Spielaufbau F- Jugend Fair Play Liga

  • In der Fair- Play Liga unserer F -Jugend ist Abschlag aus der Hand ja grundsätzlich verboten. ( egal ob TW den Ball aus dem Spiel heraus annimmt oder bei Toraus )
    Abwerfen und Abschläge vom Boden sind erlaubt. Darf der TW den Ball auf den Boden prallen lassen und dann abschlagen ? eher nicht oder ?
    Gibt es für die F - Jugend schon sinnvolle Übungen die den Spielaufbau von hinten heraus trainieren ? Auch wenn ich meinen Spielern erkläre, dass sie sich hinten immer außen anbieten sollen und ihnen Bilder dazu ( wo sie stehen müssen ) zeige, bieten sie sich nur manchmal hinten an, und unser TW braucht immer eine Menge Zeit um herauszuspielen ..
    Kennt ihr Übungen oder habt Ihr sonstige Tipps ?
    lg Patrick

  • Gut gemeint, aber voll daneben die Regel.


    Da fände ich es besser, wenn man sagen würde...."Erster Ball ist frei" oder so ähnlich...wie früher auf der Wiese.


    Die Regel ist für mich daneben, weil sie unwissende (und davon gibts ne Menge)...dazu animieren wird


    -taktische Dinge zu tun, die


    in der F noch nichts zu suchen haben


    und


    von F-Lingen nicht zu absolvieren sind.


    Das wird -so man sie zwingt- sehr statisch aussehen (Ausnahmen bestätigen die Regel)


    und


    dort wo das dann nicht klappt, den ein oder anderen Trainer und Elternteil zum lauten Schimpfen und Mosern animieren, was wiederum zur Verhinderung von Spielintelligenz beitragen wird.


    Rein taktisch würde ich ab Ende E Jugend dazu tendieren, dass jeweils ein Spieler bis notfalls zur Eckfahne rechts und links des eigenen Tores geht, um für den TW anspielbar zu sein (das wäre ein Spieleröffnung, die viele bis in die A nichtmal kennen!).


    Geht der "dumme" Gegner mit, um den Mann zu decken, hat der TW den Spieler z.B. an der Mittellinie als Anspielpartner, welcher wiederum mehr Platz hätte, da die Gegenspieler sich ja auf das dumme decken der Eckfahnenspieler konzentrierten :) . Wie gesagt...für eine F zu früh!!!


    Mein Tipp wäre, das Problem/deine Beobachtung via Mail an die Verantwortlichen zu schicken, damit sie die Möglichkeit auf Änderung haben. Eigene Turniere könntest du so ausschreiben, dass die Regel ebend nicht existiert.


    Ich rate dazu, es ohne Regel zu erledigen und zwar mit einem vom Gewicht und Größe her passenden Futsalball, der vor der Mittellinie einmal berührt werden muß. Dann wäre alles offen und der Ball verspringt nicht so und hat in der Halle eine ganz andere/eine machbare händelbare Geschwindigkeit....die auch "Anwürfe" über den "feindlichen" Köpfe hinweg zu einigermaßenen Ballannahmen führen würden...so meine Erfahrung.

  • @paterminator


    Also, davon habe ich noch nichts gehört und ich halte es auch für Unsinn, einen Abschlag nicht zu erlauben!
    Denn hier braucht der Gegner ja nur darauf zu warten, bis der Keeper den Ball fallen läßt (weil er ja keinen Abschlag machen darf), um den Ball ins leere Tor zu schießen.


    So, nun aber noch mal ein paar einfache Begriffserläuterungen:


    1. Abstoß = mit dem Fuss
    2. Abschlag = aus der Hand
    2.1. Zu den Abschlagtechniken zählt der "Dropkick". Dabei wird der Ball kurz nach dem Aufprall auf den Boden ins Spiel gebracht. Diese Technik wurde bis in die 70-er Jahre sogar im Profifussball gezeigt. Die Technik hat den Vorteil, dass der Ball stets genügend Höhe hat. Heute sieht man vornehmlich den "Dreh-Seit-Stoß".


    Für die F-Jugend-Keeper empfielt sich aufgrund der Körperlänge der ein- oder beidhändig ausgeführte Abschlag. Das Timing für den Dropkick sowie der Bewegungsablauf für den Drehseitstoß wären hier noch zu komplex.


    3. Spieleröffnungen
    3.1. Flach: Abstoß/Ball rollen:
    Einfachhe Spieleröffnungen lassen sich gestalten, wenn die Außenverteidiger tief und weit nach außen in eine "offene Position" befinden. Nach dem Ballkontakt sollte der Angriff über die Außenbahn (Dribbling oder Paß) vorgetragen werden. Wenn der Ball mindestens 1 x über die Außenbahn vorgetragen wird, ergeben sich meist gute Chancen im Zentrum.


    3.2. Hoch: Abwurf/Abschlag:
    Diese Techniken erlauben die Überwindung einer etwas weiteren Distanz. Es geht jedoch hierbei weniger darum, den Ball möglichst weit in die gegnerische Hälfte zu befördern, sondern vielmehr um einfachste taktische Mittel einer Spieleröffnung. Deshalb ist es wichtig, dass diese Bälle in Richtung Außenbahn, jedoch in der Länge flexibler ihr Ziel finden. Hierbei eröffnet ein Fehlversuch auch nicht gleich eine Torchance für den Gegner, weil zentrale Abwehrspieler die Situation bereinigen können.


    3.3. Auftaktbewegung?
    Hierbei handelt es sich um eine "Lauffinte" eines Abwehrspielers (meist AV) ohne Ballbesitz. Der Gegner soll durch den Antritt dazu bewegt werden, mitzulaufen. Weil jedoch nicht der Gegenspieler (ohne Ball), sondern der Ball das Hauptinteresse beim Fussball sein sollte, wird ein kluger Trainer seinen Offensivspieler sagen, dass er das "nervöse Gezappel" der gegnerischen Abwehrspieler ignorieren soll, um den Raum, in der der Ball gepaßt werden kann, zu besetzen. Statt seinen Spielern diese "Auftaktbewegung" beizubringen, die man ihnen später wieder abgewöhnen muß, weil dies dann ohnehin keiner mehr macht, sollte man seinen Abwehrspieler beibringen, sich seitlich freizulaufen und für einen Paß anzubieten.


    Den "ersten Ball freizugeben" halte ich für nicht so gut, weil hier ebenfalls eine Situation eingeübt wird, die nicht spielnah ist. Es geht darum den Kindern im Wettkampf viele Paß- und Zweikampf-Situationen auf allen Räumen des Spielfelds zu ermöglichen.


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    Der Faktor Zeit:
    Immer wieder hören wir in diesem Zusammenhang etwas von "Handlungsschnelligkeit" als wichtigstes Ausbildungsziel. In der F-Jugend kann dies jedoch in vielen Situationen dazu führen, dass der Spieler etwas macht, nur um etwas schnell auszuführen. Würde er etwas ruhiger spielen, so können sich günstigere Spielsituaitonen ergeben. @Sir Alex hat dies im Zusammenhang zwischen dem Dribbler und dem Wegspieler ganz gut erläutert. Wenn man z.B. dem TW erklärt: egal was du machst, Hauptsache du machst es schnell, dann wird das Ergebnis immer ein Zufallsergebnis sein. Dh. die Effektivität und der Lerneffekt wird auf der Strecke bleiben. Weil auch dem F-Jugend-TW die Erfahrungen fehlen, wird er möglicherweise aus der Situation erkennen, die erfolgreich war, wie er es beim nächsten Versuch genauso erfolgreich anstellen soll. D.h. bei der Wiederholung im braucht er weniger Zeit, weil sein Kurzzeitgedächnis sehr viel besser funktioniert als bei uns Erwachsenen.


    Fazit: Handlungsschnelligkeit korreliert immer mit der Effektivität. Nur schnell zu handeln ohne ein Ziel ist ein Reflex. Eine richtige Lösung zu finden braucht Zeit, damit sich der Handlungsweg im Gedächnis abspeichern läßt. Erst danach löst sich der Lösungsweg (gedanklich) verkürzen, wodurch eine Erhöhung der Handlungschnelligkeit stattfindet. Wichtige Voraussetzungen sind jedoch die dafür notwendige Technik und die physische wie psychische Regenerationsfähigkeit.


    In der F-Jugend braucht es kein TW-Training. Man kann man mit der gesamten Mannschaft TW-Übungen in die Trainingseinheit integrieren. Falls Interesse daran besteht, gern auch per PN!

  • sehe das ähnlich wie ihr, und habe abschläge auch durchgehen lassen und auch bei anderen Mannschaften gesehen, dass diese so spielen. Allerdings kamen manchmal schiefe blicke oder Kommentare von den anderen Trainern, beim letzten Spiel sprach mich ein Trainer an, dass dies eben verboten sei. Naja die Saison draussen ist fast rum, ich werde es jetzt einfach so weiter laufen lassen da nächste Woche eh die letzten spiele sind.
    TW -Übungen könnte ich immer gut gebrauchen :)

  • paterminator : trainiere selbst eine F-Jugend, jüngerer Jahrgang. Bei uns ist der Abschlag über die Mittellinie verboten. Diese Regel kennt aber auch wieder keine Sauvund ich weise vor jedem Spiel darauf hin. Wir spielen viel gegen den älteren Jahrgang und da ist der lange Abschlag die einzig 'wahre' Spieleröffnung.


    Sei froh, wenn Abschläge verboten sind. Es ist die einzige Vorgabe die ich meinen Jungs mit auf den Weg gebe:


    1. Torwart legt sich den Ball vor die Füße und spielt nach links oder rechts flach zu den Verteidigern. Dies führte am Anfang zu reichlich Gegentoren, mitlerweile klappt das gut. Bei der Rotation der Torhüter spielt der ein oder andere dann auch schon mal durch die Mitte wenn die Außen zugedeckt werden.


    Lange Abschläge und/oder wildes nach vorne pöhlen sind bei uns nicht erlaubt/verpönt. Das schult frühzeitig den flachen Spielaufbau, Köpfchen heben und für die Verteidiger/Mitspieler das 'Freilaufen'.


    Vielleicht hilft das.

  • Zitat

    - Ball ins Spieldurch Torspielernach Toraus: Abstoß vom Boden oder Abwurf, kein Abschlag aus der Hand, bei Abstoß vomBoden muss Gegner 5 m Abstand halten
    - Abspiel durchTorspieler nachBallkontrolle imSpiel: Wie bei „Ball ins Spiel durch Torspieler nach Toraus“, also nur Abspiel vomBoden oder Abwurf aus der Hand (kein Abschlag aus der Hand!)

    So ist die Regel bei uns. Es heißt ausdrücklich "vom Boden", also Ball prallen und dann aus der Luft/per Dropkick abschlagen ist ebenfalls nicht erlaubt. F-Junioren_Richtlinien
    Der erste Ball ist zwar nicht frei, aber der TW darf auch nach der Ballkontrolle aus dem Spiel heraus nicht angegriffen werden, wenn er sich den Ball auf den Boden legt.


    Seit dieser Saison gilt die gleiche Regel bei uns übrigens auch für die E-Junioren.

  • Bei uns gibt es diese Regel nicht und ich spiele mit meinen 2008ern seit bald 1,5 Jahren jeden Ball von hinten flach heraus.
    Gerade zu Beginn haben wir unheimlich viele Gegentore durch Fehlpässe und Ballverluste bekommen. Mindestens die Hälfte aller Tore entstanden so.


    Vorne haben wir aber ausreichend Tore geschossen. Nachdem wir das nun schon sehr lange machen können die Kinder diese Situation (egal welcher Spieler im Tor steht) entsprechend lösen.


    Damit widerspreche ich Andre massiv das F-Jugendliche das nicht können. Meine Mannschaft ist dabei keine Ausnahme, sondern eher die Regel - viele Teams bei uns spielen flach von hinten raus. Natürlich passieren da auch heute noch Fehler, aber die nehme ich zugunsten von "Fußball spielen" gerne in Kauf.


    Die Spielintelligenz und das 1vs1 werden so spielerisch maximal geschult, da sie nicht einen langen Ball der schwerer zu kontrollieren ist annehmen müssen, sondern den Ball kontrolliert am Fuß haben und ins Dribbling gehen können oder einen Pass zum Mitspieler spielen.


    Es gibt dabei zwei Grundsätze die jedes Kind schnell versteht und das sind die einzigen beiden "Coachingwörter" im taktischen Bereich die ich nutze.


    - "Eng" bei gegnerischem Ballbeseitz
    - "Breit" bei eigenem Ballbesitz


    Grüße
    Björn