Für mich beschreibst du genau die Fehlentwicklungen, die durch zu große Felder, zu große Mannschaften und zu frühes Positionieren der Spieler, entstehen.
Zu große Felder: Es lohnt sich nicht für den einzelnen Spieler, hinter einen 50m Pass hinterherzulaufen. Er hofft, dass dort schon ein anderer Spieler seiner Mannschaft steht und die Situation klärt. Somit kann er die Verantwortung für das Spiel an einen anderen Mannschaftsteil übertragen.
Zu große Mannschaften: Er lernt schon sehr früh, dass es immer noch genügend Spieler in seine Mannschaft gibt, die ihm zur Hilfe kommen können. Er verlässt sich auf andere. Dadurch, dass er in solchen Mannschaften spielt hat er automatisch weniger Situationen und muss somit nicht immer zu 100% konzentriert spielen. Er hat gelernt, dass es mindestens 3 Linien im Team gibt. Er fühlt sich maximal für 2 Linien verantwortlich und übergibt wieder die Verantwortung auf andere Positionen und Spieler.
Zu frühes Positionieren und noch viel schlimmer; positionsspezifische Ausbildung. Wenn der Mittelstürmer zurücklaufen soll, fragt er sich doch warum soll ich das. hinter mir gibt es doch mindestens 5 oder 6 andere Spieler, die schon defensiv ausgebildet sind. Die können es viel besser als ich. Er überträgt somit die Verantwortung eventuell lehnt er sogar die Verantwortung für das gesamte Spiel ab.
Da wir als Trainer noch nicht immer den unmittelbaren Einfluss auf die Feldgröße und die Anzahl der Spieler im Punktspielbetrieb haben, können wir nur an der individuellen Mentalität und der Einstellung der einzelnen Spieler zum gesamten Spiel etwas verändern.
Mein Tipp der auch wirklich funktioniert.
Spiele im Training so oft wie möglich 1 gegen 1 ohne Torwart, seltener 2 gegen 2 mit wechselnden Torwart und als Abschlusspiel maximal 3 gegen 3 in Turnierform mit wechselnden Torwart.
Beim
1 gegen 1 geht jeder Spieler in die 100% Verantwortung für sein Spiel.
Beim
2 gegen 2 bekommt jeder Spieler sofort eine Rückmeldung von seinem Mitsspieler, wenn er sich nicht um das ganze Spiel auch im defensiven Bereich kümmert.
Freilaufen und sich aus dem Gegnerschatten lösen sind die ersten individualtaktischen, offensiven Elemente, die sich zu gruppentaktiken entwickeln. Das finden deine Jungs ganz von selbst heraus. Ganz nach der Philosophie: "Sage es mir und ich vergesse es, lasse es mich machen und ich behalte es, lasse es mich selbst entwickeln/erfinden und ich beherrsche es"
Beim
3 gegen 3 hat er auch im Abschlusspiel keine Möglichkeit, sich aus dem Spiel zu ziehen. Die Gruppe wird ihn automatisch in die Verantwortung nehmen.
Spätestens nach 5 Wochen wirst Du die Erfolge auch auf dem viel zu großen mit viel zu vielen Spielern besetzten Feld sehen. Das geniale daran, du musst ihnen überhaupt nichts erklären. Denn in der D-Jugend fangen die Kinder/Jugendlichen an sich für andere mehr zu interessieren. Sie möchten auch in dieser "peer group" (Freundesgruppe) Anerkennung finden. Die Meinung der Mitspieler ist den Spielern in deiner Altersgruppe jetzt oftmals wichtiger als die Meinung der Trainer. Nutze diesen Effekt für deine Ausbildungsziele.
