Beiträge von Dirk Coerverfan

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    Moritz33

    Für mich beschreibst du genau die Fehlentwicklungen, die durch zu große Felder, zu große Mannschaften und zu frühes Positionieren der Spieler, entstehen.

    Zu große Felder: Es lohnt sich nicht für den einzelnen Spieler, hinter einen 50m Pass hinterherzulaufen. Er hofft, dass dort schon ein anderer Spieler seiner Mannschaft steht und die Situation klärt. Somit kann er die Verantwortung für das Spiel an einen anderen Mannschaftsteil übertragen.

    Zu große Mannschaften: Er lernt schon sehr früh, dass es immer noch genügend Spieler in seine Mannschaft gibt, die ihm zur Hilfe kommen können. Er verlässt sich auf andere. Dadurch, dass er in solchen Mannschaften spielt hat er automatisch weniger Situationen und muss somit nicht immer zu 100% konzentriert spielen. Er hat gelernt, dass es mindestens 3 Linien im Team gibt. Er fühlt sich maximal für 2 Linien verantwortlich und übergibt wieder die Verantwortung auf andere Positionen und Spieler.

    Zu frühes Positionieren und noch viel schlimmer; positionsspezifische Ausbildung. Wenn der Mittelstürmer zurücklaufen soll, fragt er sich doch warum soll ich das. hinter mir gibt es doch mindestens 5 oder 6 andere Spieler, die schon defensiv ausgebildet sind. Die können es viel besser als ich. Er überträgt somit die Verantwortung eventuell lehnt er sogar die Verantwortung für das gesamte Spiel ab.


    Da wir als Trainer noch nicht immer den unmittelbaren Einfluss auf die Feldgröße und die Anzahl der Spieler im Punktspielbetrieb haben, können wir nur an der individuellen Mentalität und der Einstellung der einzelnen Spieler zum gesamten Spiel etwas verändern.


    Mein Tipp der auch wirklich funktioniert.


    Spiele im Training so oft wie möglich 1 gegen 1 ohne Torwart, seltener 2 gegen 2 mit wechselnden Torwart und als Abschlusspiel maximal 3 gegen 3 in Turnierform mit wechselnden Torwart.


    Beim

    1 gegen 1 geht jeder Spieler in die 100% Verantwortung für sein Spiel.


    Beim

    2 gegen 2 bekommt jeder Spieler sofort eine Rückmeldung von seinem Mitsspieler, wenn er sich nicht um das ganze Spiel auch im defensiven Bereich kümmert.

    Freilaufen und sich aus dem Gegnerschatten lösen sind die ersten individualtaktischen, offensiven Elemente, die sich zu gruppentaktiken entwickeln. Das finden deine Jungs ganz von selbst heraus. Ganz nach der Philosophie: "Sage es mir und ich vergesse es, lasse es mich machen und ich behalte es, lasse es mich selbst entwickeln/erfinden und ich beherrsche es"


    Beim

    3 gegen 3 hat er auch im Abschlusspiel keine Möglichkeit, sich aus dem Spiel zu ziehen. Die Gruppe wird ihn automatisch in die Verantwortung nehmen.


    Spätestens nach 5 Wochen wirst Du die Erfolge auch auf dem viel zu großen mit viel zu vielen Spielern besetzten Feld sehen. Das geniale daran, du musst ihnen überhaupt nichts erklären. Denn in der D-Jugend fangen die Kinder/Jugendlichen an sich für andere mehr zu interessieren. Sie möchten auch in dieser "peer group" (Freundesgruppe) Anerkennung finden. Die Meinung der Mitspieler ist den Spielern in deiner Altersgruppe jetzt oftmals wichtiger als die Meinung der Trainer. Nutze diesen Effekt für deine Ausbildungsziele.

    Bennzke,

    ich kann immer nur Tipps geben. Die Trainer vor Ort sollen natürlich immer selbst entscheiden.

    Wenn Du dich von den anderen Trainer in deinem Verein, bzw in deiner Staffel unterscheiden willst, solltest Du Deinen eigenen alters- und kindgerechten Weg gehen.

    Frage Dich immer, was wollen und was können die Kinder in deiner Altersstufe. Danach richtest Du deinen ganzen Trainingsplan aus.

    Wusstest Du, dass Kinder

    1. rechts u. links erst ab ca. 10 Jahren spiegelbildlich auf den Raum übertragen können.

    2. erst ab ca. 9 Jahren Entfernungen gut einschätzen können

    3. sehr oft in diesen Jahren noch nicht so schnell wie Erwachsenen von Nah- auf Fernsehen umschalten können.

    4. Ab ca 10 Jahren haben Kinder erst ein präventives Gefahrenbewusstsein. (wenn ich den heißen Topf anfasse, nehme ich den Topflappen, damit ich mich nicht verbrenne).

    Was würdest Du mit diesem Wissen für deine Trainingsplanung ändern?

    Bennzke

    herzlich Willkommen im Forum.

    Das was Du beschreibst hat bestimmt schon jeder von uns erlebt, als er zum ersten Mal im Kinderfußball als Trainer tätig wurde.

    Den allerersten Tipp, den du hier aus dem Forum bekommst, ist fast immer bleibe ruhig und entspannt.

    Jetzt mein Tipp:

    Wenn Du nach einem Ausbildungsplan arbeitest, wirst Du mit Deiner E-Jugend spätestens in 1,5 Jahren im fortgeschrittenen Bereich für Aufsehen sorgen.

    1. Kinderfußball ist keine Erwachsenen Fußball. Hier zählen keine Ergebnisse sondern die individuelle Ausbildung.

    2. Die Kinder kommen zu dir um Spaß am Fußball zu haben. Dein Job ist es ihnen so viel Freude am Fußball zu vermitteln, so dass sie lebenslang Spaß an dem schönsten Spiel der Welt haben.

    3. Du solltest als relativ neuer und somit unerfahreren Trainer nur einen Ausbildungsschwerpunkt im Training haben.

    Diesen Schwerpunkt musst Du so lange trainieren, bis alle Kinder in deiner Alterstufe diesen Schwerpunkt in der Grobform am Spieltag anwenden könnten, wenn sie genügend Selbstbewusstsein haben.

    4. In der E-Jugend sind es meiner Erfahrung nach 4 bis 6 Trainingseinheiten, bis Du ein Ziel erreicht hast.

    Weiche NIEMALS von deinem Ausbildungsziel ab. Wenn Du am Spieltag Schwächen in anderen Bereichen erkennst ist es egal für die Ausbildung. Verfolge Dein Ausbildungsschwerpunkt.

    5. Gebe den Kindern in dieser Altersstufen niemals Anweisungen im Spiel. Es sind keine Schachfiguren. Kinder benötigen viele Freiheiten um aus Fehlern zu lernen. Erst wenn sie selbst Lösungen finden, entfalten sie Kreativität.

    6. Fange mit deiner Ausbildung noch einmal von vorne an.

    a. die Grundlage des Fußballs ist das 1 gegen 1. Dort wird in deiner Alterstufe alles geschult was die Kinder brauchen.

    b. biete ihnen in einem Abschnitt des Trainings immer wieder Fang und Tickerspiele mit hoher Intensität und kleinen Spielfeldern an.

    c. Fußballspielen lernt man durch Fußballspielen. 1 gegen 1 bis max 2 gegen 2 auf kleinen Spielfeldern in Turnier oder Championsleaque Formen sind die Erfolgsgaranten um bei den Jungs großen Spaß zu erzeugen.

    d. Mache Dir unbedingt einen Plan mit Lernzielen.

    d1. In dieser Alterstufe ist die Taktikschulung völlig überflüssig. Hier heißt es "Das Spiel ist der beste Lehrer"

    d2. das Selbe gilt für alle Arten der Ausdauer, Kraft, und Schnelligkeit.

    d3. Technikschulung ist das A und O der individuellen Fußballerschulung.

    Der DFB unterscheidet diese 5 Techniken. (Passen, Torschuss, Dribbling, Ballan- u. -mitnahme, Kopfball)

    Aus diesen Zielen kannst du Unterziele für deine Spieler definieren, z.B.

    Ballan- u. -mitnahme

    1. Innenspann Annahme im Stand von vorne

    2. Innenspann Annahme von vorne in der Vorwärtsbewegung

    3. Innenspann Annahme von der Seite im Stand

    4. usw, usw.


    Das war nur ein Beispiel. Jetzt musst Du dafür nur noch die richtigen methodischen Reihen für Dich und deine Kinder finden.

    Noch ein Tipp, wenn Du unbedingt Übungen machen möchtest, dann nicht länger als 10 Minuten. Anschließen sofortige Verfestigung der erlernten Technik, durch Wettkämpfe und anschließenden freien Spiel.


    Es ist ein beschwerlicher aber extrem erfolgreicher Weg.

    In der F-Jugend sind wir anfänglich ein paar mal 2 stellig abgeschossen worden.

    In der E-Jugend waren fast alle meiner Kinder in der Kreisauswahl.

    let1612

    Dann passt Deine Ausbildug genau in das Muster, welches ich beschrieben habe.

    Du hattest halt Pech, dass dir die ganze "Sozialkompetenz", die der DFB seit 2003 ausbildet, nicht vermittelt wurde.

    Das ist heute zum Glück für die "normalen Kinder u. Jugendtrainer" viel besser geworden.


    Leider wird den ehemaligen Profis genau dieses Wissen immer noch nicht vermittelt.

    Denn sie brauchen die C-Lizenz nicht machen. Meistens wählen die ehemaligen Profis auch nicht das Profil Jugend sondern das Profil Erwachsene in der B-Lizenz. Somit fehlt diesen Trainer später die "Sozialkompetenz" Wenn man dann auch noch weiß, dass die Leiter der NLZ sehr oft von ehemaligen Profis mit Fußballlehrer Lizenz besetzt wurden und das die Trainer der U19 und U21 ebenfalls von diesen Trainern besetzt wurden, dann kann man sich vorstellen woran es damals und eventuell auch heute noch an den NLZs fehlen könnte.

    Meine Trainingsgruppe besteht sei 18 Monaten aus F- und E-Jugendspielern.

    Für mich hat das 1 gegen 1 absolute Priorität.

    Alles im Training dreht sich in dieser Alterstufe um das 1 gegen 1.

    Aufbau meines Trainings.

    1. 5-10 Minuten "Fun Game" z.B. Kommandodribbling mit Ballgefühl- und Ballbeherrschungsübungen.

    2. 20-30 Minuten 1 vs 1 im Championsleague Format

    3. 10 Minuten methodisches Fintentraining

    4. 20-30 Minuten Abschlussturnier auf 2 oder 3 Felder "fast völlig freies Spiel" 2 gegen 2 bis 3 gegen 3.


    Warum ich so lange 1 gegen 1 trainiere.

    1. viele Ballkontakte

    2. viele 1 gegen 1 Situationen offensiv, wie devensiv, die technisch und individualtaktisch gemeistert werden müssen

    3. viele Erfolgserlebnisse durch viele Tore und viele gewonnene Zweikämpfe

    4. viele Torschusstechniken, dadurch auch Verbesserung der Passtechniken

    5. spielerisch erzwungenen Raumorientierung, Spieler muss immer wissen wo das Tor ist.

    6. fußballspezifisches Koordinationstraining in spielerischer Form unter Gegner- Raum- und Zeitdruck.

    7. Steigerung der Reaktionsfähigkeit durch Gegner- und Raumdruck.

    8. Förderung der Suche nach "vom Spieler selbst gefundenen", kreativen Lösungen

    9. Ausprobieren, der Finten, die die Spieler schon gelernt haben.

    10. Förderung des schnellen Umschaltens

    11. Immer ist man dafür selbst verantwortlich wenn ein Spiel verloren geht oder gewonnen wird.

    12. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.

    13. Erhöhung der "Kopfgeschwindigkeiten"

    14. Anpassung an ständig wechselnde Gegenspieler

    15. Man trifft immer wieder auf weiter entwickelte Spieler oder nicht so weit entwickelte Kinder. Somit wird jeder seine Erfolgserlebnisse haben.

    16. Immer wieder Orientierung im Raum, da die Spielfelder direkt nebeneinander liegen und es immer wieder zu Kontakten mit den Spielern des Nachbarfeldes kommt.

    17. Förderung von hochkomplexen Bewegungen mit und ohne Ball.

    18. Situationen sehr schnell erkennen und für sich nutzen.

    19. spielerisch lernen, das Körperkontakt zu Fußball immer dazu gehört.

    20. durch Regeln zur Fairniss erziehen. z.B. Grätsche ist immer ein Strafstoß. Der gefoulte sagt, dass es ein Foul war. usw.

    usw. usw. usw.

    21. Höchste Form der "Konditionsschulung"

    Achtung je älter die Spieler desto kürzer ist die Spieldauer eines Spiels und destso länger muss die Pause zwischen den Spielen sein.

    Mit F-Jugendlichen sind ca. 90 Sekunden Spielzeit und 30 Sekunden Pause angemessen. Ungefähr 10 Spiele sind hier die obere Grenze

    Mit B-Jugendlichen sind ca. 60 Sekunden Spielzeit und 90 Sekunden Pause angemessen. Hier sind max 6 - 8 Spiele die obere Grenze



    Für mich persönlich ist diese Spielform bis einschließlich B-Jugend ein absolutes Muss in der individuelle Ausbildung.

    Uuups, wo sind 6 und 8 gebleiben???


    Es sind Wünsche.

    Eine meiner Lebensweisheiten ist " Wer will sucht Wege, wer nicht will sucht Gründe"

    Zum Glück wird Punkt 5 (Tabellenwahnsinn) immer mehr in den Fokus der Diskussion gerückt. Nur wenn man darüber redet wird den Kinder- u. Jugendtrainern überhaupt erst einmal bewusst, dass es im Kinderfußball gar nicht um Tabellen, sondern um die individuelle Ausbildung geht.


    Punkt 7:

    Die Felder sind bis einschließlich A-Jugend viel zu groß. Wenn ich für die Kinder u. Jugendlichen extrem viele Ballkontakte, extrem viele inividualtaktische Handlungen, extrem viele gruppentaktische Handlungen, extrem viele Freilaufsituationen, extrem viele Sprints und kurze Antritte, extreme fußballspezifische Ausdauer, extreme fußballspezifische Koordination, extrem viel Aufmerksamkeit für das Spielgeschen, extrem viele Pässe, extrem viele Ballan, u. -mitnahmen, extrem viele Dribblings, extrem viele Torschüsse, usw.erzwingen will, dann müssen die Felder kleiner und die Spieleranzahl verringert werden.

    Die ersten Ansätze sind mit dem Funio schon gemacht. Aus meiner Sicht währe es ideal, wenn auch die A-Jugend max. 7 gegen 7 auf maximal einer Platzhälfte spielt.

    Warum ich mir das wünsche..?

    Stell dir vor du hast eine A-Jugend auf dem 11er Feld, die sehr überlegen spielt. Zähle mal wieviel Situationen oder Ballkontakte der rechte/linke Verteidiger hat. Welchen Lerneffekt bringt diesen Spielern, das Spiel.


    Punkt 10. Hier mache ich mir nur Gedanken um die Spieler und nicht um die Schiedsrichter.

    Ich bin auch der Meinung, dass der Kinderfußball völlig ungeeignet ist, um die jungen Schiedsrichter an ihr Ehrenamt heranzuführen.

    Aus meine Sicht werden hier die Schiris verheizt und neue junge Schiris sind auch nicht in der Lage pädagogisch zu pfeifen. Sie haben genug mit sich zu tun.


    Wenn alle Kinder u. Jugendlichen schon im Training lernen, dass der Trainer nicht der Schiri ist und der Trainer immer wieder von den Kindern und Jugendlichen verlangt, dass sie selbst entscheiden, wann es im Trainingsspiel ein Faul war, dann kommt innerhalb von 4 bis 6 Trainings ein sehr viel faireres Trainingsspiel und somit auch ein "Punktspiel" am WE zustande. Allerdings muss ein Trainer im Training es auch mal aushalten, dass es zu minutenlangen Diskussionen kommt. ^^ ^^ ^^


    Diese selbst erworbenen Fairniss kann man auch im Punktspiel einfordern. Das geht bis zu dem Zeitpunkt, bis die meisten Jungs in die puberale Phase eintreten.


    Punkt 11:

    Ist für mich einer der wichtigsten Punkte.

    Auf einem Talentsymposium des HSV vor ca. 20 Jahren sagten damals unter anderem Ralf Peter (Autor mehrer DFB-Ausbildungsbücher) und der argentinscher Trainer, Jorge Griffa (der Maradonna Entdecker) das man für den Ausbildung eines Stürmers (offensiven Spielers)

    13 Jahre benötigt. Um einen offensiven Spieler zu einem defensiven Spieler zu schulen, braucht man 1 Monat im Seniorenbereich. Als Beispiel zeigte er uns damals den Weg von Marcel Jansen auf.

    Warum soll den Spielern die Möglichkeit nicht geben ein offensiver Spieler zu werden?

    Mein Job ist es doch alle Spieler bestmöglich individuell auszubilden. Nur meine Meinung

    Ich wünsche mir für den Kinder- u. Jugendfußball, dass

    1. unsere Kinder nur noch von ausgebildeten Trainer betreut und trainiert werden.

    2. die Ideen des DFB im Bezug auf Kinder- u. Jugendfußball flächendeckend umgesetzt werden

    3. alle Trainer bei ihrer Trainingsplanung die Ausbildung des einzelnen Kindes im Fokus haben

    4. alle Trainer bei ihrer Trainingsplanung immer erst auf das Alter der Kinder eingehen.

    5. es endlich mit den Tabellenwahnsinn im Kinder- u. Jugendbereich ein Ende hat.

    7. alle Spielfelder im Bereich des DFB auf altersgerechte Größen reduziert werden.

    9. alle Kinder die gleiche Spielzeit bekommen (das gehört ins Regelbuch für den Kinderfußball)

    10. es bis einschließlich D-Jugend junger Jahrgang keine Schiedsrichter mehr gibt. (mein Ideal ist die Fairplay-Liga)

    11. erst ab der A-Jugend zu einer Positionierung der einzelnen Spieler kommt (Ausnahme der Torwart ab der B-Jugend).

    12. die am weitesten entwickelten Spieler so lange wie möglich in den Heimatvereinen spielen können bevor sie an die NLZ wechseln.

    13. die Trainer der NLZ eine mindestens 3 jährige Ausbildung zum NLZ-Trainer durchlaufen.

    14. keine TV Übertragung mehr bis einschließlich U19

    15. wir mit diesen Wünschen nicht immer wieder von vorne anfangen müssen.

    let1612

    So ist es mir in den 1990er auch ergangen. Ich habe eine Ausbildung zum Fußballttrainer C-Lizenz (heute B-Lizenz) in dieser Zeit genossen. Eigentlich wollte ich wissen, wie ich Kindern u. Jugendlichen, das Fußballspielen beibringen kann.

    Ich kannte nach dem Lehrgang jede jede Muskelfaser des menschlichen Körpers und sämtliche Trainingsarten, um die Ausdauer der Spieler zu steigern. Gefühlt hatten wir 20 Unterrichtseinheiten "Dehnen", 60 UE "Konditionstraining", 10 UE "PECH" und 30 UE "Tapen" Das war aber auch alles was uns beigebracht wurde.

    Mir kam es so vor als ob wir damals zu Trainern von Gladiatoren ausgebildet wurden.


    Ab 2003 ist die Trainerausbildung völlig neu strukturiert worden. Sie wird heute ständig neu angepasst.

    Wer Lust hat, kann sich sämtliche aktuellen Ziele aller Trainerlizenzen des DFB durchlesen.

    https://www.dfb.de/fileadmin/_dfbdam/296236-Heft_09_Ausbildungsordnung_20240101.pdf


    Zur DFB-Elite-Jugend-Lizenz (2009): Du durftest sie damals machen, obwohl du noch eine alte DFB B-Lizenz gemacht hast....? Das war aber sehr ungewöhnlich.

    Ihn der damaligen Elite-Jugend-Lizenz kam tatsächlich wenig "Sozialkompetenz" im Lehrplan vor. Der DFB ging davon aus, das beim FüL-C (heutige C-Lizenz) und in der C-Lizenz Profil Kinder u. Jugend (heutige B-Lizenz), die nach 2003 erworben wurden, genügend "Sozialkompetenz" vermittelt wurde. Deshalb ging es damals (2009) nur noch um die Kenntnisvermittlung, damit die Trainer an den Stützpunkten und NLZ trainieren durften.

    Dann hast Du mit deiner uralten Trainerlizenz tatsächlich die modernen Lehrgänge verpasst, auf denen du in Sachen "Sozialkompetenz" ausgebildet worden wärest.

    Latinl

    Na klar. Nicht jeder Trainer kann sich reflektieren und daraus Verhaltensänderungen herbeiführen. Wir Lehrwarte u. Referenten waren immer auf der Seite der "pädagogischen Optimisten" auch wenn mich in seltenen Ausnahmen die Realität stärker getroffen hat, als erwartet.

    In 13 Jahren habe ich ca. 250 Trainer ausgebildet und über 1000 Trainer sowie über100 Grundschullehrer und Lehrerinnen weitergebildet.

    Eine genaue Statistik habe ich nicht geführt. Von diesen Trainer habe ich nur 3 kennengelernt, die es nicht annehmen wollten und es offen kommuniziert haben. Das ist natürlich nur " die Spitze des Eisberges" . Rechnet man dann noch die 10 fache Anzahl dazu, die ihre Meinung nicht offen kundgetan haben, dann ist doch die Erfolgsqoute immer noch sehr hoch und kommt/kam den Kindern in den Vereinen zu gute.


    Es wäre doch wirklich schade, wenn man von Anfang an sagt, dass die Trainer nichts aus dem Lehrgang mitnehmen würden, nur weil es Einzelfälle gibt.

    Viel mehr müssen sich die Referenten überlegen, wie sie auch noch diese Trainer dazu bekommen, dass sie ihre Sozialkompetenz verbessern möchten.

    let1612

    Die Inhalte des Trainerlehrgang vermitteln auch Sozialkompetenz. Deshalb es es aus meiner Sicht ja so wichtig, das man diesen Lehrgang besucht.

    Nicht jeder Trainer ist auch ein pädagogisches Naturtalent. Dessen war sich der DFB beim Erstellen der Lehrpläne auch bewusst. Darum wird auch auf diesem Lehrgang ganz viel pädagogisches Grundlagenwissen vermittelt.

    Hast Du auf deinem Lizenz-Lehrgang etwas anderes vermittelt bekommen?

    Als Vergleich ziehe ich einmal den Führerschein heran.

    Ja, man kann das Autofahren auch ohne Führerschein lernen. Dann beherrscht man das Fahrzeug und eventuell einige Grundregeln.


    Die Fahrschule bringt den Fahrschülern aber noch viel mehr als nur das Schalten und das Fahren bei.

    Es heißt aber noch lange nicht, dass sich alle an die erlernten Regeln halten. Es gibt immer wieder ausgebildete Fahrer, die die Regeln kennen aber nicht anwenden wollen/können. Trotzdem halten sich die meisten Fahrer sehr häufig an die Regeln. Das könnten sie nicht, wenn sie die Regeln nicht kennen würden.

    Entscheident ist hier, dass die große Masse der Fahrer sich an die Regeln hält, ansonsten würde unser Verkehr nicht so relativ unfallfrei und somit verletzungsfrei fließen.


    Beim Kinder- und Jugendfussball ist es ähnlich. Trainer, die eine Kindermannschaft ohne Ausbildung trainieren, wissen eventuell einige Grundregeln. Das war es aber auch schon.

    Die Ausbilder bringen den angehenden Trainer aber noch viel mehr als nur das Schießen und das Passen bei.

    Auch hier gibt es ausgebildete Trainer, die sich nicht an altersgerechte Lernziele halten, nur um Siege u. Meisterschaften einzufahren.

    André würde wieder von der "goldenen Ananas" schreiben.

    Entscheident ist, dass hier immer die Entwicklung und das Wohl des einzelnen Kindes im Vordergrund steht.


    Noch viel interessanter würde es werden, wenn alle Kinder u. Jugendtrainer den Schein gemacht hätten.

    Wo würde der deutsche Fußball heute stehen?

    Ich stelle einfach mal vier Hypothesen auf.

    Der "Drop Out" in der D- bis B-Jugend würde dramatisch weniger werden.

    Wir würden jedes Jahr beim Ballon d'Or mindestens einen in Deutschland ausgebildeten Spieler unter den ersten drei sehen.

    Wir würden wieder mit der Nationalmannschaft jedes Turnier unter den besten vier abschneiden.

    Wir würden wieder extrem viele Fußballprofis die in Deutschland ausgebildet wurden in allen europäischen Topligen sehen.

    Ok,

    dass kann ich mir gut vorstellen. Der DFB ist wie ein riesiges Tankschiff, der sehr lange braucht, bis er die Kurve bekommt.

    Ich kann mich noch daran erinnern, als ich den ersten Kontakt zum DFB hatte, und mir vorgeworfen wurde, dass ich den Fußball neu erfinden wolle. Die Widerstände der Entscheider waren seeeeehr groß.

    So ähnlich ist es Ralf Klohr damals dann auch, trotz seiner vielen Ehrungen, ergangen.

    Warum für mich Fintentraining so überaus wichtig ist?

    Hört euch ganz genau die ersten 5 Minuten, besser noch die ersten 20 Minuten, dieses Youtube Videos an. Es ist fast 35 Jahre alt und wie ich meine, im Bezug auf die Motivation und Ausbildung der Kinder, immer noch hoch aktuell. Erst seit Hannes Wolf "DFB-Direktor Nachwuchs" geworden ist, wurden diese hier erwähnten Grundprinzipien mit Nachdruck in die Trainings-, bzw. Ausbildungsphilosophie des DFB integriert.

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    Als ich noch Lehrwart u. Referent in in der DFB Trainerausbildung (bis 2003-2017), sowie Coervercoach war, hatte ich sehr viel Kontakt zu sehr vielen Offiziellen meines Landesverbandes (u.a. Michael Prus) und zum DFB. Sämtliche Trainern, die ich ausgebildet habe, wurden von mir auch von der Existenz des Trainertalk unterrichtet. Überall wo wir als Coerver-Coaches die NLZ Trainer weitergebildet haben, wurden die Trainer ebenfalls von mir auf diese Seite aufmerksam gemacht. Das heißt, dass auch sehr viele Leiter der NLZ von dieser Seite wussten. Einige dieser Trainer haben auch beim DFB, bzw. als Trainer Karriere gemacht. U.a. Merlin Polzin, Ole Werner, Hannes Drews.

    Von diesen drei Trainer und Michael Prus weiß ich, dass sie hier damals immer wieder mal reingeschaut haben.


    Mit Robin Dutt, habe ich mich in Herzogenaurach lange über den Kinder- u. Jugendfußball unterhalten. Er kannte diese Seite auch. Für alle die ihn nicht kennen. Dutt war damals Trainer vom FC Freiburg und wurde ein Jahr später Sportdirektor beim DFB.


    Ich denke schon, dass sich hier auch immer mal wieder Offizielle der LVs und des DFB umsehen.


    Uwe

    Was war denn beim DFB in Bezug auf die Fairplayliga so unbeliebt an dieser Seite?

    Ralf wurde doch mehrmals vom DFB ausgezeichnet.

    Sol_

    zu deinem zweiten Post


    Welche Belohnungen war Deine Frage.

    Kinder spielen Fußball, weil sie spielen wollen. Spielen heißt auch immer Spaß haben. Kinder belohnen sich sehr oft selbst, weil sie etwas Neues können. Biete ihnen Input, für sie ist es oftmals schon Belohnung genug, wenn sie wieder etwas gelernt haben. Solltest Du Motivationshilfen benötigen, damit die Kinder es auch im Spiel (Trainingsspiel) anwenden, dann sind ScuBac´s Ideen #5 sehr hilfreich.

    Goodie

    Fintentraining ist immer, nicht nur im Kinderfußball, auf Beidfüßigkeit ausgelegt.

    Ich denke, dass individuelle Ziele, wie Du sie hier für das Spiel ausgegeben hast, kontraproduktiv für die Ausbildung sind.

    Überleg mal:

    Du trainierst seit mehreren Wochen mit allen Spielern deiner Mannschaft als Lernziel eine Finte. Und wenn es zur Klassenarbeit (Spiel am Wochenende) kommt, dann schreiben einige Spieler eine andere Klassenarbeit (Lernziel war Finte und du möchtest Doppelpass) als Erfolgskontrolle.

    Wenn ich als Schüler so eine Arbeit schreiben müsst, würde ich sie "voll in den Sand setzen"

    Dem Klassenlehrer würde ich sagen: "Dafür habe ich nicht geübt, diese Thema hatten wir noch nicht"

    let1612

    hier eine aktuelle Statistik aus dem deutschen Profibereich:

    Erfolgreiche Dribblings Saison 2025/26 | LigaInsider.de
    Die Spieler mit den meisten erfolgreichen Dribblings in der Bundesliga-Saison 2025/26
    www.ligainsider.de


    hier eine internationale Statistik:

    Aus der Community TopRightMessi auf Reddit: Lionel Messi führt die Liste der meisten vollendeten Dribblings seit 2009 an.
    Entdecke diesen Beitrag und mehr aus der Community TopRightMessi
    www.reddit.com


    Zu deiner Frage: Wie oft sieht man Finten?

    Schau dir nur mal Florian Wirtz in der Saison 2024/2025 bei Beyer Leverkusen an. Nur er allein macht 5,5 pro Spiel.

    Es gibt halt nicht nur spektakuläre Finten. Auch die Körpertäuschung oder die Lokomotive ist eine Finte.

    Sol_

    Ich habe vor fast 20 Jahren, vor 14 Jahren und gerade jetzt wieder Erfahrungen mit G-Jugendlichen sammeln dürfen.

    Ich bin ein totaler Verfechter der offensiven 1 gegen 1 Schulung. Für mich ist es die Basis des Fußballspielens. Das Technik des Passens, des Torschuss, der Ballan- u. Mitnahme, des raumüberwindende Dribbling und später in der D-Jugend den Kopfball kann man jeden Fußballspieler relativ schnell beibringen. Um einen Spieler auszubilden, der im Seniorenbereich mindestens 25% bis 60% der offensiven 1 gegen 1 Situationen für sich entscheidet, braucht man mindestens 12 bis 15 Jahre.


    Für mich persönlich ist das Trainieren von Finten mit Ball am Fuß (gegnerüberwindendens Dribbling) kein reiner Selbstzweck.

    Es ist für mich genau so wichtig wie die 1 gegen 1 bis 3 gegen 3 Spiele im Kinderfußball.


    Du trainierst eine G-Jugend. Kennst Du die Ziele für diese Altersstufe?

    Bitte Google einmal nach "polysportives Training".

    Wenn Du für Deine Jungs in der G-Jugend dieses Training ermöglichst, wirst Du, bzw. die Kinder dann in der F-Jugend davon ganz massiv profitieren.

    Dann kannst du auch viel schnellere Lernerfolge erzielen.

    Ganz nach dem Motto: "Nur wer seinen Körper beherrscht, kann auch den Ball beherrschen"


    Du beschreibst in deinem ersten Post, dass für diese Altersstufe typische "Tempodribbling", um den Gegenspieler zu überwinden.

    Es ist völlig altersentsprechend.


    Zu deiner Frage wie und ob wir Tricks üben.

    Ob:

    Ja, für mich ist es der Schlüssel zum Erfolg einer sehr guten Ausbildung.

    Hierzu gibt es verschiedene methodische Reihen.

    Allerdings empfehle ich persönlich diese methodischen Reihen frühestens ab der F-Jugend und dann nur mit dem Ziel, eine Grobform zu erreichen.Präzision kommt frühestens in der D-Jugend. Berücksichtige bitte auch, dass Kinder keine Fehler machen sondern nur Bewegungserfahrungen sammeln.


    Wie:

    F-Kinder benötigen ca. 5 bis 8 methodisch aufeinander aufbauende Trainingseinheiten (TE), um ein Lernziel zu erreichen.

    Aber Achtung die unten aufgeführten Übungen sollten nicht länger als 10 Minuten pro TE dauern. Kinder lernen Fußballspielen am besten durch Fußballspielen und nicht durch langatmige Übungesphasen.


    Lernziel Finte: Ausfallschritt (evtl. auch Körpertäuschung)

    TE 1 Ausfallschritt im Stand

    TE 2 Ausfallschritt in der Bewegung

    TE 3 Ausfallschritt mit einem Spiegelspieler

    TE 4 Ausfallschritt mit Spiegelspieler durch den Spiegel

    TE 5 Ausfallschritt im langsamen Dribbling mit entgegenkommenden Spiegelspieler

    TE 6 Ausfallschritt mit teilaktiven Gegenspieler

    TE 7 Ausfallschritt mit aktiven Gegenspieler

    TE 8 Ausfallschritt mit vollem Gegnerdruck


    Wenn Du in der G-Jugend viele "Face to Face" Fangspiele mit ins Training eingebaut hast, verkürzt sich das Fintentraining in der F-Jugend von 8 TE auf manchmal nur 5 TE.