Neue Mannschaft - schon wieder?

  • Tag zusammen,


    Nach 5 Monaten bei meiner aktuellen Mannschaft (U12), die vor allem durch Enttäuschungen geprägt waren habe ich nun das Angebot intern die Mannschaft zu wechseln. Die Kurzfassung:


    -aktuelle Mannschaft ist grottenschlecht, es ist allerdings trotz ewiger Bemühungen und ständiger Versuche neue Ansätze zu finden auch absolut kein Trainingsfleiß zu erkennen, ganz zu schweigen von dem Willen sich zu verbessern. Das Verrückte ist, dass wir trotzdem immer eine sensationell hohe Trainingsbeteiligung haben und ich denke die Kinder mögen uns Trainer gut leiden, nur untereinander liegt so einiges im Argen. Jede Trainingseinheit beginnt damit, dass Spieler gemaßregelt werden müssen, weil die sich gegenseitig auf den Zeiger gehen. Das zieht sich durch die gesamten Trainingseinheiten, sodass ich einige am Liebsten rausschmeißen möchte.


    -Sportlich läuft es überhaupt nicht, nach 10 Spielen steht eine Tordifferenz von etwa -60, die wenigen Tore und Punkte haben wir v.a. Aushelfenden Spielern der U13 zu verdanken, mittlerweile bin ich mit meinem Latein am Ende, die Antipathie zu einigen Spielern die immer wieder nur Mist machen befeuert natürlich die Resignation


    -die Mannschaft bräuchte wahrscheinlich 8-10 neue Spieler um dauerhaft in der KLA bestehen zu können (müssen sie auch bis zu den Herren eigentlich durchgehend spielen), und für Spielerakquise bin ich der absolut falsche Mann. Unterstützung der Jugendleitung und "Sportlichen Leistung": Fehlanzeige; Laberei und Druck von diesen Würdenträgern: Eine ganze Menge


    Meine beiden besten Freunde haben mich nun gefragt ob ich mit ihnen die nächste B-Jugend machen möchte


    Vorteile:
    -zunächst wäre die sportliche Perspektive deutlich besser, nicht nur von der reinen Leistung, sondern vor allem von der Leistungsbereitschaft der Mannschaft. Jedoch ist in dieser Beziehung die Frage ob sich das weiterhin auf hohem Niveau bewegt, so langsam kommt man in der B Jugend auch in das Alter wo der Fußball gegenüber Partys bei der WE-Planung eher in den Hintergrund rückt.
    -Sicherheit was die Zusammensetzung des Trainerteams und mein Standing innerhalb dessen angeht. Bei einem Verbleib müsste ich mir einen kompetenten Trainerkollegen von außerhalb suchen von dem ich noch einiges lernen kann, und da hab ich schon schlechte Erfahrungen gemacht
    -eine deutlich intaktere Mannschaft, einige Spieler kenne ich bereits durch ehemalige Trainerstationen und natürlich auch aus dem Vereinsleben
    -Ich müsste mich wohl nicht mehr bei und nach jedem Training schwarz ärgern über die Kinder


    Nachteile (+ Vorteile meiner aktuellen Mannschaft):
    -Nach 2 Mannschaftswechseln in 2 aufeinanderfolgenden Jahren wäre es schon wieder ein Wechsel. Langfristig etwas aufzubauen reizt mich schon, nur empfinde ich es in der aktuellen Situation als schwierig. Andererseits wäre das ja auch das Eingestehen von eigenem Versagen, ich hinterlasse nur ungern einen Scherbenhaufen
    -Die aktuelle Mannschaft wurde immer etwas stiefmütterlich behandelt. Möglich dass das dann anders aussieht, aber doch sehr fragwürdig. Außerdem hat die Mannschaft nach jahrelangen Trainerwechseln und ewigem hin und her durchaus etwas Konstanz nötig
    -Als Trainer einer B Jugend wäre der Altersunterschied zu den Spielern extrem gering (3-4 Jahre). Nicht optimal, wobei es aktuell bei der Mannschaft mit den ebenfalls nur 4 Jahre älteren Trainern keine Probleme gibt
    -Das ganze wäre absolutes Neuland für mich, zudem glaube ich nicht dass ich taktisch besonders gut ausgebildet worden bin (möglich dass sich das beim B Lizenz Lehrgang dieses Jahr ändert), also steht die Frage im Raum ob ich überhaupt die Standards die ich von einem B Jgd KLA Trainer erwarten würde selber erfüllen kann. Dagegen habe ich jetzt 3 Jahre in Folge D Jugenden gecoacht, sodass ich langsam eine gewisse Routine mitbringen kann.
    -Einige wenige in meiner aktuellen Truppe sind mir echt ans Herz gewachsen und ich bin überzeugt dass diese in einem anderen Teamumfeld richtig gut zocken könnten. Daher wäre es auf der menschlichen Seite teilweise ein Verlust. Letztes Jahr habe ich schon eine richtig nette Truppe (U13) abgegeben, die Zeiten mit denen vermisse ich schon sehr.


    Für Ratschläge und Denkanstöße in dieser für mich schwierigen Situation wäre ich sehr dankbar.


    LG 16er

  • Einer meiner Psychologieprofessoren sagte mal, dass es bei jeder Entscheidung, bei der man für beide Seiten viele, stichhaltige Vorteile benennen kann, immer einen Favoriten gibt.
    Man kann sich nur nicht vollkommen für eine Lösung entscheiden, weil man nicht auf die Vorteile der anderen Seite verzichten möchte.


    Die Lösung: Münze werfen!


    Beiden Entscheidungsmöglichkeiten jeweils eine Münzseite zuweisen. Bist du mit dem Ergebnis der Münze zufrieden: Richtige Entscheidung! Solltest du hingegen der Meinung sein, dass die andere Münzseite doch besser gewesen wäre: Hast du auch deine "richtige Entscheidung"


    Du wirst keine Lösung finden, die dich 100% zufrieden stellt (natürlich vorausgesetzt dass sich kein weiteres Angebot auftaucht) aber im Geheimen präferierst du bereits eine Wahl

  • Ich würde an deiner Stelle wahrscheinlich den Wechsel wählen, allerdings auch den neuen Trainer der jetzigen Mannschaft mit auswählen.
    Wenn man keine Freude mehr auf dem Trainingsplatz hat oder mit einem schlechten Gefühl wegfährt ist das immer blöd, schließlich machen wir doch alle nur das Traineramt als Ehrenamtliche, weil es uns eben Spaß macht. Da klingt die neue Aufgabe doch deutlich reizvoller.


    Und viele deiner Gegenargumente würden zerstreut werden, wenn du das Gefühl hast einen klasse Nachfolger für dich gefunden zu haben

  • Aber innerhalb des Vereins abdampfen ohne Nachfolger geht gar nicht! Wenn du pädagogisch noch nicht bereit bist für eine Truppe "schwer erziehbarer" dann lass dich nicht aufreiben. Aber kümmer dich zusammen mit dem jgd-leiter um deine Nachfolge.

  • Man kommt als Trainer im Laufe der Zeit ( wenn man es denn länger macht ) irgendwann an den Punkt, wo man neue Herausforderungen sucht und/oder auch von der Einstellung her an sich eine innere Neuausrichtung feststellt. Oder man stellt fest, dass man da wo man ist genau das richtige für einen ist. Das ist aber nur dann der Fall, wenn man mal etwas anderes ausprobiert hat. Ich hab von Minis bis A-Jugend alles durch. Im reinen Breitensportverein wie ( ab C-Jugend ) leistungsorientierten Vereinen. Vielleicht sind meine Erfahrungen da für dich auch eine Entscheidungshilfe. Ich betone dies hier im Forum immer und immer wieder. Bis einschließlich E sollte man von der inneren Einstellung her mit Leib und Seele Individualtrainer sein. Dann sollte mir die Zusammenarbeit und das Miteinander mit den Eltern wichtig sein. Das ist der dritte Mannschaftsteil und damit enorm wichtig. Nervt mich da etwas von oder erkenne ich an mir, dass mir eher das Zusammenspiel der Mannschaft wichtig ist, bin ich mMn falsch in dieser Altersklasse.
    Befinde ich mich emotional in so einer Art Schnittmengenzone zwischen Individual- und Mannschaftstrainer wäre eher D und jüngere C was für mich, da hier nun auch gruppentaktische Elemente in der Ausbildung einen höheren Stellenwert bekommen sollten.
    Wenn ich mich im Bereich Gruppen- und Mannschaftstaktik wohl fühle und mich der Weg, wie man dies auch nachhaltig ausbildet, interessiert, sollte ich im Bereich ältere C bis A trainieren.


    Mein Tipp an dich aus eigener Erfahrung heraus: Du bist jung, machst bald B-Lizenz. Taktik ist kein Hexenwerk und da wirst auf dem Lehrgang neue Erfahrungen sammeln. Wenn man sich dann noch intensiv in dieses Thema einliest, wie man bestimmte Abläufe eben auch langfristig und zielorientiert trainiert, wirst du feststellen, dass es wie vieles andere ein Lernprozess ist. Aber man sollte keine Scheu davor haben.
    Ich würde an deiner Stelle also erstmal in mich hinein horchen. Und zwar unabhängig von Personen, sprich deine jetzige oder die zukünftige Mannschaft. Was willst du ? Was würde dich persönlich interessieren ? Was ist dir wichtig ?
    Wenn du dir diese Fragen beantwortet hast, wird deine Entscheidung feststehen. Da bin ich mir sicher.

  • Für Ratschläge und Denkanstöße in dieser für mich schwierigen Situation wäre ich sehr dankbar.

    Man sagt, es dauert ca. 2 Jahre, bis man als Trainer einigermaßen durchblickt. Diese Zeit sollte man dazu nutzen, einem erfahrenen Trainer über die Schulter zu schauen. Nicht, um es zu kopieren, sondern zu kapieren.
    Ein "stotternder Motor" nach 5-monatiger Trainerarbeit ist schon deshalb nichts besonderers, weil man dich (wie leider viele deiner Kollegen) ins "kalte Wasser" geworfen hat. Gerade in der altersgerechten Mannschaftsführung muß man zunächst einmal genügend Erfahrungen sammeln, um mit dem nötigen Fingerspitzengefühl weitaus mehr an Motivation als an Sanktionen zu bieten, sodass die Spieler mit einer großen Neugier kommen, anstatt sich durch Langeweile und Monotonie (z.b. langer Trainervorträge) sich gegenseitig auf den Senkel zu gehen.


    Ein Mittel, was fast immer positiv wirkt, sind gut geplante, interessante und abwechselungsreiche Trainingseinheiten. Ist man im Zweifel, so sollte ein regelmäßiges Gespräch mit der Mannschaft Klarheit darüber bringen, wo es gleiche und unterschiedliche Interessen gibt.


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    Aus den vorgenannten Gründen kann ich dir empfehlen, zunächst einmal bei deinen beiden Freunden deine Defizite als Trainer zu erkennen und daran zu arbeiten. Oder sind deine beiden Freunde ebenfalls Trainerneulinge?


    Autorität erhält man nicht durch einen Altersunterschied, man muß sie sich täglich erarbeiten. Ein geringer Altersunterschied kann den Vorteil haben, als das du die gleiche Sprache sprichst, sodass es kaum Verständnisprobleme gibt.
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    Wie du glauben viele Trainer daran, dass ihnen das Limit durch die aktuellen Fähigkeiten ihrer Spieler vorgegeben ist. Andererseits gibt es auch "positiv Fussballbekloppte", die nicht schon nach kurzer Zeit die Flinkte ins Korn werfen, sondern stets hoffnungsvoller Zuversicht sind, weil sich Spieler und Trainer permanent weiterentwickeln können.


    Erst, wenn du deine eigenen Grenzen erkannt hast, solltest du bei deiner Anaylse auch die Fähigkeiten deiner Mannschaft berücksichtigen. Im Fussball werden gern Symbole benutzt. Versteh dich also als Zentrum eines nach unten zeigenden Dreiecks, über das die Mannschaft ständig Impulse bekommt, die es für sich nutzen kann. Vermutlich hast du dich bislang als oberstes Zentrum eines nach unten zeigenden Dreiecks gesehen, welches auf Basis von Spielerimpulsen eher den Charakter eines Zuschauers, anstatt der eines Beobachters hatte?