Die allgemeine Meinung ist doch, dass jeder Fußball spielen kann. Die Handballer bei uns im Verein hatten mal den Spruch "Wenn ich nichts könnte, wäre ich Fußballer geworden". Ja, Fußball ist in den Grundlage tatsächlich sehr einfach. Die Grundregeln, die Grundtechniken und die Grundtaktiken sind für jeden schnell zu lernen. Aus dem Grund glauben viele F-Jugendliche (oder ihre Eltern), die geradeaus dribbeln können, dass sie der nächste CR7 ist (weil man eben auch mit etwas Talent ziemlich leicht andere Anfänger übertreffen kann). Und auch so mancher Trainer, der in der E-Jugend eine Viererkette spielt, glaubt, dass er deshalb schon taktisch auf einer Stufe mit Fußballlehrern steht und der Job als Bundes- oder Bundesligatrainer so schwierig ja nicht sein kann. Und wer mal in den 90ern in der Landesliga auf der Ersatzbank saß, weiß natürlich ganz genau, was Löw oder Favre falsch machen, weil es ja total offensichtlich ist. Ist der Fußball wirklich so einfach?
In dem Bereich, in dem diese Personen unterwegs sind (F-Jugendspieler, E-Jugendtrainer oder Altherrenspieler) ist der Fußball tatsächlich so einfach. Aber der Profifußball, in dem es um Millionen geht, ist da anders. Dort werden technisch, körperlich und taktisch Dinge erwartet, die so mancher Landesliga-Kicker in seinem Leben noch nicht gehört oder erlebt hat.
Würde andersrum der ausgebildete Fußballlehrer ein E-Jugendspiel auf Kreiseben schauen, würde er sich völlig objektiv fragen, was das mit Fußball zu tun hat.
Damit will ich sagen: Es ist die Betrachtungsweise! Natürlich ist der E-Jugendfußball zu recht so wie er ist, da geht es nicht um Taktiken, Siege und Millionen. Da sagt kein Bundesligatrainer "so einen scheiß guck ich mir nicht an", selbst wenn sein Sohn da mitspielt. Genauso falsche Erwartungen oder Vorstellungen hat der Altherrenspieler der Dorfmannschaft, der bei jeder Gelegenheit auf den Bundesligatrainer draufhaut, der ja angeblich gar keinen Plan von Taktik hat.
Das sind zwei Welten, die miteinander nicht kompatibel sind. Wer in der Kreisliga mit asymetrischer Viererkette und nach innen gelenktem Mittelfeldpressing spielt, kann das natürlich seiner Mannschaft nahebringen, diese kann es vielleicht sogar gut umsetzen und man kann damit tatsächlich Erfolg haben. Das trifft aber auch nur auf maximal 1% der Trainer/Mannschaften zu. Den Rest interessiert das nicht (oder weiß nichtmal was davon), das ist auch überhaupt nicht schlimm. Die anderen 99% kommen in ihrer Leistungsklasse auch ohne das aus und leben vom Einzelkönnen der Führungsspieler.
In der Bundesliga ist sowas allerdings Gang und Gäbe, dort ist die Aufteilung aber andersrum. Wenn 1% diese Taktiken NICHT drauf hat, wird die Mannschaft wahrscheinlich klar abgehängt und absteigen.
Ich finde es abschließend etwas amüsant, dass die allgemeine Meinung ist, dass Fußball einfach ist und bei Niederlagen der Trainer Schuld ist, der offenbar keinen Plan hat, aber jeder Kritiker ins Schwitzen kommen würde, wenn er mal ein Angriffspressing an der Taktiktafel erklären soll oder es einer Mannschaft beibringen soll.