Gestern hatte ich mit meiner B-Jugend (größtenteils Jungjahrgang) das zweite Vorbereitungsspiel. Gegen einen Verein aus dem Nachbarkreis, wie wir weit oben in der Kreisliga A. Der Trainer wusste, dass die meisten bei uns 06er und 07er sind, er kam dennoch mit zehn 05ern, die uns körperlich natürlich extrem überlegen waren. Die erste Halbzeit war recht ausgeglichen, der Gegner hat seine drei Chancen genutzt und wir unsere drei leider nicht - also 0:3.
In der zweiten Halbzeit wurde es dann ruppiger und in meinen Augen auch unsportlich:
- wiederholtes nachtreten, nachhaken vom Gegner
- immer zuerst den Körper, dann den Ball
- insgesamt musste ich in der zweiten Halbzeit vier Spieler verletzt auswechseln
- gegnerische Spieler provozieren (z.B. "das wird heute noch zweistellig")
Beim Stande von 0:6 wurde dann ein Spieler mit voller Absicht (Videobeweis liegt vor, der Ball war bereits eine 1,5 Sekunden weg!) vor den Trainern umgetreten. Quasi ein Vollspannstoß gegen den Fuß.
Ich habe dem Trainer nach dem Spiel bereits persönlich gesagt, dass ich sowas Unsportliches selten erlebt habe: mit dem Altjahrgang kommen und den Jungjahrgang zu Hause lassen, obwohl klar kommuniziert war, dass wir Jungjahrgang sind. Ist legitim, aber fragwürdig. Dazu dann diese überharte Spielweise gegen jüngere (zum Teil 17-Jährige gegen 14-Jährige). Man hat einen Schiedsrichterball mit Absicht wuchtig und hoch geschossen, den Spieler am Strafraum bei der Annahme gestört und aufs Tor geschossen. Gehört sich echt nicht.
Abends habe ich ihm das dann nochmal detailliert per WhatsApp geschrieben, weil ich einfach fassungslos war und mir das Spiel auf Video nochmal angeguckt hat. Er hatte es aber als ziemlich faires Spiel eingestuft und "das ist halt so". Unfaire Aktionen hätte es nicht gegeben und wenn dann wären sie von uns ausgegangen (wir haben nur 6 Fouls ohne böse Absichten in 90 Minuten begangen). Er machte dann noch Nebenkriegsschauplätze auf, dass irgendwelche Zuschauer unsere Spieler heiß gemacht hätten und sie zum Foulen motiviert hätten - wir haben aber nun mal nicht gefoult. Mein Co-Trainer hätte den Schiedsrichter für seine lasche Linie kritisiert und das würde ja auch nicht gehen. Nein, das gehört sich nicht. Aber dabei kommt körperlich niemand zu Schaden, während das bei Fouls und hartem Körpereinsatz schon passieren kann. Bei einem so deutlichen Ergebnis kann man da ruhig mal einen Gang zurückschalten. In einem Freundschaftsspiel.
Ich hatte den Trainer (selbst auch Schiedsrichter) bei der Spielplanung als ziemlich vernünftig und rational eingestuft, aber das war mir dann doch etwas zu viel. Ich hätte das vielleicht auch gar nicht schreiben sollen, aber so ein Verhalten tolerieren und akzeptieren wir einfach nicht. Er hat mir abschließend gesagt, wir wären schlechte Verlierer und er hätte ein wenig mehr Sportlichkeit von uns erwartet. Aber auch gewinnen will gelernt sein.
Ich bin vielmehr Stolz darauf, dass meine Spieler sich darauf nicht eingelassen haben und einfach weiter Fußball gespielt haben. Und dass es die einzige Konfrontation dann per WhatsApp gab und nicht auf dem Feld.