Jugendfußball-Nachwuchskonzept in einem Amateuer-Breitensportverein

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  • Hallo zusammen

    ein vielleicht auf eine andere Art und Weise spannendes Thema, welches nichts direkt mit dem geliebten Trainerjob zu tun hat:


    Ich bin momentan als Jugendtrainer und Co-Trainer der 2. Herren bei meinem langjährigen Heimatverein tätig. Ich habe letztes Jahr unfreiwillig (vorerst) meine junge aktive "Karriere" beendet.

    Mein Vater war auch jahrelang als Jugendtrainer in diesem Verein tätig.

    Ich würde sagen, ich habe den Verein bislang ziemlich gut kennenlernen können und kenne viele Geschichten der letzten 15 Jahre.


    Neben meinem aktuellen Trainerjob bin ich und 2 Mannschaftskollegen (aus der Herren) als Jugendkoordinatoren (eingesetzt, nicht gewählt) tätig. Unsere aktuell primäre Aufgabe (durch die Abteilungsleitung vorgegeben) ist es den oberen Jugendbereich zu betreuen und dafür zu sorgen, dass wir alle Altersklassen besetzen können und dass die A Jugendlichen leichter Anschluss an den Herrenbereich finden (aktuell haben wir keine A-Jugend).

    Uns gelingt das bislang ganz gut. Wir werden nächstes Jahr wieder eine A Jugend stellen und haben bislang einige Zusagen dafür auch aus den Umland. wir werden 2 B Jugenden stellen und höchstwahrscheinlich 2 C Jugenden (wobei eine qualitativ sehr gut ist und aktuell in der D Jugend in der höchsten Spielklasse spielt).

    Nebenbei habe ich mich lange damit beschäftigt und mir Gedanken gemacht, wie man die Jugendarbeit in diesem doch sehr breitensportartig aufgebauten Verein für die Zukunft vorbereiten kann. Ich glaube alle bekommen ja die Trends hin zu SGs etc mit und dass es immer schwerer wird an Nachwuchs zukommen und diesen langfristig zu binden. Zudem waren wir jahrelang eine gute Anlaufstelle, wenn man zwar anspruchsvoll Fußball spielen wollte, aber nicht dazu zu den Top 2 Vereinen (beide Herren Regional-Liga) wechseln wollte. Dies aktuell leider nicht mehr der Fall.

    Ich würde gerne aber das wieder möglich machen, jedoch habe ich auch erkannt, dass es nicht so leicht ist wie es wohl früher war, dass man einfach starke Jahrgänge automatisch angezogen hat. Da braucht man wohl heutzutage mehr Struktur um Spielern in den älteren Jugendklassen mehr "Perspektiven" zu bieten.


    Daher kam mir der Gedanke eines Jugendkonzeptes. Sprich wie die Jugendarbeit in diesem Verein laufen sollte, was langfristige Zeile sind und wie diese erreicht erden könnten.

    Bei den monatlichen Trainersitzungen war das auch bereits schonmal Thema gewesen. Einer der Jugendwarte hatte es angesprochen, jedoch schien es da eher so ein Zwischengedanke gewesen zu sein. Auch hat man bereits gemerkt, dass einige Trainer das zu anstrengend wirkt. Es kamen direkt Sätze wie " Wir werden nie das erreichen" "da fehlen Strukturen", "Leistungsfußball wird nie möglich sein"; amüsant, da vorher niemand von Leistungsfußball gesprochen hatte. Aber auch, weil ich gefragt hatte, was für ihn Leistungsfußball sei. Für mich nämlich, sollte nicht das Ziel Leistungsfußball sein, im Sinne dass alle Mannschaften in der höchsten Liga spielen, sondern, dass wir leistungsgerechten Fußball anbieten können. Klar als Breitensportverein mit etlichen anderen Abteilungen ist das finanziell auch nahezu unmöglich, obwohl die Fußballabteilung die größte Abteilung ist. Aber es sollte ja möglich sein, dass man schwächeren und spielstärkeren Spielern ein Zuhause bieten kann, oder nicht? Dafür hat man ja oft mehr als nur eine Mannschaft (so war es bei uns immer in den letzten Jahren). Wir hatten anschließen das Thema vertagt.

    Ich hatte jedoch danach mich nochmal hingesetzt und ein Fahrplan entworfen, wie man zu einem Konzept kommen kann.

    Das ist ein 4 punkte Plan, den man abarbeiten kann.

    1. Analyse Ist-Zustand:

    -Lage; wer sind die Trainer/Trainerteams; Netzwerk des Vereins (Sponsoren, Kooperation, Einbettung Region); Mannschaften und Ligen; Zulauf an Spieler*innen (zu viele, zu wenig, was für Spielertypen - Statur, Herkunft etc.)

    2. Wer wollen/können wir sein

    3. Wie kann man diese Identität etablieren:

    -welche Strukturen kann man nutzen, welche muss man verändern, wie kriegt man alle ins boot

    4. konkrete Handlungen


    Ich finde das als Leitfaden eigentlich ganz gut. Mich würde trotzdem euere Meinung mal dazu interessieren.

    Auch würde mich interessieren, ob es sowas ähnliches bei euch auch gibt, sprich ob es eine Art Konzept oder Rahmenplan gibt und in was für Vereinen Ihr tätig sei, eher Leistungssport oder Breitensport.


    Mir ist klar, dass es sehr viel Arbeit ist. Wie will man eine bessere und eine schwächere Mannschaft organisieren. Was ist wenn man Spielergruppen (Freunde die unterschiedlich stark sind) dafür trennen müsste, wo findet man Trainer für alle Mannschaften, eine 1. Mannschaft will jeder trainieren.

    Kann/Muss man Trainern vorschreiben in welcher Art trainiert werden muss bzw. was die Ziele in den Jugendbereichen sein sollten?

    Und und und, ich glaube da gibt es am ende auch viele offenen Fragen.

    Vielleicht könnt ihr dazu ja noch was schrieben, ob ihr da spontan Fragezeichen hättet, worauf man achten müsste, Tipps und Tricks,...

    Oder ob der Weg das Ziel ist.


    Achja, die Abteilungsleitung soll bald ausgetauscht werden, da sie eher passiv verwaltend tätig ist als aktiv was zu tun. (die Jugendabteilungsleitung soll aber so bleiben und ist deutlich engagierter).

    Und falls ihr noch was wissen wollt, fragt einfach.

  • Ich denke, bei vielen 'normalen' Breitensportvereinen macht jeder Trainer sein eigenes Ding ohne ein Vereinskonzept oder eine nachhaltige Abstimmung hinsichtlich der Ausbildungsziele über die Jahrgänge hinweg. Ich war bislang nur in zwei Dorfvereinen tätig (und bin es noch), und dort ist es zumindest so. Dürfte wohl bei vielen so sein.

    Wenn man das ändern möchte, dann ist meiner Meinung nach der schwierigste Hebel, alle Trainer mitzunehmen in ein ganzheitliches Vereinsdenken. Gerade wenn jeder Trainer im Grunde ehrenamtlich tätig ist bis auf kleinere Aufwandsentschädigungen. Man denke nur an die unterschiedlichen Sichtweisen hinsichtlich Spielzeiten für alle vs. Siegesdenken. Da sind ja mitunter nicht mal der Co. und der Cheftrainer einer Mannschaft auf einer Linie, und das dann über Jahrgänge hinweg ? seeeeehr schwierig.

    Was will man schon machen, wenn einige nicht mitziehen, aber zur Besetzung aller Trainerstellen gebraucht werden ?

  • TomGB ja, das ist auch eine Hürde, die ich erkannt habe. Aber meiner Meinung nach überwindbar, wenn man den Leuten das gefühl gibt, dass sie wie alle mit im Boot sitzen und nicht über die hinweg entschieden wird.

    Aber ich glaube auch, dass das Problem auch lösungen hat. Vielleicht muss man denen noch extremer die Vorteile aufzeigen und im schlimmsten Fall Posten neu besetzen. Ich da auch an die Möglichkeit immer mehr durch Vereinsintere zu stemmen. Herrenspieler übernehmen Trainerposten, ältere Jugendspieler übernehmen jüngere Mannschaften oder werden Co-Trainer dort. Eine engere Verknüpfung kann sicherlich helfen und das fördert ja auch das Vereinsleben. Zudem die jüngeren dabei auch Ihr Taschengeld aufbessern können (bei uns bekommt jeder Trainer eine Entschädigung)

  • Auf jeden Fall sehr lobenswert der Vorstoß, da wünsche ich viel Kraft und Energie ! Ist sinnvoll angelegt, ein gutes Ziel.

    Das steht und fällt auf jeden Fall mit einer sehr aktiven Begleitung und Unterstützung durch Vereinsverantwortliche, die an einem Strang ziehen. Viel Glück !

  • Hallo,


    ich habe für meine Vereinsmanager Lizenz Prüfung ein Jugendkonzept geschrieben. Ist echt ein Hafen arbeit. Aber umso schöner wenn du das Konzept in einem Verein umsetzen kannst. Zu meinem Jugendkonzept, habe ich noch einen Jugendplan, ein Trainerhandbuch und ein sportliches Konzept geschrieben. Alle 4 Bausteine sind ineinander verzahnt.

  • Ich hab als Trainer schon einige Vereinsphilosophien, Fahrpläne etc. erlebt.

    Klingt auf Papier immer ganz nett und alle sind stolz auf sich, dass sie ein 70-seitiges Konzept entwickelt haben, aber meist kommt nichts dabei rum.


    Das absolut Wichtigste ist die Umsetzung und Kontrolle.

    Wenn du nicht zu jedem aufgeschriebenen Stichpunkt mindestens eine konkrete Maßnahme nennen kannst, die dann auch tatsächlich regelmäßig und nachweisbar umgesetzt wird, kannst du ihn auch weglassen.


    Beispiel: "Der Verein will Talente entdecken und fördern um so durchgängig in den höchsten Ligen des Bezirks vertreten zu sein"

    Nötige Unterpunkte mit konkreten Maßnahmen:

    -> Wie sieht der Scoutingprozess aus? Wer scoutet wann/wo/welche Ligen/Altersklassen?

    -> Konkrete Vorgaben für leistungsorientiertes Training: Anteile von Übungsformen/Spielformen, Individualtraining, Torwarttraining, Athletiktraining, Trainingsperiodisierung etc.

    -> Trainerbesetzungen: welche Lizenzen/Vorerfahrung muss ein Trainer/Co-Trainer für die jeweilige Mannschaft mitbringen

    -> etc. etc.


    All diese Sachen müssen natürlich immer wieder kontrolliert bzw. angepasst werden.


    Meine Meinung hierzu: Als Amateurverein ist das eigentlich nicht zu schaffen, die tatsächliche Umsetzung von Vereinsphilosophien ist eher etwas für NLZs, wo auch tatsächlich Geld, Manpower etc. vorhanden ist.

  • Meine Meinung hierzu: Als Amateurverein ist das eigentlich nicht zu schaffen, die tatsächliche Umsetzung von Vereinsphilosophien ist eher etwas für NLZs, wo auch tatsächlich Geld, Manpower etc. vorhanden ist.

    Trainer91

    das sehe ich anders, ich bin gerade dabei einen Verein zu gründen, und unsere Philosophie ist klar definiert und akzeptiert.

  • Meine Meinung hierzu: Als Amateurverein ist das eigentlich nicht zu schaffen, die tatsächliche Umsetzung von Vereinsphilosophien ist eher etwas für NLZs, wo auch tatsächlich Geld, Manpower etc. vorhanden ist.

    das sehe ich anders, ich bin gerade dabei einen Verein zu gründen, und unsere Philosophie ist klar definiert und akzeptiert.

    Vielleicht verstehen wir darunter auch unterschiedliche Sachen.


    Würde gerne mal einen Blick rein werfen :)

  • Meine Meinung hierzu: Als Amateurverein ist das eigentlich nicht zu schaffen, die tatsächliche Umsetzung von Vereinsphilosophien ist eher etwas für NLZs, wo auch tatsächlich Geld, Manpower etc. vorhanden ist.

    Ich glaube, es kommt darauf an, in welchen Umfang man sowas angehen und umsetzen möchte. Klar ist es bei einem Prof-Verein mit NLZ leichter und man kann so mehr ins Detail gehen, aber darauf zu schlussfolgern, dass ein Amateurverein in der Jugendarbeit selber nur aus Kraut und Rüben und totalem Chaos besteht ist falsch. Hier muss auch eine gewisse Organisation vorhanden sein und somit auch ein Konzept.Vielleicht dahingehen, dass man weniger detailliert arbeitet sondern sich auf Basics verständigt, aber jeder Akteuer sollte wissen nach welchen Grundsätzen er arbeiten sollte.

    So würde ich den Punkt "Scouting" komplett rauaslassen, weil ich eh der Auffassung bin, dass ein Amateurverein mit dem arbeiten muss und sollte, was er selber anbieten kann und ggf. was Gelegenheiten bieten. Wenn also Kumpels von aktuellen Spielern zu einem kommen wollen, sehr gerne, aber Fokus sollte auf dem eigenen Verein liegen.

  • Meine Meinung hierzu: Als Amateurverein ist das eigentlich nicht zu schaffen, die tatsächliche Umsetzung von Vereinsphilosophien ist eher etwas für NLZs, wo auch tatsächlich Geld, Manpower etc. vorhanden ist.


    So würde ich den Punkt "Scouting" komplett rauaslassen, weil ich eh der Auffassung bin, dass ein Amateurverein mit dem arbeiten muss und sollte, was er selber anbieten kann und ggf. was Gelegenheiten bieten. Wenn also Kumpels von aktuellen Spielern zu einem kommen wollen, sehr gerne, aber Fokus sollte auf dem eigenen Verein liegen.

    sehe ich genauso

  • Meine Meinung hierzu: Als Amateurverein ist das eigentlich nicht zu schaffen, die tatsächliche Umsetzung von Vereinsphilosophien ist eher etwas für NLZs, wo auch tatsächlich Geld, Manpower etc. vorhanden ist.

    Ich glaube, es kommt darauf an, in welchen Umfang man sowas angehen und umsetzen möchte. Klar ist es bei einem Prof-Verein mit NLZ leichter und man kann so mehr ins Detail gehen, aber darauf zu schlussfolgern, dass ein Amateurverein in der Jugendarbeit selber nur aus Kraut und Rüben und totalem Chaos besteht ist falsch. Hier muss auch eine gewisse Organisation vorhanden sein und somit auch ein Konzept.Vielleicht dahingehen, dass man weniger detailliert arbeitet sondern sich auf Basics verständigt, aber jeder Akteuer sollte wissen nach welchen Grundsätzen er arbeiten sollte.

    So würde ich den Punkt "Scouting" komplett rauaslassen, weil ich eh der Auffassung bin, dass ein Amateurverein mit dem arbeiten muss und sollte, was er selber anbieten kann und ggf. was Gelegenheiten bieten. Wenn also Kumpels von aktuellen Spielern zu einem kommen wollen, sehr gerne, aber Fokus sollte auf dem eigenen Verein liegen.

    Kann man natürlich so sehen. Dann sollte man das aber auch so klar intern und extern kommunizieren.

    Was ich leider immer wieder erleben muss, sind Vereine die alle am liebsten so hoch wie möglich spielen wollen, aber im Endeffekt nichts dafür tun.

  • die wichtigste Aspekt ist doch das Geld und die Manpower.
    Sportstudenten kann man schlecht mit ehrenamtlich locken, die wollen sich was dazuverdienen im Studium

    Hauptangestellte dürfte für einen normalen Verein kaum finanzierbar sein.
    Wer finanziert das ganze? die Beitragszahler ein Mäzen oder ein Sponsor der mitreden will?
    Angenommen: 200 Kids x 200 EUR Beitrag sind knapp 40.000 EUR , Hauptsponsor 5.000 EUR und kleinere Sponsoeren nochmal 5000 EUR. Vereinsheim: 10.000 Pacht. Wir wären bei 60.000 EUR.
    Sagen wir 50% geht für die Bewirtschaftung des Vereins darauf.
    30.000 EUR übrig. 10 Jugendteams . Minimalverdienst für die Trainer 100 EUR/mtl - sind auch schon 10.000 EUR weg.
    1. Herren die etwas höherklassig kickt. 20.000 EUR pro Saison kaum vorstellbar aber nehmen wir es mal an. Das Geld ist weg.

  • Fantomas
    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wo das Geld ein Problem darstellen soll. Klar es ist faktisch gesehen nicht vorhanden, ein gemeinnütziger Verein darf ja eh keine Gewinne erwirtschaften.
    Aber wofür braucht man zur Erstellung und Umsetzung eines Konzeptes groß Geld?