orbiter
Wenn wir davon ausgehen, dass wir im Bereich des DFB kein genetisches Problem haben, dann müssen woanders suchen.
Ich denke, dass in Deutschland ein strukturelles Problem auf fast allen Ebenen des Kinder- und Jugendfußballs und somit bei der Talententwicklung haben.
1. Wir haben beim Fußball eine regionale Basisdemokratie (nicht falsch verstehen, ich bin ein Fan unserer Demokratie) Das bedeutet, dass die Kreisfußballverbände, und anschließend die Landesfußballverbände entscheiden, wie Fußball im Kinderbereich organisiert wird. Der DFB kann immer nur Anregungen geben. Die Kreise und die Länder müssen nicht die Ideen des DFB umsetzen. Die Ideen sind seit 2003 im DFB verankert und werden immer wieder angepasst. Hier muss die Struktur geändert werden.
2. Die Trainerausbildung wird nicht zur Pflicht gemacht. Jeder aber auch wirklich jeder darf eine Kindermannschaft trainieren. Das kann man ändern, wenn man es wollte.
Beispiel: Freiwillige Feuerwehren. Wer nicht über 120 Stunden ausgebildet wurde, darf nicht an die Spritze.
3. Ungleiche Verteilung der Mittel. Das unfassbare Vermögen der Profivereine muss viel mehr bei der Ausbildung der Talente ankommen. Damit meine ich auch in die Trainerausbildung der Breitensportvereine.
0,5%-3% der Ablösesummen und 0,5%-3% aller Jahresgehälter der Profis wird für die Ausbildung der Kinder und Kindertrainer investiert.
Die Trainerscheine werden wieder preiswerter, es werden viel mehr Trainer ausgebildet.
4. Die Flaschenhälse in der Lizenzausbildung müssen aufgelöst werden. Dieses Punktesystem ist eine Katastrophe. Wer sagt denn, dass jemand, der wenig Punkte hat, kein guter Trainer sein kann? Hier muss sofort Abhilfe durch viel mehr Lehrgangsplätze geschaffen werden. Finanzierung durch anteilige Ablösesummen im Profibereich (siehe Punkt 3)
5. Abschaffung der DFB Stützpunkte. Stattdessen wieder Kreis- und Bezirksauswahlen ab der E-Jugend alter Jahrgang einführen und mit der DFB Ausbildungsphilosophie ausbilden.
6. Keine Ausnahmen für ehemalige Profis in der Lizenzausbildung. Ehemalige Profis haben keine bessere Voraussetzung zum Kinder- u. Jugendtrainer oder als Leiter eines NLZ, als Trainer an NLZ, oder, oder........ als ein Breitensportfußballer. Im Gegenteil, meistens waren diese Profis mit soviel Talent gesegnet, dass sie sich nicht in Kinder reinversetzen können, die weniger Talent haben als sie selber hatten.
7. NLZ Trainer sind nicht umfassend genug ausgebildet um mit Kindern u. Jugendlichen zu arbeiten. Hier muss es zwingend eine 3 bis 4 jährige Ausbildung als Eingangsvorraussetzung geben.
8. Die NLZ dürfen nur noch gering von der DFB Ausbildungsphilosophie abweichen. Heute kann noch jeder Verein so ausbilden wie er es für richtig hält. Die Dokumentation für die Überprüfung wird einfach von "Fachkräften" frisiert.
9. Die Anforderung für die Leiter von NLZ ist die UEFA Pro Lizenz. Das halte ich für völlig falsch. Die Anforderungen dieser soooo enorm wichtigen Position können meiner Meinung nach nur von pädagogischen Personal (Diplom Sportpädagogen oder ähnlich) richtig ausgefüllt werden.
10. Die Standzeit der Leiter des NLZ muss unbegrenzt sein. Heute werden sie immer noch viel zu häufig gewechselt weil...... tausend Gründe. Es ist so als ob man alle halbe Jahr oder alle 2 Jahre den Direktor einer Schule auswechselt. Das gibt keine Kontinuität in der Ausbildung. An so eine Schule würde ich meine Kinder nicht schicken. Hier müssen alle NLZ einmal ihre Strategie überdenken und der DFB die Anforderung an die Position des Leiters ändern.
11. Das Scouting muss sich sehr viel mehr an die Perspektive und nicht an dem "Ist-Zustand" der Talente orientieren.
Hier muss es nicht mehr auf das "Bauchgefühl" des Scouts ankommen, sondern es muss ein "Lastenheft" für das Scouting existieren.
12. Kinder die an ein NLZ berufen werden, dürfen nicht mehr die Angst haben, dass sie alle halbe Jahr aussortiert werden. Hier müssen sich alle NLZ als Vorbild die Jugendarbeit von Twente Enschede ansehen.
13. Kinder müssen extrem viel Spaß am Fußball durch tolles Training bekommen. Wer keinen Spaß an einer Sache hat, wird niemals das Lieben was er tut. Wer Spaß an einer Sache hat, entwickelt Leidenschaft. Wer für eine Sache (hier Fußball) leidenschaftlich brennt, ist auch bereit für die Erreichung eines Zieles Leiden zu ertragen.
14. Wenn sich die Kinder am NLZ in der Pubertät nicht mehr so entwickeln wie es erwünscht/erhofft wird, dann liebe Trainer ertragt es mit Geduld und sortiert sie nicht gleich aus. Sie werden euer Vertrauen mit Leistungsbereitschaft belohnen.
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16..
17 usw.
Es gibt noch sehr viele Ideen die man hier diskutieren kann.