Kurz zu mir: ich bin Mutter von zwei Söhnen, vor acht Jahren als Co bei den Bambinis eingestiegen und seit einigen Jahren trainiere ich bei uns im Verein die Neueinsteiger. Ich nehme also erstmal alle Kinder an, wenn ich dann für eine Gruppe einen Trainer (meist aus der Elternschaft) finde, gebe ich die Kinder wieder ab und es stehen zumeist schon neue in den Startlöchern.
Zunächst möchte ich deinen Blick auf die Altersklasse lenken.
Seit vielen Generationen wird immer wieder die Jugend beschimpft, die hoffnungsloseste ever zu sein. So sagt man der aktuellen Jugend nach, so unbeweglich und unsportlich zu sein wie noch nie. Man attestiert den Kindern, nicht mal richtig rückwärts laufen oder hüpfen zu können. Und statt auf einen Baum zu klettern sind schon Fünfjährige mit einem Tablet vertraut. Unkonzentriert, überhaupt nicht ausdauernd und verlieren kann sowieso niemand...
Ein weiterer Aspekt ist die Kinderbetreuung von heute. Nicht eben wenige sind von 7:30 Uhr bis 15 oder gar 16 Uhr im Kindergarten. Im Kiga ist es laut und rummelig, das ist anstregend und das kann man wohl mit einem Arbeitstag vergleichen.
Um 19 Uhr kommt das Sandmännchen und dann gehts ins Bett. Eltern jedenfalls haben die Erwartung, dass man so gegen 20 Uhr endlich "frei" hat.
1/3 etwa (so mein persönlicher Eindruck) hat wirklich Interesse am Fußball, 1/3 kommen weil die Eltern das so möchten und es auch kaum Alternativen in der Altersklasse gibt und 1/3 kommen wegen der Freunde (das sind u.U. die "schlimmsten", da weder das Kind noch die Eltern wirklich dahinter stehen)
2/3 können also zunächst mit dem Ball eher nichts anfangen und können auf Grund des Alters auch mit einem strukturiertem Training wenig abgewinnen.
So ticken Bambini :: DFB - Deutscher Fußball-Bund e.V.
Lange Vorrede *hüstel*
Nun kommen die Kinder also zum Training... 17 Uhr ist schon echt spät für die Kurzen und 1,5 h sind meist noch zu lange!
Die Aufgabe von Bambinitrainern ist erstmal die Grundlagen zu schaffen! Laufen, krabbeln, hüpfen, klettern - vorwärts, rückwärts, seitwärts. Ball rollen, werfen, fangen, dribbeln (bzw. irgendwie mitnehmen), schießen. Und klar: Fußball in allen möglichen Variationen...
Wettkampfformen sind für die Kinder noch nicht wichtig, das kommt erst später. Jeder sollte sich in seinem Tempo ausprobieren.
Du beschreibst ja selber, dass die Kinder noch Angst vor Gegnern haben.
Vergleiche das bitte mit dem was du selber noch aus der Schule kennst. Kinder lernen schreiben in dem sie langsam die einzelnen Buchstaben kennenlernen und vor dem Rechnen steht das Kennenlernen der Zahlen. Und auch wenn fünf Kinder in einer Klasse das schon können wird die Lehrerin ihre Lerninhalte auf alle ausrichten und nicht vorpreschsen.
Ganz deutlich ist es wenn man lernt auf der QWERTZ-Tastatur zu tippen. Am Anfang sucht man die Buchstaben, irgendwann fliegen 10 Finger über die Tastatur. Tempo kommt meist von alleine, die Technik nicht.
So ist es im Fußball auch. Erstmal müssen die Kinder und der Ball beste Freunde werden und erst dann sollte man über Pässe und über Miteinander bzw. Gegeneinander spielen reden.
Der Effekt dass Spieler Angst vor einem Gegenspieler haben, zieht sich übrigens bis in die F-Jugend.
Du kannst natürlich schon mit den Kindern in einen Spielbetrieb gehen, es kommt aber auf DEINEN Blickwinkel an, ob das erfolgreich ist oder nicht. Es gewinnt eh das Team, welches mehr echte Fußballer hat und das ist einfach Zufall!
Ganz konkret würde ich schauen ob du folgendes machen kannst.
1. Training ne halbe Stunde nach vorn und ggf. auch noch mal um 15 Min kürzen.
2. Jedes Training beginnt mit einer ca 10 minütigen Tummelphase. Bälle liegen bereit aber das Training startet noch nicht. Die Kinder beschäftigen sich selber, quasseln, kicken, machen Blödsinn.
3. Kinder zusammen rufen, das Training kurz besprechen: "heute machen wir einen Weltraumflug. Was brauche wir dazu?" Wenn es ein Problem mit Bälle liegen lassen gibt, markiere ein Viereck am Rand, tituliere dieses Eck als Ball(er)burg und lass die Bälle dort deponieren.
Ich verteile schon zu diesem Zeitpunkt die Leibchen. Häufig kann man sie bei Spielen gebrauchen.
4. vorletzte Übung bei mir heißt: Bälle in den Sack. Erst dann gehts ins Abschlussspiel (ich habe nämlich keine Lust, die Bälle einzeln einsammeln zu müssen)
6. Abschluss... Hier machen wir immer noch ein Kindergartenspiel (Luftballon), je nach Alter reicht auch das Brüllen des Schlachtrufes oder so...
Bei mir sind alle Angebote Mitmachangebote. Wenn ein Kind ausschert, keine Lust mehr hat und nicht mehr mitmacht, dann lasse ich es in Ruhe. Aus zwei Gründen: 1. Jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus (für mich ist es unerheblich, ob ein Kind keine Lust mehr hat, ob es hundemüde, hungrig, unwillig oder sonst was ist) und 2. ich bin nicht bereit, meine Energie auf diese Kinder zu lenken während die, die wollen die Aufmerksamkeit deshalb nicht erhalten können. Kurz nachfragen: "machste wieder mit?" und fertig.
Wie gesagt: mach dir klar, dass die Kinder schon einen Arbeitstag hinter sich haben und man unerwünschtem Verhalten auch kein Aufmerksamkeit schenken sollte.
Was aber nicht heißt, dass sie mir auf die Nerven fallen dürfen. Wer nicht mit macht, muss an den Rand. Stören unterbinde ich zur Not auch mit Hilfe der Eltern.
Du kannst zum Beispiel nach dem Training analysieren, wann genau dir die Kinder entgleiten. Hier hilft ein Trainingsprotokoll. Bei mir war es in einem Jahr eine Sache der Uhrzeit. Nach ca. 40 Min. kam es reproduzierbar zu einem Einbruch. Ich habe dann ein kleines Spiel wie Möhrenziehen eingebaut und dann gings wieder.
In meinem aktuellen Trupp mit echt wenig echten Fußballern haben alle viel Spaß an den allgemeinen Spielen und je mehr es fußballerisch wird, um so mehr verlieren sie das Interesse. Das geht soweit, dass ein Kind immer das Abschlusspiel verweigert weil man ihm dann immer den Ball wegnimmt.
Man kann also gar nicht sagen: das ist immer so oder so... das kann von Gruppe zu Gruppe sehr individuell sein.