Übungen für relativ starke D1-Jugend

  • Hallo!
    Ich habe eine relativ starke D1-Jugend übernommen. Bin kein gelernter Trainer sondern ein mittlerweile 45jähriger Vater, der sein Leben lang Fussball gelebt hat.

    Beim Pfingstturnier gegen tlw. höherklassige Gegner ist mir aufgefallen, dass die Gegner

    - noch einen Tick schneller in den Bewegungen,

    - noch einen Tick schneller in den Gedanken

    - noch geiler auf den Ball

    - noch viel viel spielintelligenter sind.


    Ich möchte meine Jungs dahingehend bestens fördern und sie weiter voran bringen.

    Habt Ihr erprobte Übungen, die den D-Jugendlichen Spaß machen und die sie in den o.g. Punkten richtig fordern und nach vorne bringen?

    Würde mich über Anregungen besonders im Hinblick auf Power & Geschwindigkeit, Spielfreude und Spielintelligenz sehr freuen.

    Danke schonmal!

    Gruß
    Madayo

  • Hallo Madayo, vielleicht wären noch einige Zusatzinformationen hilfreich. Woraus ergibt sich Deine Einschätzung, dass die Mannschaft "relativ stark" ist. Spielt Ihr 7+1 oder 8+1 über das Halbfeld? Wie sieht ein Standardtraining bei Dir oder bei dem bisherigen Trainer in etwa aus? Geht bereits viel über Spielformen in Kleingruppen? Habt Ihr Positionen mit Spielern bereits fest belegt? Was ist Euer Ziel?

    Turniere sind m.E. nur bedingt aussagekräftig. Wir haben unsere Staffel als guter zweiter abgeschlossen, aber ca. die Hälfte der gewonnen Spiele erst in der zweiten Halbzeit gedreht. Einige sogar nach hohen Rückständen. Bei Turnieren sind die ersten Minuten eminent wichtig, beim Ligaspiel hat der Verlauf einen ganz anderen Charakter.

  • Moin Madayo,


    ein „perfektes“ allgemeines D-Jugend Training gibt es nicht. Selbst wenn du das Training von den D-Jugenden einiger Spitzenklubs kopierst, wirst du nicht das Maximum aus deinen Kindern holen.


    Warum? Weil jedes Training an die (spezifische) Leistung und dem Talent deiner Kinder angepasst werden muss.


    Ein guter Trainer ist jemand, der Übungen vorbereitet, die auf seine Mannschaft abgestimmt sind.

  • Beim Pfingstturnier gegen tlw. höherklassige Gegner ist mir aufgefallen, dass die Gegner

    - noch einen Tick schneller in den Bewegungen,

    - noch einen Tick schneller in den Gedanken

    - noch geiler auf den Ball

    - noch viel viel spielintelligenter sind.

    Ohne eine Ferndiagnose wagen zu wollen. -noch einen Tick schneller in den Gedanken- bedeutet handlungsschneller, und bedingt alle anderen von die genannten Punkte. Wer sich z.b. früher bewegt, wirkt schneller (und ist im gesamtkontext der -aktion- auch)

    Das bedingt spielintelligenz. Die wiederrum bedingt verschiedene Faktoren, wie z.b. Vororientierung. Das wiederrum bedingt Umblickverhalten.

    Alle Spielformen, die hohen Gegner-Raum- und Zeitdruck enthalten, fördern Handlungsschnelligkeit. Denn Raum Zeit und Gegnerdruck

    bewirken vor allem eins - Entscheidungsdruck.

    Hohen Entscheidungsdruck erzeugt man also in dem man diese Faktoren in seinem Training ständig einbringt und -klassische- Fehler

    vermeidet. wie zu große Spielfelder, oder Entschleuniger, wie z.b. Einwurf anstatt schnelles Eindribbeln, Einkicken. Trainerseitig z.b. wichtig am Balldepot zu stehen und ständig die Bälle zum schnellen weiterspielen zuzuspielen.

    Wenn ich bei manchen Trainings manchmal zuschaue, die haben dann ein 5 gg. 5 auf kleinem Spielfeld . und dann läuft einer 20 Sekunden um den Ball zu holen, da ordnet sich die Mannschaft wieder ganz gemütlich- Ziel verfehlt....

    Man kann das dann an die jeweilige LEistungsstärke anpassen, kognitive Faktoren einbauen(immer gut) um z.b. das Umblickverhalten ballferner Spieler zu schulen etc. etc. etc.

    Vom Coaching sollte man grad bei hohem Entscheidungsdruck nicht instruieren und Entscheidungen vorwegnehmen.

    Klassische -Ansagen- wie :Kopf hoch sind m.e. Unsinn. Hat ein Spieler etwas Zeit, rufe ich z.b. : Wo ist der Raum? (von H.WEin geklaut)

    damit der Spieler den raum -sucht, kopf hat er dann automatisch hoch, und entscheidet frei für Dribbling oder Pass....

    Nach einiger Zeit automatisieren die Spieler das. Und zwar das Umblickverhalten. Und kein Automatisieren der Optionen, die bleiben frei.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Beim Pfingstturnier gegen tlw. höherklassige Gegner ist mir aufgefallen, dass die Gegner

    - noch einen Tick schneller in den Bewegungen,

    - noch einen Tick schneller in den Gedanken

    - noch geiler auf den Ball

    - noch viel viel spielintelligenter sind.

    Das, was Du da beschreibst, macht oft individuell den Unterschied zwischen guten und sehr guten Fußballern aus. Eine gute Technik haben evtl. sogar viele - sie unter Zeit- und Gegnerdruck anzuwenden und dabei richtige Entscheidungen zu treffen, ist abe eine andere Sache.

    Habt Ihr erprobte Übungen, die den D-Jugendlichen Spaß machen und die sie in den o.g. Punkten richtig fordern und nach vorne bringen?

    Würde mich über Anregungen besonders im Hinblick auf Power & Geschwindigkeit, Spielfreude und Spielintelligenz sehr freuen.

    Im wesentlichen hat Trainer E es schon erklärt: Mit ein paar Übungen, die Du ein paar Wochen wiederholst, wirst Du nichts erreichen. Hier musst Du Deine gesamte Trainingsphilosophie hinterfragen. Und selbst dann muss man manchmal auch realistisch anerkennen, dass die Natur manchen Kindern einach Grenzen gesetzt hat. Ein Training dieser Art ist körperlich und besonders geistig sehr fordernd. Talentierten Kindern macht aber gerade das Riesenspaß.

  • Ein Training dieser Art ist körperlich und besonders geistig sehr fordernd. Talentierten Kindern macht aber gerade das Riesenspaß.

    Das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Es werden nicht alle gleich darauf anspringen, bzw. nach einem Jahr extrem weit sein.

    Im Prinzip macht man m.e. nach dadurch alle besser, aber die -begabten- eigenmotivierten machen noch größere Sprünge.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Hallo!
    Danke für die Antworten.

    Zu den Fragen:
    Ich trainiere seit der Minikicker dieselben Jungs.

    Dabei habe ich viel Wert auf Technik gelegt und zudem viel 3:3 oder 2:2 spielen lassen.

    Viele Ballkontakte mit möglichst wenig Wartezeiten im Training.


    Die Jungs sind gut, mir fehlt aber noch der richtige Kick bzw. Durchbruch im spielerischen Bereich.

    Da waren andere Teams deutlich weiter.


    Lücken und freie Räume sehen einige sehr gut. Andere weniger.

    Laufwege, Spiel über Außen, Diagonales Spiel ... könnten noch besser werden.


    Wir spielen 8+1 Torwart. Ich lasse 4:4 oder 3:2:3 spielen.


    Was ich mir wünschen würde, wären Ideen für ein abwechslungsreiches Training, dass die Kinder körperlich und geistig fördert. Übungen zur Schulungen der von Trainer E genannten Dinge, wie z.B. Spielintelligenz, Überblick ... wären super! Als nicht gelernter Trainer freut man sich auf Anregungen und gute Beispiele.


    Danke schonmal!

  • Ok ich bringe mal ein Beispiel wie ich umblickverhalten trainiere ohne einen konkreten Schwerpunkt zu benennen. Das findet man hier bereits in anderen Threads in unterschiedlichem Kontext.

    Umblickverhalten mit Blick für den freien Raum, Mitspieler und Gegenspieler.

    Anfangen mit spielnahem Rondo. 12x15 meter Feld. 4+1 gg. 3. 4 auf den Seitenlinien, dürfen nicht angegriffen werden( Schwerpunkt liegt auf Umblickverhalten) plus einen Anspieler in der Mitte, gg. 3 in der mitte. Außenspieler spielen sich den ball zu, innenspieler bietet sich an oder reißt Passwege auf. Bei aktivem Ballgewinn der inneren 3 startet ein 3gg1 in der mitte. nach 6 erfolgreichen zuspielen, ball wieder nach außen. Variationen unendlich möglich. zum Beispiel an 2 Stirnseiten Minitore, farblich markiert. bei ballgewinn Zirkulation der inneren Spieler im 3gg1 bis Trainer farbe ansagt auf das tor wird dann angegriffen und der an der Linie stehende wird mit zum Abwehrspieler (vom 3gg1 zum 3gg2).

    dann z.b. Angriffsrecht spiel. Spielfeld mit EINEM Jugendtor markieren, z.b. 25x 30 im 5 gg. 5.

    3 Minuten. Eine Mannschaft startet mit Angriffsrecht und hat 3 Minuten ALLE bälle. D.h. jeder Einkick/Eindribbeln, jeder Eckball, einfach jeden Ball. Erobert die Abwehrmannschaft den Ball geht es rein ums Ballhalten.(Auffächern, Räume erkennen etc. etc.) Dadurch das man nicht ins Aus spielen kann um Zeit zu gewinnen oder einen Ausball provozieren(da Angriffsrecht ja JEDEN Ball hat) wird hier die Notwendigkeit zum ERkennen des Raums durch die Spielanordnung und die Provokationen geschaffen.


    Danach wechselt das Angriffsrecht und die Mannschaft muß den Rückstand aufholen, startet z.b. mit 0-2.

    Hier sind auch andere Aspekte gut zu coachen(Verhalten bei erhöhtem Zeitdruck bei Rückstand etc.)….

    Wichtig hier das TRainer am Balldepot steht und Verzögerungen vermeidet.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Was ich mir wünschen würde, wären Ideen für ein abwechslungsreiches Training, dass die Kinder körperlich und geistig fördert. Übungen zur Schulungen der von Trainer E genannten Dinge, wie z.B. Spielintelligenz, Überblick ... wären super! Als nicht gelernter Trainer freut man sich auf Anregungen und gute Beispiele.


    Danke schonmal!

    Wenn du das Team schon seit mehr als 5 Jahren trainierst, wirst du doch ein gewisses Repertoire haben. Wenn nicht, dann kannst du sinnvollerweise entsprechende Bücher zu Rate ziehen, dich mit Vereinskameraden (andere Trainer) austauschen oder mal bei befreundeten Teams hospitieren.

    Ich profitiere immer vom abgucken bei anderen. In nahezu allen Lebenslagen.


    Wenn du spezifischere Fragen hast, dürftest du deutlich mehr Input bekommen.

  • Das 3:3 lässt sich sehr gut variieren. Hier einige Anregungen, quasi als Praktiker-Baukasten. Damit sollte man einen Monat auskommen, ohne eine Variation zu wiederholen.


    - Schusszone einrichten, es zählen nur Tore, die innerhalb der Schusszone geschossen werden.

    - Als Funino mit jeweils 2 Toren. Variation davon jede Mannschaft spielt diagonal auf 2 Tore. Variation, diese durch Leibchen kennzeichnen und im Spiel verändern.

    - Mit neutralen oder nichtneutralen Außenanspielern. Auf den Seiten für das Spiel in die Breite, auf den Grundlinien für das Spiel in die Tiefe.

    - Als Variante: Trainer ruft "uno", "dos" oder "tres" uno=Wechsel der Spielrichtung auf die gespielt wird, dos= Ballbesitz wechselt, tres=beides gleichzeitig

    -Wie oben erwähnt, mehrere Bälle bereit halten, damit nicht Zeit durch Ballholen verloren geht. Evtl. mal einen kleineren Ball oder Tennisball reinwerfen.

    - Kontaktbegrenzung (bin ich kein Fan von, kann man aber machen), Pflichtkontakte

    - Als Überzahlspiel 3:2, dafür z.B. die Überzahlmannschaft Pflichtkontakte, die Unterzahlmannschaft keine oder die Unterzahlmannschaft bekommt einen Torvorsprung.

    - Ohne Tore mit Überdribbeln der Grundline

    - Ohne Tore mit kontrolliertem Pass an einen Mitspieler, der hinter der Grundlinie annehmen muss und dann sofortiges Weiterspielen mit Spielrichtungswechsel


    "Trockene" Technikübungen jeweils nur kurz, dass die Kinder nicht genervt sind und als Variation möglichst immer mit Torabschluss verbinden. Evtl. die Gruppe teilen (eine Gruppe beim 3:3) (eine Gruppe beim Techniktraining mit Torabschluss.


    Ab und zu ein 3:1 oder 4:2 auf Ballhalten. Damit es nicht zu langweilig wird, kann man beim 4:2 oder 5:3 nach einer Anzahl von Pflichtkontakten einen Torschuss auf kleines oder großes Tor zulassen. 4:2 +2 mit Felderwechsel.


    Vielseitige Bewegungsschulung möglichst in Wettbewerbsformen anstelle von vorgegebenen Aufwärmübungen. Leibchenfangen, Kettenfangen, als Variation auf sehr begrenztem Raum auf nur auf einem Bein, Fangen mit Dribbeln eines Balles.

    4 gewinnt (16 Hütchen, Ziel eine Mannschaft hat 4 Leibchen in einer Reihe), bei jeder Runde eine andere Vorgabe an das Hin- und Zurücklaufen (mit Ball, ohne Ball, mit Pass, Rückwärtslaufen etc.)


    Evtl. mal einen oder 2 Spieler eines Teams, das ein Jahr älter ist, mitspielen lassen, damit neue Reize gesetzt werden und sich die Jungs was abschauen können. Ich persönlich würde den Fokus nicht so sehr auf die Schwächen legen, sondern allgemein und breit gefächert weiter machen.


    "Ich habe eine D-Jugend übernommen" hörte sich so an, als wärest Du neu zum Team dazu gestoßen. "Seit der Minikickerliga" hört sich wiederum ganz anders an. Nach 5 Jahren mit einem Team, sollte man sich aber auch mal ehrlich fragen, was man dem Team noch geben kann oder ob es nicht einfach sinnvoll wäre, dass die Jungs durch einen neuen Trainer besser mal einen anderen Input bekommen. Mir ist nicht bekannt, dass es in leistungsorientiert spielenden Vereinen üblich wäre, dass ein Trainer die Jungs so lange trainiert.

  • Fechter zum Training an sich bin ich voll bei Dir!!!

    -starke-(ist Definition) D1 bedeutet aber für mich in den Spielformen (fast) immer 5gg5 weil gruppentaktisches Verhalten mitgeschult wird. also wegen mir Formino oder, wenns geht Spielformen in den Schwerpunkten.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)