Spieler hyperventilieren

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  • Hallo Trainerkollegen,
    heute brauche ich mal einen Rat von euch. Ich trainiere seid zwei Jahren eine F Junioren Mannschaft, derzeit als U9. Zum Beginn dieser Saison bekam ich einen Neuzugang, der sehr schnell integriert werden konnte. Genauso bekam ich aktuell noch jemand dazu. Beide Kinder haben sich sehr schnell als gute und athletische Spieler heraus gestellt. Ebenso sind auch beide bei jedem Spiel und jedem Training mit Spaß und Ehrgeiz dabei.


    Nun habe ich das Problem, daß sich beide in den Spielen mental so reinsteigern das sie hyperventilieren wenn sie vom Spielfeld kommen. Im bzw. beim Spiel ist alles in Ordnung, aber sofort wenn sie vom Spielfeld kommen geht es los. Gut geholfen hat bisher immer sie zu beruhigen und danach weiter im Auge zu behalten.
    leider wird es bei beiden aktuell nicht besser, sondern eher schlimmer. Ich habe mittlerweile schon arge bedenken die beiden einzusetzen, möchte Ihnen aber auch nicht sagen müssen das sie deshalb nicht spielen können. Die Situation ist für beide sowieso schon eine Belastung. Aus medizinischer Sicht wurde dies auf mein drängen hin von den Eltern beim Kinderarzt untersucht und festgestellt das es sich wirklich um hyperventilieren handelt und nicht um eine Lungenerkrankung.


    Wie würdet ihr euch verhalten?

  • Der Arzt hat geraten weiter zu machen. Irgendwann wächst sich das wohl raus, wenn die Jungs alt genug sind und gelernt haben mit dem "Druck" eines Spiels umzugehen. Ich selbst arbeite mit den Kindern ohne Leistungsdruck und verfolge die Prinzipien des Kinderfussballs penibel genau. Leider sehen die Eltern das wesentlich entspannter als ich. Es ist schon heftig wenn ein acht jähriger mit Luftnot vor einem steht und du schiss hast das er dir jeden Moment umkippt. Gestern kam dann beim Ligaspiel erstmalig der zweite mit den selben Symptomen hinzu. So langsam bin ich da am Ende mit meinem Latein.

  • Wie empfinden das denn die Kinder? Wenn das für die nicht so unerträglich ist wie für dich, dann wäre es ja vielleicht wirklich die Möglichkeit, davon auszugehen, dass sich das irgendwann einfach gibt. Insbesondere wenn das (vernünftigerweise) schon ärztlich untersucht wurde.

  • Dass Kids hyperventilieren gibts. Dass solche Kids aber einfach umkippen ist mir persönlich nicht bekannt, resp. konnte ich das noch nie beobachten.
    Ich persönlich würde mit dem Kind klären ob es grundsätzlich richtig atmet (meistens atmen diese Kandidaten grundsätzlich nicht in den Bauch sondern immer nur oben und flach). Bewusste Atemübungen (Yoga) - am besten als regelmässiges Ueben zu Hause mit den Eltern - könnten da eventuell helfen.
    Was sicher auch hilft, ist, die Sache konkret anzusprechen und das Kind dann anzuhalten, speziell auf das Atmen zu achten, resp. es sich zum Ziel zu machen mal eine Halbzeit auch ohne Hyperventilieren durchstehen zu können und sich dafür halt etwas zurückzunehmen (was in der F immer gehen sollte, wenn das Kind mal begriffen hat, dass es nicht darum geht, dass alle immer nur dem Ball hinterherrennen).
    Ein Kind rauszunehmen weil es hyperventiliert halte ich persönlich für falsch, nimmt man ihm damit die Chance selber aktiv am "Problem" zu arbeiten.
    Natürlich sollte man die Eltern diesbezüglich ansprechen. Denn allein sie tragen die Verantwortung das Kind gegebenenfalls auf Herz(-rhytmus)Fehler, Asthma, Heuschnupfen oder andere Atembeschwerden Ursachen abzuklären. In den Vereinsstatuten sollte dementsprechend auch vermerkt sein, dass der Verein, ohne explizite Benachrichtigung, davon ausgehen kann, dass das Kind gesund ist und gewissen Anstrengung gewachsen ist.


    Was mich etwas stutzig macht ist der Satz:

    Beide Kinder haben sich sehr schnell als gute und athletische Spieler heraus gestellt.


    "Athletische" Spieler in der U9 ? Kann es sein, dass bezüglich "Athletik" da ev. schon zu früh zu viel gefordert wird ?

  • Der Arzt wird den Eltern sicher auch mitgeteilt haben, was Sie im Notfall unternehmen sollen. (Z.B. in eine Tüte atmen..... ). Ich würde mir ein ärztliches Attest von den Eltern vorlegen lassen, dass die Kinder trotz des Problems weiter Fußball spielen können. Wäre nur zu meiner Absicherung. Weiterhin würde ich verlangen, dass die Eltern anwesend bleiben.


  • "Athletische" Spieler in der U9 ? Kann es sein, dass bezüglich "Athletik" da ev. schon zu früh zu viel gefordert wird ?

    Ich würde davon ausgehen, dass das nur eine Formulierung für "die Kinder können für ihr Alter einigermaßen schnell und ausdauernd laufen" ist; aber das kann der Themenersteller ja auch nochmal beantworten.

  • Wenige Atemzüge in eine Kunststofftüte sollten helfen...

  • Dank an euch für die Antworten.
    Die Definition "athletischer Spieler" wurde schon richtig gedeutet, sofern man dies in dem alter schon beurteilen kann. Beide sind schnelle und koordinativ gute Läufer die gerne im Spiel das ganze Feld nutzen. Genauso geben beide von selbst begeistert nicht 100 sondern 120 Prozent und sind nicht zu bremsen. In Trainingsspielen bei fast der selben Intensität kommt dies nicht vor, sondern nur bei Ligaspielen und Turnieren.
    Sofort nach dem verlassen des Spielfeldes kommen sie direkt zu mir und ich atme mit ihnen zusammen in den Bauch bis sie sich beruhigt haben. Dies wird aber leider immer schwerer, da die schwere der Anfälle zunimmt.
    Man merkt deutlich das die Jungs dies selbst arg belastet, da kullert hinterher schon mal die ein oder andere Träne, wo sie mir echt leid tun. Die berühmte Tüte habe ich bei jedem Spiel immer am Mann.

  • Stauchdieb, geh doch mal mit den Kids schwimmen und lass die Eltern der "Härtfällen" häufiger mit den beiden schwimmen gehen.
    Beim Schwimmen fängt man an ,bewusst zu atmen und trainiert auch so unter Leistung "richtig" zu atmen. Natürlich musst du gucken ob die Kids schwimmen können oder nicht... aber vielleicht kannst ja mal in der Schwimmhalle ein paar Schwimmstunden aus der Mannschaftskasse buchen. Koordinativ gibt es meiner Meinung nach nichts besseres,da die Beine komplett andere Bewegungen ausführen müssen als die Arme und paralell nach vorne geguckt werden muss.


    FB stimme ich in allem zu. Neben schwimmen kannst ja auch mal soetwas wie Yoga machen ( vielleicht Yoga im Winter, und Schwimmen im Sommer?)
    Desweiteren würde ich die Kids auch nicht rausnehmen sondern an dem Problem arbeiten lassen.
    Beruhigen hilft natürlich immer.. :)


    Cokefreak

  • geh doch mal mit den Kids schwimmen


    Dem kann ich nur zustimmen. Mit Schwimmen ist dann natürlich "richtiges" Schwimmen gemeint, so mit dem Kopf unter Wasser. Beim Schwimmen liegt die Konzentration viel stärker auf der Atmung, so dass sie wohl früher ihre Leistung runterfahren um sich dem Atem-Rhythmus anzupassen. Ausserdem atmen Kids im Wasser automatisch "tiefer".

    Noch ein weiterer Punkt: Oft ist nicht das EIN-Atmen das Problem, sondern das AUSatmen, resp. haben sie viel zu viel und zu lange bereits verbrauchte Luft in den Lungen.
    Wenn die Kids nur ab und an mal dazu angehalten werden, ihre Lungen KOMPLETT zu leeren bis nichts mehr geht, dann die Luft 2 Sekunden anzuhalten und ersten DANN wieder tief einzuatment, kann man schon eine ganze Menge richtig machen.


    Letzter Punkt: Achte mal auf ihre Schultern. Wenn sie oft nach oben gezogen werden oder sogar ganz oben bleiben, ist das oft ein Indiz dafür, dass sie schlecht ausatmen.

  • Noch ein weiterer Punkt: Oft ist nicht das EIN-Atmen das Problem, sondern das AUSatmen, resp. haben sie viel zu viel und zu lange bereits verbrauchte Luft in den Lungen.


    :thumbup: Genau-dies ist auch das Problem bei Asthmatikern. Die Luft kann einfach nicht komplett raus.
    Ich selber leide an Asthma - gerade in Clubs o.ä, bekomme ich Anfälle. Falls ich das Spray vergessen habe, gehe ich kurz raus, schließe die Augen und konzentriere mich rein auf die Atmung... nach 5 Minuten geht es mir dann schon wesentlich besser! Ist bestimmt ein Teil der Meditation/ Yoga,was ich selber Entdeckt habe.
    Seit dem ich den Rettungsschein im Schwimmen gemacht habe, bekomme ich beim Sport ,also unter Leistung,auch keine Seitenstiche o.ä. mehr


    .. würde mich mal interessieren ob du das mit deinen Kids machst,und ob du nach einiger Zeit Erfolge siehst :)

  • Vielen Dank für eure Ideen und Ratschläge.
    Das mit dem schwimmen ist mir noch gar nicht selbst eingefallen. Klar ist logisch, hierbei muss man seine Atmung kontrollieren und bewusst atmen. Das kann sicher gut helfen damit umzugehen und passt gut, gerade jetzt wo die Badesaison naht.
    Ich habe mir dank eurer Tips überlegt, in dieser Woche nach dem Training mit den Kids und den Eltern zusammen bewusst Atemübungen zu machen bzw aufzuzeigen. Hierbei dann besonders wert auf bewusstes in den Bauch und tiefes ausatmen legen. Damit wollte ich die Kids und Eltern als kleine Hausaufgabe in die Ferien mitgeben, das jeden Abend fünf bis zehn Minuten gemeinsam zu üben. Ich hoffe das hilft, sicher nicht schnell aber langfristig den Kids damit umzugehen. Mein oberstes Ziel ist es den beiden zu helfen, da ich befürchte das hier mal Angst vor der Situation entstehen könnte was dazu führen würde das sie ihren Sport deshalb aufgeben.
    Ich gebe euch auf jeden Fall Bescheid ob es etwas bewirkt hat.

  • mental so reinsteigern

    an der Atemtechnik zu arbeiten ist sicher richtig. Die mentale Komponente denke ich darf nicht zu kurz kommen, denn sie scheint der Hauptgrund zu sein (im Trainigsspiel klappt´s mit der Atmung bei gleicher Belastung).
    Ne Tüte kann keine Dauerlösung sein.

    Man merkt deutlich das die Jungs dies selbst arg belastet,

    Aussitzen ist dann auch nicht die Lösung. Die Belastung muß reduziert werden.
    Wie wird der psychische Leistungsdruck, den sich die Kinder "selber (?)" machen erzeugt. Durch den Trainer (du schreibst nein), durch die Eltern (deren Sichtweise verwundert doch sehr. Kenne pers. keine Eltern, die das so cool nehmen würden).
    Wie werden die Spieler im Wettkampf eingesetzt bzgl. Rotation der Position (sind sie immer Stürmer?). Sind sie mehr auf dem Platz als andere Spieler (weil Leistungsträger)? Wird den Spielern das Gefühl vermittelt das Gewinnen hängt stark von ihrem pers. Einsatz ab ("geh selber...!")?
    Wissen die Spieler, dass ihre Leistung bei Überengagement sinkt? (weniger ist mehr!)

    leider wird es bei beiden aktuell nicht besser, sondern eher schlimmer.

    wundert mich, dass die Ärzte das locker sehen.
    Autogenes Training nötig?!

    wenn das Kind mal begriffen hat, dass es nicht darum geht, dass alle immer nur dem Ball hinterherrennen).

    und das es nicht alleinverantwortlich für den Sieg sein kann.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • .. würde mich mal interessieren ob du das mit deinen Kids machst,und ob du nach einiger Zeit Erfolge siehst


    Mit den Kids selber mache ich keine Atemübungen in der Gruppe. Das fänden sie vermutlich doof. Wir gehen auch nicht schwimmen.
    Ich spreche das Thema aber regelmässig an Elternabenden an und - sollte ein Spieler diesbezüglich auffallen - erinnere ich die Eltern nochmals daran, ev. mit dem Kind am "Problem" zu arbeiten und/oder es medizinisch abklären zu lassen.
    Was zur Zeit Probleme macht sind die Kids mit Heuschnupfen. Aber das ist ein anderes Thema.
    Mit den eigenen Kids mache ich regelmässig Uebungen aus dem Yoga, Tai Chi und Wing Chun. Nicht nur wegen der Atmung - weil in der Regel liegt es ja auch nicht nur an der Atmung allein, sondern an einem aus dem Lot geratenen, ganzheitlichen Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele.

  • Autogenes Training nötig?!


    Habe ich auch schon gehört dass Autogenes Training hier helfen kann. Bin da aber nicht der Fachmann. Würde mich aber interessieren mit welchen konkreten Uebungen man da arbeiten könnte.

  • der Arzt sieht keine Probleme,


    die Eltern sehen keine Problem, obwohl sie ja immer dabei sind.


    und das einzige wofür jetzt der Trainer verantwortlich bleibt, ist die beiden Jungs enfach 5 Minuten früher auswechseln.


    die Gefahr besteht nämlich, dass noch mehr Nachahmer folgen.


    liegen nämlich keinerlei körperliche Erkenntnisse durch den Arzt vor, vorausgesetzt jetzt natürlich eine ordenliche Untersuchung,
    kann dies auch durchaus eine Form von ADHS sein, wethergeholt und man müsste jetzt das Kind in seinem sonstigen Verhalten
    kennen.


    eine 2. Arztmeinung wäre nicht unbedeutend. Ist aber eigendlich immer zu empfehlen.


    Trainer sind nicht Ersatzeltern.

  • evtl. könnten qual. Antworten in einem Forum mit Schwerpunkt "Mental" oder "Stress" oder "autogenes Training" zu bekommen sein.
    Schon probiert?


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.