Was muss sich ein Verein gefallen lassen?

Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!

Du bist Trainertalker? Zur Anmeldung
  • Hallo liebe Trainerkollegen,
    ich bin es mal wieder und ich habe mich mal im Forum nach diesem Thema erkundigen wollen. Leider habe ich dazu nichts gefunden. Wir reden hier alle davon, dass die Schule vorgeht. In dem Punkt sollten wir uns alle einig sein. Schule geht vor! Aber was muss sich ein Verein gefallen lassen? Wie viel muss man hinnehmen?


    Ich stelle diese Frage weil ich ein großes Problem sehe für den "Verein" und ich denke das betrifft uns alle. Wir leben davon das wir Spieler und Spielerinnen haben. Doch was sich mir diese Saison geboten hat war ein Desaster. In meinem Rückblick auf die letzte Saison habe ich eines fest gestellt und wirklich die Wut gekriegt!


    Es geht um die Schulmannschaften und deren Spiele!
    Die Lehrer beschweren sich, das sie zu wenig Unterrichtszeit haben, auf der anderen Seite werden diese Schulturniere in der Schulzeit ausgetragen und dieses "Gekicke", ich will es mal so nennen, bringt das Problem mit. Ich habe in der letzten Saison sehr häufig auf verletzte Spielerinnen verzichten müssen, die bei solchen Turnieren regelrecht umgetreten wurden. Das liegt wohl daran das in diesen Mannschaften auch Spieler/innen spielen die von diesem Sport wenig Ahnung haben. Aber das ist nunmal ein Problem was am Ende der "Verein" ertragen muss und tragen muss! Es handelt sich dabei oft um spielstarke Spieler/innen die ausfallen weil sie nicht anders gestoppt werden können und umgetreten werden. Die letzte Saison kamen Verletzungen wie Rückenprellung, Knöchelverletzungen, Nasenbeinbruch bis hin zum Mittelfußbruch zustande.


    Ich habe dafür kein Verständnis mehr und es ärgert mich mehr und mehr. Vielleicht hat von euch einer ähnliche Erfahrungen gemacht oder weiß was zu diesem Thema. Ich könnte mir vorstellen das es heiß diskutiert werden könnte. Aber es muss darüber gesprochen werden!



    Sir Pep

  • Sir Pep


    Hättest du die Frage so formuliert, hätte ich ein gewisses Verständnis dafür aufbringen können. Aber den Schulen zu unterstellen, sie würden Spielerinnen im vollen Bewußtsein eines erhöhten Verletzungsrisikos in Schulfussballturnieren einsetzen, dass geht doch ein wenig an den Realitäten vorbei.


    1. Keine Spielerin wird dazu gezwungen, während der Schul- oder Freizeit in einer Schulmannschaft mitzuspielen!
    2. Das Verletzungsrisiko hängt zwar wesentlich vom Niveau der Liga ab, aber das Fussballspiel bei den Mädchen ist deutlich weniger körperbetont als bei den Jungen. Das Risiko schwerer Verletzungen wird
    geringer, läßt sich jedoch nie ganz vermeiden.


    Vielleicht war es in dieser Saison ein Zufall, dass gerade deine Spielerinnen gehäuft davon betroffen waren. Eine Absicht von spielerisch unterlegenen Gegnerinnen würde ich deshalb jedoch nicht unterstellen wollen. Rüde Fouls kommen bei den Mädchen und Frauenteams sehr viel seltener als bei ihren männlichen Kollegen vor. Dafür sind sie flotter in der abwertenden Beschreibung ihrer Gegnerinnen.


    Der Fussballverein hat jedenfalls kein Recht, den Fussballerinen im Breitensportbereich irgendwelche Einschränkungen in ihrer Freizeitaktivität zu verordnen.


    Ein anderes Problem ist sicherlich die Priviligierung der Schule, wenn es um die Organisation von Trainings- und Spielzeiten geht. Doch auch dort haben nach der Einführung der Ganztagsschulen die Vereine meist gute Regelungen gefunden.


    Zum Abschluß habe ich noch eine Frage: was verstehst du unter Gekicke?

  • Da scheint bei den Schulturnieren einiges falsch zu laufen.
    Spielen dort gemischte Mannschaften? In welchen Altersklassen? Gibt es Schiedsrichter?


    Eigentlich sollten (ausgebildetete) Sportlehrer sicherstellen können, dass die Spiele in geordnetem Rahmen stattfinden, d.h. das die Spieler vor grobem Foulspiel geschützt werden.


    Wenn dies wie hier nicht geschieht, würde ich mal mit den Eltern sprechen. Die sind schließlich auch an der Unversehrtheit ihrer Kinder interessiert und sollten bei der Schulleitung vorstellig werden, damit die Schulturniere nicht solcherart ausarten.

  • Oh nein, ich möchte niemandem Absicht unterstellen. Ich weiß aber das die Mädchen daran teilnehmen müssen, da es Schulzeit ist usw.
    Die Spielerinnen fallen für mich lange aus und ärgern sich auch selbst das sie fehlen beim Training. Klar gibt es Lösungen für Ganztagsschulen. Wir als Verein machen Fußball-AGs und gehen sogar schon in die Kindergärten und bieten dort den jüngeren Kindern die Möglichkeit. Eben ohne Zwang und mit viel Spaß. Wir wollen den Spaß am Fußball vermitteln.
    Um den Spaß soll es auch gehen.



    Ein Beispiel:
    Letzte Saison hatten wir ein wichtiges Pokalspiel, ich habe mich noch mit dem Sportlehrer unterhalten und ihn gebeten, einige Spieler nicht durchspielen zu lassen. Wir konnten keine Einingung, sie spielten das gesamte Turnier von 8:00 Uhr bis 15 Uhr durch. 17 Uhr kamen die Mädchen zum Spiel, wollten spielen. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich dies dann nicht mehr zugelassen. Die waren stehend K.O. wir flogen aus dem Pokal und ich war bedient.
    OK kann man sagen, aber muss man zu allem ja und Amen sagen?


    Unter Gekicke meine ich speziell, das es in den Schulen kein Training gibt, weder taktisch noch auf einzelne Spieler bezogen. Meine Stürmerin, die nunmal Stürmerin ist spielt in der Schule in der Abwehr. Dort hat sie keine Erfahrungen und kommt damit nicht klar. Mit diesem Problem kam sie zu mir. Aber sie müssen ja spielen, schließlich ist es Schulzeit.
    In der Mannschaft spielen demnach auch alle Mädchen, ob Volleyballerinnen oder handballerinnen oder sportuninteressierte Mädchen. Das hat zufolge das es einfach nur ein wildes Getrete ist. Sie kommen einmal die Woche für eine Stunde zusammen und "trainieren".
    Ich wll niemandem was unterstellen TW-Trainer. Keinesfalls, entschuldigung wenn das so rüber kam, aber ich finde das es irgendwo Grenzen geben muss. Es wird keine Rücksicht auf uns genommen, immer mehr Mädchenvereine lösen sich auf und die Entwicklung geht weiter runter.


    Sir Pep

  • Da scheint bei den Schulturnieren einiges falsch zu laufen.
    Spielen dort gemischte Mannschaften? In welchen Altersklassen? Gibt es Schiedsrichter?

    Vor einem Monat kam der besagte Gegner nicht und es gab ein Freundschaftsspiel gegen Mädchen und Jungen. Eines der Mädchen wurde dabei so umgetreten das es sich das Steißbein verletzt hat. Natürlich betraf es meine Spielerin, Zufall ja aber muss sowas sein?


    Dann ein weiteres Beispiel, eine Mannschaft stellt zwei Mädchenmannschaften, die beiden zuständigen Lehrer streiten sich um die Mädchen... und gruppieren sie in gut und schlecht. Für mich ist sowas eineabsolute Katastrophe. Klassifizierung...

  • Es geht hier sicherlich um den Wettbewerb "Jugen trainiert für Olympia".
    Die Altersklassen in diesem Wettbewerb umfassen - anders als wir es aus dem Vereinsfußball kennen - drei Geburtsjahrgänge. Wenn wir zwischen einem frühen Altjahrgang und einem späten Junjahrgang also fast 2 Jahre Altersunterschied haben, dann sind es dort 3.


    Gerade im Mädchenfußball dürfte es dann das Problem geben, dass viele Teilnehmerinnen keine Vereinsspielerinnen sind. Die wollen die Gegnerinnen bestimmt nicht verletzen. Da ihnen im Vergleich zu denen, die seit Jahren im Verein spielen, aber auf jeden Fall das Timing fehlt, wird es da sicherlich manchen "Treffer" geben.


    Ich habe schon manch Lehrer/innen gesehen, die hier einen übertriebenen Ehrgeiz entwickeln...

  • Also ich habe auch ein gewisses Verständnis für den Threadsteller.


    Ganz so schlimm ist es bei uns nicht, aber ich hatte auch schon verletzte Spieler nach Schulturnieren.


    Bei uns läuft das so: Eine Lehrerin bestimmt, wer in der Schulmannnschaft ist, Rücksprache mit dem örtlichen Verein gibt es keine - muß ja auch nicht, würde aber evtl Sinn machen.
    Gemeinsames Training? Fehlanzeige!
    Mädchen? Werden nicht mitgenommen, obwohl die Turniere noch gemischt sind. (Eine meiner Spielerinnen war stinkesauer.)
    Als Eltern bekommt man bestenfalls ein paar Tage vorher einen Zettel, wann man das Kind wohin zu bringen hat.
    Auf vernünftige Ausstattung wird nicht geachtet, da spielt schon mal ein Kind ohne Scheinbeinschützer.
    "Bessere" Kinder müssen von vorn bis hinten durch spielen, "schlechtere" sitzen das ganze Turnier auf der Bank.


    Als E-Trainerin kommt mir da die Galle hoch!
    Ich habe auch schon versucht, mit der Lehrerin zu sprechen, so nach dem Motto: "Ich trainiere die örtliche E-jugend, wollen wir nicht mal zusammen einen Kaffee trinken und schauen, wie wir Schulmannschaft und Vereinsmannschaft am besten unter einen Hut bekommen im Sinne der Kinder?"
    Leider ist dieser Vorschlag nicht auf Gegenliebe gestoßen. :(


    Am liebsten würde ich meinen eigenen Sohn da gar nicht mehr mit spielen lassen, doch er würde das bestimmt nicht verstehen.


    Also meinetwegen kann dieser Schulmannschaftskram abgeschafft werden, oder es kommt in solche Bahnen, daß es zum KiFu paßt.

  • Also ich denke, man muss hier differenzieren und nicht alles über einen Kamm scheren...


    Bei mir spielen auch alle meiner Spieler in ihren jeweiligen Schulmannschaften mit und 3 von ihnen haben mit ihrem Schulteam sogar das Landeshalbfinale erreicht, was ich mir dann mal angeschaut habe und ich muss sagen, dass es ein durchweg faires Spiel war und auch ein sehr ordentliches Niveau hatte. Einer meiner Spieler war gesundheitlich angeschlagen und hat von sich aus drum gebeten, nicht von Beginn an und nur im Notfall zu spielen und der zuständige Lehrer hat das auch berücksichtigt und ihn nur ca. 10-15min in der zweiten Halbzeit spielen lassen. Unsere Saison war zu dem Zeitpunkt bereits beendet. Alle beteiligten Spieler waren übrigens Vereinsspieler...


    Ich glaube also, dass es immer stark vom Einzelfall und auch den jeweiligen Lehrer etc. abhängt. Natürlich ist es blöd, wenn solch eine Schulteam-Veranstaltung am gleichen Tag wie ein Pflichtspiel stattfindet, aber mehr als das Gespräch mit dem Lehrer bzw. den eigenen Spielern zu suchen, kann man wohl nicht machen.


    Ansonsten sehe ich das ähnlich wie TW-Trainer und würde das nicht irgendwie einschränken wollen. Mal davon abgesehen, dass ich dazu auch nicht wirklich das Recht hätte, weiß ich, dass es den Jungs viel Spaß macht, mal mit den Klassenkameraden etc. aus der Schule zu spielen und ggf. auch auf Teamkollegen aus anderen Schulen zu treffen. Und da mir selbst das nicht anders ging, ist das okay so :)

  • Grundsätzlich kommt bei mir Schule immer noch vor dem Fussball. Immer. Und wenn dort Fussball auf dem Plan steht, dann steht dort eben Fussball drauf.
    Dass Schule und Verein darunter was anderes verstehen dürfte jedem klar sein. Und wenn es den Kids nicht klar ist, dann muss man ihnen das halt erklären.
    Meinen Jungs habe ich eingeschärft, dass ihre Rolle bei den Schülerturnieren nicht heisst am meisten Tore zu schiessen, sondern den Klassenkameraden ein gutes Fussballerlebnis zu ermöglichen. Sie tragen bei den Fussball in der Schule zu verkaufen und zwar als Sport bei dem jeder kann und darf.
    DAS ist schwieriger als Tore schiessen und deshalb muss man sie als Trainer dorthin begleiten und sie - wenn möglich - auch als Zuschauer immer wieder an diese soziale Aufgabe erinnern.
    Klar repräsentieren unsere Spieler auch unseren Club. Aber eben nicht nur als Spieler, sondern als verantwortungsvolle, empathische Menschen die das Gruppenerlebnis vor das Resultat zu stellen wissen.

  • Also mein Sohn hat einige Jahre in einer Schulmannschaft gespielt.
    Diese Truppe qualifizierte sich 2 mal für Jugend trainiert für in Olympia in Berlin.
    Beide Male von fast allen Eltern begleitet (Super Kurzurlaub).
    Da ich mir meine Zeit planen konnte, habe ich es fast immer einrichten können die einzelnen Qualifiaktionsturniere anzuschauen.
    Obwohl es dort ja immer um was ging habe ich bis auf eine Ausnahme dort einen fairen Fussball gesehen. In Berlin (überwiegend
    reine Fussballschulen) sogar Jugend-Fussball vom Feinsten.
    die Jungs dieser Truppe und auch ihr Trainer (A-Schein, Vereinstrainer) hätten nie ein Spiel zugunsten eines Vereinstrainings
    sausen lassen.


    Natürlich habe ich Lehrer an der Seitenlinie erlebt, die mir bestätigten, dass Lehrer nicht immer Pädagogen sind und in Bezug auf Gewinndenken wesentlich krasser als manch Vereinstrainer .


    Es war halt wie überall auf den Plätzen, aber halt etwas fairer. Lag wohl auch an den Schiris. Seltsamerweise kamen da immer gute erfahrene Schiris angereist.


    Man kann einfach nicht alles über einen Kamm scheren, jeder macht da seine eigenen Erfahrungen.




    gg

  • Da scheint es wirklich geteilte Meinungen zu geben.
    Ich sehe das bei Jungen und Mädchen nochmal getrennt und da muss ich wirklich sagen, wenn Schule die Vereine besser einbindet dann braucht man diese Turniere nicht. Es geht hier um Stadtmeisterschaften unter Schulen... Diese Spielerei muss wirklich nicht sein, wenn die Vereine die gleiche Arbeit leisten. Ich schrieb ja schon, dass sich die Lehrer beschweren zu wenig Unterricht zu haben und kaum Noten geben können. Da können sie Zeit gut machen.

  • Sir Pep


    Weil Mädchen in der Regel später mit dem Vereinsfussball beginnen als die Jungen, ist der Schulfussball eine wichtige Vorstufe, um für sich selbst herauszufinden, ob man für sein neues Hobby in einen Verein eintreten möchte. Auch präsentieren sich jährlich Vereine in den Schulen und werben um neue Mitglieder. Da findet durchaus auch ein Miteinander statt, in denen es Schnittmengen von identischen Interessen gibt.


    Jahr für Jahr sieht man auf den Talentsichtungen solche Mädchen, die gerade erst für einen Verein kicken und den Weg dorthin über den Schulfussball gefunden haben.
    Auch ist es so, dass es Schulsportbeauftragte in den Verbänden gibt, die den Kontakt zu Schulen pflegen und für Lehrer spezielle Fussballfortbildungsseminare präsentieren.


    Umgekehrt nehmen Vereinsspieler an Straßenturnieren im Rahmen von Sportwochen oder auch Schulturnieren teil. Auch außerhalb des Trainings wird mit Freuden auf Bolzplätzen gekickt! Ich meine, es gibt auch unter dem Aspekt, sich dort wohlmöglich verletzen zu können, keinen Grund, es ihnen zu verbieten. Eher im Gegenteil, denn die zusätzlich erworbenen Erfahrungen können sich positiv ins Mannschaftsspiel auswirken. Denn Fussballspielen erlernt man nun einmal beim Fussballspielen am besten. Auch wird häufig der Traineranteil an der sportlichen Entwicklung der Spieler überschätzt. Denn Kinder lernen auch sehr viel voneinander.


    Ob jetzt allerdings die Quote der ergebnisgeilen Pädagogen größer ist als dies beim Querschnitt der Vereinstrainer der Fall ist, vermag ich nicht abschließend zu beurteilen? Es gibt eben auch Blödmänner mit Abitur und Studium!

  • TW: Da bin ich voll bei Dir - es wäre so, wenn man die Mädels auch beim Schulfußball zulassen würde!
    Vielleicht ist unsere Schule da einfach noch total hinter dem Mond, aber bei uns dürfen die Mädels nicht mitspielen. :(
    Und die Lehrerin hat leider absolut Null Ahnung von Fußball, daher fände ich eine Zusammenarbeit mit dem Verein sehr sinnvoll.
    Wir hatten sogar schon einen Schulfußball-Tag angeregt, bei dem sich einige unserer Coaches zur Verfügung stellen wollten, aber auch das ist auf keine Gegenliebe gestoßen.
    Schade eigentlich. :(