewirken.
Für deinen Sohn finde ich die Erwägung "durchziehen und sich stellen" gut. Gleich beim ersten Hindernis alles hinzuwerfen, wird für seine Entwicklung, nicht nur als Fußballer, nicht der optimale Weg sein. Wann das Hindernis zu groß wird, kann eigentlich nur er selber entscheiden, wenn er diese Entscheidung trifft, müsst ihr natürlich zur Stelle sein, deshalb ist es gut, dass ihr viel mit ihm über das Thema redet. Wenn er dieses Hindernis aber überwindet, weiß er beim nächsten blöden Trainer/Typen/Lehrer/Chef/Mitschüler, der ihm begegnet, dass er das kann.