Uh, mein Thema...
Herzlich Willkommen erstmal im Forum.
Kurz zu mir: ich bin als gelernte Volleyballerin seit 16 Jahren als Trainerin aktiv. Zunächst beim Volleyball, dann folgte mein Engagement dem Tun meiner Kinder: Krabbelturnen, dann Helfer bei den Handballminis, Co beim Fußball in der Hallenzeit. Dann hab ich den Kindertrainerlehrgang absolviert und bin seit 4 Jahren für die Minikicker zuständig.
Ich sammle also die Kinder ein und wenn es gut läuft, gebe ich einen Jahrgang als G1 an ein Kollegenteam ab. D.h. ich bin diejenige, die die Eltern anquatscht ob sie mitmachen wollen (als Helfer oder als Trainer)... Ich habe also immer wieder mit solchen wie dir zu tun...
Was ich beim Kifu schon länger als Vorteil angesehen habe ist, dass ich selber nie Fußball gespielt habe. D.h. ich habe direkt Kifu gelernt und hatte keine "Übersetzungsprobleme" aus der Erwachsenensicht oder als Fußballexperte. Ich kann auch nur Kifu mit den Kleinen. Inzwischen kann ich alles was ein Bambini können muss: Ich kann in leichtem Trab dribbeln ohne mir die Füße zu brechen. 
Ich würde soooo gerne die neuen Kollegen an die Hand nehmen und ihnen Kifu erklären, damit sie so wie du die Anfängerfehler einfach lassen können. Aber weißt du was? Ich lasse es! (außer ich werde gefragt)
Und ich ertrage es, wenn der Trainer entnervt rummeckert weil das mit dem Anstellen nicht klappt und er eine Strafrunde anordnet. Oder dass die Kinder bei mir mit 4 und 5 Jahren ausschließlich Funino als Abschlussspiel kennenlernen, mit 6 Jahren sofort mit "alle gegen alle" auf Jugendtoren weiter machen, sobald ein "richtiger Trainer" übernimmt.
Warum? Weil ja alle genau wie du "praktische Vorerfahrung als Spieler und Fußballkenner mitbringen".
Bis die Kollegen die Einsicht habe, dass Kifu doch was anderes ist als reduziertes Erwachsenentraining, dauert es eben. Ohne intrinsische Motivation, sich wirklich auf die Zielgruppe einzulassen, ist aber auch jedes Wort verschwendet. Besonders von einer Nichtfußballerin wie mir!
Wie oft habe ich Kollegen schon geraten, Staffelläufe nicht in zwei großen Gruppen sondern in mehreren kleinen zu absolvieren... Es ist quasi aussichtslos.
Das Thema Phantasiegeschichten ist für total viele gar ein rotes Tuch. "soll ich die Übung vortanzen?"
Auch hier konnte man kürzlich wieder lesen, dass F-linge zu alt für Phantasiegeschichten seien und es schwierig sei, eine kindgerechte Sprache zu finden. Und die Antworten waren prima, so dass dem User schöne Bilder mitgegeben werden konnte. Eine Phantasiegeschichte muss doch keine mit Elfen und Zauberhöhlen sein. Es können doch auch fußballspezifische Themen sein wie z.B. "Trainingslager der Nationalmannschaft".
Ganz extrem fand ich einen Kollegen, der bei den ersten beiden Trainings einer Bambinitruppe mit viel Spaß und einer Polizeigeschichte einstieg und alle begeistert waren. Nur wenige Monate später klopft der Gleiche Sprüche wie: da muss jetzt mal Ernsthaftigkeit rein, der Kindergarten ist zu Ende, wir müssen Rückstände aufholen, wir sind ja schließlich bald F-Jugend... und die Kinder kommen zu mir gelaufen und fragen, wann ich denn wieder komme.
Lange Rede, kurzer Sinn: es dauert eben bei fast allen, bis die Erkenntnis reift, dass Kifu eine eigene Variante des Fußballs ist. Und es ist ja nun nicht so, als ob es nicht überall geschrieben stünde, zum Beispiel beim DFB: Zur Altersklasse :: Trainerwissen :: F-Junior*in :: Trainer*in :: Training & Service :: DFB - Deutscher Fußball-Bund e.V.
Noch tragischer ist, dass sich viele Trainer von den Bambinis bis zur E-Jugend als Trainer extrem gut entwickelt haben und dann dem Trainergeschehen verloren gehen! Kaum einer übernimmt nochmal die Kleinen und profitiert von seiner Erfahrung. Und so kommen immer wieder Traineranfänger nach und es findet so gut wie kein Wissenstransfer statt.
Und die Aufgeschlossenen gehen in Lehrgänge, landen hier im Forum und lesen... um die muss man sich auch nicht wirklich "kümmern"..