Was ich beobachte ist die Tatsache, dass in den Sichtungstrainings für die Stützpunkte schon viel zu viel auf körperliche Attribute geachtet wird. Sprinttests sind ein wesentlicher Bestandteil. Dadurch werden systematisch schon zahlreiche Kids ausgeschlossen von der weiteren Förderung.
Zudem sollte man aus meiner Sicht aktuell mal nach Frankreich schauen. Diese sind meiner Meinung nach seit gut 30 Jahren absolute Weltspitze, was die Ausbildung von Talenten angeht.
Sowohl in der Masse, wenn man sich anschaut, wieviel französische Fußballer in den Topligen Europas spielen, als auch in der Spitze, wenn man sich die Qualität von Superstars wie Zidane, Henry, Ribery, Benzema, Pogba, Mbappe oder Lloris anschaut.
Zudem bilden die Franzosen wirklich für fast alle Positionen Spieler auf extrem hohen Niveau aus.
Die Titel der Franzosen seit 1998 sprechen dazu ebenfalls Bände: 2 WM-Titel (1998 und 2018) und weitere 2 WM-Finals (2006 und 2022), dazu der EM-Titel 2000 und EM-Finale 2016 und weitere Titel wie die Nations League 2021 und Konfed-Cup 2001 und 2003. Sie zählen seit 30 Jahren bei den jeweiligen Turnieren zu den Topfavoriten, weil sie immer die besten Einzelspieler im Kader haben.
Von den in Frankreich ausgebildeten Spielern profitieren bspw. auch viele afrikanische Nationen wie Marokko, Senegal, Tunesien oder Algerien. Auch ein Eden Hazard oder Riyad Mahrez wurde als Beispiel in Frankreich ausgebildet.
Was machen die Franzosen anders?
Die Franzosen haben keine Stützpunkte in dem Sinne.
Deutschland hat über 400 Stützpunkte, die zudem föderalistisch durch die vielen Landesverbände koordiniert werden.
Die Trainer versammeln sich über diverse Stützpunkte und NLZ´s.
In Frankreich gibt es 16 Akademien, die durch den französischen Verband koordiniert werden. Übergeordnet gibt es dazu noch das Leistungszentrum in Clairefontaine, welches die Creme de la Creme dann nochmal speziell fördert.
Die Akademien arbeiten eng mit den Vereinen zusammen, um talentierte Spieler zu identifizieren.
Es existiert also eine zentralistische Förderung. In den Akademien und in Clairefontaine werden nicht nur die besten Spieler mittels aufwendiger Auswahlprozesse angesammelt, sondern dort sind auch die besten Jugendtrainer versammelt.
Die Kinder können dort ab 13/14 Jahren anfangen und werden dann unter gleichgesinnten extrem gefördert. Im ersten Jahr bspw. wird dort fast nur 1 gegen 1 trainiert, was dazu führt, dass du sowohl technisch herausragende Offensivspieler als auch körperlich robuste und starke Verteidiger ausbildest. Zudem stehen taktische Inhalte erst sehr viel später auf dem Lehrplan, werden dann aber sehr intensiv und tiefgehend trainiert.
Natürlich haben diese Akademien keinen gesellschaftlichen Auftrag in Frankreich, sondern es geht um die Ausbildung von Supertalenten für den französischen Fußballverband.
Aber welchen Auftrag haben unsere NLZ´s? Definitiv auch keinen oder nur untergeordneten gesellschaftlichen Auftrag, sondern dort geht es um die Ausbildung von Talenten für die jeweiligen Vereine, welche das NLZ leiten.
Und in Frankreich ist grundsätzlich Fußball nicht überall der Top-Sport. Im Süden Frankreichs ist bspw. Rugby auch sehr populär.
Die Talente kommen zum großen Teil aus dem Großraum Paris, wo sicherlich auch die schlechten sozialen Bedingungen der Menschen dort mithelfen einen besonderen Ehrgeiz zu entwickeln Fußballprofi zu werden. Diese Ansätze gibt es zwar in Deutschland auch, ist aber nicht so extrem.
Den gleichen Ausbildungsansatz verfolgen die Franzosen übrigens auch im Handball, wo die Dominanz der Franzosen noch größer ist als im Fussball.