Antoine Griezmann

  • Der Werdegang von Griezmann wurde ja jetzt immer wieder angesprochen mit dem Tenor, "der wurde in der Jugend von den französischen Topteams heimgeschickt, weil er zu klein und schmächtig war - so kann man sich täuschen". Laut wikipedia hat der Vater ihn bei sieben NLZs vorspielen lassen, aber Antoine wurde nicht "gesichtet":
    https://de.wikipedia.org/wiki/Antoine_Griezmann
    Dann ist er als C-Jugendlicher ins >800 km entfernte San Sebastian gegangen und hat sich letztlich ja auf Top-Niveau durchgesetzt.


    Die Frage, die ich mir stelle: Der Vater hat doch eigentlich alles falsch gemacht! Er hat sein Kind wie Sauerbier in ganz Frankreich angeboten (die aufgezählten Vereine sind weit über's ganze Land verstreut). Spätestens nach der dritten Absage hätte wir Trainertalker doch gesagt, "lass gut sein und setz den Jungen nicht weiter unter Druck". Dann hat er sein Kind mitten in der Pubertät ins fremdsprachige Ausland geschickt, um dort Fussballer zu werden. Auch das ist doch kompletter Wahnsinn! Dennoch hat das (zumindest fussballerisch) geklappt, d.h. der Erfolg gibt dem Vater Recht.


    Mich macht das ein wenig ratlos. Was denkt Ihr über diesen Werdegang?


    Grüße
    Oliver

  • Dieser Werdegang zeigt, dass es keine Gesetzmäßigkeiten gibt, die Allgemeingültig sind.
    Und viele andere wären an der Ablehnung und ständigen Zurückweisung zerbrochen.


    Griezmann hat dies mit harter Arbeit, einem (über)engagierten und sicher einer gehörigen Portion Talent und etwas Glück als Motivationsschub genutzt.


    Mich macht es nicht ratlos, es zeigt nur, dass jeder andere Motivationen verfolgt und benötigt und eben, dass jeder Spieler, jede Karriere und jede Entwicklung eigenen Gesetzäßigkeiten unterliegt.


    Grüße
    Björn

  • Es sagt doch alles über die heutige oberflächliche Art aus. Sobald man bei den Scouts oder Trainern durch das Raster fällt, hat man es schwer. Es gibt zu hauf Beispiele von Kickern die später sogar das Weltklasseniveau erreicht haben, die keiner haben wollte.


    Leider ist das so und wird auch immer so bleiben. Diese Oberflächlichkeit zieht sich durch das gesamte Leben. Entweder kämpft man dagegen an oder man nimmt es hin.


    Griezmann ist für mich ein sehr sympathischer Typ. Er könnte mittlerweile bei fast jedem Verein der Welt spielen und er verlängert bei Atletico. Solange Simeone dort ist, wird auch er dort sein. Sein Timing ist extrem gut. Antizipation plus Sprungkraft einfach gewaltig. Da überlegen einige noch und er flitzt schon. Klasse Junge dem man gerne zuschaut.

  • Sehe es auch so, wie meine Vorredner.


    Es gibt einfach kein 08/15-Raster, mit dem man bei talentierten Jugendspielern den Werdegang abschätzen kann.


    Um so schwerer, wird das Scouting ja für die Top-Klubs, die möglichst früh schon solche Talente verpflichten wollen. Mittlerweile wird auch mehr wert auf die sogenannten Soft-Skills gelegt. Athletik und Technik alleine sind weiterhin natürlich wichtige Elemente, allerdings eben auch Ehrgeiz, Spielverständnis, Spielintelligenz und vor allem Fleiß. Und diese Bausteine kann man schlecht messen oder zu Zahlen bringen...

  • Die Frage, die ich mir stelle: Der Vater hat doch eigentlich alles falsch gemacht! Er hat sein Kind wie Sauerbier in ganz Frankreich angeboten (die aufgezählten Vereine sind weit über's ganze Land verstreut). Spätestens nach der dritten Absage hätte wir Trainertalker doch gesagt, "lass gut sein und setz den Jungen nicht weiter unter Druck". Dann hat er sein Kind mitten in der Pubertät ins fremdsprachige Ausland geschickt, um dort Fussballer zu werden. Auch das ist doch kompletter Wahnsinn! Dennoch hat das (zumindest fussballerisch) geklappt, d.h. der Erfolg gibt dem Vater Recht.

    Vielleicht hatte Griezmann jemanden in seiner engeren Verwandtschaft, der sehr viel über Fussball wußte, weshalb er uns sein soziales Umfeld fest an seiner Chance geglaubt haben und sich deshalb nicht von Absagen haben abschrecken lassen.


    Vielleicht hat ihm ja auch noch was gefehlt, was er später auf seine eigene Weise hinzu gewonnen hat? Wir wissen es nicht? Ein Mats Hummels hatte zwar die Körperlänge und Konstitution, aber er war den Verantwortlichen bei Bayern einfach zu langsam. Mats hat jedoch an seinem Stellungsspiel gearbeitet und hat damit die Fähigkeiten schnellerer Defensivspieler mehr als kompensieren können.


    Talent allein reicht irgendwann nicht mehr, wenn die Konkurrenz immer größer wird. Man muß an seinen Fähigkeiten arbeiten, seinen eigenen Weg finden, um sich wertvoll für den Verein zu machen.


    Leider werden auch in unserem Früh-Fördersystem bestimmte Talentmerkmale bereits mit einem Entgültigkeitscharakter versehen, was z.B. zur Folge haben kann, dass der überwiegende Teil einer Auswahlmannschaft im ersten Drittel eines Jahres geboren wurde. Man hat sich erst gar nicht die Mühe gemacht, nach den Gründen von langsameren oder kleine Spielern zu fragen, sondern sie bereits jetzt durch Talentraster fallen lassen


    Weil jedoch Eltern/Trainer gar nicht wissen, warum dieses Kind "aussortiert" wurde, können sie gar nicht einschätzen, wann es sich lohnt, einen erneuten Anlauf in Richtung Talentförderung zu machen.


    Es ist sehr viel Zufall dabei! Denn die Talentscouts haben weder Zeit noch Lust, sich auf den Dorfplätzen umzuschauen.


    Leider gibt es auch die Fälle, in denen Eltern Fussball-Laien sind und das Talent ihres Kindes viel zu hoch einschätzen. Hierbei kann es passieren, dass sie es wie Sauerbier anbieten. Häufig verliert das Kind im Anschluß an die Phase, in der ihm immer wieder Hoffnung gemacht wird, ganz und gar die Lust zum Fussball.


    Weder der DFB noch die Verbände haben neutrale Beratungsstellen, wo sich Eltern über die Talentanlagen ihres Kindes, mögliche Erfolgsprognosen beraten lassen können. Hiermit könnte man das jährliche Gezerre um Talente, die woanders auch nicht besser gefördert werden können, deutlich reduzieren. Denn welcher Fussball-Laie kann schon zwischen Information und Vereinswerbung unterscheiden?