Wieviel "Taktik" verträgt eine U8

  • Seit Kurzem spielen wir den Ball beim Eckball kurz ab.


    ....
    Welche Variante haltet ihr für sinnvoller?

    Ich finde die Variante am sinnvollsten, die aus kindlicher Kreativität entsteht.
    Beispiel: Dein Eckballschütze sieht, dass der Gegner noch nicht sortiert ist während ein eigener Spieler Richtung erster Pfosten läuft. Deine Regel heißt aber, dass alle Ecken kurz ausgeführt werden. Was wird der Spieler machen? Oder Ihr habt aus einer kurzen eigenen Ecke einen Konter bekommen, weil der Gegner aufgepasst hat. Sollen Deine Spieler dann nicht selbständig daraus lernen?
    Ich habe kein Problem damit, einen Bauchladen voller Lösungsmöglichkeiten für unterschiedliche Spielsituationen zu haben, aus dem die Kinder dann eine auswählen.
    Ist in dem Bauchladen aber nur eine Möglichkeit, beraubst Du sie anderer -für sie erfolgversprechende- Optionen.
    Stell Dir mal vor, ein Spieler Deiner U8 findet heraus, dass es in oft klappt den Ball flach und hart vor´s Tor zu bringen. Irgendeiner wird schon angeschossen und drin ist er. Das ist dann sicherlich nicht die fußballerische Lösung, die wir Trainer uns wünschen, aber er hat dann eine -temporär- funktionierende Lösung gefunden. Kann die falsch sein?
    Ich stimme vollkommen zu, dass jede unter Spielbedingungen angewandte Technik ein taktisches Element beinhaltet - ich glaube aber nicht, dass man mit starren wenn-dann-Vorgaben taktisches Gefühl schult. Die Gründe und Hintergründe hat @Prof. Dr. Trainer oben gut beschrieben.


    Ich habe mir "Der weite Weg - Die Ausbildungskonzeption des DFB" (welches für viele ja in Stein gemeißelt ist) nochmals durchgelesen und da steht unter "Ziele mit F-Junioren" wortwörtlich folgendes:


    Vermitteln einfacher taktischer Tipps, die beim „Tore schießen – Tore verhindern” helfen!

    Leider hat der DFB uns bis heute nicht erzählt, was er damit meint und deshalb interpretiert das jeder auf seine Art.

  • Da setzte ich mal die Grätsche an. Einige haben es schon geschrieben. Ich möchte es mal untermauern.


    In meiner U9 war keiner dabei, der den Ball überhaupt nahe genug an den Straf bekommen hatte, geschweige denn hinein. Somit war der Frust hoch für den Spieler der am Standard stand und auch die Jungs im Strafraum haben "gemeckert". Somit habe ich im Training für ein paar Minuten die kurze Ausführung gezeigt. Anfangs haben Sie dieses Situation blind gespielt. Ohne es wirklich (so denke ich) zu verstehen.
    Seit ein paar Wochen, haben aber nun doch einige die Kraft dann Ball rein zu bringen und schlagen nun die Bälle rein. Aber auch die kurze Variante wird noch oftmals angelaufen. Nun kommen schon kleinere Kommandos wie "Ne da ist einer bei dir" usw . .

  • Wäre es vielleicht ein kleiner Anfang, wenn ihr eine Übung nicht mit dem Torabschluß beendet, sondern erst mit einer Spieleröffnung? Würde sie dadurch nicht sogar spielnah, weil doch die meisten Aktionen dank eures Keepers nicht mit dem Torerfolg des Gegners enden, sondern mit der eigenen Spieleröffnung? Könnte man die Mannschaftsentwicklung dadurch verbessern, in denen man sie nicht daran gewöhnt, nach einem gegnerischen Torabschluß abzuschalten, sondern sich sofort für die Spieleröffnung vorzubereiten?


    Was sind eure Ideen dazu, wieviel Taktik eine U 8 im tornahen Bereich verträgt?

    Gerade darüber hatte ich am Samstag mit einem Kollegen gesprochen. Er hat seine Spieler angwiesen beim Abstoß des Gegners nicht so hoch zu stehen, damit die Spieleröffnung im Spiel gelernt und ausprobiert werden kann. Beide haben sich darauf verständigt und kein Abstoß wurde nach vorne gebolzt. Darauf angesprochen meinte er das für ihn ein Angriff der eigenen Mannschaft prinzipiell vom TW ausgeht.


    Wir hatten das Thema auch im Trainerkurs. Ehrlich gesagt war mir diese Sichtweise und der Gedanke komplett neu bzw. habe ich mir davor keine Gedanken darüber gemacht. Im Praxisteil wurde auch immer wieder angesprochen, dass man in Rundlauf- bzw. Parcours-Übungen das Tor mit TW mitten in den Parcours bauen sollte und nicht ans Ende als Abschlusspunkt. Somit konnten die TWs den gefangenen Ball gleich weiterrollen etc., eine Art Spieleröffnung sozusagen.


    Gruß,
    sb

  • Sehr gute Argumente! Aus der Sichtweise - "ungenutzte Zeit" - habe ich das noch nicht betrachtet. Da werde ich mir sicherlich nochmal Gedanken zu machen. :thumbsup:


    Die Mannschaft, die einen Eckball hat, bekommt von mir die Aufgabe, sich etwas einfallen zu lassen. Zwei meiner Spieler, der eine Ausführender Schütze - der andere im Strafraum, versuchen es auch gerne hoch und versuchen sich schon am Kopfball. Das können sie auch gerne so machen. Nach zig erfolglos hoch reingespielten Bällen sage ich den Kids dann schon, dass sie es vielleicht mal flach versuchen sollten.



    Ich hatte mir gedacht, dass ich das Thema in der nächsten Saison wie folgt - als zusammenhängendes Themen-Paket - anpacke:


    1. Kopfball-Technik (im Stand - in der Bewegung - Spielform)


    wenn das sitzt...


    2. Erarbeiten und Aufzeigen von Ecken-Varianten
    - Vorteile (gute Chance ein Tor zu erzielen) und Nachteile (Kontergefahr) besprechen
    - mögliche Varianten (kurz, lang)
    - mögliche Abnahmen (Kopf, Fuß)
    - wann setze ich was ein (große Gegenspieler: Chance auf Kopfballtore? - oder lieber kurz?)


    Überspitzt formuliert:
    Ich als Trainer habe dann meine Arbeit im Vorfeld getan und bin raus aus der Sache. Dann gibt es für die Mannschaft einen, wie @Follkao meinte, Bauchladen voller Möglichkeiten und sie sollen sich im Spiel die richtigen Sachen raussuchen. Ich möchte als Trainer dann im Spiel keinen Stress mehr haben, den Jungs jede Ecke vorzugeben. Naja, ausser sie versemmeln jeden Eckball. Dann werde ich wohl doch mal einschreiten... ;):cursing:


    Das wollte ich im dann älteren E-Jahrgang nächste Saison anfangen und bis in die D-Jugend verfeinern...


    Gruß,
    sb

  • @soccerbook


    Die Variante des ausschließlich kurzen Abspiels durch den TW wird im unteren Jugendbereich schon sehr lange gemacht, weil man glaubt, die weite Abschlag-/Abstoßtechnik sei entweder Gebolze oder aber technisch noch nicht möglich. Im oberen Jugendbereich und Seniorenbereich wird der weite Abschlag dann als taktische Variante bei hochstehendem, unsortiertem Gegner wieder favorisiert. Ja, man sieht es selbst bei den Top-Profiteams!


    Führt ein "Nichtangriffspakt" beim TW-Abstoß oder Abschlag zum gewünschten Ziel einer spielnahen Situation oder ist es eine Notlösung, weil man glaubt nichts anderes ginge? Denn wird der Ball durch einen Abwehrspieler erobert, was häufiger passiert, als eine TW-Eroberung, so gibt es hierbei ausreichend Übungsmöglichkeiten, das Spiel aus dem eigenen Drittel heraus nach vorn zu tragen.


    Sollte man vielleicht die kurze, mittlere und weite Ausführung trainieren, damit der TW eine Wahl hat, um in der jeweiligen Situation eine gute Entscheidung zu treffen? Denn was ist, wenn der nächste gegnerische Trainer antwortet: "meine Spieler sind angewiesen, in jeder sich bietenden Situation den Ball zu erobern"?


    Kann man einem F-Jugend-Keeper z.B. die Technik des "Dreh-Weitstoßes" vermitteln, für die er lediglich einen Ball aufnehmen muß, um aus dieser Position sofort in die Spitze spielen zu können, wenn er dort die beste Anspielposition sieht?


    Noch vor ein paar Jahren hätte ich gesagt: das ist unmöglich! Aber ja, man kann es, aber es hängt stark vom Entwicklungsstand des Kindes ab! Eine weitere Voraussetzung sind besondere Fähigkeiten seines Trainers. So sollte er diese Technik präsentierfähig beherrschen. Ferner sollte man im Bewegungsablauf des Keepers erkennen können, wo Detailkorrekturen erforderlich sind. Ausprobieren kann man es am besten direkt vor dem Tor, damit der Ball bei den Versuchen erst mal im Tornetz landen. Dazu sollte der Keeper zunächst seine Handschuhe ausziehen. (Fingersafe-Handschuhe eignen sich auch hier nicht, weil die Fingerfläche unnatürlich gekrümmt ist und der Ball an der Fingerspitze zu weit nach oben und zu kurz gerät).
    Diese Übung kann man mit mehreren Kindern gleichzeitig machen. Man sollte jedoch darauf achten, dass alle ihren Ball gleichzeitig aus dem Netz holen, damit niemand getroffen wird.


    Auch der Abstoß besteht im wesentlichen aus Technik, nicht allein aus der Kraft. Dabei ist es zunächst einmal wichtig, auf die Position des Standbein im Momant des Ballkontakts zu achten, statt auf die Fußhaltung des Schußbeins. Denn ist das Standbein nicht nah genug und parralle am Ball, dann wird aus dem Abstoß nichts! Denn nur, wenn der Standfuss diese exakte Position findet, kann man durch leichte Körperverlangerung das Gleichgewicht so über den Ball bringen, als dass er bestmöglich (statt ausschließlich über den Fuß und den Unterschenkel) beschleunigt und im gewünschten Flugwinkel beschleunigt wird.


    Das TW-Training im unteren Jugendbereich steckt vielfach noch in den Kinderschuhen. Wenn man heraus finden will, was möglich ist, dann sollte man nach altersgerechten Übungsmöglichkeiten auch die Verbesserung von Trainerfähigkeiten als weitere Voraussetzung mit in Betracht ziehen. Im umliegenden Ausland gibt es sie. Dort trainerien teilweise TW-Trainer die komplette Defensive. In Deutschland haben wir Manuel Neuer und Co., weshalb man sich nicht weiter für den Nachwuchsbereich interessiert.


    Allerdings gibt es Hoffnungsschimmer!


    So finde ich TW-Übungen mit einem Torabschluß im Mittelteil prima! Denn hier gibts die Möglichkeit durch das "Nachlaufen" auf die nächste Position, das sich alle Teilnehmer der Trainngsgruppe auf allen Übungspositionen ausprobieren können. Man braucht dazu auch keine TW-Handschuhe. Es reicht, wenn man den Teilnehmern zeigt, dass sie die Fingerspitzen nicht zum Ball ausstrecken sollen, um sich vor Prellungen zu schützen und über die Fußspitze abkippen/abdrücken, um dank lang ausgestecktem Körper über Oberschenkel und Schulter den Ball vor dem Körper zu fangen, statt seitlich hoch zu springen, auf der Schulter zu landen und sich das Knie in den Bauch zu rammen.


    Das Rollen und Werfen ist selbstverständlich eine gute Option für die kurze Spieleröffnung. Allerdings sollte sie ohne und mit Gegnerdruck geübt werden, sonst muß man sich mit dem geg. Trainer über "Tabu-Zonen" unterhalten, weil die Alternativen fehlen. Damit auch der Torwart "einen Bauchladen an Möglichkeiten" bekommt, bedarf es vielseitiger, abwechselungsreicher Übungen in der Gruppe.


    Ein Einzeltraining braucht es erst dann, wenn der Heranwachsende sich für diese Position entschieden hat. Was Neuer und Co. später erst lernen mußten sind die Qualitäten als Feldspieler! Kaum ein Top-Torwart würde sich im Leistungsfussball für eine Feldspielerposition anbieten, um Profifussball gleich gar nicht! Man muß sich fragen, was da in der Ausbildung schief gelaufen ist?

  • Doch die Frage, die uns beschäftigt ist, würde es auch auf der Torwartposition ohne Trainereinfluß selbständig handeln und nach welchen Kritieren wird das Kind handeln?


    Man gelangt schließlich zur Frage, was das Motiv gewesen sein könnte, warum sich ein Kind für diese Position besonders interessiert? Könnte ein besonderer Anreiz in der TW-Postion in der "spektakulären" Hechtparade zu finden sein? Wenn ja, wäre es vielleicht blöd, dem Ball entgegen zu rennen? Würde man sich doch der Freude und des Lobs eines gehaltenen Balls selbst berauben?

    Was ist schon selbstständiges handeln? Ein Kind lernt doch in erster Linie, in dem es sich von jemand anderem etwas abschaut, es ausprobiert und durch Versuch und Irrtum, dann seine eigenen Erfahrungen sammelt. Das bedeutet für mich dass im "Straßenfußball", wo Kinder verschiedenen Alters spielen, die größeren TW ihren Kasten verlassen und die Kleineren das sehen, bzw. auch durch die Größeren dazu ermutigt werden. Ich glaube kaum, dass in 7-jähriges Kind, SELBST auf die Idee kommt das Tor zu verlassen. Schließlich gilt es doch eben dieses zu "beschützen".
    Das "Herauslaufen" des TWs ist einer dieser Fälle, wo Kinder "Hilfe" benötigen. Nicht in dem sie kommandiert werden, sondern in dem man ihnen die verschiedenen Möglichkeiten und ihre Auswirkungen zeigt. Habe ich bei meinen so gemacht. Einer (der, der jedes Spiel und so oft wie möglich im Tor spielen will) hat das dankend angenommen und nach ein paar "Fehlversuchen" funktioniert das prima. Er entscheidet ob und wann er aus dem Tor läuft und schätzt das eigentlich ziemlich oft recht gut ein.


    Natürlich wird der TW dann auch für das mutige Herauslaufen genauso gelobt, wie für die Hechtparade. Das ist ja m.M.n. mindestens genauso nervenaufreibend :P und pragmatisch betrachtet hat er ja sein Primärziel, nämlich das Tor des Gegners zu verhindern, so auch erfüllt.

    Die Ballabwehr und die Spieleröffnung nimmt es zunächst als unterschiedliche Aufgaben wahr. Man erkennt es daran, dass es sich zeit läßt und die Situation vor seinem Tor zunächst beobachtet. Ein großer Anreiz besteht darin, den Ball besonders weit zu schießen. Einerseits verschafft es sich dadurch eine kleine Pause, bis es für die nächste Aktion bereit ist und andererseits will es für diese Fähigkeit weiter zu schießen als Andere besonders gelobt werden. Denn die Feldspieler dürfen ja nicht aus der Hand ausschießen!

    Musste schmunzeln, als ich obigen Absatz las. Genau dieses Verhalten, hat schon unzählige Trainer in den Wahnsinn getrieben. Das ist einer der vielen Gründe warum ich den weiten Ausschuss meinen TW nicht verbieten will. Allerdings ist es sehr wohl eine Traineraufgabe das kontrollierte Herausspielen zu fordern und zu fördern.

    Ich gebe dir vollkommen recht, aber bei meinen fand da überhaupt kein kreativer Prozess statt. Der Ball wurde mal mehr, mal weniger weit vor das Tor gebolzt. Dadurch habe ich dann irgendwann die Notwendigkeit gesehen, regulierend einzugreifen. Eben weil ich so wenig Zeit wie möglich für das Einüben von Standards opfern möchte, haben wir es bisher bei dieser einen Variante belassen. Wären die Kids mit dieser Variante nicht einverstanden, oder hätten sie bessere/andere Ideen, hätten sie mich das sicher schon spüren lassen.
    Im Laufe der Zeit möchte ich auf jeden Fall mehrere Varianten spielen lassen, die gemeinsam mit den Kids ausgearbeitet wurden. Das würde aber momentan zu weit gehen.
    Im Grunde ist das ja auch nicht wirklich eine Eckballvariante, sondern ein eindribbeln in das Feld. Statt einem gehen halt zwei Kids zum Eckball.

    Gerade darüber hatte ich am Samstag mit einem Kollegen gesprochen. Er hat seine Spieler angwiesen beim Abstoß des Gegners nicht so hoch zu stehen, damit die Spieleröffnung im Spiel gelernt und ausprobiert werden kann. Beide haben sich darauf verständigt und kein Abstoß wurde nach vorne gebolzt. Darauf angesprochen meinte er das für ihn ein Angriff der eigenen Mannschaft prinzipiell vom TW ausgeht.

    Habe ich am Anfang auch so praktiziert. Mittlerweile sind meine Spieler aber in der Lage, dieses Problem im Großen und Ganzen spielerisch zu lösen. Notfalls durch einen Abschlag über die gegnerischen Spieler hinweg.

    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)


  • soccerbook schrieb:


    Sehr gute Argumente! Aus der Sichtweise - "ungenutzte Zeit" - habe ich das noch nicht betrachtet. Da werde ich mir sicherlich nochmal Gedanken zu machen.
    [/quote]
    Ich bin überzeugt davon, dass "ungenutzte Zeit", die Stellschraube ist, die einen riesen Unterschied macht. Aus diesem Grund habe ich auch zum Beispiel während des Spiels, egal ob Auswärts oder Daheim, ein paar Bälle direkt neben mir liegen. Anstatt den TW jedes mal den Ball holen zu lassen, spiele ich ihm sofort einen meiner Bälle zu und lasse den anderen Ball von einem Wechselspieler holen. Habe mir mal den Spaß gemacht und mitgestoppt. Ein Viertel der Spielzeit geht mit Ball holen verloren.

    soccerbook schrieb:


    Ich als Trainer habe dann meine Arbeit im Vorfeld getan und bin raus aus der Sache. Dann gibt es für die Mannschaft einen, wie @Follkao meinte, Bauchladen voller Möglichkeiten und sie sollen sich im Spiel die richtigen Sachen raussuchen. Ich möchte als Trainer dann im Spiel keinen Stress mehr haben, den Jungs jede Ecke vorzugeben. Naja, ausser sie versemmeln jeden Eckball. Dann werde ich wohl doch mal einschreiten...
    [/quote]
    Sehe ich auch so. Ich bin mittlerweile der Meinung, dass ein Trainer während des Spiels nur sehr wenig Einfluss auf das Spiel und seine Spieler hat. Hektisches Einteilen, wer jetzt welche Aktion durchführen soll, hat während des Spiels nichts verloren und würde mehr schaden als helfen.

    TW-Trainer schrieb:


    Die Variante des ausschließlich kurzen Abspiels durch den TW wird im unteren Jugendbereich schon sehr lange gemacht, weil man glaubt, die weite Abschlag-/Abstoßtechnik sei entweder Gebolze oder aber technisch noch nicht möglich. Im oberen Jugendbereich und Seniorenbereich wird der weite Abschlag dann als taktische Variante bei hochstehendem, unsortiertem Gegner wieder favorisiert. Ja, man sieht es selbst bei den Top-Profiteams!
    Führt ein "Nichtangriffspakt" beim TW-Abstoß oder Abschlag zum gewünschten Ziel einer spielnahen Situation oder ist es eine Notlösung, weil man glaubt nichts anderes ginge? Denn wird der Ball durch einen Abwehrspieler erobert, was häufiger passiert, als eine TW-Eroberung, so gibt es hierbei ausreichend Übungsmöglichkeiten, das Spiel aus dem eigenen Drittel heraus nach vorn zu tragen.
    Sollte man vielleicht die kurze, mittlere und weite Ausführung trainieren, damit der TW eine Wahl hat, um in der jeweiligen Situation eine gute Entscheidung zu treffen? Denn was ist, wenn der nächste gegnerische Trainer antwortet: "meine Spieler sind angewiesen, in jeder sich bietenden Situation den Ball zu erobern"?

    [/quote]
    Meine TW versuchen so schnell wie möglich, dass Spiel wieder aufzunehmen (umso schneller der Ball ins Spiel gebracht wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner die Mitspieler noch nicht zugestellt hat) und einen der Mitspieler den Ball kurz zuzurollen. Bietet sich diese Möglichkeit nicht, hat er entweder die Möglichkeit den Ball über den zugestellten Verteidiger und somit auch seinem Gegenspieler zu werfen, oder per Abschlag weit nach vorne zu schießen. Welche Variante er wählt, bleibt ihm überlassen. Lediglich wenn er wieder in den "ich schieße automatisch jeden Ball aus" Modus verfällt wird er von mir daran erinnert, dass wir eigentlich rausspielen wollen.

    TW-Trainer schrieb:


    Das Rollen und Werfen ist selbstverständlich eine gute Option für die kurze Spieleröffnung. Allerdings sollte sie ohne und mit Gegnerdruck geübt werden, sonst muß man sich mit dem geg. Trainer über "Tabu-Zonen" unterhalten, weil die Alternativen fehlen. Damit auch der Torwart "einen Bauchladen an Möglichkeiten" bekommt, bedarf es vielseitiger, abwechselungsreicher Übungen in der Gruppe.
    [/quote]
    Ich habe das hinten raus spielen eigentlich lediglich im "Abschlussspiel" beim Training und natürlich beim Spiel am WE geübt. Zuerst auch mit Tabuzonen und dann ohne. Wie würde so eine Übung bei dir aussehen?

    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)

  • @Strznievski


    Die schnelle Spieleröffnung ist eine besonders wichtige Option für die TW-Tatik. Aber auch die Mitspieler müssen ein Verständnis dafür entwickeln, damit die schnelle auch eine gute Spieleröffnung wird. Je kürzer die Distanz, je präziser kann der Ball zum Mitspieler (in offener Position) gespielt werden. Steht der Gegner hoch, kann auch mal die weite Variante probiert werden. Aber hat der TW keine Idee, so bleibt der weitere Verlauf des Spielaufbaus dem Zufall überlassen. Meist ist der Ball schon beim 3. Paß beim Gegner, weil die fehlerhafte Spieleröffnung sich fortgesetzt hat.


    Es genügt nicht allein, dass der TW weiß, dass Latte und Pfosten mit zum Tor gehören und diese Bälle von ihm ebenso atttackiert werden müssen. Weil die schnellste Spieleröffnung kaum vom ruhenden Ball möglich ist, sollte ein TW wissen, dass auch ein sicher zu fangender Ball, der neben das Tor gehen würde, eine gute Option für eine schnelle Spieleröffnung wird. Denn Ball absichtlich ins Aus gehen zu lassen kann hingegen eine Option sein, wenn das eigene Team Zeit zum Durchschnaufen braucht. Das sollte hoffentlich selten der Fall sein.


    Statt einer Übungsbeschreibung komme möchte ich noch auf eine recht häufig beobachtete Variante der "Auftaktbewegung" eines Abwehrspielers, der sich dadurch Raum gegenüber dem Gegenspieler verschaffen will, kommen. Sie entstammt dem gegnerorientierten Spiel, weil hier ein Spieler einen Gegenspieler ohne Ball folgt. Im ballorientierten Spiel würde dieser Angreifer lediglich seine Position ein wenig seitlich anpassen, um so den Pass zum Abwehrspieler abfangen zu können. Besser ist es also, wenn der Abwehrspieler seine Position seitlich verschiebt, um so einen Passweg und Anspielstation zu schaffen.


    Wichtig für den Spielaufbau ist jedoch nicht allein die Distanz und der sichere Passweg, sondern auch der nächste Spielzug. Dieser ist am besten aus einer "offenen Position" heraus möglich. Denn steht man mit dem Rücken zum Gegner beim Paß, so kann der Gegner direkt ins Offensivpressing gehen, bei dem u.a. der zentrale Abwehrspieler zum Pressingopfer wird, weshalb seine Passwege zugestellt werden können. Er kann also nur noch zum TW zurück spielen. Ist dabei der Balldruck zu groß, droht ein Selbsttor. Ist er zu gering, kann ihn der Gegner ablaufen. Ist er zu unpräzise geschlagen, droht eine Ecke. Verspringt er dem TW, so landet er ggf. beim Gegner. Bei einer "offenen Position" an den Aussenbahnen sieht der Passnehmer gleichzeitig Ball, ballnahe Mitspieler und Gegner. Er kann also bereits vor dem Ballkontakt entscheiden, was er machen möchte. Aber selbst, wenn die Absicht scheitert, befinden sich noch genügend zentrale Mitspieler hinter dem Ball, sodass daraus nur selten eine unmittelbare Torgefahr droht.


    Wer also Übungen für sein Training machen möchte, der sollte zunächst einmal für sich überlegen, was ihm wichtig erscheint und was nur dann von Bedeutung für sein Team ist, wenn die elementaren Dinge bereits gut funktionieren. Der "abkappende" Mittelfeldspieler wäre so ein Beispiel, wenn man kurzfristig ein Überzahlspiel für den Spielaufbau haben möchte.


    Aber zuerst einfach anfangen und dann je nach Lernfortschritte steigern. Einfach heißt zunächst einmal den Abwehr- und Mittelfeldspielern ihre Ausgangspositionen für einen schnellen Spielaufbau zu erklären. Dann kommen die Abspieloptionen. (Denn wer Meter macht, statt zügig nach vorn zu passen, der gibt dem Gegner damit zeit, sich zu sortieren. Wer den langen und zumeist unpräzisen Pass wählt, der muß sich nicht wundern, dass der Ball schon in Sekundenschnelle wieder vor dem eigenen Tor ist. Denn so schnell kann die eigene Defensive gar nicht nachrücken!)


    Spielaufbau unter Gegnerdruck ist kein Thema für eine Trainingseinheit, sondern ein Thema, was sich in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden durch den gesamten Ausbildungsbereich zieht. Der TW sollte hierfür die Techniken und jeweiligen Taktiken spielnah üben. Im TW-Training kann man Mitspieler und Gegenspieler mit Hütchen, Stangen simulieren, um zunächst die Techniken zu trainieren. Später sollte die Trainingsgruppe typische Szenen dynamisch trainieren.

  • Die schnelle Spieleröffnung ist eine besonders wichtige Option für die TW-Tatik. Aber auch die Mitspieler müssen ein Verständnis dafür entwickeln, damit die schnelle auch eine gute Spieleröffnung wird.

    Natürlich, ohne Mitspieler funktioniert das nicht. Letztens bin ich fast vor Freude aus den Latschen gekippt, als der Spieler, der den Ball vom TW annahm, nach einer missglückten Finte gegen drei Gegenspieler kehrt gemacht hat und der TW den Ball mit dem Fuß (ohne ihn in die Hand zu nehmen) nach einer kurzen Mitnahme auf die andere Seite gepasst hat, welche komplett frei war.

    Meist ist der Ball schon beim 3. Paß beim Gegner, weil die fehlerhafte Spieleröffnung sich fortgesetzt hat.

    Ich spreche hier nach wie vor von U8. Ich kenne nur sehr wenige Mannschaften, die gezielt über mehr als drei Stationen kombinieren können.

    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)

  • Ich spreche hier nach wie vor von U8. Ich kenne nur sehr wenige Mannschaften, die gezielt über mehr als drei Stationen kombinieren können.

    Ich kenne auch wenige ältere Mannschaften, die das können :D ! Aber probieren tun sie es schon, weil sie sich verbessern wollen :) .


    Ich sehe den unteren Jugendfussball als "Sandkasten für Kinder-Fussballspiele". Sie sollen sich ohne Perfektionismus-Anspruch ausprobieren dürfen. 1000-Wiederholungen gibt es nicht, sondern immer nur so viele, wie es die Kinder wünschen. Der Trainer benötigt das Fingerspitzengefühl für Konzentrations(Lern) und Regenerationsphasen. Mit dem Verstehen kommt immer der Wunsch nach etwas Neuem. Hier braucht es immer die Reize, die der Trainer im Form von Impulsen gibt.


    Unsere Übungen und Spielformen sollten deshalb den heutigen und besonders den zukünftigen Anforderungen entsprechen? Dazu brauchen wir als Referenz immer auch den Fussball aus der Vergangenheit als Maß des Fortschritts in der Entwicklung.



    Hab mich jetzt sicher ein bißchen weit aus dem Fenster gelegt? Aber auch dafür ist ja ein Forum da!