Beiträge von vangaalsnase

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    Aussagen zur mentalen Verfassung und ob die Spieler es mehr wollten als der Gegner, finde ich immer fragwürdig. Es ist einerseits nicht mess- oder belegbar und zeugt allzu oft davon, dass inhaltliche Probleme nicht erkannt werden.


    Über das individuelle Niveau der Spieler brauchen wir wohl nicht diskutieren. Da finde ich die Verweise auf die Erfolge in der Champions League durchaus sinnvoll. Es gab kaum einen Spieler in der gestrigen Startelf, der nicht wenigstens mal im Finale der CL stand. Und diese Spieler sind in ihren Vereinen keine Bankwärmer. Es geht aber darum, welche Spieler, welche Eigenheiten haben. Wo liegen die Stärken, wo sind die Schwächen. Und da gilt es, eine passende Ausrichtung zu finden. Kroos ist/wurde bspw. bei Real von Leuten wie Casemiro und Varane+Ramos abgedeckt. Der kann/konnte sich ruhigen Gewissens auf das Spiel nach vorne konzentrieren, ohne großartig nach hinten arbeiten zu müssen. In der N11 ist er der tiefste ZM und häufiger mit Abwehraufgaben betraut. Allein diese Nutzung von Kroos entspricht schon nicht dem, was er eigentlich kennt und bevorzugt. Und das war auch bei anderen Spielern der Fall.


    Ein weiteres ganz wesentliches Problem bei den deutschen Angriffen war, dass oft 4-5 Spieler auf einer Linie und dabei auf Höhe der gegnerischen Abwehrlinie standen. So lässt sich nur schwer in den Strafraum kombinieren und nach Ballverlusten sind diese Spieler dann auch nur noch bedingt fähig, rechtzeitig wieder nach hinten zu kommen. Diese Staffelungsprobleme sind ebenso schädlich für das Kombinations- und Angriffsspiel wie für die Konterabsicherung. Mit so vielen Spielern auf einer Linie bleiben letztlich fast nur noch Flanken. Wenn es der Gegner dann schafft, dass diese von Ginter reingebracht werden, wie es die Ungarn gemacht haben, ist das wenig aussichtsreich.


    Obwohl ich eigentlich lange ein Befürworter Löws war, sehe ich die Probleme für die Art und Weise des Ausscheidens bei den vergangenen beiden Turnieren in erster Linie auf der Trainerposition.


    Ich würde nun hinsichtlich der A-Nationalmannschaft kurz- und mittelfristig nicht in Panik verfallen, weil sich das alles unter Flick plötzlich zum Besseren ändern kann. Das Spielerniveau ist mehr als ausreichend, um große Titel zu gewinnen. Dennoch halte ich es unbedingt für angebracht, dass wir die Trainerausbildung überarbeiten, um so auch die Nachwuchsförderung zu verbessern. Dass die vergangenen drei CL-Triumphe von dt. Trainern errungen wurden, sollte uns nicht täuschen. Zumindest Tuchel und Klopp machen nach eigener Aussage vieles anders, als es der DFB lehrt. Der RAE ist in Dtl. leider noch immer sehr präsent und ein Indiz dafür, dass die Nachwuchsförderung zu stark auf konditionelle Aspekte ausgerichtet ist. Wir haben viele schnelle Pressing- und Umschaltmonster, aber im Positions- und Kombinationsspiel hakt es zum Teil gewaltig. Wenn die Gegner tief stehen, wird es dann schwierig. Leider spielen diese Dinge in der Trainerausbildung eine erbärmlich geringe Rolle. Die Lehrinhalte des DFB zum Spielaufbau und Angriffsspiel sind im Vergleich zum Pressing arg oberflächlich und leider zu Ablauffokussiert. Wenn man da mal über strategisch-taktische Prinzipien des Positionsspiels sprechen möchte, wird es dünn.


    Darüber hinaus werden Talente bei uns zum Teil weniger gefördert als viel eher ausgetauscht. Wenn ein Nachwuchsspieler ein schlechtes Jahr hat, ist er so gut wie weg vom Fenster. Das ist fatal. Vielleicht hat er im nächsten Jahr schon wieder einen enormen Entwicklungsschub und startet durch. Dahingehend müssen Trainer sensibilisiert werden und es müssen Grundlagen geschaffen werden, dass der Erfolg bis zum U17-Bereich nur eine untergeordnete Rolle spielt. Schon die Schweizer haben festgestellt, dass Ergebnisse im jungen Nachwuchsbereich (bis 15 Jahre) keine Rückschlüsse darüber zulassen, wie die zukünftige Entwicklung ablaufen wird. Warum selektieren wir dann schon im Kindesalter und setzen so Spieler und Trainer sehr früh unter Druck? Da ist es doch nur folgerichtig, dass es zu so etwas wie dem RAE kommt.


    Gestern hieß es auch wieder von Experten (bspw. Ballack und Bobic bei Magenta TV), man müsse die Ausbildung stärker individualisieren und Persönlichkeiten ausbilden; was auch immer letzteres heißen soll... Das Problem dabei ist: das höre ich schon seit über 15 Jahren. Und seit mindestens genauso langer Zeit macht man eigentlich nichts anderes. Und so sind natürlich auch die DFB-Stützpunkte ausgerichtet. Es geht da teilweise nicht mehr um einen Mannschaftssport. Wir bilden Spieler in erster Linie anhand des 1-gegen-1 aus und wundern uns dann, wenn diese nicht wissen, wie sie sich in Räumen verhalten sollen, in denen mehr als ein Gegenspieler steht. Und wie gesagt: ein mannschaftlich geschlossenes Kombinationsspiel kann so natürlich auch nicht adäquat vermittelt werden. Stattdessen macht man sich abhängig von Einzelaktionen.


    Ich halte es für richtig, Spieler individuell zu fördern und sich auf ihre Eigenarten einzustellen. Aber das muss immer in einem mannschaftlichen Kontext stattfinden. Wie kann ich Spieler ausbilden und einbinden, sodass ihre Stärken der Mannschaft dienen und ihre Schwächen von der Mannschaft kompensiert werden?

    Nicht jede Überbelastung führt automatisch zu Verletzungen. Trotzdem sollte man Vorsicht walten lassen. Auch wenn es bei manchen Vereinen keine anderen Platzzeiten gibt, sollte man zumindest die Trainingsintensität so anpassen, dass die Spieler im Wettkampf noch halbwegs leistungsfähig sind. Man sollte also schon gewisse Prinzipien berücksichtigen, um Spieler nicht dauerhaft zu gefährden. Und diese Prinzipien gelten unabhängig von Alter und Leistungsniveau.

    Durch das jahrelange Training sind Profis aber auch deutlich robuster, was Belastungen betrifft. Schick mal einen Amateur ins Bayerntraining. Wenn der versucht mitzuhalten, wird er schnell an seine Grenzen stoßen und sich ohne Erholung bald verletzen.

    Will sagen: Man gewöhnt sich an Belastungen. Wer nur zweimal die Woche trainiert, bekommt Probleme, wenn es plötzlich drei oder vier Trainings werden. Auch bei einer geringeren Trainingsbelastung muss periodisiert werden. Und dabei sind die gleichen Prinzipien zu berücksichtigen.

    Freitagabend Training und Samstagmittag Spiel ist belastungstechnisch suboptimal. Entweder man trainiert nur mit geringerer Intensität oder verkürzt die Trainingsdauer. Andernfalls riskiert man tatsächlich Verletzungen oder die Spieler sind so ermüdet, dass sie nicht ihre Leistung abrufen können.


    Fast noch schlimmer ist Samstag Spiel und Montag Training bzw. Sonntag Spiel und Dienstag Training. Der Körper braucht nämlich nach einer Belastung wie einem Fußballspiel etwa 72 Stunden, um sich wieder komplett zu erholen. Und der zweite Tag nach einer derartigen Belastung ist der gefährlichste, weil hier die Nährstoffspeicher komplett leer sind. Das ist die Phase, in der die Verletzungsanfälligkeit an größten ist.


    Ich kann Dir diesen Artikel von spielverlagerung.de empfehlen. Die darin behandelten Prinzipien und Mechanismen gelten für alle Alters- und Leistungsklassen: » Trainingssteuerung.

    Ähnlich wie die Übung von Constantin , aber mit Verlagerungen in zwei Richtungen und einem größeren Feld:


    Der Spieler muss beide Tore verteidigen, wird der Ball verlagert, muss er quasi zum anderen Tor laufen. Viel umschalten und für die Spieler draußen gilt es, die Verlagerung vorzubereiten und dann blitzschnell zu treffen.

    Und warum lässt Du nicht ein normales 4-vs.-2-Rondo spielen, wobei es einen Punkt gibt, wenn ein Pass von Stirnseite zu Stirnseite gelingt (also durch die Schnittstelle der Verteidiger)? Was sollen die Tore? Sie unterbrechen doch nur den Spielfluss und der Verteidiger hat sie ständig im Weg.

    Mein Angebot steht: Wer möchte, kann sich gerne bei mir melden und ich begleite dann Euer Training. Es kostet nichts.


    Es geht mir nicht um Schwarz-Weiß-Malerei. Wenn jemand Hemmungen hat, vollends auf Spielformen zu setzen, kann ich das verstehen. Es ist ein sehr radikales Vorgehen und sicherlich verunsichert es, weil es Konzepten widerspricht, die noch immer als unumstößlich gelten. Ich möchte Euch nur gerne die Hemmungen nehmen.


    Aber wenn Leute behaupten, dass man gewisse Dinge nur mit Isoübungen vermitteln kann, ist das einfach falsch. Das lasse ich auch nicht unwidersprochen. Wenn diese Leute ihre Trainings hier posten, wobei Isoübungen einen Großteil der Trainingszeit einnehmen, passt das leider in das Bild, was ich von Trainern in Deutschland habe: es sagen immer alle, dass sie überwiegend mit Spielformen trainieren. Es macht tatsächlich aber kaum jemand.

    Wie so viele vermeintliche unumstößliche Trainingsgrundsätze halte ich auch "vom Leichten zum Schweren" für problematisch. Zunächst ist "leicht/schwer" rein subjektiv. Was ich als leicht empfinde, mag für andere schwer sein und umgekehrt.


    Trotzdem habe ich selbst natürlich auch eine persönliche Auffassung darüber, welche Spielformen (noch) zu anspruchsvoll sein könnten, weil meine Spieler darin auf sehr vieles achten müssen und verschiedene Zielsetzungen haben. Aber manchmal überfordere ich sie auch ganz bewusst. Und zwar aus primär drei Gründen.


    1. Verbesserungen setzen sehr oft dann ein, wenn man mit Aufgaben konfrontiert wird, die man (noch) nicht bewältigen kann. Man erkennt dadurch, was einem noch fehlt, worauf man achten muss usw. Wenn ich dann leichtere Aufgaben absolviere, gelingt es mir eher, passende Lösungen zu erkennen und auszuführen. Ich erkenne leichter die Zusammenhänge.


    Wenn ich nach einiger Zeit dieselbe Spielform nochmal mache, funktioniert es in der Regel. Hier spielt mal wieder der Inkubationseffekt eine entscheidende Rolle. Eine Aufgabe, die einen überfordert, wird in der Erholungs- und Ruhephase vom Gehirn neu bewertet und geordnet, sodass es mir beim nächsten Versuch leichter fällt. Auch wieder ein Selbstorganisationsprozess (ähnlich wie beim differenziellen Lernen).


    2. Wenn ich bedenke, wie viele Trainer (davon schließe ich mich nicht aus) Talente und Fähigkeiten falsch bewerten, ist es recht anmaßend, anzunehmen, dass Spieler dieses oder jenes (noch) nicht können und stattdessen in übersimplifizierten Übungsformen vermeintlich ideale Bewegungsabläufe einschleifen sollen. Kinder und Jugendliche sind sehr wohl in der Lage, Techniken zu erlernen, ohne sie vorher isoliert zu üben und dabei instruiert zu werden. Manchmal reicht es nämlich, dass Spieler sich was abgucken, was ein anderer im Spiel gemacht hat und versuchen es unter Gegnerdruck anzuwenden. Einfach mal ausprobieren.


    3. Das bewusste Überfordern kann auch ein Motivationsschub sein. Wenn Spieler mit der Umsetzung einer Spielform zunächst Probleme haben, ich sie nach einiger Zeit aber wieder mit genau derselben Spielform konfrontiere und sie es tatsächlich gut umsetzen, ist das ein Schub fürs Selbstvertrauen. Letztlich kann es sogar dazu führen, dass das Wettkampfspiel als viel leichter empfunden wird. Das steigert die Stressresistenz, was wiederum die Wahrnehmung verbessert.


    Insgesamt ist "vom leichten zum schweren" leider wie so oft ein Grundsatz, der auf einer zu simplen Spiel- und Trainingsauffassung beruht, wobei Erkenntnisse aus der Lernforschung ignoriert werden. Übrigens einer meiner zwei Hauptkritikpunkte an der DFB-Trainerausbildung: es werden keine Lernmethoden behandelt; geschweige denn wissenschaftlich betrachtet.



    "Ich gehe doch nicht in eine Spielform und rufe dann bei einzelnen Spielern "das Standbein bitte neben den Ball und dann den Ball mittig treffen" rein. Ich lasse sie vorher "trocken" Pässe spielen, bei denen sie auf unterschiedliche Dinge achten sollen und eventuell sogar selbst erarbeiten, wie der Ball am besten gespielt wird. Möglichst hohe Wiederholungszahl - die ist bei Partnerübungen deutlich höher als in einer Spielform im 6 gegen 6."


    Zu dem Thema habe ich mich im Thread zur fußballspezifischen Ausdauer sehr ausführlich geäußert.

    ..., wogegen sie im Spiel meist sehr auf das messen mit dem Gegner fokussiert sind und irgendwie durchkommen wollen. Wenn es ihnen irgendwie gelingt, denken sie nicht darüber nach ob es auch besser gegangen wäre.

    Eine Aktion klappt und der Spieler sammelt dadurch positive Erfahrungen. Das ist doch das Ziel! Sie müssen auch gar nicht darüber nachdenken, weil sie dafür auf dem Platz ohnehin keine Zeit haben. Ihre Entscheidungen und Aktionen müssen zur Intuition werden. Und warum sollten sie überhaupt darüber nachdenken, ob es besser gegangen wäre, wenn ihre Aktion erfolgreich und im Sinne der Spielidee war?

    Ich würde das tatsächlich eher als Chance für den Trainer sehen, sich über den erfolgreichen Lösungsweg seines Spielers Gedanken zu machen. Vielleicht war dieser ja besser/passender als der, den man als Trainer im Kopf hatte.


    Vorausgesetzt, die Aktion des Spielers klappt nicht: Dann kannst Du doch hier sofort anhalten und ihm die passende Lösung aufzeigen. Dabei hast Du gleich eine spielnahe Situation. Ohne Gegnerdruck fehlt einfach der Spielkontext. Und zuhören tun die Spieler in Spielformen ebenso.

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    Hier noch das Video von Iniesta.

    Auch wenn das Ursprungsthema ein anderes war, sind wir nun doch wieder bei der Diskussion um Spielformen & Isoübungen. Daher gehe mal darauf ein, was ich unter Spielformen verstehe.

    Spielformen sind nicht nur X vs. X-Spiele, in denen man schweigend danebensteht und die Spieler sich selbst überlässt. Ich nutze sehr viele sogenannte Positionsspielformen, in denen ich oft in kleinen Räumen Über-/Unterzahlverhältnisse schaffe. Das ist ein unfassbar effizienter Weg, um strategisch-taktische Prinzipien (keine Abläufe!) zu vermitteln und gleichzeitig Wahrnehmung, Technik, Beweglichkeit, Koordination und (Vor)Orientierung ganzheitlich zu schulen. Ich habe dazu mal vier beispielhafte Spielformen samt Erklärungen angehängt. Für Kinder im Alter bis 11 Jahre würde ich zwar kein Sechsfelderrondo oder das Octagon machen, aber die anderen Spielformen sind durchaus auch für Kinder geeignet. In allen Spielformen sind hohe Pässe verboten.


    Ein ganz wesentliches Problem, das ich mit isolierten Technikübungen habe, ist, dass das Fußballspiel dabei viel zu simpel gedacht wird. Fußball ist die vielleicht komplexeste Sportart, die es gibt. Unzählige Faktoren wirken zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Und noch immer denken viele Trainer, sie könnten Kontrolle über diese Komplexität gewinnen, indem sie das Spiel bis in seine kleinsten Einzelteile zerlegen und dann nach und nach wieder zusammensetzen. Aber so funktioniert Fußball einfach nicht.


    So werden etwa ganz oft technische Fehler gesehen, wo gar keine sind, weil die beobachtenden Trainer nicht die komplexen Zusammenhänge von Wahrnehmung, Entscheidung, Orientierung und Ausführung (Technik) erkennen. Wenn bspw. ein Spieler den Ball bekommt und sich dann aufdreht, während in seinem Rücken ein Gegenspieler naht, verliert er in der Regel den Ball. Aber nicht, weil er keine gute Technik hat, sondern weil er den herannahenden Gegner mangels Schulterblick oder schlechter Orientierung übersehen hat.


    Ich beobachte zudem sehr häufig, dass Spieler in engen Räumen katastrophal zueinanderstehen.

    Blickfelder und Verbindungen.bmp

    Im linken Bild stehen die drei Grünen gut zueinander. Egal, wer hier den Ball hat, er könnte zu jeweils beiden Mitspielern ohne Probleme einen Pass spielen. Im rechten Bild ist Spieler 1 von seinen Mitspielern weggedreht. Hat er den Ball, kann er Spieler 2 nicht nutzen und Spieler 3 nur über einen technisch schweren 90°-Pass anspielen. Solche Staffelungen oder Verbindungen sehe ich bei sehr vielen Spielern oder Mannschaften, die kaum Erfahrungen in engen Räumen haben. Typischerweise sind das Mannschaften, die kein gutes Aufbauspiel haben und das Zentrum meiden.


    Von sämtlichen Trainern, mit denen ich mich darüber unterhalte, wird die schlechte Technik der Spieler dann als Ursache für das schwache Pass- und Aufbauspiel genannt. Keiner erkennt, dass die schlechten Verbindungen in Folge schlechter Orientierung das eigentliche Problem sind. Ein gutes Passspiel ist in erster Linie von den Verbindungen der Spieler untereinander abhängig. Gute Verbindungen verringern die technischen Schwierigkeiten, weil die Passdistanzen kleiner sind und sich nicht mit Ball am Fuß aufgedreht werden muss, was Zeit kostet und Gegnern die Gelegenheit gibt, in Zweikämpfe zu kommen. Wenn man sich mal die Strukturen von Barca unter Guardiola ansieht (insbesondere die zwischen Xavi, Iniesta und Busquets), erkennt man, dass man kein Übertechniker sein muss, um hier einen Pass sauber ans Ziel zu bringen. Dennoch sind die drei Genannten natürlich überragende Techniker. Es geht darum, den Gegner stets in eine strukturelle Unterzahl zu zwingen (meist 3-gegen-1-Situationen), damit er nicht an den Ball kommt.


    Die Schaffung solcher Strukturen kann aber nicht in Isoübungen vermittelt werden. Mittels isolierter Passübungen werden nämlich lediglich Abläufe und reine Bewegungswiederholungen behandelt. Aber sobald ein Gegner auf den Plan tritt, brechen Ablauf und Bewegung unweigerlich zusammen. Stattdessen werden Prinzipien benötigt, die alle Spieler verinnerlicht haben und situativ nutzen.


    Ballan- und Mitnahme werden ebenso wie das Passen in solchen Positionsspielformen implizit geschult, weil sich die Spieler ständig auf attackierende Verteidiger einstellen und anpassen müssen. Da der Raum in meinen Spielformen recht klein ist, ist man ständig in irgendwelchen zweikampfartigen Situationen oder versucht zumindest, diese zu meiden. Die Notwendigkeit, hier das richtige Timing beim ersten Kontakt zu haben und den Ball in die situativ passende Richtung weg vom Gegner mitzunehmen, oder eine gezielte Körpertäuschung zu machen, ist für die Verbesserung der Ballverarbeitung viel besser geeignet als isolierte Übungsformen. Denn hier haben die Spieler sofort eine Rückmeldung darüber, was Ihre Entscheidungen und Aktionen für Konsequenzen haben. Klappt eine Aktion, wird sie beibehalten und ggf. situativ angepasst. Misslingt eine Aktion, werden neue Lösungen ausprobiert, bis sie erfolgreich sind. Das ist ein fortwährender Selbstorganisationsprozess, der bei den Spielern abläuft. Und das ist insbesondere bei Kindern der Fall. Die Auswirkungen auf die Technik lassen sich dabei durch den differenziellen Lernansatz erklären.


    Erst dann, wenn Spieler wiederholt die gleiche Lösung nutzen und diese nicht zum gewünschten Erfolg führt, greife ich ein und coache explizit. Ich korrigiere aber niemals Bewegungen bzw. Techniken.


    Für viele ist die Anzahl der Ballkontakte in Isoübungen ein großer Vorteil ggü. Spielformen. Davon abgesehen, dass ich bezweifle, dass es tatsächlich zu mehr Ballkontakten kommt, ist für mich die Qualität der Ballkontakte viel wichtiger. Ein Ballkontakt unter Gegnerdruck fordert in den Bereichen Wahrnehmung, Entscheidung, Orientierung etc. zahllose Fähigkeiten, wohingegen in Isoübungen all das vom Trainer bis ins Detail vorgegeben ist. Wie sollen Spieler unter solchen Voraussetzungen Erfahrungen sammeln? Ein nachhaltiger Lernprozess kann so doch gar nicht einsetzen. Bei Kindern führt das sogar nachweislich zu einer verminderten Wahrnehmung und infolgedessen zu einer Behinderung ihrer Kreativität, weil sie nicht lernen, selbständig potenzielle Lösungen zu erkennen; geschweige denn zu nutzen. Das Ziel muss es sein, dass sich die Spieler ein intuitives Erfahrungswissen aneignen können, mit dessen Hilfe sie in der Lage sind, möglichst jede Situation sowohl individuell als auch als Mannschaft passend lösen können.


    Also auch im Bereich der Ballan- und -mitnahme ist nicht (nur) die reine Technik entscheidend, sondern wiederum Elemente wie Wahrnehmung, Entscheidung, Orientierung usw. Insofern sind abermals Spielformen ein ausgezeichnetes Instrument zur Verbesserung.


    Kommen wir abschließend zum Dribbling und Fintieren: Hier behauptet ja eine berühmte Fußballschule aus einer Süddeutschen Landeshauptstadt, man müsse 100 Finten/Tricks beherrschen. Vielleicht sollte das mal jemand Lionel Messi oder Arjen Robben sagen… Natürlich können Tricks hilfreich sein und ich würde auch jeden Spieler dazu ermutigen, sich auszuprobieren, aber eine solche Zahl ist völlig aus der Luft gegriffen. Außerdem ist auch hier wieder nicht nur die Technik entscheidend. Sehen wir uns mal ein für Andres Iniesta typisches Dribbling und Fintieren an:


    Iniesta nutzt hier gegen Cavani lediglich eine zur Situationsdynamik passende leichte Körperdrehung und Geschwindigkeitsänderung. Mir kann keiner erzählen, dass das technisch anspruchsvoll ist. Das tatsächlich Schwierige sind das Timing der Drehung und die kurze Tempoverschleppung. Die müssen dazu führen, dass der Gegner reagiert. Tut er das, muss wiederum der passende Moment erkannt und dann im passenden Winkel wegbeschleunigt werden. Also abermals sind Wahrnehmung und Entscheidung ganz wesentliche Faktoren, die hier (zusammen mit der Technik) den Ausschlag über Erfolg und Misserfolg geben. All das kann ich nicht adäquat trainieren, wenn die Spieler Hütchen austricksen sollen oder in stupide 1-gegen-1-Situationen geschickt werden. Denn Iniestas Finte hätte niemals funktioniert, wenn er in einer 1-gegen-1-Übung gewesen wäre, weil der Verteidiger dort nicht damit rechnen muss, dass der Ballführer einen Pass antäuscht, oder dass eine Tempoänderung nur zur Vorbereitung einer Finte genutzt wird, aber nicht als Finte selbst. Denn es sind ja nur diese beiden Spieler an der Situation beteiligt.


    Und genau das ist auch der Grund, warum ich es für absolut fatal halte, dass hier im Forum für den Jugendbereich ein so großer Fokus auf Individualtaktik und vereinzelt sogar Technikübungen gelegt wird, wohingegen Gruppen- und Mannschaftstaktik überwiegend abgelehnt werden. Der hochkomplexe Fußball wird so in Einzelteile zerlegt, die nur noch wenig mit dem tatsächlichen Spiel gemein haben. Die Folge ist, dass wir keine Mannschaftsspieler ausbilden. Das 11-gegen-11 wird somit letztlich zu einem 11x 1-gegen-1.


    Isoliertes Techniktraining hat durchaus seine Effekte. Das stelle ich gar nicht in Abrede. Aber der Nutzen ist extrem begrenzt, weiletwaige Verbesserungen eher kurzweilig und nur auf die reine Technik bezogen sind. Unter Gegnerdruck bricht das in aller Regel zusammen. Und wenn ich mindestens die gleichen Effekte in Spielformen erreichen kann, wo ich gleichzeitig alle anderen Aspekte trainiere, sind Isoübungen für mich Zeitverschwendung und taugen höchstens als aktive Erholung oder wenn Kinder unbedingt Torschuss machen wollen. Natürlich ist es nicht leicht, die passenden Spielformen samt Sonderregeln zu finden, um bestimmte Dinge gezielt zu trainieren. Keine Frage! Das benötigt Zeit, eine Menge Erfahrung und auch ein gewisses Vertrauen in diese Methodik. Dass das für viele Überwindung kostet, kann ich durchaus verstehen.


    Ich stehe jedem gerne zur Verfügung, der es ausprobieren möchte. Ihr sagt mir, was Ihr trainieren wollt und bekommt Vorschläge für Spielformen. Hilfreich sind dann auch Videos von Euren Durchläufen, damit ich das analysieren kann (vorausgesetzt, es darf wieder trainiert werden), um darauf aufbauend das weitere Vorgehen zu planen.

    Auf dem Weg dahin schleichen sich aber Fehler in den Bewegungsablauf ein und diese kann ich nun mal am besten korrigieren, in dem ich Druckbedingungen rausnehme.



    Deshalb muss ich mein Training dementsprechend auch der Gruppe anpassen und auf jeden Fall isolierte Übungen immer in Spielformen übertragen, um den von dir angesprochenen Transfer zu haben.

    Aber generell Übungsformen auszuschließen ist doch sehr eindimensional und lässt so viele Erkenntnisse der Trainingswissenschaft außen vor.

    Es gibt keine Idealtechnik! Und Studien haben gezeigt, dass das isolierte Einschleifen eben nicht die beste Methode ist, um Techniken zu verbessern. Begründet wird das Einschleifen ja damit, dass Novizen gegenüber Experten eine größere Varianz in ihrer Bewegungsausführung aufweisen. Variabilität wird dabei als Gegensatz zur Stabilität verstanden und ist somit unerwünscht. Daher sollen diese Varianzen möglichst bereinigt werden, bevor man mit dem Spielen beginnt, weil sich dort die vermeintlichen Bewegungsfehler angeblich verfestigen. Zwar verringern sich die Abweichungen der gesamten Zielbewegung vor allem mit zunehmendem Spielerniveau. Allerdings steigen damit aber die Variationen in den Teilbewegungen der einzelnen Gelenke, um sich den situativen Anforderungen im Detail anpassen zu können. Das heißt also, dass die Ergebniskonstanz mit zunehmender Expertise größer wird, wobei aber die Bewegungskonstanz sinkt.


    Man hat dazu verschiedene Sportarten analysiert. Eine davon war das Sportschießen, wo also die Startsituation - anders als im Fußball - immer gleich ist. Hier war es so, dass die Experten in ihrem Trefferbild stabiler waren. Aber ihre Teilbewegungen in der Schulter und dem Ellenbogen variierten stärker als bei den Novizen. Demnach ist Bewegungsvarianz kein Hindernis für Erfolgsstabilität, sondern die Grundvoraussetzung (Quelle mit weiterführender Literatur: Die Anwendung nichtlinearer Verfahren zur Charakterisierung der menschlichen Variabilität aus Zeitreihen).


    Gabriele Wulf hat 2007 eine Review veröffentlicht, in der sie die Ergebnisse aus 10 Jahren Forschung zu Bewegungskorrekturen in vielen verschiedenen Sportarten beleuchtet (hossner_wulf.pdf). Die Quintessenz war/ist, dass Korrekturen, die auf die reine Bewegung (interner Fokus) abzielen, zu weniger Verbesserungen führen als ein externer Bewegungsfokus: z.B. Trefferzone am Tor vorgeben. Das bedeutet, dass dem Bewegungseffekt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss als der reinen Bewegungsausführung, wie das beim Einschleifen gemacht wird. Und der Bewegungseffekt hat in Spielformen die größte Relevanz.


    Wolfgang Schöllhorn, ein Pionier des differenziellen Lernansatzes, konnte übrigens zeigen, dass Isoübungen, in denen keine Schwankungen erzeugt werden (also Umstände, die zu Bewegungsfehlern im Rahmen einer vermeintlichen Idealtechnik führen), auf Kinder noch weniger Lerneffekte haben, als das bei Erwachsenen der Fall ist. Damit stößt er in die gleiche Kerne wie Patric Schubert aus meinem ersten Link.


    Wir können uns das eigentlich ziemlich einfach aus dem Straßenfußball herleiten. Einem Pele hat in seiner Kindheit niemand gesagt, wie er sich am Ball verhalten soll. Der hat auf der Straße mit Bällen aus Socken- und Zeitungsfetzen gespielt; teilweise barfuß. Die Generation um Beckenbauer, Netzer und Co. bestand überwiegend aus Straßenfußballern. Und ebendiese Generation gilt für viele auch heute noch als die wohl spielstärkste Generation des dt. Fußball.


    Zur Jahrtausendwende führte Klaus Roth die sogenannte „Spielmacherstudie“ durch, in der er Spieler, die als besonders kreativ und technisch beschlagen galten, über ihre Kindheit befragte. Darunter waren u.a. Mehmet Scholl sowie die Welthandballer Daniel Stephan und Magnus Wislander. Sie alle gaben an, das Spielen auf der Straße gelernt zu haben. Dabei haben sie aber nicht nur Fußball/Handball gespielt, sondern auch Hockey, Eishockey oder Basketball. Niemand war da, um ihre Bewegungen und technischen Ausführungen zu korrigieren. Sie haben dadurch eine große Bewegungserfahrung erworben und gelernt, situationsübergreifende Lösungen zu finden.


    Ich könnte jetzt noch darauf eingehen, inwiefern Technik, Wahrnehmung und Entscheidung im Zusammenhang stehen und daher unbedingt simultan trainiert werden sollten, aber dann sprenge ich hier jeglichen Rahmen.

    Uns wurde gesagt, man müsse in der Lage sein, mit Spielern einer Verbandsligamannschaft 10-15 Minuten im Trainingsspiel mithalten zu können. Ansonsten würden die Spieler einen nicht respektieren. Alternativ soll man als Trainer fähig sein, seinen Spielern Techniken (korrekt) vorzuführen.


    Der DFB will sagen können, dass man als Trainer in einer höheren Liga zwingend selbst auf hohem Niveau gespielt haben muss. Das ist quasi eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Habe das bei meinem Ausbildungsleiter für die B-Lizenz erlebt. Der hat immer wieder hervorgehoben, dass alle hochklassigen Trainer Profis waren oder kurz davor (Nagelsmann hat es verletzungsbedingt nicht geschafft, war aber Spieler in der A-Jugendbundesliga, Tuchel und Klopp immerhin Zweitligaprofis). Er selbst hat unabhängig von fachlicher Eignung all seine ehemaligen Schützlinge aus seiner Zeit als Auswahltrainer weitergelassen. Gleichzeitig hatten andere, die nicht so gut kicken konnten, nur geringe Chance. Er hat erzählt, dass sich Ex-Profis bei ihm über das geringe spielerische Niveau bei den A-Lizenzen beschweren, weswegen er keine spielerisch Schwachen mehr weiterlässt. Die bekommen dann vielleicht noch die B-Lizenz aber keinen NC für die nächsthöheren Lizenzen.


    Im Endeffekt führt es dazu, dass Einflüsse von außerhalb des DFB bzw. des "Establishments" klein gehalten werden, was nicht selten dazu führt, dass manche inhaltlichen Probleme nicht erkannt werden. Ich weiß nicht, ob es noch immer so ist, aber es gab mal eine verkürzte Trainerausbildung für ehemalige Nationalspieler. Raymond Verheijen hat mal gesagt, eigentlich müssten gerade Profis eine längere Ausbildung durchlaufen, weil sie eben oft erhebliche fachliche Mängel haben.


    Ich selbst finde auch, dass die spielerischen Fähigkeiten keine Rolle spielen sollten. Natürlich hat man als Ex-Profi am Anfang ein anderes Standing bei seinen Spielern. Aber sobald die merken, dass da inhaltlich nichts hinter steckt, war es das mit dem guten Ruf.

    Ja. Mittels Positionsspielformen. Aber nicht nur ab und zu, sondern bei jedem Training 2-3 solcher Spielformen. In derartigen Formen gibt es meist keine klare Spielrichtung, weswegen man sich ständig in alle Richtungen orientieren und umblicken muss. Entlang der Außenlinien können Neutrale eingebaut werden, was ständig zu Überzahlwechseln führt. Da der Raum regelmäßig eng ist, hat man ständig eine hohe Intensität mit etlichen Ballaktionen in sehr kurzer Zeit. Die Variationsmöglichkeiten sind endlos und erlauben eine recht präzise Steuerung der gewünschten Inhalte. Sogar Gegenpressing lässt sich wunderbar trainieren, indem man mehrere Zonen einteilt.

    Es wurde immer nur über das spanische Kurzpassspiel geredet, aber abgesehen von den Bayern, der N11 und einigen wenigen Vereinen in der BuLi war das immer die Ausnahme.


    Bei der Vermittlung von Individualtaktik gibt es DFB-seitig einen eng abgesteckten Handlungskatalog (Gegner frontal im Zentrum, Gegner im Rücken usw.). Viel Raum für Entscheidungen gibt es da nicht.


    Wie ich darauf komme, dass Entscheidungsfindung und Orientierung kaum eine Rolle spielen? Indem ich davon nie etwas höre oder lese, wenn ich mich bspw. in diesem Forum rumtreibe, Lehrveranstaltungen des DFB besuche oder ich Experten höre bzw. lese. Da ist "offene Stellung" schon das höchste der Gefühle.


    Ich habe mich in den vergangenen Jahren auf sehr vielen Trainingsplätzen in Berlin und Brandenburg rumgetrieben. Dort sieht man in aller Regel isolierte Passübungen, Dribbelparcours oder das 1gg.1. Ich habe bereits mehrfach in anderen Threads dargestellt, warum das 1gg.1 ein unpassendes Übungsdesign ist, indem es der tatsächlichen Komplexität des Spiels in keiner Weise gerecht wird (von Isoübungen ganz zu schweigen). Darum hat diese Übungsform auch nicht den erhofften Effekt, das Zweikampfverhalten oder Dribblingfähigkeiten tatsächlich zu verbessern. In der Folge denken wieder alle, dass man noch stärker individualisieren müsse und treibt es weiter auf die Spitze, was dann wieder nicht funktioniert usw. usf.


    Der Grund, warum der deutsche Fußball seit der EURO 2000 trotzdem gute Ergebnisse erzielt hat, ist die herausragende Infrastruktur der Stützpunkte. Es wird abgesehen vom RAE kein Talent übersehen. Aber Talente werden in diesem System lediglich selektiert und wieder ausgetauscht. Eine inhaltliche Förderung ist das jedoch nicht. Das hat einige Jahre trotzdem gut funktioniert, doch mittlerweile beklagen wir, dass wir Ländern wie England und Frankreich hinterherhinken. Das wird auch so bleiben, wenn wir nicht endlich unsere Inhalte überdenken.


    Ich hatte den ehemaligen Nachwuchsleiter von Eintracht Braunschweig in meinem Trainerlehrgang als Dozenten, nachdem er es in der Vorsaison geschafft hat, dass die U17 und U19 gleichzeitig aus der BuLi absteigen. Einer seiner Trainer war mal für einige Wochen bei einem guten Freund von mir zu Gast und hat davon geschwärmt, wie sie in Braunschweig viel stärker auf Individualtraining setzen und dafür weniger Mannschaftstrainings hätten. Das fand dann seinen traurigen Höhepunkt in der Saison 2017/18 als man wie gesagt abstieg. Man schmiss den Nachwuchsleiter in Braunschweig raus und holte ihn dann zum BFV. Da haben sie uns dann beim Lehrgang live gezeigt, wie sie jetzt Talente ausbilden. Waren tolle Jungs (zwischen 12 und 13 Jahre alt), aber von einem Mannschaftsspiel war da nicht mehr viel zu sehen. Das waren lauter Privatduelle, ohne dass sich gegenseitig unterstützt wurde. Zwar war es toll, dass die Spieler angehalten wurden, aktiv das Dribbling zu suchen, aber es wurde einfach ignoriert, dass da auch fürchterliche Entscheidungen getroffen wurden, indem man Dribblings suchte, wo ein Pass die beste Alternative gewesen wäre. Dadurch sorgt man aktiv dafür, dass sich gar nicht erst nach den eigenen Mitspielern gerichtet wird. Wahrnehmung und darauf basierende Entscheidungen spielten keine Rolle. Man achtete nur noch auf sich selbst. Das war kein Mannschaftsspiel mehr sondern Individualsport.


    Anderes Bsp.: Seit dem Weggang von Guardiola bei Barcelona beklagt man, dass sich aus la Masia kein großes Talent mehr hervortun konnte. Barcas Spiel ist zudem seit 2015 kontinuierlich schlechter und schlechter geworden. Bereits 2014 wies mich René Maric (Co-Trainer bei M'Gladbach) darauf hin, dass Barca im Nachwuchs nun mehr auf Isoübungen und Individualtraining setzen würde. Wir vermuteten beide damals schon, was nun nicht mehr zu übersehen ist.

    Aber wir dürfen nicht vergessen, wozu der DFB-Stützpunkt da ist: Individuelle Förderung von Talenten! Das Individuelle wird also groß geschrieben, es soll keine Mannschaft aufgebaut werden. Wozu auch?

    Und genau das ist ein großes Defizit in der deutschen Fußballausbildung (Spieler- UND Trainerausbildung). Es wird überall impliziert, dass Technik und Kondition wichtiger sind als Wahrnehmung, Orientierung, Entscheidungsfindung und sämtliche kollektivistische Aspekte (gegenseitige Absicherung mit und ohne Ball, Verbindungen etc.). Das ist ein großer Irrtum und zeigt sich auch immer wieder als fataler Ansatz, wenn wir nach großen Niederlagen jammern, es gebe keine Kreativen (kaum einer vermag zu sagen, was unter Kreativität verstanden wird) mehr. Dann heißt es zum wiederholten Male, wir brauchen mehr Individualisten (mit Individualisten sind grundsätzlich Spieler gemeint, die stark im 1-gegen-1 sind). Dabei haben wir schon immer nur Individualisten ausgebildet. Also verstärken wir abermals den Fokus aufs Individuum. In meinen Augen ein Teufelskreis.


    Natürlich habe ich nichts gegen solche Spieler, die durch eine Einzelaktion wie dem Dribbling den Unterschied ausmachen können. Aber ich will keine Mannschaft, in der 10 dieser Spezialisten sind, die nicht in der Lage sind, ein kollektives Zusammenspiel zu betreiben und sich an irgendeinem Punkt nur noch festrennen. Ich will Spieler, die sich gegenseitig helfen können. Die einem gemeinsamen Plan folgen, in dessen Rahmen sich jeder einzelne gemäß seinen Eigenheiten möglichst optimal entfalten kann. Aber so etwas sehe ich leider nur sehr sehr selten.


    Wir verfolgen in Deutschland einen extremen Umschalt- und Pressingfokus und glauben, nur das ließe sich als Mannschaftstaktik trainieren. Der Gegner wird ständig unter Druck gesetzt und soll mittels schneller Konter überrumpelt werden. Steht er jedoch tief, ist man vom Egoshooter abhängig. (Offensiv)Strategien wie das Positionsspiel bieten demgegenüber so viel mehr Möglichkeiten. Nicht nur für das Team sondern auch für den Einzelnen. Dafür benötigt man aber Spieler, die mehr können, als nur dribbeln. Aber so lange man einen solch starken Individualfokus verfolgt, kann man nicht erwarten, dass das je umgesetzt wird.

    Ich stimme zu, dass man so früh noch nicht sagen kann ob es bei einem Kind für den Profisport reicht, man kann in dem Alter aber sehr wohl feststellen das es nicht reicht.

    Das ist Unsinn. Kinder können später noch unglaubliche Sprünge machen. Hatte mal einen Mitspieler, der bis zur D-Jugend im Tor stand, weil er ansonsten nix konnte. Kaum setzte die Pubertät ein, wurde er zum absoluten Leistungsträger, ging mit 15 zu Hansa Rostock (damals noch 1. BuLi) und war im nationalen Auswahlkader. Verletzungen haben dann letztlich Profikarriere verhindert.


    Ihr solltet euch vielleicht nochmal vor Augen führen wozu die DFB-Stützpunkte eigentlich da sind. Es geht nicht darum Spieler zu fördern die vielleicht später in der Kreisliga oder Bezirksliga ihres Dorfvereins eine gute Figur abgeben, sondern einzig und allein darum potenzielle Bundesligaprofis und Nationalspieler frühzeitig zu erkennen und zu fördern.

    Das ist jedem hier bewusst. Gemäß dem Bericht von Mittelfeldstratege lässt sich aber recht gut erkennen, dass mit diesen Trainern wohl kaum die vielversprechendsten Talente gefunden werden, sondern allenfalls diejenigen, die im Moment am auffälligsten sind. Die Talentkriterien vorzugeben ist das eine. Diese aber auch zu erkennen ist etwas ganz anderes. Und dafür hat der DFB keine zuverlässigen Instrumente. Davon unabhängig sind zweiminütige Spielbeobachtungen unseriös.

    Diese Art von Spieler ist ebene das oben beschriebene Beispiel. Sicherlich super für jeden Breitensportverein und eine Wohltat für jeden Mitspieler, aber kann und wird sich so ein Spieler jemals in einem Bundesliga-NLZ und U-Nationalmannschaften durchsetzen können? Höchstwahrscheinlich nicht. Deswegen wird er nicht selektiert und gefördert.

    Er wird deswegen nicht gefördert, weil diese Fähigkeiten nicht zu Talentkriterien gezählt werden, was davon zeugt, dass der Fußball gar nicht in seiner Komplexität verstanden wird. Wer nur laufstarke Dribbler selektiert, muss sich nicht wundern, wenn ein Vorrundenaus bei einem internationalen Turnier irgendwann nicht mehr nur die Ausnahme ist. Gemäß diesen Kriterien, dürften Leute wie Xavi oder Busquets nie den Sprung in den Profibereich schaffen.

    Ein Trainer sagte dann noch, das er sich ein Kind hier im Training 2 Minuten ansieht und dann bereits erkennt, ob es reicht oder nicht....

    Das allein sagt schon alles über die Qualifizierung dieses "Trainers".


    Beide waren häufig dabei, sich lange Notizen zu machen und sahen so viele Spielszenen überhaupt nicht.

    Sehr guter Punkt, der viel zu häufig unerwähnt bleibt.



    Alles, was Mittelfeldstratege schreibt, verdeutlicht die wesentlichen Mängel in der Talentauswahl der Verbände:

    So wird etwa viel zu früh selektiert. Vor dem 11. Lebensjahr braucht man damit gar nicht anfangen. Erst ab 15. Jahren lässt sich halbwegs verlässlich sagen, wer das Potenzial für den Profisport hat. Wer behauptet, bei einem Kind nach zwei Minuten zu erkennen, ob es sich um ein Talent handelt, sollte nichts mit der Auswahl und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen zu tun haben.


    Es werden technische und konditionelle Leistungsmerkmale überfokussiert, während strategisch-taktische Eigenheiten ignoriert werden. Spielübersicht und Entscheidungsfindung spielen wenn überhaupt nur eine untergeordnete Rolle. Ob ein Spieler seine Vorderleute klug absichert oder Verbindungen zwischen seinen Mitspielern erzeugt, wird schlicht nicht erfasst. Das sind oft die vermeintlich "unauffälligen" Spieler. Indem man diese aber ignoriert und stattdessen nur Laufwunder und Dribbelkünstler fördert, sorgt man dafür, dass wir letztlich 11 Einzelspieler haben, die aber kaum in der Lage sind, als Mannschaft zu funktionieren. Ständig wird gefordert, es müssten wieder vermehrt Individualisten ausgebildet werden... In Deutschland wurde nie etwas anderes getan!

    Man bildet die Spieler zwar im gemeinsamen Pressing aus (und behauptet dann, sie seien taktisch gut ausgebildet), aber vermittelt nicht, dass auch Spielaufbau und Angriffspiel auf einer mannschaftlichen Ebene funktionieren können (auch das ist Taktik!). Stattdessen setzt man auf sogenannte "Unterschiedsspieler".

    Ich bin nämlich auch der Meinung, dass das alles nicht zwingend gar nix bringt.

    Es sagt ja auch niemand, dass isolierte Technikübungen gar nichts bringen. Wenn man Spieler tagein-tagaus nur mit Isoübungen konfrontiert, wird natürlich ihre Technik sichtbar besser. Das ist keine Frage. Allerdings ist der Lernfortschritt auf die reine Bewegung beschränkt; es dauert länger, bis Verbesserungen einsetzen und die erlernten Techniken gehen schneller wieder verloren. Das ist ähnlich wie mit dem isolierten Konditionstraining. Es bringt zwar was, aber mittels Spielformen lässt sich die Kondition mindestens genauso gut steuern. Warum also überhaupt isoliert Kondition bolzen?


    Ich verstehe den Gedanken, dass man seinen Spielern Abwechslung im Training bieten möchte. Und wenn Spieler gerne Torschussübungen machen, weil sie Spaß daran haben, sollen sie das auch dürfen. Aber aus einer streng didaktischen und methodischen Sicht, bieten Isoübungen ggü. Spielformen keinerlei Vorteile. Ich würde allenfalls Isoübungen machen, wenn es sich um eine Regenerationseinheit handelt.