Spielsysteme 9:9

  • @Schimanski
    Tolle Erklärung der Spielsituationen und Verteilungen. Genau daher habe ich hier um eure Erfahrungen gebeten. Mit jeder Antwort lerne ich mehr über das ganze Thema.


    wenn ich aber deine Spieler zähle und der Torwart die erste eins ist bist du doch auf 7:7 unterwegs!? Verstehe ich das falsch? Hier sind wir aber in der extra Rolle des 9:9 unterwegs.


    Gruß
    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

    "Der Grund, warum wir Fußball gucken, ist keine Zahl und kein Ergebnis, sondern ein Erlebnis."

    - (Quelle: paderball.com)

  • *DuckundSchäm*
    Ah Ok. Ich hatte die Außen nicht extra verstanden. - Nun hab sogar ich es erfasst.


    Gruß
    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

    "Der Grund, warum wir Fußball gucken, ist keine Zahl und kein Ergebnis, sondern ein Erlebnis."

    - (Quelle: paderball.com)

  • Chris : Kann ich bestätigen. Ich habe mir jetzt schon alle Gegner in unserer Liga angeschaut. Keiner hat das vergleichbar gespielt.
    3-2-3, 3-1-3-1, 3-3-2 sind üblich. 1-3-1-3 und 4-4 habe ich auch schon gesehen, waren aber eher Exoten.
    Scheint also an diesem Forum zu liegen, wobei ich hier auch viel Inspiration bekommen habe... ;)

  • @Chris, @Schimanski, dann würde mich ja mal interessieren, warum die anderen Teams andere Systeme spielen.


    Sind sie einfach zu blöd (provokativ formuliert)? Oder haben sie weniger gute/intelligente/begabte Spieler? Oder sind die Voraussetzungen in den jeweiligen Mannschaften einfach grundsätzlich anders gelagert?


    Wie schätzt ihr das ein?

  • Eine Mischung aus allem/jeweils ein Teil der von dir genannten Gründe.


    Das ist ja nicht das ultimative System. Ich bin sogar sicher, dass wir mit einem etwas defensiveren System (wir stehen extrem hoch dabei) mehr Punkte am Ende der Saison haben würden, aber solannge wir nicht absteigen halte ich es für das System, mit dem wir am meisten lernen, insbesondere außen, aber über die vielen Dreiecke auch generell im Spielaufbau.

  • Zum breiten D9-Feld: Ja, ein enges D9-Feld bringt recht enge Räume mit sich, so dass die ballführende Mannschaft permanent unter Druck steht. Wenn da Pässe nicht gut kommen oder die Ballannahme nicht so gut ist, dann entsteht da sehr schnell ein wildes Hin und Her.


    Aber die Geometrie des D9 zwischen den 16ern auf voller Breite gefällt mir persönlich auch nicht, das ist mir wiederum zu breit und dafür zu kurz. Das dabei entstehende Spielfeld ist praktisch quadratisch (ausgehend von Normmaßen, also 105m x 68m). Die Entfernung von der Außenlinie zum Tor ist also fast genauso groß wie der vom Anstoßpunkt. Auf dem Normfeld beträgt das Verhältnis dieser Entfernungen hingegen ca. 2:3. Das heißt, wenn im quadratischen D9-Feld der Ball außen ist, dann ist er im Verhältnis sehr weit außen. So weit außen sogar, dass von ihm keine sonderlich große Gefahr ausgeht, denn es gibt gar nicht so viele D-Junioren, die es schaffen, den Ball von so weit außen ins Zentrum zu flanken -- und die, die es hin bekommen, schaffen das vielleicht drei mal, danach fehlt auch ihnen die Kraft dazu.


    Wenn nun aber ein Trainer seine Außenspieler weit nach außen beordert und der Gegner ihm den Gefallen tut, ihnen mannorientiert zu folgen, dann ergeben sich in der Mitte große Lücken und gleichzeitig ein ziemlich kurzer Weg zum Tor. Da wären die zentralen Spieler ja bescheuert, wenn sie über außen spielen würden, anstatt zu dritt (ca.) durch die Mitte anzugreifen. Damit werden die Außenspieler überhaupt nicht mehr einbezogen und dienen nur dazu, ihren Kollegen den Raum in der Mitte auf zu ziehen.


    Bei der Mannschaft meines Sohnes war das damals so. Da war es allerdings auch so, dass zentral drei, vier Spieler gespielt haben, die sich untereinander besser verstanden als mit den anderen. Das hat dann sicherlich maßgeblich zum beschriebenen Verhalten geführt. Dennoch finde ich, dass das Längen- zu Breitenverhältnis eines D9-Feldes nicht passt, bei dem das Spielfeld in der Länge durch die 16er begrenzt ist und über die komplette Breite des Platzes geht.


    Zu den Systemen: Mir gefällt das 4-3-1 mit zwei offensiv agierenden Außenverteidigern, einsamer Sechs und zwei Achtern von den D9-Systemen am besten. Bei uns hatte es damals aber nicht sonderlich gut funktioniert, weil:

    • die Außenverteidiger zu defensiv spielten, was hauptsächlich daran lag, dass sie aus der E-Jugend noch eine recht strikte Trennung zwischen offensiven und defensiven Spielern gewohnt waren
    • die Achter zu offensiv spielten, eben auch wegen der beschriebenen klaren Rollenstruktur für reine Angreifer hielten
    • die Achter oft zu weit außen spielten und so den AV im Weg standen und andererseits bei Ballverlust viel zu weite Wege zu ihrer Defensivposition hatten


    Wenn der Gegner dann mit zwei zentralen Mittelfeldspielern agierte und einigermaßen kombinationssicher war, stand der einsame Sechser fast immer auf verlorenem Posten, wurde rasch überspielt, und dann war es im günstigsten Fall ein 2:2 von Angreifern gegen die beiden Innenverteidiger, häufig gab es da ja aber noch einen Mittelstürmer oder einen von außen ins Zentrum einlaufenden Flügelstürmer, der daraus eine Überzahl für die Angreifer machte... Und dadurch, dass die Innenverteidiger oft noch versuchten, dem Angreifer den Ball durch einen langen Schritt nach vorne abzunehmen und dieser sie entweder einfach umkurvte oder einen simplen Doppelpass spielte, tauchten dann in kurzer Folge immer wieder zwei Angreifer alleine vor dem Torhüter auf...

  • Sind sie einfach zu blöd (provokativ formuliert)? Oder haben sie weniger gute/intelligente/begabte Spieler? Oder sind die Voraussetzungen in den jeweiligen Mannschaften einfach grundsätzlich anders gelagert?


    Wie schätzt ihr das ein?


    Ich finde es passt gut zu dem, was wir trainieren, was die Jungs können und was ich von den Jungs sehen möchte. Jeder Trainer hat da seine eigenen Vorlieben.


    Ich finde z.B. eine Dreierkette hinten (die eigentlich alle irgendwie spielen) immer problematisch weil Torhüter und zentraler Abwehrspieler praktisch auf einer Flucht stehen. Da wird es von der Staffelung schon schwierig den Torhüter einzubinden, was für mich persönlich sehr wichtig ist. Anderen Trainer ist das egal oder sie haben einen Torhüter, der nicht mitspielen möchte.


    Andere Trainer wollen vielleicht auch mehr Präsenz an den Stellen, wo die spielentscheidenden Dinge stattfinden, also vor den beiden Toren. Da macht es Sinn mit drei vorne und drei hinten zu spielen. Unsere Formation ist ja eigentlich ein 2-5-1, also im Mittelfeld sehr dicht besetzt und an den Enden eher nicht, was zum einen den "Alle greifen an, alle verteidigen"-Gedanken fortführt, zum anderen aber tendenziell auch eher das Kurzpassspiel fördert und auch die Arbeit gegen den Ball beeinfllusst (Gegenpressing vs. Rückraumabsicherung). Das findet sich vielleicht auch nicht jeder Trainer wieder oder es fehlen einfach die passenden Spielertypen oder es wird auf andere Schwerpunkte hin trainiert.

  • Für mich ist es deswg. "fast" ultimativ, weil es ein toller Vorgriff auf mein geliebtes 4-3-3 ist und ansonsten unterschreibe ich fast die kompletten Gründe, die Schimanski geschildert hat - er hat das eigentlich super zusammengefasst, das gilt für uns fast 1:1 ebenso.

  • Habe ich D Jugend Bereich immer im 3-4-1 / 3-2-3 gespielt.
    Die Übergänge sind je nach Offensiver und defensiver Ausrichtung fließend.


    Dafür benötigt man allerdings 2 starke Spieler im Zentrum, da diese dort sonst mächtig Probleme bekommen können.

  • Hier der versprochene Erfahrungsbericht zum 3-3-2 wobei es den Kindern als 3-2-3 verkauft wurde um die offensive Ausrichtung in die Köpfe zu pflanzen.


    Nach allen den Anregungen und Hinweisen hier im Forum habe ich mir vorab überlegt wie kann ich es den Kindern am besten vermitteln was wir von ihnen wollen. Kernpunkte welche ich hier mitgenommen haben waren folgende:


    - Die Spieler müssen genau wissen was jeder von ihnen machen muss.
    Hierzu habe ich eine Visualisierung ausgearbeitet welche ich Seite für Seite den Jungs erklärt habe. Abwehr spielt in einer Kette und versucht das Spiel von Tor weg zu halten. Torwart hat somit die Möglichkeit lange Bälle als Libero abzugreifen. 6er stimmen sich ab und spielen beide nach vorne. Die "Außenstürmer" müssen die Flügel besetzen und versuchen das Spiel in der Breite zu halten. Mittelstürmer bleibt vorne und ist erster Verteidiger. usw....
    - Wie bekommen wir die eher defensive Denkweise aus den Köpfen der Spieler?
    Hierzu haben wir u.a. die hier vorgeschlagenen Wortspiele gewählt. Die Außenspieler (von der Aufgabe her eher Mittelfeld) wurden somit Außenstürmer genannt. Soviel vorweg es macht tatsächlich einen Unterschied wie ich die Positionen benenne.


    Zu den beiden Spielen am Wochenende:
    Freitag stand ein Spiel gegen eine Mannschaft an welche aus den ersten Spielen, genau wie wir, noch zu wenige Punkte mitnehmen konnte. Die Zielsetzung der Jungs war also zählbares mitzunehmen. Kurzfassung ist; Wir haben 58 Minuten (von 60) aufs Tor des Gegners gespielt. Leider aber zu wenig Gefahr ausgestrahlt. Durch drei Konter unterlagen wir 0:3.
    Hinzuzufügen ist jedoch das wir bereits in der ersten Hälfte mehrere Aluminium Treffer hatten. Leider kam ein Ball über die Abwehr durch und wir lagen in er Halbzeit 0:1 hinten. Auch unser Konzept ging an diesem Tag eigentlich zu 100% auf. Die Jungs marschierten an der Auslinie auf und ab und zeigten wirklich tollen Fußball. In der zweiten Halbzeit legten sie sogar noch einen Gang zu und trafen alleine in dieser 4x die Latte. In den letzten Minuten haben wir einen Verteidiger aufgelöst und in den Sturm beordert. Wir wollten auch mal die Eier haben die hier immer beschrieben werden! Leider entschieden die Außenspieler etwa zur selben Zeit das Sie vermehrt nach innen ziehen wollten und so wurde es vorm Tor extrem eng und wir nahmen uns somit selbst den Vorteil. Zusätzlich wurden wir hinten etwas anfälliger und zwei Befreiungsschläge des Gegners fanden einen Abnehmer. 0:2 und 0:3.


    Trotz des Ergebnis bin ich seit Freitag überzeugt das dieses System sehr gut zu unseren Spielern passt. Einzig an Durchschlagskraft nach vorne fehlte es noch. Die Tatsache das mehr als 50% der Spieler nach den spiel weinend am Mittelkreis standen beweist das Sie alles gegeben haben und mit Herzblut gekämpft haben. Es macht es uns Trainern aber auch nicht leichter die Jungs so leiden zu sehen.


    Sonntag luden wir dann zum Kellerduell. Wie traurig nach all den tollen Spielen, aber es trafen sich zwei Teams mit 0 Punkten aus den ersten vier Spieltagen.
    Kurzfassung: Spiel auf ein Tor, wir trafen sogar und dann zeigte sich unsere momentan größte Baustelle. 1:2 für den Gast. Wir spielten im Anschluss zu verbissen und konnten nichts mehr drehen.
    Im Vergleich zum Freitag haben wir einen anderen Spieler als Mittelstürmer positioniert da wir mehr Druck auf den Torwart ausüben wollten um unsere Nachschussmöglichkeiten zu nutzen. Da unsere beiden Außenspieler am Samstag (zusätzlich zum Freitag) noch Ersatz in der C-Jugend machten merkte man schnell das diese nicht die Frische von Freitag hatten. (Verbieten möchte ich es Ihnen aber auch nicht, ist aber ein anderes Thema). Dennoch gelang es uns das Spiel in die Hälfte der Gäste zu verlagern. Mitte der ersten Hälfte schafften wir es dann auch die zweite sich bietende Nachschussmöglichkeit über die Linie zu drücken. Die Freude war rießig. Im direkten Gegenangriff nach dem Anstoß schossen die Gäste von der Mittellinie auf unser Tor. Unser Torwart (seines Zeichens E-Jugend) verschätzte sich und der Ball Übersprang ihn. Zwei Minuten später hatte der Gast einen Freistoß 3 Meter hinter der Mittellinie, nähe der Außenbahn und schaffte es diesen ins lange Ecke unter die Latte zu Zirkeln. 1:2 für den Gegner. In der Folgen haben unsere Jungs zwar nicht aufgesteckt allerdings die Grundordnung etwas verloren. Die Außenspieler rückten zu oft in die Mitte und das gesamte Spiel verlagerte sich mehr und mehr auf die Seite des frischeren Außenspielers. Die Räume wurden damit jedoch noch enger. Bis zuletzt gelang es uns nicht das Ergebnis zu korrigieren.


    Fazit und weitere Baustellen:
    - Ich denke das System passt trotz aller Rückschläge sehr gut zu unseren Jungs. Wenn sich die Außenspieler einbringen können und außen bleiben werden wir auch unsere Punkte einfahren. Einzig der Torinstinkt fehlt den meisten Spielern noch. Zusätzlich müssen Sie lernen auch im Rückstand ihre Postionen zu halten da Sie sonst die Räume zu eng machen.
    - Leider haben wir derzeit aus zwei D-Jugend Torhütern keinen verfügbar. Einer war mehrere Wochen krank und seine Mutter hat ihm erst mal Zitat "mehrere Wochen Pause vom Fußball" verordnet. Und der zweite (frisch aus der E-Jugend) kommt nicht mehr da er angeblich im Spiel von seinen Mitspielern kritisiert wurde. Zu einem Gespräch vorm Treffpunkt am Sonntag erschien er (bzw. die Mutter hatte darum gebeten) leider nicht und wir Trainer saßen allen im Vereinsheim. Somit bestreiten wir die Spiele aktuell mit Torhütern aus der E-Jugend. Hier haben wir zwar 4 Spieler welche gerne ins Tor gehen aber der Unterschied zur D-Jugend ist einfach groß. Aus diesem Grund versuchen wir derzeit auch die Torhüter zu wechseln um diese zu schonen. Für die D- ist das natürlich suboptimal.


    Huch, wurde ganz schön viel!


    Gruß
    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

    "Der Grund, warum wir Fußball gucken, ist keine Zahl und kein Ergebnis, sondern ein Erlebnis."

    - (Quelle: paderball.com)