Das Thema ist wieder mal aktuell und wir sind eigentlich am gleichen Punkt wie nach jedem Turnier.
Ich persönlich finde, dass wir mit der deutschen Nationalmannschaft viel zu sehr in unseren theoretischen Ansätzen gefangen sind.
Das sehe ich ganz genau so. 2024 dachte ich, dass sich was geändert hat. Und jetzt sind wir wieder an dem Punkt, an dem Nagelsmann öffentlich von Rollengesprächen erzählt und eine völlig festgefahrene Teamstruktur gebildet hat, wahrscheinlich auf Grundlage irgendwelcher Studien, die in anderen Sportarten gemacht wurden und dort funktioniert haben. Man hat das Gefühl, dass nicht Fußball gespielt wird, sondern Fußball geplant wird.
Wenn wir Curacao mal beiseite lassen, da tatsächlich eher eine bessere Amateurmannschaft, dann hatten wir in jedem Spiel unsere Probleme.
Ich würde Curacao mit einschließen. Ein 7:1 sieht super aus, aber man hat es im Prinzip gegen einen chancenlosen WM-Neuling (Platz 82. der Weltrangliste, nur zwei Teilnehmer darunter) das zwischenzeitliche 1:1 kassiert und der Gegner ist dann später auseinandergefallen. Du sagst richtig: eine bessere Amateurmannschaft. Aber selbst da hatte man zwischenzeitliche Probleme.
Und wenn man ständig die gute Stimmung in der Mannschaft wie eine Monstranz vor sich hertragen muss, ich weiß nicht. Das sind Nebensächlichkeiten. Bei jeder Pressekonferenz lügt sich die deutsche Nationalmannschaft in die Tasche und das Ergebnis sehen wir heute.
Das geht in die Richtung mit unseren theoretischen Ansätzen. Man hat das Gefühl, es wird wissenschaftlich gearbeitet oder irgendwelche PR-Berater mischen sich da ein. Als ob da irgendwo einer sitzt und sagt "Havertz muss jetzt was freches sagen", "Nagelsmann, mach mal was Fan-nahes" oder "Es gucken zu wenig Kinder bei den Spielen zu. Wir müssen nochmal sagen, dass alle in kleinen Vereinen angefangen haben". Derjenige konnte es dann auch nach dem Sieg gegen Curacao nicht erwarten und hat sofort alle Medien angestiftet, Lobeshymnen zu posten. Nmecha wurde nach dem Curacao-Spiel beim Kicker in die Weltspitze geredet.
Man hat das Gefühl, das ist alles PR-technisch von vorne bis hinten durchgeplant, aber das Fußballspielen wird vergessen. Und dann eben auch vom Teamgefüge her - sowas wie "Wir brauchen einen, der der Bösewicht ist und immer spielt, obwohl das keiner will" und "alle sollen mit Undav mitfiebern, wann der endlich in die Startelf kommt".
Ich weiß nicht, ob es so ist oder nicht. Aber für mich wirkt es so und das ist eigentlich das Problem. Das eigentliche Fußballspiel scheint da echt vernachlässigt worden zu sein.
