konzeptabweichende Förderung

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  • Liebe Trainerfreunde


    Ich habe lange mit mir gerungen, ob meine langjährigen Beobachtungen lediglich subjektive Eindrücke sind oder doch einen größeren Teil der Realität widerspiegeln. Nunmehr habe ich mich dazu entschlossen, meine Beobachtungen über den "zweiten Fussball-Bildungsweg" zu beschreiben.


    Längst hat man im Schulwesen erkannt, dass es auch Spätentwickler gibt, für die man einen "zweiten Bildungsweg" eingerichtet hat. Warum nicht auch für Fussballer? Haben es nicht die "Fußballbildungswege eines Miroslav Klose und Anderen verdient, auch einmal beleuchtet zu werden?


    Doch möchte ich nicht gleich mit den "Assen" unter den Profis beginnen, sondern zu den Anfängen im Jugendbereich zurückblicken. Da wäre als erstes die flächendeckende Sichtung der Talente zu nennen. Bei den 1 - 2 sehr guten Talenten (nenen wir sie Typ A) eines Jahrgangs wird man sich rasch einig! Aber was ist mit dem großen Rest (Typ B), die sich nur marginal unterscheiden? Ist es da nahezu egal, wie man sich entscheidet oder gilt es zu beachten, dass wir derzeit nur einen Bildungsweg haben? Denn welcher Trainer, welche Eltern interessieren sich für den für sie fernen Weg des "ersten Bildungswegs im Fussball"?


    Da wäre zunächst einmal Talente zu nennen, die eigentlich nicht ausgewählt worden wären, aber in die Förderung hineingerutscht sind, weil Andere verzichtet haben. Aufgrund der deutlich höheren Qualität der sportlichen und mentalen Förderung konnten nach 1 Jahr mehrere dieser Talente, die normalerweise nicht gefördert worden wären, fast ans Niveau der Toptalente herangeführt werden. Die Erklärung dafür ist recht simpel: dem Einen fliegt fast alles aufgrund seiner Talentanlagen zu, der Andere trainiert sich die Fähigkeiten dank guter Unterstützung mühsam an. Während der eine das Traininng manchmal langweilig empfindet, sieht man dem Anderen seine Mühsal an. Doch insgesamt überwiegt die Freude bei beiden Typen.


    Blicken wir nun von der Basisförderung in die Verbandsförderung. Beim Typ A schnalzen die Verbandstrainer mit der Zunge und überschütten sie mit Lob. Beim Typ B wird kurz hingeschaut und der Stempel "nicht weiter förderungwürdig" verpaßt! Weil aber Typ A plötzlich Unlust zeigt, rebellisch wird, sich dies auf schwankende Beteiligung und Leistungen auswirken, kommt Typ B wieder ins Spiel. Zunächst nur als Ersatz überrascht er die Experten nach und nach mit einen besonders hohen Maß an zuverlässigen, abrufbaren Leistungen. Schließlich verdrängt ein Teil des Typs B den ohnehin schon kleinen Teil von Typ A! Weil aber Typ A nur den "ersten Fussball-Bildungsweg" kennengelernt hat, ist er wie ein Boxer, der einmal entscheident K.O. gegangen ist. Er traut sich nicht wieder in den Ring! Beim Typ B hat sich so manches ereignet, aber nicht konnte ihn aus der Bahn werfen!


    Nun wird von einer breiten Trainermasse behauptet, es gäbe diesen zweiten Fussball-Bildungsweg nicht! Deshalb möchte ich gerne vom Typ B berichten, der nie einen Stützpunkt sah! Der Weg dieser jungen Fussballer geht über den Dorfverein, in der nahezu alles auf "Sparflamme" läuft. Die Welt ringsherum existiert nahezu nicht! Es wird Fussball gespielt, weil immer schon Fussball gespielt wurde und das auch ewig so sein soll. Dann aber gehen die Jahrgangszahlen zurück und man kann nicht mehr in jedem Jugendbereich eine eigene Mannschaft stellen. Zunächst versucht man diese Spieler in höheren Jugendklassen unterzubringen. Gelingt dies nicht, so werden sie übers Gastspielrecht mal für eine Saison an den größeren Nachbarverein "ausgeliehen"! Weil sich dieser Spieler immer auch dafür entscheidet, seinen Spaß mit Mannschaftskameraden zu teilen, die er vorher vielleicht nur über die Schule kennt, denkt er mit der Zeit anders über sein Hobby. Es beginnt ihm, ohne Abhängigkeit von Mannschaftskameraden Spaß zu machen und aufgrund der rasch wechselnden Trainer-Philosophien ist er sehr flexibel geworden. Er hat nunmehr bereits den Status des Typs B erreicht. Als nun aufgrund des demografischen Wandels über die Bildung einer Jugendspielgemeinschaft mittelfristig auf die sinkenden Spielerzahlen reagiert wird, können sich die zusammengeschlossenen Vereine bessere Trainer leisten. Gemeinsam mit den anderen Spielern des Typs B können diese besser ausgebildeten Trainer das bereits vorhandene, aber bislang noch nicht abgerufene Potenzial binnen kurzer Zeit hervorbringen, sodass binnen einer Saison 3 - 4 Ligen übersprüngen werden können.


    Jedoch ist es beim Typ B genauso wie beim Typ A: Nicht alle, die können, wollen auch! Deshalb sollte man unabhängig vom Potenzial den Willen des Kinders akzeptieren und respektieren.


    Motivation dieses Textes war unter anderen auch der Irrglaube, junge Menschen würden früh selektiert und wären danach chancenlos! Es gibt im Leben täglich neue Chancen! Man muß nur etwas Mut haben, die richtigen Chancen zu ergreifen!

  • Kindern müssen Chancen erstmal geboten werden, sie können sie nicht von sich her erschließen: Eltern müssen bereit sein, sie überhaupt im Fußballverein anzumelden statt nur im Garten mit Plastikball rumbolzen zu lassen, denn Weiteres gibt's heute praktisch kaum mehr. Dann müssen Eltern willens sein auch mal zuzuschauen, was im Training so abgeht und ob Motivation stimuliert statt blockiert wird. Dann müssen Eltern fähig sein, mit möglichen Problemen zielführend umzugehen - wo zB der Trainer die Kleinen erstmal sich 10 Runden zum Warmlaufen schickt, um mit dem Kumpelpapa in Ruhe ne Zigarette am Spielfeldrand zu rauchen. Motive der Trainer prägen Motive der Kinder - das nennt man pädagogisch Prägungserlebnis und es ist höchst wirksam. - Danach, falls vor Ort alles missling, muss man mobil genug sein, um Sohnemann x-mal die Woche woanders hin zu fahren, auch mal zu (besseren) Turnieren, Talenttagen, DFB-Sichtungsevents. Unterbleibt all dies, kann das Kind bestenfalls noch als Spätstarter irgendwann sich entwickeln (nur: wie, wo, durch wen?) - oder auch nicht, da es Motivation, Lust oder Können im Vergleich zu anderen längst verloren hat. Also: Kids haben per se kaum Chancen: kein Geld, kein Auto, keine selbstbestimmt freie Zeit, kein rationales Bewusstsein ihrer selbst, keine objektiven Ziele, man muss sie ihnen geben oder bieten, sorry! Oder etwa nicht?

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Jedoch ist es beim Typ B genauso wie beim Typ A: Nicht alle, die können, wollen auch! Deshalb sollte man unabhängig vom Potenzial den Willen des Kinders akzeptieren und respektieren.


    @TW


    es ist doch wie im ganzen Leben, letztendlich liegte es am Willen. jedoch nicht am gedanklichen Willen. sondern an dem Willen, was ich bereit bin dafür aufzuwenden um das Wollen in die Tat umzusetzen.



    Eltern müssen bereit sein, sie überhaupt im Fußballverein anzumelden


    wie und wo denn sons?



    wo zB der Trainer die Kleinen erstmal sich 10 Runden zum Warmlaufen schickt, um mit dem Kumpelpapa in Ruhe ne Zigarette am Spielfeldrand zu rauchen.


    über 50 Jahre durchgehend auf Sportplätzen verbracht. Das habe ich noch nie gesehen, trotz Brille





    um Sohnemann x-mal die Woche woanders hin zu fahren, auch mal zu (besseren) Turnieren, Talenttagen, DFB-Sichtungsevents


    wer das macht, ist in meinen Augen eh bekloppt, oder hat keinen Bezug zur Realität.


    gg

    • Offizieller Beitrag

    Kicker,


    bitte nicht schon wieder "Kinder gegen den Rest der Welt". Deinen Beitrag könnte man kopieren und in jedes Thema einfügen.


    Ich würde mich freuen und TW-Trainer bestimmt auch, wenn hier nicht auf den Beitrag reagiert wird, sondern auf TW-Trainer.


    TW-Trainer,
    moderne Schulsysteme machen uns das vor und sind damit erfolgreich. Eine frühe Selektion macht nur bei Überfliegern Sinn (Typ A), immer mit der Gefahr des Scheiterns. Anders bleiben viele Spätentwickler auf der Strecke, weil sie durchs Sieb fallen. Diese dann zu finden und zu fördern ist oft schwierig und sie werden benachteiligt, weil es für sie keinen Förderweg mehr gibt.

  • @TW


    du hast hier ein Thema angeschnitten, das mir persönlich seit längerem Gedanken macht, da ich nicht weiss was für meinen
    Sohn der bessere Wege wäre.


    bei der Sichtung für den Stützpunkt in die von deiner Typisierung als A-Spieler eingeordnet. offensiver Spieler mit absolutem
    Tordrang, mit Eigenschaften eines Torjägers, die man nicht antrainieren kann, sondern man hat sie oder hat sie nicht.


    im Landesauswahltraining vom hiesigen Leistungsverein beobachtet, zum Training und Freundschaftsspielen über einen
    längeren Zeitraum (da er noch nicht sofort wechseln wollte) eingeladen. Dort in der 4er Abwehrkette eingesetzt und voll
    überzeugt.


    Aus mehreren Gründen wechselte er jedoch nur in eine Bezirksligamannschaft im Nachbarvein.


    spielt jetzt B in einer Kreismeisterschaftsstaffel in einer spielerisch relativ gut ausgebildeten und auch erfolgreichen Mannschaft.


    aus meiner Sichtweise der ideale 6er, spielt er mangels Alternative zentrale Spitze.


    obwohl verbal ein ruhiger Typ ist er absoluter Führungsspieler, der Verantwortung im Spiel übernimmt-


    in 8 Spielen von 24Toren selbst 16 geschossen, den Rest überwiegend vorbereitet.
    nicht durch körperliche Überlegenheit, nur 170 cm, sondern durch Einsatz, Schnelligkeit, Spielintellegenz und Nase.
    Tore auf alle Art, vom Kopfball über Weitschutz und Alleingang bis zum Abstauber, nicht nur bei hohem Spielstand, sondern dann,
    wenn die Tore entscheidend sind.
    Ist natürlich in der Klasse bekannt, wird meist von 2 Gegenspielern beackert, lernt es aber sich auch dagegen durchzusetzten.


    Anrufe höherklassigen Vereine bleiben natürlch nicht aus.


    Wohlgemerkt, er ist kein absoluter Überflieger, ich spreche von einem Klassenniveau auf der unteren Stufe, ich setzte das schon
    in die richtige Relation.


    Unabhänig davon, dass er sich sauwohl fühlt in dieser Mannschaft stellen sich mir Fragen, die im Zusammenhang mit TW-Beitrag stehen.


    Wäre diese Entwicklung auch in einer leistungshöheren Mannschaft möglich gewesen? Dort wo er garantiert nicht den
    Freiraum für eigen Spielweise gehabt hätte, wesentlich stärker in ein Konzept eingebunden wäre.


    Wäre die Leichtigkeit und Lockerheit im Spiel, insbesonders im Umgang mit den Torchancen dort genau so?


    wäre die Entwicklung unter Umständen durch ein höheres Trainings- und Spielniveau vielleicht nicht doch noch stärker?


    wurden, rein fussballerisch gesehen, Chancen vergeben?


    Ist es richtig, durch einen derzeitigen Wohlfühleffekt, sich Chancen durch ein Nichtwechseln zu verbauen.


    Oder ist es vielleicht doch sinnvoller, diesen Weg weiterzugehen, Entfaltungsmöglichkeiten der eigenen Spielweise zu haben, die höher-
    klassig garantiert so nicht gegeben sind. entsprechend den Zielen im Kinderfussball, weniger Vorgaben zugunsten der eigenen
    Entfaltungsmöglichkeiten. Gilt das auch für den oberen Jugendbereich?


    natürlich ist dadurch der Weg nach ganz oben nicht gegeben. Aber den hätte ich auch anders nicht als realistisch gesehen.

  • Ich stelle immer wieder fest, dass für die allermeisten Trainer hier -und vermutlich anderswo auch- der Weg nach oben....zum Profitum das Ziel zu sein scheint.


    Das liest sich z.b. aus Äusserungen wie


    -man muß den Kindern erstmal die Chance geben.


    Was aber, wenn nicht nur den fähigen Spieler "Typ A und B" sondern auch den Trainer und wenn meiner auch die Eltern diese "Chance" überhaupt nicht interessiert?


    Also ich gestehe, dass ich hier segeltechnisch eine Wende vollzogen habe. Mich interessiert weder diese Chance für den Spieler, noch das System diesbezüglich. Es ist mir gelinde gesagt restlos egal. Ich lege hier keinem einen Stein in den Weg, ich biete -so glaube ich- durchschnittlich gute Trainings. Ich mache das aus Spass an der Sache und nicht für ein System, auch nicht für einen selbstverliebten Verbandsfuzzitrainer oder den Dfb....nichtmal für den Verein, sondern reinweg für diese mir anvertrauten Jungs. Ich kämpfe auch nicht gegen dieses System, nicht gegen den Fuzzitrainer, nicht gegen den Dfb.. Ich nutzte das heutige Wissen, das Konzept des Dfb, das Wissen den Stützpunktrainers um mein Team voran zu bringen.


    Also aus meiner Sicht....welche Chance bitteschön????????????????


    Das gleiche gilt für die Jungs meines Umfeldes, ...talentierte Spieler die ihr Augenmerk nicht auf die Profikariere legen...sogar diejenigen die dahin denken irgendo belächeln und sich belustigt fühlen oder gar bedauern!


    Mein Mittlerer geht nun als Stammspieler eines Landesligateams zurück in die Kreisliga A....mein Ältester....spielte auch höher ....beide gingen zurück zu ihren Freunden....andere blieben gleich im Kreisliga A Team.


    Einer meiner D Spieler wechselt nun nach Dortmund ins zweite D Jahr....wozu? Der fährt nun bis zu 5 mal die Woche 220 km am Tag....super Chance!


    Ich sags ja, bedauernswert.


    Wer spielern die Chance bieten will, der soll gefälligst auch zahlen..für ein Internat...die Fahrtkosten und Unterkunft für günstiges Geld bieten.


    Ich empfinde dieses System echt armselig und lächerlich!

  • @Uwe
    Bei den Schulen gebe ich dir absolut recht! Es gibt dort ein wirklich funktionierendes System, in denen die Kinder, sofern sie es selbst wollen, von ganz unten nach ganz oben kommen können! Das ist keine Sache des Geldes, sondern im System vorgesehen! Aufgrund der demografischen Entwicklung wird es in den kommenden Jahren mehr Vereinskooperationen in Form von JSG oder JFG geben, wo genau diese Spieler vom Typ B auf besser ausgebildete Trainer treffen werden, um bereits vorhandene Fähigkeiten und Wissen deutlich effektiver auf ein höheres Niveau bringen können.


    Bislang gab es nur die größeren Vereine, die den Dorfvereinen ihre Talente weggenommen haben, um sie bei sich zu fördern und natürlich auch sportliche Ziele zu erreichen. Nunmehr könnte die Konkurrenz durch die Jugendkooperationen deutlich stärker werden, denn die Vorteile einer ortsnahen Ausbildung sind aufgrund des geringeren Aufwands aufgrund kürzerer Fahrzeiten deutlich. Auch das 1 Jahr frühere Abitur wirkt sich aus. Denn für die JSG wird es trotz Studiumstarts reichen. Für die großen Clubs wird es ohne die ein früher ins Studium oder in den Beruf startenden Spieler des älteren A-Jugend-Jahrgangs schwieriger!


    Das bislang in Typ A und B eingeteilte System wird sogar durch den A-B Typ ergänzt werden, der je nach sonstiger Veranlagung sich für den Profi- oder Leistungsbereich entscheiden wird. Aber nicht erst seit heute wissen die NLZ darüber, weshalb es ihr Bestreben ist, ihr Scouting nicht nur auf den Typ A, sondern ganz besonders auf die Spätentwickler Ausschau halten.


    In den Niederlanden gab es diesen Typ B schon vor mehr als einem Jahrzehnt! D.h. ein Talent, welches knapp an der Aufnahmehürde zum Messzeitraum scheiterte, wurde später regelmäßig eingeladen! Weil diese Einladungen im jährlichen Rhythmus erfolgten, fanden auch zusätzliche Spielbeobachtungen durch Scouts innerhalb dieses Zeitraums statt.


    Auch in Deutschland findet ein Umbruch statt. Denn, wenn sich nicht mehr genug vom Typ A melden, muß man sich auf der Suche machen, um auf anderen Wegen die benötigte Anzahl an Talenten zu finden und sich von einer Förderung in ihrem Verein überzeugen.


    Allerdings würde ich mir wünschen, dass über das "Kirchturmdenken der Vereine" hinweg ein durchgängiges System der Förderung entwickelt. Dies würde vermutlich nur dann funktionieren, wenn es sich um einen reinen Ausbildungsverein handelt, der gar keinen Seniorenbereich hat! So, wie eben Schulen und Universitäten nur den Aus-Bildungsauftrag haben! In den Niederlanden gibt es zumindest eine Zwitterform. D.h. dort teilen sich mehrere Vereine den Personal- und Kostenaufwand für die Ausbildung ihres Nachwuchses! Hier gibt`s soetwas noch nicht!

  • Also ich gestehe, dass ich hier segeltechnisch eine Wende vollzogen habe.


    Ich bin überzeugt, da den Weg selbst auch gegangen, dass es noch vielen anderen hier so geht, dann wenn ihre eigenen Kinder mal über 20 sind.
    da kommen nämlich die Rückmeldungen, ob verbal oder ersichtlich.


    Entscheidungsgründe meines Jüngsten werden stark geprägt duch seinen älteren Bruder., und Entscheidungen fallen anders aus, wie ich sie bei meinem
    Ältesten noch beenflusst hatte.


    Was richtig oder falsch war, kann man doch erst erkennen, wenn feststeht was hinten rausgekommen ist. Gutgemeint muss nicht imErgebnis gut sein.


    gg

  • Ja ist schon richtig, das man gern über die Ansichten eines Typen wie mich einfach ungeachtet hinweg geht (an TW Trainer gerichtet).


    Genau da liegt das Problem, aber das haben die Systemverantwortlichen wohl noch nicht wirklich erkannt und drum müsst Ihr halt auf viele gute Spieler leider leider verzichten und das schon ab dem Stützpunkt der ja auch zum System gehört, richtig?


    Desto länger ich wachen Auges im Fußball -lieber TW Trainer- unterwegs bin, desto größer mein Einsicht und Empfehlung an die für das System verantwortlichen und damit meine ich jeden der sich da beteiligt.....


    -laßt den Jungs ihre Jugend, statt hier ständig mit Drucksituationen aufzuwarten. Die wollen zunächst einmal den Hauch eines Restes von Kindheit auf dem Platz leben, statt hier ständig daran erinnert zu werden, welche Leistungsdefizite sie haben.


    -die haben ausreichend viel Stress mit den nach besten Schulnoten geifernden Eltern, die langen Schulzeiten, ständiger Leistungsdruck, Druck, Druck, Druck.


    Und da kommt dann noch so ein Trainer aus dem Systembereich A und B und macht....Druck....auf verschiedene Art.


    Glaubt ihr wirklich, damit positiven Einfluß auf die Meinungen und Empfindungen derer zu nehmen, die in einer positiveren Atmosphäre ihre Zeit...also ihre Freizeit kostenfrei zu widmen, die damit letztlich später Geld verdienen wollen?


    Ich kenne locker zwischen 15 und 25 Talente, die dem Stützpunkt den Rücken zu kehrten, weil sie diesen Systemteil als zu stressig empfanden.


    Erst letzte Woche gab es einen Termin vom hiesigen Stützpunkt, wo man pro Verein die besten drei Talente dort zur jährlichen Nachsichtung hinschicken konnte....prima. Da bei wurden auch dazu aufgerufen, bereits ausgeschiedene Spieler zu schicken, soweit die wollten.


    Tja...ich habe keinen mehr gefunden der dort hingehen wollte. Diejenigen die da meiner Ansicht nach hingehörten, wurden vor einem Jahr nicht genommen (mir egal!)...aber genau diese Spieler hatten darauf keine Lust mehr. Ein weiterer Spieler von mir war bis mitte letzten Jahres beim Stützpunkt. Er spielt besser als der, der nach Dortmund wechselt....und ihn kann der Stützpunkt und Profifußball mal gern haben. Warum wohl????? Ich kenne die Antwort...und ich kanns sowas von gut verstehen.


    WIR alle sollten uns mal an die Nase fasse, was wir da im allgemeinen auf breiter Fläche auch und besonders parallel bis abseits des Fußballs von unseren Koten abverlangen. WAHNSINN! Alles potenzielle Abnehmer von jeder Menge Psychoparmaka...potenzielle Brückenspringer und Vordenzugspringer!!!


    Statt den letzten Tropfen raus zu wringen, wäre meiner heutigen Ansicht nach weniger mehr und genau das würde mit viel größerer Wahrscheinlichkeit viel eher in die Richtung führen, wo man allgemein gern hin möchte...sprich...mehr echte Talente hätten den Spass dabei, höher zu spielen als Team...statt wie es meist so ist....als Söldner in kalter meist restlos Leistungsabhängiger Umgebung auf die Gunst der Verantwortlichen speichelleckend zu warten und dabei auch noch Männchen zu machen.


    Ja ich gebe auch recht, wer da OBEN ankommt, der hat schon ziemlich viel ertragen und der wird dann wohl auch noch den Rest des Weges gehen wollen.


    Aus meiner Sicht...also mit meiner jetzigen Einstellung dazu...ist da OBEN eher da ganz unten!

  • Andre


    Es gibt auch nicht viel zu sagen, aber mehr zu verstehen!
    Ich habe nur eine einzige Devise in der Jugendausbildung: Habe Spaß und ich helfe dir dabei! Ob die spätere Heimat der Breiten-, Leistungs- und Profisport wird, ist zu jedem Zeitpunkt nicht das Wichtigste! Nur die Menschen sind das wichtigste! Denn man vertraut mit keine Fussballspieler, man vertraut mir Menschen an, mit denen ich viel mehr als nur Fussball spiele, denn ich teile ein Stück ihres Lebens mit ihnen!


    Man darf sich jedoch nichts vormachen! Eine Beeinflußung, gleichwohl in welche Richtung findet immer statt! Deshalb ist es von besonderer Wichtigkeit, dass man zum Kindeswohl und nicht zum Eigennutz entscheidet. Denn so, wie man seine Kinder behandelt, wird man auch später von seinen Kindern behandelt!

  • TW-Trainer,


    ich würde mir wünschen, dass das was du da verantwortlich denkst und sagst und machst ein gutes System vorgeben würde, dem ist aber so nicht.


    Im Gegensatz zum vielfältigen Schulsystem fängt dieses auf vielfältige Weise den "Versager" irgendwo wieder auf...egal wie die Eltern ticken.


    Das passiert, weil das System und die Gesetzeslage weitestgehend schlimmeres verhindert schließlich ist ein Lehrer an Vorgaben gebunden.


    DAS ist im Fußball anders. Ein Talent das will, das geht....jahrelang als Landei den weiten Weg fuhr...trifft auf ein, zwei oder drei Geiertrainern denen die Nase des Spielers, die Art zu spielen oder was weiss ich ...nicht mehr gefällt und zack....weg ist er vom Fenster. Was passiert denn dann mit diesen Spielern?


    Sie sind in der Aussendarstellung restlos auf sich selbst gestellt und können sehen wo sie bleiben. Als ausgelutschte Zitrone können sie sich weiter "unten" bewerben wo die nächsten Geldgeier und Egotrainer auf sie schon gierig lauern. Da wird vergoldetes Obst verkauft das keines ist.


    Das vorhandene System schützt sie für mich nicht erkennbar. Solche Vorgänge gibts ständig und die werden hier "unten" von denen die diesen Weg damals aus zum Teil genau diesem Grund nicht gingen...registriert. DAS bringt Meinungen und Stimmungen die sich ähnlich wie ein gutes Gerücht lange in den Köpfen hält. Aus Spielern werden Eltern und so weiter und so weiter. Ein Kreislauf. Dabei spielen auch Ängste der Entscheider mit. Ängste die auch wiederum Fehlentscheidungen beeinflussen und auch den Verängstigten als Elternteil Druck auf das eigene Kind ausüben lassen.


    Jeder Verein hat ein System, jeder hat ein Angebot da "oben"....da läßt ein BVB zu, das ein D Kind im ersten Jahr bald 1000 Kilometer die Woche auf der Autobahn verbringt...weil ihr System das zuläßt und nicht verhindert....was ich als Wahnsinn erkenne. Das System ....ein für alle vielleicht verbindliches Schutzsystem verhindert das nicht, gibt nicht den Weg vor und es fängt ihn auch nicht auf, wenn er -so meine Vorraussicht- in wenigen Monaten am Boden sein wird. Diese NoGo`s...wie der Druck machende Stützpunkttrainer, die träumenden Eltern, der schreiende Trainer am Rand, miese Trainings, schlechte Vorbilder...sollten durch ein neues vorgegebenes für alle verbindliches System eingegrenzt sein im Wissen, dass es ein Wunsch bleiben wird, es ganz verbannt zu bekommen. Ich habe das alles für mich erkannt und ich bin enttäuscht bis entsetzt was da alles so passiert und ich wundere mich darüber, wie lange ich persönlich gebraucht habe, dass alles zu erkennen. Hier gebe ich mir nun auf dem bischen Boden der mich direkt und unmittelbar umgibt...das besser zu machen. Ich schütze meine Jungs dadurch, dass ich versuche mich besser zu verhalten. Ich mache da nicht mit und fördere das z.b. nicht dadurch ständig hervor zu heben, wie wichtig der Stützpunkt doch ist und wie toll es ist reich zu sein (als Star). Vielmehr versuche ich die normalen Werte als gut zu "verkaufen". Sich hierauf zu besinnen...halt mal auf dem Teppich zu bleiben...das ist für mich -heute- viel wert. So gesehen ist für mich da "unten" eher da "oben". Sorry.


    Solange das also so nicht ist, biete ich dem Stress.-und Leistungsgeplagten auch etwas. Ich hätte diese Leute nicht bei mir, wenn das ganze Leistungsdenken...das vorhandene System hier anders arbeiten/funktionieren würde. Schade.

  • Andre,



    das ist eine Sichtweise, die ich komplett unterschreiben kann. Für mich ist der Ansatz des gemeinsamen Fußballerlebnisses mit Spass und Freude an der Sache das Wichtigste, wenn die Mädels zweimal die Woche für eine gute Stunde zum Training kommen, daran ist das Training ausgerichtet.



    Wenn dabei die Technikschulung etwas auf der Strecke bleibt, weil die Mädels pölen wollen, dann finde ich daran nichts Schlechtes. Ein Beispiel: Wir haben immer ca. 25 Minuten Abschlusspiel, dann auch immer 5:5 oder 6:6 auf große Tore, weil bei insgesamt 13 Kinder kaum Trainingsausfälle zu verzeichnen sind. Und andere Spielformen, wie oft angeregt auf vier kleiner Tore oder 3:3 Turniere, machen ihnen keinen Spaß und werden sehr lustlos abgespult. Habe ich ausprobiert, aber lasse ich jetzt halt und lass sie ihr 'großes' Spiel auf normale Tore spielen.



    Wenn ich mich hier in den Threads so durchlese, überlege ich oft, ob ich den Mädchen zu wenig anbiete und ob ich zu wenig ambitioniert bin, aus der Truppe 'was zu machen'. Aber ihnen macht es offenbar Spaß, wir sind jetzt 2 Jahre zugange und spielen dann in der Rückrunde eben Kreisklasse statt Kreisliga, wenn es nicht reicht. Aber da halten wir immerhin mit. Reicht doch auch.



    Wem das nicht reicht für sein Kind, der soll doch selber das Training übernehmen.

  • Ueber welche Schiene sich Kids entwickeln ist wohl eher eine Sache der Eltern als die der Trainer. Und diese Sache ist doch weit komplexer als Variante A oder B. Da gibt es noch Geschwister, andere Sportarten, Schul(karriere), Berufswahl, Gesundheit, Wachstum, Karriere und Fussballaffinität der Eltern, deren Netzwerk, und noch vieles andere mehr welches mitbedacht und mitorganisiert sein will.
    Das diesbezügliche Entscheidungsportfolio eines normalen KiFu Trainers ist, was die Entwicklungspfade auf der individuellen Ebene betrifft, im Vergleich zum Entscheidungsspektrum der Eltern - Peannuts!
    Natürlich kann und soll der Trainer hier beratend wirken. Aber die Hauptlast der Wegbereitung und Lebensplanung für ihre Kinder müssen und sollen die Eltern tragen. Tun sie es nicht, wird es, von Ausnahmen abgesehen, sowieso nicht mehr als Breitensport - wo es nun wirklich nicht drauf ankommt, über welche Kanäle die Ausbildung dann mal gelaufen ist. Hauptsache es hat Spass gemacht und es ist hoffentlich genügend Raum geblieben für alles was sonst nicht wichtig ist im Leben !


    Dass dem Spitzensport so Talente verloren gehen liegt auf der Hand. Aber Talente haben wir genug. Im Gegensatz zum Breitensport gibt es für diese verbleibenden "Talente" nicht mehr allzuviele Wege die zur Spitze führen, denn, viel mehr als Talent, ist zunehmend vor allem professionelles Training und 24 Stunden Rundumbetreuung, und damit auch das finanzielle und zeitliche Engagement der Eltern für das Weiterkommen entscheidend.
    In der Regel erhält man dies nur im Umfeld der Topvereine. Alles andere ist Lotterie, aber nie hoffnungslos !

  • Hallo TW-Trainer und andere Interessierte,

    der A-Typ Spieler ist der , der sofort auffällt ,der eben talentierteste (vorerst ) der Beiden. Der , dem die große Zukunft vorausgesagt wird und den jeder "bessere" Verein haben will . Der, dem vermeintlich die besten Chancen offenstehen .
    Und dieser Typ wird gefördert und gefordert - bis an seine Grenzen.
    Wenn er irgendwann nicht mehr kann oder will ,wird er sehr schnell ersetzt .Da warten Andere Schlange , um in diesen "besseren" Verein zu kommen und den Traum von der großen Fußballkariere zu träumen.

    Vielleicht ist es da die Chance für die Spätzünder , für den Typ B - Spieler , die außer des Talents noch die nötige Reife , Ausdauer und Kampfgeist mitbringen. Die gelernt haben , dass man mit viel Fleiß zum Erfolg kommt ,denen es eben nicht so leicht in den Schoß gefallen ist , wie dem Typ A-Spieler.


    Denn da , wo der Typ A -Spieler aufgibt(aussortiert wird ,aufhört ) ,da fängt erst der Spieler B an -und dieser hat dem Spieler A Einiges voraus ,nämlich ist er meistens so gefestigt in seinem Vorhaben und hat gelernt mit Mieserfolgen umzugehen , dass ihn so schnell nichts aus der Bahn werfen kann. Zumal er eben dann schon älter als Spieler A ist , als dieser damals bejubelt wurde. ( Da passt der Vergleich mit dem K.O. im Boxring sehr gut . )

    Ein Mittelweg wäre schön - wenn die A's nicht verheizt würden und die B's ihre Chance bekämen .
    Und alle dabei ihre Freude und Spaß hätten.

    L.G.
    Frühlingsonne

  • @Frühlingssonne


    Ich kann deine Worte beipflichten, denn ich sehe es ebenso! Auch für mich wäre es wünschenswert, wenn man die jungen Talente nicht auf ihre fussballerischen Qualitäten hin reduzieren, sondern sie als Individuen behandeln würde.


    Deshalb würde ich mir auch wünschen, wenn die Talente ihre Leistungen gerne und freiwillig abliefern, statt sie nach dem Motto "Friss oder Stirb" bis zur Willenlosigkeit zu drillen! Allerdings habe ich die Hoffnung, dass die jungen Menschen immer weniger auf unbedingtem Gehorsam ansprechen.


    Leider aber gibt es noch viel zu wenig Trainer, die sich mit der Devise "hab Spaß und ich helfe dir dabei" durchsetzen können. Man muß wohl schon auch sportlichen Erfolg dabei haben, um es sich leisten zu können oder eben genügend Selbstbewußtsein, um sich nicht "verbiegen" zu lassen.


    Dennoch sind auch wir Trainer keine Götter, die über Wohl und Wehe eines Talents entscheiden können. Er ist nach meiner Meinung eben nicht nur das Produkt seiner Umwelt, sondern ein Mensch mit freier Entscheidungskraft. Irgendwann kommt man an einen Punkt, wo das Talent selbst aus freien Stücken entscheiden will, wohin die Reise gehen soll! Was dann für ihn das Beste ist und mit welchen Konsequenzen dies verbunden ist, kann nur er selbst am besten wissen!


    Wenn man Menschen in Käfige sperrt, dann können sie auch aus Gold (NLZ) sein, es bleiben Käfige! Wer jedoch Kinder gerne lernen läßt, der wird sich an ihrer Neugier freuen und ihre Leistungen bewundern dürfen!