Inwieweit man da als 9-Jähriger davon betroffen ist, erschließt mir immer noch nicht.
Mir sagte neulich ein Ex-Nationalkeeper und Championsleague-Spieler: "Im Nachhinein habe ich nichts falsch gemacht, als ich mit 19 Jahren von meinem Heimatverein zu einem Bundesliga-Verein gewechselt bin"!
Wenn also jemand auch ohne NLZ es höchste Herausforderungen schaffen kann, so sollte man doch das NLZ nicht als eine zuverlässige Trittleiter für diese Karriere betrachten. Ein User wies schon zu Recht darauf hin, wie minimal diese Chance statistisch zu sehen ist.
Kennt denn überhaupt einer von euch einen einzigen Fall, bei dem ein mit 9 Jahren entdecktes Wunderkind in ein NLZ gewechselt ist, um sich dort weiterhin als Wunderkind zu entwickeln?
Aber natürlich ist es auch so, dass man die NLZ nur von ihrer Idee her, eine größtmögliche Ausbildung sicher zu stellen, gegründet hat! Doch wenn von unten nach oben innerhalb der NLZ abgeworben wird, so muß die Frage nach einer Ausbildung insoweit zurück gestellt werden, als dass es ja eher die außergewöhnliche Entwicklung zwischen Können und Wollen einzelner Talente sind, als die standardisierte Ausbildung durch Sicherstellung hochqualifizierter Nachwuchstrainer?
Es ist zwar schon ein paar Jahre her, als ich mir die Frage stellte, wie es denn sein konnte, dass sich über einen Zeitverlauf von 10 Jahren im HSV-Nachwuchs kein einziges Talent einen Stammplatz im eigenen Profi-Kader erkämpfen konnte?
Wie sich bei genauerer Analyse heraus stellte, holte man sich für die U 15 junge Leute, die aufgrund ihrer frühen Geburt in den ersten Monaten eines Jahres sowie ihrer Herkunft, physisch und psychisch schon etwas weiter waren als die später hier geborenen Kinder. ich schrieb darauf hin den Artikel: "wer zu spät kommt, den bestraft der DFB", weil sich dieses Bild auch zunehmend in den Nationalmannschaften wiederspiegelte. Denn nachgewiesenermaßen sind Geburtsdatum und Geburtsort kein Talentmerkmal. Außerdem wachsen sich die Vorteile etwas früher in die Pubertät zu kommen, dort an Körperlänge und Muskelkraft deutlich zuzunehmen, ja nach dem Ende der Pubertät aus. Sonst hätten klein gewachsene Talente auch später keine Chance gehabt.
Wie man sich irren kann, zeigen ein paar Beispiele: Marco Reus wurde nach der Jugend beim BVB ausgemustert, weil er ihnen nicht durchsetzungsstark genug erschien. Den kaufte man dann später für einige Millionen zurück. Mats Hummels war den Bayern zu langsam. Auch er wurde zum Nationalspieler! Manuel Neuer sollte beim Wechsel in die C-Jugend bei Schalke aussortiert werden, weil er ihnen zu klein und mit einer pipsigen Stimme ausgestattet war.
Hinzu kommt das allgemeine Kirchturmdenken, was das Ausbildungkonzept stark hemmt. In den Niederlanden gibt es mit wenigen Ausnahmen Vereinskooperationen, die sich die Kosten und das Personal für die NLZ teilen. Ziel ist es hier möglichst viele Talente auf höchstem Niveau auszubilden, damit sich durch den Verkauf vieler guter Talente das NLZ finanziell trägt.
Nun stelle man sich einmal ein gemeinsames NLZ von Schalke und BVB vor? Was ich damit sagen will ist, dass bei einer Talentförderung die Talente und Vereine gleichermaßen ihre Interessen vertreten haben müssen, weshalb es sinnvoll sein kann, das Know-How dafür zu bündeln, statt sich nur gegenseitig die Talente wegzuschnappen.
Denn es ist im jetzigen Konzept leider zu beobachten, dass die wiederkehrenden Selektionen des aktuellen Kaders mit nervösem Daumen ein intransparentes Leistungsbild ergeben. Ich weiß auch nicht, ob die Halbjahresgespräche mit Talenten und ihren Eltern immer so geführt werden, wie es sein sollte?
Denn solange der Fußball noch ein Hobby und kein Beruf ist, hat es niemand verdient für seinen Sport kritisiert zu werden!