Unschätzbar wertvolle Informationen - ein Selbstbewertungsbogen

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  • Hi,


    also ich habe einen Selbstbewertungsbogen für meine Spieler gebastelt, den sie ausgefüllt haben, und die Infos die ich da jetzt gewonnen habe sind so wertvoll, dass ich das Konzept dahinter gerne kurz vorstellen würde. Zudem geben mir einige Antworten Rätsel auf, bzw. ich weiß nicht recht, wie ich damit umgehen soll.


    Also erstmal habe ich Fragen zu dem Überschriften Technik, Taktik, Spielverständnis, Körperliches und Allgemeines gestellt. Klaro, ich trainiere ne E-Jugend, dem alter entsprechend. Dabei hatten die Kids die Möglichkeit zwischen "stimmt" und "stimmt nicht" in 6 Stufen zu unterscheiden, sprich, sie mussten zumindest eine Tendenz abgeben.


    Bei den Überschriften Technik, Taktik, Spielverständnis und Körperliches ging es mir, auch wenn es den Großteil des Bogens ausgemacht hat, eher darum, einen Überblick über die Selbsteinschätzung zu bekommen. Natürlich sind dabei für mich auch einzelne Werte interessant, aber im großen und ganzen ging es doch eher um die Selbsteinschätzung.


    Im allgemeinen Teil ging es um so sachen, ob sich die kids wohl fühlen, ob ihnen das training spaß macht, ob sie über oder unterfordert sind, ob sie gerne mehr oder weniger verantwortung inne hätten usw. Eine Frage die mir persönlich wichtig war, war die nach dem Muskelkater nach dem Training/Spiel. Ich weiß, das sollte kein Thema in einer E-Jugend sein, aber sicher ist sicher, zumal ich mein Training schon als fordernd einschätzen würde.


    Als ich ihnen den Fragebogen gegeben habe hab ich ihnen auch gesagt, dass sie ihn selbst ausfüllen sollen, und dass es keine falschen Antworten gibt! Ich denke die Info is wichtig :)


    Naja, fazit: Ich glaube der Fragebogen hat den Kids spaß gemacht. Zumindest habe ich alle, bis auf einen, schon zurück :) Und sie schienen einigermaßen begeistert gewesen zu sein. Die Infos, die ich bekommen habe, sind toll! Einige, von denen ich geglaubt habe, sie schätzen sich selbst viel zu gering ein, haben mir das Gegenteil bewiesen (das war eigentlich der Grund, warum ich das gemacht habe). Das war toll. Allgemein kann ich das jedem nur empfehlen!


    Trotzdem, wo Licht ist ist auch Schatten. Ein paar Antworten die ich bekommen habe werfen Fragen auf. Dazu muss man sagen, dass sich die meisten Spieler in vielen der allgemeinen Fragen einig bzw. tendenziell einig sind. Die Fragen, die da aufkommen, sind sicherlich keine grundlegenden, trotzdem sind es sachen, an denen ich gerne arbeiten würde.


    Einer ist dabei unser Kapitän. Er beantwortet den ganzen Fragebogen gut, schätzt sich selbst durchaus gut ein, aber auch wiederum nicht zu gut, also ne wirklich gute selbsteinschätzung.
    Entgegen der Allgemeinheit beantwortet er aber die Frage nach dem Muskelkater mit einem mittleren "stimmt", also 5/6 Punkten, während der Rest seiner Mannschaft das relativ klar verneint. Eigentlich ist er körperlich fit?! Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich damit umgehen soll, zumal die anderen das ja nicht haben..
    Naja, wichtiger waren für mich allerdings zwei andere Antworten: Die Frage, ob er sich in der Mannschaft wohlfühlt beantwortete er mit 3/6, also nur einer leichten Tendenz zum Ja. Die Frage, ob er mehr Verantwortung übernehmen möchte mit einem glasklaren NEIN! Man muss auch dazu sagen, dass es sein einziges ganz ganz klares NEIN! war.
    Eigentlich hatte ich das Gefühl, er möchte mehr Verantwortung übernehmen. Er hat zu Beginn der Saison von sich aus das warmmachen vor den Spielen geleitet. Er ermahnt hin und wieder seine Mannschaft im Training zur Aufmerksamkeit.. Ich dachte, er will das so, und ich sollte ihm das lassen bzw. ihn dabei unterstützen. Scheinbar habe ich mich dabei getäuscht. Das er sich in der Mannschaft nicht so richtig wohl fühlt kann ich eigentlich nicht verstehen..
    Wie sollte ich damit umgehen? Also meine erste maßnahme wäre, das Warmmachen selbst zu übernehmen, und ihm so Druck von den Schultern zu nehmen. Ich weiß aber nicht, ob das weit genug gegangen ist. Sollte ich das Gespräch mit ihm suchen? Gerade auch auf die Frage, warum er sich nicht soo richtig wohlfühlt? Sollte ich bei seinen Eltern mal nachfragen? Würde ich ihn damit nicht hintergehen? Ich möchte seine Meinung wissen, rede dann aber darüber mit seinen Eltern..



    Ein anderer möchte scheinbar mehr in die Verantwortung genommen werden. Das kann er sicherlich auch, aber eigentlich hält er sich sonst ganz vornehm zurück. Wie könnte ich ihm denn ganz dezent mehr Verantwortung zukommen lassen? Würde es genügen ihn z.B. öfter mal Übungen vormachen zu lassen?



    Ansonsten war das ganze eigentlich wie erwartet. Wie gesagt, es gibt unzählige Infos die ich aus dem Fragebogen gezogen hab! Der ein oder andere überschätzt sich, aber ich ich denke das ist in dem Alter ganz normal und auch gut so, die vertragen wohl ein Bischen weniger Lob :) Einer ist dabei, der sich unterschätzt (ich hätte, wie gesagt, auf mehr getippt), den werde ich wohl in nächster Zeit n bischen mehr loben und aufmuntern.



    Achja, eins wäre da noch: Ein einziger schein n bischen wenig Bindung zum Verein zu haben, wie könnte man das ändern?



    Ansonsten, positiver nebeneffekt, ich kann sie auf ihrer eigenen Einschätzung festnageln :) "jetzt alle mim schwachen fuß!" "och noe".... :P



    LG Peter

  • nabend peter,



    vielleicht solltest du das alles auch nicht überbewerten und hauptsächlich auf deine eindrücke im spiel und im training und vor allem in den situationen, in denen die jungs sich unbeobachtet fühlen zählen.


    die frage bei fragebögen, die selbständig und ohne deine anleitung ausgefüllt werden ist, ob sie von den kids auch richtig verstanden werden. so eine abgestimmte bewertung abzugeben ist in dem alter noch gar nicht so einfach, man weiß auch immer nicht, in wieweit die eltern beim ausfüllen 'geholfen' haben.


    kannst du den fragebogen nicht mal als pdf hier einstellen?



    gruß

  • Peter_Pan


    Generell ist das regelmäßige Feedback für den Trainer wichtig. Bei der Frage nach einer geeigneten Form mag man unterschiedlicher Meinung sein. Das hat sicherlich auch etwas mit der Natur des Trainers zu tun. Der eine Coach bevorzugt das offene Gespräch in der gesamten Runde, während der andere sich sagt, ich möchte mich vorbereiten, weil es mir schwer fällt, spontan die richtigen Antworten auf die Fragen, Nöte und Sorgen meiner Spieler zu nehmen. Der Fragebogen ist ein geeignetes Mittel, wenn die Frage offen (d.h. durch die Fragestellung nur bestimmte Antworten möglich sind) und für die Altersgruppe passend und verständlich formuliert sind. Wer soetwas gerne macht, der sollte sich auch ruhig ein paar Fragen für die Eltern ausdenken, denn auch die möchten gerne ernst genommen werden und sich im Verein wohlfühlen. Gerade im unteren Jugendbereich wird das Elterncoaching immer wichtiger. Weil man meist sehr wenig Zeit für die Eltern hat, kann man so zusätzliche Infos über die Kinder bekommen.


    Die Kritik von DSV ist berechtigt und gilt generell für Fragebogen. Denn egal, wo man sich während des Ausfüllens befindet, es findet eine mehr oder weniger starke Beeinflußung durch den Inhalt eines Fragebogens statt. Sie ist stärker, wenn sie namenlich und schwächer, wenn sie anonym gemacht wird. Je nach Zielgruppe (Alter, Bildung) sind die Antworten unterschiedlich zu interpretieren. Man muß schon ein wenig Routine entwickeln, um Fragebögen korrekt zu entwickeln und auszuwerten. Deshalb sollte man sorgfältig an die Sache herangehen. Auch sei vor überschnellen Schlüssen bei der anschließenden Analyse gewarnt, denn auch hier gilt es, nicht nach dem Wortlaut, sondern nach dem Sinn der jeweiligen Antwort zu forschen. Deshalb empfiehlt es sich, zunächst mit wenigen, einfachen Fragen zu beginnen. Wenn man dann ein wenig Sicherheit gewonnen hat, kann man es erweitern. Auch hier bietet das Internet gute Möglichkeiten, sich Wissen darüber anzueignen.


    Kommen wir zum Problem der Fragebogen-Auswertung. Besonders, wenn die Antworten überraschend ist, ist man geneigt, Dinge unbewußt emothional hinein zu interpretieren. Das Nachfragen ist wichtig, weil der Schreiber im Regelfall andere (und weitaus weniger) Lebenserfahrungen besitzt als der Trainer.


    Eine andere Sache, die nichts mit der Fragebogenaktion zu tun hat, ist es sicherlich, welche Verantwortung man einem E-Jugend-Kapitän übertragen kann? Ich kann mir gut vorstellen, das ein E-Jugend-Kapitän noch mit vielen Aufgaben überfordert ist und fast alles noch über den Trainer laufen sollte.

  • Ich mache das zu Jahresbeginn. Ich erstelle einen Zettel wo die Spieler ihre mir nicht bekannten aber wichtigen Daten wie Emailadresse, Handynummer von sich, den Eltern und wenns geht...Oma und Opa notieren. Ferner frage ich ab, welche Lieblingsposition (D Jugend) sie haben und auf welcher sie bereits eingesetzt wurden. Dann steht noch im unteren Bereich drauf, dass der mutige Mensch dort eintragen möge, was er von sich und dem Trainer erwartet. Ach ja...und zur Auflockerung frage ich noch den Lieblingsverein für die Bundesliga ab.


    Das ist für mich eher eine organisatorische Angelegenheit. Das trainerisch zu nutzen liegt mir fern. Ich finde es für eine Jugendmannschaft viel zu professionel und damit übertrieben, sorry. Gleiches erfahre ich durch normale Reaktionen beim und nach dem Training und auch in der Gruppe auf Facebook und anhand der Trainingsbeteiligung...dafür benötige ich keine Abfragen. Ferner erfährt man auch vieles dadurch, wenn man sich seinen Ruf in der Gemeinde mal mit einem Lauschermann mithört.


    Ich möchte das dennoch nicht verteufeln, was Peter mit viel Euphorie hier mitteilte, ...es tat schließlich im Umkehrschluß niemandem weh.

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Peter_Pan


    Du kannst Doch nicht 1 1/2 Seite Bericht schreibe, dass Ganze so spannend machen und dann fehlt der Fragebogen im Anhang?!


    Bitte her damit... vielleicht können wir ja etwas damit anfangen :thumbup:


    Viele Grüsse
    TRPietro

  • Wenn im Team kaum Spannungen auftreten, alles gut läuft und lachende Gesichter zu sehen sind, dann ist der Fragebogen sicherlich nett, aber letztlich überflüssig.


    Wenn man übrigens Schülerinnen und Schüler nach ihrer Leistung fragt, dann stimmt das auch nicht immer wirklich. Schüchterne tendieren zu einer eher geringen Einschätzung, die Platzhirsche mit dicker Hose liegen sogar gerne mal zwei Noten oder viele Punkte darüber, selbst beim Abitur:


    Lehrer: "Wie schätzen Sie ihre Kursleistung im ersten Halbjahr ein, Dean-Justin Meyer?"
    Schüler: "Hmmmm ...schwierig, so um die 10 Punkte."
    Lehrer: "Ok, stimmt, einverstanden, aber ich habe Sie nicht danach gefragt, was sie in beiden Halbjahren zusammen erwarten."


    Sollte es aber Probleme im Team geben, wäre ein solcher Fragebogen eine mögliche nützliche Maßnahme, die Wurzel des Übels besser finden zu können.

    [b][color=#990000]"Absolvent der SOCCERDRILLS-ONLINE Kurse BASIS, Ki-Fu und JUGEND-FU."

  • Solche Fragebögen / Umfragen bieten immer die Gefahr, Dinge hineinzuinterpretieren, die nicht drinstehen. Ich mache diese Erfahrung auch häufig im beruflichen Umfeld.


    Gerade im Kinderfußball besteht ja die Gefahr, dass die Spieler die Frage ganz anders verstehen, als der Trainer sie gemeint hat. Bist Du sicher, dass der Spieler und Du das gleiche Verständnis des Begriffs "Verantwortung" haben? Inwiefern man das in der E-Jugend erwarten kann, lasse ich mal außen vor, um beim Thema zu bleiben.


    Bei nicht-anonymisierten Fragebögen bleibt dann immer noch die Möglichkeit, dass das geantwortet wird, was der Fragende vermutlich gerne hört. In diesem Fall hätte Dein Kapitän Verantwortung übernommen, indem er ehrlich war. Waren es die anderen auch...? Keiner weiß es und deshalb bist Du unterm Strich genauso schlau wie vorher.

  • Als Kapitän hat er ja schon Verantwortung. Wenn dann die Frage ist, "willst du noch mehr Verantwortung", dann ist ein "nein" für den Kapitän ja völlig in Ordnung. Vielleicht hat er Angst, dass er dann Co-Trainer werden muss. ;)

    "Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind."
    Terry Pratchett

  • Ich mache auch jährlich so eine Umfrage, anfangs auch mit Fragen und einer Skala 1 .. 10. Ein paar Spieler haben nach drei Fragen registriert, dass "10" immer "Super" bedeutet und haben komplett mit 10 durchgekreuzt. Natürlich auch bei Fragen, wo "10" eher auf der anderen Seite ist. Andere haben die Fragen wohl nicht verstanden und daraufhin widersprüchlich angekreuzt.


    Daraufhin habe ich diese Fragen aus dem Zettel genommen. Das hat nicht viel Aussagekraft. Ich beschränke mich jetzt auf einige wenige Fragen, zu denen die Spieler etwas schreiben sollen. Lieblingsübung, Lieblingsposition, Erwatungshaltung (an sich, Mitspieler und Trainer), eigene Ziele. Bei mindestens der Hälfte der Rückläufer erkennt man aus der Kürze der Antworten, dass die Spieler lieber Fussball spielen als drüber zu reden. Ein paar sind natürlich sehr wertvoll und wegen diesen Antworten halte ich auch daran fest.

  • @Callahan


    Das, was du beschreibst, geschieht häufig dann, wenn man sich noch nicht genug Gedanken über die Zielgruppe der Fragebogenaktion gemacht hat.


    Hier mal ein paar lustige Beispiele aus meiner Erinnerung:


    So kann ich mich an eine Meinungsumfrage zur Einführung eines Schul-Kiosks erinnern, in der die Schüler anonym nach:
    - ihrem wöchentlichen Taschengeld
    - den gewünschten Produkten
    - der Kaufhäufigkeit
    befragt wurden.


    Das Ergebnis war ernüchternd, denn die Schülter beabsichtigten deutlich mehr zu kaufen, als es ihr wöchentlichen Taschengeld hergab! Hier wollten die Fragebogen-Ersteller ganz sicher gehen, das der Kiosk auch gebaut wird.


    Ebenfalls auf Nummer Sicher gehen wollte vor Jahren ein norddeutschen Dorfpolizisten. Endlich hatte er den verfluchten Steißtrommler, der seinen Sohn Sitzenlassen hatte, nach dessen Gasthausbesuch am Wickel! Um bei der anschließenden Blutprobe auf Nummer Sicher zu gehen, schüttete er in einem unbedachten Moment einige Tropfen Hörnerschnaps hinzu. Das Ergebnis (13,5 Promillegehalt) war dann aber ernüchternd! Wieder war der verflixte Pauker davon gekommen, denn die Blutprobe wurde selbstverständlich für ungültig erklärt.