Alles anzeigenDas fragt sich jetzt auch der DFB: Der beispielhafte Fall Maza
Ich glaube, dass durch die Berater sehr häufig abgewogen wird, welche Nationalmannschaft den Wert eines Spielers auch steigern kann.
Özil, als bestes Beispiel, hat sich mit Sicherheit nicht für Deutschland entschieden, weil sein Herz dies so gesagt hat, sondern weil er talentiert genug war für Deutschland zu spielen und dies seinen eigenen Wert deutlich gesteigert hat und er damit auch überragende Verträge anschließend erreichen konnte.
Da geht es also immer auch darum, wie talentiert bin ich, habe ich in den nächsten Jahren Chancen für Deutschland zu spielen.
Insbesondere Spieler mit Migrationshintergründen aus der Türkei, Tunesien, Algerien etc. sind häufig nicht so sozialisiert in Ländern wie Deutschland, Frankreich oder anderen westlichen Ländern, dass ihr Herz bedingungslos für das Land ihrer Geburt schlägt.
Can Uzun und Kenan Yildiz haben sich sogar trotz ihres herausragenden Talents für die Türkei entschieden. Ich denke beide hätten auch der deutschen Nationalmannschaft sehr gut zu Gesicht gestanden und haben das Talent dort auch prägend zu sein.
Man sollte dies aber nicht zu kritisch sehen. Wenn ich als Sohn deutscher Eltern in Australien geboren bin und aufwachse, werde ich mich vermutlich auch in einem großen Teil als Deutscher sehen.
Ich kann diese Entscheidungen für das Heimatland der Eltern immer auch nachvollziehen.
Die Kovac-Brüder bspw. haben auch für Kroatien gespielt und niemand hat es kritisiert.
Die Diskussion über die Ausbildungsentschädigung halte ich aber definitiv für gerechtfertigt. Der DFB bildet natürlich im Wesentlichen dafür aus, dass die Spieler irgendwann einmal deutsche A-Nationalspieler sind. Genau wie andere Verbände für ihr Land.
Und da kann ich es schon verstehen, dass diese Investitionen natürlich nicht für die unmittelbare Konkurrenz gemacht werden sollen.
Ich kann mich noch gut an die WM 2002 in Japan/Südkorea erinnern.
Dort kam Senegal bis ins Viertelfinale, schaltete vorher den amtierenden Weltmeister Frankreich aus mit einer Mannschaft aus Spielern, die zu 90% in Frankreich ausgebildet wurden und auch einen französischen Trainer hatte. Also sowohl Spieler als auch Trainer wurden von den Franzosen selbst ausgebildet und schalteten ihr Ausbildungsland quasi aus der WM aus.
Die Türkei kam damals sogar bis ins Halbfinale.
Mit Spielern wie Bastürk, Havutcu, Davala und Mansiz war sie auch mit einigen Spielern ausgestattet, die in Deutschland geboren wurden und vom DFB ausgebildet wurden.
Ich bin da bei dir.
Eine Weltmeisterschaft zu spielen, das ist halt das größte für die meisten Spieler. Diese gar zu gewinnen für jeden Fussballer mit weitem Abstand das erstrebenswerteste Ziel.
Fans von den Vereinen, denken ja oft, dass der CL-Titel und vlt sogar die Vereinsmeisterschaft das prämare Ziel seien oder wenigstens auf einer Ebene. Das ist aber nicht so. Ich behaupte, mehrfache CL-Sieger würden alle Titel hergeben für einen WM-Titel.
Und deshalb entscheiden sich jene, die die realistische Option - früh in ihrer Laufbahn - sehen, bei einer der Top10 Nationen eine Rolle zu spielen, sich dann meist für diese Top10 Option, denn nur da kann man den WM-Titel holen.
Scheint diese Chance nicht so klar, dann nimmt man das Heimatland, denn dann spielt man sehr wahrscheinlich zumindest mal eine WM.Gerade außerhalb Europas ist die Quali dann ja einfacher, weil die Konkurrenz da nicht so groß ist, auf die man in der Quali trifft.
Neben dem emotionalen Wert der WM spielt, wie du sagt, auch die monetäre Chance eine Rolle. Zwei wirklich gute WM-Spiele erhöhen den eigenen Marktwert idR do signifkikant, damit eben auch das zukünftige Salär, das kann man im Vereinsfussball kaum annähernd in so kurzer Zeit schaffen.
Ältere erinnern sich an Skuchravi oder vor gar nicht so langer Zeit an James Rodriguez.
2-3 gute WM-Spiele haben sie aus 08/15 Spielern im europäischen Vereinsfussball in kleineren Ligen/Vereinen zu dem heißesten Eisen des sommers gemacht und ihnen - glaube beiden noch während der WM - einen sehr, sehr lukrativen Vertrag beschert, den sie mit den Leistungen der kommenden Jahre nicht mehr rechtfertigen konnten bzw. durch diese alleine so auch nie bekommen hätten. James sicherlich noch einmal ein Lever über Skuchravi, aber dennoch verdeutlicht es den Wert, den man durch ein paar gute Spiele bei einer WM erreichen kann.
Gibt da noch diverse andere Beispiele, die beiden fallen mir da nur sofort ein, weil ich beide gar nicht kannte vor den Turnieren, absolut bömische Dörfer für mich waren, obwohl ich damals weit mehr Vereinsfussball verfolgt habe, als ich es heute tue.
Edit:
Ich finde es btw auch immer amüsant, wenn viele Fans fordern, man solle die Spieler nicht für Länderspiele oä abstellen, weil diese ihr Geld ja beim Verein bekämen.
Dabei wird halt vergessen, dass die spieler dann erstens diesen Verein gar nicht wählen würden und zweitens der Verein auch massiv davon profitiert, wenn eigene Spieler eine strake WM spielen. Nicht nur steigert das dessen Marktwert und eventuelle Ablösesumme, so man ihn denn verkaufen will, es steigert auch die Marke, Bekanntheit und Beliebtheit des Klubs in Bezug auf Merchandising, etc. wenn man einem der bedeutenden WM-Akteure in seinen Reihen hat.
Die WM ist auch für die Masse der Welt das größte, so viele Menschen erreicht/"influended" man anders im Fussball nicht einmal anähernd.
